Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Deutsches SûîdatentuM 
Sonnabend, den 18. April 1936 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Nr. 91 
GerreraLobersL von Seeckt 
Gedanken ernes Soldaten 
Am 22. April feiert Generaloberst Hans 
von S e e ck t seinen 70. Geburtstag. In einer 
Zeit, als nicht nur äußere, sondern weit metzr 
noch innere Feinde an der Unterhöhlung der 
Grundfesten des Reiches und an seiner gänz 
lichen Wehrlosmachung arbeiteten, hat er es 
verstanden, allen Anfeindungen zum Trotz eine 
deutsche Wehrmacht zu schaffen, die selbst bei 
ihrer geringen Stärke und ihrer unzulänglichen 
Bewaffnung zu den besten Europas zählte und 
die nunmehr zum Lehrmeister und zum eiser 
nen Kern des vom Führer geschaffenen neuen 
deutschen Volksheeres geworden ist. General 
oberst von Seeckt ist aber nicht nur der Schöp 
fer und Organisator der Reichswehr, sondern 
auch ein hochbedeutender Kriegsphilosoph, dessen 
Schriften, wahre Kabinettstücke kriegswissen 
schaftlicher Erkenntnisse, in eine Reihe mit 
denen eines Clausewitz, Moltke oder Graf 
Schliessen gestellt werden können. Nachstehend 
veröffentlichen wir einige seiner „Gedanken 
eines Soldaten", die es verdienen, Allgemein 
gut unseres wieder wehrhaft gewordenen Vol 
kes zu werden. 
Nur eine starke Wehrmacht 
garantiert den Frieden 
(Geschrieben 1930.) 
Ein Staat, ob klein oder groß, der es unter 
lassen hat, vertrauend auf seine Neutralität, 
seine Selbstverteidigung zu sichern, ist eine 
vollkommene quantite nègligable bei einem 
ausbrechenden Völkerringen. Daraus folgt, 
daß ein Staat, der, sei es zu grundsätzlicher 
Neutralität entschlossen ist, sei es sich die Frei 
heit der Neutralität im gegebenen Fall vorbe 
halten will, in der Lage sein muß, diese Neu 
tralität zu schützen. Diese Wahrheit bleibt die 
gleiche für alle Staaten, die einmal nicht im 
luftleeren Raum des ewigen Friedens, sondern 
inmitten nicht immer freundlicher Nachbarn 
leben, und je größer ein Staat ist, um so ge 
fährdeter seine geographische Lage, um so en 
ger seine Verknüpfung mit allen Weltvor- 
üängen, desto dringender ist die Forderung 
nach einer Rüstung, die ihm die Freiheit des 
Entschlusses und Verhaltens sichert. Es kommt 
darauf an festzuhalten, daß eine ausreichende 
Rüstung an sich keine Kriegsdrohung ist, son 
dern im Gegenteil eine Garantie für die Er 
haltung und Sicherung des Friedens eines 
Landes sein kann, daß aber in der Vorenthal 
tung der für diese Sicherung ausreichenden 
Rüstung und damit der Möglichkeit genügen 
der Selbstverteidigung eine unmittelbare 
Kriegsgefahr enthalten ist, auch wenn dieses 
Land nicht aktiver Kriegsteilnehmer, sondern 
gezwungenermaßen nur passiver Kriegsschau 
platz für die anderen wird. 
* 
Es ist notwendig, zwischen offensiven und 
defensiven Rüstungen zu unterscheiden. Unter 
nimmt man es, einem Staat die Abwehrmög- 
lichkeit zu nehmen oder zu beschränken, so 
steigert man bei ihm das Gefühl der Unsicher 
heit und damit die Kriegsgefahr. 
Der stärkste Anreiz zum Krieg ist ein wehr 
loser Nachbar,' daher erscheint als erstes und 
erreichbares Ziel auf dem Weg zur Friedens 
sicherung der Rüstungsausgleich. 
