Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Ein junger Rendsburger schildert in 
anschaulicher Weise die Erlebnisse einer 
Fahrt von Neapel über Malta nach Tri 
polis. Sie führt, im Herbst 1935 unter 
nommen, mitten durch das Sturmgebiet, 
in dem England und Italien aufeinander 
zuprallen schienen. Man spürt etwas von 
der Gewitterschwüle jener Tage, die in 
zwischen ja bekanntlich einer Entspannung 
oder vielmehr Ablenkung Platz gemacht 
hat. 
Am selben Tage, als ich mit der „Citta di 
Trieste" von Neapel aus die Reise nach Tri 
polis antrat, verließ wieder ein großer Trup- 
şintransportdampfer den Hafen. Da das Schiff 
am selben Kai liegt wie das unsrige, habe ich 
noch einmal Gelegenheit, von Deck aus die für 
den ostafrikanischen Kriegsschauplatz bestimm 
ten Truppen aus allernächster Nähe zu be 
trachten. Ich habe schon viele Truppentrans 
porte von Neapel abgehen sehen. Immer wie 
der war es interessant, die Stimmung der 
Truppen kennen zu lernen. Oft war der 
Kronprinz, der seinen Wohnsitz in Neapel hat, 
zugegen, um die abziehenden Truppen zu ver 
abschieden. Jedesmal wurde er begeistert be 
grüßt. Und jedesmal wurde begeistert die 
Giovinezza, die Nationalhymne Italiens, von 
den Soldaten und der am Ufer harrenden 
Menge mitgesungen. Zum Schluß zog dann 
noch einmal eine Staffel Bombenflugzeuge 
ihre Kreise über das den Hafen verlassende 
Schiff. Ueberall herrscht lebhaftes Getriebe. 
Im Hafen liegen außer dem deutschen Damp 
fer „Girgenti" nur noch Italiener, die aus 
nahmslos Truppen und Kriegsmaterial für 
Ostafrika an Bord nehmen. Hier nimmt ein 
Schiff einige Hundert Maulesel und alle 
Arten von Lebensmitteln auf, ein anderes 
riesige Wasserbehälter, leichte Geschütze und 
Maschinengewehre. Das große Flugzeug- 
Mutterschiff ganz in unserer Nähe nimmt 
Bombenflugzeuge, Tanks und Munition über. 
Eben rollt ein Eisenbahnzug mit einer An 
zahl Langrohrgeschützen heran. Die Kanonen 
sind so groß, daß sie auseinandermontiert 
werden mußten, um auf einem Wagen Platz 
zu finden. Einige hundert Meter von unse 
rem Schiff entfernt liegt ein alter ehemaliger 
griechischer Dampfer. Er ist von Italien auf 
gekauft und bringt nun für sein neues Vater 
land Benzin und Del nach Massaua, der 
Hauptstadt von Eritrea. 
Kurze Zeit darauf lichten wir die Anker. 
Langsam gleiten wir aus dem Hafen vorbei 
an einer Reihe Unterseeboote ins offene Ge 
wässer. Allmählich entschwinden Santa Lucia, 
die Häuser von Pozzuoli und Portici, das Cap 
Campanella mit dem gegenüberliegenden 
Capri nähern sich. Dann gewinnen wir das 
offene Meer und bald ist nur noch der Vesuv 
mit seiner weithin sichtbaren Rauchwolke zu 
sehen, bis auch dieser in der rasch herein 
brechenden Dunkelheit entschwindet. 
Gegen 6 Uhr früh am anderen Tage passie 
ren wir den Stromboli, den unruhigsten Vul 
kan des Mittelmeeres. Er ist 10(30 Meter hoch. 
Sein Kegel ist stets von einer mächtigen Rauch 
wolke umgeben. Als ich ihn vor etwa drei 
Jahren vom Cap Baticano in Süd-Calabrien 
des Nachts zum ersten Male sah, leuchtete er 
weithin wie eine riesige Fackel. 
