Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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l«. Jahrgang. / Nr. 85. 7 ZwcîkeZ Matt. 
Landeszeitung 
Sìņibsdurgcr Tageblatt 
Donverstag, den 9. April 1938. 
Ostern entgegen 
, Noch sind wir mitten in der Karwoche. Heute 
îst Gründonnerstag, morgen Karfreitag. Ern- 
şie, die Gedanken in weitem Bogen aus der 
Zeit in die Ueberzeitlichkeit spannende Tage, 
von denen ein Spruchdichtcr des 18. Jahr 
hunderts schlicht, doch eindringlich sprach: 
„Denket, denket alle daran! Er tut es nicht 
kin zweites Mal!" Nämlich Christus sein Er- 
wsungswerk. 
^Auf die zur inneren Einkehr bewegenden 
^age folgt dann das Auferstehungsfcst, von 
uem Faust in seinem unverwelklichen Oster 
spaziergang, als er aus dem Stadttor das 
vunte Gewimmel der Menschen hervorkom 
men sieht, sagt: „Jeder sonnt sich heute so 
6ern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn." 
Ş sich aber in der Natur zu sonnen, muß 
Sonne da sein. Hoffen wir, daß sie uns nicht 
Aufsitzen läßt. Ein Jslandwirbel spielt zwar 
in der Wettergestaltung der nächsten Tage 
kitte Rolle. Doch fügt die Wetterdienststelle 
Hamburg gleich einige beruhigende Worte 
hinzu. Der hohe Druck über England nach 
Deutschland werde weiterhin maßgebend sein. 
iVenn wir uns einrichten dürfen auf „heiter 
bis wolkig", sind wir schon zufrieden. 
Das fesche Hütchen der Damen, ein duftiges 
Kleidchen oder sonst ein frohmachendes Sächel 
chen soll ja zu Wirkung und Ehren kommen, 
^eim Herrn die neue Büx, der prächtige 
Schlips. Schon sind die Urlauber aus den Gar 
nisonen da und beleben das Straßenbild. Der 
Reiseverkehr auf der Eisenbahn setzt ein. 
Dstern ist eine Gelegenheit, zu der man, den 
Banden des Winters entronnen, sich gern 
öraußen ergeht und das Erneuerungswerk der 
Schöpfung bewundert. 
3«m Jahr des Deutschen Jungvolks 
Der Reichsjugendführer gab der HI. zu An 
sang dieses Jahres den Befehl, in diesem 
Fahre durch die Arbeit der Einheiten den noch 
Vicht erfaßten Nachwuchs in die dafür in 
Frage kommenden Untergliederungen, also in 
öas Deutsche Jungvolk und in die Jungmädel- 
vrganisation, zu bringen. Der Befehl gilt so 
wohl für das Deutsche Jungvolk in der HI. 
als auch für die Jungmüdel. Zur Probe mer- 
hen alle aufgenommen, die im Laufe des Jah 
ves 1936 10 Jahre alt geworden sind bzw. es 
voch werden, d. h. also alle Jungen und Mä 
he! des Jahrganges 1926, soweit sie den Grund 
bedingungen für eine Aufnahme in die HI. 
Und deren Untergliederungen entsprechen. Die 
Boraussetzungen sind: arisch, reichsdeutsch, 
erbgesund usw. Die Aufnahme der 10jährigen 
erfolgt in der Zeit vom 10. bis 20. April 1936. 
Bei früheren Jahrgängen (1928—23) können 
ebenfalls Aufnahmen zur Probe gemacht wei 
hen,' doch gelten in diesem Falle die Anwärter 
des Jahrganges 1926 als bevorzugt. Das 
Hauptgewicht liegt auf dem Jahrgang 1926 
Und in dem Ausnahmefall der Probeaufnahme 
früherer Jahrgänge zusätzlich auf dem Jahr 
gang 1925. Die Jahrgänge 1924 und 23 kön- 
ven während des ganzen Jahres 1936 aufge- 
vommen werden. 
