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Vor AWKNZig Jahren
(März und April 1916)
Als am 2. März die S2er das Dorf Douau-
mont erstürmten, war dies für mehrere Wo
chen der letzte größere Erfolg der Deutschen
auf dem Ostufer der Maas. Der deutsche An
griff geriet ins Stocken. Immer neue fran
zösische Truppen warf General Joffre in die
Schlacht, das französische Artilleriefeucr schwoll
zu bedeutender Stärke an. Besonders die
flankierende Wirkung der französischen Artil
lerie vom Westufer der Maas wurde uner
träglich. General v. Falkenhayn mußte sich
jetzt entschließen, den Angriff auch auf das
Westufer der Maas auszudehnen. Die Linie
•V'Otje 304—Toter Mann sollte genommen wer
den. Am 6. Mürz begann der Angriff. Das
Torf Forges und die Höhe 205 wurden genom
men. Der 7. März brachte den Rabenwald in
deutschen Besitz. Ter Franzose wehrte sich
hartnäckig, und die deutschen Verluste wuch
sen zusehends. Die Norökuppe des „Toten
Manns" wurde am 14. Mürz erstürmt. Schwe
rer als das Stürmen war das Halten des Ge
wonnenen. Am 20. März gelang die Weg
nahme des Waldes von Avocourt. Der deutsche
Angriff gewann langsam au Boden. Sachsen
nahmen am 5. April Haucourt. Der Termiten-
hügel fiel am 7. April und Bethincourt end
lich am 9. April in deutsche Hände. Auch hier
wurde die französische Abwehr von Tag zu
Tag stärker.
Auf dem Ostufer der Maas sahen die Monate
März und April ein mühsames, opfervolles,
schrittweises Sichvorarbeiten der Deutschen.
Vergebens berannte das V. Reservekorps im
mer wieder die Feste Vaux. Der Westteil des
Dorfes Vaux und der Steinbruch blieben in
deutschen Händen. Das außerordentlich schlechte
Wetter während des Aprils hemmte größere
Unternehmungen.
Ter deutsche Angriff auf Verdun hatte die
französische Heeresleitung veranlaßt, die russi
sche Heeresleitung um Entlastungsangriffe zu
bitten. Die russische Heeresleitung erklärte sich
sofort dazu bereit. Sie hatte den Winter be
nutzt, um das russische Heer nach den schweren
Niederlagen des vergangenen Sommers zu
reorganisieren. Die 10. deutsche Armee erkannte
bald russische Angriffsabsichten am Naroczsee
und Miadziolsee. Sie traf Abwehrvorberei
tungen. Am 18. März griffen 21 Divisionen der
1. und 2. russischen Armee die acht deutschen
Landwehr- und Reservedivisionen zwischen
Narocz- und Dryswyatsee an. Die Angriffe
scheiterten schon im Niemandsland unter
schwersten Verlusten der Russen. Am 21. März
erneuerten die Russen ihre Angriffe mit glei
chem Erfolg. Auch russische Vorstöße am 19.
März bei Midsy und am 22. Mürz bei Jakob
stadt scheiterten. Am 6. und 7. April erneuerte
der Russe seine Angriffe südlich des Naroczsees.
Ein kleiner Bodengewinn, den er hier verzeich
nen konnte, wurde ihm am 28. April durch einen
deutschen Gegenangriff wieder entrissen. Da
bei ließ er 5700 Gefangene, 5 Geschütze und 29
MGs in deutschen Händen. Die russische Mürz-
offensive war im deutschen Abwehrfeuer und
im Schlamm der Schueeschmelze erstickt. Ter
Russe opferte 110 000 Mann für den Bundes
genossen,- die deutschen Verluste betrugen
20 000 Mann. Sch.
Soldat rmd BaLerlarrd
Von Major Dr. Kurt Hesse
300 Jahre deutschen Soldatentums in
Wort und Bild bis zur Wehrmacht des Drit
ten Reiches. Mit einem Geleitwort vom Chef
der Heeresleitung, General der Artillerie
Frhr. v. Fritsch. 400 Bilder und 16 Karten.
Preis tu Ganzleinen 18.— MM. Verlagsanstalt
Hermann Klemm, Berlin-Grunewald.
