Abwässer werbe« verregnet
Die wîrtschaştlrchste Form der Abwässerbeseitigung — Eine erste Anlage dieser Art in Schleswig in der Landesheilanstalt
:£= In unserer Ausgabe vom Dienstag
brachten wir eine kurze Uebersicht über öie
Borträge und die Besichtigung der Landesheil
anstalt in Schleswig, die die Vertreter der Be
hörden, Partei und Presse mit der ersten
Verregnungsanlage in unserer Provinz be
kanntmachen sollten. Die Abwässerbeseitigung
ist für die Städte immer ein Problem. Für die
Stadt Rendsburg z. B. wird die Frage sehr
akut, da unsere Stadt immer noch ohne Voll
kanalisation ist, ein Zustand, der auf die Dauer
unhaltbar wird. Seit Jahren schon beschäftigt
sich die Stadtverwaltung mit diesen Fragen,
und Teilprojekte sind bereits zur Ausführung
gekommen oder werden in diesem laufenden
Etatsjahr durchgeführt. Bisher war für die
Beseitigung der Abwässer die Form der Riesel
felder vorgesehen. Bürgermeister K r a b b e s
hat aber ebenfalls an der Besichtigung der
Verregnungsanlage teilgenommen, die auf ihn,
wie auf alle Teilnehmer, gewitz einen starken
Eindruck gemacht hat. Es wird jetzt von den
Fachleuten geprüft werden, welche Art der Ab-
wüsserbeseitigung für Rendsburg die wirt
schaftlichste ist. Zur Informierung unserer Le
ser bringen wir heute noch einen Auszug aus
den Vorträgen.
Dipl.-Jng. Stein-Kiel,
der Sachbearbeiter der Provinzialverwaltung,
führte u. a. aus:
Auch auf dem bedeutsamen Gebiete der Ab
wasserwirtschaft befinden wir uns in einem
Umbruch. Die üblen Nebenerscheinungen bei
der heutigen Abwasserbeseitigung und die
darin liegende ungeheure Verschwendung
zwingt zu der Erkenntnis, daß hier grundsätz
lich andere Wege einzuschlagen oder richtiger
alte, s. Zt. nur nicht weiter entwickelte Metho
den wieder aufzunehmen sind. Bei dem immer
weiteren Anwachsen der Städte haben die Ab
wasserfragen eine solche Bedeutung gewon
nen, daß es nicht mehr angängig ist, gegen bio
logische Grundgesetze zu verstoßen. Das sind in
erster Linie diese, daß Mensch und Boden un
trennbar miteinander verbunden sind, sie le
ben zusammen im natürlichen Kreislauf. Der
Boden gibt dem Menschen die Nahrung und
der Mensch wiederum führt dem Boden die
Stoffe zu, die dieser zur Wiedcrerzcugung von
Nahrung unbedingt nötig hat.
Schon in ältesten Zeiten ist nach diesen
Grundsätzen verfahren, wenn Kanalsysteme
und Rinnen angelegt wurden, um das Wasser
aus dem Stadtgebiet auf das Ackerland zu füh
ren. Schon damals gab es Rieselanlagen. In
England wurden um das Jahr 1700 von der
Stadt Edinbourg erstmalig die Abwässer land
wirtschaftlich verwertet und auf eine Fläche
von 100 Hektar verrieselt. Die Fläche war
drainiert. das Wasser floß so klar und keim
frei aus der Dränage ab, daß es nochmals be
nutzt werden konnte. Dieser sichtbare Beweis
von der guten Verarbeitung der Pflanzen
nährstoffe durch den Erdboden führte damals
schon zur allgemeinen Verbreitung der Riesel
felder in England, und zwar um so mehr, als
auch die Pachterträge infolge der 4—Kfachen
Grasernten, die jährlich von den berieselten
Flächen gewonnen wurden, recht ansehnlich
waren.
In Deutschland erließ zu Anfang des 19.
Jahrhunderts der große Chemiker Liebig sei
nen Mahnruf, „daß man dem Acker zurückgebe,
was ihm durch die Erzeugung der uns ernäh
renden Pflanzen dauernd genommen werde."
