Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wort und Vilö 
Der Polizeibeamte als Nationalsozialist 
4000 im geistigen Wettkampf — Ein Preis für einen Kieler Polizeihauptmann, 
lobende Erwähnung einer Kieler Kriminalfekretärin 
Die deutsche Polizei hat auf Anregung ihres 
Befehlshabers, Generalleutnants und SS.- 
Dbergruppenführers Daluege, einen geistigen 
Wettkampf ausgetragen, der ein erfreuliches 
Ergebnis zeigt. Durch Erlaß des Reichs- und 
Preußischen Ministers des Innern war im 
Juni vergangenen Jahres für alle deutschen 
Polizeibeamten ein schriftlicher Wettbewerb 
ausgeschrieben worden. Als Aufgabe war ge 
stellt das Thema „Der Polizeibeamte als Na 
tionalsozialist im Leben und im Handeln". In 
dem Erlaß hieß es, daß dieser Wettbewerb den 
deutschen Polizeibeamten Gelegenheit geben 
solle, einmal zu beweisen, wieweit sie sich mit 
dem Gedankengut des Nationalsozialismus 
vertraut gemacht haben. Der Polizeibeamte 
sollte den Beweis antreten, daß er bereit ist, 
die nationalsozialistische Weltanschauung nicht 
nur dem Wort nach und nicht nur im Dienst, 
sondern durch die Tat und in jedem Augen 
blick seines öffentlichen und privaten Auftre 
tens zu verwirklichen. Bei der Beurteilung 
der Arbeiten wurde die Vorbildung und die 
dienstliche Laufbahn des Bewerbers berück 
sichtigt. Je höher also seine Dienststellung war, 
ein desto strengerer Maßstab wurde angelegt. 
Die Beteiligung an dem geistigen Berufs 
wettkampf der Polizeibeamten war außer 
ordentlich rege. Bis zum Schlußtermin hatten 
rund 4000 Bewerber aus allen Gauen des 
Reiches sich durch Einsendung ihrer Arbeiten 
beteiligt. Es begann eine sehr sorgfältige Prü 
fung und Sichtung der Arbeiten, die mehrere 
Monate in Anspruch nahm. Nach zwei Vor 
prüfungen, an denen jedesmal ein von der 
Zuständigen Gauleitung der NSDAP, namhaft 
gemachter Vertreter der Bewegung mitbetei 
ligt war, gelangten die als überdurchschnitt 
lich angesehenen Arbeiten an einen Hauptprü 
fungsausschuß, der im Ministerium des In 
nern die endgültige Beurteilung der Wett- 
bewerbsarbciten vornahm. 319 Arbeiten ka 
men, nachdem sie die Vorprüfungen überstan 
den hatten, in den Endkampf. 
Die zehn besten Arbeiten wurden als beson 
dere Leistungen angesehen und mit Preisen 
des Führers und Kanzlers, des preußischen 
Ministerpräsidenten, des Ministers des In 
dern und des Reichsministers für Volksauf 
klärung und Propaganda ausgezeichnet. Die 
Preisträger dieser „Sondergruppe" sind: 
k. Preis des Führers: Hauptwachtmeister der 
Schutzpolizei Otto Venter- Jena. 
2. Preis des Führers: Hauptwachtmeister der 
Schutzpolizei Erich G o ß l e r - Saarbrücken. 
l. Preis des Preußischen Ministerpräsidenten: 
Hauptwachtmeister der Schutzpolizei Alfred 
F l i e g n e r, Harburg-Wilhelmsburg. 
1. Preis des Reichsministers für Volksaufklä 
rung und Propaganda: Gendarmerie- 
Hauptwachtmeister Anton Schuler, Phi 
lippsburg (Baden). 
1. Preis des Reichs- und Preußischen Mini 
sters des Innern: Kriminalassistent Hans 
Werner- Bergedorf. 
2. Preis des Preußischen Ministerpräsidenten: 
Gendarmerie - Wachtmeister Hinz- Uder- 
wangen. 
3. Preis des Preußischen Ministerpräsidenten: 
Hauvtwachtmeister der Schutzpolizei Otto 
Nickel, Berlin O 34. 
2. Preis des Reichs- und Preußischen Mini 
sters des Innern: Hauptmann der Schutz 
polizei Karl Witt-Kiel. 
8.' Preis des Reichs- und Preußischen Mini 
sters des Innern: Kriminalassistent Georg 
Richter- Wiesbaden. 
2. Preis des Reichsministers für Volksaufklä 
rung und Propaganda: Obergendarmerie 
kommissar Otto B a r t e l t - Dresden. 
