Dev Tag in Utat an-
Zr. Ewald Ammende gestorben.
Auf einer im Dezember vorigen Jahres an
getretenen Weltreise, die ihm Genesung brin
gen sollte, ist Dr. Ewald Ammende am Mitt
woch in Peiping einem Schlaganfall er
legen. Damit ist ein markanter Kämpfer sür
die Volkstumsrechte der europäischen Minder
heiten im Alter von noch nicht 44 Jahren der
von ihm begründeten und beseelten Nationali
tätenbewegung entrissen worden.
Nach weiten Reisen im Osten Europas hat
er im Jahre 1922 erstmalig in der deutschen
Geschichte die Volksgruppen der verschiedenen
Siedlungsgebiete vom Baltikum bis zum
Schwarzen Meer zusammengebracht. Der Ver
band der deutschen Volksgruppen ist wesent
lich auf den Einsatz seiner Persönlichkeit zu
rückzuführen. Die Aufrichtung einer Einheits
front aller europäischen Nationalitäten für den
gemeinsamen Kampf um ihre Volkstumsrechte
ist sein Werk. Man kann wohl sagen, daß 40
Millionen Europäer, die als Minderheiten in
einem schweren Kampfe stehen, in ihm einen
unermüdlichen Vorkämpfer sahen.
Seit 1928 war er Generalsekretär der Natio-
nalitätenkongresse. Er besaß eine umfassende
Kenntnis von Dingen und Menschen in fast
allen europäischen Staaten. Auf allen großen
Konferenzen und Kongressen traf man ihn
und freute sich an seiner leidenschaftlichen
Willensnatur und seinem politischen Tempe
rament. Für die deutsche und europäische
Nationalitätenbewegung bedeutet sein Tod
einen schlechthin unersetzlichen Verlust. Seine
Asche wird in seiner Baltikumheimatstadt
Pernau beigesetzt. Auch in der N o r d m a r k
ist Ammende nicht unbekannt gewesen.
* * *
54 Tote beim Grubenunglück in Fukuoka.
DNB. Tokio, 15. April. (Ostasiendienst des
DNB.) Bei dem gemeldeten Grubenunglück
von Fukuoka sind 82 Bergleute verunglückt.
Von diesen wurden 54 getötet und 28 schwer
verletzt.
Aus Seeland wurde am Strand in 2 Meter
Tiefe ein wohlerhaltenes Renntiergeweih
ausgegraben, von dem das Kopenhagener
Zoologische Museum ein Alter von wahrschein
lich 10 000 bis 12 000 Jahren feststellte.
In Solingen schoß ein neunjähriger Schüler
auf einer Wiese mit einer Flobertbüchse. Eine
Kugel traf einen sechsjährigen Knaben, der auf ^
einem benachbarten Hofe spielte, und tötete
ihn.
Der neue Frrnsse»
„Die Witwe von Husum" nennt der nun 73jährige
große Menschenschicksalsgestalter Gustav Frenssiln
seine neueste, wieder im Verlag G. Grote erschiene
ne Erzählung. Es handelt sich um eine fabulierende
Ausweitung und seelisch-charakterliche Ausdeutung
jener schlichten Lesebuchgeschichte von der Witwe,
die, um ihre auf dem Eise vergnügten Mitbürger
vor dem Tode in Sturm und Schollenbruch zu be
wahren, den Feuerbrand in ihr Häuschen auf dem
Deiche schleuderte und damit alle an Land lockte.
Um diese Geschichte — es kann auch eine Mär sein
— hat Frenssensche Phantasie eine buntfarbige aben
teuerliche Handlung gesponnen. Ihm genügte die
einfache Ueberlieferung nicht. Er witterte und sah
Menschenschicksal. „Nichts bildet den Menschen mehr,
als Menschenschicksal sehn". Ueber diesem Grundsatz
ist der Barlter Erzähler und Betrachter des Lebens
zu Jahren gekommen. Daß er im Gemüt jung ge
blieben, tut er abermals in dieser Erzählung dar,
die wohl von einer allgemach alternden, eigenwilli
gen und seltsamen Frau handelt, schließlich aber den
Kampf zweier junger Menschen mit den Mächten
des Blutes und Schicksals beherrschend hervortreten
läßt. Diese Jungen sind der Husumer Schiffszim
mermann Anders Niß Andersen, der Sohn der
Witwe, und ein ebenso feuriges wie naturkluges
Weib, das er aus Franken mitgebracht. Nach Ir
rungen und Wirrungen werden beide ein Gott und
den Menschen wohlgefälliges Paar.
