Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Verheißungsvolle Vorzeichen 
Im Dezember 1935 wurden 22,7 Millionen 
Schweine gezahlt, 471000 oder 2 vH. weniger als im 
Vorjahr. Der Juni-Bestand 1935 lag um 19,4 vH. 
unter dem am entsprechenden Stichtag des Vor 
jahres, der Septemberbestand war um 9,4 vH. klei- 
uer. Die Entwicklungslinie zeichnete sich deutlich 
ab: Der Schweinebestanü war aus dem Schrump 
fungsprozeß heraus, mit Recht konnte man von 
einem Wiederaufbau der Bestände reden; die Wand 
lungen in dem Altersaufbau des Gesamtbestandes 
ließen dazu einen günstigen weiteren Verlauf er 
hoffen. 
I. Die Entwicklung 
des Schweinebestandes in 1938 
(in Mill, und in °/ 0 1935 gegen 1934) 
Altersklassen 
3 
t. Mill. 
uni 
-4- gegen 
— um 
Se 
i. Mill 
ptbr. 
+ gegen 
— 1934 
Dl 
i.Mill. 
'Zbr. 
4- gegen 
— 1934 
Merkel 
(bis 8 Wochen).. 
Jungschweine... 
4.56 
9.52 
— 13.6 
— 8.7 
5.83 
9.65 
— 8.1 
— 8.9 
4.75 
9.54 
+ 5.2 
— 5.1 
über i/2 Jahr ... 
insgesamt 
14.07 
20.03 
-10.5 
— 10.5 
15.48 
22.61 
— 8.8 
— 9.7 
14.29 
22.77 
— 2.1 
- 1.9 
über 1/2 Jahr ... 
davon: 
Trächtige Sauen 
davon: 
Jungsauen 
5.96 
1.22 
0.35 
— 9.1 
— 5.1 
+ 4.9 
7.13 
1.06 
0.29 
—12.3 
+ 6.2 
+25.6 
8.48 
1.19 
0.31 
— 1.3 
+ 11.9 
+28.3 
Die über A Jahr alten Schlachtschweine und die 
° # Äungschweine (2—6 Monate alt) verbesserten von 
Vierteljahr zu Vierteljahr ihr anteilsmäßiges Mi- 
1 Uns; die Ferkel überragten im Dezember bereits 
den Vorjahresbestand um 5,2 vH., die trächtigen 
Sauen sogar um 11,8 vH., unter ihnen die trächti- 
Sen Jungsauenbestände (bis i-L Jahr alt) um nicht 
weniger als 28,3 vH. 
Alle Anzeichen für eine durchaus ansprechende 
Dļärzziffer 1936 waren vorhanden; ja, die un- 
I Seheure Vermehrung der Nachzucht, soiveit es die 
Äungsauen angeht, ließ schon Warner entstehen, 
- die zur Schonung der Eber mahnten. 
\ Die Märzzählung, das neueste Ergebnis 
- In dieser Hinsicht konnte somit die Märzzählung 
I keine größeren Ueberraschungen bringen. Die Ver- 
- Mutungen von 1934, wir würden einem ganz ra- 
- piden Schweinemord entgegengehen, hatten ihre 
* Nahrung verloren, es gab keine Sensationen mehr 
- Zu erwarten. Diese Feststellung möge als Teilgrund 
t gewertet werden, weshalb in der nachfolgenden 
t Darstellung auf eine eingehende Würdigung der 
, Märzziffer als Gesamtheit verzichtet und auf die 
- Unterzeichnung der Entwicklungslinien in den ein- 
i Seinen Wirtschaftsbezirken bevorzugt Gewicht ge- 
- legt wird. Die in unserer Provinz in den letzten 
; Jahren stattgehabten Bestandsveränderungen wcr- 
t den letztere Untersuchung besonders gerechtigt er- 
z scheinen lassen. 
