Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Mar ohne Rücksicht auf Skeger oder Be 
siegte! 
6. Der Königlich britische Außenminister hat 
in seiner Rede vom 26. März über die ent 
militarisierte Zone mitgeteilt, daß diese 
letzten Endes nur als Ablösung für eine 
von Frankreich im Jahre 1918 angestrebte 
Lostrennung des Rheinlandes von Deutsch 
land errichtet wurde. Aus dieser Feststel 
lung ergibt sich, -aß die demilitarisierte 
Zone selbst nur als Folge der vorausge 
gangenen Verletzung einer auch die Alliier, 
ten bindende» Verpflichtung entstanden ist. 
C. Die Demilitarisierungsbestimmungen des 
Versailler Vertrages basieren demnach 
selbst auf der Verletzung einer Deutschland 
gegebenen Zusicherung und besaßen als 
einziges rechtliches Argument nur die Ge 
walt. Sie sind vom Versailler Vertrag in 
den Locarnopakt übernommen worden nach 
einer neuerlichen Rechtsverletzung, nämlich 
der Besetzung des Ruhrgebietcs, die selbst 
von englischen Kronjuristen als Rechts- 
bruch bezeichnet worden ist. 
D. Der sogenannte „freiwillige Verzicht" auf 
die Souveränität Deuschlands in diesen 
westlichen Provinzen des Reiches ist mithin 
eine Folge des Versailler Diktats und 
einer Kette von sich hier anschließenden 
schwersten Bedrückungen des deutschen Vol 
kes, wobei insbesondere hingewiesen wer 
den muß auf die furchtbare Not und 
Zwangslage des Reiches infolge der Rhcin- 
landbesetzung. 
Wenn daher von seiten der britischen Re 
gierung heute erklärt wird, daß man wohl von 
einem Diktat von Versailles gesprochen habe, 
aber doch niemals von einem Diktat von Lo 
carno, so muß die deutsche Regierung mit der 
Gegenfrage antworten: „Gab es oder kann es 
überhaupt in der Welt ein großes Volk geben, 
das freiwillig und ohne äußeren Zwang ein 
seitig auf seine Hoheitsrechte, und zwar in 
diesem Fall aus das primitivste Recht der Ver 
teidigung seiner eigenen Grenzen, verzichtet 
hat oder verzichte» würde?" 
Trotzdem aber hatte das deutsche Volk diesen 
Zustand 17 Jahre lang ertragen, und noch am 
21. 3. 1985 erklärte der deutsche Reichskanzler, 
daß „die deutsche Reichsregierung in der ent 
militarisierten Zone einen für einen souverä 
nen Staat unerhört schweren Beitrag zur Be 
ruhigung Europas sieht" und daß die Reichs- 
regierung „alle aus dem Locarnovertrag sich 
ergebenden Verpflichtungen solange halten 
wird, als auch die anderen Vertragspartner 
bereit sind, zu diesem Pakt zu stehen". 
Die deutsche Reichsregierung hat bereits in 
ihrer vorläufigen Note vom 24. 3. 1936 dar 
auf hingewiesen, daß der von Frankreich mit 
Sowjetrutzland abgeschloffene militärische Ver 
trag dem Locarnopakt sowohl die rechtliche als 
aber besonders die politische Grundlage und 
damit die Voraussetzung seiner Existenz ent 
zogen hat. Es erübrigt sich, hierauf noch ein 
mal näher einzugehen, denn: Es ist kein Zwei 
fel, daß die Tendenz, Europa mit Militärbünd 
nissen zu durchziehen, überhaupt dem Geist 
und Sinn der Ausrichtung einer wirklichen 
Völkergemeinschaft widerspricht. Es wächst die 
große Gefahr, daß aus dieser allgemeinen 
Verstrickung in militärische Allianzen ein Zu 
stand entsteht, der jenem gleicht, dem die Welt 
den Ausbruch ihres furchtbarsten und sinn 
losesten Krieges mit in erster Linie zu ver 
danken hatte. Es liegt nun nicht im Vermö 
gen einer einzelnen Regierung, eine solche von 
bestimmten Großmächten eingeleitete Entwick 
lung zu verhindern, allein es gehört zum 
pflichtgemäßen Auftrag jeder Regierung, in 
nerhalb der Grenzen des eigenen Hoheits 
gebietes Vorsorge nor jenen Ueberraschungen 
zu treffen, die sich aus einer solchen undurch 
sichtigen europäischen Militär- und Kabinetts 
politik ergeben können. 