Unrichtig ist die Begründung der heutigen 
Friedensbewegung mit den technischen Schrek- 
ken und der Ausbreitung des Krieges. Human 
ist auch das Schwert und die 21-cm-Brisanz- 
granate nicht. Denken wir doch an den Drei 
ßigjährigen Krieg und an die vielen „Wüste 
X-Dorf", die auf der Karte noch heute die 
Stelle einstiger blühender Orte bezeichnen, 
um uns zu erinnern, daß auch früher der 
Krieg nicht Weib und Kind, nicht Haus und 
Hof verschonte. Ob unsere vielgepriesenen 
Kulturgüter wertvoller sind, als die, welche 
einst unter Schwert und Fackel der Germanen 
dahinsanken, mag immerhin zweifelhaft sein. 
Also nicht Furcht vor dem Gasangriff auf un 
sere Städte darf unser Urteil beeinflussen,' 
Furcht war stets ein schlechter Ratgeber und 
Angst ist keine Weltanschauung. Gegen tech 
nische Angriffsmittel hat die gleiche Technik 
noch immer Abwehr gefunden. 
Schlagrvorte 
Drei Dinge gibt es, gegen die der mensch 
liche Geist vergebens ankämpft: die Dumm 
heit, die Bürokratie und das Schlagwort. Viel 
leicht sind alle drei auch darin gleich, daß sie 
notwendig sind. Ich möchte den aussichtslosen 
Kampf gegen die Dummheit klügeren Zeit 
genossen überlassen, erkläre mich im Kampf 
gegen die Militärbürokratie für restlos unter 
legen, will aber versuchen, den Kampf gegen 
einige Schlagworte hier aufzunehmen. 
Auf dem mir eigenen Gebiete, dem militä 
rischen, verfolge ich das Schlagwort aus einem 
ganz bestimmten Grunde, weil es hier im 
eigentlichen Sinne tödlich wirken kann und 
muß, weil dem militärischen Schlagwort Tau 
sende von Menschenleben geopfert sind, sicher 
nie aus bösem Willen, sondern aus dem Man 
gel an eigenem Denken. Aus dem Verantwor 
tungsgefühl für die Zukunft, die viel wichtiger 
ist als die Vergangenheit, heraus, will ich 
einige militärische Schlagworte auf ihren Ge 
halt untersuchen, vielleicht denkt dann auch ein 
anderer über sie nach, bevor er nach ihnen 
handelt. 
Pazifismus. Wer sich über das Wesen des 
Krieges, über seine Notwendigkeit, Forderun 
gen und Folgen klar ist, also der Soldat, wird 
weit ernster über Kriegsmöglichkeiten denken 
als der Politiker oder der Geschäftsmann, der 
kühl die Vor- und Nachteile abwägt. Schließ 
lich ist es vielleicht nicht so schwer, das eigene 
Leben hinzugeben,' aber von Berufs wegen das 
Leben der anderen einsetzen zu sollen, lastet 
schwer auf dem Gewissen. Wer dem Krieg tief 
in die blutunterlaufenen Augen gesehen hat, 
wer von guter Uebersichtswarte aus die 
Schlachtfelder eines Weltkrieges überblickte, 
wer die Leiden der Völker mit ansehen mußte, 
wessen Haar grau wurde von der Asche so vie 
ler verbrannter Heimstätten, wer die Verant- 
wortmig für Leben und Tod vieler getragen 
hat, der erfahrende und wissende Soldat fürch 
tet den Krieg weit mehr als der Phantast es 
kann, der, ohne den Krieg zu kennen, nur vom 
Frieden spricht. Die Figur des säbelrasselnden 
und kriegshetzenden Generals ist eine Erfin 
dung vergifteten skrupellosen politischen Kamp 
fes, eine willkommene Figur geistloser Witz 
blätter, ein personifiziertes Schlagwort. Will 
man diese Einstellung zum Krieg Pazifismus 
nennen, so mag man es tun,' es ist ein Pazi 
