Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Abwässer werbe« verregnet 
Die wîrtschaştlrchste Form der Abwässerbeseitigung — Eine erste Anlage dieser Art in Schleswig in der Landesheilanstalt 
:£= In unserer Ausgabe vom Dienstag 
brachten wir eine kurze Uebersicht über öie 
Borträge und die Besichtigung der Landesheil 
anstalt in Schleswig, die die Vertreter der Be 
hörden, Partei und Presse mit der ersten 
Verregnungsanlage in unserer Provinz be 
kanntmachen sollten. Die Abwässerbeseitigung 
ist für die Städte immer ein Problem. Für die 
Stadt Rendsburg z. B. wird die Frage sehr 
akut, da unsere Stadt immer noch ohne Voll 
kanalisation ist, ein Zustand, der auf die Dauer 
unhaltbar wird. Seit Jahren schon beschäftigt 
sich die Stadtverwaltung mit diesen Fragen, 
und Teilprojekte sind bereits zur Ausführung 
gekommen oder werden in diesem laufenden 
Etatsjahr durchgeführt. Bisher war für die 
Beseitigung der Abwässer die Form der Riesel 
felder vorgesehen. Bürgermeister K r a b b e s 
hat aber ebenfalls an der Besichtigung der 
Verregnungsanlage teilgenommen, die auf ihn, 
wie auf alle Teilnehmer, gewitz einen starken 
Eindruck gemacht hat. Es wird jetzt von den 
Fachleuten geprüft werden, welche Art der Ab- 
wüsserbeseitigung für Rendsburg die wirt 
schaftlichste ist. Zur Informierung unserer Le 
ser bringen wir heute noch einen Auszug aus 
den Vorträgen. 
Dipl.-Jng. Stein-Kiel, 
der Sachbearbeiter der Provinzialverwaltung, 
führte u. a. aus: 
Auch auf dem bedeutsamen Gebiete der Ab 
wasserwirtschaft befinden wir uns in einem 
Umbruch. Die üblen Nebenerscheinungen bei 
der heutigen Abwasserbeseitigung und die 
darin liegende ungeheure Verschwendung 
zwingt zu der Erkenntnis, daß hier grundsätz 
lich andere Wege einzuschlagen oder richtiger 
alte, s. Zt. nur nicht weiter entwickelte Metho 
den wieder aufzunehmen sind. Bei dem immer 
weiteren Anwachsen der Städte haben die Ab 
wasserfragen eine solche Bedeutung gewon 
nen, daß es nicht mehr angängig ist, gegen bio 
logische Grundgesetze zu verstoßen. Das sind in 
erster Linie diese, daß Mensch und Boden un 
trennbar miteinander verbunden sind, sie le 
ben zusammen im natürlichen Kreislauf. Der 
Boden gibt dem Menschen die Nahrung und 
der Mensch wiederum führt dem Boden die 
Stoffe zu, die dieser zur Wiedcrerzcugung von 
Nahrung unbedingt nötig hat. 
Schon in ältesten Zeiten ist nach diesen 
Grundsätzen verfahren, wenn Kanalsysteme 
und Rinnen angelegt wurden, um das Wasser 
aus dem Stadtgebiet auf das Ackerland zu füh 
ren. Schon damals gab es Rieselanlagen. In 
England wurden um das Jahr 1700 von der 
Stadt Edinbourg erstmalig die Abwässer land 
wirtschaftlich verwertet und auf eine Fläche 
von 100 Hektar verrieselt. Die Fläche war 
drainiert. das Wasser floß so klar und keim 
frei aus der Dränage ab, daß es nochmals be 
nutzt werden konnte. Dieser sichtbare Beweis 
von der guten Verarbeitung der Pflanzen 
nährstoffe durch den Erdboden führte damals 
schon zur allgemeinen Verbreitung der Riesel 
felder in England, und zwar um so mehr, als 
auch die Pachterträge infolge der 4—Kfachen 
Grasernten, die jährlich von den berieselten 
Flächen gewonnen wurden, recht ansehnlich 
waren. 
In Deutschland erließ zu Anfang des 19. 
Jahrhunderts der große Chemiker Liebig sei 
nen Mahnruf, „daß man dem Acker zurückgebe, 
was ihm durch die Erzeugung der uns ernäh 
renden Pflanzen dauernd genommen werde." 