Nun nähern wir uns Sizilien und laufen 
kurz darauf als ersten Hafen Messina an, wo 
wir einige Stunden vor Anker liegen. Messina 
ist eine schöne, moderne Stadt und zeigt schon 
bei der Einfahrt den Charakter einer Handels 
stadt. Das furchtbare Erdbeben im Jahre 1908 
hat die damalige Stadt vollständig in einen 
Trüinmerhaufen verwandelt. Es bedurfte vie 
ler Jahre, um das heutige Messina entstehen 
zu lassen. Noch heute arbeitet man an seiner 
Wiederherstellung. Das erste, was gebaut 
wurde, war ein halbes Dutzend prachtvoller 
Kirchen. Die ganze katholische Welt schenkte 
damals Messina viele Millionen zur Linde 
rung des größten Elends. Zahlreiche Gebäude, 
wie das Municipio, die in keiner größeren 
italienischen Stadt fehlende Galerie, das wun 
derbare neue Postamt und das großartige 
Technische Institut sind erst in den letzten Jah 
ren vollendet worden. Im Hafen ist es noch 
ruhig. Die Ausfuhr der einheirnischen Früchte 
wie Zitronen, Orangen, Oliven usrv. beginnt 
erst im November. Am Hafen stapeln sich dann 
die Kisten und Fässer in ungeheuren Mengen, 
und Dampfer kommen aus allen Teilen der 
Welt, um diese Südfrüchte ihrem Heimatland 
zuzuführen. Bon Messina aus geht es, nach 
dem die alte Festung S. Salvatore umfahren 
ist, weiter südwärts durch die Straße von 
Messina, wohl die schönste Strecke der Reise. 
Schon bald nach Verlassen des Hafens taucht 
der immer schneebedeckte Aetna auf, der mit 
3270 Meter der größte und höchste Vulkan 
Europas ist. Der Durchmesser ain Fuße dieses 
sanft ansteigenden Berges beträgt etiva 
35 Km. Solange wir an der Küste Siziliens 
entlangfahreir, behalten wir diesen Riesen im 
Auge. In der Ferne erblicke ich Taormina, 
den berühmten Luxuskurort mit seinen großen 
prachtvollen Villen und Hotels. Berühmt ist 
Taormina durch die Ruinen eines griechischen 
und römischen Theaters. Am Fuße des Vul 
kans, in nächster Nähe des Kraters, liegt 
Giarre, Bet dem letzten kleineren Ausbruch 
Mittelmeer / 
Bon Theodor Oberg 
des Aetna im Jahre 1928 sind die Lavamassen 
des Vulkans bis vor die Tore der Stadt ge 
flossen und haben sich hier gleich drohenden 
Mauern bis zu 20 Meter Höhe aufgebaut. 
Noch im Jahre 1932, als ich durch Giarre kam, 
war man eifrig bemüht, die Lavamassen mit 
Loren in das nahe Meer zu schütten. 
Als nächsten Hafen laufen wir Syrakus, die 
bedeutende in der Nähe der Südostecke der 
Insel gelegene Stadt, an. Das neue Syrakus, 
einige Kilometer von dem landeinivärts gele 
genen antiken Siracusa entfernt, ist eine auf 
blühende Handelsstadt und zählt heute schon 
etrva 50 000 Einwohner. Sie ist ein wichtiger 
Ausfuhrhafen von Tonwaren, Schivefel und 
anderen rvichtigen Produkten der Insel. Die 
Stadt besitzt einen großen durch die weit ins 
Meer hineinragende Halbinsel Maddalena 
natürlichen Hafer:. Außerdem einen durch 
eine Brücke vom Meer getrennten Binnen 
hafen. Direkt am Wasser liegt der Corso Vit 
torio Emanuele, eine breite, schön gepflegte 
Asphaltstraße, wohl die einzige in der Stadt. 
Syrakus hat kleine, enge Gassen und viele 
interessante alte Häuser. Berühmt ist die alte, 
am Markt gelegene Kathedrale und das in 
mitten eines schön gepflegten Gartens aufge 
stellte Denkmal des Archimedes. 