II. Schweinebestände im März 
(In Millionen Stück und in % zum Eesamtbestand) 
1 2 
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o/o 
% 
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a 
Z 
% 
1930 
1931 
1932 
1933 
1934 
1935 
1936 
18.65 
21.79 
20.63 
20.24 
22.01 
20.22 
21.14 
5.01 
5.75 
5.01 
5.15 
5 72 
4.91 
5.50 
268 
26.4 
24.2 
25.5 
26.0 
24.3 
26.1 
8.56 
10.23 
9.98 
9.38 
10.02 
9.57 
9.59 
46.7 
47.0 
48.5 
46.5 
45.5 
47.4 
45.3 
303 
3 46 
3.56 
3.69 
4 16 
3.84 
3.94 
16.2 
15.9 
17.3 
18.2 
18.9 
19.0 
18.7 
1.25 
1.35 
1.20 
1.15 
1.17 
1.06 
1.21 
6.7 
6.2 
5.8 
5.7 
5.3 
5.2 
5.7 
Der Gesamtbestanö bewegt sich im März 1935 
lplus 6,2 vH. gegen März 1934) zwischen dem Er 
gebnis der beiden Vorjahre. Die Ferkel <11,8 vH. 
Zahlreicher als im März 1935) nähern sich zuneh- 
Mend den Höchstziffern vom 1934. Bei den trächtigen 
Sauen (plus 15,2 vH. gegen März 1935) muß man 
schon bis auf das Jahr 1931 zurückgehen, um höhere 
Bestände festzustellen. Im Durchschnitt der 6 Jahre 
kO8O bis 1935 beliefen sich die Märzziffern für träch- 
llge Sauen auf 1,20 Millionen. Die erhebliche, im 
2nge der letzten i'A Jahre liegende Bcstandsvcr- 
wehrung der trächtigen Sauen liefert alle Kenn 
zeichen künftiger Ausweitung des Gesamtbestan- 
^es. Der Hinweis, daß unter den trächtigen 
Sauen relativ viele Jungsauen vorhanden sind, die 
Ifangs weniger zahlreich werfen, dürfte die Ge 
samtentwicklung nur wenig beeinflussen, zumal 
Ostens im Verlauf der letzten Zählspanne von 
Dezember 1935 bis März 1936 eine erhebliche An 
zahl von Altsauen <1 Jahr und älter) dem Eber 
wieder zugeführt wurden und zweitens sich die 
verbesserte Haltung und Pflege mehr und mehr in 
steigenden Durchschnittswurfziffern abheben muß. 
^ie Altersgruppen Ferkel und trächtige Sauen 
stad zusammengenommen im März 1936 mit 31,8 
stH. am Gesamtbestand teilhaftig gegen 29,5 vH. im 
Vorjahr und 31,3 vH. im 6-Jahresmittel 193O-35. 
Ņkan versteht, warum der Sachverständigenausschuß 
îs für notwendig erachtet, daß der einzelne 
Schweinehalter in Zukunft den Bestand seiner wirt 
schaftseigenen Futtermittelerzeugung angepaßt hält. 
Eine fortlaufende Verjüngung in Richtung absolut 
Und relativ zunehmender trächtiger Sauenbestände 
würde in erfahrungsgewürzter Folgewirkung bald 
varans in angebotswidriger Nachfrage nach be- 
ŗiebs- bzw. landfremden Futtermitteln sichtbar 
worden und womöglich auch in einem Markt 
angebot, das sogar im Widerspruch steht zu dem an 
. gesteigerten Schweinefleisch- und -specküeöarf 
(ganz abgesehen von etwaigen Kollisionen mit die 
sen oder jenen Handelsabkommen). 
