Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Die letzte Fahrt 
des toten Botschafters 
DNB. London, 15. April. Die sterbliche Hülle 
des deutschen Botschafters von Hoesch wurde 
am Mittwochvormittag vom Botschaftsgebäude 
in der Carlton House Terrace in feierlichem 
Zuge zum Viktoriabahnhof übergeführt. Die 
englische Regierung erwies dem toten Vertre 
ter des Deutschen Reiches militärische Ehren, 
indem sie mehrere Truppenteile für das Lei 
chenbegängnis zur Verfügung stellte. Von sechs 
Gardesoldaten wurde der Sarg aus dem Ster 
behaus herausgetragen und in der Mall, der 
zum Buckinghampalast führenden Prunkstraße, 
auf die Geschützlafette gelegt, wo bereits eine 
Abteilung Gardekavallerie sowie zwei Kom 
pagnien des 1. Bataillons der Gardegrenadiere 
Aufstellung genommen hatten. Unmittelbar 
hinter dem mit der Hakenkreuzflagge bedeckten 
Sarg schritt ein Neffe des Verstorbenen. Ihm 
folgten als Vertreter des Führers und Reichs 
kanzlers Ministerialdirektor Dr. D i e ck h o f f, 
der Lanöesgruppenleiter der NSDAP, für 
Großbritannien und Irland, Otto Bene, und 
Botschaftsrat Fürst Bismarck. Anschließend 
folgten als Vertreter der britischen Regierung 
Außenminister Eden, Innenminister Sir 
John Simon, sowie der Erste Lord der Ad 
miralität, Lord M o n s e l l. Unmittelbar hin 
ter ihnen schritten die Mitglieder des Diplo 
matischen Korps, die Angehörigen der deut 
schen Botschaft und schließlich zahlreiche Mit 
glieder der deutschen Kolonie. Als sich der Zug 
in Bewegung setzte und die Musikkapelle der 
Gardegrenadiere Trauerweisen ertönen ließ, 
wurde im Hydepark zu Ehren des verstorbenen 
Botschafters ein Trauersalut von 18 Schuß ab 
gefeuert. Größere Menschenmengen säumten 
die vom Verkehr gesperrten Straßen, durch die 
der Leichenzug führte. Besonders groß war der 
Andrang am Viktoriabahnhof, wo eine Ehren 
wache des 2. Bataillons des Goldstream-Garde- 
regiments mit einem Musikzug Spalier bil 
dete. 
Der Sonderzug mit den sterblichen Ueber- 
resten des Botschafters von Hoesch traf am 
Mittwochnachmittag in Dover ein. Er wurde 
von einer Ehrenkompagnie des Hochländer 
regiments mit präsentiertem Gewehr emp 
fangen. 
Unter den Klängen des Deutschlandliedes 
wurde der mit der Hakenkreuzflagge bedeckte 
Sarg von acht Matrosen des Zerstörers 
„Scout" aus dem Wagen gehoben und unter 
feierlichen Weisen auf den nur wenige Schritte 
entfernten Pier gebracht. Von hier aus wurde 
der Sarg an Bord des Zerstörers getragen, der 
zu Ehren des verstorbenen Botschafters die 
Hakenkreuzflagge und die englische Flagge auf 
Halbmast gesetzt hatte. Während der Ueber- 
führung gab die Batterie von Dover einen 
Trauersalut von 19 Schuß ab. Sobald der Sarg 
an Bord war, wurde von einem Trompeter ein 
Abschiedsgruß geblasen. Der Sarg des Bot 
schafters wurde auf dem Hinteren Geschützturm 
des Zerstörers, umgeben von zahlreichen 
Kränzen, aufgebahrt. 
Dann setzte sich der Zerstörer „Scout" unter 
den Klängen der Kapelle der Royal-Scots 
Guards in Bewegung, während die anwesen 
den Vertreter der deutschen Botschaft dem 
scheidenden Botschafter mit erhobener Hand 
den letzten Gruß erwiesen. 
