Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. 7 Nr. 88. 7 Zweites Blatt. 
Lanöeszoitung 
RcndsdurFŗr Tageblatt 
Mittwoch, den 13. April 1938. 
Rendsburg, den 15. April 1936. 
Erster Schultag / Großvaters Erinnerung 
Erster Schultag! Eine der wenigen Erinne 
rungen aus frühester Jugend, die unauslösch 
lich im Gedächtnis haften! Wer denkt nicht zu 
rück an das eigene Erleben, wenn er morgen 
die kleinen Abc-Rekruten auf der Straße sieht? 
Sogar Großvaters Augen leuchten, und auf 
seinen Lippen liegt ein Schmunzeln, als er mit 
seinen Zitterhänden die Gardine beiseite 
schiebt, um den heimkehrenden kleinen Urenkel 
zu betrachten, der schon draußen vor der Haus 
tür jubelt: „Wir haben heute einen bunten 
Osterhasen gemalt!" — „Glückliche Jugend!" 
Großvater lehnt sich in seinen Sessel zurück, er 
freut sich der wärmenden Frühlingssonne und 
wandert unversehens ins selige Land seiner 
Kindheit. 
Bild um Bild steigt vor ihm auf! Er sieht 
die alte Mutter am Spinnrad. Mitunter läßt 
sie schon in der Morgendämmerung zwischen 
der üblichen Süselarbeit die Spindel schnur 
ren. Und abends beim Talglicht! Der Schul- 
anzug ihres Jungen soll ja rechtzeitig fertig. 
Als genug Garn vorhanden ist, geht's damit 
zum Nachbarn, der in seiner Hinterstube nach 
getaner Feldarbeit den Webstnhl klappern läßt. 
Später kommt der Färber aus dem Nachbar- 
kirchspiel, um sich den fertigen Stoff zu holen. 
Die Helle Stimme des kleinen Mannes schallt 
von der Haustür her nach der Küche: „Nu is 
de ole Farmer werrer dor!" Mutter übergibt 
ihm das gelbliche Leinen: „Blau, Farmer! Un 
to Fastlobenö torügg, unse Jörn schall to 
School!" An einem Märzmorgen rückt die 
Schneidergesellschaft an. Drei Mann, Meister, 
Gesell und Lehrling. Der Meister benutzt die 
Elle als Spazierstock, der Lehrling schleppt 
Preßeisen und Bügelbrett. Nun gibt es viel 
Spaß; denn der Meister weiß lustige Schnurren 
zu erzählen. Man kommt die ganze Woche kaum 
aus der Kistenstube heraus, in der die Schnei 
derei für Kost und wenig Geld ihre Arbeiten 
erledigt. 
Am Donnerstag nach Ostern kann der er 
sehnte und doch so gefürchtete Gang zur Schule 
endlich angetreten werden. Der neue blaue 
Leinenanzug wird mit besonderem Stolz ge 
lragen. Die Jacke hat eine lange Knopfreihe 
und ist oben am Halse geschlossen. Die Hosen 
reichen ein ganzes Stück über die Knie. Hell 
blaue Strümpfe und ein Paar große jütische 
Holzschuhe bilden die Fußbekleidung. Vater 
trägt den blauen Sonntagsschoßrock mit silber- 
blanken Knöpfen. So kann man sich wohl sehen 
lassen! 
Bor dem niedrigen, strohgedeckten Küster- 
; Haus stehen Knaben und Mädchen älterer 
Jahrgänge und begucken eifrig jeden Neuling. 
Nach einigem Warten kommt der weißhaarige 
Küster und nötigt alles zur Klasse hinein. Vä 
ter und Mütter sind plötzlich verschwunden, 
und der neue Lebensabschnitt beginnt. Bunte 
Osterhasen werden nicht gemalt, aber das 
Buchstabenschreiben wird gleich am ersten Tag 
eifrig geübt. Große Kinder übernehmen die 
c Aufsicht; denn der Alte läßt sich in anderen 
! Abteilungen Katechismus und Bibelsprüche 
: aussagen und schneidet dabei Gänsefedern für 
i die Schönschrift zurecht. Von der Wand grüßen 
Mancherlei Bilder und fordern zu eingehender 
Betrachtung auf, wenn der Finger mit dem 
Griffel der ungewohnten Beschäftigung müde 
wird. Dann gleitet der Blick auch wohl hinüber 
nach dem biegsamen Stock, der als drohendes 
Gespenst auf dem hohen Pult liegt. Freilich, 
am ersten Tag gibt's noch keine Bekanntschaft 
mit ihm; da werden in den Pausen Ostereier 
verteilt aus einer Riesentüte, damit keiner am 
nächsten Tag das Wiederkommen vergißt. 
