Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

»--«»-> T»-»M / Spaziergang am OsLerabenZ 
»Es wird Zeit", mahnte der Vater. 
»Ein paar noch", bettelte Gustel. Blau leuch 
tete es im Rasen von Veilchen, und der Junge 
sammelte eifrig. 
Lächelnd ließ ihn der Vater gewähren. Bald 
aber rief er: „Nun ist's genug! Sonst reicht's 
nicht für unseren Osterspaziergang. 
Schnell raffte Gustel noch ein paar Veilchen 
auf und kam dann über den Rasen her ange 
sprungen. Mit glühenden Wangen und leuch 
tenden Augen und hielt dem Vater das Körb 
chen unter die Nase. „Da, riech mal, fein — 
was?" 
Bring sie der Mutter, wasch dir die Hände 
und hol deine Mütze! Gustel eilte hinein. Der 
Vater blickte im Garten umher, der sorgfältig 
gepflegt, im ersten Sprossen stand, dann trat 
er zu einem Beet, auf dem Osterlilien schlank 
und golden sich ins Licht reckten. Eine hing ein 
wenig das Köpfchen, der Stil war zarter als 
die der anderen und nah vorm Knicken. Nasch 
nahm er ein Stückchen aus dem Rosenbeet, 
steckte es in die Erde und band es sorgfältig 
mit ein wenig Vast fest. 
Als er noch sinnend darauf niedersah, um 
faßten ihn von links und rechts her zwei 
Arme. Mit dem Jungen war auch seine Frau 
herausgekommen. Leise schlichen sie heran, ihn 
Au überaschen. Er wandte sich um und sah in 
frohe, lachende Gesichter. Einen Augenblick 
vergaß er sein Vorhaben und gab sich der 
Freude des Beieinanderseins hin. 
„Wie ähnlich ihr euch seht", sagte er, „das ist 
mir früher nie so aufgefallen." Das blonde 
Haar, die helle Gesichtsfarbe, — und auch von 
ihrer Lieblichkeit hatte der Junge sein Teil 
mitbekommen. „Zu weich für einen Knaben", 
dachte er, „da muß Eisen ins Bluk." 
Ihm fiel etwas ein. „Du hast doch meinen 
Auftrag richtig ausgeführt?" „Ja, Vater." 
»Es ist sehr wichtig, aber ich brauche wohl nicht 
nachzufragen. — Ich vertraue dir." 
Gustel wich seinem Blick aus. Es schien dem 
Vater, als wäre er leicht erblaßt. Was bedeu 
tete das? 
Er drängte zur Eile. Bald ließen sie die 
Stadt hinter sich und schritten aufwärts. Im 
mer zwischen Knicks dahin, die von einem zar 
ten, grünen Schleier übersponnen waren, der 
im Licht glänzte. Es hatte früh geregnet und 
eine köstliche Frische lag über dem stillen 
Land, der sich ein kräftiger Erdgcruch von den 
Aeckern her zugesellte. Im ersten Grün stan 
den die Wiesen, von zarten Frühlingsblumen 
übersäet. 
Sie horchten auf den Vogelfang. Von jeher 
waren ihre Wanderungen reich an Beob 
achtung und Erleben gewesen, heute aber wa- 
Ņ ihre Herzen gehalten. Ueber dem Spazier- 
àg am Osterabend lag schon etwas von der 
"^ihe des hohen Festes. 
Sie bogen vor dem Walde ab und gingen 
weiter ins Land hinein, immer auf Feld- oder 
Landwegen. Als sie auf der Höhe angekom 
men, fingen die Glocken an zu läuten. — Sie 
blieben stehen und sahen nach der Stadt hin 
unter, die, fast verborgen, hinter den Hügeln 
ļag, sahen einen Ausschnitt der hell schim 
mernden Förde und darüber den hochauf- 
îagenden Kirchturm. Von ihm ging die 
»— — — 
botschaft hinaus, deren Klängen sie hingegeben 
lauschten. 
„Verstehst du auch, was Ostern bedeutet", 
fragte der Vater. 
„Ja", kam zögernd die Antwort. — Freilich, 
so recht nicht. 