Das za erwartende Angebot 
Selbstverständlich bieten die im März aufgezähl 
ten 3,94 über 14 Jahr alten Schlachtschweine trotz 
der Erholung gegen bas Vorjahr (plus 2,6 vH.) 
noch nicht die Gewähr für eine augenblicksent- 
sprechenöe Bedarfsbesriedigung. Denn hätte man 
in der zweiten Vorjahreshälfte auf die 6Oprozeutige 
Kontingentierung verzichtet, es stünde fest, daß an 
Schlachtschweinen nicht 8,8 vH. mehr vorhanden ge 
wesen wären als im März-Durchschntt 193O-35; die 
Erhöhung des Kontingents von 6O auf 8O vH. ist 
zwar ein Beweis, daß sich die Verhältnisse in den 
Großstädten gebessert haben, von einer normalen 
Bedarfsbesriedigung kann aber z. Z. noch nicht die 
Rede sein, was aber nicht ausschließt, daß wir wei 
teren Kontingentierungsauflockerungen entgegen 
gehen, besonders wenn wir nach Weidebeginn 
Uebersicht darüber haben, wieviel von den aufge 
stapelten Schweinen zur Ausfüllung des fehlenden 
Rindfleisches zugeschossen werden mußten. 
An Jungschweinen sind 0,2 vH. mehr vorhanden 
als im März vorigen Jahres. Aus ihnen wird 
weitgehend das Sommerangebot bestritten, das auf 
Grund der Bestandsziffern nicht beträchtlich höher 
liegen dürfte als im Vorjahr. Anders aber sieht die 
Sachlage im Spätherbst aus, wenn die 6OO OOO Fer 
kel als Mehrbestand gegen März 1935 auf den 
Markt kommen, zu einer Zeit, wo auch die Rinüer- 
märkte saisonal reicher beschickt werden. Im Herbst 
und Frühwinter können wir mit einer absolut gu 
ten Gcsamtsleischversorgung rechnen. 
Die Lage im nächsten Jahr bleibe dahingestellt, 
wenn die trächtigen Sauenbestände in größeren. 
Marktbetrieben praktisch spürbar werden. Die Frage 
der Futterbeschasfung ist dabei ebenso wichtig wie 
die Gestaltung der Preise. Wird die Futtermittel 
decke reichlich dünn (ivovon im kommenden Wirt 
schaftsjahr unter der Voraussetzung einer Durch 
schnittsernte nicht die Rede sein kann), so wird der 
Bauer gezwungenermaßen verstärkt Fleischschweine 
verkaufen statt der erwünschten Speckschwetne. Wird 
andererseits bei reichlicher Futtermittelversorgung 
das Angebot an Speckschweincn recht groß, so könnte 
sich aber gut ungeachtet der Festpreise auf den Märk 
ten die Staffelung der Schiveinchöchstpreise auf dem 
Lande ändern in der bekannten Form, daß die a- 
Preise sich den c- und d-Preisen nähern. Auch dieses 
läge nicht im Sinn einer Schließung der Fett 
lücke, da der Bauer späterer Speckschweinemast wie- 
der mißliebiger gegenüberstünde. Es ist das Ver 
dienst der „Deutschen Landwirtschaftlichen Presse", 
auf diesen Gesichtspunkt hingewiesen zu haben. Wie 
dem auch sei, ob man also neben den Höchstpreisen 
auch Mindestpreise auf dem Lande einführen will 
(wie bei Rindern für a und b), ob man evtl, auch 
die Neutrallandfabrikation wieder aufnimmt, im 
letzten hat der Erzeuger das Steuer selbst in der 
Hand. Er weiß, daß die augenblicklichen Bestands 
ziffern eine empfindliche Ausweitung nicht vertra 
gen, woraus sich ergibt, daß er von sich aus die pri 
vate Erzeugungs-Kontingentierung zu betreiben 
hat. Unterbleibt diese, der Erzeuger wird sich auch 
selbst für unliebsame Folgewirkungen mit verant 
wortlich machen müssen. In diesem Zusammenhang 
kommt den Verhältnissen in den einzelnen Wirt 
schaftsbezirken besondere Bedeutung zu. 