Leider fand dieser Mahnruf infolge der poli-
tischen Zerrissenheit in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts erst in späteren Jahren sei
nen Widerhall. So führte Danzig die erste Bo-
denberiesclung mit Stadtabwässern 1869 ein,
Berlin 1873 auf dem Rieselgut Osdorf. Diese
Rieselfelder haben sich indessen auf die Dauer
nicht bewährt und damit die landwirtschaftliche
Verwertung überhaupt in Mißkredit gebracht.
Die Ursache lag in der grundsätzlich falschen
Einstellung, daß man die Abwässer auf die
Rieselfelder führte, nicht, um diese Felder mit
Dttngstoffen anzureichern und diese restlos zn
verwerten, sondern daß man in den Riesel
feldern mehr oder weniger eine Art Sieb sah,
um die Schmntzstoffe aus dem Wasser zu ent
fernen und Verunreinigungen des Vorfluters
zu verhindern. Belastungen bis zu 1000, ja
über 1200 Einwohnern pro Hektar Rieselfeld
waren keine Seltenheit. Heute weiß man, daß
je Hektar die Abwässer von höchstens 190 Ein
wohnern bei Berieselung und 59 bei Verreg
nung verarbeitet werden können. Der Boden
konnte natürlich die in solchem Ausmaß zu
geführten Nährstoffe gar nicht verarbeiten.
Ein Teil der gelösten Stoffe wurde im Innern
des Bodens beim Durchsickern des Wassers in
unlösliche überführt und so der Porenraum
des Bodens nach und nach verseift und ver
fettet. Auf der Oberfläche des Bodens aber
bildete der abgelagerte Schlick oder Schlamm
eine lästige Beigabe für den Rieselbetrieb,
weil seine fett- und zellnloschaltigcn Bestand
teile die Poren der Bodenoberfläche gegen den
Eintritt des Wassers sowohl wie der Luft ab
schlössen und damit die Bodenatmung und
Vakterientätigkeit unterbanden.
Dieser unerfreuliche Zustand der Rieselfel
der führte bereits 1905 zu neuen Wegen. Es
wurden in Eduardsfclde Versuche mit einem
Spritzverfahreu angestellt. Dieses Verfahren
stellte einen wesentlichen Fortschritt gegenüber
den Rieselfeldern dar, konnte sich aber bei der
unvollkommenen technischen Durchbildung
nicht auf die Dauer durchsetzen.
Die deutschen Abwässertechniker haben die
Bedeutung dieses Spritzverfahrens, wie über
haupt die Bedeutung der landwirtschaftlichen
Ausnutzung leider nicht erkannt. Ein Jahr
nach den Eduardsfelder Versuchen löste sich ein
Sonderausschuß der deutschen landwirtschaft
lichen Gesellschaft auf, der eigens für die Nutz
barmachung der städtischen Abfallstoffe einge
setzt war und der sich dem Studium dieser
Probleme 16 Jahre gewidmet hatte. Dieser
Ausschuß schloß das Ergebnis seiner Versuche
und Arbeiten mit der Erkenntnis ab, daß die
Schwemmkanalisation allein in der Lage sei,
die Fäkalstoffe in gesundheitlich einwandfreier
Weise aus der Stadt herauszuschaffen.
Infolgedessen wandten sich die deutschen Ab-
wässertechniker ausschließlich der Form der Ab-
wüsserbeseitigung zu. An eine landwirtschaft
liche Ausnutzung dachte niemand mehr. Dem
Boden wurden damit wertvolle Dungstoffe
entzogen und der so lange bestandene biolo
gische Kreislauf zwischen Mensch und Boden
unterbrochen. Es trat der betrübende Zustand
ein, daß die deutsche Landwirtschaft als Ersatz
hierfür alljährlich für mehrere hundert Millio
nen Mark an künstlichen Düngermitteln ans
dem Ausland beziehen mußte, mährend ande
rerseits für die Ableitung der Abwäsier un
geheure Summen für Bau und Betrieb der
erforderlichen Beseitigungsanlagen ausgege
ben wurden.