Aber wie oft hat später der alte Henningien 
den Arm schwingen müssen, bis Sprüche und 
Einmaleins, Lesen und Schönschrift nach sei 
nem Geschmack waren. Später? Es war 
ja alles nur so kurz, es liegt so lang schon zu 
rück und ist doch noch wie gestern. Söhne und 
Enkel sind inzwischen zur Schule gegangen, 
und nun fängt der Urenkel an. Großvater 
seufzt: „Es geht die Zeit und nimmt uns alle 
mit zur Ewigkeit!" R. 
* * * 
Pmde W Gàtrļag der Meers 
Auch die Garnison Rendsburg wird am Ge 
burtstag des Führers, am kommenden Mon 
tag, dem 20. April, eine Parade abhalten, und 
zwar ans dem Hof der Jnfanteriekasernc. Die 
Veranstaltung ist öffentlich, Zuschauer haben 
Zutritt. Um 11 Uhr vormittags ist Paradeauf- 
stcllung, anschließend Vorbeimarsch in Zügen 
am Standortältesten, Oberst Müller. An der 
Parade sind Infanterie und Artillerie betei 
ligt. 
Arbeit für Familienväter 
Ein Ausruf 
Der Reichsbunü der Kinderreichen, der 
Ehrenführerring des RDK., das rassenpoliti 
sche Amt der NSDAP., der Chef des Rasse- und 
Siedlungshauptamtes, der Reichsausschuß für 
Volksgesundheitsdienst im Reichsministerium 
des Innern und der Präsident der Reichs 
anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits 
losenversicherung erlassen folgenden Auf 
ruf: 
13 Millionen ungeborener deutscher Kinder, 
die im Wirtschaftsleben nur Verbraucher sind, 
fehlen heute. Damit ist der natürliche Arbeits 
aufbau unseres Volkes gestört und ein zahlen 
mäßiges Mißverhältnis zwischen Verbrau 
chern und Erzeugern entstanden. Dieses Miß 
verhältnis zwingt heute noch Millionen Men 
schen zur Erwerbslosigkeit und damit auch zur 
Verbrauchseinschränkung. Ihre Unterstützung 
bindet andererseits Mittel, die dem gesunden 
Wirtschaftsumlauf entzogen werden. 
Niemand hat an diesem Unglück so wenig 
Schuld wie diejenigen deutschen Väter und 
Mütter, die trotz bitterer Not, ja trotz jahre 
langer Mißachtung ihre Elternpflicht gewissen 
haft erfüllt und unserem Volk vier oder mehr 
Kinder geschenkt haben: die kinderreichen El 
tern. 
Es leidet aber auch niemand so unter der 
Erwerbslosigkeit wie die kinderreichen Fami 
lien. Ist der Ernährer einer solchen Familie 
ohne Arbeit, so ist damit nicht er allein betrof 
fen, sondern genau so die Mutter und die Kin 
der. Schon dann müssen sich diese Familien 
mehr einschränken als andere, wenn der Vater 
Arbeit hat, oft müssen die nachwachsenden Ge 
schwister in der Ausbildung zurückgesetzt wer 
den, wenn die arbeitsfähig gewordenen älteren 
Söhne und Töchter keine Lehrstelle, keine Ar 
beit finden. Wie verschärft sich das erst, wenn 
der Vater erwerbslos ist! 
Diese Familien leiden ungleich mehr unter 
der Arbeitsnot als alle anderen Volksgenos 
sen. Darin liegt ein Unrecht, aber auch eine 
Gefährdung des deutschen Nachwuchses, der zu 
mehr als der Hälfte in kinderreichen Voll 
familien lebt.^udcm wird die Fürsorge durch 
die Arbeitslosigkeit Kinderreicher erheblich 
mehr belastet. 
Noch find unverhältnismäßig viele Väter 
und erwerbsfähige Angehörige kinderreicher 
Familien ohne Arbeit! Kinderreichen Fami 
lien ihr Fortkommen erleichtern ist größter 
und dringendster D i e n st am Volke in 
einer Zeit, wo dieses um seinen Fortbestand 
ringt, — ja, es ist völkische Pflicht für jeden 
Deutschen. 
