Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Nr. 90 
17. 
1936 
Tnr Geist der Gemeinschaft verschworen 
Auf der Ordensburg Eröffinfee 
Von unserem zum Reichstreffen der Kreisleitcr entsandten Sonderberichterstatter. 
NSK.Burg Crössinsee, 15. April. Die Reichs- 
Parteileitung hat sämtliche Kreisleiter der 
NSDAP., weit über 700 an der Zahl, zu einer 
großen politischen Schulungswoche nach Ost 
pommern zusammengerufen. Ueber 700 der 
bewährtesten Kämpfer des Führers — die 
Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Par 
tei überwiegen bei weitem — auf der Ordens 
burg Crössinsee für zehn Tage zu gemeinsamer 
Arbeit vereint. Aus ihrer täglichen Arbeit auf 
verantwortungsreichsten Posten des politischen 
Lebens sind sie für diese Zeit herausgenommen, 
um in engste persönliche Fühlung mit den füh 
renden Männern der Bewegung und des 
Staates gebracht zu werden. Alle grundlegen 
den Probleme der Staatsführnng und der po 
litischen Weltanschauung werden vor ihnen von 
den maßgebendsten Persönlichkeiten behandelt 
und ihnen somit der Antrieb und die erneute 
gemeinsame Ausrichtung für den harte« Kampf 
des Tages, der sie nach diesen zehn Tagen wie 
der aufnimmt, gegeben. 
Deutschland hat zahllose unentdeckte schöne 
Flecken. Eine dieser Stätten ist der wunder 
schöne, von nordischem Wald umschlossene Crös- 
sinsec bei Falkenburg, an dem nach den Richt 
linien von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley 
die jüngste Ordensburg der NSDAP, errichtet 
worden ist. Der Bau ist der herben einfachen 
Landschaft angepaßt. Mit seinen niedrigen, 
weit ausladenden Gebäuden, zum Teil stroh 
gedeckt nach dem Muster ostdeutscher Bauern 
höfe, fügt er sich ganz in seine fast unberührte 
Umgebung ein. Bis an den See heran ist die 
Schulungsburg gelagert. Vom Wachtturm aus 
hat man einen wundervollen Ueberblick weit 
hinein in die hier beginnende Pommersche 
Seenplatte. Wirkungsvoller und einprägsamer 
kann die Abgeschlossenheit, in die die zwölf 
Kameradschaftshäuser, die Vortragshalle und 
die übrigen mit dieser groß angelegten Schu 
lungsstätte verbundenen Bauten hineingelegt 
sind, nicht sein. 
Der politische Kämpfer, den die national 
sozialistische Idee und der Kampf um ihre Ver 
wirklichung geformt hat, wird immer einmal 
solche Tage der Abgeschlossenheit und der in- 
Ueren Konzentration bedürfen. Der tägliche 
Kampf reibt den Menschen auf, erfordert den 
Einsatz aller seiner Kräfte. Und hier an die 
ser sorgsam ausgewählten Stelle findet er neue 
Kraft, findet er die Kameradschaft derjenigen, 
die an ähnlicher Stelle unter den gleichen oder 
änderen Schwierigkeiten für das gleiche große 
Ziel kämpfen, das der Führer aufgestellt hat, 
sinüet er neue Anregungen, neue Erkenntnisse, 
bene Stärkung des Glaubens. 
Schon vor der nationalsozialistischen Er 
hebung hat man nach Wegen gesucht, den Trä 
gern der örtlichen politischen Verantwortung 
lleues Wissen und neue für ihre Arbeit erfor 
derliche Kenntnisse zu vermitteln. Man hat 
Kurse eingerichtet und Akademien geschaffen. 
Ņļan hat die Träger der politischen Arbeit in 
Großstädten zusammengeführt und ihnen von 
irgendwelchen Sachverständigen Spezialvor- 
wage halten lassen. Aber diese Form der poli 
tischen Ausrichtung, der wirklich innerlichen 
^rlebnismäßigen Erfassung ist erst durch den 
Nationalsozialismus möglich geworden. Die 
Gemeinsame Idee, der gemeinsame Dienst für 
èen Führer, die gemeinsame Kampfzeit, aus 
"er sich bie Bewegung emporgerungen hat und 
siu der jeder dieser Männer seinen eigenen 
schweren Anteil hat, hat die Grundlage für 
i'iese so neue Form geschaffen. 
