Die letzte Fahrt
des toten Botschafters
DNB. London, 15. April. Die sterbliche Hülle
des deutschen Botschafters von Hoesch wurde
am Mittwochvormittag vom Botschaftsgebäude
in der Carlton House Terrace in feierlichem
Zuge zum Viktoriabahnhof übergeführt. Die
englische Regierung erwies dem toten Vertre
ter des Deutschen Reiches militärische Ehren,
indem sie mehrere Truppenteile für das Lei
chenbegängnis zur Verfügung stellte. Von sechs
Gardesoldaten wurde der Sarg aus dem Ster
behaus herausgetragen und in der Mall, der
zum Buckinghampalast führenden Prunkstraße,
auf die Geschützlafette gelegt, wo bereits eine
Abteilung Gardekavallerie sowie zwei Kom
pagnien des 1. Bataillons der Gardegrenadiere
Aufstellung genommen hatten. Unmittelbar
hinter dem mit der Hakenkreuzflagge bedeckten
Sarg schritt ein Neffe des Verstorbenen. Ihm
folgten als Vertreter des Führers und Reichs
kanzlers Ministerialdirektor Dr. D i e ck h o f f,
der Lanöesgruppenleiter der NSDAP, für
Großbritannien und Irland, Otto Bene, und
Botschaftsrat Fürst Bismarck. Anschließend
folgten als Vertreter der britischen Regierung
Außenminister Eden, Innenminister Sir
John Simon, sowie der Erste Lord der Ad
miralität, Lord M o n s e l l. Unmittelbar hin
ter ihnen schritten die Mitglieder des Diplo
matischen Korps, die Angehörigen der deut
schen Botschaft und schließlich zahlreiche Mit
glieder der deutschen Kolonie. Als sich der Zug
in Bewegung setzte und die Musikkapelle der
Gardegrenadiere Trauerweisen ertönen ließ,
wurde im Hydepark zu Ehren des verstorbenen
Botschafters ein Trauersalut von 18 Schuß ab
gefeuert. Größere Menschenmengen säumten
die vom Verkehr gesperrten Straßen, durch die
der Leichenzug führte. Besonders groß war der
Andrang am Viktoriabahnhof, wo eine Ehren
wache des 2. Bataillons des Goldstream-Garde-
regiments mit einem Musikzug Spalier bil
dete.
Der Sonderzug mit den sterblichen Ueber-
resten des Botschafters von Hoesch traf am
Mittwochnachmittag in Dover ein. Er wurde
von einer Ehrenkompagnie des Hochländer
regiments mit präsentiertem Gewehr emp
fangen.
Unter den Klängen des Deutschlandliedes
wurde der mit der Hakenkreuzflagge bedeckte
Sarg von acht Matrosen des Zerstörers
„Scout" aus dem Wagen gehoben und unter
feierlichen Weisen auf den nur wenige Schritte
entfernten Pier gebracht. Von hier aus wurde
der Sarg an Bord des Zerstörers getragen, der
zu Ehren des verstorbenen Botschafters die
Hakenkreuzflagge und die englische Flagge auf
Halbmast gesetzt hatte. Während der Ueber-
führung gab die Batterie von Dover einen
Trauersalut von 19 Schuß ab. Sobald der Sarg
an Bord war, wurde von einem Trompeter ein
Abschiedsgruß geblasen. Der Sarg des Bot
schafters wurde auf dem Hinteren Geschützturm
des Zerstörers, umgeben von zahlreichen
Kränzen, aufgebahrt.
Dann setzte sich der Zerstörer „Scout" unter
den Klängen der Kapelle der Royal-Scots
Guards in Bewegung, während die anwesen
den Vertreter der deutschen Botschaft dem
scheidenden Botschafter mit erhobener Hand
den letzten Gruß erwiesen.
Tie Uebcrsührung nach Wilhelmshaven.
Am Donnerstag um 14 Uhr wird der briti
sche Zerstörer „Scout" in Wilhelmshaven ein
treffen. Er hat die Leiche des verstorbenen Bot
schafters von Hoesch an Bord und setzt als
Freundschaftsbeweis, nach der Durchschleusung
der dritten Einfahrt am Top die deutsche Flag
ge. Der Zerstörer legt dann im Wilhelms-
havener Hafen an der Gazellcn-Brücke, wo die
offiziellen Feierlichkeiten stattfinden, an. Der
Kommandant des britischen Zerstörers meldet
nach Festlegen dem Kommandierenden Admi
ral der Nordsee, Vizeadmiral Schultze, der
sich dann an Bord des Zerstörers begeben wird
und als Vertreter des Oberbefehlshabers der
Kriegsmarine für diesen sowie für das Kom
mando der Marinestation der Nordsee je einen
Kranz an der Bahre des toten Botschafters
niederlegen wird. Der Sarg wird von acht Of
fizieren der Kriegsmarine an Land gebracht.