Leider fand dieser Mahnruf infolge der poli- 
tischen Zerrissenheit in der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts erst in späteren Jahren sei 
nen Widerhall. So führte Danzig die erste Bo- 
denberiesclung mit Stadtabwässern 1869 ein, 
Berlin 1873 auf dem Rieselgut Osdorf. Diese 
Rieselfelder haben sich indessen auf die Dauer 
nicht bewährt und damit die landwirtschaftliche 
Verwertung überhaupt in Mißkredit gebracht. 
Die Ursache lag in der grundsätzlich falschen 
Einstellung, daß man die Abwässer auf die 
Rieselfelder führte, nicht, um diese Felder mit 
Dttngstoffen anzureichern und diese restlos zn 
verwerten, sondern daß man in den Riesel 
feldern mehr oder weniger eine Art Sieb sah, 
um die Schmntzstoffe aus dem Wasser zu ent 
fernen und Verunreinigungen des Vorfluters 
zu verhindern. Belastungen bis zu 1000, ja 
über 1200 Einwohnern pro Hektar Rieselfeld 
waren keine Seltenheit. Heute weiß man, daß 
je Hektar die Abwässer von höchstens 190 Ein 
wohnern bei Berieselung und 59 bei Verreg 
nung verarbeitet werden können. Der Boden 
konnte natürlich die in solchem Ausmaß zu 
geführten Nährstoffe gar nicht verarbeiten. 
Ein Teil der gelösten Stoffe wurde im Innern 
des Bodens beim Durchsickern des Wassers in 
unlösliche überführt und so der Porenraum 
des Bodens nach und nach verseift und ver 
fettet. Auf der Oberfläche des Bodens aber 
bildete der abgelagerte Schlick oder Schlamm 
eine lästige Beigabe für den Rieselbetrieb, 
weil seine fett- und zellnloschaltigcn Bestand 
teile die Poren der Bodenoberfläche gegen den 
Eintritt des Wassers sowohl wie der Luft ab 
schlössen und damit die Bodenatmung und 
Vakterientätigkeit unterbanden. 
Dieser unerfreuliche Zustand der Rieselfel 
der führte bereits 1905 zu neuen Wegen. Es 
wurden in Eduardsfclde Versuche mit einem 
Spritzverfahreu angestellt. Dieses Verfahren 
stellte einen wesentlichen Fortschritt gegenüber 
den Rieselfeldern dar, konnte sich aber bei der 
unvollkommenen technischen Durchbildung 
nicht auf die Dauer durchsetzen. 
Die deutschen Abwässertechniker haben die 
Bedeutung dieses Spritzverfahrens, wie über 
haupt die Bedeutung der landwirtschaftlichen 
Ausnutzung leider nicht erkannt. Ein Jahr 
nach den Eduardsfelder Versuchen löste sich ein 
Sonderausschuß der deutschen landwirtschaft 
lichen Gesellschaft auf, der eigens für die Nutz 
barmachung der städtischen Abfallstoffe einge 
setzt war und der sich dem Studium dieser 
Probleme 16 Jahre gewidmet hatte. Dieser 
Ausschuß schloß das Ergebnis seiner Versuche 
und Arbeiten mit der Erkenntnis ab, daß die 
Schwemmkanalisation allein in der Lage sei, 
die Fäkalstoffe in gesundheitlich einwandfreier 
Weise aus der Stadt herauszuschaffen. 
Infolgedessen wandten sich die deutschen Ab- 
wässertechniker ausschließlich der Form der Ab- 
wüsserbeseitigung zu. An eine landwirtschaft 
liche Ausnutzung dachte niemand mehr. Dem 
Boden wurden damit wertvolle Dungstoffe 
entzogen und der so lange bestandene biolo 
gische Kreislauf zwischen Mensch und Boden 
unterbrochen. Es trat der betrübende Zustand 
ein, daß die deutsche Landwirtschaft als Ersatz 
hierfür alljährlich für mehrere hundert Millio 
nen Mark an künstlichen Düngermitteln ans 
dem Ausland beziehen mußte, mährend ande 
rerseits für die Ableitung der Abwäsier un 
geheure Summen für Bau und Betrieb der 
erforderlichen Beseitigungsanlagen ausgege 
ben wurden. 