Tie Uebcrsührung nach Wilhelmshaven. 
Am Donnerstag um 14 Uhr wird der briti 
sche Zerstörer „Scout" in Wilhelmshaven ein 
treffen. Er hat die Leiche des verstorbenen Bot 
schafters von Hoesch an Bord und setzt als 
Freundschaftsbeweis, nach der Durchschleusung 
der dritten Einfahrt am Top die deutsche Flag 
ge. Der Zerstörer legt dann im Wilhelms- 
havener Hafen an der Gazellcn-Brücke, wo die 
offiziellen Feierlichkeiten stattfinden, an. Der 
Kommandant des britischen Zerstörers meldet 
nach Festlegen dem Kommandierenden Admi 
ral der Nordsee, Vizeadmiral Schultze, der 
sich dann an Bord des Zerstörers begeben wird 
und als Vertreter des Oberbefehlshabers der 
Kriegsmarine für diesen sowie für das Kom 
mando der Marinestation der Nordsee je einen 
Kranz an der Bahre des toten Botschafters 
niederlegen wird. Der Sarg wird von acht Of 
fizieren der Kriegsmarine an Land gebracht. 
Danach läuft der britische Zerstörer sofort wie 
der aus. Unter Vorantritt einer militärischen 
Abordnung des Wilhelmshavener Truppen 
teils wird der Sarg dann auf einer Lafette 
zum Bahnhof Wilhelmshaven gefahren. Aus 
dem Bahnhof wird der Sarg in einen Sonder 
wagen der Reichsbahn gebracht und dem Ge 
sandten Dr. Schroetter als Beauftragten des 
Auswärtigen Amtes für die Weiterfahrt nach 
Dresden übergeben. Die Jadestüdte flaggen am 
Trauertage halbmast, ebenso die gesamte 
Kriegsmarine des Standortes. 
» » * 
„Nordens Dag." 
KNS. Die großskandinavische Vereinigung 
„Norden" hat beschlossen, im Herbst in Däne 
mark, Schweden, Norwegen, Finnland und Is 
land einen „Nordens Dag" zu veranstalten, an 
dem durch Versammlungen, die Presse und den 
Rundfunk auf die Bedeutung einer nordischen 
Zusammenarbeit hingewiesen und für den 
großskandinavischen Gedanken geworben wer 
den soll. In allen fünf Ländern werden Aus 
schüsse dafür gebildet. 
Am die koloniale Frage 
Eigener Bericht unserer Berliner Redaktion 
Inmitten der Wirren und Gefahren der ge 
samten politischen Lage Europas bringen die 
gestrigen schweizerischen Blätter Gerüchte von 
angeblich französisch-italienischen Geheimver 
handlungen. Der Zür. Tagesanz. behauptet, 
daß in Rom eine wichtige Unterredung zwischen 
dem französischen Botschafter und Mussolini 
stattgefunden habe und daß im Anschluß daran 
der französische Botschafter nach Paris gefah- 
sei. 
Die Reise des Botschafters nach Paris ist 
richtig — denn sie ist inzwischen von der Havas- 
agentur bestätigt worden, und man muß zuge 
stehen, daß diese Reise im jetzigen Augenblick 
begründeten Anlaß zu allen möglichen politi 
schen Kombinationen geben kann. 
Die Neue Basel. Ztg. geht in ihren Mut 
maßungen noch weiter. Sie schreibt, daß Frank 
reich tatsächlich Neigung zeige, Italien freie 
Hand zu lassen, wenn England weiterhin in 
der Rheinlandfrage eine von den französischen 
Interessen abweichende Stellung einnehme. 
Man könne seit Tagen in der italienischen 
Presse immer zahlreicher die Hinweise lesen, 
daß das Ende des Krieges bevorstehe und daß 
der große konzentrische Vormarsch der italieni 
schen Armeen Addis Abeba zum Ziele habe, 
das noch vor Beginn der Regenzeit fallen 
werde. Dann würde Italien das gleiche tun, 
was 1919 die Alliierten in Versailles getan 
hätten: den Frieden diktieren! 