Danach läuft der britische Zerstörer sofort wie
der aus. Unter Vorantritt einer militärischen
Abordnung des Wilhelmshavener Truppen
teils wird der Sarg dann auf einer Lafette
zum Bahnhof Wilhelmshaven gefahren. Aus
dem Bahnhof wird der Sarg in einen Sonder
wagen der Reichsbahn gebracht und dem Ge
sandten Dr. Schroetter als Beauftragten des
Auswärtigen Amtes für die Weiterfahrt nach
Dresden übergeben. Die Jadestüdte flaggen am
Trauertage halbmast, ebenso die gesamte
Kriegsmarine des Standortes.
» » *
„Nordens Dag."
KNS. Die großskandinavische Vereinigung
„Norden" hat beschlossen, im Herbst in Däne
mark, Schweden, Norwegen, Finnland und Is
land einen „Nordens Dag" zu veranstalten, an
dem durch Versammlungen, die Presse und den
Rundfunk auf die Bedeutung einer nordischen
Zusammenarbeit hingewiesen und für den
großskandinavischen Gedanken geworben wer
den soll. In allen fünf Ländern werden Aus
schüsse dafür gebildet.
Am die koloniale Frage
Eigener Bericht unserer Berliner Redaktion
Inmitten der Wirren und Gefahren der ge
samten politischen Lage Europas bringen die
gestrigen schweizerischen Blätter Gerüchte von
angeblich französisch-italienischen Geheimver
handlungen. Der Zür. Tagesanz. behauptet,
daß in Rom eine wichtige Unterredung zwischen
dem französischen Botschafter und Mussolini
stattgefunden habe und daß im Anschluß daran
der französische Botschafter nach Paris gefah-
sei.
Die Reise des Botschafters nach Paris ist
richtig — denn sie ist inzwischen von der Havas-
agentur bestätigt worden, und man muß zuge
stehen, daß diese Reise im jetzigen Augenblick
begründeten Anlaß zu allen möglichen politi
schen Kombinationen geben kann.
Die Neue Basel. Ztg. geht in ihren Mut
maßungen noch weiter. Sie schreibt, daß Frank
reich tatsächlich Neigung zeige, Italien freie
Hand zu lassen, wenn England weiterhin in
der Rheinlandfrage eine von den französischen
Interessen abweichende Stellung einnehme.
Man könne seit Tagen in der italienischen
Presse immer zahlreicher die Hinweise lesen,
daß das Ende des Krieges bevorstehe und daß
der große konzentrische Vormarsch der italieni
schen Armeen Addis Abeba zum Ziele habe,
das noch vor Beginn der Regenzeit fallen
werde. Dann würde Italien das gleiche tun,
was 1919 die Alliierten in Versailles getan
hätten: den Frieden diktieren!
Man kann an diesen Presseauslassungen, mö
gen auch ihre tatsächlichen Unterlagen schwer
festzustellen sein, nicht leichthin vorübergehen.
„Wo Rauch aufsteigt, muß Feuer sein", meint
die Neue Berner Ztg., „und man sieht zunächst
nur den Rauch der Gerüchte, ohne das Feuer
zu erblicken."
Die Welt kennt die großen Schwierigkeiten,
in denen sich die englische Regierung zur Zeit
gegenüber Frankreich und gegenüber Italien
befindet. Die Abessinienfrage hat alles andere
in den Hintergrund gerückt. Aber man darf bei
der augenblicklich ungünstigen Lage für Eng
land nicht übersehen, daß die englische Politik
gewöhnt ist, in langen Zeiträumen zu denken.
Englands große politische Linie ist immer
die gleiche, zu verhindern, daß eine antieng
lische Koalition entsteht, die stärker wäre, als
man selbst ist.
Vorbeugend hat England ein weiteres Ge
schwader nach dem Mittelmeer geschickt. Dem
Rott. Courant zufolge ist die aus den Heimat
häfen ausgelaufene Flotte 22 Einheiten stark.
In den englischen Hafen werden Transport
schiffe mit Flugzeugen und mit Bombenflug
zeugen verladen. Holländische Blätter berichten
von größeren englischen Truppentransporten
nach dem Mittelmeer.