„Es ist wohl noch zu schwer für deine elf 
Jahre. Wir erleben aber doch schon hier auf 
Erden eine Auferstehung. In jedem Jahre/ 
„Du meinst in der Natur", erwiderte Gustel. 
„Im Frühling". 
„Gewiß. Weißt du noch, wie die Hecke im 
Winter aussah? Schwarz und dürr. Nun 
sprießt an ihr zartes Grün. — Und gar der 
Wald! Wie abgestorben lag er da, düster und 
schwermütig. Nicht lange, und er wird in 
neuer Herrlichkeit erstehen. Wir glauben — 
Gustel hörte nichts mehr. Er biß herzhaft in 
einen großen Apfel, den die Mutter ihm als 
Neisezehrung in die Tasche gesteckt, und seine 
Gedanken liefen zu ihr zurück. Ob sie schon bei 
den Vorbereitungen für den Abend war? Im 
vorigen Jahr war es fein gewesen, — was sie 
sich diesmal wohl ausdenken würde? 
Nach kurzem Stillschweigen fing der Vater 
wieder an, Gustel wurde aufmerksam: „Meinst 
du Fritz Bartel, Vater, der im Gefängnis 
sitzt?" 
„Ja. Seine Zeit ist um. In diesem Falle 
könnte man auch von Auferstehung sprechen. 
Der Gefängnisgeistliche hat geschrieben, daß er 
ein anderer geworden, und die Eltern möchten 
gut mit ihm sein. — Man erlebt das so sel 
ten." 
Sie hatten den Rückweg angetreten und gin 
gen auf anderen Pfaden als vorhin. — Gustel 
dachte eben darüber nach, ob Fritz Bartel auch 
einen netten Osterabend haben würde. Die 
Mutter, die so oft andern eine Freude berei 
tete, könnte ihm ja auch etwas schicken. Viel- 
t 
leicht ein paar gefärbte Eier, das würde khn 
doch freuen. Da sagte der Vater aus seinen 
Gedanken heraus, an denen er weiter gespon 
nen: 
„Er hat erst nicht bekennen wollen. So lange 
sich aber ein Mensch in seinem Unrecht ver 
stockt, so lange wird er keine Ruhe finden." 
Gustel blieb zurück und machte sich an sei 
nen Schuhbändern zu schassen. 
Der Vater blieb nach einigen Schritten auch 
stehen, um auf ihn zu warten. Als der Junge 
sich langsam aufrichtete, fiel dem Vater sein 
verstörtes Aussehen auf. „Fehlt dir etwas?" 
fragte er. Gustel sah verlegen zur Seite und 
antwortete nicht. Dem Vater kam das auf 
fällig vor. Wo war die zutrauliche, offene 
Art des Kindes geblieben? Alle Liebe und 
Sorgfalt der Eltern vereinigte sich auf Gustel. 
Der Vater nahm den regsten Anteil an Spiel 
und Arbeit, er glaubte, sein volles Vertrauen 
zu besitzen. 
Im Weitergehen fiel ihm eine Sache ein, die 
sich im Frühherbst zugetragen. Seinem Nach 
bar Madsen wurde ein häuslicher Streich ge 
spielt. An einem dunklen Abend war sein 
ganzes, wertvolles Birnenspalier nicht nur 
geplündert, sondern auch heruntergerissen und 
verdorben. Beim Flüchten — die Fußstapfen 
waren deutlich erkennbar — hatten die Täter 
auch hohe, gepflegte Rosenstöcke niedergebro 
chen. Zwei Knaben waren gefaßt. Sie hatten 
ausgesagt, daß Gustel dabei gewesen, er aber 
hatte es heftig in Abrede gestellt. Man hatte 
ihm geglaubt. Sollte doch etwas daran sein? 
Die festliche Stimmung war verflogen. Der 
Junge war gedrückt, der Vater beunruhigt, 
doch wollte er nicht am heutigen Tage die Sache 
zur Sprache bringen. Dazu fand sich wohl eine 
geeignetere Stunde. 
Sie kamen durch neue Anlagen. Den Vater 
hatte eine starke Müdigkeit befallen, er nahm 
auf einer Bank Platz, die etwas verborgen 
hinter Gebüsch stand. Gustel sah dem Gärtner 
Ostersonntag im Elztal/Schwarzwald. 