Tic übrigen preisgekrönten Arbeiten wür 
ben nach ihrem Wert in drei Gruppen einge 
teilt, von denen zur Gruppe I 19 Arbeiten mit 
»Sehr gut", zur Gruppe II 122 Arbeiten mit 
„Gut" beurteilt, gehörten. Jeder Preisträger 
erhielt ein vom Reichsminister Dr. Frick un 
terzeichnetes Anerkennungsschreiben, das ihm 
burch den zuständigen Dienstvorgesetzteu mit 
einer kurzen Ansprache überreicht wurde. Als 
Preise erhielten die Sieger praktische Gegen 
stände, wertvolle Bücher und Rundfunkgerät. 
Zu den Preisen der Sondergruppe gehörten 
u. a. ein Oelbild und eine Bronzebüste des 
Führers, ein Photoapparat „Leica", eine 
Schreibmaschine, ein Bibliothek usw. Minister 
Dr. Frick betonte in einem Ruuderlaß, daß die 
Sur Verteilung kommenden Preise jeden der 
a?>s dem Wettbewerbe siegreich hervorgegange- 
üen Polizeibeamten an die große Zeit des 
Aufbaues des nationalsozialistischen Staates 
erinnern sollen. Im Reiche Adolf Hitlers 
werde von jedem Polizeibeamten erwartet, 
baß er sich immer mehr die Weltanschauung 
des Nationalsozialismus zu eigen macht und 
aus dieser inneren Verbundenheit mit dem 
neuen Staate sein Handeln formt. 
Die Wettbewerbsteilnehmer haben zum al 
lergrößten Teil den Sinn und das Ziel der ge 
stellten Aufgabe voll erfaßt, als Leitmotiv 
ihrer Arbeit den Gedanken der Volksgemein 
schaft und den Gedanken der Unterordnung 
des einzelnen unter das Gesamtwvhl heraus 
gestellt und dabei vor allem gute eigene Ge 
danken vom Standpunkt des „Straßenbeam 
ten" verarbeitet. Die Beamten hatten freudig 
die Gelegenheit ergriffen, um die Dienstpflich 
ten des Polizeibeamten einmal vom Stand 
punkt nationalsozialistischer Weltanschauung 
zu würdigen. Alle Arbeiten atmen nationalso 
zialistischen Geist. Man spürt, wie die Polizei 
beamten im Januar 1933 aufgeatmet haben, 
als sie sich endlich den Aufgaben ihres verant 
wortlichen Berufes aus voller Ueberzeugung 
und Gewissensfreiheit widmen konnten. 
Auch eine Frau hat sich an dem schriftlichen 
Wettbewerb deutscher Polizeibeamten beteiligt, 
nämlich eine Kriminalsekretärin aus Kiel. Sie 
stellt das innere Wesen des Nationalsozialis 
mus mit wenigen Worten klar heraus und 
schreibt: „Nationalsozialist ist man nicht da 
durch, daß man in den Karteien der Partei, 
ihrer Untergliederungen oder angeschlossener 
Verbände als Mitglied geführt wird, Natio 
nalsozialist sein heißt: Sein ganzes Leben for 
men aus einer Grundhaltung . . . Der Poli 
zeibeamte muß stets dessen eingedenk sein, daß 
er vom Volk bestellt und besoldet ist zur Ver 
richtung eines Dienstes, der für die Gesamtheit 
notwendig ist. Der Polizeibeamte darf nicht 
vergessen, daß jede Zeitvergeudung, jede nach 
lässige oder umständliche Diensterledigung 
Verschwendung von Volksvermögen ist." 
Vslkenschrt des „LZ. hindenburg". 
DNB. An Bord des „Hindenburg", 8. April. 
(Funkspruch des Sonderberichterstatters des 
DNB.) Wir haben den Atlantik überquert und 
befinden uns um 13 Uhr MEZ. mit Kurs auf 
die Kanarischen Inseln zwischen der Südinsel 
gruppe der Kapverdischen Inseln. Wir fahren 
in einem Meer von Wolken. Nur hier und da, 
wenn eine Wolkenöffnung den Blick auf die 
Inseln freigibt, sehen wir die höchste Spitze 
des 2970 Meter hohen Berges -Pico auf der 
Insel Fogo, die im Dunst durch die Wolken 
stößt. Wir fahren mit einer Durchschnittsge 
schwindigkeit von 65 Seemeilen in der Stunde. 
