Verheißungsvolle Vorzeichen
Im Dezember 1935 wurden 22,7 Millionen
Schweine gezahlt, 471000 oder 2 vH. weniger als im
Vorjahr. Der Juni-Bestand 1935 lag um 19,4 vH.
unter dem am entsprechenden Stichtag des Vor
jahres, der Septemberbestand war um 9,4 vH. klei-
uer. Die Entwicklungslinie zeichnete sich deutlich
ab: Der Schweinebestanü war aus dem Schrump
fungsprozeß heraus, mit Recht konnte man von
einem Wiederaufbau der Bestände reden; die Wand
lungen in dem Altersaufbau des Gesamtbestandes
ließen dazu einen günstigen weiteren Verlauf er
hoffen.
I. Die Entwicklung
des Schweinebestandes in 1938
(in Mill, und in °/ 0 1935 gegen 1934)
Altersklassen
3
t. Mill.
uni
-4- gegen
— um
Se
i. Mill
ptbr.
+ gegen
— 1934
Dl
i.Mill.
'Zbr.
4- gegen
— 1934
Merkel
(bis 8 Wochen)..
Jungschweine...
4.56
9.52
— 13.6
— 8.7
5.83
9.65
— 8.1
— 8.9
4.75
9.54
+ 5.2
— 5.1
über i/2 Jahr ...
insgesamt
14.07
20.03
-10.5
— 10.5
15.48
22.61
— 8.8
— 9.7
14.29
22.77
— 2.1
- 1.9
über 1/2 Jahr ...
davon:
Trächtige Sauen
davon:
Jungsauen
5.96
1.22
0.35
— 9.1
— 5.1
+ 4.9
7.13
1.06
0.29
—12.3
+ 6.2
+25.6
8.48
1.19
0.31
— 1.3
+ 11.9
+28.3
Die über A Jahr alten Schlachtschweine und die
° # Äungschweine (2—6 Monate alt) verbesserten von
Vierteljahr zu Vierteljahr ihr anteilsmäßiges Mi-
1 Uns; die Ferkel überragten im Dezember bereits
den Vorjahresbestand um 5,2 vH., die trächtigen
Sauen sogar um 11,8 vH., unter ihnen die trächti-
Sen Jungsauenbestände (bis i-L Jahr alt) um nicht
weniger als 28,3 vH.
Alle Anzeichen für eine durchaus ansprechende
Dļärzziffer 1936 waren vorhanden; ja, die un-
I Seheure Vermehrung der Nachzucht, soiveit es die
Äungsauen angeht, ließ schon Warner entstehen,
- die zur Schonung der Eber mahnten.
\ Die Märzzählung, das neueste Ergebnis
- In dieser Hinsicht konnte somit die Märzzählung
I keine größeren Ueberraschungen bringen. Die Ver-
- Mutungen von 1934, wir würden einem ganz ra-
- piden Schweinemord entgegengehen, hatten ihre
* Nahrung verloren, es gab keine Sensationen mehr
- Zu erwarten. Diese Feststellung möge als Teilgrund
t gewertet werden, weshalb in der nachfolgenden
t Darstellung auf eine eingehende Würdigung der
, Märzziffer als Gesamtheit verzichtet und auf die
- Unterzeichnung der Entwicklungslinien in den ein-
i Seinen Wirtschaftsbezirken bevorzugt Gewicht ge-
- legt wird. Die in unserer Provinz in den letzten
; Jahren stattgehabten Bestandsveränderungen wcr-
t den letztere Untersuchung besonders gerechtigt er-
z scheinen lassen.
II. Schweinebestände im März
(In Millionen Stück und in % zum Eesamtbestand)
1 2
S 2
^r
S
= 100
&
«
i
°/°
CB .5
a B
Cs) ģ
f
8
ff
°/°
ģ •!
ģ
© 5
I!