Augen, die so seltsam aufblitzen konnten — das 
Şes hatte er schon einmal, gesehen, aber wo? 
Als der Ingenieur in das Büro kam, ließ 
er sich die Papiere des Joseph Schmitz heraus 
suchen. Kopfschüttelnd gab er sie zurück. Ganz 
plötzlich trat scharfumrissen die untersetzte Ge 
stalt seines früheren Brotherrn vor sein in 
neres Auge. Eine seltsame Aehnlichkeit, zwei 
fellos, oder mehr? 
Seit Joseph Schmitz mit der Möglichkeit zu 
Rechnen hatte, daß die Arbeiten hier vielleicht 
schon bald, vielleicht in Monaten ruhen wür 
den, wurde das Drängen seines Herzens hef 
tiger,' einmal wollte er Mathildental auf 
suchen. Wenn er Sonntagnachmittags hier 
aufbrach, daß er um die Dämmerung aus dem 
Wal'de über Segenhaus trat, dann sah er das 
Elternhaus vor sich liegen, konnte bleiben, bis 
vie Schleier der Nacht es einhüllten, und nur 
Uoch der rauschende Fluß tief unter ihm sein 
Ļied sang. Immer leidenschaftlicher spann er 
u« diesem Plan,' wenn er die Augen schloß, 
konnte er die malerischen Hügel zum Greifen 
deutlich vor sich liegen sehen. 
Heute wollte er es tun! Mit diesem Vorsatz 
tvachte er eines Sonntags auf. Er begriff sich 
selbst kaum, daß er so lange gezögert hatte. Es 
U>ar doch kein Wagnis dabei, er kannte Weg 
Und Steg und konnte die breite Straße mei 
den, auf verschwiegenen Waldwegen sich ganz 
Uahe heranpirschen. Das Grab der Mutter 
wollte er erst abends auf dem Rückweg be 
suchen, denn der Weg zum Kirchhof führte mit 
ten durch das Dorf. 
Joseph Schmitz saß beim Mittagessen, als 
seine Wirtin hereingestürzt kam. Eine Kutsche 
sei vorgefahren, der Herr Ingenieur lasse ihn 
mitten, herauszukommen. Die tiefe, senkrechte 
Falte grub sich über die Nasenwurzel des Ar 
beiters. Was wollte der Ingenieur am Sonn 
ig? Er stand auf und ging die Treppe hinun 
ter, ohne besondere Eile. In der Haustür 
sprang der Hund seiner Wirtin an ihm empor, 
kr wehrte ihn lachend ab und — stand vor dem 
Water. Leidenschaftlich bohrten sich die beiden 
Augenpaare, die sich so ähnlich sahen, inein 
ander, als wollten sie sich nie wieder loslassen. 
Wie davon angezogen, wie im Traum machte 
Joseph die paar Schritte bis zum Wagen. Er 
wollte etwas sagen und brachte kein Wort über 
die Lippen. Seine Hand griff nach dem Wagen 
schlag wie nach einem Halt — sein Vater fing 
sie auf und hielt sie fest. „Joseph — du bist 
es wirklich —?" 
„Wußtest du denn, Vater —?" 
„Der Ingenieur kam heute in aller Frühe. 
Er war über zwei Jahre bei mir in der Fa 
brik. Die Aehnlichkeit, sagte er —", dem alten 
Manne versagte plötzlich die Stimme. „Ich 
komme dich holen, Joseph, oder magst du nicht 
mitkommen?" 
„Du — mich? Ja, hast du denn nicht gehört, 
wie weit ich es gebracht habe, Vater?" 
Da gewann die brüchige Stimme des alten 
Mannes etwas von der ehernen Kraft frühe 
rer Jahre. „Daß du ein fleißiger Arbeiter bist, 
habe ich gehört. Konnte mir Lieberes ge 
schehen? War nicht das einzige, das zwischen 
uns stand, daß du die Früchte der Arbeit ern 
ten wolltest, ohne den Schweiß und die Mühe 
kennen gelernt zu haben?" 
Wie ein Blitz schlug das Wort in Josephs 
Herz: War nicht alles, was er in diesen Mo 
naten dunkel empfunden hatte, damit in Worte 
gefaßt? Er drückte die Hand des alten Man 
nes in tiefer Bewegung. Wieder tauchten ihre 
Blicke ineinander. 