Wie steht es mit der 
West-Ost-Wandernng der Schweine? 
Die obige, höchst populäre Formulierung trifft den 
Tatbestand nicht ganz. Die Standortsverlagerungen 
verliefen vielmehr vom Nord-Westen erstens und 
vorwiegend in die Kartoffel-Ueberschußgebiete des 
Ostens, zweitens aber und nicht unbeträchtlich in 
den südlichen Teil des Reiches. Demgemäß ist auch 
das Reichsgebiet aufzuteilen. In der nachfolgenden 
Untersuchung handelt es sich bei dem sog. „Osten" 
um Ostpreußen, Grenzmark, Ober- und Nieder 
schlesien, Brandenburg, Pommern, Mecklenburg und 
die Provinz Sachsen. Sachsen ragt zwar strukturell, 
d. h. betriebswirtschaftlich, weit in Mitteldeutschland 
hinein, hat aber im ganzen derartig viele betriebs 
eigene Futtermittel, besonders Zuckerrüben, daß es 
in seinen Ausweitungschancen hinsichtlich der 
Schweinehaltung auch nach dem Osten tendiert. 
Süddeutschland umfaßt Bayern, Württemberg, Ba 
den und Hessen, Mitteldeutschland Freistaat Sachsen 
und Thüringen, Westdeutschland Westfalen, Rhein 
land und Hessen-Nassau, Nordwestdeutschland end 
lich .Schleswig-Halstein, Hannover und Oldenburg. 
Diese grobe Aufteilung hat ihre Fehler, besonders, 
was die Verhältnisse im Nord-Westen angeht. Von 
der Provinz Hannover hat der Hildesheimer Neg.- 
Bezirk vorwiegend mittel-, weniger nordwestdeut 
schen Einschlag; demgegenüber tragen die westfäli 
schen Kreise Balkum, Münster, Steinfurt, Tecklen 
burg und Warendorf starken nordwestdeutschen Cha 
rakter. Es sei noch bemerkt, daß die vielen kleinen 
Zählbezirke (wie Lippe usw.) in den größeren Teil 
bezirken nicht mit aufgerechnet wurden. 
Das Ergebnis der Märzzählung ist in der neben 
stehenden zweispaltigen Uebersicht festgehalten. Zum 
Vergleich sind die Jahre 1934 und 1935 mit heran 
gezogen. Der Vergleich mit 1934 (--- 100) gibt ge 
wissen Aufschluß über die in den beiden Folgejah 
ren festzustellenden Verschiebungen. Neben den 
Teilbezirken wurden Schleswig-Holstein, Ostpreu 
ßen und Bayern als typische Länder in dem nord 
westlichen bzw. östlichen bzw. südlichen Teilbezirk 
gesondert aufgeführt, um die große Linie im ein 
zelnen schärfer zu markieren. 
Man gestatte mir vor der eigentlichen Behand 
lung der Märzzählung einen kurzen Hinweis auf 
die vorjährige Gcsamteutwicklung in den Teilbezir 
ken. Die Uebersicht III diene als Anhaltspunkt. 
III. Die Wandlungen 
im Gesamtbeftand der Teilbezirke 
(in Millionen Stück und in °| 0 der Vorjahresziffer) 
Teilbezirk 
Dezbi 
in Mill. 
1934 
in o/o 
1033 
Juni 
in Mill. 
1935 
in o/o 
1934 
Septb 
in Mill 
r. 1935 
in 0,0 
1934 
Ostdeutschld. 
Nordwest ... 