Die landwirtschaftliche Verwertung der in
den Abwässern befindlichen Dungstoffe war so
fort von der nationalsozialistischen Regierung
aufgegriffen worden. Ein Erlaß vom Januar
1934 suchte bereits die Möglichkeiten der Ar
beitsbeschaffungsprogramme hierfür mit her
anzuziehen, indem er anordnete, daß der vie-
lerseits ans dem Arbeitsbeschaffungspro
gramm in Angriff genommene Bau von Ka
nalisationen und Kläranlagen rechtzeitig be
kannt gegeben werden müßte, damit die Kul-
turbauttmter die Möglichkeit hätten, eine land
wirtschaftliche Verwertung der Abwässer zu
prüfen und gegebenenfalls ein gemeinsames
Vorgehen der Stadt und der benachbarten
Landwirtschaft veranlassen zu können.
Ein Erlaß vom Februar 1935 ging weiter.
Nach kurzem Hinweis auf die Notwendigkeit,
die Erträge des deutschen Bodens mit allen
Mitteln zu stärken, und auf den Umstand, daß
die neueren Arten der Verwertung durch Bil
dung von Abwässergenossenschaften häufig nur
aus dem Unbekanntsein unterblieben wärest,
fährt der Erlaß des Reichs- und Preußischen
Ministers für Ernährung und Landwirtschaft
fort: „Wir ersuchen daher die Landesregierun
gen, soweit es gesetzlich möglich ist, darauf hin
zuwirken, daß die zur Entscheidung zuständi
gen Behörden die Errichtung oder wesentliche
Aenderung einer städtischen Kläranlage und
das Einleiten von städtischen Abwässern in
Gewässer nur dann zulassen, wenn die land
wirtschaftliche Verwertung des Abwassers nicht
angebracht ist. Die Pläne der Abwässeranlagen
sollen demgemäß die Prüfung nachweisen, ob
die landwirtschaftliche Verwertung zweckmäßig
ist. Dabei wird davon auszugehen sein, daß
zwar einer Stadt nicht zugemutet werden
kann, für die landwirtschaftliche Verwertung
ihres Abwassers größere Kosten aufzuwenden
als für eine andere ausreichende Neinigungs-
art, daß aber die landwirtschaftliche Verwer
tung besonders produktionssteigernd ist, sowie
durch Meliorationsbeihilfen unterstützt wer
den kann und daher in vielen Fällen auch
dann noch den Vorzug verdient, wenn sie bei
Außerachtlassung des Nutzens teurer erscheint
als eine andere Reinigungsart."
In der Provinz Ostpreußen war durch
jahrelange gemeinsame Arbeit zwischen dem
Leiter des dortigen Hochbauamts, Lanöesbau-
rat Ploke, und dem Ingenieur Dierkes in Kö
nigsberg die Verregnung der Abwässer ent
wickelt ivorden. Nachdem in einer kleineren
Anstalt ein Versuch gemacht war, stellte mau
nach und nach bei allen größeren Anstalten die
Abwasserbeseitigung auf Verregnung um.
Hierbei wurde die technische Durchbildung aller
Einzelheiten immer weiter vervollkommnet.
Obige Erfahrungen auf die Verhältnisse der
Landesheilanstalt Stadtselö angewandt, ergab
die im folgenden geschilderte Anlage.
Die gesamten Abwässer werden, nachdem sie
die Klärgruben durchlaufen haben, in einer
Grube gesammelt. Die neben dem Pumpen
haus liegende Grube ist so bemessen, daß sie
das Wasser, das am Abend oder während der
Nacht anfällt, aufnehmen kann. Sobald sie ge
füllt ist, löst ein selbsttätiger Schwimmerschal
ter eine Weckeranlage aus, bis das Pumpwerk
durch dcu Maschinisten angelassen ist. Das
Pumpwerk läuft dann ohne Aufsicht weiter,
bis die Grube leergepumpt ist und durch eine
selbsttätige Abschaltvorrichtung ausgeschaltet
wird. Eine Wartung während des Betriebes
und ein Stillsetzen der Motoren ist also nicht
erforderlich. Der Maschinist kann alsbald nach
Anlassen der Pumpe das Pumpenhaus wieder
verlassen,' andererseits ist er durch die Not
wendigkeit des Anlassens gezwungen, mehr
mals am Tage die Anlage zu kontrollieren
Die Pumpen fördern das Abwasser durch
eine unterirdische Druckleitung zur Landwirt
schaft. Die Druckleitung besteht aus nahtlosen
Stahlrohren von 150 mm l. Weite. Da die Ab
wässer verschiedene Säuren enthalten und in
folgedessen die Rohrwandungen zerstören wür
den, sind sie im Innern mit einer 3 mm star
ken korrosionssicheren Masse angeschleudert.