War es möglich — Joseph Schmitz fuhr auf 
der Landstraße mit seinem Vater in einem 
Landauer. Er hielt die Hand des alten Man 
nes,' sie sprachen nicht, und waren doch inni 
ger verbunden als durch alle Worte der Welt. 
Erst als sie in das Städtchen einbogen, das 
sie durchqueren mußten, riß Joseph seine 
Augen von dem Landschaftsbild los. 
„Vater," fragte er, „was ist aus Mariechen 
geworden? Weißt du es?" 
Da glomm zum erstenmal der Schein eines 
Lächelns in den ernsten Augen des Alten auf, 
„Beinahe eine alte Jungfer, Joseph, du 
kommst noch gerade zur Zeit." 
Ein Schluchzen drang aus der Brust des 
Sohnes, das dem Vater die Augen feuchtete 
Er umschlang den Alten und küßte ihn. Das 
war nicht mehr geschehen seit — ja, seit wann? 
Frrderierarra 
Der in der Mitte. 
Während seines Aufenthalts in Neiße 1766 
besah der Alte Fritz eine damals neu errich 
tete Irrenanstalt. 
Bei der Führung durch die verschiedenen 
Gebäude schritt der Direktor dem König auf 
einer Wendeltreppe voran, die auf eine zum 
Spaziergang der Kranken bestimmte Terrasse 
emporführte. Hinter seinem königlichen Herrn 
folgte ein Adjutant. 
„Sag' Er doch," wandte sich der König an 
den Direktor, „wie bekommt er die Narren 
diese >engen Stiegen herauf?" 
„Ein Führer geht voran, einer bildet den 
Beschluß und der Narr geht in der Mitte." 
„So, so ... ei, ei ... da wollen wir beim 
Hinuntersteigen doch lieber die Plätze wech 
seln," sagte der Alte Fritz zur größten Bestür 
zung des Direktors. 
Nach Verdienst. 
Ein Kollegium erhielt einst vom Könige den 
Auftrag, ihm eine Liste von allen denjenigen 
Personen einzuschicken, die eine Pension be 
kämen. In dieser Liste war eine Rubrik über 
schrieben: „Was sie dafür tun?" 
Unter den Pensionären befand sich ein Herr 
von Calzabigi, der die Zahlenlotterie, durch 
die der Preußische Staat damals große Ein 
nahmen bezog, eingerichtet hatte 
Das Kollegium schrieb nun bei diesem Herrn 
in jene erwähnte Rubrik: 
„Thut garnichts!" 
Der Alte Fritz bemerkte am Rande kurz und 
bündig: * V 
-Hat schon gethaut 
Ernst Fröhlich: 
„Das Şrab îşi Lese —" 
Es geht ein Beten durch die Welt: 
Dank, Herr, für deine Güte, 
Die segnend uns den Tag erhellt 
Und Knospe neben Knospe stellt 
Zu neuer Frühlingsblüte! 
Groß Freuen ist in jeder Brust, 
Die andachtsvoll sich weitet, 
Indes der Fuß durch Glanz und Blust 
Und Sonnengold und Liederlust 
Vom Tod ins Leben schreitet. 
„Das Grab ist leer der Held erwacht!" 
Laut jubelt's allerwegen 
Bei Glockenklang und Himmelspracht — 
Vorüber sind jetzt Sturm und Nacht, 
Nun geht's dem Licht entgegen! 
zu, der Pflanzen einsetzte, doch bald schien er 
dessen müde und setzte sich zum Vater. 
Ein wenig weiterhin saßen zwei Männer. 
Der Jüngere von ihnen fing an zu sprechen, 
— stockend und abgebrochen kam es heraus: 
„Wie der verlorene Sohn — bin ich heimge 
kommen. — Ich hoffte — du würdest mich — 
freundlich aufnehmen. Wie der Vater im 
Gleichnis. — Mutter hat mir vergeben — aber 
du — glaub mir doch," — seine Stimme erstickte 
in Schluchzen — „wenn ich nur Arbeit bekom 
me, so" — 
„Wir wollen das Beste hoffen", erwiderte der 
Alte, und seine Stimme zitterte. — Sie standen 
auf und gingen weiter. 