Sehr zutreffend beurteilt Daily Telegraph
die neue Lage. Es gelte für England, entweder
seine Machtmittel einzusetzen, um den Völker
bund zu retten und Frankreichs Abfall vom
Völkerbund zu verhindern oder England könne
Paris, 15. April. Ministerpräsident Sarraut
hielt am Mittwochabend vor den Vertretern
der französischen Provinzpresse eine Rede, die
auch auf sämtliche französischen Rundfunksen
der übertragen wurde.
Sarraut drückte zunächst sein Bedauern dar
über aus, daß gerade die Provinzpressc, die
das wahre Gesicht Frankreichs spiegle, so wenig
im Ausland gelesen würde. Die internationa
len Kanzleien dürften sich, um sich ein Bild
von dem Geist Frankreichs zu machen, nicht
darauf beschränken, fast ausschließlich die un
vorsichtigen und übertriebene» Ausführungen
jener Polemik zu sammeln und ihr einen gro
ßen Widerhall zu geben, die Frankreich ein
entstelltes und haßerfülltes Gesicht geben. Er
könne nur tief diese schlimmen Auswirkungen
des Mangels an nationaler Disziplin bedau
ern. Demgegenüber brauche er nur auf die
Ruhe hinzuweisen, in der sich augenblicklich
die Wahlpropaganda vollziehe. Sie bedeute,
daß Frankreich angesichts einer bisher nicht
gekannten diplomatischen Verwirrung fühle,
daß die Lösungen für den Schutz Frankreichs
nur in der Einigkeit aller geboren werden
könnten. In einem der hauptsächlichsten Punk
te, so erklärte Sarraut, sei diese moralische
Einigkeit bereits vorhanden, in dem Willen
zum Frieden. Die Regierung jedenfalls wün
sche den Frieden, aber in der Sicherheit und
in der Würde des französischen Friedens
ideals, das sie seit dem Kriege unablässig selbst
bewiesen habe.
Dieses Friedensideal finde seinen Ausdruck
in der kollektiven Sicherheit. Die französische
Regierung wünscht alle Gendarmen der Ord
nung gegen den zu sammeln, der versuchen
sollte, den Krieg vom Zaun zu brechen. Ver
tragsrecht unter den Staaten, freiwillig unter
zeichnete Abkommen gegenseitigen Beistandes
und ihre Achtung zu sanktionieren und auf
diese Weise die Last der internationalen Rü
stungen herabzusetzen, das sei das Gerüst des
Frieöensgebäudes, dessen gemeinsamer Schutz
ohne Unterschied allen gutgewillten Völkern
angeboten werde.
„Soll es dazu kommen", fuhr Sarraut fort,
„daß äußerste Enttäuschungen, die unseren je?
einfach die koloniale Frage in Afrika zur Lö
sung stellen. Dann wäre ein Entgegenkommen
an Mussolini möglich. Aber dann müsse Eng
land auch die Gleichberechtigung zum Gesetz
erheben und die deutsche Kolonialfrage wieder
aufrollen.
Daily Telegraph schreibt weiter dazu, mit
dieser kolonialen Neuordnung in Afrika wäre
das Ende von Versailles faktisch vollzogen.
Das sei dann der weittragende Erfolg der
italienisch-französischen Sondersondierungen.
Während somit die koloniale Frage in den
Streit um Abessinien eingeschoben wird, trifft
Italien die letzten Vorbereitungen zum ent
scheidenden Schlag. In ganz Italien werden
die Zurückgestellten seit dem 10. ö. M. einbe
rufen. Am Hafen Neapel liegen, der N. Zür.
Ztg. zufolge, 10 Transportschiffe unter Dampf.
In großen Lettern wiederholen die römi
schen Zeitungen Mussolinis letzte Rede, in der
er erklärte, er werde Abessinien von der Land
karte „wegwischen"!
Zer Einmarsch in Dessie.
DNB. Asmara, 15. April. (Funkspruch des
Kriegsberichterstatters des DNB.) Die italie
nischen Truppen sind in Dessie eingezogen,
ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen.
Als erste zogen die Asbo Galla ein, die die
Nachhut des Negusheeres in Eilmärschen ver
folgt und bereits seit einigen Tagen vor den
Toren Dessies gelagert hatten. Ihnen folgten
die Askari-Truppen, denen sich das 1. Korps
anschloß. Sofort nach dem Einzug wurde auf
dem Ghibbi und auf dem italienischen Kon
sulat die Trikolore gehißt.