Ebenso sind sie außen gegen schädigende Ein
flüsse des Bodens gesichert. Die unterirdische
Leitung ist frostfrci verlegt. Die Höhenver
hältnisse im Stadtfeld bedingten eine erhebliche
Länge der Stammleitung. Die Sammelgrube
mußte im tiefsten Punkt der Anstalt, öctg. ist
im Süden liegen, dagegen liegt die Landwirt
schaft im Norden der Anstalt.
Die Stammleitung ist so verteilt, daß es
möglich ist, durch die sogenannte fliegende Lei
tung von den Hauptsträngen aus das gesamte
Gebiet beregnen zu können. Die Form der
Landwirtschaft, langgestreckt zu beiden Seiten
des Weges, war für die Förderung besonders
günstig.
Zum Anschluß der sogenannten beweglichen
Regnerleitung trägt die Stammleitung eine
ganze Anzahl von Abwässerhydranten. Sie
sind möglichst an Knicks so angebracht, daß
beim Beregnen weiter abliegender Gebiete
die auf diesem Gebiet liegende Leitung aus
gelegt werden kann, ohne daß die Felder selbst
betreten werden müssen. Damit ist gleichzeitig
erreicht, daß die Hydranten kein verstecktes
Hindernis beim Arbeiten mit den verschiede
nen landwirtschaftlichen Maschinen bilden.
Die bewegliche Leitung wird auf die Hy
dranten aufgesetzt und in einfachster Weise
ohne irgendwelche Betätigung von Verschrau
bungen oder Bolzen oder Verschlüssen einfach
durch ein Jneinanöerlegen der einzelnen
Rohre mit den besonders ausgebildeten Kupp
lungen bewerkstelligt. In den Kupplungen be
finden sich Gummiringe, die abzudichten begin
nen, sobald Druckwasser in die Rohre eingelei
tet wird. Dies bewegliche Rohrgerät hat dann
Anschlüsse für die Regner, die die eigentliche
Verregnung durchführen.
Ein Drehregner besteht aus einem inneren
.trahlrohr, welches in einem oberen und
einem unteren Kugellager leicht drehbar an
geordnet ist. Das untere Kugellager nimmt
den Axialdruck auf, das obere den Radialdruck.
Das Gehäuse ist im Interesse eines leichten
Gewichtes aus Aluminium hergestellt. Die
Drehbewegung wird durch den Rückdruck des
Strahles hervorgebracht und kann durch Aen
derung der Strahlrichtung in gewissen Gren
zen verlangsamt oder beschleunigt werden.
Die Regner sind für eine stündliche Leistung
bis ca. 17 cbm vorgesehen. Die Strahlweite
betrügt 25 in, so daß von jedem Regner ein
Drehkreis von 60 m Durchmesser beregnet
wird, das sind rund 2000 gm. Die stündliche
Regenhöhe beträgt mithin 8,5 mm.
An den ca. 200 Tagen der Vegetationszeit
von Mitte März bis Ende September fallen
74 000 cbm Abwässer an, während der Winter
zeit 61600 cbm. Die ersteren 74 000 cbm können
verteilt werden auf eine Flüche von 98,6 Hekt
ar Ackerland, 12 Hektar Dauerweiden, 12 Hekt
ar Wiesen. Das gibt eine durchschnittliche Ab
wasserregenhöhe von 91 mm.
Zuzüglich der natürlichen Niederschläge von
408 mm Höhe hält sich diese Regenhöhe mit 469
mm Gesamthöhe noch erheblich unter dem
Feuchtigkeitsbedarf aller Pflanzen, den Prof.
Zunker vom Kulturtechnischen Institut Bres
lau mit 550—650 mm nennt. Die zur Verfü
gung stehenden Flächen könnten also noch er
heblich mehr Abwässer aufnehmen.
Wie stellt sich die vorbeschriebene Anlage nun
wirtschaftlich, insbesondere im Vergleich mit
einem Anschluß an die städtische Kanalisation?
