129. Jahrgang.
Schleswig-HolsterrnschL
129. Jahrgang.
LariöeszeiLu
RenLsdurger TagebluLt
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Nr. 88
Donnerstag, den 16. April
1853
Wettpolitik «ach Oster«
Italien im britischen Interessengebiet — Laval sieht ein... — Am die Dardanellen — Roosevelt auf dem Kriegspsad
Der Friede der Ostertage ist spurlos an der
Weltpolitik vorübergegangen. Die italieni
schen Truppen in Abessinien machten selbst
an den Feiertagen keine Pause in ihrem sieg
reichen Vormarsch, Die Stadt Dessie, das ehe
malige Hauptquartier des Negus, wurde
kampflos von italienischen Truppen besetzt,-
Weg nach Addis Abeba liegt offen vor den
Soldaten Mussolinis, und wer vor vierzehn
Tagen noch einen Wechsel des Kriegsglücks,
auf dem afrikanischen Schlachtfeld für möglich
gehalten hatte, zweifelt nach den Ereignissen
der vergangenen Woche nicht mehr an dem
vollen Endsieg der Italiener.
Die Besetzung der Ufer des Tanasees und
abessinischer Orte an der sudanischen Grenze
hat die internationale Lage erheblich klarer
gemacht. Die Italiener haben das britische
Interessengebiet nicht geschont, wie man in
England wohl eine Zeitlang angenommen
hatte, und wenn man den italienischen Zeitun
gen glauben darf, denkt Italien auch nicht
daran, auf das besetzte Gebiet im Fall eines
Friedensschlusses zu verzichten. Das würde
bedeuten, daß England seinen Einfluß in
Abessinien verloren hätte und keine Kontrolle
mehr über den Tanasee besäße, der für die Be
wässerung des Sudans und des oberen Aegyp-
tsns von großer Bedeutung ist. Für England
Ģ daher die Frage einer Verschärfung der
Sanktionen wieder aktuell geworden, und
wenn eine solche Verschärfung wirksam sein
soll, kann sie nur in der Sperrung des Suez
kanals bestehen, in einer Aktion also, die von
Italien unter allen Umstünden als feindselige
Handlung betrachtet werden würde. Zu mili
tärischen Sanktionen kann sich England aber
vur bereit finden, wenn alle Sanktionsstaaten
mitmachen, und das wird nicht der J-all sein.
Frankreichs Sanktionsmüdigkeit ist allzu of
fenbar.
Man kann gespannt darauf sein, ob und in
welcher Form die Genfer Bemühungen um
Einstellung der Feindseligkeiten und Abschluß
eines Friedensvertrages von Erfolg sein wer
ben.
Die Behandlung der deutschen Friedens-
Vorschläge ist unter diesen Umstünden etwas
in den Hintergrund getreten. Immerhin kann
Man als bemerkenswert das Interview ver-
seichnen, das der frühere französische Außen
minister und Ministerpräsident Laval einer
französischen Zeitung gegeben hat und in der
fich der französische Politiker für eine möglichst
Ichnelle Verständigung zwischen Frankreich
hnd Deutschland ausspricht. Laval vertritt in
feinen Erklärungen den in Deutschland im
mer wieder betonten Gedanken, daß eine sol
che Verständigung allein geeignet ist, den eu
ropäischen Frieden zu garantieren. Es ist be
bauerlich, daß Laval seine Ansicht in einer so
eindeutigen Form erst jetzt bekannt gibt. Aus
bem Verhalten des französischen Politikers
waren seine jetzt geäußerten Geöankengänge
keider nicht zu erkennen, wenn er auch erklärt,
baß er früher niemals eine Gelegenheit ver
säumt habe, seinem Wunsch nach einer deutsch
französischen Verständigung Ausdruck zu ge
ben.