fismus auf Wissen aufgebaut und aus Ver 
antwortungsgefühl geboren, aber es ist kein 
Pazifismus nationaler Würdelosigkeit und 
internationaler Verschwommenheit. Gerade 
der Soldat wird alle Bestrebungen begrüßen, 
die auf Verminderung der Kriegsmöglichkei 
ten hinzielen, aber er zieht nicht auf die Straße 
unter dem Schlagwort „Nie wieder Krieg", 
weil er weiß, daß über Krieg und Frieden 
höhere Gewalten entscheiden als Staatsmän 
ner, Parlamente, Verträge und Bündnisse, 
nämlich die ewigen Gesetze des Werdens und 
Vergehens der Völker. Wer aber für solche 
Schicksalskämpfe sein eigenes Volk bewußt 
wehrlos machen will, wer cs lieber im Bund 
mit den feindlichen Nachbarn schwächt, als den 
Volksgenossen bei der Vorbereitung berechtig 
ter Abwehr unterstützt, der Pazifist gehört noch 
immer an die Laterne — und wenn es auch 
nur eine moralische ist. 
Von der selbstverständlichen Friedensliebe 
des erfahrenen und verantwortungsbewußten 
Mannes bis zur knechtischen Unterwürfigkeit 
unter den Friedenswillen um jeden Preis 
reicht der Begriff Pazifismus und ist somit ein 
des klaren Sinnes entbehrendes Schlagwort 
* 
Militarismus. Das Wort ist Apolitischen 
Tagesboxkampf kaum noch ein Schlagwort, 
sondern fast schon ein Schimpfwort,' es ran 
giert auf der Höhe von „fluchwürdigem alten 
Regime", „Feldwebelton", „Kasernengeist" und 
wie die Bezeichnungen lauten, die eine neue 
Zeit einer gestorbenen gern und taktvoll ins 
Grab nachruft. Es ist schwer zu sagen, was 
eigentlich Militarismus ist,' er ist eben nichts 
als ein Schlagwort. Ich kann sagen, daß der 
Militarismus Preußen und dann Deutschland 
groß und stark gemacht hat,' ich kann zugeben, 
daß er manchem unsympathisch und unbequem 
erschien, und muß doch behaupten, daß er uns 
befähigte, vier Jahre lang der feindlichen Welt 
zu widerstehen, um dann durch seine Erziehung 
noch den anbrandenden Bolschewismus abzu 
schütteln, daß auch heute noch Preußen-Deutsch 
land vom alten Militarismus lebt. Darum 
verstehe ich unter Militarismus — wobei ich 
bemerken muß, daß dieses öde Schlagwort nicht 
aus meinem Sprachschatz stammt — eben etwas 
ganz anderes als mein benachbarter Zeitge 
nosse, der unter Militarismus die Herrschaft 
einer Militärkaste, die es bei uns nie gab, eine 
kriegshetzende, revanchelustige, friedeustörende 
Militärkamerilla, die nur als Schlagwort in 
Zeitungsartikeln ein Scheinleben führt, ver 
steht. Zwischen diesen Auffassungen liegen ver 
schiedene andere, denen ihre subjektive Berech 
tigung abzustreiten, mir fern liegt,' aber ich 
glaube, der Militarismus ist doch als Schlag 
wort entlarvt. Freilich nur, soweit er den deut 
schen Militarismus betrifft. Frankreich erzieht 
stolz sein Volk zur nation armêe. Ist das kein 
Militarismus'? Und Amerika, das im Selbst 
bewußtsein die Fahne des Friedens entfaltet, 
läßt ans seinen Universitäten — sage und 
schreibe Generalstabsoffiziere über Krieg und 
Kriegskunst lesen, sammelt seine gebildete Ju 
gend in officer training corps, übt mit seiner 
Industrie die Mobilmachung ein. Ich möchte 
das Patriotismus nennen, doch bei uns hieße 
es Militarismus. 