In den am 25. Mai 1934 verkündeten „Pflichten
des deutschen Soldaten" wurde der Wehrmacht als
Aufgabe zugewiesen, das deutsche Reich und Vater
land, das im Nationalsozialismus geeinte Volk
und seinen Lebensraum zu schützen. Als die Wur
zel ihrer Kraft wurden eine ruhmreiche Vergan
genheit, deutsches Volkstum, deutsche Erde und
deutsche Arbeit bezeichnet. Diese Aufgabe deutlich
zu machen und die Beziehungen zwischen „Soldat
und Vaterland", für jeden Deutschen verständlich,
aufzudecken, ist daS Ziel, das sich Major Dr. Kurt
Hesse mit der Herausgabe deS obengenannten
Buches gesteckt hat. Es will die Quellen der solda
tischen Tradition, die in den letzten Jahrzehnten
in unserem Volke spärlicher geflossen sind oder
z. T. ganz verschüttet waren, vor allem der Jugend
erschließen, damit die aus ihnen entspringenden
seelischen Kräfte wieder wirksam gemacht iverden
können für den Wehrwillen und die Wehrhaftigkeit
unseres Volkes ist. Da in dem Bildungsgang der
daß die Wehrhaftmachuug unseres Volkes mehr
als manches andere eine geistige Angelegenheit
unseres Volkes ist. Da in dem Bildungsgang der
Nachkriegsjahre die geschichtlichen Taten und Lei
stungen des Heeres und seiner Führer in Krieg
und Frieden ganz vernachlässigt wurden, ivas z.
B. bei den Einstellungsprüfungen für die Reichs
wehr auffällig in Erscheinung trat, so ivill dieses
Buch dazu beitragen, die innere Verbundenheit
mit der Vergangenheit auf allen Gebieten des
Soldatentums wieder herzustellen. Dieses Wissen
um die Vergangenheit wird ohne Zweifel einen
Wegweiser und einen Maßstab für das eigene
Werterleben der Truppe ergeben, und aus dem
Stolz auf die großen geschichtlichen Leistungen un
seres Volkes wird der Wunsch erwachsen, es den
Vatern gleichzutun. Wie der Verfasser das von ihm
gesteckte Ziel zu erreichen sucht, zeigt am besten ein
Uebcrblick über den Inhalt. Die Kriegs- und
HeercSgeschichte Deutschlands wird in folgenden
Abschnitten dargestellt:
Das preußische Soldatentum 1633—1806. Ge
schichtliche Gestaltung. Der Aufbau, Die Bewäh
rung. — Das preußische Soldatentum 1806—1864.
Der Zusammenbruch und die Reorganisation. Be
freiung und Auswirkung. — Das deutsche Solda
tentum der alten Armee 1864—1870-71. Die Eini
gungskriege als Ausgangspunkt. — Das deutsche
Soldatentum der alten Armee 1872—1814. Der
Ausbau des deutschen Heeres. Weltstellung und
kontinentale Rüstungen. Die alte Armee. — Der
Weltkrieg 1914—1918. Die Kriegführung der ersten
O.H.L. v. Moltke. Die Kriegführung der zweiten
O.H.L. Falkenhayn. — Der Weltkrieg 1914—1918.
Die Kriegsführung der dritten O.H.L. Hindenbnrg-
Ludeudorsf. — Das Ende des Weltkrieges. Die
Kriegführung der dritten O.H.L. 1917-18. — Vom
Diktat zur Freiheit. — Die Bilder des Werkel
sind wie folgt geordnet: Geschichte, Mensch unb
Landschaft. Brandenburgisch-preußisches Soldaten
tum. Zusammenbruch und Neuaufbau. — Von
Düppel zum Kaiserreich. Weltstellung und konti
nentale Rüstung. Im Zeichen des Weltkrieges.
Soldatische Bewährung des ganzen Volkes. Das
Ende des Weltkrieges. Bon Versailles zur neuen
Wehrmacht
Lehrer ein wichtiges Hilfsmittel sein. Bei einer
Neuauflage wäre es erwünscht, daß, wenn irgend
angängig, der Preis gesenkt würde, damit dieses
wertvolle Buch weiteste Verbreitung fände, um das
zu erreichen, was General von Fritsch im Vorwort
zuni Ausdruck bringt: „Von jedem Deutschen mutz
man eines erwarten: Daß er sein Vaterland über
alles liebt und jederzeit bereit ist, dafür Blut und
Gut freudig hinzugeben."
St.
