Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Utat an- 
Zr. Ewald Ammende gestorben. 
Auf einer im Dezember vorigen Jahres an 
getretenen Weltreise, die ihm Genesung brin 
gen sollte, ist Dr. Ewald Ammende am Mitt 
woch in Peiping einem Schlaganfall er 
legen. Damit ist ein markanter Kämpfer sür 
die Volkstumsrechte der europäischen Minder 
heiten im Alter von noch nicht 44 Jahren der 
von ihm begründeten und beseelten Nationali 
tätenbewegung entrissen worden. 
Nach weiten Reisen im Osten Europas hat 
er im Jahre 1922 erstmalig in der deutschen 
Geschichte die Volksgruppen der verschiedenen 
Siedlungsgebiete vom Baltikum bis zum 
Schwarzen Meer zusammengebracht. Der Ver 
band der deutschen Volksgruppen ist wesent 
lich auf den Einsatz seiner Persönlichkeit zu 
rückzuführen. Die Aufrichtung einer Einheits 
front aller europäischen Nationalitäten für den 
gemeinsamen Kampf um ihre Volkstumsrechte 
ist sein Werk. Man kann wohl sagen, daß 40 
Millionen Europäer, die als Minderheiten in 
einem schweren Kampfe stehen, in ihm einen 
unermüdlichen Vorkämpfer sahen. 
Seit 1928 war er Generalsekretär der Natio- 
nalitätenkongresse. Er besaß eine umfassende 
Kenntnis von Dingen und Menschen in fast 
allen europäischen Staaten. Auf allen großen 
Konferenzen und Kongressen traf man ihn 
und freute sich an seiner leidenschaftlichen 
Willensnatur und seinem politischen Tempe 
rament. Für die deutsche und europäische 
Nationalitätenbewegung bedeutet sein Tod 
einen schlechthin unersetzlichen Verlust. Seine 
Asche wird in seiner Baltikumheimatstadt 
Pernau beigesetzt. Auch in der N o r d m a r k 
ist Ammende nicht unbekannt gewesen. 
* * * 
54 Tote beim Grubenunglück in Fukuoka. 
DNB. Tokio, 15. April. (Ostasiendienst des 
DNB.) Bei dem gemeldeten Grubenunglück 
von Fukuoka sind 82 Bergleute verunglückt. 
Von diesen wurden 54 getötet und 28 schwer 
verletzt. 
Aus Seeland wurde am Strand in 2 Meter 
Tiefe ein wohlerhaltenes Renntiergeweih 
ausgegraben, von dem das Kopenhagener 
Zoologische Museum ein Alter von wahrschein 
lich 10 000 bis 12 000 Jahren feststellte. 
In Solingen schoß ein neunjähriger Schüler 
auf einer Wiese mit einer Flobertbüchse. Eine 
Kugel traf einen sechsjährigen Knaben, der auf ^ 
einem benachbarten Hofe spielte, und tötete 
ihn. 
Der neue Frrnsse» 
„Die Witwe von Husum" nennt der nun 73jährige 
große Menschenschicksalsgestalter Gustav Frenssiln 
seine neueste, wieder im Verlag G. Grote erschiene 
ne Erzählung. Es handelt sich um eine fabulierende 
Ausweitung und seelisch-charakterliche Ausdeutung 
jener schlichten Lesebuchgeschichte von der Witwe, 
die, um ihre auf dem Eise vergnügten Mitbürger 
vor dem Tode in Sturm und Schollenbruch zu be 
wahren, den Feuerbrand in ihr Häuschen auf dem 
Deiche schleuderte und damit alle an Land lockte. 
Um diese Geschichte — es kann auch eine Mär sein 
— hat Frenssensche Phantasie eine buntfarbige aben 
teuerliche Handlung gesponnen. Ihm genügte die 
einfache Ueberlieferung nicht. Er witterte und sah 
Menschenschicksal. „Nichts bildet den Menschen mehr, 
als Menschenschicksal sehn". Ueber diesem Grundsatz 
ist der Barlter Erzähler und Betrachter des Lebens 
zu Jahren gekommen. Daß er im Gemüt jung ge 
blieben, tut er abermals in dieser Erzählung dar, 
die wohl von einer allgemach alternden, eigenwilli 
gen und seltsamen Frau handelt, schließlich aber den 
Kampf zweier junger Menschen mit den Mächten 
des Blutes und Schicksals beherrschend hervortreten 
läßt. Diese Jungen sind der Husumer Schiffszim 
mermann Anders Niß Andersen, der Sohn der 
Witwe, und ein ebenso feuriges wie naturkluges 
Weib, das er aus Franken mitgebracht. Nach Ir 
rungen und Wirrungen werden beide ein Gott und 
den Menschen wohlgefälliges Paar. 