Man braucht nur durch die Kameradschafts- 
häuser in einer freien Stunde zu gehen, um zu 
when, welche Gemeinsamkeit, welche Gemein 
schaft hier geschaffen wurde, bei Beginn der 
FUgung schon bestand. Und das wird nun ver 
west. Die Führerschaft der Bewegung wächst 
Mm Orden. Menschen dabei, die nach alten 
Vorstellungen ihrer persönlichen Herkunft und 
Wirer persönlichen Bildung nach so verschieden 
sind. Der Handarbeiter steht neben dem Aka 
demiker, der Bauer neben dem Kaufmann, der 
Frontsoldat neben dem Mann der Nachkriegs 
zeit. So sind wir wirklich zu einer Gemein 
schaft, verschworen am Dienste der national 
sozialistischen Idee, verschworen an der Treue 
zum Führer, geworden. 
Mit dieser großen Tagung wird die Schu- 
lungsburg, die sich noch in einzelnen Teilen 
im Bau befindet, ihrer Bestimmung über 
geben. Am Schluß der Schulungswoche findet 
die feierliche Ucbergabe der Burg statt. Der 
Geist, der diese mehr als 700 Männer der 
Kampfzeit hier beherrscht, soll der heilige Geist 
dieser Burg werden, der jeden ihrer Lehrgänge 
erfüllt. Das ist mehr als ein Symbol. 
Aus der kleinen verschworenen Gemeinschaft, 
in der jeder von ihnen den Kampf vor Jah 
ren begann, wurde die Bewegung, und wird 
nun der Orden, gefestigt in allen seinen Zielen, 
in seiner großen, genau so verschworenen und 
innerlich verbundenen Gemeinschaft. Das Werk 
des Nationalsozialismus ist keine abstrakte 
weltanschauliche Konstruktion, sondern ein aus 
der Verbundenheit des Blutes und der Volks 
gemeinschaft herausgewachsener Erlebnis 
inhalt, der unserem eigenen innersten Wesen 
entspricht, wie einmal Dr. Dietrich dieses neue 
grundlegende Gemeinschaftsdenken formu 
lierte. 
DNB. Lemberg, 16. April. In Lemberg ist 
es am Donnerstag zu außerordentlich schwe 
ren Zusammenstößen zwischen der Polizei und 
Mitgliedern der Arbeitcrgewerkschasten gekom 
men. Die Unruhen entstanden bei der Beerdi 
gung eines am Dienstag bei einer Arbeits- 
losenkuudgebung durch einen Polizeibeamten 
erschossenen Demonstranten. 
Die Gewerkschaften versuchten, entgegen der 
Vereinbarung mit der Polizei, einen Demon 
strationszug durch Straßen zu veranstalten, 
die von der Behörde für den Aufmarsch nicht 
freigegeben worden waren. Die Polizei wurde 
daher eingesetzt, um die Demonstranten zu zer 
streuen. Dabei wurde sie von der Menge tätlich 
angegriffen und mußte schließlich von der 
Schußwaffe Gebrauch machen. Bisher werden 
zehn Tote und etwa 60 Verwundete gemeldet. 
Eine amtliche Verlautbarung über die Zu 
sammenstöße in Lemberg liegt noch nicht vor. 
Die Ruhe in Lemberg ist in den Abendstunden 
wiederhergestellt morden. 
Die Innenstadt abgeriegelt. 
Die Straßenkämpfe dauerten am späten 
Nachmittag in der Innenstadt Lembergs nach 
wie vor mit unverminderter Heftigkeit an. 
Schätzungsweise 3000 Demonstranten haben 
sich in der Hauptstraße dieses Stadtviertels, 
der Legions-Straße, verbarrikadiert. Starke 
Polizeitrupps bestreichen die Barrikaden, die 
aus Straßenbahnwagen, Laternenpfühlen und 
Plastersteinen errichtet sind. Bisher ist es der 
Polizei jedoch nicht gelungen, die Aufrührer 
zur Flucht oder zur Uebergabe zu zwingen. 
Lembergs Polizei hat Befehl erhalten, den 
Aufruhr auf jeden Fall niederzuschlagen. Die 
Demonstranten sind gut bewaffnet. Das Nn- 
ruheviertel, in dem alle Läden geschlossen sind, 
ist durch starke Polizeiabteilungen von den 
übrigen Stadtteilen abgeriegelt. 
* 
Während nach den bisherigen Mitteilungen 
über die blutigen Straßenunruhen in Lemberg 
nur 3 Personen getötet wurden, hat sich nach 
neueren halbamtlichen Angaben die Zahl der 
In dieser pommerschcn Ordensburg, in der 
Eifel und in den bayerischen Bergen soll der 
einst der Nachwuchs für die politische Füh 
rung der Bewegung herangezogen werden. Wo 
heute 800 Hoheitsträger der Bewegung in 
einer knappen Spanne von zehn Tagen ge 
meinsam ausgerichtet werden für ihren wei 
teren Kampf, da soll später der junge Nach 
wuchs, 300 Mann in jedem Lehrgang, von dem 
gleichen Geist der Gemeinschaft erfüllt werden. 