Nach erfolgter Anmeldung und Ausfüllung 
eines Probcaufnahmescheines werden die Jun 
gen bzw. Mädel der für ihre Wohnung zustän- 
higen Einheit zugeteilt, um sich einer acht 
wöchigen Probedienstzeit im DJ. bzw. bei den 
IM. zu unterziehen. Die Probedienstzcit dau 
ert, je nach Tüchtigkeit des DJ.-Anwärters 
Rendsburg, den 9. April 1936. 
oder der JM.-Anwärterin, zwei, höchstens 
sechs Monate. 
Die geldliche Frage darf bei der Probeauf 
nahme bzw. der Aufnahme in DJ. oder IM. 
nicht als Hinderungsgrund auftreten. 
* Führerwechsel im Jungbanu 163. Am 
1. April wurde der Jg. Herbert Klein, Husum, 
mit der Führung des Jungbannes 163 beauf 
tragt, da der bisherige Führer des Jungban 
nes, Christian Stabel, zum Arbeitsdienst ein 
berufen wurde. Die Jungbanngeschäftsstelle 
wurde von der Karlstraße in Neumünster mit 
Wirkung vom 1. April ins Haus der Jugend, 
Großflecken, verlegt. 
* Die Gehilfenprüfung bestanden gestern vor 
dem Prüfungsausschuß der Rechtsanwalts 
kammer in Kiel die Rechtsanwalts- und Nota 
riatslehrlinge Frieda Oldenburg in Rends 
burg (bei Rechtsanwalt Greuer), Harry Röhl, 
Rendsburg (bei Rechtsanwalt Nacve), und 
Rudolf Röhr, Borgsteöt (bei Rechtsanwalt Dr. 
Siebcken). 
* Unfall bei der Arbeit. Ein Tischler geriet 
infolge Ausgleitens mit der rechten Hand in 
die Abrichtmaschine. Ihm wurden zwei Finger 
aufgerissen. 
* Osterpakete und Ostergrütze. Ostergaben 
und Osterwünsche, die man mit der Post über 
sendet, sollen pünktlich zum Fest eintreffen. 
Die Post hat alle Vorkehrungen getroffen, sie 
bittet die Versender um verständnisvolle Mit 
arbeit. Pakete, Postgüter und Päckchen wie die 
brieflichen Ostcrgrüße sollte niemand erst in 
allerletzter Stunde einliefern. Bei dem Reise 
verkehr vor dem Fest sind immerhin Verspä 
tungen und Anschlußversehlungen möglich. 
Verspätetes Eintreffen der Sendungen beein 
trächtigt aber leicht die Festfreude bei den 
Empfängern. Die Paketsendungen müssen gut 
verpackt und verschnürt, die Anschriften halt 
bar angebracht werden,' obenauf in jede Sen 
dung lege man ein Doppel der Aufschrift, damit 
die Ostergaben auch ihr Ziel erreichen, wenn 
die äußere Anschrift verlorengeht. Für Päck- 
chen, die mit den Paketsendungen befördert 
werden, darf man nicht schwache Pappschachteln 
verwenden, die leicht eingedrückt werden. Die 
Anschrift des Empfängers und des Absenders 
sollen auf den Paket- wie auf den Briefsendun 
gen vollständig und deutlich angegeben werden. 
* Keine Zurückstellung von verheirateten 
Dienstpflichtigen. Es ist vielfach die Ansicht ver 
breitet, daß verheiratete Dienstpflichtige von 
der Ableistung der Arbeitsdienstpflicht oder der 
Erfüllung der aktiven Dienstpflicht in der 
Wehrmacht zurückgestellt würden. Der Reichs 
und Preußische Minister des Innern hatte 
hierzu bereits im vergangenen Jahre darauf 
hingewiesen, daß die Verheiratung eines 
Dienstpflichtigen kein Zurückstellungsgrund ist. 
Im Hinblick auf die bevorstehende Musterung 
und Aushebung wird erneut auf diese Tat 
sache aufmerksam gemacht. 
Rendsburgs Handwerk. 6 
Ein Madel besucht den Tischler 
Unsere Artikelserie „Rendsburger 
Handwerk in Wort und Bild", die durch 
die politische Anspannung während der 
Wahlzeit ausgesetzt wurde, hat nicht nur 
in Handwerkerkreisen Anerkennung ge 
funden, sondern darüber hinaus der Klas 
se U 3 des Städtischen Lyzeums Veranlas 
sung gegeben, ebenfalls unsere Rendsbur 
ger Handwerker zu besuchen und das Er 
lebnis in einem Aufsatz niederzuschreiben. 