Dessie, die Hauptstadt der Wollo Galla, ist in
wirtschaftlicher, politischer und militärischer
Hinsicht einer der wichtigsten abessinischen
Punkte. Von dort führt eine verhältnismäßig
brauchbare Straße in einer Länge von 338
Kilometer nach Addis Abeba. Dessie ist nicht
eine typisch abcssinische Stadt, die nur aus
Eingeborenenhütten besteht, sondern sie besitzt
viele Bauten nach europäischem Muster. Die
Stadt hat in der abessinischen Geschichte oft
eine bedeutende Rolle gespielt.
Addis Abeba mM abessmische
AàraschMgsMgNM.
DNB. Addis Abeba, 16. April. Einige von
der Nordfront eintreffende, amtlich noch nicht
bestätigte Meldungen erwecken den Eindruck,
als habe sich die Lage der abessinischen Streit
kräfte in den letzten Tagen gebessert. In
abessinischen Kreisen ist man der Meinung,
daß die italienische Taktik, stärkere Abteilun
gen auf befahrbaren Straßen gewaltsam vor
zutreiben, den abessinischen Streitkräften die
Möglichkeit gebe, wieder zu den Guerilla-
Methoden überzugehen.
In einem dieser Berichte wird die Besetzung
Gondars durch die italienischen Truppen nur
sten Glauben in das hohe Ideal einer kollek
tiven Frieöensorganisation brechen, uns ei
nes Tages von Genf hinwegführen? Sollen
wir angesichts des Egoismus der einen, der
Ausflüchte und des Versagens der anderen
auf die Hoffnung auf ein internationales Re
gime der Solidarität und des Beistandes ver
zichten, um fortan nur noch an die Garantien
unserer eigenen Sicherheit zu denken?"
Der französische Ministerpräsident erklärte
dann, daß Frankreich mit einer „verdienstvol
len Geduld" gegenwärtig alle Möglichkeiten
erschöpfe, um aus der „Verletzung" (!) des Lo-
carnovertra^es sich ergebenden Streit mit
friedlichen Mitteln zu lösen.
Weiter wandte sich Sarraut dagegen, daß
gerade diejenigen, die sich am 8. März über
die Schürfe seines Protestes aufgehalten hät
ten, ihm jetzt vorwerfen, daß er nicht Macht
mittel eingesetzt habe. Der Ministerpräsident
nahm in diesem Zusammenhang gegen die
Behauptung der Unterlegenheit der französi
schen militärischen Aufrüstung gegenüber der
jenigen Deutschlands Stellung und betonte,
daß er mit den Leitern der Landesverteidi
gung ernst den Bestand der Streitkrüfte und
die neuen ergänzenden Maßnahmen geprüft
habe, die geeignet wären, ihren Wert und ihre
Wirksamkeit zu erhöhen. Er habe im Verlaufe
dieser Arbeit eine tiefe Genugtuung empfun
den, ein tröstliches Gefühl des Vertrauens
und der Erleichterung, in Anbetracht der
Uebcrlegenheit der materielle« Mittel Frank
reichs. Es sei gut, daß Frankreich dies selbst
wisse für die Eventualität einer dauerhaften
Friedensregelung und der Annäherung, die
es in einem freien Geiste zu verhandeln be
absichtige und nicht unter Drohungen. Denn
diese Regelung werde nur dann dauerhaft,
fruchtbar und wirksam sein, wenn man misse,
daß Frankreich kein schwacher Partner sei.
Frankreich befinde sich Schwierigkeiten gegen
über. Es sei jedoch bestrebt, die Lösung dieser
Schwierigkeiten in einer Anstrengung der
Versöhnung zu finden, die ihm die Wahl zwi
schen gleichmäßig wertvollen Freundschaften
erspare.
als vorübergehend bezeichnet. Noch mir Ostern
soll es den Abessiniern gelungen stein, die
italienische Besatzung überraschend anzu
greifen und zu vernichten.
Nach anderen Meldungen hat die Armiee des
Kaisers in der Nacht zum Ostersonntag in
Stärke von 20 000 Mann einen überraschenden
Angriff auf das von 4000 Italienern besechte
ehem. Hauptquartier des Kaisers, Quorarn,
unternommen. Es soll dabei zu blutigem
Kämpfen gekommen sein. Die abessinischen
Meldungen behaupten, daß 2888 Italiener ge
fangen genommen worden seien. Am Oster
montag habe man 2888 Italiener begraben,
davon die Hälfte weiße Truppen. Die abessi
nischen Darstellungen verzeichnen nur geringe
Verluste auf Seiten der Angreifer.
