Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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129. Jahrgang * Nr. 86 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Sonnabend, den 11. April 1936 
heitundweriftfrei? Frei sein heißt doch 
wohl, sich allen Personen nnd Dingen gegen 
über in völliger Unabhängigkeit 
und Hoheit zu befinden. Wie steht es 
nun in dieser Hinsicht mit unserer Freiheit 
der Sünde und dem Solde derSünde. 
dem Tode, gegenüber? Der Sünde in und 
um uns gegenüber ist der bedingungslose 
Nachweis unserer Unfreiheit nicht zu führen. 
Dieser oder jener kann vermessen genug seiu, 
ihr gegenüber die volle Freiheit und Unab 
hängigkeit in Anspruch zu nehmen, in Werken 
oder Unterlassungen niemals im Leben die 
Gebundenheit der menschlichen Natur in ihr 
gefühlt zu haben. Wer will den Gegenbeweis 
führen? Wohl aber gilt diese Beweisführung 
dem Solde der Sünde, dem Tode 
gegenüber. Er zwingt nicht nur die Star 
ken und Schwachen unter sich, nein, auch den 
Widerstrebendsten bindet er einmal in der 
Dunkelheit der Todesnacht. Es bleibt nichts 
übrig, als die Verwesung des Leibes und die 
Trennung dieses von Geist und Seele. 
Dieses Ende steht vor jedem Erdgeborenen. 
Ihm gegenüber ist also auch der 
angeblich Freie st e Knecht! 
Und gerade um die Ueberwindung und die 
Erlösung aus dieser Knechtschaft handelt es 
sich bei dem Opfertode Jesu am Stamme des 
Fluches auf Golgatha für uns. Er wurde 
Sieger über den Tod. Wer dieses Opfer an 
nimmt, der ist auch dem Tode gegenüber ein 
wirklich Freier geworden. Die anderen 
bleiben in seiner Knechtschaft. Für den aus 
dem Opfertode Jesu Christi wahrhaft Frei- 
gewordenen ist der irdische Tod kein G e - 
b u u d e n b l e i b c n i n d e r K n e ch t s ch a f t 
des Todes bis zum Tage des Gerichts, son 
dern ein Ruhen in Gott bis z u m T a g e d e r 
Aufer sie hung des Lebens. Welche 
Garantie haben wir denn für diese Entwick 
lung? Die wahrhafte Auferstehung 
Jesu C h r i st i von den Toten, als des 
Erstlings der Menschheit, der aus dem Tode 
in das ewige Leben durchgedrungen ist. Es ist 
vollbracht! Dieser Triumph eines Sie 
gers strahlt von Golgatha und Ostern über 
die erlöste Menschheit. 
Somit ist also das Umgekehrte von dem der 
Fall, was jene Kritik annimmt. In Wirklich 
keit sind die die Freien, welche durch die 
glaubensstarke Annahme dieses Opfers der 
Knechtschaft des Todes entronnen sind. Sie keh 
ren schon zu ihren Lebzeiten in das Verhältnis 
des Versöhntseins mit ihrem Schöpfer zurück. 
Für sie ist das Wandern dieses Lebens ein sol 
ches zur Heimat, ein Warten auf den Vollzug 
der Gnade, wenn Gottes Stunde gekommen 
ist. Wer etwas von dem wahren Wesen der 
christlichen Heilsbotschaft verstanden hat, der 
weiß, daß die längst zurückliegenden Ereignisse 
in Jerusalem nur unausweichliche 
Voraussetzungen waren, aus denen 
Gott bis zuletzt von Geschlecht zu Geschlecht, 
bis zum Tage des Enögerichtes, alle Folge 
rungen in ganz bestimmten Phasen zieht. 
Waldoftern 
Skizze von Hanns Kappler. 
„Wird es dem kleinen Stadtmädel nicht zu 
einsam bei uns sein?" — Der blondbärtige 
Förster Mitlöhner lachte nur über die etwas 
bängliche Frage seiner Tochter . .. 
„Ich denk', daß es bei uns in den Bergen 
und Wäldern genug Neues zu sehen gibt, ganz 
besonders für ein Menschlein, daß noch kaum 
aus der großen Stadt herausgekommen ist!" 
Bergrun, die langzöpfige Elfjährige, gab 
sich mit der tröstlichen Versicherung des Va 
ters zufrieden und kletterte nun auf den 
Kutscherbock des leichten Korbwägelchens, das 
den erwarteten Besuch vom Bahnhof des Ge- 
birgsdorfes abholen sollte. Buchner, der Fuhr- 
knecht, qualmte seinen nicht sonderlich ange 
nehm duftenden Tabak in dicken Wolken durch 
stdie warme, frühlingsahnende Luft. 
Zwei Stunden später saß neben Bergrun ein 
schmächtiges, verschüchtertes Menschenkind, das 
mit großen, erstaunten Augen um sich sah und 
vor allem den Blick kaum von den sich mächtig 
dahinziehenden Bergkuppen wenden mochte. 