Bon dem alten Siracusa, das von den Grie 
chen im Jahre 735 vor Chr. gegründet wurde, 
erwähne ich aus der Fülle der antiken Bau 
ten die alten griechischen und römischen Thea 
ter, die Gräberstadt mit dem Grabmal des 
Archimedes und das sogenannte Ohr des 
Dionysus, eine etwa 60 Meter lange und 
25 Meter hohe Höhle, wo der Tyrann von 
seinem darüberliegenden Palast aus die Ge 
spräche der eingekerkerten politischen Gefan 
genen belauscht haben soll. In der Tat ist die 
Akustik in diesem Raum hervorragend. Schon 
der leiseste Schritt auf dem weichen Sand 
schivillt zu einen: mächtigen Rauschen an. In 
unmittelbarer Nähe dieses Kerkers liegt, ein 
geschlossen von hohen Felsen, ein wundervoller 
Garten. Hier entfaltet sich die ganze Pracht 
südländischer Gewächse. Biele Arten von Kak 
teen bis zu mehreren Meter hoch, blühende 
Agaven, Palmen aller Art wechseln ab mit ur 
alten Oliven, Orangen und Bananen. Blü 
hende rosafarbene Mandelbäume geben dem 
ganzen einen wunderbar farbigen Schein. 
Bei einbrechender Dunkelheit verlassen wir 
dieses herrliche Fleckchen Erde. Ein italieni 
sches Unterseeboot gibt uns einige Minuten 
das Geleit. Dann entschwinden die Lichter der 
Stadt und das Schiff nimmt Kurs auf Valetta, 
der Hauptstadt Maltas, dem bedeutendsten 
englischen Flottenstützpunkt des Mtttelmeeres. 
Ich hatte mir Malta ganz anders vorgestellt. 
Etwa so wie Capri im vergrößerten Maßstab. 
Daher war ich zunächst etwas enttäuscht, als 
ich am nächsten Morgen in der Ferne einen 
langgezogenen, nicht sehr hohen Küstenstrich 
auftauchen sah. Die Hauptstadt Valetta, gleich 
zeitig der größte Hafen Maltas, liegt an der 
Nordostscite der Insel und bot uns in: Glanz 
der aufgehenden Sonne einen phantastischen 
Anblick. Die hohen kastenförmigen Häuser 
auf mehreren Hügeln aufgebaut, schienen 
übereinander zu stehen. Mächtige Kuppeln 
alter Kirchen, die Ucberreste alter zerfallener 
Tempel, dazwischen hoch aufragende Zypressen, 
dies alles zusammen machte einen tiefen Ein 
druck. In der Mitte der Häuserflut ein etwa 
80 Meter breiter natürlicher Kanal, der sich 
nach innen zu einer mächtigen Bucht weitet 
und so einen vorzüglichen natürlichen Hafen 
darstellt. Hier lagen nun die mächtigen Zer 
störer, die Britanniens Interessen im Mittel 
meer zu wahren hatten. Die Schiffe lagen 
unter Dampf, bereit, jeden Augenblick auszu 
laufen. Am Ende der Bucht werden mächtige 
Dockanlagen sichtbar. Auf den Dächern der 
rings am Ufer liegenden Kasernen und Mili 
tärgebäude blitzen die Rohre der Luftabwehr 
geschütze in der Sonne. Bei der Durchfahrt 
durch die von Geschützen flankierte Enge 
nähert sich uns ein Motorboot. Am Heck weht 
der Union Jack. Einige Offiziere in blendend 
weißen Tropeuanzügen steigen an Bord. Es ist 
die Paßkontrolle. Alles scheint in Ordnung, 
und nachdem das Schiff etwa 20 Meter vom 
Ufer entfernt festgetaut ist, verläßt die Kon 
trolle den Dampfer. Am Fallreep bleiben 
einige englische Polizisten stehen, um die an 
Land gehenden Fahrgäste noch einmal zu kon 
trollieren. Kaum ist die Barkasse der Offiziere 
abgestoßen, wird das Schiff von zahlreichen 
kleinen Booten umringt, welche die Fahrgäste 
an Land rudern wollen. Diese Gondoliere 
in ihren schmucken Gondeln ähneln ganz ihren 
berühmten Kollegen aus Venedig. Mit viel 
Geschrei versucht einer den andern beiseite zu 
schieben. Um die Fahrgäste entspinnt sich ein 
heißer Kampf. Wird es zu schlimm, schaffen 
die Bobbys schnell Ordnung. Nach vielem Hin 
und Her, nachdem ich von einem Boot ins 
ai:dcre gestolpert bin, erwische ich endlich das 
Boot, das mich mit noch 6 andern Fahrgästen 
an Land rudert. Nun geht es zunächst zur 
Zollkontrolle, wo alles gründlich geprüft wird. 