Für dieses große Ziel ist die ganze Anlage in 
ihrer Weitzügigkeit errichtet worden: die Aka 
demie des politischen Führertums der natio 
nalsozialistischen Bewegung. 
Dr. Krüger. 
Auf dem WüchllArm der Srdensburg. 
Die Teilnehmer aus Bayern, vom Rhein, 
vom Schwarzwald, aus Gauen, die mit den 
Schönheiten der Natur überreich gesegnet sind, 
waren sprachlos, daß es in dieser herben pom- 
merschen Landschaft ein so herrliches Fleckchen 
Erde gibt. Auf der einen Seite ist die Burg 
von einem mächtigen See eingeschlossen. Im 
dunklen Wasser spiegeln sich die Bäume der 
Wälder, die sich undurchdringlich weit ins Hin- 
tcrlvnö erstrecken. Kein Laut stört die erhabene 
Stille, kein Haus weit und breit. Eingebettet 
in diese unendliche Einsamkeit liegt Crössin 
see. Es ist keine Burg im eigentlichen Sinne, 
Toten aus 8 und die der Verletzten auf 60 er 
höht. Die Unruhen entstanden zunächst da 
durch, daß etwa 8000 Personen, die sich zur Be 
erdigung eines am 14. April bei einem Zu 
sammenstoß mit der Polizei erschossenen Ar 
beitslosen versammelt hatten, gewaltsam die 
Beisetzung auf einem anderen Friedhof zu er 
zwingen suchten und tatsächlich auch erzwan 
gen. Mehrmals kain es dann zu Kämpfen 
mit Polizeiabteilungen, die von der Menge 
mit Revolverschüssen und Steinwürfen ange 
griffen wurden. Vereinzelt wurde auch der 
Versuch gemacht, mit Hilfe umgestürzter 
Straßenbahnwagen eine Barrikade zu errich 
ten. Der größte Teil der demonstrierenden 
Menge zerstreute sich in der Stadt und begann 
in größeren Trupps Plünderungen von Ge 
schäftslokalen und Wohnungen. Ein größeres 
Holzlager wurde in Brand gesteckt und die 
Feuerwehr wurde an der Löschung gewaltsam 
gehindert. In den späten Abendstunden wurde 
die Ruhe in Lemberg wieder hergestellt. Im 
Lause der Nacht wurde eine Reihe von Ruhe 
störern verhaftet, zumeist Kommunisten, bei 
denen Waffen gefunden wurden. Polnische 
Blätter heben hervor, daß hier ebenso wie vor 
einiger Zeit in Krakau die sozialistischen Ge 
werkschaftsführer die Leitung der Massen 
verloren und daß an ihre Stelle Kommunisten 
traten, die die Massen zu den schweren Aus 
schreitungen aufhetzten. 
• * • 
Kommunistischer Feueriibersall 
in den Straßen Madrids. - 
DNB. Madrid, 16. April. Bei der Beerdigung 
des am fünften Jahrestage der spanischen Re 
publik von Kommunisten erschossenen Polizei- 
beamten kam es am Donnerstag in Madrid zu 
neuen schweren Zwischenfällen. Von einem 
Neubau aus wurde auf den Trauerzug, der sich 
durch die Straßen der Innenstadt bewegte, ge 
schossen. Die den Leichenzug begleitenden Poli 
zeibeamten erwiderten das Feuer, worauf sich 
eine heftige Schießerei entspann, in deren Ver 
so, wie wir sie vom Rhein her kennen, mit 
hohen Türmen, Giebeln und spitzen Dächern 
aus steilen Bergen. Das einzige burgähnliche 
Merkmal ist der hohe Wachtturm, zu dessen 
Plattform eine steile Wendeltreppe hinauf 
führt. Den letzten Teil des Weges muß man 
am Steigeisen hinaufklettern. 
Vom hohen Söller herab bietet sich ein wahr 
haft großartiges Bild. Wir haben das Gefühl, 
Jahrhunderte zurückzugleiten: ein naturgetreu 
nachgebildetes, großes germanisches Gehöft 
liegt unter uns. Am eindrucksvollsten wirken 
die zwei großen Hallen mit ihren weitaus 
ladenden strohgedeckten Dächern, mit ihren aus 
Quaderstein gehauenen Säulengängen, zwi 
schen denen die ebenfalls ans Säulen ruhende 
und nach allen Seiten hin offene Ehrenhalle 
steht. Nach Osten zu dehnt sich ein in die Land 
schaft geöffnetes weites Viereck, das auf jeder 
Längsseite von sechs einstöckigen Kamerad 
schaftshäusern begrenzt wird, in denen Schlaf 
räume untergebracht sind. 