West 
9.06 
4.27 
3.47 
4.24 
1 46 
97 
91 
100 
101 
96 
7.86 
3.53 
3.12 
3.70 
1.27 
89 
79 
89 
98 
84 
8.72 
4.34 
2.77 
4.05 
2.17 
91 
90 
91 
93 
87 
Süd 
Mittel 
Reich 
23.14 
97 
20.03 
90 
22.61 
91 
Die Zählergebnisse bis Mitte vorigen Jahres 
waren für den schleswig-holsteinischen Schwcinebe- 
stand erschütternd. Unsere relativen Vestandsver- 
minderungen lagen weit über denen des Reichs- 
durchschnitts. Im Dezember 1934 hatten wir bereits 
10 Proz. weniger Schweine als am Stichtag des 
Vorjahres, die größten übrigen Teilbezirke hatten 
ihre Bestände nahezu gehalten. In der Märzzäh 
lung 1935 dasselbe Lied <s. Uebersicht V). Nach der 
Junizählung 1935 war unser Bestand gegen das 
Vorjahr um mehr als % (— 21 Proz.) zusammen 
geschmolzen, während Süddeutschland nahezu un 
verändert darstand und der Osten nur 11 Proz. 
eingebüßt hatte. 
Die Septemberzählung brachte die ersreuliche, 
wenn auch selbstverständliche Wende. Norddeütsch- 
land bewegte sich annähernd auf der Reichsdurch- 
schnittszisfer, Die Entwicklung in den einzelnen Al 
tersstufen ließ bereits für die Dezemberzählung 
1935 weitere und beschleunigte Besserungstcndcn- 
zen erhoffen. Wir machen sie in der Uebersicht IV 
sichtbar. 
IV. Die SchrvLine-Gssaurtbestände 
der Dezemberzählung 
lJn Millionen und in °/° des Reiches) 
Gebiet 
1929 
1930 
1931 
1933 
1934 
1935 
Reich 
19 94 
= 100 
23.44 
= 100 
23 81 
= 100 
23.89 
= 100 
23.17 
= 100 
22.70 
= 100 
Schleswig- 
Holstein .... 
1.26 
6.4 
1.18 
50 
1.08 
4.5 
0.96 
4.1 
0.84 
3.6 
0.83 
3.7 
Ostpreußen.. 
1.19 
60 
1.51 
6.5 
1.52 
6 4 
1.46 
6.1 
1.51 
6.5 
1.62 
7.1 
Bayern 
210 
10.6 
2.55 
10.9 
2.56 
10.7 
2.56 
10.7 
2 61 
11.2 
2.45 
10.7 
Im Dezember 1929 war Schleswig-Holstein zu 
6,4 vH. am Reichsschweinegesamtbestand beteiligt. 
Im Dezember 1934 machten die in der Provinz ge 
zählten 84 000 Tiere (50 Proz. weniger als 1929) 
3,6 Proz. der Reichszifser aus. Der Rückgang des 
Bestandes um 10 000 Stück von 1934 auf 1935 siel 
gegenüber der Tatsache, daß wir unseren Anteil 
am Reichsbestand gehalten hatten, nicht ins Gewicht. 
Im Dezember 1935 wurde zur Gewißheit, daß der 
Schrumpfungsprozeß nicht mehr groß genug war, 
um unsere Reichsguote weiterhin Herunterzudrük- 
ken, im Gegenteil, die Reichsguote verbesserte sich 
von 3,6 auf 8,7 vH., während Bayern auf den Stand 
der Jahre 1981-32 rutschte, Ostpreußen allerdings 
seinen Vorsprung auf einen bis dahin unbekannten 
Anteil (von 6,5 vH. auf 7,1 vH.) vergrößern konnte. 
Durch diese Brille betrachtet, war zwar die künf 
tige Entwicklung des Gesamtbestandes im Reich 
ziemlich geklärt, d. h. seines besorgniserregenden 
Beigeschmacks entkleidet. Aber wie würde der Ver 
lauf in den Teilbezirken sein? Wird Ostpreußen 
sich weiterhin in den Vordergrund drängen? Wird 
Bayerns Bestand nochmals anteilsmäßig kleiner 
werden? Wird Schleswig-Holstein endlich auch im 
absoluten Bestand die entscheidende Umkehr auf 
zeigen können? usw. Eine Fülle von Fragen war 
für den Fachmann trotz allem vorhanden. 