Meisterlich, wie Frenssen die Gefühle aufkeimen 
der und zunehmender Liebe schildert. Selbst den 
Himmel schmückt er fabulierend mit irdischen Bil 
dern aus. Gern folgt man dem leidenschaftlichen 
Erzähler und glaubt ihm am Ende gar in Ansehung 
eines balladenartigen Untertones die sehr sonder 
bare Märtyrerneigung der Witwe, obschon diese 
Neigung die Grenze des psychologisch Glaubhaften 
zu überschreiten droht. „Alles, was auf Erden Gu 
tes, Schönes und Stolzes geschieht, ist Gnade von 
oben," sagt zum friedlichen Ende der gütige Hu 
sumer Propst. Und dieser bescheiden fromme Zug 
paßt hinwiederum zu dem stark pulsenden Auf und 
Ab des vielförmigen Geschehens, diesem Aufstau an 
wunderlich-herrischem Stolz (nämlich der Witwe im 
zähen Kampf gegen ihre Widersacher), an steilenden 
wie besänftigenden Regungen des Blutes und eigen 
artigen Verwicklungen des Geschicks. Reizvoll ist das 
Widerspiel des in dem Mädchen aus dem deutschen 
Südens treibenden romantischen Zuges und der 
strengeren nieöersächsischen Welt. 
Das 135 Seiten zählende Buch ist mit 14 Feder 
zeichnungen, die gleich alten Kupferstichen wirken, 
versehen und kostet geheftet 2,40, in Leinen gebun 
den 3,60 Mark. A. G. 
Das Unglück in der Hermann-Göring-Str. 
Am Triigersütze und Material. 
Im Berliner Bauunglückprozeß wurde die 
Frage der uangelnüen „Einbindetiefe" erör 
tert. Der Vorsitzende richtete an den Angeklag 
ten Weyher die Frage, ob nach Ablehnung ei 
ner völligen Neurammung mit Noth eine an 
dere Sicherung der Trägersüße vereinbart 
worden sei. Weyher erwiderte, man sei sich in 
eurer Besprechung am 16. August, also kurz 
vor dem Einsturzunglück, grundsätzlich dar 
über einig geworden, daß die Trägerfüße ein- 
Errichtung der Reichsakademie für LeibesüSuuge« 
Das Kuratorium der Reichsakademie für 
Leibesübungen, bestehend aus dem Reichs- 
Minister des Innern Dr. Frick, dem Reichs 
minister für Wissenschaft, Erziehung und 
Volksbildung Dr. Rust und dem Reichssport 
führer von Tschammer und Osten, gibt be 
kannt: 
In dem gemeinsamen Bestreben, eine ein 
heitliche Stätte der Lehrer- und Führeraus- 
bilöung auf dem Gebiete der Leibesübungen 
und der körperlichen Erziehung zu schaffen 
und dadurch die vom Nationalsozialismus ge 
forderte Einheit der deutschen Leibeserziehung 
herbeizuführen, ist mit sofortiger Wirkung die 
Reichsakademie für Leibesübungen errichtet 
worden. Sitz der Anstalt ist das Reichssport- 
felö in Berlin-Charlottenburg, das nach dem 
Willen des Führers und Reichskanzlers nicht 
nur den würdigen Rahmen der Olympischen 
Spiele bilden, sondern gleichzeitig auch zur 
führenden Stätte der deutschen Leibes 
erziehung gestaltet werden soll. 
Die Reichsakaöemie für Leibesübungen hat 
neben allgemeiner Erziehungs-, Lehr- und 
Forschungsarbeit auf dem Gebiete der Leibes 
übungen die Aufgabe, 
a) besonders geeigneten Studienassessoren, 
die die Lehrbefähigung für Turnen besitzen, 
und anderen Männern, deren berufliche Tätig 
keit in enger Verbindung mit der Pflege der 
Leibesübungen steht, eine reichseinheitliche 
Führeransbildung auf dem Gebiet der körper 
lichen Erziehung zu vermitteln,' 
b) den außerhalb der Schule tätigen Turn- 
und Sportlehrern eine praktisch und wissen 
schaftlich vertiefte Berufsausbildung zu ge 
währen,' 
c) Fortbildnngslehrgänge für die auf dem 
Gebiete der Leibesübungen und körperlichen 
Erziehung leitend tätigen Männer durchzu 
führen. 