Man kann an diesen Presseauslassungen, mö 
gen auch ihre tatsächlichen Unterlagen schwer 
festzustellen sein, nicht leichthin vorübergehen. 
„Wo Rauch aufsteigt, muß Feuer sein", meint 
die Neue Berner Ztg., „und man sieht zunächst 
nur den Rauch der Gerüchte, ohne das Feuer 
zu erblicken." 
Die Welt kennt die großen Schwierigkeiten, 
in denen sich die englische Regierung zur Zeit 
gegenüber Frankreich und gegenüber Italien 
befindet. Die Abessinienfrage hat alles andere 
in den Hintergrund gerückt. Aber man darf bei 
der augenblicklich ungünstigen Lage für Eng 
land nicht übersehen, daß die englische Politik 
gewöhnt ist, in langen Zeiträumen zu denken. 
Englands große politische Linie ist immer 
die gleiche, zu verhindern, daß eine antieng 
lische Koalition entsteht, die stärker wäre, als 
man selbst ist. 
Vorbeugend hat England ein weiteres Ge 
schwader nach dem Mittelmeer geschickt. Dem 
Rott. Courant zufolge ist die aus den Heimat 
häfen ausgelaufene Flotte 22 Einheiten stark. 
In den englischen Hafen werden Transport 
schiffe mit Flugzeugen und mit Bombenflug 
zeugen verladen. Holländische Blätter berichten 
von größeren englischen Truppentransporten 
nach dem Mittelmeer. 
Sehr zutreffend beurteilt Daily Telegraph 
die neue Lage. Es gelte für England, entweder 
seine Machtmittel einzusetzen, um den Völker 
bund zu retten und Frankreichs Abfall vom 
Völkerbund zu verhindern oder England könne 
Paris, 15. April. Ministerpräsident Sarraut 
hielt am Mittwochabend vor den Vertretern 
der französischen Provinzpresse eine Rede, die 
auch auf sämtliche französischen Rundfunksen 
der übertragen wurde. 
Sarraut drückte zunächst sein Bedauern dar 
über aus, daß gerade die Provinzpressc, die 
das wahre Gesicht Frankreichs spiegle, so wenig 
im Ausland gelesen würde. Die internationa 
len Kanzleien dürften sich, um sich ein Bild 
von dem Geist Frankreichs zu machen, nicht 
darauf beschränken, fast ausschließlich die un 
vorsichtigen und übertriebene» Ausführungen 
jener Polemik zu sammeln und ihr einen gro 
ßen Widerhall zu geben, die Frankreich ein 
entstelltes und haßerfülltes Gesicht geben. Er 
könne nur tief diese schlimmen Auswirkungen 
des Mangels an nationaler Disziplin bedau 
ern. Demgegenüber brauche er nur auf die 
Ruhe hinzuweisen, in der sich augenblicklich 
die Wahlpropaganda vollziehe. Sie bedeute, 
daß Frankreich angesichts einer bisher nicht 
gekannten diplomatischen Verwirrung fühle, 
daß die Lösungen für den Schutz Frankreichs 
nur in der Einigkeit aller geboren werden 
könnten. In einem der hauptsächlichsten Punk 
te, so erklärte Sarraut, sei diese moralische 
Einigkeit bereits vorhanden, in dem Willen 
zum Frieden. Die Regierung jedenfalls wün 
sche den Frieden, aber in der Sicherheit und 
in der Würde des französischen Friedens 
ideals, das sie seit dem Kriege unablässig selbst 
bewiesen habe. 
Dieses Friedensideal finde seinen Ausdruck 
in der kollektiven Sicherheit. Die französische 
Regierung wünscht alle Gendarmen der Ord 
nung gegen den zu sammeln, der versuchen 
sollte, den Krieg vom Zaun zu brechen. Ver 
tragsrecht unter den Staaten, freiwillig unter 
zeichnete Abkommen gegenseitigen Beistandes 
und ihre Achtung zu sanktionieren und auf 
diese Weise die Last der internationalen Rü 
stungen herabzusetzen, das sei das Gerüst des 
Frieöensgebäudes, dessen gemeinsamer Schutz 
ohne Unterschied allen gutgewillten Völkern 
angeboten werde. 