Dienstag abend und in der Nacht fuhren wir 
mitten durch dichte Regenwolkenwände. Hier 
fand die Ballastfrage eine geradezu glänzende 
Lösung. 60 Meter auf beiden Seiten längs des 
oberen Luftschiffkörpers befindet sich eine 
Regenrinne mit direktem Zulauf zu den Bal 
lasttanks. Infolge des Regens, der von die 
sen Rinnen aufgefangen wurde, konnten wir 
sechs Tonnen Wasserballast oben in den Wol 
ken ohne jede Schwierigkeit übernehmen. Da 
durch wurde der Gewichtsverlust, den das 
Luftschiff infolge Brennstoffverbrauches im 
mer erleidet, ausgeglichen. Wenn dieses Ver 
fahren immer möglich wäre, dann wäre die 
„Ballastfrage" ideal gelöst. 
Die Temperatur sinkt. Die Tropenanzüge, 
mit denen wir Bordgäste bisher herumspazier 
ten, kommen langsam wieder außer Mode. 
Wir sind zeitweilig über unsere Durchschnitts 
höhe von 200 Meter bis zu einer Höhe von 
1000 Meter gestiegen, um so den Gegen 
winden auszuweichen. 
« * * 
Der Berliner Baugruben-Prozetz. 
Vernehmung des Vauleilers. 
DNB. Berlin, 8. April. Im Baugruben-Pro- 
zeß ging das Gericht zur Vernehmung des 
fünften und letzten Angeklagten, des 42jähri- 
gen Diplomingenieurs Fritz Noth, über, der 
als Bauleiter für die Berlinische Ballgesell 
schaft in der Unglücksgrube der Hermann-Gö- 
ring-Straße beschäftigt war. Noth ist am 1. 8. 
1934 bei der Firma eingetreten und war zu 
nächst an den Bauarbeiten der Nord-Süd-S- 
Bahn in der Tieck-Straße beteiligt. Er galt 
als Fachmann auf dem Gebiete des Unter 
grundbahn-Baues. 
Noth bezeichnete die Vorarbeiten für den 
Bauabschnitt Tieck-Straße als „untragbar". 
Er habe dort, so führte er aus, Mißstände und 
Mängel beobachtet, deren Abstellung ihm der 
Geschäftsführer Hoffmann zugesagt habe. Noth 
hat sich nach geeigneten Uutergrundbahnbau- 
leuten umgesehen. Die Heranziehung einge 
arbeiteten Personals gestaltete sich aber sehr 
schwierig, weil ein großer Mangel an geschul 
ten Arbeitskräften bestand. Trotzdem will Noth 
im Baulos Tieck-Straße keine wesentlichen 
Schwierigkeiten gehabt haben, weil die zustän 
digen Stellen der Reichsbahn, mit denen 
er zusammengearbeitet, bereitwillig auf alle im 
Interesse der Sicherheit gemachten Aende 
rungsvorschläge ohne Rücksicht auf die Kosten 
eingingen. Auf Befragen des Vorsitzenden gab 
Noth an, daß er Hoffmann als seinen Chef und 
als Sachbearbeiter angesehen habe. Ein Ober 
bauleiter war nicht vorhanden. Dieser Posten 
sollte erst geschaffen werden. 
Die Verhandlung wurde abgeschlossen mit 
der Erörterung der geologischen Verhältnisse 
auf der Baustelle. In den unteren Schichten 
soll sich teilweise „Rollboden" befunden haben, 
d. h. eine Sandschicht ohne innere Bindung, die, 
wie Noth sich ausdrückte, „wie ein Haufen 
Erbsen auseinanderlief, wenn man sie an 
schnitt". 
Die nächste Verhandlung findet am 15. d. M. 
statt. 
* . • 
ElefanļenjĢ in der Mderlausitz. 
DNB. Elsterwerda, 8. April. Am Mittwoch 
früh brach auf dem Güterbahnhof Dabrilugk- 
Kirchheim (Niederlausitz) beim Ausladen von 
Zirkuswagen ein zu Ladearbeiten herangezo 
gener Elefant aus. Der Elefant, ein Mutter 
tier von etwa 70 Zenter Gewicht, flüchtete aus 
Lindena zu. Ein auf dem Felde pflügender 
Bauer konnte im letzten Augenblick abschirren 
und sich auf den Rücken des Pferdes schwin 
gen, worauf ein aufregendes Wettrennen 
zwischen dem flüchtenden Pferde und dem 
wild trompetenden Elefanten begann, bis es 
endlich gelang, den Verfolger abzulenken, der 
querfeldein weiter raste, wobei er Bäume und 
Zäune niederriß. Inzwischen hatte sich die 
Nachricht von dem Ausbruch des Tieres in 
der Umgegend verbreitet, und zahlreiche Hel 
fer eilten herbei, um den Elefanten in die 
Enge zu treiben. Alle Bemühungen waren je 
doch vergeblich. Radfahrer mußten in die be 
nachbarten Wälder flüchten, während der Ele 
fant ihre im Stich gelassenen Räder zertram 
pelte. Auf seinem weiteren Wege durch 
schwamm der Elefant große Teiche, von denen 
einer fast einen Kilometer breit ist. 