Die Ausschreibungen für die Ausbildungs 
gruppen und Lehrgänge der Reichsakademie 
für Leibesübungen werden demnächst erlassen. 
Der Auftrag des Führers, das Reichssport 
feld nicht nur zur Stätte der Olympischen 
Spiele, sondern zugleich zum Mittelpunkt der 
Führerausbildung in der deutschen Leibes 
erziehung zu gestalten, gab den gemeinsamen 
Bemühungen den geeigneten Ort für eine ge 
meinsame Ausbildungs- und Erziehungs 
arbeit. 
So schön der Gedanke sein mag, allen deut 
schen Turn- und Sportlehrern die Gelegenheit 
zu geben, an einer Stelle, wenn auch nur für 
einige Zeit, gemeinsam zu leben und gemein 
sam erzogen zu werden, er würde scheitern an 
der Wirklichkeit. Es war daher von Anfang 
an klar, daß nur eine Auslese, die Besten 
jeder Gruppe, an dieser neuen Erziehungs- 
stütte eine zusätzliche oder abschließende Aus 
bildung erhalten kann. So wird die Zahl der 
Bewerber danach bemessen, daß der Bedarf an 
Lehrkräften der Hochschulinstitute für Leibes 
übungen und der Hochschulen für Lehrerbil 
dung gedeckt werden kann und darüber hinaus 
auch die höheren Schulen mit Turn- und 
Sportlehrern versehen werden, die die ver 
tiefte Ausbildung in der Reichsakademie für 
Leibesübungen genossen haben. In ähnlicher 
Weise ist der Zahlenanteil der im freien Beruf 
arbeitenden Turn- und Sportlehrer bemessen. 
Die Auswahl der Bewerber erfolgt nach 
ganz bestimmten Gesichtspunkten. Die Zuge 
hörigkeit zur Ausbildungsgruppe I, die eine 
ergänzende Ausbildung für Studienassessoren 
mit mehr Befähigung in Turnen und für 
andere Männer vorsieht, deren abgeschlossene 
Ausbildung in lebendiger Verbindung mit der 
Leibeserziehung steht, setzt praktische und 
methodische Fähigkeiten in reichem Maße vor 
aus. Die Teilnehmer öerAusbildungsgruppe II, 
die Sportlehrer im freien Beruf, haben ihre 
Fähigkeiten als politische Erzieher, sportliche 
Uebungsleiter und sportpraktische Könner 
nachzuweisen. Darüber hinaus aber muß der 
Bedarf, den die Gliederungen der Partei und 
der Reichsbund für Leibesübungen an Schu 
lung der ehrenamtlichen Führer und Leiter 
der Leibesübungen haben, von der Reichs 
akademie befriedigt werden. Die Reichsakade 
mie hält sich bereit, den in solchen Stellen 
stehenden Männern von Zeit zu Zeit eine 
Ueberholung und Ergänzung ihres Wissens 
und Könnens nach dem neuesten Stand von 
Lehre und Praxis zu vermitteln. 
betoniert werden sollten, um ihnen dadurch 
mehr Halt zu geben. Den Termin der Ausfüh 
rung einer Einbetonierung habe man aber 
hinausschieben müssen, weil die Stärke 
der Tunnelsohle nach dem neuen Projekt nock- 
gar nicht feststand. 
Nach ins einzelne gehenden technischen Er 
örterungen über Rammungen und Ausschach 
tungen wurde zum Schluß die Materialfrage 
erörtert. Noth gibt zu, daß er Material in der 
Hermann-Göring-Straße benutzte, das schon 
in der Tieckstraße gebraucht worden war. Da 
gegen sei aber nichts einzuwenden, sofern das 
Material noch gut war. Als er bei seiner 
Firma Ersatzmaterial anforderte, so erklärt 
Noth, sei ihm gesagt worden, die Beschaffung 
neuer Steifen dauere mindestens drei Wochen. 
Hätte er gewartet, dann hätte die Ausschach 
tung drei Wochen stilliegen müssen, was der 
Leiter des Neubauamtes IV, der Angeklagte 
Weyher, niemals gestattet hätte. 
* * * 
Zwei ĢàîMôcher hmgerichlel. 