Am 29. 8. 1919 erklärte das Deutsche Rerch 
bei der Friedenskonferenz in Versailles, daß 
es, als Zeichen, daß das Reich allen „impe 
rialistischen und militaristischen Tendenzen 
dauernd entsage", der Forderung auf Zerstö 
rung seiner Wehrmacht zustimme. 
Schlagworte sind tödlich. Ein Zaubermittel 
gibt es gegen sie — klares Denken. 
Offiziers-Erziehung 
Die Offizierkorps werden sich verschieden 
entwickeln je nach den sie leitenden Persönlich 
keiten und dem sich in ihnen entwickelnden 
Sondergeist. Dieser darf an sich nicht bekämpft 
werden,' nur gegen seine etwaigen Auswüchse 
und nur wenn er gegen die allgemeinen 
Grundsätze zu verstoßen beginnt oder aus dem 
gegebenen Rahmen des Ganzen heraustritt, ist 
einzuschreiten. Dieses zu verhindern, ist Auf 
gabe der höheren Vorgesetzten. Liegen solche 
Verstöße nicht vor, so wird allein die Freiheit 
der Entwicklung zu der notwendigen Einheit 
lichkeit des Geistes innerhalb der Offizierkorps 
führen und seinen Eigenwert zu nutzbringen 
der Tradition erheben. Diese Erziehung in der 
und durch die Gemeinschaft unter Leitung 
ihres Führers verbürgt am besten die Einfü 
gung des einzelnen in die Gesamtheit. Das 
gilt nicht etwa nur für die neu Hinzutreten 
den, sondern für alle Mitglieder. Die Erzie 
hung des Offiziers hört während seiner gesam 
ten Dienstzeit niemals auf,' weder die durch die 
Vorgesetzten und die älteren und erfahrenen 
Kameraden noch die Selbsterziehung. Zu dieser 
anzuleiten und sie mit allen Mitteln zu unter 
stützen, ist ebenso wichtig, wie durch Beispiel 
zu wirken. 
Dieses Unter-, Mit- und Aneinanderarbeiten 
ist der Hauptpfeiler der Kameradschaft, welche 
die Grundlage des Offizierkorps und durch 
dieses auch des Heeres ist. Auf diesem Wege 
ergibt sich die Einordnung des einzelnen in die 
Gesamtheit, die Unterordnung unter den herr 
schenden Korpsgeist, das richtige Standesbe- 
wutztsein — kurz, die Disziplin ganz von selbst. 
Dem einzelnen mag diese Einfügung schwer 
fallen, schwerer als dem anderen. Diese gefor 
derte Selbstüberwindung ist mit keinem Scha, 
den verbunden. Nur darf sie nicht so weit ge 
trieben werden, daß sie das Selbstgefühl bricht. 
Dieses soll im Gegenteil durch die oft harte 
Schule der Gemeinschaft gestärkt werden, der 
einzelne soll lernen, sich kräftiger und freier 
zu fühlen als williges Mitglied im gleichge 
sinnten Kreis. Wird dieses Ziel nicht erreicht, 
dann töten wir die geborenen Führernaturen 
vor der Reise ab. 
Der Weg zum Befehlen führt über das Ge 
horchen ; darüber kann kein Zweifel bestehen. 
Vergessen wir aber nicht, daß der Offizier ein 
Herr sein muß. Dieses Herrengefühl muß ge 
weckt, entwickelt und gestärkt werden — ein 
gepflanzt durch Beispiel und Erziehung, wo es 
nicht mitgebracht ist. Nur dem wirklichen Füh 
rer folgt eine Menge willig, nur dem Offizier, 
der ein Herr ist, folgt der Soldat. Alle Wege 
der Erziehung müssen diesem Ziel zuführen. 