Eben ist man glücklich den nicht sehr zarten 
Griffen der Bootsmänner entronnen, taucht 
ein neues Uebel auf. Diesmal sind es die 
Droschkenkutscher, die mit lärmender Zudring 
lichkeit ihre kleinen flinken Wägelchen anbie 
ten. Aber auch dieser Ansturm wird abge 
schlagen, und langsam steige ich die ziemlich 
teil bergan führende Straße hinauf. Da er 
tönt plötzlich die englische Nationalhymne. Die 
gesamte im Hafen liegende Flotte setzt die 
Flaggen. Am Heck die Kriegs- und am Bug 
die Handelsflagge. Die Militärkapellen gehen 
beim Spielen im langsamen Schritt an Deck 
auf und ab. 
Es ist Sonntag. Der größte Teil der Ge- 
chüfte ist geschlossen, doch in den Hauptstraßen 
rer Stadt findet ein großer Markt statt. Hier 
:nd fast alle Berufe vertreten. Neben den 
Ständen mit den wundervollen handgewebten 
Stoffen und Teppichen stehen zahlreiche Vogel 
händler, die in kleinen Holzkäfigen gefiederte 
Sänger schon für einige Schilling anbieten. 
Die Währung ist englisch, doch wird auch ita- 
lienisches Geld in Zahlung genommen. 
Interessant ist der Fischmarkt. Hier sieht man 
deutlich, wie reich und vielseitig der Fisch 
bestand im Mittelländischen Meer ist. Neben 
den zahlreichen verschiedenen Arten von Krab 
ben und kleineren Fischen, die oft im rohen 
Zustand gegessen werden, sind als besondere 
Delikatesse die gefürchteten Polypen anzu 
sehen. Tiere in allen Größen und Längen 
warten auf ihre Käufer. Auch das Fleisch von 
Haifischen wird zum Kauf angeboten. Zwischen 
all diesen Sachen wogt eine bunte, emsig 
„Teruru tum tum. . 
3« England geht die Werbetrommel um 
Bon unserem Mitarbeiter 
London, im März. 
Mit äußerster Eindringlichkeit wird in 
Großbritannien die Werbetrommel für den 
Eintritt ins Heer gerührt. Schon lange hat 
man in den Rekrutenlagern und Kasernen 
Elternabende eingeführt, an denen Musik, 
Tanz und Vorführungen aller Art die Begei 
sterung für das Soldatenleben wecken sollen. 
Besonders nimmt man sich in der letzten Zeit 
der früher reichlich vernachlässigten Territori 
alarmee an. Mit den alten Werbemitteln hat 
man die Zahl der neuen Freiwilligen bereits 
nicht unbeträchtlich erhöhen können. Neuer 
dings will man für die Territorialen als be 
sonderes Lockmittel eine Ausgehuniform 
schaffen, die von den Rekruten nach Belieben 
getragen werden soll. Da das englische Volk 
eiue besondere Vorliebe für Uniformen hat, 
und zwar für möglichst bunte, verspricht man 
sich von einer solchen Galauniform für die 
Territorialarmee eine ganz besondere Werbe 
wirkung. Bisher war die Territorialarmee 
nicht uniformiert, da ihre Mitglieder ja nur 
an Sonntagen und in ihren Ferien Dienst 
machten. Bei ihren kleinen miltärischen Uebun 
gen tragen sie entweder ihre eigene Kleidung 
oder sie bekommen Uniformstücke geliehen. 
Eine andere, einschneidendere Neuerung 
schlägt Lord Strabolgi, besser bekannt als 
Oberst Kenworthy, vor. Er meint, man müsse 
bei der Annahme von Freiwilligen alle sozia 
len Unterschiede ausmerzen und jedem Mann 
die gleichen Möglichkeiten bieten, Offizier zu 
werden, ob er nun Arbeitsloser ist oder Sohn 
eines millionenschweren Lords. Heute bilde 
der Offizeirsstand eine besondere Kaste, in die 
nur aufgenommen werde, wer bestimmte fi 
nanzielle und soziale Voraussetzungen erfülle. 