Kurz vor Friedersdorf konnte das Tier 
endlich von den im Kraftwagen herbeigeeilten 
Zirkuswärtern eingefangen und an einen 
Baum gefesselt werden. Der Riese riß sich aber 
wieder los. Er durchbrach ein schweres Scheu 
nentor und gelangte so in ein Gehöft, dessen 
Bewohner in den Keller flüchten mußten. Im 
mächtigen Anprall durchbrach der Elefant 
eine 70 cm dicke Hofmauer. Erst jetzt gelang es 
den Wärtern, das durch die Anstrengungen et 
was ermattete Tier erneut,, cinzufangen und 
lvicöer an einen Baum zu fesseln. Nach länge 
rer Zeit kam das Tier schließlich so weit zur 
Ruhe, daß es, an den Anhänger eines Treckers 
gefesselt, zum Zirkus zurückgebracht werden 
konnte. 
* * * 
Denlsch-englisches Zugendlager. 
DNB. Hamburg, 8. April. Auf Einladung 
englischer Jugendorganisationen werden sich 
30 deutsche Jungen im Alter von 16 bis 23 
Jahren nach Berkhamsted bei London begeben, 
wo für drei Wochen ein Jugendlager abgehal 
ten wird, in dem sich 30 englische und 30 deut 
sche Jungen vereinen. Es handelt sich um das 
sechste Lager dieser Art, das von den engli 
schen Jugendorganisationen gemeinsam mit 
der Reichsjugendführung durchgeführt wird. 
Die 30 deutschen Teilnehmer, die sich aus 
Jungarbeitern, Schülern und Studenten zu 
sammensetzen, trafen Mittwoch in Hamburg 
ein. 
400 Konfirmanden pflanzten Bäume. 
In Bernburg zogen unter Vorantritt einer 
Musikkapelle die diesjährigen Konfirmanden, 
insgesamt 404 Knaben und Mädchen, durch die 
Stadt und pflanzten zur Verschönerung der 
Stadt und als Zeichen der Erinnerung nach 
einer Ansprache des Oberbürgermeisters auf 
den Plätzen und Straßen des Ortes jeder einen 
selbstgestifteten Baum. 
„Heiße Würstchen" auf der Landstraße. 
Ein Schlächtermeister aus Hankensbüttel, der 
mit seinem Lieferwagen frühmorgens auf der 
Fahrt nach Uelzen war, um dort Konserven 
würstchen abzuliefern, geriet auf vereister 
Straße ins Schleudern und fuhr gegen einen 
Baum. Dadurch explodierte der Benzintank. 
Der Lieferwagen geriet in Brand. Die in den 
Blechdosen befindlichen Würstchen kamen ins 
Kochen. Die Dosen platzten, und der Inhalt er 
goß sich mit vielen Dutzenden leckerer, eßferti- 
ger heißer Würstchen weithin auf die Land 
straße. 
Er bleibt vorläufig unten. 
Professor Piccard hat, wie aus Warschau ge 
meldet wird, Zeitungsvertretern gegenüber 
erklärt, er sehe sich gezwungen, seinen für die 
ses Jahr geplanten Stratosphärenflug 
mit einem polnischen Ballon bis 1937 zu ver 
schieben. Es sei ihm bisher nicht gelungen, die 
etwa eine Million Schweizer Franken betra 
genden Kosten für einen neuen Stratosphären 
flug aufzubringen. 
B MaaenheschwerdenuSoabrennen 
^■mOgmWgM 
• Ta bl. 20 Pfg. - 
Die neuen Reichsauiobahn-Omnibusse. 
Auf der jetzt eröffneten Teilstrecke der Reichsautobahn Berlin— 
Stettin fahren bereits die neuen Reichsautobahn-Omnibusse. 
(Pressephoto, K.) 
Rückzugsgefecht an der Nordfront. 
Auf ihrem Rückzug brennen die Abessinier Dörfer und Hütten nie 
der, um dem Gegner den Vormarsch nach Möglichkeit zu erschweren. 
Auf unserem Bild sieht man italienische Soldaten im Kampf mit der 
abessinischen Nachhut. (Scherl Bilderdienst, K.»
	        
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