HelöeZr d§r BerdurrschTscht
Bild und Text wirken also zusammen, um dem
Leser des Buches eindringlich klar zu machen, wie
das deutsche Heer wie ein mächtiger Baum auf
dem kraftspendenden Boden einer stolzen Tradi
tion herangewachsen ist. Das Buch ist also vor
trefflich geeignet für den Dienstunterricht in der
Truppe, für die Schulung in den Einheiten un
serer Jugendorganisationen und nicht zuletzt auch
für die Ausgaben deS Soldateubundes, um das
soldatische Wertbewutztsein wachzuhalten. Da auch
die Schule ivehrkundliche und wehrpolitische Fra
gen behandeln muß, wenn aus der neuen Volks
gemeinschaft auch die neue deutsche Wehrgemein
schaft erwachsen soll, so wird dieses Werk auch dem
Batterie in FeusrsteAung
Folo; idle ctq? Cc
Ein Mann macht die Bahn srei
Am 22. März lag öas 1./22 dicht vor der
französischen Linie im Wald von Avocourt im
Feuer einiger Maschinengewehre. Das Feiler
war sehr stark, so daß die Kompagnie zunächst
nicht weiter vorkam. Die Verluste mehrten
sich. Da kniete sich der Infanterist W a l b u n,
der den Maschinengewehren am nächsten war,
auf und warf kräftig Handgranaten auf die
Besatzung, besonders als er sah, daß bei einem
Gewehr gerade ein neuer Ladestreifen einge
setzt wurde. Durch seine Unterschrockenheit und
sein zielsicheres Werfen gelang es ihm, die
Besatzung des einen Gewehres größtenteils
kampfunfähig zu machen. Diesen günstigen
Augenblick ausnutzend sprang er kurz ent
schlossen in den Graben, warf noch eine Hand
granate gegen das Maschinengewehr und die
zu Hilfe eilenden Franzosen, stürzte sich
dann auf d i e Maschinengelvehr-
b e s a tz u n g und machte einige nie
der. Diesen Moment des Nichtfenerns der
beiden Maschinengewehre nutzten andere
Leute der Kompagnie ails, sprangen ebenfalls
in den Graben und kamen ihrem von der
Uebermacht schwer bedrängten Kameraden zu
Hilfe. Sie schossen einige Franzosen nieder,
die anderen ergaben sich. Der Graben war
unser.
Die Grde bebt
„Wir hatten etwa 200 Meter zurückgelegt,
als der Franzose plötzlich von allen Seiten
mörderisches Feuer auf den Waldrand eröff
nete. Platzende Granaten und Schrapnells ails
uns irnd hinter uns, Maschinengewehrfener
und Jnfanteriesalven aus beiden Flanken
und von Beaumont her — d i e E r d e er
be b t e f o r t w ü h r end — dichte Staubwol
ken und Pulverdampf lagerten über dem An
griffsfeld. Darum los denn, auf Leben und
Tod nach vorn! Borwärtskriechen und Sprin
gen von Trichter zu Trichter. Immer weiter
vorwärtseilend erreichten ivir eine Mulde, in
der wir gegen Jnsanteriefencr geschützt waren.
Mit der Front gegen den Caureswald in
einem Granatloch sitzend, dem grausigen Spiel
des Sperrfeuers zusehend, gewahrte ich unse
ren Kommandeur, M a j o r von W e st c r n -
Hagen, in seinem grauen Mantel mit hoch
geschlagenem rotem Kragen, in der Rechten
einen Stock haltend, in aller Ruhe über die
Ebene auf uns zukommen. Er, ein Soldat und
Draufgänger, schien ohne jede Begleitung im
mer noch die vordere Sturmlinie dem untäti
gen Liegen im Granatseuer bei den Reserven
vorzuziehen." (Lt. R. v. Wenzj.
Ich empfehle:
Rolf Batbe: Bis zum letzte'» Hauch RM 6.-
Maior Dr Kurt Hesse So'dzt und Vaterland
I. Magnus Wehner: Stadt und «aektunz Belgrad
Greta Lenjch, Bücherstube, Rendsbc,., Königstr. 24
Bücher für alte und junge Soldaten
Josef Magnus Wehn er: Stadt und Festung |
Belgerad. Roman. Hamburg, Hanseatische Ver
lagsanstalt. Leinen 4,80 MM.