Die deutsche Regierung hat daher nach der 
vorliegenden Entwicklung, die eine Aufhebung 
der juristischen und politischen Grundlagen 
und Voraussetzungen des Locarnopaktes be 
deutet, sich auch ihrerseits als an diesen Pakt 
nicht mehr gebunden erklärt und die Souve 
ränität des Reiches über das gesamte Reichs 
gebiet wieder hergestellt. 
Die deutsche Regierung ist nicht in der Lage, 
ihren zur Sicherheit des Reiches unternomme 
nen, nur deutsches Reichsgebiet betreffenden 
und niemand drohenden Schritt der Würdi 
gung eines Gremiums zu unterstellen, das 
selbst im günstigsten Fall nur die rechtliche 
Seite, aber unter gar keinen Umständen die 
politische zu beurterlen in der Lage ist. Dies 
gilt umso mehr, als der Völkerbundsrat be 
reits eine Entscheidung getroffen hat, die die 
rechtliche Beurteilung der Frage prüjudizicrt. 
Die deutsche Regierung ist weiter der Ueber 
zeugung, daß ein solches Urteil nicht nur kei 
nen positiven Beitrag liefern könnte für eine 
wirkliche konstruktive Lösung der Frage der 
europäischen Sicherheit, sondern ausschließlich 
geeignet ist, eine solche Lösung zu erschweren, 
wenn nicht gar zu verhindern. 
Im übrigen: Entweder man glaubt an die 
Möglichkeit einer allgemeinen europäischen 
Friedenssicherung, dann kann ein solcher beab 
sichtigter Eingriff in die Hoheitsrechte eines 
Staates nur erschwerend wirken, oder man 
glaubt an eine solche mögliche Friedenssiche 
rung nicht, dann käme einem solchen Entscheid 
höchstens nachträglich eine feststellende juristi 
sche Bedeutung zu. 
Die deutsche Regierung kann daher in diesem 
Punkte sowie in jenen weiteren dieses Ent 
wurfes der Berkreier der Locaruomckchte, kcke 
sich nur als einseitig belastend für Deutschland 
erweisen, nicht nur keinen nützlichen Beitrag 
für eine wirkliche großzügige und konstruktive 
Lösung der Frage der europäischen Sicherheit 
erblicken, sondern höchstens Elemente der Dis 
kriminierung eines großen Volkes und damit 
einer Infragestellung jeder dauerhaften Frie 
densgestaltung. 
Entsprechend dem ihr vom deutschen Volke 
erteilten Auftrag muß daher die deutsche 
Regierung alle Deutschland einseitig bela 
stenden und damit diskriminierenden Vor 
schläge dieses Entwurfes ablehnen. 
Deutschland hat, wie schon aus seinem An 
gebot hervorgeht, nicht die Absicht, jemals 
Belgien oder Frankreich anzugreifen. Es ist 
bekannt, daß bei der gigantischen Rüstung 
Frankreichs und den enormen Festungswerken 
an der französischen Ostgrenze ein solcher An 
griff aber auch rein militärisch sinnlos wäre. 
Aus diesen Gründen ist der deutschen Re 
gierung auch der Wunsch der französischen Re 
gierung nach sofortigen Generalstabsverhaud- 
lungen unverständlich. Die deutsche Regierung 
würde darin nur ein ernstes Präjudiz sehen, 
wenn vor dem Abschluß der neuen Sicherheits 
pakte solche Generalstabsabmachungen zu 
stande kämen. Sie ist der Auffassung, daß 
solche Abmachungen in jedem Falle erst die 
Folge der politischen Beiftandsverpflichtungen 
der 5 Locarnomüchte seien, und dann nur auf 
streng reziproker Grundlage stattfinden könn 
ten! 