Die Baukosten der Anlage sind höher als die
Anschlußkvsten an die städtische Kanalisation.
Das Bild ändert sich aber durch die laufenden
Aufwendungen. Schon die Betriebskosten bei
der Verregnungsanlage machen nur 80 v. H.
der beim Anschluß in Frage kommenden lau
fenden Gebühren aus. Weiter sind für die
Berregnungsanlage die dauernden Mehrein
nahmen aus der Landwirtschaft einzusetzen.
Diese sind nach den Ergebnissen von Versu
chen, die Dr. Angerer auf Veranlassung der
Universität Königsberg in den Landwirtschaf
ten der ostpreußischen Anstalten in großem
Umfange vorgenommen hatte, für die einzel
nen Fruchtarten ermittelt worden. Hierbei
zeigt sich, daß die Aufwendungen bei Betrieb
einer Verregnungsanlage niedriger sind als
bei einem Anschluß an die städtische Anlage
und schon vom dritten Jahr an die Mindcr-
kosten für den Betrieb der Anlage und die
Mchrerträge in der Landwirtschaft voll als
Gewinn zu buchen sind.
Die Erfahrungen, die mit richtig angelegten
Rieselanlagcn gemacht sind, bestätigen schon
das Ergebnis der vorstehenden Ermittlungen.
Es sei hier insbesondere auf die großen Rie
selanlagen in Leipzig-Delitsch verwiesen. Das
Verregnungsverfahren weist gegenüber dem
Rieselverfahren, wie der Fachmann für Ver
rieselung, Domänenrat Kreuz in Dülmen,
selbst hervorhebt, erhebliche Vorteile auf. Die
Verregnung ist gänzlich unabhängig von der
Art des Geländes. Infolgedessen fallen jegliche
Ausgaben für Aptierungen des Geländes, wie
es für das Nieseln meist erforderlich wird,
fort. Die Anlagekosten je Hektar Flüche wer
den entsprechend erheblich geringer.
Weuer kann mit einer Beregnungsanlage
die Regengabe dem jeweiligen Bedarf der
Pflanzen angepaßt werden; damit ist die denk
bar günstigste Ausnutzung der Dungstoffe ge
währleistet.
So zeigen denn auch Berechnungen auf
Grund ausgeführter und au Hand entworfe
ner Anlagen, daß die Aufwendungen, Me. z.
B. eine Stadt jährlich für den Kopf des Ein
wohners zu machen hat, bei einer Abwasser-
verregnung niedriger sind, als bei der bishe
rigen Art der Abwasserbeseitigung, selbst
wenn man von letzteren zum Vergleich Anla
gen nimmt, die gerade noch den geringsten
gesundheitspolizeilichen Vorschriften genügen.
Hinzu kommt, daß die Verregnung der Ab
wässer die sicherste und einwandfreieste Besei
tigung der menschlichen Abfallstoffe darstellt.
Diese Tatsache muß besonders betont werden,
da sie vielfach bezweifelt ist, weil die nachhal
tige Wirkung der Sauerstoffaufnahme wäh
rend des Weges der Wasserteilchen im dünnen
Strahl durch die Luft in der Regel unter-
chützt wurde. Die Richtigkeit dieser Behaup
tung ist durch verschiedene Gesundheitsbehör
den und durch die Universität Königsberg ein
gehend geprüft. Man hat das verregnete Waf
er beim Auftreffen auf deu Boden aufgefan
gen und untersucht. Das Ergebnis war aus
nahmslos die Feststellung, daß das Wasser
bakteriologisch einwandfrei war.G
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß
die Verregnung einen erheblichen Fortschritt
darstellt auf dem Wege, die Dungwerte im
Abwasser, deren jährlicher Wert für Deutsch
land von Fachleuten auf 200 bis 250 Millionen
Mark geschätzt wird, zu erfassen. Die Ver
regnung kann deshalb als ein Verfahren an
gesprochen werden, welches die Städte sowohl
als den Landwirt in gleichem Maße befriedigt
und sie zu gemeinsamer Arbeit in Form von
Abwässergenossenschaften zusammenführt, um
alle diejenigen Werte zu retten, die bisher
rings um uns her vergeudet wurden. Oed
land kann nunmehr zu guten Acker- und
Weideflächen verwandelt werden, wie es in
Ostpreußen mit sehr gutem Erfolg bereits
geschehen ist. Die Vermehrung von Gemüse,
Futtermitteln und Weidegras wird in bedeu
tendem Maße gesteigert, worüber Sie im fol
genden Vortrag Einzelheiten erfahren werden.