Alles: Bildung, Erziehung, Disziplin, Offizier 
korps, Selbsterziehung, Kameradschaft, Gehor 
sam, Führertugend, alles ist nicht um seiner 
selbst willen da, alles soll zu dem einen letzten 
Ziel des Heeres führen: Zum Sieg. 
Ersatzreserve 
Von Major (E) Matthaei, Kommandeur des Ergänzungs-Bataillons Nr. 18, 
Blankenburg (Harz) 
Der Ersatzreservist ist heute etwas anderes, 
äls jener der Vorkriegszeit. Damals zählte 
man dazu jene, im Vergleich zur Jetztzeit 
vielleicht nicht durchweg gesündesten und kräf 
tigsten überzähligen Männer Deutschlands, 
die keine Verwendung im aktiven Dienst und 
öarum auch eine Erfüllung ihrer Wehrpflicht 
dicht mehr finden konnten. Die knappen Mittel 
des Reiches, ja auch politische und partei 
politische Gründe ließen die volle Aus 
schöpfung der Wehrkraft des deutschen Volkes 
ņicht zu. , . 
Und bitter erinnert man sich hier der beson 
ders von General Ludendorff nie vergessenen 
und nie verwundenen Tatsache, daß das Fetz 
ten jener zwei Armeekorps im Westen, für die 
gerade er jahrelang im Frieden erbittert ge 
kämpft hatte, schließlich den unseligen Aus- 
gang der Marneschlacht mit verschuldete. Denn 
Menn man die zahlreich vorhandenen Ersatz- 
reservisten im Frieden hätte ausbilden kün 
den, dann waren wohl die Truppen vorhan 
den, mit denen man im Westen den Sieg 
erringen konnte. Doch es ist heute nicht mehr 
3eit, diese Entscheidung des Schicksals zu er 
örtern. 
In ihrer Wirkung aber liegt die militärische 
Notwendigkeit der Ersatzreservisten inbegrif- 
sen, jener Soldaten, die dringend gebraucht 
merden, wenn die Zeit es einmal verlangen 
sollte. So also hängen jedenfalls Name und 
Begriff der Ersatzreserve, wenn auch nur im 
negativen Sinne, mit einer geschichtlich ent 
scheidenden Stunde Deutschlands zusammen. 
Heute ist der Ersatzreservist wieder auf 
erstanden. In vielen Tausenden deutscher 
Männer lebt er, wird Soldat und trägt voll 
Stolz das feldgraue Ehrenkleid. Er ist da, und 
anders wohl als in der Vorkriegszeit. Es sind 
zunächst jene Jahrgänge, die zwischen 1900 
und 1910 geboren, also heute 25—35 Jahre alt 
sind, die aber, für den Weltkrieg zu jung, für 
den aktiven Dienst im Heere zu alt, nun mit 
Bitternis jenes schwere Unrecht empfanden, 
welches sie erlitten haben,' um das vornehmste 
Recht des deutschen Mannes, das Wehrrecht, 
bisher betrogen zu sein. 
Alle acht Wochen öffnen sich die Kasernen 
der E.-Einheiten für den neuen Nachschub: 
„Lehrgang" nennt man es. Da strömen sie in 
den zwölf Stunden des Tages zusammen, in 
SA.-Uniform und in bürgerlicher Kleidung, 
mit Lederkoffern und Schachteln, mit Bündeln 
und kleinen Taschen, aus allen Ständen des 
Volkes: Studienräte und Knechte, Landarbei 
ter und Attachees aus dem diplomatischen 
Dienst, Ministerialräte und Angestellte, Erb 
hofbauern und Studenten, Kumpels und 
Schriftleiter, Handwerker und Künstler, 
Sturmführer und Reichs- und Amtsleiter, Fa 
brikarbeiter und Beamte, — und schnell und 
pünktlich und sauber fügen sie sich in die 
straffe Ordnung der Kompanie, der Korporal 
schaft, der Stube ein. 