«
o/o
%
w
g
a
Z
%
1930
1931
1932
1933
1934
1935
1936
18.65
21.79
20.63
20.24
22.01
20.22
21.14
5.01
5.75
5.01
5.15
5 72
4.91
5.50
268
26.4
24.2
25.5
26.0
24.3
26.1
8.56
10.23
9.98
9.38
10.02
9.57
9.59
46.7
47.0
48.5
46.5
45.5
47.4
45.3
303
3 46
3.56
3.69
4 16
3.84
3.94
16.2
15.9
17.3
18.2
18.9
19.0
18.7
1.25
1.35
1.20
1.15
1.17
1.06
1.21
6.7
6.2
5.8
5.7
5.3
5.2
5.7
Der Gesamtbestanö bewegt sich im März 1935
lplus 6,2 vH. gegen März 1934) zwischen dem Er
gebnis der beiden Vorjahre. Die Ferkel <11,8 vH.
Zahlreicher als im März 1935) nähern sich zuneh-
Mend den Höchstziffern vom 1934. Bei den trächtigen
Sauen (plus 15,2 vH. gegen März 1935) muß man
schon bis auf das Jahr 1931 zurückgehen, um höhere
Bestände festzustellen. Im Durchschnitt der 6 Jahre
kO8O bis 1935 beliefen sich die Märzziffern für träch-
llge Sauen auf 1,20 Millionen. Die erhebliche, im
2nge der letzten i'A Jahre liegende Bcstandsvcr-
wehrung der trächtigen Sauen liefert alle Kenn
zeichen künftiger Ausweitung des Gesamtbestan-
^es. Der Hinweis, daß unter den trächtigen
Sauen relativ viele Jungsauen vorhanden sind, die
Ifangs weniger zahlreich werfen, dürfte die Ge
samtentwicklung nur wenig beeinflussen, zumal
Ostens im Verlauf der letzten Zählspanne von
Dezember 1935 bis März 1936 eine erhebliche An
zahl von Altsauen <1 Jahr und älter) dem Eber
wieder zugeführt wurden und zweitens sich die
verbesserte Haltung und Pflege mehr und mehr in
steigenden Durchschnittswurfziffern abheben muß.
^ie Altersgruppen Ferkel und trächtige Sauen
stad zusammengenommen im März 1936 mit 31,8
stH. am Gesamtbestand teilhaftig gegen 29,5 vH. im
Vorjahr und 31,3 vH. im 6-Jahresmittel 193O-35.
Ņkan versteht, warum der Sachverständigenausschuß
îs für notwendig erachtet, daß der einzelne
Schweinehalter in Zukunft den Bestand seiner wirt
schaftseigenen Futtermittelerzeugung angepaßt hält.
Eine fortlaufende Verjüngung in Richtung absolut
Und relativ zunehmender trächtiger Sauenbestände
würde in erfahrungsgewürzter Folgewirkung bald
varans in angebotswidriger Nachfrage nach be-
ŗiebs- bzw. landfremden Futtermitteln sichtbar
worden und womöglich auch in einem Markt
angebot, das sogar im Widerspruch steht zu dem an
. gesteigerten Schweinefleisch- und -specküeöarf
(ganz abgesehen von etwaigen Kollisionen mit die
sen oder jenen Handelsabkommen).
Das za erwartende Angebot
Selbstverständlich bieten die im März aufgezähl
ten 3,94 über 14 Jahr alten Schlachtschweine trotz
der Erholung gegen bas Vorjahr (plus 2,6 vH.)
noch nicht die Gewähr für eine augenblicksent-
sprechenöe Bedarfsbesriedigung. Denn hätte man
in der zweiten Vorjahreshälfte auf die 6Oprozeutige
Kontingentierung verzichtet, es stünde fest, daß an
Schlachtschweinen nicht 8,8 vH. mehr vorhanden ge
wesen wären als im März-Durchschntt 193O-35; die
Erhöhung des Kontingents von 6O auf 8O vH. ist
zwar ein Beweis, daß sich die Verhältnisse in den
Großstädten gebessert haben, von einer normalen
Bedarfsbesriedigung kann aber z. Z. noch nicht die
Rede sein, was aber nicht ausschließt, daß wir wei
teren Kontingentierungsauflockerungen entgegen
gehen, besonders wenn wir nach Weidebeginn
Uebersicht darüber haben, wieviel von den aufge
stapelten Schweinen zur Ausfüllung des fehlenden
Rindfleisches zugeschossen werden mußten.