Meisterlich, wie Frenssen die Gefühle aufkeimen
der und zunehmender Liebe schildert. Selbst den
Himmel schmückt er fabulierend mit irdischen Bil
dern aus. Gern folgt man dem leidenschaftlichen
Erzähler und glaubt ihm am Ende gar in Ansehung
eines balladenartigen Untertones die sehr sonder
bare Märtyrerneigung der Witwe, obschon diese
Neigung die Grenze des psychologisch Glaubhaften
zu überschreiten droht. „Alles, was auf Erden Gu
tes, Schönes und Stolzes geschieht, ist Gnade von
oben," sagt zum friedlichen Ende der gütige Hu
sumer Propst. Und dieser bescheiden fromme Zug
paßt hinwiederum zu dem stark pulsenden Auf und
Ab des vielförmigen Geschehens, diesem Aufstau an
wunderlich-herrischem Stolz (nämlich der Witwe im
zähen Kampf gegen ihre Widersacher), an steilenden
wie besänftigenden Regungen des Blutes und eigen
artigen Verwicklungen des Geschicks. Reizvoll ist das
Widerspiel des in dem Mädchen aus dem deutschen
Südens treibenden romantischen Zuges und der
strengeren nieöersächsischen Welt.
Das 135 Seiten zählende Buch ist mit 14 Feder
zeichnungen, die gleich alten Kupferstichen wirken,
versehen und kostet geheftet 2,40, in Leinen gebun
den 3,60 Mark. A. G.
Das Unglück in der Hermann-Göring-Str.
Am Triigersütze und Material.
Im Berliner Bauunglückprozeß wurde die
Frage der uangelnüen „Einbindetiefe" erör
tert. Der Vorsitzende richtete an den Angeklag
ten Weyher die Frage, ob nach Ablehnung ei
ner völligen Neurammung mit Noth eine an
dere Sicherung der Trägersüße vereinbart
worden sei. Weyher erwiderte, man sei sich in
eurer Besprechung am 16. August, also kurz
vor dem Einsturzunglück, grundsätzlich dar
über einig geworden, daß die Trägerfüße ein-
Errichtung der Reichsakademie für LeibesüSuuge«
Das Kuratorium der Reichsakademie für
Leibesübungen, bestehend aus dem Reichs-
Minister des Innern Dr. Frick, dem Reichs
minister für Wissenschaft, Erziehung und
Volksbildung Dr. Rust und dem Reichssport
führer von Tschammer und Osten, gibt be
kannt:
In dem gemeinsamen Bestreben, eine ein
heitliche Stätte der Lehrer- und Führeraus-
bilöung auf dem Gebiete der Leibesübungen
und der körperlichen Erziehung zu schaffen
und dadurch die vom Nationalsozialismus ge
forderte Einheit der deutschen Leibeserziehung
herbeizuführen, ist mit sofortiger Wirkung die
Reichsakademie für Leibesübungen errichtet
worden. Sitz der Anstalt ist das Reichssport-
felö in Berlin-Charlottenburg, das nach dem
Willen des Führers und Reichskanzlers nicht
nur den würdigen Rahmen der Olympischen
Spiele bilden, sondern gleichzeitig auch zur
führenden Stätte der deutschen Leibes
erziehung gestaltet werden soll.
Die Reichsakaöemie für Leibesübungen hat
neben allgemeiner Erziehungs-, Lehr- und
Forschungsarbeit auf dem Gebiete der Leibes
übungen die Aufgabe,
a) besonders geeigneten Studienassessoren,
die die Lehrbefähigung für Turnen besitzen,
und anderen Männern, deren berufliche Tätig
keit in enger Verbindung mit der Pflege der
Leibesübungen steht, eine reichseinheitliche
Führeransbildung auf dem Gebiet der körper
lichen Erziehung zu vermitteln,'
b) den außerhalb der Schule tätigen Turn-
und Sportlehrern eine praktisch und wissen
schaftlich vertiefte Berufsausbildung zu ge
währen,'
c) Fortbildnngslehrgänge für die auf dem
Gebiete der Leibesübungen und körperlichen
Erziehung leitend tätigen Männer durchzu
führen.