Was sagt nun die Märzzählnng 1936? 
Im Gesamtergebnis konnte (s. Uebersicht V) von 
Mürz 1935 auf 1936 die Hälfte des Verlustes seit 
1934 wieder ausgeholt werden. In den Teilbezirken 
liegt der Osten über dem Durchschnitt, der übrige 
(bis auf Provinz Sachsen linkselbische) Reichsteil 
unter dem Durchschnitt. Südbeutschland hat seinen 
Bestand gehalten, Westdeutschland die seit 1934 ver 
lorengegangene Ziffer wiedergewonnen, Mittel 
deutschland (Freistaat Sachsen, Thüringen) dagegen 
nicht. Der Nordwesten ist endlich — wir stellen es 
mit Genugtuung fest — aus der fast chronisch ge 
wordenen Einbuße herausgekommen, 7 Proz. des 
1034-Bestandes sind zurückgekämpft; statt zu 18 Proz. 
im März 1985 ist der Nordwesten jetzt mit 18,6 Pro 
zent am Reichsschweinebestand beteiligt. Schleswig- 
Holstein erreicht zwar die durchschnittliche Zunahme 
des Nordwestens nicht, immerhin ruhen aber gut A 
des 1934-Bestandes in den Buchten. Interessant ist 
der Vergleich Bayern mit Ostpreußen. Ostpreußen 
hat seinen Bestand enorm vorwärtstreiben können, 
es nennt 7,2 Proz. der Reichszifser sein eigen (statt 
6,9 Proz. im März 1934 und 6,0 Proz. in 1934); 
Bayern hingegen hat einem weiteren Schrump- 
üngsprozeß nicht vorbeugen können, im März 1935 
hatte es 11,1 Proz. des Reichsbestandes, im März 
1936 nur 10,3 Proz. 
Ueberprüft man nun die Lage in den einzelne« 
Altersstufen, dann verändert sich die oben aufge 
zeigte Linie nur wenig, sofern man die unter 
A Jahr alten Tiere, die Ferkel und Jungschweine, 
zusammen betrachtet. Der Aufschwung Ostpreußens 
tritt noch deutlicher zu Tage. 
Bemerkenswerte Momente zeitigt allerdings der 
gesonderte Vergleich der Ferkelzifscrn. Mähend die 
übrigen Bezirke mehr oder weniger die anteils 
mäßigen Veränderungen ihres Gesamtbestandes 
auch im Ferkelbestand widerspiegeln, hat der Nord- 
westen diesen von 83 Proz. in 1935 auf 95 Proz. im 
März 1936 steigern können. Die anteilsmäßige Fer 
kelzunahme ist also weit größer als die des Ge 
samtbestandes. In Schleswig-Holstein liegen die 
Verhältnisse ähnlich, wenn auch nicht ganz so 
günstig. 
Welche Entwicklung verheißen nun die trächtigen 
Sauenziffern. Norbwest hat hier bezeichnenderweise 
den 1934-Bestand erreicht, Schleswig-Holstein steht 
noch etwas zurück, da die Einbußen zu groß waren. 
In dem Zählbczirk Ostdeutschland führt Ostpreußen 
in der bekannten Weise; auch Westö. hat gut aufge 
holt, Süd- und des. Mitteldeutschland dagegen konn 
ten die Märzziffer 1934 nicht erreichen, in Gruppe 
„Süd" gilt dieses vornehmlich für Bayern. 