Deshalb rufen wir alle, die Arbeit und Auf 
träge oder Lehrstellen zu vergeben haben, auf: 
Denkt an die deutschen Vollfamilien, stellt ihre 
Ernährer, ihre Söhne und Töchter ein, gebt 
ihnen Arbeit oder Lehrstellen. Ihr werdet es 
nicht bereuen. Denn wer ein guter dentschcr 
Vater ist, der wird mit doppeltem Eifer und 
doppelter Gewissenhaftigkeit für die Seinen 
arbeiten. Im übrigen wird eine besondere 
Bevorzugung von kinderreichen Vätern nicht 
verlangt oder erwartet. Und die Kinder, die in 
diesen Familien von Jugend auf zu Gemein 
schaftsgeist, Einfügung und Arbeitseifer erzo 
gen sind, werden ihre Pflicht erfüllen und sich 
überall als pflichtbewußte Menschen bewähren. 
Die „Faust"-AuMhrung, 
die morgen abend 20.15 Uhr in der Rendsbur 
ger Staöthalle unter der Spielleitung von In 
tendant Bruno Schvenfelö, mit Hans Helmut 
Koch und Elselottc Hiddemann als Gäste (Me 
phisto und Gretchen), stattfindet, ist mit Absicht 
in die Osterzeit gelegt worden. Frühlingsstim 
men — „Vom Eise befreit sind Strom und 
Bäche . . ." künden das Ende von Fausts 
Umnachtung und Osterglocken rufen den Ver 
zweifelnden ins Leben zurück. Es ist ein schö 
ner Brauch des seiner nationalen Aufgabe be 
wußten deutschen Theaters, dem deutschen 
Volke seine größte Dichtung gerade in der 
Osterzeit darzubieten. Hoffen wir, daß die 
Rendsburger diese Gabe zu schätzen wissen und 
am Donnerstag das Theater bis auf den letz 
ten Platz füllen. Die Kartenpreise sind — da 
mit niemand durch das leidige Geld abgehal 
ten wird — herabgesetzt morden, trotz der 
durch die Verpflichtung von Gästen erhöhten 
Unkosten. 
Das Norölnark - Landestheater 
schreibt über die Aufführung: Bei der Insze 
nierung von Goethes „Faust" wird sich immer 
die eine Frage in den Vordergrund drängen, 
ob man aus dem bunten, vielgestaltigen dra 
matischen Gedicht die geistige Linie scharf her 
ausstellen, oder ob man den gedanklichen Ge 
halt des Werkes in sinnliche, anschauliche 
Form bringen soll. Den Absichten Goethes 
scheint die zweite Anschauung eher zu entspre 
chen; sagt er doch in dem „Vorspiel auf dem 
Theater": 
„Drum schonet mir an diesem Tag 
Prospekte nicht und nicht Maschinen. 
Gebraucht das groß' und kleine Himmelslicht, 
Die Sterne dürfet ihr verschwenden; 
An Wasser, Feuer, Felsenwänöen, 
An Tier und Vögeln fehlt es nicht." 
Damit ist die Anweisung für das Schaubar- 
weröen des Gedichtes eindeutig gegeben. Und 
so gespielt, wird der „Faust" ein Werk, das 
kräftig und mitreißend zu jedem Menschen 
spricht, zum einfachen Mann und zum Gebil 
deten. 
Wieviel schwieriger ist die szenische Gestal 
tung, wenn man, statt die Worte vor Vor 
hängen und stilisierten Dekorationen sprechen 
zu lassen, sie in einer Welt aufblühen läßt, die 
ihren Anforderungen im Sichtbaren entspre 
chen. Große Mühe — besonders in unserer 
technisch beeinflußten Zeit — mutz auf die Er 
scheinungen überirdischer Wesen verwendet 
werden. Eine nebensächlich kleine Entlarvung 
des Bühnenmechanismus würde im Nu jede 
Illusion zerstören. Stunden um Stunden ar 
beitet darum das technische Personal, unter 
Mitwirkung von Dampf, Elektrizität und al 
len modernen Hilfsmitteln, um Wunder rest 
los glaubhaft zu machen. Ununterbrochen wird 
in den Werkstätten geschafft, um die Dekora 
tionen für die vielen Bilder der Tragödie an 
zufertigen. Von morgens früh bis tief in die 
Nacht hinein wird geprobt, geprobt und wieder 
geprobt, damit bei der Premiere würdig und 
schön das weltbedeutende Gedicht, „Goethes 
„Faust", über die Bretter gehen kann. 