Lord Strabolgi sieht voraus, daß eine völlige 
Demokratisierung des Heeres auf starken Wi 
derstand stoßen würde, er verweist aber auf 
Napoleons Armee und Cromwells, die beide 
ausgezeichnete Heere gewesen seien, obwohl 
sie keine Offiziersprivilege gekannt hätten. 
Strabolgi hätte übrigens als besseres Beispiel 
die neue deutsche Armee anführen können, die 
jedem Mann die Möglichkeit gibt, Offizier zu 
werden und keine anderen Voraussetzungen 
als die menschliche, militärische und geistige 
Tauglichkeit verlangt. 
Eine große Nolle spielen bei der britischen 
Werbung Geschichten von besonders begeister 
ten Rekruten. So wurde z. B. dieser Tage in 
allen britischen Zeitungen berichtet, daß ein 
junger Mann aus Britisch-Columbia 8000 Ki 
lometer teils zu Fuß, teils auf der Bahn und 
dem Schiff zurückgelegt habe, nur um sich in 
London für die Armee anwerben zu lassen. Er 
verstehe nicht, erklärte dieser junge Mann den 
Londoner Reportern, daß es soviele Arbeits 
lose gebe, die es vorzögen, auf den Straßen 
herumzubummeln, statt „a go of life" zu ma 
chen, Schwung in ihr Leben zu bringen, und 
Soldat zu werden. 
Man hilft übrigens der Werbung für die 
Territorialarmee mit etwas drastischeren Mit 
teln nach, indem man neuerdings alle Firmen, 
die Heeresaufträge erhalten, dazu veranlaßt, 
ihren Arbeitern und Angestellten den Eintritt 
in die Territorialarme dringlich nahezulegen 
und die Arbeitszeit soweit irgend möglich nach 
den Erfordernissen des Dienstes bei den „Ter 
riern" zu richten. 
schwatzende Menge. Ab und zu tauchen zwi 
schen den malerischen Trachten der Malteser 
die Uniformen der britischen Matrosen auf. 
Eigenartig sehen die Frauen aus. Neben ihrer 
bunten Tracht tragen sie eine Art Sonnen 
segel von gewaltigen Ausmaßen um den Kopf. 
Dies kann je nach Richtung der Sonne belie 
big gestellt werden und bietet so ejnen wun 
derschönen Schutz gegen die Hitze. Die hier 
lebenden Engländer und andere Fremde tra 
gen Tropenhelme, die Eingeborenen begnügen 
sich mit Strohhüten. 
lFortjetzung folgt.» 
Gelbes Fieber und Typhus in Brasilien. 
DD. Rio de Janeiro, 31. März. In diesem 
Jahr treten an verschiedenen Punkten Brasi 
liens Epidemien teilweise bedenklichen 
Charakters auf. So sind in Nordbrasilien 
wieder Fälle von Gelbem Fieber festgestellt 
worden. Auch im Innern des Staates Sao 
Paulo entstand in einem Bezirk eine Gelb 
fieberepidemie, die allerdings sofort sehr 
energisch bekämpft und bald niedergeschlagen 
wurde. Stark tritt in diesem Jahr der 
Typhus auf, von dem besonders die Bergstadt 
Firburgo in der Nähe Rios, die sehr viel 
dcutschstämmige Bevölkerung hat, heimgesucht 
ist. Es sind dort im Laufe des Sommers etwa 
300 bis 400 Typhusfälle aufgetreten bei einer 
Bevölkerung von 12 000 Menschen. Etwa 70 
Fälle verliefen tödlich. Die Ursache der 
Epidemie wird der Verseuchung des Trink 
wassers der Stadt zugeschrieben. Man will 
eine neue Wasserleitung bauen für deren 
Kosten bereits ein Kredit von 2 Millionen 
Milreis beantragt ist. Außerdem hat man die 
Typhuskranken nach Möglichkeit isoliert und 
die gesamte Bevölkerung der Stadt geimpft, 
um weitere Ansteckung zu verhüten. 
Einbrecher im Iustizpalast. 
DNB. Paris, 30. März. In der Nacht zum 
Montag drangen Einbrecher in die Gorichts- 
schreiberei des Justizpalastes in Rouen ein. 