„Soll es dazu kommen", fuhr Sarraut fort, 
„daß äußerste Enttäuschungen, die unseren je? 
einfach die koloniale Frage in Afrika zur Lö 
sung stellen. Dann wäre ein Entgegenkommen 
an Mussolini möglich. Aber dann müsse Eng 
land auch die Gleichberechtigung zum Gesetz 
erheben und die deutsche Kolonialfrage wieder 
aufrollen. 
Daily Telegraph schreibt weiter dazu, mit 
dieser kolonialen Neuordnung in Afrika wäre 
das Ende von Versailles faktisch vollzogen. 
Das sei dann der weittragende Erfolg der 
italienisch-französischen Sondersondierungen. 
Während somit die koloniale Frage in den 
Streit um Abessinien eingeschoben wird, trifft 
Italien die letzten Vorbereitungen zum ent 
scheidenden Schlag. In ganz Italien werden 
die Zurückgestellten seit dem 10. ö. M. einbe 
rufen. Am Hafen Neapel liegen, der N. Zür. 
Ztg. zufolge, 10 Transportschiffe unter Dampf. 
In großen Lettern wiederholen die römi 
schen Zeitungen Mussolinis letzte Rede, in der 
er erklärte, er werde Abessinien von der Land 
karte „wegwischen"! 
Zer Einmarsch in Dessie. 
DNB. Asmara, 15. April. (Funkspruch des 
Kriegsberichterstatters des DNB.) Die italie 
nischen Truppen sind in Dessie eingezogen, 
ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. 
Als erste zogen die Asbo Galla ein, die die 
Nachhut des Negusheeres in Eilmärschen ver 
folgt und bereits seit einigen Tagen vor den 
Toren Dessies gelagert hatten. Ihnen folgten 
die Askari-Truppen, denen sich das 1. Korps 
anschloß. Sofort nach dem Einzug wurde auf 
dem Ghibbi und auf dem italienischen Kon 
sulat die Trikolore gehißt. 
Dessie, die Hauptstadt der Wollo Galla, ist in 
wirtschaftlicher, politischer und militärischer 
Hinsicht einer der wichtigsten abessinischen 
Punkte. Von dort führt eine verhältnismäßig 
brauchbare Straße in einer Länge von 338 
Kilometer nach Addis Abeba. Dessie ist nicht 
eine typisch abcssinische Stadt, die nur aus 
Eingeborenenhütten besteht, sondern sie besitzt 
viele Bauten nach europäischem Muster. Die 
Stadt hat in der abessinischen Geschichte oft 
eine bedeutende Rolle gespielt. 
Addis Abeba mM abessmische 
AàraschMgsMgNM. 
DNB. Addis Abeba, 16. April. Einige von 
der Nordfront eintreffende, amtlich noch nicht 
bestätigte Meldungen erwecken den Eindruck, 
als habe sich die Lage der abessinischen Streit 
kräfte in den letzten Tagen gebessert. In 
abessinischen Kreisen ist man der Meinung, 
daß die italienische Taktik, stärkere Abteilun 
gen auf befahrbaren Straßen gewaltsam vor 
zutreiben, den abessinischen Streitkräften die 
Möglichkeit gebe, wieder zu den Guerilla- 
Methoden überzugehen. 
In einem dieser Berichte wird die Besetzung 
Gondars durch die italienischen Truppen nur 
sten Glauben in das hohe Ideal einer kollek 
tiven Frieöensorganisation brechen, uns ei 
nes Tages von Genf hinwegführen? Sollen 
wir angesichts des Egoismus der einen, der 
Ausflüchte und des Versagens der anderen 
auf die Hoffnung auf ein internationales Re 
gime der Solidarität und des Beistandes ver 
zichten, um fortan nur noch an die Garantien 
unserer eigenen Sicherheit zu denken?" 