Die landwirtschaftliche Verwertung der in 
den Abwässern befindlichen Dungstoffe war so 
fort von der nationalsozialistischen Regierung 
aufgegriffen worden. Ein Erlaß vom Januar 
1934 suchte bereits die Möglichkeiten der Ar 
beitsbeschaffungsprogramme hierfür mit her 
anzuziehen, indem er anordnete, daß der vie- 
lerseits ans dem Arbeitsbeschaffungspro 
gramm in Angriff genommene Bau von Ka 
nalisationen und Kläranlagen rechtzeitig be 
kannt gegeben werden müßte, damit die Kul- 
turbauttmter die Möglichkeit hätten, eine land 
wirtschaftliche Verwertung der Abwässer zu 
prüfen und gegebenenfalls ein gemeinsames 
Vorgehen der Stadt und der benachbarten 
Landwirtschaft veranlassen zu können. 
Ein Erlaß vom Februar 1935 ging weiter. 
Nach kurzem Hinweis auf die Notwendigkeit, 
die Erträge des deutschen Bodens mit allen 
Mitteln zu stärken, und auf den Umstand, daß 
die neueren Arten der Verwertung durch Bil 
dung von Abwässergenossenschaften häufig nur 
aus dem Unbekanntsein unterblieben wärest, 
fährt der Erlaß des Reichs- und Preußischen 
Ministers für Ernährung und Landwirtschaft 
fort: „Wir ersuchen daher die Landesregierun 
gen, soweit es gesetzlich möglich ist, darauf hin 
zuwirken, daß die zur Entscheidung zuständi 
gen Behörden die Errichtung oder wesentliche 
Aenderung einer städtischen Kläranlage und 
das Einleiten von städtischen Abwässern in 
Gewässer nur dann zulassen, wenn die land 
wirtschaftliche Verwertung des Abwassers nicht 
angebracht ist. Die Pläne der Abwässeranlagen 
sollen demgemäß die Prüfung nachweisen, ob 
die landwirtschaftliche Verwertung zweckmäßig 
ist. Dabei wird davon auszugehen sein, daß 
zwar einer Stadt nicht zugemutet werden 
kann, für die landwirtschaftliche Verwertung 
ihres Abwassers größere Kosten aufzuwenden 
als für eine andere ausreichende Neinigungs- 
art, daß aber die landwirtschaftliche Verwer 
tung besonders produktionssteigernd ist, sowie 
durch Meliorationsbeihilfen unterstützt wer 
den kann und daher in vielen Fällen auch 
dann noch den Vorzug verdient, wenn sie bei 
Außerachtlassung des Nutzens teurer erscheint 
als eine andere Reinigungsart." 
In der Provinz Ostpreußen war durch 
jahrelange gemeinsame Arbeit zwischen dem 
Leiter des dortigen Hochbauamts, Lanöesbau- 
rat Ploke, und dem Ingenieur Dierkes in Kö 
nigsberg die Verregnung der Abwässer ent 
wickelt ivorden. Nachdem in einer kleineren 
Anstalt ein Versuch gemacht war, stellte mau 
nach und nach bei allen größeren Anstalten die 
Abwasserbeseitigung auf Verregnung um. 
Hierbei wurde die technische Durchbildung aller 
Einzelheiten immer weiter vervollkommnet. 
Obige Erfahrungen auf die Verhältnisse der 
Landesheilanstalt Stadtselö angewandt, ergab 
die im folgenden geschilderte Anlage. 
Die gesamten Abwässer werden, nachdem sie 
die Klärgruben durchlaufen haben, in einer 
Grube gesammelt. Die neben dem Pumpen 
haus liegende Grube ist so bemessen, daß sie 
das Wasser, das am Abend oder während der 
Nacht anfällt, aufnehmen kann. Sobald sie ge 
füllt ist, löst ein selbsttätiger Schwimmerschal 
ter eine Weckeranlage aus, bis das Pumpwerk 
durch dcu Maschinisten angelassen ist. Das 
Pumpwerk läuft dann ohne Aufsicht weiter, 
bis die Grube leergepumpt ist und durch eine 
selbsttätige Abschaltvorrichtung ausgeschaltet 
wird. Eine Wartung während des Betriebes 
und ein Stillsetzen der Motoren ist also nicht 
erforderlich. Der Maschinist kann alsbald nach 
Anlassen der Pumpe das Pumpenhaus wieder 
verlassen,' andererseits ist er durch die Not 
wendigkeit des Anlassens gezwungen, mehr 
mals am Tage die Anlage zu kontrollieren 
Die Pumpen fördern das Abwasser durch 
eine unterirdische Druckleitung zur Landwirt 
schaft. Die Druckleitung besteht aus nahtlosen 
Stahlrohren von 150 mm l. Weite. Da die Ab 
wässer verschiedene Säuren enthalten und in 
folgedessen die Rohrwandungen zerstören wür 
den, sind sie im Innern mit einer 3 mm star 
ken korrosionssicheren Masse angeschleudert. 