Wir freuen uns über die Auswirkung, die 
unsere Artikelserie bisher schon gehabt 
hat, denn sie sollte unseren Handwerksmei 
ster wieder mehr bekannt machen in der 
Bevölkerung, es sollte gezeigt werden, 
was er schafft und wie er schafft, um den 
Wert handwerksmäßiger Arbeit eindeu 
tig festzuhalten. Von den Aufsätzen brin 
gen wir heute einen von Vera Schulz. 
Sie schreibt: 
„Jo, mien Deern, so is dat Messer noch nie 
to gebruken. Kiek, jetzt is dat genog slepen und 
mut op den Aftrecksteen, düssen hier, aftrocken 
ivarn!" erklärte mir Meister Ehmbke. „Ach, 
und ich meinte, das Messer märe fertig, wenn 
es geschliffen sei," erwiderte ich erstaunt. „Nee, 
denn wär dat jo ganz ruch, op düssen brunen 
Steen wardst erst glatt makt!" 
„Ich darf wohl noch 'n bissel hier herum 
schnüffeln, wie?" „Geern!" brummte er freund 
lich. „Warum ist denn hier in der Werkstatt 
ein Herd, Meister?" fragte ich plötzlich. Ich 
konnte mir nämlich nicht erklären, was der zu 
bedeuten habe. „Tschunge, büst Du aber dumm! 
Dat 's doch een Liemohm. Dor ward de Warm- 
liem op kokt. Kiek Di dat man mol ordentlich 
an!" Ich roch nun auch einmal gehörig in den 
Topf hinein. „Aeh, schöner Duft! Woher be 
ziehen Sie den Leim?" „Den Tafel- un Wür- 
felliem köp ick von de Düngerfabrik. De ward 
dor ut Knaken mokt." Vör de Knaken mußte 
ich mich doch ein wenig schütteln. Aber nur 
nichts merken lassen, sonst lacht er mich höch 
stens aus. Tapfer frage ich weiter: „Und 
woraus macht man diese Perlen hier in der 
Tüte?" „De Perlenliem is ut Hut." Nee, nun 
hatte ich genug von dem Kleister. Schnell setzte 
ich meine Entdeckungsreise durch die Tischler 
werkstatt fort. „He, Meister, das ist aber eine 
große Hobel!" entfuhr es mir plötzlich, als ich 
in dem Werkzeugkasten eine Hobel erblickte, 
die weit größer war als eine gewöhnliche Ho 
bel. „Och, Du meenst wull de Rauhbank. De 
kannst mi glieks mol herbringn, ick mut düsse 
Schraukdör noch lick moken." Zweifelnd be 
trachtete ich mir die Tür genauer, mir schien 
sie ganz gerade. Nun staunte ich desto mehr 
über die Menge Hobelspäne, die noch abfiel. 
„Sollen die Türen in diesen Schrank eingesetzt 
werden?" „Jo, dat is 'n Sekretär." „Aber wes 
halb sind denn die Türen aus Sperrholz?" 
„Dormit vun dat düre Holt sport ward. Hier 
kamt naher Mahagoni- und Nötbomfurnier- 
platten up. Na, Du warst dat jo glieks sehn. 
Erst mutt de annere Dör noch ferdig hobelt 
warn." 
Er bearbeitete nun diese mit lker Putzhobel 
und hinterher mit der Zahnhobel, die das Holz 
aufrauhte. „So nu kann dat Furnieren los- 
gahn!" Dies ist keine leichte Arbeit, aber Mei 
ster Ehmbke verstand sie. Zuerst legte er drei 
große Zinkplatten auf den Leimofen. „De möt 
anwarmen," beantwortete er meine Frage. 
Nun bestrich er die eine Türseite mit Leim und 
legte eine 3 mm dicke Mahagoniplatte darauf. 