„Bei uns um die Stadt gibt's keine solchen 
Berge," hatte Gretel als erstes gesprochen, 
nachdem sie von der neuen „Freundin" im Wä 
gelchen untergebracht worden war. Das Gepäck 
des Stadtkindes bestand nur aus einem läng 
lichen Pappkarton, mit einer vielfach zusam 
mengeknoteten Schnur umwunden . . . 
Der erste Tag wurde für Gretel einfach über 
wältigend! Was es in dem Forsthaus nicht 
alles zu schauen, zu bewundern, zu betasten 
und schließlich sogar zu beschnuppern gab! Vor 
den Fenstern wiegten sich die weit ausladen 
den Zweige mächtiger Fichten, Stämme und 
Acste von lustig anzusehenden, verworrenen 
Moosgebilden überwuchert. Neben alten Waf 
fen und Geweihen, die an den Wänden hingen, 
waren freilich gar besonders die Bewohner des 
einsamen Forsthauses zu beachten. Nicht so sehr 
der freundlich lächelnde Förster und seine 
rundliche Frau mit den knallroten, von Ge 
sundheit strotzenden Wangen, als der sich an 
gesichts der zarten Besucherin fast täppisch be 
tragende Jagdhund Rülps, daneben der freche 
Dackel Maatz und auf der Ofenbank die pech 
schwarze Katze Kuleika mit dem glänzenden, 
dichten Fell . . . 
Ucberwältigt von den Eindrücken ihres 
ersten Erholungstages schlief Gretel wie ein 
Murmeltier. Die Stadt war längst vergessen 
und versunken, dazu all die Not, die aus den 
Augen der Eltern und aus den mager gefüll 
ten Schüsseln am Mittagstisch geblickt hatte. 
Ja, es war eine andere Zeit in das Land ge 
zogen! Menschen, denen es kaum jemals au 
Essen und Trinken gefehlt hatte, begannen sich 
endlich auf ihre Pflichten den weniger vom 
Schicksal wohlbedachten Volksgenossen gegen 
über zu besinnen. Nun winkte Gretel aus der 
großen Stadt das Glück, viele Wochen lang ein 
Gott konnt 8lo Blüte schon, ble wunvervoll 
Ans festumschlognor Knospe werben soll. 
Die jetzt »nscheinbnr arm noch wächst im Grün. 
Gott weist, sie wirb. bleibt wie bie Rebe sie in Ihm, 
Dereinst in reinster Vchönhett blühn. 
Wen« wir so langsam, oft nnr tastenb« vorwärts 
jwanbern 
Don einer köstlichen Erkenntnis im Glauben hin 
f)ur anbern 
Unb wachsen innerlich baran. bann lernen wir 
svorstehen. 
Rein. ahnen nur. welch eine wnnberbare Herrlichkeit 
Um Gott must her sein» besten Angen ins 
sverborg'ne sehen. 
Der alles Wiste« trägt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 
zwischen Karfreitag und Ostern 
Zu allen Zeiten ist der O p f e r t o d, die 
freiwillige Dahingabe des Lebens für andere, 
besonders hoch geachtet worden. Warum soll 
aus dieser Hochwertung der Opfertod 
Jesu Christi für das Heil der Menschheit 
ausgeschlossen sein? In der Gegenwart halten 
viele diesen für höchst unverständig, 
manche gar für minderwertig und un 
würdig. 
Der O p f e r t o d Jesu C h r i st i ist der 
folgenreich st e in der Geschichte der 
Menschheit. Sein Opfer ist die Ur 
sache für die Gabe des ewigen Lebens 
für alle geworden, welche die darin uns aus 
göttlicher Gnade zugeeignete Sühne zu unse- 
îkr Rechtfertigung im Glauben anzunehmen 
Ellens sind. Er heilte den Riß, der zwischen 
Schöpfer und Menschheit sich aufgetan hatte. 
Dhne dieses Opfer gäbe es keine Wieder 
geburt der Menschheit, die in Ihm 
auf Golgatha gerichtet, am Ostermorgen, 
Zunächst in Ihm, gerechtfertigt und 
Zum ewigen Leben auferstanden ist. Der 
Vollzug an denen, die je und je gelebt haben, 
Erfolgt schriftgemäß in einer bestimmten 
Stufenfolge bis zum Tage des End 
gerichts. 
Die Heilswahrheiten des Karfreitags und 
der Ostern sind die klarsten und einfachsten, die 
der Menschheit angeboten worden sind. Sie 
im Vertrauen und in der Gewißheit der Liebe 
Gottes anzunehmen, bleibt einzige Heilsvor 
aussetzung. Annahme oder Ablehnung bestim 
men unser ewiges Verhältnis zu 
Gott, unserem Schöpfer. Es ist konzessions 
los davon abhängig gemacht worden. Seine 
Annahme folgert das ewige Leben, seine Ab 
lehnung den ewigen Tod, d. h. die zeitlose 
Trennung von Gott, dem Quell alles Lebens. 