S:e erbrachen mit einem Sauerstoffgebläse 
eruen Stahlschrauk, aus dem sie 12 000 Franken 
entwendeten. Die Akten verbrannten sie an 
Ort und Stelle. Um jedes Aufsehen zu vermei 
den, hatten sie die beiden Fenster des Büro- 
zimmers mit Matratzen lichtsicher abgedichtet. 
", * -i> 
Tödlicher Unfall eines Boxers. 
DD. Paris, 30. März. Einen unglücklichen 
Ausgang nahm am Sonntag ein in einem 
Pariser Vorort durchgeführter Boxkampf. Ein 
26jährigcr Algerier, der gegen einen gleichalt 
rigen Kameraden in den Ring trat und den 
über vier Runden führenden Kamps nach 
Punkten gewann, starb plötzlich, kurz nachdem 
er seine Kabine wieder aufgesucht hatte.' Die 
Aerzte stellte:: fest, daß ein tiefgeführter harter 
Magenschlag die Magenwand zerstört hatte. 
Düppelürmer 95 Jahre alt. 
In Wengelsdorf im Kreise Weißenfels 
konnte dieser Tage einer der wenigen Teilneh 
mer an der Erstürmung der Düppeler Schan 
zen, die noch am Leben sind, Friedrich Lang 
rock, bei Gesundheit seinen 95. Geburtstag 
feiern. 
Rassehllude steuerlich bevorzugt. 
Der Oberbürgermeister von Frankfurt a. M., 
Staatsrat Dr. Krebs, ein Tierfreund, hat die 
Hundesteuer für zuchtfähige Rassehunde mit 
nachweislich einwandfreier Stammtafel von 
bislang 60 auf 40 Mark im Jahre herabgesetzt. 
Alle übrigen Hunde zahlen nach wie vor den 
alten Satz von 60 Mark. 
I« wertigen Zeilen 
Dem italienischen Heeresbericht Nr. 169 zu 
folge haben die Italiener nach einem anstren 
genden Marsch von 350 Kilometern die Stadt 
! Saröo erreicht und besetzt. Im westlichen Ab 
schnitt der Nordfront besetzten die Truppen 
Aüi Remoz. Andere Einheiten erreichten Va 
cua. Die Luftwaffe führte an der gesamten 
Front Bombenabwurf- und Erkundungsflüge 
durch. 
Die italieuischen Truppen besetzten nach ei 
nem wochenlangen Marsch durch die Donakil- 
Wüstc das Sultanat Aussa, das westlich an 
Französisch-Somaliland grenzt. Die Truppen 
wurden bei ihrem Marsch durch 26 Flugzeuge 
verproviantiert und durch Flugzeuggeschwader 
gegen feindliche Angriffe gesichert. Die Be 
völkerung von Aussa ist größtenteils islami 
tisch und war dem Negus stets feindlich ge 
sinnt. Das Gebiet, das 1896 von Menelik er 
obert worden war, ist etwa 250 Kilometer 
breit. 
In Ciudad Gonzales (Mexiko) kam es zu 
Zusammenstößen zwischen Katholiken und der 
vom Unterrichtsminister zur Förderung des 
sozialistischen Unterrichts entstandenen Kom 
mission. 15 Personen wurden getötet, 14 ver 
letzt. 
Verantwortlicher Hauptschriftleiter und Herau,gever: Fer 
dinand Möller. 
Stellvertreter de, Hauptschriftleiters: Herbert Puhlmann. 
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den ort. 
lichen und allgemeinen Teil; Ädolf Dregori; für den wirr, 
schaftlichen Teil: Dr. El. Btelfeldt: für den provin- 
zielle» Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg. 
Bildverantwortliche: Ressortleiter. 
Verantwortlicher «nzeigenleiter: Karl Jacobsen. Rendsburg. 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhn«. Rendsburg. 
D--A- Schleswig.Holfteinifche Landeszeitung lRendsburger 
Tageblatt - Hohenwestebter Zeitung / Die Landpost 
Hanerau-Hademarschen — Eüderbraruper Tageblatt», 
D.»A> II. SS 13 836 Pl. Nr. 7.
	        
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