Ebenso sind sie außen gegen schädigende Ein 
flüsse des Bodens gesichert. Die unterirdische 
Leitung ist frostfrci verlegt. Die Höhenver 
hältnisse im Stadtfeld bedingten eine erhebliche 
Länge der Stammleitung. Die Sammelgrube 
mußte im tiefsten Punkt der Anstalt, öctg. ist 
im Süden liegen, dagegen liegt die Landwirt 
schaft im Norden der Anstalt. 
Die Stammleitung ist so verteilt, daß es 
möglich ist, durch die sogenannte fliegende Lei 
tung von den Hauptsträngen aus das gesamte 
Gebiet beregnen zu können. Die Form der 
Landwirtschaft, langgestreckt zu beiden Seiten 
des Weges, war für die Förderung besonders 
günstig. 
Zum Anschluß der sogenannten beweglichen 
Regnerleitung trägt die Stammleitung eine 
ganze Anzahl von Abwässerhydranten. Sie 
sind möglichst an Knicks so angebracht, daß 
beim Beregnen weiter abliegender Gebiete 
die auf diesem Gebiet liegende Leitung aus 
gelegt werden kann, ohne daß die Felder selbst 
betreten werden müssen. Damit ist gleichzeitig 
erreicht, daß die Hydranten kein verstecktes 
Hindernis beim Arbeiten mit den verschiede 
nen landwirtschaftlichen Maschinen bilden. 
Die bewegliche Leitung wird auf die Hy 
dranten aufgesetzt und in einfachster Weise 
ohne irgendwelche Betätigung von Verschrau 
bungen oder Bolzen oder Verschlüssen einfach 
durch ein Jneinanöerlegen der einzelnen 
Rohre mit den besonders ausgebildeten Kupp 
lungen bewerkstelligt. In den Kupplungen be 
finden sich Gummiringe, die abzudichten begin 
nen, sobald Druckwasser in die Rohre eingelei 
tet wird. Dies bewegliche Rohrgerät hat dann 
Anschlüsse für die Regner, die die eigentliche 
Verregnung durchführen. 
Ein Drehregner besteht aus einem inneren 
.trahlrohr, welches in einem oberen und 
einem unteren Kugellager leicht drehbar an 
geordnet ist. Das untere Kugellager nimmt 
den Axialdruck auf, das obere den Radialdruck. 
Das Gehäuse ist im Interesse eines leichten 
Gewichtes aus Aluminium hergestellt. Die 
Drehbewegung wird durch den Rückdruck des 
Strahles hervorgebracht und kann durch Aen 
derung der Strahlrichtung in gewissen Gren 
zen verlangsamt oder beschleunigt werden. 
Die Regner sind für eine stündliche Leistung 
bis ca. 17 cbm vorgesehen. Die Strahlweite 
betrügt 25 in, so daß von jedem Regner ein 
Drehkreis von 60 m Durchmesser beregnet 
wird, das sind rund 2000 gm. Die stündliche 
Regenhöhe beträgt mithin 8,5 mm. 
An den ca. 200 Tagen der Vegetationszeit 
von Mitte März bis Ende September fallen 
74 000 cbm Abwässer an, während der Winter 
zeit 61600 cbm. Die ersteren 74 000 cbm können 
verteilt werden auf eine Flüche von 98,6 Hekt 
ar Ackerland, 12 Hektar Dauerweiden, 12 Hekt 
ar Wiesen. Das gibt eine durchschnittliche Ab 
wasserregenhöhe von 91 mm. 
Zuzüglich der natürlichen Niederschläge von 
408 mm Höhe hält sich diese Regenhöhe mit 469 
mm Gesamthöhe noch erheblich unter dem 
Feuchtigkeitsbedarf aller Pflanzen, den Prof. 
Zunker vom Kulturtechnischen Institut Bres 
lau mit 550—650 mm nennt. Die zur Verfü 
gung stehenden Flächen könnten also noch er 
heblich mehr Abwässer aufnehmen. 
Wie stellt sich die vorbeschriebene Anlage nun 
wirtschaftlich, insbesondere im Vergleich mit 
einem Anschluß an die städtische Kanalisation? 