Der französische Ministerpräsident erklärte 
dann, daß Frankreich mit einer „verdienstvol 
len Geduld" gegenwärtig alle Möglichkeiten 
erschöpfe, um aus der „Verletzung" (!) des Lo- 
carnovertra^es sich ergebenden Streit mit 
friedlichen Mitteln zu lösen. 
Weiter wandte sich Sarraut dagegen, daß 
gerade diejenigen, die sich am 8. März über 
die Schürfe seines Protestes aufgehalten hät 
ten, ihm jetzt vorwerfen, daß er nicht Macht 
mittel eingesetzt habe. Der Ministerpräsident 
nahm in diesem Zusammenhang gegen die 
Behauptung der Unterlegenheit der französi 
schen militärischen Aufrüstung gegenüber der 
jenigen Deutschlands Stellung und betonte, 
daß er mit den Leitern der Landesverteidi 
gung ernst den Bestand der Streitkrüfte und 
die neuen ergänzenden Maßnahmen geprüft 
habe, die geeignet wären, ihren Wert und ihre 
Wirksamkeit zu erhöhen. Er habe im Verlaufe 
dieser Arbeit eine tiefe Genugtuung empfun 
den, ein tröstliches Gefühl des Vertrauens 
und der Erleichterung, in Anbetracht der 
Uebcrlegenheit der materielle« Mittel Frank 
reichs. Es sei gut, daß Frankreich dies selbst 
wisse für die Eventualität einer dauerhaften 
Friedensregelung und der Annäherung, die 
es in einem freien Geiste zu verhandeln be 
absichtige und nicht unter Drohungen. Denn 
diese Regelung werde nur dann dauerhaft, 
fruchtbar und wirksam sein, wenn man misse, 
daß Frankreich kein schwacher Partner sei. 
Frankreich befinde sich Schwierigkeiten gegen 
über. Es sei jedoch bestrebt, die Lösung dieser 
Schwierigkeiten in einer Anstrengung der 
Versöhnung zu finden, die ihm die Wahl zwi 
schen gleichmäßig wertvollen Freundschaften 
erspare. 
als vorübergehend bezeichnet. Noch mir Ostern 
soll es den Abessiniern gelungen stein, die 
italienische Besatzung überraschend anzu 
greifen und zu vernichten. 
Nach anderen Meldungen hat die Armiee des 
Kaisers in der Nacht zum Ostersonntag in 
Stärke von 20 000 Mann einen überraschenden 
Angriff auf das von 4000 Italienern besechte 
ehem. Hauptquartier des Kaisers, Quorarn, 
unternommen. Es soll dabei zu blutigem 
Kämpfen gekommen sein. Die abessinischen 
Meldungen behaupten, daß 2888 Italiener ge 
fangen genommen worden seien. Am Oster 
montag habe man 2888 Italiener begraben, 
davon die Hälfte weiße Truppen. Die abessi 
nischen Darstellungen verzeichnen nur geringe 
Verluste auf Seiten der Angreifer. 
Von der Südfront wird gemeldet, daß die 
Italiener südlich von Sassabaneh nach vor 
angegangenem Gasbombardement zum An 
griff vorgegangen seien. Der Angriff scheint 
ein Umgehungsmanöver gegen die Armee des 
Generals Ras Nassibu darzustellen, da die 
italienischen Hauptkräfte auf beiden Flügeln 
besonders stark angreifen sollen. 
IiMens VlysmsliWWhsbediNgWgen. 
DNB. London, 16. April. (Eig. Funkm.) Der 
Pariser Berichterstatter der News Chronicle 
will von zuständiger italienischer Quelle etwas 
über die Unterredung des italienischen Bot 
schafters Cerutti mit Flandin am Mittwoch 
erfahren haben. Cerutti habe erklärt, daß 
Italien die vollständige Abrüstung Abefsini- 
ens als wichtigste Vorbedingung für die Er 
öffnung von Friedensverhandlungen betrachte. 
