Leben zu führen, wie sie es nur aus Märchen
büchern kannte. War denn dieses aus Balken
und Brettern gefügte, mit Schindeln bedeckte
Haus nicht ein Knusperhäuschen. . . ?
Noch in solcherlei schönen Träumen befan
gen, schlug am anderen Tage das kleine Stadt-
mädel die Augen auf, als die Sonne schon hoch
am Himmel stand. Neben dem Bett aber lachte
Bergrun, die Försterstochter, daß die Zähne
nur so blitzten. Und auf einem kleinen Tisch
stand ein Frühstück bereitet, wie es Gretel bis
her nicht einmal vom Hörensagen kannte.
Der neue Tag brachte weitere Ueberraschun-
gen. Das zahme Reh, das sich von Gretel Fut
ter reichen ließ, ohne scheu davonzulaufen, fand
unser Stadtmädel eigentlich ganz in der Ord
nung. Es gehörte einfach zum Knusperhäusel.
Aber der alte Hase Klaus, dessen braungraues
Fell schon recht schütter geworden war, ver
setzte die Kleine in ein anfangs unerklärliches
Verzücken. Er hoppelte aus dem Wald herbei,
ließ sich wenige Schritte vor der atemlos
schauenden Gretel auf den Hinterläufen nieder
und betrachtete mit hoch gespitzten Löffeln den
neuen Forsthausbewohner. Nachdem er wenig
später wieder in Busch und Tann verschwun
den war, stürzte Gretel hochroten Gesichts in
die Küche:
„Ich hab' den Osterhasen geseh'n!"
Davon war das Menschlein in der Folge
nicht abzubringen. Gretel erzählte, daß sie den
Osterhasen nur von Abbildungen her kannte
und daß er noch niemals zu ihr gekommen sei.
Worauf sich die Förstersleute heimlich bedeut
sam anschauten und Gretel wieder vor das
Haus schickten. Bergrun hatte in den nächsten
Stunden allerlei Arbeit. Sie kroch im Hühner-
stall umher, während die Försterin nach einem
Körbchen Ausschau hielt. Der Fuhrknecht aber,
zugleich Waldwärter, kratzte, nachdem er den
Blicken Grctels entschwunden war, heimlich
trockenes Moos von den Zweigen der Fichten.
Unbewußt spürte Gretel die österliche Stim
mung, die überall in der Luft lag. Die Sonne
schien warm und hell, die Wässerlein hüpften
und murmelten über blanke Kiesel, das Gras
begann in zartem Grün zu sprossen, die Wei
denkätzchen waren längst prall aufgesprungen,
und hin und wieder ließ sich auch der Osterhase
blicken.
Am Morgen des folgenden Tages, als Gretel
die Diele betrat, kannte ihr Entzücken keine
Grenzen. Inmitten des Raumes hockte Klaus,
der alte Hasenvater, und kaute emsig an einem
Kohlstrunk. Als Gretel nach einigem aufgereg
ten Suchen das ansehnliche Nest mit den Oster
eiern gefunden und einen Jubelruf ausge
stoßen hatte, spitzte er die Löffel und schaute
nur beiläufig auf das Glückskind, als wolle er
sich überzeugen, daß nun alles in Ordnung
war. Er ließ es sich ruhig gefallen, wie das
Mädchen seinen struppigen Pelz streichelte und
ihm tausend Kosenamen in das Ohr flüsterte
. . . und der dicken Förstersfrau hüpften vor
Rührung die Tränen wie blitzblanke Kügel
chen über die prallen Wangen. . .
Die Menschen vom Walde empfingen so jene
Botschaft, die den Menschen verkündet, daß
Freudespenden in den Herzen der Gebenden
reinstes Glück erblühen läßt . . .
Borwitzchen
und seine Schwestern
Osterblumen, die ersten Frühlingsboten.
Der letzte Schnee ist kaum verschwunden, und
noch fegen kalte Märzwinde über Wiesen und
Felder, als sich bereits die ersten Boten des
Frühlings melden, die zarten Kinder Floras,
die man, weil sie zur Osterzeit blühen, nicht
nur im Volksmund, sondern auch bei den Bo
tanikern Osterblumen nennt. Sie machen ihrem
Namen alle Ehre,' bringen sie es doch fertig
manchmal sogar den starken kalendarischen
Schwankungen des Ostertermins zu trotzen.