„So schreitet in dem engen Vretterhaus 
den ganzen Kreis der Schöpfung aus. 
Und wandelt mit bedächtiger Schnelle, 
Vom Himmel durch die Welt zur Hölle!" 
Das Werk wird von Intendant Bruno 
Schoenfeld inszeniert. Den Faust verkörpert 
Max Grothusen. 
* * * 
* Die militärischen Osternrlauber sind größ 
tenteils am gestrigen Dienstag in ihre Garni 
sonen zurückgekehrt. Heute hat wieder alles 
im Dienst zu sein. Zuhause war's schön, und 
der kleine Bruder machte es in einem un 
bewachten Augenblick so, wie es kleine Brüder 
wohl immer getan haben, wenn der größere 
als Soldat auf Urlaub kam. Er schnallte sich 
das Seitengewehr oder den langen Säbel um, 
setzte die Mütze ans und ließ sich dann, nicht 
wenig stolz, im Kreise seiner Spielgenossen 
sehen. Freundlich-brüderlich zur Ordnung 
gerufen, mußte er die ernsten Sachen wieder 
hergeben. Der Gedanke ans Elternhaus war 
Wegbegleiter auf der Rückreise zum Standort, 
des Soldaten zweiter Heimat. Unterwegs schon 
traf man Kameraden, und in der Garnison 
kamen sie aus allen Richtungen wieder zu 
sammen. Der Dienst an Volk und Vaterland 
hat den „ehemaligen Urlauber" wieder. Mit 
Lust und Liebe wird weiter durchgestanden. 
Nach einem halben Jahre bereits werden viele 
als Reservisten durchs Kasernentor ziehen. 
* Von einem Eisenträger schwer verletzt. Am 
Dienstagnachmittag stürzte in einem Betriebe 
am Kreishafen der Arbeiter Wilhelm R., der 
mit zwei andern Arbeitern zusammen einen 
schweren C-Eisenträger trug, hin. Dabei fiel 
ihm der Eisenträger auf den Nacken. Er erlitt > 
eine Gehirnerschütterung und eine Quetschung 
des Rückens. Der Verletzte wurde mit dem 
Rendsburger Sanitätsauto ins städtische 
Krankenhaus gebracht. 
* Die Gesellenprüfung als Elektroschlosser 
bestand beim Reichsbahn-Ausbesserungswerk 
Berlin-Schöneweide der Lehrling Werner 
Jessen, und zwar im Praktischen und Theore 
tischen mit „Gut". 
* Ein Film von der Kurzschrift. Von dem 
Deutschen Stenographentag in Frankfurt a. 
M., der im August stattfand, ist ein Film ge 
dreht worden, der allen Freunden der Kurz 
schrift am morgigen Donnerstag, d. 16. April, 
abends 8.30 Uhr, im Gymnasium gezeigt wer 
den soll. Er gewährt einen Einblick in die 
Arbeit der deutschen Stenographcnschaft mit 
ihren Fachgruppen. Was in lOOjähriger Arbeit 
in der Kurzschrift geleistet worden ist, wird hier 
anschaulich vorgeführt. Nichtsdestoweniger ist 
auch dem Maschinenschreiben Aufmerksamkeit 
gewidmet. In einer Ausstellung wird die 
älteste Schreibmaschine neben der modernsten 
Büromaschine gezeigt. Das Leistungsschreiben 
im 10-Finger-System um die deutschen Mei 
sterschaften nimmt einen besonderen Platz ein. 
Da Kurzschrift und Maschinenschreiben immer 
Diäte# ü6e# neueste Sļ^odccû^HÌssc! 
KUNDE: 
Was hat eigentlich der „Adler Trumpf jr.“ bei der 50000-km- 
Fahrt im Großstadtverkehr in Berlin für Qel verwendet? 
FACHMANN: 
Motorenoel „schwer" XRMI 
KUNDE: 
Das habe ich mir gedacht! — Man hört immer nur von allen 
Fachleuten das Beste über Valvoline! 
Auch mir ist zum Oelwechsel dringend VaSvoline Oel emp 
fohlen worden, und ich nehme es jetzt ebenfalls! 
VALVOLINE — REICHSAUTOBAHNEN - EIN BE6RIFF! 
VALVOLINE OEL GESELLSCHAFT M.B.H„ HAMBURG 1
	        
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