Der Dichter, dem wir bereits den bekannten Kriegs-
roman „Sieben vor Verdun" verdanken, hat in
seinem neuen Werke „Stadt und Festung Belgerad"
das Erlebnis des serbischen Feldzuges von 1915
gestaltet und damit eine bestehende Lücke in unserer
Kriegsliteratur geschlossen. I. M. Wehner, der selber
an den Kämpfen in Serbien teilnahm, gibt in den
drei Büchern seines Romans ein Bild des größten
kriegerischen Flußüberganges der Geschichte und
des unvergleichlichen Siegeslaufes der Heeres
gruppe Mackensen durch Serbien. Im ersten Buche,
„Der Strom" genannt, erzählt er meisterhaft, ivie
Deutsche und Oesterrcicher trotz tapferer serbischer
Gegenivehr den ttebcrgang über die Donau und die
Save erzwangen, in unerbittlichen Angriffen den
sich zäh verteidigenden Serben das hügelige llfer-
gclünde entrissen und Belgrad, das Herzstück „der
langen, langen Wasserfront von Kupinovo bis zu
den Bergen von BaziaS", stürmten. In dem „Das
Gebirge" überschriebenen zweiten Buche erfahren
wir auf dem Hintergründe der Schilderung von
Land und Leuten Altserbiens vom Vormarsch der
deutschen- österreichischen und bulgarischen Ver
bände, von all den Leiden und Nöten der Truppen
und des vom Einmarsch schwer betroffenen Landes,
sowie vom Opfermut des Höhe um Höhe verteidi
genden, aber schließlich doch weichenden Gegners.
Dem dritten Buche des Romans, das vom Zusam
menbruch des serbischen Heeres und der Flucht
seiner Trümmer über die kahlen Berge Albaniens
an die adriatische Küste berichtet, gab der Verfas
ser den Titel „Das Ende". Das Vordringen und die
Kämpfe im Kapaonik-Berglanöe, im Flußgebiet des
Jbars, dort, wo sich der Orient anftut und der
Einmarsch in das Sandschak stlovibazar und der
Zustoß auf die alte serbische Kampfstätte des Amsel
feldes erfolgte, sind in satten Farben geschildert.
Nicht nur von den Leistungen der deutschen, öster
reichischen und bulgarischen Krieger kündet der
Dichter, sondern auch den serbischen Soldaten, de
nen auö der Verwurzelung mit der heimatlichen
Erde die Kraft zu ihrem heldenhaften Widerstand
erwuchs, versagt er seine Anerkennung nicht. Somit
liegt in „Stadt und Festung Belgerad" eine vom
eigenen Erlebnis getragene und von innerer Wahr
haftigkeit erfüllte dichterische Darstellung deS Feld
zuges in Serbien vor, die das gewaltige Kriegs
geschehen jener Tage aufs neue lebendig werden
läßt. Das sei dem Dichter bezeugt von einem, der
auch mit dabei war. C. W.
Rolf Bathe: Bis zum letzten Hauch . . . Solda
tische Studien 1914—1918. Bd. l. Alfred Protte
Verlag, Potsdam. Mit einem Geleitwort von
Major a. D. George Soldan. Brosch. 4,20 MM,
gebd. 6 MM. Anlage 15 Skizzen.
Immer liefern die gewaltigen geschichtlichen Bewe
gungen, welche tief eingreifende Veränderungen im
Völkerleben hervorrufen, Stoff für eine reiche
Heldendichtung. So war es bei den Griechen und bei
den Indern, so war cs zur Zeit der Völkerwande
rung, der wir unsere Heldensage verdanken, und
ebenso ist es beim Weltkriege. Großes Leid und
große Gefahren prägen sich tief ein, und das ge
waltige Erleben solcher Zeiten überschreitet jedes
gewöhnliche menschliche Matz. Das sei vorausge
schickt, um eine richtige Würdigung des Buches von
Rolf Bathe geben zu können. Denn Heldenlieder
von ungeheurer Wucht und dramatischer Spannung
sind diese Berichte von den Leistungen der deutschen
Truppe im Weltkriege, Leistungen, die der Ver
fasser uns an geschickt ausgewählten Beispielen
sKlttck vor Paris, die Todesbataillone von Borowo,
die Winterschlacht in Masuren, Lorctto 1915, der
Freiheitskampf Tirols, Brennende Champagne, Un
tergang und Auferstehung der serbischen Armee)
vor Augen führt und die uns das Schicksalhafte
des Krieges besonders offenbaren. Aber das Eigen
artige und Neue dieser Kriegsdarstellung liegt da
rin, baß hier die Ursprünglichkeit des Erlebens mit
einer vorbildlichen geschichtlichen Treue der Schilde-
rililg vereinigt ist. Daher hat der Verleger recht,
ivenn er sagt: „Es ist das Buch, das bei dem er
fahrenen Truppensührer auf tiefstes Verständnis
stoßen wird, das dem jungen Soldaten der Wehr
macht aufzeigen soll, welch teures Erbe ihm anver
traut ist. In jedem Feldsoldaten iverden die Studien
stolzeste Erinnerung wachrufen." Möge diese Worte
den Anreiz geben, daß dieses vorzügliche Buch von
vielen alten und iuilgen Soldaten gelesen ivtrd,
wobei die handlichen Skizzen das Verständnis und
die Freude vermehren werden. St.