So hat man jedenfalls beobachtet, daß beispiels
weise die Osterglocke oder Küchenschelle an ei-
Der Weg nach Mathildental
Von Elisabeth Fries.
Die Sonne schien in die Kammer, blutrot
spiegelte sie sich in der weißgestrichenen Tür.
so daß ihr Widerschein das Auge des Schläfers
traf. Die breiten Augenlider mit den langen
Wimpern zuckten ein paarmal, dann schlug er
die dunklen Augen auf. Einen Augenblick
mußte er sich besinnen, wo er war, dann sprang
er aus dem schmalen eisernen Bett und lief
zum Fenster. Ein tiefer Atemzug hob seine
breite Brust: Das war sie, die schöne Heimat,
deren Bild er nicht hatte loswerden können,
und die ihn auch schließlich wieder herbeigezo
gen hatte, obwohl er so ganz anders wieder
gekommen war, als er gedacht hatte.
Da unten floß der Rhein, der frische Mor
genwind trieb seine Wellen eilig vor sich hin,
als sollten sie Versäumtes nachholen. Der
leuchtende Sonnenball tanzte zitternd darauf,
daß es aussah wie ein ungeheurer feuriger
Schuppenpanzer. Die Ufer zu beiden Seiten
— alles wie einst, nur für ihn, Joseph Schmitz,
so ganz anders ....
Heiß stieg es dem Manne in die Augen. Er
hatte sich mit dem Vater nicht vertragen kön
nen, noch nie im Leben, obwohl der Sohn dun
kel spürte, daß dieser es gut meinte, Strenge
oft nur aus dem übergroßen Pflichtgefühl des
alten Mannes üerauswuchs. Der hatte die Fa
brik noch in sehr kleinem Umfange von seinem
ner bestimmten Stelle durch viele Jahre pünkt
lich zu Ostern zu blühen begann, mochte nun
das Fest auf einen frühen oder späten Termin
fallen. Erscheinen die Osterblumen zeitig im
Jahr, so müssen sie ihr Vertrauen in das Wet
ter oft schwer büßen,' die Frühlingssonne kann
recht trügerisch sein, und wenn der Winter
plötzlich zurückkehrt, sind die vom Menschen so
dankbar und freudig begrüßten Lenzkinder im
Handumdrehen unter Schnee und Eis begraben
oder im kalten Nachtfrost erbarmungslos er
froren. Weshalb ja auch eine dieser Osterblu
men, das Leberblümchen, da und dort auch
„Ostertröpfchen" genannt, in Westfalen „Vor-
witzchen" heißt, das zeitig im Jahr seine klei
nen blauen, manchmal auch roten Blüten öff
net und den Boden des winterkahlen Waldes
mit einem Teppich überzieht.
Die eigentlich Osterblume ist das Buschwind
röschen (Anemone nemorosa). Weil der große
antike Naturforscher Plinius glaubte, daß die
Pflanze nur bei windigem Wetter ihre zarten
Blütensterne öffne, nannte sie der im 17. Jahr
hundert lebende Botaniker Theodor von Berg
zabern „Windröschen". Scheffel hat sie besun
gen: „Da und dort nur aus dem Grunde hob
das junge Köpflein schüchtern Anemon und
Schlüsselblume. Wie der alte Patriarch einst
in der Sündflut Wassernöten ausgesandt die
weiße Taube, so von Winters Eis umlastet
schickt die Erde ungeduldig fragend aus die
ersten Blumen, fragend, ob nicht der Bedrän
ger in den letzten Zügen liege". Liegt der Be
dränger, der Winter, wirklich in den letzten
Zügen, dann bilden die weißen, rosa ange
hauchten Blütensterne der Osterblume an son
nigen Stellen förmlich weiße Flecken auf dem
graugrünen Grunde. Gelbe Osterblume heißt
zum Unterschied das mit dem Buschwindrös
chen vergesellschaftete gelbe Windröschen (Ane
mone ranunculoides). Das bereits erwähnte
Leberblümchen, ein Verwandter des Busch
windröschens, wächst in lichten Wäldern und
vorzugsweise an feuchten Stellen. Das „Vor-
witzchen" muß sich zeitig rühren,' denn hat erst
einmal der Wald sein grünes Kleid angelegt,
ringt das Licht der Sonnenstrahlen nicht mehr
durch die dichten Kronen, dann findet das Le
berblümchen keine Existenzbedingungen mehr
vor. Die Blüte ist vielfarbig,' der Stempel ist
grün, die Staubbeutel weiß,' sie tragen außer
dem ein rosarotes Mittelband, und auch die
einzelnen Blüten sind verschieden von einan
der. Junge sind tiefblau, die älteren spielen
ins Weißliche. Während der Blütezeit ver
größert sich die Blüte übrigens ganz auffällig,
beinahe bis auf das Doppelte der anfänglichen
Größe.