Karfreitag und Ostern sind in der Mensch 
heitsgeschichte zwei göttliche Manifestationen, 
die untrennbar zusammengehören. Karfreitag 
zeigt uns in dem von Gott Verlassenwerden 
das furchtbare Ende des a ü a m i t i s ch e n 
Menschentums, Ostern legt Zeugnis ab 
von dem endlichen Ziel der durch den Heiligen 
Geist in Christus wiedergeborenen 
Menschheit, nämlich die Auferstehung und 
das ewige Leben, die Rückkehr in die Gemein 
schaft dessen, der der Urquell alles Lebens, aller 
Kraft, Herrlichkeit und Schönheit ist. <2» 
Es gibt heute manche, welche sagen, daß es 
ein grausamer, unserem europäischen, nordi 
schen oder deutschen Empfinden unverständ 
licher Gott ist, der ein solches Opfer von Sei 
nem geliebten Sohne unausweichlich forderte, 
öen Kelch des von I h m - V e r l a s sen- 
^ e i n s nicht an Ihm vorübergehen ließ, den 
nicht trinken zu müssen Jesus in Gethsemane 
so erschütternd gerungen hatte. Es Hütte, so 
sagen jene, wohl andere humanere und nach 
ihrem Ermessen auch hinreichende Mittel gege 
ben. Darüber mit G o t t zu rechten, sei denen 
überlassen, die über göttliche Liebe und Weis 
heit in der Ausführung Seines Ratschlusses 
Mit der Menschheit zu Gericht zu sitzen für 
angemessen halten. Die anderen beugen sich 
in Demut vor der unfaßbaren Größe der auf 
Golgatha geschehenen Liebestat und nehmen 
sie und ihre Folgerungen für sich und die 
Menschheit dankbar an, ohne um letztes 
B e r st e h e n rechten zu wollen. 
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Es ist vollbracht! 
Herrliche Botschaft am Ostermorgen, 
Jesus lebt, bie Felsengruft ist leer. 
O Baterherz! wie groß ist dein Erbarmen, 
Du gabst dein Liebstes für uns Sünder her. 
Das teure Haupt, von Dornen wund zerrissen, 
Es neigte sich in dunkler Todesnacht. 
Mußt auch dein Blut, o Herr, in Strömen fließen. 
Im Sterben noch — riefst du uns zu: 
Es ist vollbracht. 
Jesus lebt als Sieger über Grab und Tod, 
Hell strahlt der Ewigkeit Morgenrot! 
Laßt uns im Geiste ihm Palmen streu'n, 
Voll dankbarer Liebe die Herzen ihm weih'n. 
Was dort auf Golgatha für uns geschehen. 
Das werden wir droben im Licht erst versteh'». 
Dann bringt die große unzählbare Schar, 
Ihm ein ew'ges Halleluja dar. 
Herr, stärke den Glauben der Deinen hienieöen, 
Auf dich nur zu schauen in Freude und Leid. 
Will oft auch die Kraft im Kampfe ermüden, 
Führ du uns zum Ziele, ja, mach uns bereit. 
Schaff in uns dein Bild, dann komm Herr Jesu. 
Wir warten auf dich — o komme bald. 
Bring uns dorthin, du Fürst des Lebens, 
Wo das Loblied der Seel'gen in Ewigkeit schallt. 
E. D ö h r i n g. 
Eine andere Kritik wendet sich gegen diesen 
Sühnetod überhaupt. Sie behauptet, daß der 
Mensch der Erlösung nicht bedürfe. 
Gnade und Barmherzigkeit in dieser Art in 
Anspruch zu nehmen, widerspräche der 
Hoheit der Menschenwürde. Knechts- 
üaturen und nicht Freie seien es, die ein sol 
ches Opfer für sich hinzunehmen willens sind. 
Sie glauben ohne dieses Opfer ausrechten 
Kopfes vor ihrem Schöpfer wandeln zu können, 
gerechtfertigt allein in ihren eigenen Werken. 
Eie meinen, dieses Opfer als u n e r l ä ß l i ch e 
Voraussetzung für das ewige Mensch 
heitsheil beiseite stellen zu können, verschieben 
also den Grundsatz, daß der Glaube ohne 
Werke und F r ü ch t e t o t i st, auf den ande 
ren Nenner, daß Werke ohne glaubens 
volle Annahme der göttlichen 
H e i l s t a t e n von Weihnachten, Ostern nnd 
Pfingsten nnd deren Folgerungen genüge. 
Schriftgemäß gehört das alles zusammen, das 
eine nicht ohne das andere. 
Dann aber noch die Frage: W a s i ft Frei- 
Atbrecht Dürer: Auferstehung.
	        
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