Die Ausschreibungen für die Ausbildungs
gruppen und Lehrgänge der Reichsakademie
für Leibesübungen werden demnächst erlassen.
Der Auftrag des Führers, das Reichssport
feld nicht nur zur Stätte der Olympischen
Spiele, sondern zugleich zum Mittelpunkt der
Führerausbildung in der deutschen Leibes
erziehung zu gestalten, gab den gemeinsamen
Bemühungen den geeigneten Ort für eine ge
meinsame Ausbildungs- und Erziehungs
arbeit.
So schön der Gedanke sein mag, allen deut
schen Turn- und Sportlehrern die Gelegenheit
zu geben, an einer Stelle, wenn auch nur für
einige Zeit, gemeinsam zu leben und gemein
sam erzogen zu werden, er würde scheitern an
der Wirklichkeit. Es war daher von Anfang
an klar, daß nur eine Auslese, die Besten
jeder Gruppe, an dieser neuen Erziehungs-
stütte eine zusätzliche oder abschließende Aus
bildung erhalten kann. So wird die Zahl der
Bewerber danach bemessen, daß der Bedarf an
Lehrkräften der Hochschulinstitute für Leibes
übungen und der Hochschulen für Lehrerbil
dung gedeckt werden kann und darüber hinaus
auch die höheren Schulen mit Turn- und
Sportlehrern versehen werden, die die ver
tiefte Ausbildung in der Reichsakademie für
Leibesübungen genossen haben. In ähnlicher
Weise ist der Zahlenanteil der im freien Beruf
arbeitenden Turn- und Sportlehrer bemessen.
Die Auswahl der Bewerber erfolgt nach
ganz bestimmten Gesichtspunkten. Die Zuge
hörigkeit zur Ausbildungsgruppe I, die eine
ergänzende Ausbildung für Studienassessoren
mit mehr Befähigung in Turnen und für
andere Männer vorsieht, deren abgeschlossene
Ausbildung in lebendiger Verbindung mit der
Leibeserziehung steht, setzt praktische und
methodische Fähigkeiten in reichem Maße vor
aus. Die Teilnehmer öerAusbildungsgruppe II,
die Sportlehrer im freien Beruf, haben ihre
Fähigkeiten als politische Erzieher, sportliche
Uebungsleiter und sportpraktische Könner
nachzuweisen. Darüber hinaus aber muß der
Bedarf, den die Gliederungen der Partei und
der Reichsbund für Leibesübungen an Schu
lung der ehrenamtlichen Führer und Leiter
der Leibesübungen haben, von der Reichs
akademie befriedigt werden. Die Reichsakade
mie hält sich bereit, den in solchen Stellen
stehenden Männern von Zeit zu Zeit eine
Ueberholung und Ergänzung ihres Wissens
und Könnens nach dem neuesten Stand von
Lehre und Praxis zu vermitteln.
betoniert werden sollten, um ihnen dadurch
mehr Halt zu geben. Den Termin der Ausfüh
rung einer Einbetonierung habe man aber
hinausschieben müssen, weil die Stärke
der Tunnelsohle nach dem neuen Projekt nock-
gar nicht feststand.
Nach ins einzelne gehenden technischen Er
örterungen über Rammungen und Ausschach
tungen wurde zum Schluß die Materialfrage
erörtert. Noth gibt zu, daß er Material in der
Hermann-Göring-Straße benutzte, das schon
in der Tieckstraße gebraucht worden war. Da
gegen sei aber nichts einzuwenden, sofern das
Material noch gut war. Als er bei seiner
Firma Ersatzmaterial anforderte, so erklärt
Noth, sei ihm gesagt worden, die Beschaffung
neuer Steifen dauere mindestens drei Wochen.
Hätte er gewartet, dann hätte die Ausschach
tung drei Wochen stilliegen müssen, was der
Leiter des Neubauamtes IV, der Angeklagte
Weyher, niemals gestattet hätte.
* * *
Zwei ĢàîMôcher hmgerichlel.