Als dritte Osterblume endlich die Osterglocke
oder Küchenschelle, eine nahe Verwandte des
Windröschens und des Leberblümchens, zu
nennen, die nach der Ueberlieferung Ostern
einläutet. Sie ist nicht besonders häufig, und
sie gedeiht auf sandigem oder kalkigem Boden.
Ihre Blüte ähnelt der Tulpe,' ihre tieföunkel-
violette Farbe wird etwas beeinträchtigt durch
ein feines Pelzwerk seidiger Härchen. Die
Küchenschelle wurde früher, obwohl gifthaltig,
als Heilmittel benutzt, während man mit ihrem
grünen Saft zuweilen auch die Ostereier färb
te. Zu den Osterblumen wird man das Maß
liebchen oder Gänseblümchen zu rechnen haben,
mit dem unsere Vorfahren den Osterpokal um
wanden, wenn sie das Frühlingsfest feierten.
An feuchten Waldstellen trifft man auch in der
Gesellschaft der genannten Osterblumen das
Himmelsschlüsselchen, dessen spitz zulaufende
Krone einem innen hohlen Schlüssel gleicht,
zieht man die gelbe Blumenkrone heraus, so
bleibt die Kelchröhre wie ein kleines Schloß
mit Schlüsselloch zurück. Diese eigenartige
Form hat manche sinnige Legende um die
kleine Blume entstehen lassen,' Sankt Peter
hat einst vor Schreck sein Schlüsselbund aus
dem Himmel fallen lassen, und an der Stelle,
wo die Schlüssel, die ein Engel wieder in
Sicherheit brachte, die Erde berührten, sind
dann als wundersames Abbild die Schlüssel
blumen entstanden. Es versteht sich, daß die
Blume den Wunderglauben des Volkes stark
beschäftigte, und daß man ihr alle möglichen
Kräfte zuschrieb.
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Das Osterei, mag es nun das Huhn oder der
Hase legen, gehört zum Osterfest wie der Christ
baum zum Weihnachten. Allerdings brauche«
Ostereier nicht immer wirklich Eier zu sein,
man kann auch viele andere Dinge schenken.
Ostern ist ein Fest der Freude, das nicht nur
die Herzen, sondern auch die Beutel öffnet und
den Alltag vergessen läßt. So erging es eines
Tages auch dem Kurfürstin August I. von Sach
sen, der als sehr sparsamer Lanöesvater be
kannt war. Nie gab er unnötig einen Heller
au. Aber einmal hat auch ihm die Osterfreude
ans Herz gegriffen und ihn den Beutel weiter
öffnen lassen, als es seine Gewohnheit war.
Er machte seiner Gemahlin, Anna von Däne
mark, ein kunstvolles Brunnenwerk zum Oster
geschenk . ..
In vicljähriger, mühevoller Arbeit hatte der
Kurfürst den Brunnenschacht der Feste König
stein in den Fels sprengen lassen, und immer
wieder dachte er darüber nach, wie man das
Wasser an die Oberfläche befördern könne, in
einem Maße, daß auch eine starke Besatzung
ausreichend versorgt werden könne. Der Uhr
macher Konrad König aus Altenburg hatte
dem Kurfürsten bereits Zeichnungen vorgelegt,
wie er das Wasser aus dem Brunnenschacht
Heraufpumpen wolle — damals ein technisches
Wunder. Der Kurfürst konnte sich jedoch in
folge der hohen Herstellungskosten nicht zur
Annahme entschließen.