Lavals Erklärungen sind umso beachtlicher,
chks der ehemalige Ministerpräsident seine po
litische Rolle in Frankreich zweifellos noch
vicht ausgespielt hat und voraussichtlich noch
Gelegenheit haben wird, seine Verstäudi-
Lungsabsichten auch noch anders als nur in
Zeitungsinterviews unter Beweis zu stellen.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß
ßch in einer Umfrage der Pariser Zeitung „Le
Journal" annähernd 76 006 Stimmen für die
Möglichkeit einer Verständigung mit Deutsch
land aussprechen und nur rund 26 600 dage
gen; weiter waren 78 000 Leser gegen den
Eowjetpakt und nur 13 000 dafür. Wenn man
fich auch vor Verallgemeinerungen hüten muß,
M scheint es doch, als ob das französische Volk
die Außenpolitik seiner Regierung nicht gera
de mit allzu großer Begeisterung mitmacht.
*
>aß die Türkei in der vergangenen Woche
Verhandlungen über eine Neuregelung der
entmilitarisierten Dardanellenzone verlangt
hat, konnte nicht überraschen. Die Dardanel
len sind in der Tat der verwundbarste Punkt
der Türkei, und wenn auch das Gebiet der
Meerengen durch Garantien von vier Groß
mächten „geschützt" ist, so konnte die Türkei
doch mit Recht auf die größer werdende Unge
wißheit der Verhältnisse im Mittelmeer hin-
wersen.
Insoweit märe die türkische Note nicht son
derlich bemerkenswert, wenn sie nicht die Un
sicherheit im Mittelmeer gegen die „ruhige
Lage im Schwarzen Meer" ausspielte. Es
wird also deutlich, auf wen sich die Türkei in
ihrem Ersuchen stützt: auf die Sowjetunion,
und ln der Tat haben die Moskauer Macht
haber bereits offen durchblicken lassen, daß sie
die Forderung der Türkei unterstützen wer
den.
*
Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten
hat inzwischen begonnen, obwohl die Wahl not
im Herbst stattfindet. Roosevelt hat feine erste
Wahlrede gehalten, in der er zur Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit eine Beschränkung des
Arbeitsalters auf 18 bis 68 Jahre, eine Sta
bilisierung der Währung, eine Herabsetzung
der Arbeitszeit usw. vorschlug. Interessant ist,
daß Roosevelt sich für irgendeinen Plan er
klärt, durch den der Ruhestand eines jeden
Arbeiters gesichert werden soll. Roosevelt ge
denkt offenbar mit diesem Programm der im
mer noch wachsenden Bewegung der sogenann
ten Townsendianer, die bei der Präsidenten
wahl den republikanischen Senator Borah un
terstützen wollen, den Wind aus den Segeln
zu nehmen.
Noch keine Rückfrage
in Berlin
Unsere Berliner Redaktion schreibt uns:
Bis zur Stunde ist noch keine englische Rück
frage in Berlin eingegangen. Wie wir hören,
ist sie aber noch für Ende der Woche, spätestens
am Anfang der neuen Woche zu erwarten.
Aus englischen Zeitungsmeldnngen ist zu
entnehmen, daß die Dringlichkeit des Abessi
nienkonflikts zur Zeit alle Beratungen des
britischen Kabinetts in Anspruch nimmt.
Die gestrigen Times schrieben, daß das eng
lische Kabinett am Donnerstag sich über die
nach Berlin zu richtenden Anfragen schlüssig
werden wolle. Unverändert sei die Meinung
der maßgebenden englischen Negierungskreise
die, daß das Hitlerprogramm die Grundlage
aller ferneren Erörterungen über die Herbei
führung einer dauernden Friedensepoche in
Europa bilden müsse.
Ueber die Lage im Mittelmeer schreibt Daily
Mail: „Innerhalb zwei Wochen wird das eng
lische Geschwader auf die doppelte Stärke ge
bracht werden. Für den Sudan werden moto
risierte Truppenverstärkungen in der gleichen
Zeit nach Khartum gebracht. In der Besetzung
des Tanasecgebietes sieht man noch keine Be
drohung Englands, aber die Sprache der italie
nischen Zeitungen bereitet auf eine Bedrohung
vor und macht England die Ergreifung von
Sichcrnngsmaßnahmen zur Pflicht."