DNB. Oldenburg, 16. April. (Eig. Funkm.)
Die Justizpressestelle in Oldenburg teilt mit:
Der 29jährige Karl Trebben und die 33jährige
Antonia Thedick, geb. Kemper, beide aus
Garrel in Oldenburg, die vom Schwurgericht
in Oldenburg am 4. Dezember 1935 wegen
gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und zu
lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt wor
den sind, wurden heute früh im Hofe der Ge-
sangcncnanstalt Vechta hingerichtet. Beide ha
ben nach langen, reiflichen Ueberlegungen den
Ehemann der Verurteilten Thedick am
25. August 1935 in Garrel auf grausame Weise
umgebracht, weil er ihrem ehebrecheri
schen Verhältnis im Wege stand.
Diebstähle in den Zgachimslaler
Radinmgmben.
DNB. Karlsbad, 15. April. In den
Joachimsthaler Radiumgruben ist eine Unter
suchung eingeleitet worden, da man auf große
Diebstähle von Radium und Uran-Erde ge
körntsten ist. In den letzten acht Jahren ist
außer Radium im Werte von über einer
Million Kronen auch Uran-Erde im Werte von
mehreren Hunderttausend Kronen verschwun
den. Die Gendarmerie, die seit Jahren nach
dem Dieb forschte, hat nun dieser Tage einen
Mann angehalten, der Radiumchlorid ver
kaufte. Dabei kam man auf die Spur des
eigentlichen Täters. Unter dem Verdacht des
Diebstahls wurde der 32jährige Angestellte
der Grube, Julius Budda, verhaftet. Ferner
wurden drei Personen unter dem Verdacht der
Mittäterschaft bzw. des Weiterverkaufs des
Radiums festgenommen. Bei den Verhafteten
wurden vier Milligramm Radium im Werte
von 5000 Kronen vorgefunden.
Flngzeugkatastrophe i« Italien
Inr Sturm abgestürzt, 7 Tote
DNB. Rom, 15. April. Das fahrplanmäßige
Verkehrsflugzeug auf der Strecke Turin-
Mailand ist am Mittwoch infolge starken
Sturmes abgestürzt. Die sieben Insassen wur
den getötet. Sechs von ihnen sind Italiener,
der siebente ein gewisser Andreas Eggen. Es
konnte bisher noch nicht festgestellt werden, ob
Eggen deutscher oder schweizerischer Staats
angehöriger ist.
Zu dem Unglück auf der Strecke
Mailand—Turin
wird noch gemeldet, daß es sich um das regel
mäßig verkehrende Verkehrsflugzeug handelt,
das Mittwoch vormittag um 10.12 Uhr Mai
land verlassen hatte. Die Maschine war ein
älteres dreimotoriges Fokker-Flugzeug hol
ländischer Herkunft. Bei den Passagieren
handelt es sich um drei Italiener und einen
Schweizer Staatsangehörigen, den An
dreas Eggen. Das Unglück ereignete sich in
etwa 7 Km. Entfernung von Chivasso bei dem
Oertchen Lanzo Tarinese. Noch um 11.55 Uhr
hatte der Bordfunker mitgeteilt, daß an Bord
alles in Ordnung sei. Beim nächsten Funk gab
er bekannt, daß das Flugzeug in starken Nebel
geraten sei und deshalb blind fliegen müsse.
Das Flugzeug, das bei dem dichten Nebel und
dem starken Sturm keine Notlandung vor
nehmen konnte, ist anscheinend von dem sonst
üblichen Wege abgeirrt, dabei gegen einen
Hügel gestoßen und zertrümmert.
v. Hoeschs letzte Fahrt durch London.
Ein Bildtelegramm von der feierlichen Ueberführung des toten Botschafters von
der deutschen Botschaft in London zum Victoria-Bahnhof. Die Ueberführung er
folgte mit allen militärischen Ehren unter Anteilnahme der Londoner Bevölkerung.
(Weltbild, K.)
Die Aufbahrung des Botschafters v. Hoesch.
In der deutschen Botschaft z>l London wurde die Leiche des deut
schen Botschafters aufgebahrt und wird Mitte der Woche nach Dres
den übergeführt, wo die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt.
(Weltbild, KJ