Hans Haußherr: Erfüllung »nd Befreiung.
Der Kampf um die Durchführung des Tilsiter
Friedens. 1807 bis 1898. Hanseatische Verlags
anstalt Hamburg. Brosch. 10,80, Leinen 11,80 MM.
In Zeiten schweren politischen Ringens leben die
Menschen schneller, sind die Gemüter aufnahme
fähiger auch sttr die Größe vergangener Kümpfe,
zumal, wenn diese Kümpfe das gleiche Ziel haben,
das auch unserer Zeit gesetzt ist. Wie ein Spiegel
bild des Geschehens unserer Tage erscheint daher
in dem Buche Haußherrs der Kampf des Freiherrn
vvn Stein um die Milderung der unmöglichen
Friedensbedingungen des Vertrages von Tilsit und
sein heißes Ringen um die Freiheit Deutschlands.
Steins Denken war ganz auf die Frage gerichtet:
für oder gegen Napoleon, französische Vorherrschaft
oder Freiheit aller europäischen Nationen. Auch
für ihn galt es, im zähen Kampfe mit dem unduld
samen Pariser Geist, die Voraussetzungen für die
Wiedercrstarkung des preußischen Staates zu schaf
fen, dem ein unvernünftiges Friedensdiktat Ge
bietsabtretungen. nicht cinlüsbare Kontributivnen,
fremde Besatzungen und eine drückende Beschrän
kung seiner Wehrhohcit auferlegt hatte. Der Ver
fasser hat die in Frage kommenden Quellen sorg
fältig studiert und zeichnet die Vorgänge nach Ab
schluß des Tilsiter Vertrages mit solcher Anschau
lichkeit und Lebendigkeit, daß jeder geschichtlich und
politisch Interessierte mit Gewinn eine Zeit nach
erleben kann, die zu den größten unserer Geschichte
gehört. Er gewinnt einen Einblick in den brutalen
Herrschaftswillen der Franzosen und in ihre be
denkenlose Vertragstechnik. ES werden ihm daher
die Vorgänge unserer Tage viel deutlicher werden.
Auf der anderen Seite wird er neben manchen
persönlichen Interessen und Eitelkeiten kleinerer
Geister Männer kennen lernen, die mit unbeugsa
mer Verantwortungsfreudigkeit die schwersten Ent
schlüsse zum Wohle des Ganzen fassen. Der Weri
dieses Buches ist aber nicht bedingt durch die Auf-
zetgung vieler historischer Parallelen und Analo
gien, denn diese sind für den handelnden Menschen
eher eine Gefahr als eine Stütze, iveil sich historische
Entwicklungen nicht wiederholen. Was heute in un
serer Lage an welthistorischen Entschlüssen gefaßt
werden muß, kann nur von persönlichster Berant-
ivortlichkeit und schöpferischem Willen getragen sein,
und die Tat bleibt immer etwas Einmaliges. Jede
Nachahmung trügt den Keim des Mißlingens in
sich. Nein, ivas das Buch von Haußherr wertvoll
macht, ist das, daß.uns hier klar wird, daß es noch
niemals m der Geschichte einem Bolke verstattet
worden ist, sich durch diplomatische Kniffe aus der
politischen Ohnmacht ivieder zur Macht emporzu
heben. Dazu gehört der Wille zur Einheit, zur
Geltung in der Welt und, wenn es not tut, auch der
Einsatz von Leib und Leben. Wo aber im Andenken
an die Großtaten der Vergangenheit der Glaube
an die Zukunft und der Wille zur Freiheit wieder
lebendig ivird, da kann der Führer des Volkes den
Grundstein für eine Zukunft legen. Gerade für
dieses Ziel echter Geschichtsschreibung liefert das
Buch von Haußherr einen wertvollen Beitrag, und
es ist daher ein für unsere Zeit notwendiges Buch-
DĢĢķŞUA
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