Von der Südfront wird gemeldet, daß die
Italiener südlich von Sassabaneh nach vor
angegangenem Gasbombardement zum An
griff vorgegangen seien. Der Angriff scheint
ein Umgehungsmanöver gegen die Armee des
Generals Ras Nassibu darzustellen, da die
italienischen Hauptkräfte auf beiden Flügeln
besonders stark angreifen sollen.
IiMens VlysmsliWWhsbediNgWgen.
DNB. London, 16. April. (Eig. Funkm.) Der
Pariser Berichterstatter der News Chronicle
will von zuständiger italienischer Quelle etwas
über die Unterredung des italienischen Bot
schafters Cerutti mit Flandin am Mittwoch
erfahren haben. Cerutti habe erklärt, daß
Italien die vollständige Abrüstung Abefsini-
ens als wichtigste Vorbedingung für die Er
öffnung von Friedensverhandlungen betrachte.
Mussolini sei der Ansicht, daß die Friedens
vorschläge des Fünferausschusses und des
Hoare-Laval-Planes von ehemals nunmehr,
als „lächerliche Kleinigkeiten" zu betrachten
seien, die nicht mehr der Erörterung wert
seien. Die Grundlage einer Regelung könne
dagegen in dem „totgeborenen italienisch
britischen Vertrag vom Jahre 1925" gefunden
werden.
Das würde bedeuten: Die Anerkennung
aller britische» Ansprüche im Gebiet des
Tanasecs, die ausschließliche italienische Kon
trolle über Westabessinien und wahrscheinlich
die Abgrenzung eines kleinen Gebietes in
Zentralabessinicn, das dem Negus zwar er
halte» bleibe aber unter italienischem Protek
torat.
Die Italiener seien gegen einen sofortige»
Waffenstillstand, da ein solcher den Abessiniern
die Möglichkeit gebe, ihre Armeen mit aus
ländischer Hilfe zu reorganisieren.
Nach Daily Mail und Daily Expreß soll in
gewissen Kreisen Englands die Möglichkeit er
örtert werden, daß Italien im Zusammenhang
mit einer Beilegung des abessinischen Kon
flikts eine Völkerbundsanleihe zur Entwick
lung Abessiniens unter der Aufsicht des Völ
kerbundes erhalten solle. Dadurch würde „das
Gesicht des Völkerbundes" gerettet. Von der
britischen Regierung sei diese Möglichkeit je
doch noch nicht in Betracht gezogen worden.
Neue italienische Truppentransporte
nach Ostasrika.
DNB. Rom, 16. April. Nach den Osterfeier
tagen sind wieder mehrere Truppentransporte
nach Ostafrika abgegangen. Auf der „Lombar
dia" wurden 2600 Soldaten, 1500 Arbeiter und
Munition aller Art verschifft. Trotz der italie
nischen Waffenerfolge werden noch weitere
Truppenentsendungen vorbereitet. In erster
Linie werden jetzt Artillerieabteilungen nach
Ostafrika geschickt. So steht in den beiden nord
italienischen Städten Alessandria und Pia
cenza je eine Artillerie-Batterie zur Ausfahrt
bereit. In Nola verabschiedete der Kronprinz
eine stärkere Artillerie-Abteilung, die dieser
Tage die Ausreise antritt.
Letzter Fuuk
Nach der Pariser Morgenpresse scheint im
Augenblick das Bestreben der französischen
Politik dahin zu gehen, sich jeder Teilnahme
an Maßnahmen im afrikanischen Streitfall
zu enthalten.
Außenminister Eden traf Mittwoch abend
in Paris ein und setzte um Mitternacht die
Reise nach Genf fort. Im selben Zuge reist
Paul-Boncour.
Madrid. In Sevilla wurde der Gerichts
präsident Eizaguirre von Linksradikalen durch
drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Der
Ueberfallene ist der Vater des internationalen
Fußballspielers gleicheil Namens, der im
letzten Jahr bei dem Länderspiel gegen
Deutschland in Köln das spanische Tor hütete.
DNB. Paris, 15. April. Havas meldet aus
Addis Abeba, daß am Mittwoch zum ersten
Male ein vollständig in Abessinien gebautes
Flugzeug einen Probeflug unternommen habe.
Es handelt sich um ein Handelsflugzeug.
Widerruf!
Ser Kryper Meh- ».PserbemM
ßiSet erst m Miliz, Sem A. April
(nicht am Sonnabend) statt.
—
Rundfunkrede des französischen MinisterprSsideuLeu