Die Baukosten der Anlage sind höher als die 
Anschlußkvsten an die städtische Kanalisation. 
Das Bild ändert sich aber durch die laufenden 
Aufwendungen. Schon die Betriebskosten bei 
der Verregnungsanlage machen nur 80 v. H. 
der beim Anschluß in Frage kommenden lau 
fenden Gebühren aus. Weiter sind für die 
Berregnungsanlage die dauernden Mehrein 
nahmen aus der Landwirtschaft einzusetzen. 
Diese sind nach den Ergebnissen von Versu 
chen, die Dr. Angerer auf Veranlassung der 
Universität Königsberg in den Landwirtschaf 
ten der ostpreußischen Anstalten in großem 
Umfange vorgenommen hatte, für die einzel 
nen Fruchtarten ermittelt worden. Hierbei 
zeigt sich, daß die Aufwendungen bei Betrieb 
einer Verregnungsanlage niedriger sind als 
bei einem Anschluß an die städtische Anlage 
und schon vom dritten Jahr an die Mindcr- 
kosten für den Betrieb der Anlage und die 
Mchrerträge in der Landwirtschaft voll als 
Gewinn zu buchen sind. 
Die Erfahrungen, die mit richtig angelegten 
Rieselanlagcn gemacht sind, bestätigen schon 
das Ergebnis der vorstehenden Ermittlungen. 
Es sei hier insbesondere auf die großen Rie 
selanlagen in Leipzig-Delitsch verwiesen. Das 
Verregnungsverfahren weist gegenüber dem 
Rieselverfahren, wie der Fachmann für Ver 
rieselung, Domänenrat Kreuz in Dülmen, 
selbst hervorhebt, erhebliche Vorteile auf. Die 
Verregnung ist gänzlich unabhängig von der 
Art des Geländes. Infolgedessen fallen jegliche 
Ausgaben für Aptierungen des Geländes, wie 
es für das Nieseln meist erforderlich wird, 
fort. Die Anlagekosten je Hektar Flüche wer 
den entsprechend erheblich geringer. 
Weuer kann mit einer Beregnungsanlage 
die Regengabe dem jeweiligen Bedarf der 
Pflanzen angepaßt werden; damit ist die denk 
bar günstigste Ausnutzung der Dungstoffe ge 
währleistet. 
So zeigen denn auch Berechnungen auf 
Grund ausgeführter und au Hand entworfe 
ner Anlagen, daß die Aufwendungen, Me. z. 
B. eine Stadt jährlich für den Kopf des Ein 
wohners zu machen hat, bei einer Abwasser- 
verregnung niedriger sind, als bei der bishe 
rigen Art der Abwasserbeseitigung, selbst 
wenn man von letzteren zum Vergleich Anla 
gen nimmt, die gerade noch den geringsten 
gesundheitspolizeilichen Vorschriften genügen. 
Hinzu kommt, daß die Verregnung der Ab 
wässer die sicherste und einwandfreieste Besei 
tigung der menschlichen Abfallstoffe darstellt. 
Diese Tatsache muß besonders betont werden, 
da sie vielfach bezweifelt ist, weil die nachhal 
tige Wirkung der Sauerstoffaufnahme wäh 
rend des Weges der Wasserteilchen im dünnen 
Strahl durch die Luft in der Regel unter- 
chützt wurde. Die Richtigkeit dieser Behaup 
tung ist durch verschiedene Gesundheitsbehör 
den und durch die Universität Königsberg ein 
gehend geprüft. Man hat das verregnete Waf 
er beim Auftreffen auf deu Boden aufgefan 
gen und untersucht. Das Ergebnis war aus 
nahmslos die Feststellung, daß das Wasser 
bakteriologisch einwandfrei war.G 
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß 
die Verregnung einen erheblichen Fortschritt 
darstellt auf dem Wege, die Dungwerte im 
Abwasser, deren jährlicher Wert für Deutsch 
land von Fachleuten auf 200 bis 250 Millionen 
Mark geschätzt wird, zu erfassen. Die Ver 
regnung kann deshalb als ein Verfahren an 
gesprochen werden, welches die Städte sowohl 
als den Landwirt in gleichem Maße befriedigt 
und sie zu gemeinsamer Arbeit in Form von 
Abwässergenossenschaften zusammenführt, um 
alle diejenigen Werte zu retten, die bisher 
rings um uns her vergeudet wurden. Oed 
land kann nunmehr zu guten Acker- und 
Weideflächen verwandelt werden, wie es in 
Ostpreußen mit sehr gutem Erfolg bereits 
geschehen ist. Die Vermehrung von Gemüse, 
Futtermitteln und Weidegras wird in bedeu 
tendem Maße gesteigert, worüber Sie im fol 
genden Vortrag Einzelheiten erfahren werden. 