Die deutsche Regierung ist weiter der Auf 
fassung, daß der Komplex der vorliegenden 
Probleme zur leichteren Lösung nach den Ge 
sichtspunkten der beabsichtigten Ziele zweck 
mäßig gegliedert werden müßte. Sie muß 
dann aber folgende grundsätzliche Fragen 
stellen: 
Welches soll das Ziel der Bemühungen 
der europäischen Diplomalie sein? 
A. Soll dieses Ziel sein, die sich als für jede 
dauernde Friedenssicherung als ungeeignet 
erwiesene Zweiteilung der europäischen Völker 
in Mehr- oder Wenigerberechtigte, in Ehren 
oder Uuehrenhafte, in freie oder unfreie unter 
irgendwelchen neuen Formen oder Modifizie 
rungcn beizubehalten oder fortzuführen? 
Soll es weiter die Absicht der europäischen 
diplomatischen Besprechungen sein, aus einem 
solchen Willen heraus auf dem Wege einfache 
rer majorisierender Beschlüsse -Feststellungen 
über Vergangenes zu treffen, Urteile aufzu 
richten, um damit die scheinbar juristisch noch 
fehlenden Begründungen für die Fortführung 
dieses früheren Zustandes zu finden? Oder soll 
6. das Bemühen der europäischen Regieruu 
gen darauf hingerichtet sein, unter allen Um 
ständen zu einer wirklich konstruktiven Ord 
nung des Verhältnisses der europäischen 
Nationen untereinander und damit zu eiuer 
dauerhaften Friedensgestaltung und -Siche 
rung zu kommen? 
Die deutsche Regierung ist es ihrem Volke 
schuldig, hier eindeutig zu erklären, daß sie 
nur an diesem zweiten in ihren Augen allein 
aufbauenden Versuch teilnehmen wird und 
dies dann allerdings aus tiefinnerster Ueber 
Zeugung und mit dem vollen Gewicht des auf 
richtigen und sehnsüchtigen Willens der hin 
ter ihr stehenden Nation. 
Die deutsche Negierung glaubt, daß dann die 
vor den europäischen Staatsmännern liegende 
Gesamtausgabe in drei Abschnitte gegliedert 
werden müßte: 
a) in die Zeit einer allmählich sich beruhigen 
den Atmosphäre zur Klärung der Prozedur 
für die einzuleitenden Verhandlungen, 
d) in den Abschnitt der eigentlichen Verhand 
lungen zur Sicherstellung des europäischen 
Friedens. 
c) in eine spätere Periode der Behandlung 
jener wünschenswerten Ergänzungen des 
europäischen Friedcnswerkes, die weder im 
Inhalt noch im Umfang von vornherein 
genau festgelegt oder begrenzt werden kön 
nen oder sollten. (Abrüstungs- und Wirt 
schaftsfragen usw.) 
Zu diesem Zwecke schlägt die deutsche Regie 
rung nun 
folgenden Fricdensplan vor: 
1. Um den kommenden Abmachungen für die 
Sicherung des europäischen Friedens den 
Charakter heiliger Verträge zu verleihen, 
nehmen an ihnen die in Frage kommen 
den Nationen nur als vollkommen gleich 
berechtigte und gleichgeachtete Glieder teil. 
Der einzige Zwang für die Unterzeich 
nung dieser Verträge kann nur in der 
sichtbaren von allen erkannten Zweckmä 
ßigkeit dieser Abmachungen für den euro 
päischen Frieden und damit für das soziale 
Glück und das wirtschaftliche Wohlergehen 
der Völker liegen. 