Die trächtigen Jungsauenbestände als Teilgruppe 
der trächtigen Sauen verstärken diese Linie. Im 
Reichsdurchschnitt haben wir im März 1936 13 Proz. 
mehr trächtige Jungsauen als 1934. Westd. liegt 
mit 23 Proz. Zunahme weit über dem Reichsdurch 
schnitt, desgleichen die zetzt in der anteilsmätzigcn 
Zunahme ebenbürtigen Bezirke Ost- und Nordwest- 
dcutschlands. In der Gruppe „Ost" hat Ostpreußen 
etwas verhaltener Jungsauen decken lassen, Schles 
wig-Holstein hält den Mittelwert seines Bezirks. 
Mitteld. hat 5 Proz. weniger trächtige Jungsauen, 
Südd. sogar 10 Prozent weniger (die Stellung 
Bayerns verdient besondere Beachtung). 
Folgerung 
Die im Vorstehenden aufgezeigten Bestanbsver- 
änderungen gestatten selbstverständlich keine präzi 
sen Rückschlüsse für die kommende Entwicklung. 
Dessen ungeachtet wird man, ohne dem Vorwurf 
voreiliger Betrachtung zu unterliegen, mit Befrie 
digung feststellen können, daß die sog. West-Ost- 
Wanderung zur Ruhe gekommen ist. Die Gruppe 
„Ost" hat ihre Lage in den letzten 2 Jahren zwar 
noch erheblich verbessert, wird aber offenbar auf 
Grund der Jungsauenbestände künftig mehr bestrebt 
sein, den ausgeweiteten Bestand zu halten. Für 
Westdeutschland wird man eine gewisse Bestands 
erweiterung voraussagen können. 
Hinsichtlich Südbeutschland scheint es fast so, als 
ob künftig eine gewisse Rückwanderung statthaben 
wird. Die trächtigen Sauenbestände haben sich nur 
wenig erholt, der Reichsanteil der Jungsauen ist 
von 15,6 Proz. im März 1934 auf 12,1 Proz. zurück 
gegangen. Süd- und etwas abgeschwächt Mitteld. 
stellen den Unsicherheitsfaktor in der nächsten Zeit 
bar. Ist die Bestandsverminderung nur vorläufi 
ger Natur (Dürre usw.), oder geschah sie bewußt in 
Anpassung an wirtschaftseigene Gegebenheiten, das 
ist die Frage? 
Nordwestdentschland und mit ihm Schleswig-Hol 
stein bergen alle Chancen einer Vestandsauswei- 
tung, nachdem die Verlagerung beendet ist. Wir 
stellen es mit Genugtuung fest und verbinden damit 
den Wunsch, daß neben der Werbung für die Kar- 
toffel- und Futterzuckerrübenmast auch die Schweb 
nemastvertrüge weiterhin wirksam sein mögen, uu 
für die nächste Zeit der unliebsamen rückläufiger 
Bewegung bis ans angängige Maß die entgegen 
gesetzte Bewegung der Bestandsausweitung folge» 
zu lassen. Dr. B. 
V. Die Schrveinebestandszisfern in den Teilbezirken Deutschlands 
nach der MKrzzLhlnng in Millionen und in Prozent von 1934 
Altersgruppe 
Jahr 
Reic 
in Mill. 
h 
% 
Ost 
beutst 
in Mill. 
std. 
% 
Nordn 
beutst 
in Mill. 
jest- 
hid. 
% 
We 
in Mill 
t 
% 
Mitte? 
in Mill ş °/o 
Sitt 
in Mill. 