„Fritz Bartel war es", sagte Gustel erregt. 
Wenn der arme Mensch doch nur Arbeit be 
kommt!" 
„Ich will ihm helfen", sagte der Vater, der 
eben darüber nachsann. „Er kann Sachen für 
mich abschreiben, — er hat ja auf einem Büro 
gearbeitet. Und dann will ich mich für ihn 
verwenden. — Komm, wir wollen weiter 
gehen." 
„Wie gut der Vater ist", dachte Gustel. Er 
kämpft mit sich, ob er ihm sein Herz ausschüt 
ten sollte. Nachdem sie wieder eine Strecke 
gegangen, faßte er den Vater am Arm und 
sagte schüchtern: „Du — ich möchte — dir etwas 
sagen." — Sie blieben stehen, der Vater sah 
forschend seinen Jungen an. 
„Ich habe auch etwas getan, etwas Unrechtes, 
meine ich. Damals, du weißt — als Herrn 
Madsen —*■ die Birnen" er hielt inne. 
„Ich hätte es dir nicht zugetraut. Wie kamst 
du dazu?" 
„Es waren noch mehr aus unserer Klasse 
dabei, die nicht gefaßt sind. Sie redeten mir 
zu, — es sollte ein großer Spaß werden. Als 
sie anfingen, sich zu raufen, habe ich mich da 
vongemacht. Sie haben mich dafür nachträg 
lich verprügelt." 
„Weshalb hast du es nicht wenigstens ehrlich 
eingestanden?" fragte der Vater streng. 
„Weil ich mich doch so furchtbar geschämt 
habe. Ich meine, weil so viel ruiniert war 
dabei." 
Dem Vater fuhr blitzschnell ein Gedanke 
durch den Kopf. Mußte er sich nicht selbst 
einen Teil der Schuld zuschreiben? Er hatte 
wohl den Knaben seelisch zu sehr gespannt, ihm 
zu wenig Spielraum gelassen, um seine Jun 
gennatur auszutoben. Vielleicht hatte die 
Verlockung so viel stärker gewirkt, weil er ihn 
so strenge gehalten, — das mochte ihm auch 
das Gestehen schwer gemacht haben. 
„Wenn es dir leid ist, läßt es sich wieder gut 
machen. — Du gehst — am besten gleich — zu 
unserem Nachbar, bekennst und bittest ihn um 
Verzeihung. — Ich werde ihm deinen Anteil 
am Schaden vergüten." 
Gustel sah vor sich nieder und scharrte mit 
dem Fuß auf der Erde. Tränen liefen ihm 
über die Backen. 
„Fürchtest du dich, soll ich mit dir gehen?" 
Gespannt sah der Vater seinem Kinde ins 
Gesicht. Wenn es jetzt versagte — 
Gustel schluckte ein wenig, dann sah er dem 
Vater in die Augen: „Das wäre doch feige. Ich 
geh lieber allein." 
„Das ist brav. Feigheit hätte ich dir nie ver 
ziehen." Er zog den weinenden Jungen an 
sich. „Kann ich dir in Zukunft vertrauen?" 
„Ja, Vater, flüsterte Gustel und schmiegte 
sich an ihn. 
„Wahrhaftigkeit adelt, merk dir's fürs Le 
ven!" 
Er ließ den Knaben aus dem Arm gleiten. 
Bewegten Herzens gingen sie heimwärts. 
Oesterlrche Wanderschaft 
Zu österlicher Wanderschaft 
Sucht mich das Herz zu lenken: 
Die tiefste Wurzel saugt schon Kraft, 
Den Knospenzweig zu tränken: 
Dem Bach in lenzlich frohem Lauf 
Ist jeder Pfad zu enge: 
Nun wacht die ganze Jungwelt auf 
Im Rausche der Gesänge. 
Von Maiwuchs träumt der alte Wald, 
Bereit, sich frisch zu schmücken: 
Jubelnden Himmel will er bald 
Mit Blütengruß beglücken: 
Die Ostersonne tritt hervor 
Zu Auferstehungsstunöen: 
Da rollt der Stein vom Gräbertor: 
Tod, du bist überwunden! 
Max BittŞ
	        
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