Ein Blick in die Pariser Presse des Mittwoch
läßt erkennen, daß die Haltung Frankreichs in
Genf bereits festliegt. Der Ministerrat am
Dienstagnachmittag hat fast fünf Stunden ge
dauert, so meldet der Figaro. Alle Pariser
Morgenblätter sprechen sich äußerst hart gegen
Verschärfung, ja selbst gegen Fortdauer der
Sanktionen aus. Das Journal schreibt an der
Spitze seines Blattes: „Frankreich ergreift die
Initiative. An den Sanktionen verblutet der
Export der Sanktionsstaaten, aber nicht Ita
lien!"
Bedeutsam zur Lage ist die Auslassung des
oft offiziös inspirierten Pariser Temps zur
Abessinienfrage. Der Temps schreibt u. a.:
„Diplomatisch kann Italien nicht mehr nie
dergerungen werden. Dazu ist seine Stellung,
nachdem der Völkerbund und seine Sanktions-
Politik praktisch sich als völlig wirkungslos er
wiesen haben, viel zu stark."
Auftakt des Neichsļrefteņs
der ßreisleiter.
Dr. Ley zur Frage des Fnhrernachwuchses.
DNB. Burg Crössinsee, 15. April. Die Ta
gung aller Kreisleiter der NSDAP, auf der
Ordensburg Crössinsee wurde, wie die NSK.
berichtet, durch Hauptdienstleiter Pg. Schmeer
in Anwesenheit von Gauleiter Schwedes-Ko-
burg eröffnet. Pg. Schmeer umriß in seinen
Einführungsworten Ziel, Aufgabe und Ge
staltung der Tagung.
Reichsleiter Dr. Ley gab in einer Ansprache
einen Ueberblick über seine Arbeit als Neichs-
leiter der Deutschen Arbeitsfront. Er schilderte
die Schwierigkeiten, die zunächst bei der
Machtübernahme sich dem großen Werk ent
gegengestellt hatten und zeigte die grundsätzlich
neuen Wege aus, die die nationalsozialistische
Bewegung bei der Heranbildung des politi
schen Führernachwuchses beschritt.
In Vertretung des Reichskriegsministers
sprach dann General F r o m m zu den versam
melten Kreisleitern der Partei.
Kopenhagen als Knotenpunkt des Luftverkehrs
im Norden
Stark erweiterter Sommerflugplan mit neuen Fluglinien — aber immer noch keine innerdänischen Verbindungen
(Bon unserm Kopenhagen-HS.-Korrespondenten)
Mit dem Inkrafttreten des neuen Sommer-
flugplans am kommenden Sonntag wird der
Kopenhagener Lufthafen Kastrup, der auf der
Jnsel Amager gelegen ist und gleich vortreff
liche Anflugmöglichkeiten für Land- wie See
flugzeuge bietet, in ein neues Stadium treten.
Noch niemals in der fünfzehnjährigen Ge
schichte der dänischen Luftfahrt hat der regel
mäßige Luftverkehr in Kopenhagen einen sol
chen Umfang gehabt, wie ihn der kommende
Sommer bringen wird. Mit Beginn der Nacht
postflüge am 1. Mai wird der Lufthafen Ka
strup Starts und Landungen von 40 Verkehrs
maschinen am Tage aufweisen. Der Höhepunkt
tritt ein, wenn am 1. Juli die beiden neuen
direkten Flugstrecken Kopenhagen—Stockholm
eröffnet werden, die nur auf die Fertigstellung
des Stockholmer Lufthafens warten. Mit einer
gewissen Genugtuung notiert man in Kopen
hagen, daß mit dem stark erweiterten Sommer
flugverkehr Kopenhagen in die Reihe der
größten ausländischen Lufthäfen treten wird,
und diese stolze Feststellung ist umso verständ
licher, als noch vor einem Jahre der kombi
nierte dänische See- und Landflughafen Kastrup
von dem viel kleineren schwedischen Flugplatz
Bultofta bei Malmö (10 Minuten Flugzeit
entfernt jenseits des Oeresundes) überflügelt
wurde. Jetzt hat Kopenhagen das Versäumte
nachgeholt und wird der größte Transitmittel
punkt des internationalen Luftverkehrs im
Norden werden. Künftig wird von Kastrup aus
tägliche Luftverbindung nach 75 der größten