Um die Osterzeit des Jahres 1676 kam der
Uhrmacher nochmals an den Dresdner Hof und
führte in Gegenwart der Kurfürstin das fer
tige Modell vor. „Sehr hübsch," sagte der Re
gent, „aber 2000 Goldgulden sind mir dafür zu
teuer. Kann Er das nicht billiger machen?"
Der Uhrmacher verneinte und meinte, daß die
Kosten eher noch teurer würden. Da mischte sich
die Fürstin ein, die sich das Modell genau be
sehen hatte. Die ganze in der Natur 160 Meter
hohe Pumpstrecke war in 11 Abteilungen ge
gliedert, und an jedem Abschnitt stand eine
Pumpe, die von zwei Mann bedient werden
mußte, um das Wasser eine Etappe höher zu
schaffen. „Eure Kurfürstliche Gnaden," sagte
sie, „es ist ein Wunderwerk, daß dieser Alten
burger Euch da errichten will, und so Ihr be
denket, daß Ostern ist und Ihr mir ein Ge
schenk machen wollet, so bitte ich Euch herzlichst
um diesen Bau. Denn er wird Euer Land stark
machen und gefestigt gegen den Einfall der
Feinde."
Der Kurfürst, der das gern hörte, bewilligte
diese hohe Summe, und König ging ans Werk.
Neun volle Jahre wurde nun an dieser Pump
anlage gebaut, aber kein Tropfen Wasser ließ
sich durch die Röhren an die Oberfläche des
Königssteins befördern. Die gelehrtesten Män
ner jener Zeit zerbrachen sich ebenso wie der
Kurfürst selbst die Köpfe über das wissenschaft
liche Rätsel! Beim Modell funktionierte die
Erfindung, aber in der genau nachgebauten
Originalausführung versagte sie. Der Kurfürst
verdächtigte deu Uhrmacher als Schwindler
und Betrüger, und es hätte nicht viel gefehlt,
um dem Erfinder den Prozeß zu machen. Am
meisten ärgerte sich der Kurfürst über die un
nötige Verschwendung, — wenn es auch zum
Osterfest geschehen war . . .
Erst viel später, als der Kurfürst längst tot
war, entdeckte man das Gesetz des atmosphäri
schen Druckes, wonach das Wasser in einer
Säugpumpe nur zehn Meter hoch steigt, die
Pumpabschnitte auf dem Königstein waren je
14 Meter lang. Das Modell selbst funktionierte
nur, weil es sich hier um Leitungen von weni
gen Zentimetern handelte. Immerhin wurde
dieses merkwürdige Osterei der Anstoß für
viele wissenschaftliche Versuche, die schließlich
zur Entdeckung des atmosphärischen Druckes
führten. Albert Schweitzer.
Vater geerbt und in mühevoller Arbeit hoch
gebracht. Der alte Grundsatz reichgewordener
Leute: Der Großvater erwirbt's, der Vater
erhült's, und der Sohn bringt es durch —
schien dem alten Schmitz ein Dogma, an dem
es nichts zu rütteln gab. Freilich — Joseph
hatte ihm oft genug Anlaß zu solchen Befürch
tungen gegeben, aber hätten die Eltern es nicht
anders anfangen, ihn anders anfassen müssen?
Darüber grübelte der Mann, der sehnsüch
tig die Richtung suchte, wo in einem der Sei
tentäler des Rheins Mathildental lag, nach
dem das Heimweh ihn nie wieder loslassen
würde. Er hatte es empfunden in der langen,
schweren Zeit, die er in der Fremde verbracht
hatte. Er möchte doch wohl einmal hinein
gucken, ein einziges Mal unerkannt vorbei
gehen an dem Tor zur Fabrik, aber würden
die älteren unter den Arbeitern ihn trotz sei
nes Vollbartes nicht alle wiedererkennen?