Schlafräume? — Man möchte ein Bett in 
diesen Hallen mit keinem Hotelzimmer tau 
schen. Von beiden Seiten flutet Licht und Luft 
von Wald und See herein. Hinter diesen Hal 
len liegen die Waschsäle. Spiegel blitzen an den 
Wänden, weiß sind die Waschbecken, die Wände 
und die für jeden einzelnen Mann in langer 
Reihe hinziehenden Kalt- und Warmwasser 
brausen. 
Und doch ist dieser Bau vor allem wirkungs 
voll durch eine überwältigende Schlichtheit und 
Einfachheit. Die Gäste, die die Burg Crössin 
see während der zehn Tage des Reichstreffens 
beherbergt, werden hier um ein Natur- und 
Gemeinschaftserlebnis reicher. 
lauf 3 Personen getötet und 50 z. Teil schwer 
verletzt worden sein sollen. Die genaue. Zahl 
der Opfer steht noch nicht fest. 
Umfangreiche Verhaftungen. 
Im Zusammenhang mit dem blutigen Zwi 
schenfall verhaftete die Polizei 170 Personen, 
zum größten Teil Mitglieder der spanischen 
Faschistischen Partei (Falangej sowie 74 Ar 
beiter des Neubaues, von dem aus angeblich 
auf den Trauerzug geschossen worden sein soll. 
Die marxistischen Arbeitergewerkschaften ver 
öffentlichen eine Bekanntmachung, in der sie 
sich gegen die „faschistische Herausforderung" 
verwahren und Maßnahmen zum „Selbstschutz" 
ankündigen, falls die Regierung ihr Verspre 
chen, mit aller Entschiedenheit durchzugreifen, 
nicht halten sollte. 
Folgen der blutigen Zwischenfälle in Madrid. 
Der Generaldirektor der spanischen Polizei 
ist im Zusammenhang mit den blutigen Zwi 
schenfällen, die sich am Donncrstagnachmittag 
in Madrid ereigneten, von seinem Posten zu 
rückgetreten. 
Gleichfalls im Zusammenhang mit den Un 
ruhen dürfte der Einzug des Ministers für 
öffentliche Arbeiten, Casar.es Qniroga, in das 
Innenministerium' stehen. Es wird vermutet, 
daß Quiroga bis auf weiteres auch den Posten 
des Innenministers übernehmen soll, da der 
bisherige Innenminister infolge seines ange 
griffenen Gesundheitszustandes den augen 
blicklichen Anforderungen nicht gewachsen ist. 
Gefechle MWch nm àgtzelli. 
DNB. Addis Abeba, 16. April. Das abessi- 
nische Oberkommando an der Südfront meldet, 
daß am 9. April abessinische Abteilungen hef 
tige Kümpfe mit einer starken italienischen 
Einheit im Norden von Neghelli zu bestehen 
gehabt haben. In dem Bericht wird erklärt, 
daß die Italiener zurückgeschlagen worden 
seien. Sie sollen 321 weiße Offiziere und Sol 
daten sowie 19 Somalis auf dem Schlachtfeld 
gelassen haben. An Beute sollen die Abessinier 
sechs Lastwagen mit Munition und einen Wa 
gen mit zwölf Maschinengewehren gemacht ha 
ben. Die abcssinischen Verluste bei diesen Ge 
fechten werden mit 17 Toten und 25 Verwun 
deten angegeben. Diese überraschend geringe 
Ziffer wird damit erklärt, daß es den Abessi 
niern gelungen sei, ihre Gegner vollständig zu 
überraschen. 
ŞchWêre Jtommiutifteft* 
Ausschreitungen in Lemberg 
Bisher 8 Tote und 66 Verletzte — Plünderungen von Wohnungen 
und Geschäftslokalen 
129* Jahrgang. 
Achleswig-Holsteinisthe 
RwZĢÄMgZL Drgeàtt 
129. Jahrgang. 
Bezugspreis: Ausgabe A Reichsmark 1.75 monatlich; Ausgabe B einschl. Illustrierte Wochenbeilage 
Reichsmark 2.00, zuzügl. Bestellgeld. Einzelnummer 10 Rpfg.. auswärts 15 Rpfg., Sonnabends 15 Rpfg. 
Schriftleitung und Geschäftsstelle: Rendsburg. Haus der Landeszeitung. Fernsprecher Nr. 255l. 
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