Die deutschen Städte sind heute in der Lage, 
mit ihren Abwässern nachhaltig mitzuwirken 
an der Erzeugungsschlacht zur Ernährung 
unseres Volkes aus eigener Scholle. 
* 
Der landwirtschaftliche Inspektor Lorenzen, 
Schleswig, führte u. a. noch aus: 
Der tägliche Abwasseranfall unserer Anstalt 
beträgt etwa 370 cbm, das sind rd. 135 000 cbm 
im Jahr. 1 cbm Abwasser enthält ungefähr 60 
Gr. Stickstoff, 35 Gr. Kali und 22 Gr. Phos 
phorsäure, Kalk dagegen ist nur in geringen 
Biengen und sehr unterschiedlich vorhanden. 
Auf die gesamte Abwassermeuge umgerechnet 
ergibt das etwa: 8100 Kg. reinen Stickstoff, 4725 
Kg. Kali, 3000 Kg. lösliche Phosphorsäure. 
Für die Verregnung dieser Abwässer stehen 
die gesamten zusammenhängenden Ländereien 
der Anstalt mit rd. 126 Hektar zur Verfügung. 
Der Boden ist sehr durchlässig und mild. Der 
Untergrund größtenteils sandig oder gar kies 
haltig. Die Vorbedingung für eine Beregnung 
ist gegeben, ein Verschlämmcn des Bodens ist 
nicht zu befürchten. Ob eine Ansäuerung des 
Bodens erfolgt, werden die Bodenuntersuchun 
gen ergeben. Da die dem Boden zugeführten 
Nährstoffe voll löslich sind, wird eine erhebliche 
Ersparnis an Kunstdünger eintreten. Die durch 
die Verregnung Angeführten Mengen an 
Stickstoff werden voll ausreichen, wahrscheinlich 
auch die Kalimengen, um diese bisher ange 
wandten Kunstdünger zu ersetzen. Der Phos 
phorsäuredünger wird nur zu einem Teil er 
setzt und Kalk so gut wie gar nicht. Um ein 
Verseifen des Bodens zu verhindern, wird 
wahrscheinlich stärker als bisher gekalkt werden 
müssen. - 
Es dürfte interessieren, wie die Zuteilung 
der Abwässer für die einzelnen Feldfrüchte ge 
dacht ist und wie die Beregnung im ganzen 
Jahre erfolgen soll, da ja Tag aus Tag ein im 
Sommer wie im Winter die anfallende Ab- 
wasscrmenge verregnet werden muß. 
Im zeitigen Frühjahr, wenn das Pflanzen- 
wachstum beginnen will, sollen zunächst die 
Dauerweiden, die Kleeschläge und die Wiesen 
beregnet werden, dann im April das Winter 
korn, im Mai das Sommerkorn und das Feld- 
rulter (Wicken, Lupinen), dann die Rüben. 
Hierbei möchte ich bemerken, daß man die 
Rüben durch ein leichtes Beregnen mit zer 
stäubender Düseneinstellung sicher vor den 
Erdflöhen bewahren und, was besonders wich 
tig ist, dadurch auch das Anfangsmachstum 
fördern wird. 
Dann folgt abwechselnd das Beregnen der 
abgegrasten Weiden, der abgemähten Wiesen 
des Rüben- und Kartoffellandes, des Mark 
stammkohls und des hier umfangreich ange 
bauten Gemüses. Gleich nach dem Einernten 
der Wintergerste wird im Zwischenfruchtbau 
Silofutter gebaut, das z. B. im vorigen Jahr 
wegen der Trockenheit nur dürftig auflief. 
Somit wäre auch die Beschickung des Silos 
sichergestellt. Im Spätsommer erfolgt dann dic 
Beregnung des Stoppelklees, und wenn Rü 
bcn, Kohl und die Weiden nicht mehr beregne 
werden, die Stoppeln oder das geschälte Lau 
und die für die Wintersaat bestimmten Schläge 
Und dann folgt die Vorratsdüngung auf der 
rauhen Furche, die wieder bis zum zeitigen
	        
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