Städte Europas bestehen. Und in der Richtung
nach Kopenhagen wird sogar eine Verbindung
voll rund 100 europäischen Städten vorhanden
fein. U. a. werden zwei tägliche Verbindungen
nach und von Göteborg, eine von und nach
Oslo, zwei von und nach Berlin (direkt), drei
von und nach Hamburg bestehen, wohinzu noch
die beiden englischen Gesellschaften, die an ei
nem Ausbau der neuen Kopenhagen—London-
Linie konkurrieren, treten,' ebenfalls fünf Ver
bindungen gehen nach und von Amsterdam,
weitere fünf nach und von London, zwei von
und nach Paris, zwei von und nach Brüssel,'
vom 1. Juli ab kommt dann noch eine weitere
Verbindung mit Amsterdam, London und Pa
ris hinzu, lliid gleichzeitig werden vier Ver
bindungen nach Stockholm hinzukommen, deren
eine Anschluß an die Strecke Stockholm—Hel
singfors erhält. Daneben laufen die neuein
gerichteten, allein für den skandinavischen Post
verkehr nach lind von West- und Zentraleuropa
geschaffenen Linien, die auch nachts fliegen
werden, und zwar täglich das ganze Jahr hin
durch. Eine lediglich auf Seeflugzeugen basierte
Verbindung ist die im vorigen Jahre außer
ordentlich stark benutzte Linie von Kopenhagen
über Göteborg nach Oslo, die von der deutschen
Lufthansa mit großen Maschinen beflogen wird
und neuerdings auch Sonntags durchgeführt
wird. Im klebrigen ist die Lufthansa an den
großen kontinentalen Strecken nach Hamburg,
Berlin und Amsterdam sowie an der kommen
den Verbindung nach Stockholm beteiligt. In
den restlichen Flugplan teilen sich die Dänische
Luftfahrtgesellschaft, die im Juli durch eine
hochmoderne, schnellfliegende „Ju-52" mit Platz
für 17 Fluggäste ergänzt wird — vor wenigen
Tagen in Dessau in Auftrag gegeben —, ferner
eine holländische, eine belgische, eine schwedische,
eine französische und zwei englische Gesell
schaften.
Wenn somit der internationale Flugverkehr
mit Kopenhagen als Knotenpunkt eine respek
table Höhe erreicht hat, ist es immer noch nicht
gelungen, das Bedürfnis nach innerdänischen
Fluglinien zwischen Kopenhagen und Aarhus,
Aalborg und Esbjerg zu befriedigen. Bisher
sind alle Bestrebungen dieser Art an der Mo
nopolstellung der dänischen Staatsbahnen ge
scheitert, die keine Konkurrenz im Lande dul
den wollen, zumal nicht nach den beträchtlichen
und kostspieligen Verkehrsverbesserungen durch
die Brücke über den Kleinen Belt und die Ein
legung ausgezeichneter und geschwinder Blitz
züge mit Dieselmotorzug, — obwohl ein Insel-
land wie Dänemark mit seinen verkehrsbehin-
üernüen Fährenfahrten zu Provinz-Fluglinien
geradezu einladen sollte. Auch eine Schnellflug
verbindung zwischen Kopenhagen und Born-
holm ist nach eifriger Planung und wieder
holten Versuchsflügen wieder aufgegeben wor
den, nicht so sehr jedoch aus Rücksicht auf die
privaten Dampferlinien nach der Ostseeinsel,
als wegen des mangelnden Interesses auf
Bornholm und fehlenden Flugmaterials und
Landungsplatzes. Auf die Dauer wird sich aber
auch in Dänemark die Einrichtung von Zu
bringerlinien aus der Provinz nach den Haupt
strecken nicht aufhalten lassen.
Angesichts der großen Erweiterung des Flug
verkehrs wird man jetzt von Seiten des Staa
tes und der Luftfahrtbehörden an eine große
bauliche Erweiterung des Lufthafens Kastrup
herangehen, und zwar sind nicht nur große
neue Hallenaulageu, sondern auch ein moder
nes, geräumiges Verwaltungsgebäude mit da
zugehörigem Restaurant und Hotel vorgesehen«
y<
E.