Vorher hatte er das Holz gründlich mit seiner 
blauen Leinenschürze abgewischt, damit der 
Schmutz nicht ins Holz gedrückt wird. Die In 
nenseite der Tür wurde genau so behandelt, 
nur erhielt sie statt der Mahagoniplatte eine 
Nußbaumplatte. Holz muß immer von zwei 
Seiten furniert werden, sonst wirft es sich. „So, 
nu paß up. Düt hier sünd de Furnierböck. Hier 
legg ick to tinners erstmal een warme Zink 
platt, de ick vorher mit Talg insmeer, un denn 
kümmt een Schrankdör dor up, nu werr een 
Zinkplatt, de twete Dör und de letzte Platt. 
Toletzt legg ick noch een poor Druckbalkens und 
Holttolangs up und de Spindeln künnt fast- 
schraben warn. De Spindel in de Mitt ward 
toerst antrocken, damit dat jo keen Kürschners 
giwt." Junge, Junge, hättest du das nur erst 
verdaut, dachte ich erschreckt. Aber auf meine 
ersten, sicher dummen Fragen fing der Tisch 
lermeister auch schon bereitwillig an zu er 
klären: 
„De Zinkplattcn kamt öwerhaupt twischen 
de Dörn, dormit düsse nich tohopen klewt. Denn 
manchmol geiyt de Liem dörch de Furnierplat 
ten und denn is dat Mollör grot. Warm mokt 
ward de Platten, dormit de Liem, wenn he all 
kolt worn is, wedder warm und semig ward. 
Bi een oder twee Stücken Holt kümmt dat «ich 
so licht vör, blot wenn ick vcel to bearbeiten 
hew. Wenn nu all'ns ünner de Spindeln oder 
Schruben packt is, mut de in de Mitt toerst 
fastschrvben warn, dat de Liem no de Sieden 
utlecken kann. Harr ick dat nu ümgekehrt mokt, 
denn wör de Liem nv de Mitt preßt worn, un 
dat Holt wär wellig weesen. Bi uns heet dat: 
Dat Holt hätt Kürschner." „Wie lange bleibt 
das Holz nun in den Furnierböcken?" „Twee 
bet dree Stünn mut't dör ünner bliebn, ober 
ick lat dat bet morg'n früh, denn hüt wllllt wi 
man Fierobend moken." 
„Och, nun bin ich unverschämt, denn ich 
möchte noch zu gerne wissen, was an der Voll 
endung der Türen fehlt," forschte ich neugierig 
weiter, denn ich war wirklich gespannt. 
„Morg'n früh nehm ick se rut und Hobel de 
Dörn erst wedder grad und glatt. Denn ward 
se beizt und poliert oder mattiert, jüs as dat 
wünsch is. Düsse füllt poliert warn. Nu ward 
de Dörn insett un toletzt kamt de Scharnieren 
und Schlöt an." Nach diesen Worten holte er 
sich aus der Ecke einen Besen und fegte die 
Werkstatt sauber, denn „hiit is Sünnobcnd," 
meint er. Ich suchte mir einen Handfeger und 
half mit. Tie Hobelbank und die Bandsäge 
hatte ich abgewischt, da war Meister Ehmbke 
auch schon fertig. „Lot man," rief er, als ich 
das Werkzeug weglegen ivvllte, „dat kann ick 
flinker as Tu. Ick wcet dor jo ok bester mit 
Bescheed. Bekiek Di man mol, büst jo vull von 
Sagspön. Tscha, wer bien Tischer hclpt, mutt 
sick een Schürt mitbring'n." 
Als ich mich nun bedankte und verabschie 
dete, meinte er schmunzelnd: „Dat mark Di, 
mien Deern, veeles süht lichter ut, as dat is. 
Jedes Handwark null lcernt wecn." 
&.0p» , iH956,übds 
Die Wetteraussichten in Nordwestdeutschland 
für Freitag, den 10. April 1936: Schwachwindig, 
stellenweise Frühnebel, sonst heiter bis wolkig, 
trocken, tagsüber ziemlich mild. 
Rufeinan-ev eingestellt 
AWiÀ/ļfynv /0Miv (FhtaJftw yļnW; /3W 
OļûAiuG şl^otşlşş AAOAïtHnAA/. şt/t-ll" 
êîLLL» -FOssMctti und 
Juno -Mischung. 
êW ÁfmiAC' ÂfÁAV 
Tfluftv /vwtfyvicmr JiW 
Ä/MAW <£oim'UrÁ maaÄ /ļiw &nv 
/mv Cfroiwfynfi.
	        
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