Die deutschen Städte sind heute in der Lage,
mit ihren Abwässern nachhaltig mitzuwirken
an der Erzeugungsschlacht zur Ernährung
unseres Volkes aus eigener Scholle.
*
Der landwirtschaftliche Inspektor Lorenzen,
Schleswig, führte u. a. noch aus:
Der tägliche Abwasseranfall unserer Anstalt
beträgt etwa 370 cbm, das sind rd. 135 000 cbm
im Jahr. 1 cbm Abwasser enthält ungefähr 60
Gr. Stickstoff, 35 Gr. Kali und 22 Gr. Phos
phorsäure, Kalk dagegen ist nur in geringen
Biengen und sehr unterschiedlich vorhanden.
Auf die gesamte Abwassermeuge umgerechnet
ergibt das etwa: 8100 Kg. reinen Stickstoff, 4725
Kg. Kali, 3000 Kg. lösliche Phosphorsäure.
Für die Verregnung dieser Abwässer stehen
die gesamten zusammenhängenden Ländereien
der Anstalt mit rd. 126 Hektar zur Verfügung.
Der Boden ist sehr durchlässig und mild. Der
Untergrund größtenteils sandig oder gar kies
haltig. Die Vorbedingung für eine Beregnung
ist gegeben, ein Verschlämmcn des Bodens ist
nicht zu befürchten. Ob eine Ansäuerung des
Bodens erfolgt, werden die Bodenuntersuchun
gen ergeben. Da die dem Boden zugeführten
Nährstoffe voll löslich sind, wird eine erhebliche
Ersparnis an Kunstdünger eintreten. Die durch
die Verregnung Angeführten Mengen an
Stickstoff werden voll ausreichen, wahrscheinlich
auch die Kalimengen, um diese bisher ange
wandten Kunstdünger zu ersetzen. Der Phos
phorsäuredünger wird nur zu einem Teil er
setzt und Kalk so gut wie gar nicht. Um ein
Verseifen des Bodens zu verhindern, wird
wahrscheinlich stärker als bisher gekalkt werden
müssen. -
Es dürfte interessieren, wie die Zuteilung
der Abwässer für die einzelnen Feldfrüchte ge
dacht ist und wie die Beregnung im ganzen
Jahre erfolgen soll, da ja Tag aus Tag ein im
Sommer wie im Winter die anfallende Ab-
wasscrmenge verregnet werden muß.
Im zeitigen Frühjahr, wenn das Pflanzen-
wachstum beginnen will, sollen zunächst die
Dauerweiden, die Kleeschläge und die Wiesen
beregnet werden, dann im April das Winter
korn, im Mai das Sommerkorn und das Feld-
rulter (Wicken, Lupinen), dann die Rüben.
Hierbei möchte ich bemerken, daß man die
Rüben durch ein leichtes Beregnen mit zer
stäubender Düseneinstellung sicher vor den
Erdflöhen bewahren und, was besonders wich
tig ist, dadurch auch das Anfangsmachstum
fördern wird.
Dann folgt abwechselnd das Beregnen der
abgegrasten Weiden, der abgemähten Wiesen
des Rüben- und Kartoffellandes, des Mark
stammkohls und des hier umfangreich ange
bauten Gemüses. Gleich nach dem Einernten
der Wintergerste wird im Zwischenfruchtbau
Silofutter gebaut, das z. B. im vorigen Jahr
wegen der Trockenheit nur dürftig auflief.
Somit wäre auch die Beschickung des Silos
sichergestellt. Im Spätsommer erfolgt dann dic
Beregnung des Stoppelklees, und wenn Rü
bcn, Kohl und die Weiden nicht mehr beregne
werden, die Stoppeln oder das geschälte Lau
und die für die Wintersaat bestimmten Schläge
Und dann folgt die Vorratsdüngung auf der
rauhen Furche, die wieder bis zum zeitigen