DNB. Oldenburg, 16. April. (Eig. Funkm.) 
Die Justizpressestelle in Oldenburg teilt mit: 
Der 29jährige Karl Trebben und die 33jährige 
Antonia Thedick, geb. Kemper, beide aus 
Garrel in Oldenburg, die vom Schwurgericht 
in Oldenburg am 4. Dezember 1935 wegen 
gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und zu 
lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt wor 
den sind, wurden heute früh im Hofe der Ge- 
sangcncnanstalt Vechta hingerichtet. Beide ha 
ben nach langen, reiflichen Ueberlegungen den 
Ehemann der Verurteilten Thedick am 
25. August 1935 in Garrel auf grausame Weise 
umgebracht, weil er ihrem ehebrecheri 
schen Verhältnis im Wege stand. 
Diebstähle in den Zgachimslaler 
Radinmgmben. 
DNB. Karlsbad, 15. April. In den 
Joachimsthaler Radiumgruben ist eine Unter 
suchung eingeleitet worden, da man auf große 
Diebstähle von Radium und Uran-Erde ge 
körntsten ist. In den letzten acht Jahren ist 
außer Radium im Werte von über einer 
Million Kronen auch Uran-Erde im Werte von 
mehreren Hunderttausend Kronen verschwun 
den. Die Gendarmerie, die seit Jahren nach 
dem Dieb forschte, hat nun dieser Tage einen 
Mann angehalten, der Radiumchlorid ver 
kaufte. Dabei kam man auf die Spur des 
eigentlichen Täters. Unter dem Verdacht des 
Diebstahls wurde der 32jährige Angestellte 
der Grube, Julius Budda, verhaftet. Ferner 
wurden drei Personen unter dem Verdacht der 
Mittäterschaft bzw. des Weiterverkaufs des 
Radiums festgenommen. Bei den Verhafteten 
wurden vier Milligramm Radium im Werte 
von 5000 Kronen vorgefunden. 
Flngzeugkatastrophe i« Italien 
Inr Sturm abgestürzt, 7 Tote 
DNB. Rom, 15. April. Das fahrplanmäßige 
Verkehrsflugzeug auf der Strecke Turin- 
Mailand ist am Mittwoch infolge starken 
Sturmes abgestürzt. Die sieben Insassen wur 
den getötet. Sechs von ihnen sind Italiener, 
der siebente ein gewisser Andreas Eggen. Es 
konnte bisher noch nicht festgestellt werden, ob 
Eggen deutscher oder schweizerischer Staats 
angehöriger ist. 
Zu dem Unglück auf der Strecke 
Mailand—Turin 
wird noch gemeldet, daß es sich um das regel 
mäßig verkehrende Verkehrsflugzeug handelt, 
das Mittwoch vormittag um 10.12 Uhr Mai 
land verlassen hatte. Die Maschine war ein 
älteres dreimotoriges Fokker-Flugzeug hol 
ländischer Herkunft. Bei den Passagieren 
handelt es sich um drei Italiener und einen 
Schweizer Staatsangehörigen, den An 
dreas Eggen. Das Unglück ereignete sich in 
etwa 7 Km. Entfernung von Chivasso bei dem 
Oertchen Lanzo Tarinese. Noch um 11.55 Uhr 
hatte der Bordfunker mitgeteilt, daß an Bord 
alles in Ordnung sei. Beim nächsten Funk gab 
er bekannt, daß das Flugzeug in starken Nebel 
geraten sei und deshalb blind fliegen müsse. 
Das Flugzeug, das bei dem dichten Nebel und 
dem starken Sturm keine Notlandung vor 
nehmen konnte, ist anscheinend von dem sonst 
üblichen Wege abgeirrt, dabei gegen einen 
Hügel gestoßen und zertrümmert. 
v. Hoeschs letzte Fahrt durch London. 
Ein Bildtelegramm von der feierlichen Ueberführung des toten Botschafters von 
der deutschen Botschaft in London zum Victoria-Bahnhof. Die Ueberführung er 
folgte mit allen militärischen Ehren unter Anteilnahme der Londoner Bevölkerung. 
(Weltbild, K.) 
Die Aufbahrung des Botschafters v. Hoesch. 
In der deutschen Botschaft z>l London wurde die Leiche des deut 
schen Botschafters aufgebahrt und wird Mitte der Woche nach Dres 
den übergeführt, wo die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt. 
(Weltbild, KJ
	        
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