Ueber dem Gedanken, wie er Mathildental
wiedersehen könnte, brütete Joseph Schmitz
noch manches Mal, ohne doch eine Lösung zu
finden. Er mußte schon froh sein, wenn unter
seinen jetzigen Arbeitsgenossen beim Brücken
bau keine aus der nahen Umgebung der vä
terlichen Fabrik waren. Joseph Schmitz als
Arbeiter, unter einen Techniker gestellt, dem
er hundertmal überlegen war — wie ein Lauf
feuer würde das Gerücht seinen Weg machen
und auch den Vater erreichen, so einsam er ge
wiß jetzt lebte. Nicht auszudenken, was er da
bei empfinden würde!
Die Heimat zog und riß an seinem Herzen,
er hätte nicht kommen sollen — so nicht! Ja.
wenn er es zu etwas gebracht hätte und vor
den Vater hätte hintreten können: „Sieh, das
hab ich erreicht,- du siehst, was ich vorhatte,
war gut", dann hätte er wohl nicht so lange
gewartet, aber nun?
Zuerst, da war es ihm glänzend gegangen,
er hatte mit der Summe, die ihm sein Vater
hatte auszahlen lassen, spekuliert, wie in je
ner Zeit alle spekulierten, sein Vater, Hein
rich Schmitz, ausgenommen. Da war er Auto
gefahren und hatte Theater besucht, Sportplätze
und Rennbahnen, hatte Reisen gemacht, bis
auf einmal die Umschichtung der Verhältnisse
all dem ein Ende bereitete. Eine Weile war es
ihm noch gelungen, sich über Wasser zu halten,
aber als Monat auf Monat ins Land ging,
ohne daß er Arbeit finden konnte, da fühlte er
in Hunger und Not, in Zorn auf sich selbst und
in blutiger Scham seinen Trotz gegen den
Vater schwinden. Da hatte er die Zähne fest
aufeinander gebissen und hatte die Arbeit an
der zertrümmerten Rheinbrücke angenommen
als Arbeiter — nicht als Ingenieur, denn als
solcher hätte er sich, soweit der Schornstein
rauchte, am Rhein von Koblenz abwärts bis
an die holländische Grenze nur melden können,
wenn er gewillt war, der Frage standzuhal
ten: Doch nicht der Sohn von Heinrich Schmitz,
Mathildental?
Wie gerne hätte er gewußt, was aus Ma
ri echen Melsbach geworden war. Mehr als
einmal war er in Versuchung, in dem Städt
chen, das er von einer bestimmten Stelle am
Rhein aus liegen sehen konnte, nach ihr zu
fragen. Doch es war eigentümlich, dieser
Wunsch lief nur nebenher, er schien von unter
geordneter Bedeutung gegenüber dem, was ihn
ganz erfüllte: dem Heimweh nach Mathilden
tal. Und doch hatte er nie aufgehört, das Mäd
chen zu lieben! Aber er zweifelte kaum, sie
würde längst geheiratet haben, so hübsch wie
sie war. Ob sie ihn vergessen hatte? Ein stechen
der Schmerz in-seinem Herzen schien eine Art
von Antwort zu sein.
Gestern hatte ihm der Ingenieur gesagt,
daß die Arbeit aufhören müsse, sobald Frost
käme. Das konnte noch eine gute Weile hin
sein, man wußte es nicht. Der Vorgesetzte, der
dem fleißigen Schmitz wohlwollte, gab ihm
einen Wink: In S. war es vielleicht möglich,
anzukommen, dort sollte eine der großen ehe
maligen Munitionsfabriken umgebaut werden.
Joseph Schmitz machte eine unwillkürlich ab
wehrende Bewegung — das war zu nahe bei
Mathildental. Der Ingenieur sah ihn verwun
dert an, um ihn dann schärfer ins Auge zu
fassen. Kopfschüttelnd blickte er ihm nach. Er
stand eine Weile in Gedanken verloren — das
war ja Unsinn, was er da dachte! Eine zufäl
lige Achnlichkeit mußte ihn täuschen, freilich,
der Name . . . und dann diese starke Nase mit
der eigentümlichen Falte darüber« die dunkle«