2. Um die Zeit der Unsicherheit im Interesse 
des wirtschaftlichen Lebens der europäi 
schen Völker möglichst abzukürzen, schlägt 
die deutsche Regierung vor, den ersten 
Abschnitt bis zur Unterzeichnung der 
Nichtangriffspakte und damit der garan 
tierten europäischen Friedenssicherung 
auf vier Monate zu begrenzen. 
3. Die deutsche Regierung versichert unter 
der Voraussetzung eines sinngemäße» 
gleichen Verhaltens der belgischen und 
französischen Regierung für diesen Zeit 
raum keinerlei Verstärkung Ser im Rhein 
land befindlichen Truppen vorzunehmen. 
4. Die deutsche Regierung versichert, daß sie 
die im Rheinland befindlichen Truppen 
während des Zeitraumes nicht näher an 
die belgische und französische Grenze 
heranführen wird. 
5. Die deutsche Regierung schlägt zur Garan 
tierung dieser beiderseitigen Versicherun 
gen die Bildung einer Kommission vor, die 
sich aus Vertretern der beiden Garantie- 
mächte England und Italien und einer 
desinteressierten neutralen dritten Macht 
zusammensetzt. 
6. Deutschland, Belgien und Frankreich sind 
berechtigt, je einen Vertreter in diese Kom 
mission zu entsenden. Deutschland, Belgien 
und Frankreich besitzen das Recht, dann, 
wenn sie glauben, aus bestimmten Vor 
gängen auf eine Veränderung der militä 
rischen Verhältnisse innerhalb dieses Zeit 
raumes von vier Monaten hinweisen zu 
können, ihre Wahrnehmungen der Garan 
tiekommission mitzuteilen. 
7. Deutschland, Belgien und Frankreich er 
klären sich bereit, in einem solchen Falle 
zu gestatten, daß diese Kommission durch 
die englischen und die italienischen Mili- 
käraMŞ notwendige yeMelkungei« 
treffen läßt und hierüber dn beteiligten 
Mächten berichtet. 
8. Deutschland, Belgien und Fitnkreich ver 
sichern, daß sie die sich daran ergebenden 
Beanstandungen in vollem lmfange be 
rücksichtigen werden. 
9. Im übrigen ist die deutsche Rgierung be 
reit, auf der Basis voller Ggenseitigkeit 
mit seinen beiden westliche Nachbarn 
jeder militärischen Veschränkng an der 
deutschen Westgrenze zuzustimmen. 
10. Deutschland, Belgien und Jrakreich und 
die beiden Garantiemächte tonnen über 
ein, daß sie sofort oder spätestes nach Ab 
schluß der französischen Wahen. unter 
Führung der britischen Regier ng in Be 
ratungen eintreten über de: Abschluß 
eines fünfundzwanzigjährige, Nichtan- 
grifss- bzw. Şicherheitspakte, zwischen 
Frankreich und Belgien eineseits und 
Deutschlaud andererseits. 
11. Deutschland ist einverstanden, sttz in die 
sem Sicherheitsabkommen Ensand und 
Italien wieder als Garantiemäste unter 
zeichnen. * 
12. Sollten sich aus diesen Sicherüitsabma- 
Der Widerhall in der Şest 
Deulsche ŅressŞmmen. 
Die „Germania" hebt hervor, daß die Span 
nung, mit der die Welt auf die deutschen 
Gegenvorschläge gewartet hat, nicht enttäuscht 
worden ist. Das deutsche Dokument ist mehr 
als eine diplomatische Note, die ein politisches 
Gespräch weiterführt, sie stellt einen Beitrag 
zum Frieden dar, der weit über den vor 
liegenden Fall hinausreicht und von ganz 
großen europäischen Gesichtspunkten aus 
diktiert ist. 