I Schlei 
Holst 
% ļin 1000 
;w.-I Ost 
ein preist 
% |in 1000 
;en 
°/o 
Baye 
in 1000 
rn 
% 
Ferkel 
bis 2 Monate 
1934 
35 
36 
5.72 
4.92 
5.50 
100 
86 
96 
2.07 
1.76 
2.01 
100 
85 
97 
1.36 
1.13 
1.29 
100 
83 
95 
0.84 
0.75 
0.83 
100 
89 
98 
0.36 
0.29 
0.33 
100 
88 
93 
0.95 
0.89 
0.98 
100 293 
93 217 
103> 256 
100 330 
74 345 
88| 383 
1CK 
105 
116 
581 
556 
562 
100 
96 
97 
Iungschweine 
2-6 Monate 
34 
35 
36 
10.02 
9.57 
9.59 
100 
96 
95 
3.93 
3.81 
3.85 
100 
97 
98 
> .Hl 
1.57 
1.61 
la 
84 
86 
1.42 
1.43 
1.44 
100 
101 
101 
0.67 
0.60 
0.61 
100 
90 
91 
1.85 
1.88 
1.81 
1001 413 
102 317 
98| 339 
1001 546 
77 591 
82| 637 
100 
110 
119 
1122 
1131 
1068 
100 
100 
95 
Unter 1/2 Jahr 
34 
35 
36 
15.74 
14.49 
15.09 
100 
92 
96 
6.00 
5.57 
5.86 
100 
93 
98 
3.23 
2.70 
2.91 
100 
83 
90 
2.25 
2.18 
2.26 
100 
97 
101 
1.02 
0.89 
0-94 
100 
87 
92 
2.79 
2.77 
2.79 
1001 706 
99 534 
lOOļ 595 
100 866 
76 936 
841 1020 
100 
108 
118 
1703 
1687 
1630 
100 
99 
96 
Ueber '/2 Jahr 
34 
35 
36 
6.27 
5.73 
6.05 
100 
91 
96 
2.70 
2.43 
2.61 
100 
90 
97 
1.10 
0.89 
1.00 
100 
81 
91 
0.90 
0.81 
0.87 
100 
90 
97 
0.45 
0.41 
0.43 
100 
91 
94 
0.93 
0.96 
0.92 
100 215 
102 162 
98| 188 
100 461 
75 454 
87| 497 
100 
98 
108 
552 
547 
552 
100 
99 
100 
Schweine 
insgesamt 
34 
35 
36 
22.01 
20.22 
21.14 
100 
92 
96 
8.70 
8.00 
8.47 
100 
92 
97 
4.33 
3.59 
3.90 
100 
83 
90 
3.15 
2.99 
3.13 
100 
95 
99 
1.48 
1.30 
1.36 
100 
87 
92 
3.73 
3.73 
3.70 
100 
100 
100 
921 
696 
783 
1001 1327 
76 1390 
85 ļ 1517 
100 
104 
114 
! 2225 
1 2234 
2182 
100 
88 
86 
Tracht. Sauen 
34 
35 
36 
1.17 
1.05 
1.21 
100 
90 
103 
0.44 
0.39 
0.47 
100 
89 
105 
0.29 
0.25 
0.29 
100 
88 
103 
0.16 
0.15 
0.17 
100 
94 
108 
0.33 
0.30 
0.31 
100 
89 
93 
0.187 
0.170 
0.184 
100 
91 
98 
60 
49 
58 
100 82 
82 83 
97| 94 
100 
101 
115 
I 122 
107 
1 112 
100 
88 
92 
Dav. Zungsauen 
bis 1 Jahr 
34 
35 
36 
0.32 
0.33 
0.37 
100 
103 
113 
0.12 
0.13 
0.15 
100 
110 
119 
0.080 
0.076 
0,095 
100 
95 
119 
0.048 
0.054 
0.059 
100 
113 
123 
0.022 
0.018 
0.021 
100 
82 
95 
0.050 
0.043 
0.045 
100 
86 
90 
16 
15 
19 
100 24 
94 32 
119| 30 
100 
133 
115 
34 
j 28 
[ 25 
100 
82 
75 
Wie steht es «m die Weft-Ost-Wandermig der Schweine? 
Vergleichende Untersuchung über den Verlauf der Standortsverlagerungen in den einzelnen Wirtschaftsbezirken auf Grnnd der Schweine-Märzzählungen 1934-36
	        
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