Mussolini sei der Ansicht, daß die Friedens 
vorschläge des Fünferausschusses und des 
Hoare-Laval-Planes von ehemals nunmehr, 
als „lächerliche Kleinigkeiten" zu betrachten 
seien, die nicht mehr der Erörterung wert 
seien. Die Grundlage einer Regelung könne 
dagegen in dem „totgeborenen italienisch 
britischen Vertrag vom Jahre 1925" gefunden 
werden. 
Das würde bedeuten: Die Anerkennung 
aller britische» Ansprüche im Gebiet des 
Tanasecs, die ausschließliche italienische Kon 
trolle über Westabessinien und wahrscheinlich 
die Abgrenzung eines kleinen Gebietes in 
Zentralabessinicn, das dem Negus zwar er 
halte» bleibe aber unter italienischem Protek 
torat. 
Die Italiener seien gegen einen sofortige» 
Waffenstillstand, da ein solcher den Abessiniern 
die Möglichkeit gebe, ihre Armeen mit aus 
ländischer Hilfe zu reorganisieren. 
Nach Daily Mail und Daily Expreß soll in 
gewissen Kreisen Englands die Möglichkeit er 
örtert werden, daß Italien im Zusammenhang 
mit einer Beilegung des abessinischen Kon 
flikts eine Völkerbundsanleihe zur Entwick 
lung Abessiniens unter der Aufsicht des Völ 
kerbundes erhalten solle. Dadurch würde „das 
Gesicht des Völkerbundes" gerettet. Von der 
britischen Regierung sei diese Möglichkeit je 
doch noch nicht in Betracht gezogen worden. 
Neue italienische Truppentransporte 
nach Ostasrika. 
DNB. Rom, 16. April. Nach den Osterfeier 
tagen sind wieder mehrere Truppentransporte 
nach Ostafrika abgegangen. Auf der „Lombar 
dia" wurden 2600 Soldaten, 1500 Arbeiter und 
Munition aller Art verschifft. Trotz der italie 
nischen Waffenerfolge werden noch weitere 
Truppenentsendungen vorbereitet. In erster 
Linie werden jetzt Artillerieabteilungen nach 
Ostafrika geschickt. So steht in den beiden nord 
italienischen Städten Alessandria und Pia 
cenza je eine Artillerie-Batterie zur Ausfahrt 
bereit. In Nola verabschiedete der Kronprinz 
eine stärkere Artillerie-Abteilung, die dieser 
Tage die Ausreise antritt. 
Letzter Fuuk 
Nach der Pariser Morgenpresse scheint im 
Augenblick das Bestreben der französischen 
Politik dahin zu gehen, sich jeder Teilnahme 
an Maßnahmen im afrikanischen Streitfall 
zu enthalten. 
Außenminister Eden traf Mittwoch abend 
in Paris ein und setzte um Mitternacht die 
Reise nach Genf fort. Im selben Zuge reist 
Paul-Boncour. 
Madrid. In Sevilla wurde der Gerichts 
präsident Eizaguirre von Linksradikalen durch 
drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Der 
Ueberfallene ist der Vater des internationalen 
Fußballspielers gleicheil Namens, der im 
letzten Jahr bei dem Länderspiel gegen 
Deutschland in Köln das spanische Tor hütete. 
DNB. Paris, 15. April. Havas meldet aus 
Addis Abeba, daß am Mittwoch zum ersten 
Male ein vollständig in Abessinien gebautes 
Flugzeug einen Probeflug unternommen habe. 
Es handelt sich um ein Handelsflugzeug. 
Widerruf! 
Ser Kryper Meh- ».PserbemM 
ßiSet erst m Miliz, Sem A. April 
(nicht am Sonnabend) statt. 
— 
Rundfunkrede des französischen MinisterprSsideuLeu
	        
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