Wer das Frieöenswerk sabotieren sollte, so 
liest man in der „Deutschen Allgemeinen 
Zeitung", zu dem die deutsche Negierung in 
ihrem neuesten Dokument einen wahrhaft 
großzügigen Beitrag beigesteuert hat, der 
würde sich eine schlimme Verantwortung auf 
halsen. Jeder deutsche Leser wird sich fragen: 
Kann das überhaupt einer ablehnen? Kann 
jemand die große Chance Europas verderben, 
die mit dem deutschen Frieüensplan gegeben 
ist. Es spricht wohl nichts stärker für die 
Aufrichtigkeit unseres Friedenswillens als die 
Tatsache, daß wir uns das eigentlich nicht 
vorstellen können. 
Die „Berliner Börsenzeitung" führt aus: 
Auch der voreingenommenste Politiker der 
Gegenseite wird es nicht fertigbringen können, 
diesen großartigen Vorschlag ohne ernstes 
Nachdenken beiseite zu schieben. Der deutsche 
Friedensplan stellt sich als ein durchsichtiges, 
klar gegliedertes Gebäude dar, an dessen Front 
die Parole steht: Gleiches Recht und gleiche 
Sicherheit für alle. Man hat, teils beschwö 
rend, teils drohend, von uns einen Beitrag 
zum Frieden gefordert. Wir sind gespannt, 
ob es eine verantwortliche Person oder Fälle 
gibt, die es wagt, zu behaupten, daß der deut 
sche Friedensplan nicht geeignet sei, den Frie 
den zu fördern. Der Vorschlag des Führers 
gründet sich auf das ethische Fundament, daß 
zwischen Freien und Unfreien nicht das Ver 
hältnis eines wirklichen Friedens, sondern 
nur eines künstlichen, unfriedlichen Zwanges 
bestehen kann. Auf dem Fundament der 
Gleichberechtigung baut er ein Projekt auf, 
das bei gutem Willen der Gegenseiterasch der 
Verwirklichung entgegen geführt werden kann. 
Zchwehjschs ŞîimMen. 
„Stockholms Tiöningen" sagt, das'die deut 
sche Antwort als Ganzes eine passeme Grund 
lage für Verhandlungen bilde. Vor französi 
scher Seite seien allerdings Schwierigkeiten zu 
erwarten. Nichtsdestoweniger könne kein 
Zweifel darüber bestehen, daß die deutschen 
Vorschläge als Richtschnur für die weiteren 
Verhandlungen die Möglichkeit eröffneten, 
den Frieden im Rahmen der kollektiven Sicher 
heit zu festigen, sofern alle Partner ehrlich be 
strebt seien, bei Hintansetzung von Mißtrauen 
und Bitterkeit die sich bietende Gelegenheit 
auszunützen. Die Vorschläge Hitlers erhiel 
ten, wie das Blatt erklärt, ein besonderes Ge 
wicht dadurch, daß der Führer im Namen des 
ganzen deutschen Volkes spreche. i 
Wüsche LķàMchme. ; 
DNB. Kopenhagen, 2. April. Ir j einem 
Kommentar führt die konservative Hagenşi 
Nyheöer u. a. aus, daß es Hitler gelur ge» sei, 
die Rücksichtnahme auf sein Prestige Mit öest 
englischen Wünschen nach Versöhnlichkeit zu 
vereinen. Das Blatt behält sich ein näheres 
Eingehen auf die deutschen Vorschläge für 
später vor, erklärt jedoch bereits, daß nach der 
deutschen Antwort größere Aussichten auf das 
Zustandekommen von Verhandlungen seien, 
als noch vor zwei Tagen. Zwar spreche in der 
Antwort nicht der „reuige Sünder" und Paris 
würde daher etwas vermissen,' trotz allem 
sollte man aber wohl auch in Paris eine Mög 
lichkeit ausfindig machen können, um den 
Weg zum Verhandlungstisch zu finden. 
Die demokratische Politiken stellt u. a. fest, 
daß der Inhalt der deutschen Antwort nicht 
nur aus schönen, sondern auch aus gute» Wor 
ten bestehe. Die deutschen Gegenvorschläge 
seien politisch geschickt und mit großem psycho 
logischem Verständnis abgefaßt. Ganz gleich, 
wie sie in Frankreich aufgenommen würden., 
stellten sie einen unwiderstehlichen Appell an 
fast alle englischen Herzen dar. 