Untersuchung und Einkleidung gehen im 
Fluge vorüber, und ehe der E.-Mann, der 
nun immer wieder jüngste feldgraue Soldat 
Adolf Hitlers, sieht, woran er eigentlich ist, 
hat er schon die Waffe in der Hand, und der 
Dienst beginnt: zwei Wochen — vier Wochen 
— zwei Wochen — so ist die Zeit eingeteilt, 
und wenn der E.-Mann vielleicht mit Bedau 
ern und Staunen feststellen muß, daß die 
äußerlich am leichtesten sichtbaren Kennzeichen 
straffen Soldatentums, nämlich der Exerzier 
marsch und die Griffe nicht geübt werden 
dürfen, so sieht er doch wohl bald die Bedeu 
tung dieses sinnvollen Befehles ein. Es geht 
ja nicht um deu Paradesoldaten, sondern um 
den Feldsoldaten, der das Vaterland in der 
Stunde der Not mit der Waffe verteidigen 
können muß, und so stehen Gefechtsöienst und 
Gefechtsdrill im Vordergrund der Ausbildung 
überhaupt. 
Also doch Drill: jwohl und mit Recht,' denn 
gerade in der kurzen und knapp zusammen 
gedrängten Ausbildung muß das drillmäßige 
Einüben der Handhabung der Waffen und 
Geräte sowie gewisser, immer wiederkehrender 
Formen und Gefechtshandlungen Grundsatz 
sein. Das Ziel, bedingungslosen Gehorsam 
und selbsttätige Pflichterfüllung des Soldaten 
auch im Augenblicke der Gefahr sicherzustellen, 
ist durch den Gefechtsdrill 'allein zu erreichen. 
Und heimlich freut sich der E.-Mann, wenn er 
allmählich daun auch das Umhängen des Ge 
wehres in einen straffen Griff umbildet und 
wenn er anstatt des verbotenen Exerziermar 
sches mit besonders offenen Augen und be 
sonders straffer Haltung an seinen Vorgesetz 
ten vorbeimarschieren kann. 
Im Gelände draußen aber, im Heidekraut 
und auf dem Sturzacker, auf dem sandigen 
Uebungsplatz sieht der E.-Mann bei der täg 
lichen Geländeübung sehr bald, wie bedeutsam 
für ihn diese Dienstverrichtungen des Gefechts 
drills sind. Er lernt sie schnell, er faßt gut auf, 
er bemüht sich mit starker und voller Hingabe 
und er weiß dann auch, weshalb das alles ge 
schieht: Um gut zielen und schießen und tref 
fen zu können, um eigene Verluste im Ernst 
fall möglichst zu vermeiden, um stumm und 
pflichttreu den harten Dienst zu tun, um den 
Sieg über sich selbst und über den Feind zu 
gewinnen. Ist das viel, ist das wenig? Nein, 
es ist alles, denn dahinter stehen Leben und 
Gedeihen und Größe von Volk und Staat. 
Noch einmal, am Ende des Lehrgangs, be 
weist der E.-Mann, was er gelernt hat, bei 
der Besichtigung! Die höheren Dienstvorge 
setzten erscheinen, sie prüfen genau und sorg 
fältig, und wie im letzten strahlenden Ab 
glanz der acht harten Wochen steht der E.- 
Mann da und zeigt seine ausgereifte Leistung 
und beweist dem General mit den roten 
Streifen am Beinkleid, daß er sich dessen be 
wußt ist, was es heißt, ein feldverwendungs- 
fähiger Soldat zu sein: ein Soldat, der gei 
stig erfaßt hat, worum es geht, und der das 
handwerkliche Können dieses stolzen Berufes 
in den Grundlagen beherrscht, ein Soldat, der 
auch im Feuersturm der feindlichen Waffen 
still und hart ausharren und seine Pflicht tun 
wird bis zum Tode.
	        
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