Italiener vor dem errglischea 
IntsresserrgsLieL in Afrika 
Das Tempo der italienischen Vormärsche an 
der Nord- und Südfront hat in den letzten 
acht Tagen derartig auf eine Entscheidung ge 
drängt, daß man diese mit aller Wahrschein 
lichkeit noch lange vor Beginn der großen Re 
genperiode erwarten kann. Mit der Zerstö 
rung von Harrar ist die abessinische Einfuhr- 
zentrale für Waffen- und Kriegsmaterial an 
der Westgrenze als Nachschubbasis für den Ne 
gus ausgefallen. Nun ist im Norden auch die 
wichtige Stadt Gondar, nur 30 Km. vom Ta 
nasee entfernt, gefallen. Damit befinden sich 
die Italiener mitten im englischen Interessen 
gebiet. Zwischen diesen beiden Punkten steht 
an wirklich kampfkräftigen abessinischen Streit 
kräften nicht viel mehr als die noch intakte 
Dessie-Armee unter angeblich persönlicher 
Führung des Negus. Mau nimmt an, daß 
Baöoglio und Graziani nunmehr die Verbin 
dung zwischen Nord- und Südarmee auf einer 
ungefähren Linie Gondar—Magdala—Harrar 
herstellen und damit zunächst einmal die itali 
enischen Gebietsforöerungen sichern werden. 
Die englische Erregung über die Verwendung 
von Giftgas wird in Rom kühl mit dem Hin 
weis auf die europäischen Waffenlieferungen 
an Abessinien abgetan. 
Sieg auch an der Mittelfront. 
Der italienische Heeresbericht Nr. 171 mel 
det: Im Gebiet des Aschangi-Sees hat am 31. 
März in der Gegend von Quoram eine große 
Schlacht stattgefunden. Das Heer des Negus 
mit den Garöetruppen, die mit allen modernen 
Waffenarten ausgerüstet sind, hat unsere 
Stellung im Süden von Mai-Ceu angegriffen. 
Der Tag schloß mit einem vollen Siege un 
serer Waffen. Die abessinische Aktion begann 
um 6 Uhr und dauerte bis 18 Uhr fort. Alle 
Front- und Umgehungsangriffe wurden zu 
rückgeschlagen. Ilm Nachmittag sind unsere na 
tionalen und eritreischen Truppen zum G- 
genangriff übergegangen und schlugen den 
Feind in die Flucht. 
Abenteuerlicher Marsch auf Gondar. 
Das Hauptquartier der italienischen Norö- 
frout meldet: Eine starke italienische Abtei 
lung, die unter Führung des Parteisekretärs 
General Starace stand, hat am Mittwoch nach 
einem Marsch von 800 Km. durch besonders 
schwieriges Gelände die unmittelbar nördlich 
vom Tanasee gelegene Stadt Gondar besetzt. 
3000 Mann trafen mit 500 Lastkraftwagen, 
zahlreichen Tanks und anderen modernen 
Kriegsmitteln am 15. März von Asmara aus 
ein. Bei dem äußerst schwierigen Vormarsch 
durch das tropische Gebiet südlich des Setit 
wurden die Truppen durch Flugzeuge ver 
proviantiert. Am Chencher-Berg "beschloß 
Starace, um den Vormarsch nicht zu verzö 
gern, die Tanks zurückzulassen. Die Truppen 
setzten den Marsch zu Fuß fort, um sich an 
den südwestlichen Ausläufern des Semien- 
Hochlanöes mit den italienischen Eingebore 
nentruppen zu vereinigen, die gerade die 
Stadt Debarek besetzt hatten. Die Abessinier 
haben den italienischen Truppen bei diesem 
Vormarsch keinen Widerstand geleistet.
	        
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