An Jungschweinen sind 0,2 vH. mehr vorhanden
als im März vorigen Jahres. Aus ihnen wird
weitgehend das Sommerangebot bestritten, das auf
Grund der Bestandsziffern nicht beträchtlich höher
liegen dürfte als im Vorjahr. Anders aber sieht die
Sachlage im Spätherbst aus, wenn die 6OO OOO Fer
kel als Mehrbestand gegen März 1935 auf den
Markt kommen, zu einer Zeit, wo auch die Rinüer-
märkte saisonal reicher beschickt werden. Im Herbst
und Frühwinter können wir mit einer absolut gu
ten Gcsamtsleischversorgung rechnen.
Die Lage im nächsten Jahr bleibe dahingestellt,
wenn die trächtigen Sauenbestände in größeren.
Marktbetrieben praktisch spürbar werden. Die Frage
der Futterbeschasfung ist dabei ebenso wichtig wie
die Gestaltung der Preise. Wird die Futtermittel
decke reichlich dünn (ivovon im kommenden Wirt
schaftsjahr unter der Voraussetzung einer Durch
schnittsernte nicht die Rede sein kann), so wird der
Bauer gezwungenermaßen verstärkt Fleischschweine
verkaufen statt der erwünschten Speckschwetne. Wird
andererseits bei reichlicher Futtermittelversorgung
das Angebot an Speckschweincn recht groß, so könnte
sich aber gut ungeachtet der Festpreise auf den Märk
ten die Staffelung der Schiveinchöchstpreise auf dem
Lande ändern in der bekannten Form, daß die a-
Preise sich den c- und d-Preisen nähern. Auch dieses
läge nicht im Sinn einer Schließung der Fett
lücke, da der Bauer späterer Speckschweinemast wie-
der mißliebiger gegenüberstünde. Es ist das Ver
dienst der „Deutschen Landwirtschaftlichen Presse",
auf diesen Gesichtspunkt hingewiesen zu haben. Wie
dem auch sei, ob man also neben den Höchstpreisen
auch Mindestpreise auf dem Lande einführen will
(wie bei Rindern für a und b), ob man evtl, auch
die Neutrallandfabrikation wieder aufnimmt, im
letzten hat der Erzeuger das Steuer selbst in der
Hand. Er weiß, daß die augenblicklichen Bestands
ziffern eine empfindliche Ausweitung nicht vertra
gen, woraus sich ergibt, daß er von sich aus die pri
vate Erzeugungs-Kontingentierung zu betreiben
hat. Unterbleibt diese, der Erzeuger wird sich auch
selbst für unliebsame Folgewirkungen mit verant
wortlich machen müssen. In diesem Zusammenhang
kommt den Verhältnissen in den einzelnen Wirt
schaftsbezirken besondere Bedeutung zu.
Wie steht es mit der
West-Ost-Wandernng der Schweine?
Die obige, höchst populäre Formulierung trifft den
Tatbestand nicht ganz. Die Standortsverlagerungen
verliefen vielmehr vom Nord-Westen erstens und
vorwiegend in die Kartoffel-Ueberschußgebiete des
Ostens, zweitens aber und nicht unbeträchtlich in
den südlichen Teil des Reiches. Demgemäß ist auch
das Reichsgebiet aufzuteilen. In der nachfolgenden
Untersuchung handelt es sich bei dem sog. „Osten"
um Ostpreußen, Grenzmark, Ober- und Nieder
schlesien, Brandenburg, Pommern, Mecklenburg und
die Provinz Sachsen. Sachsen ragt zwar strukturell,
d. h. betriebswirtschaftlich, weit in Mitteldeutschland
hinein, hat aber im ganzen derartig viele betriebs
eigene Futtermittel, besonders Zuckerrüben, daß es
in seinen Ausweitungschancen hinsichtlich der
Schweinehaltung auch nach dem Osten tendiert.
Süddeutschland umfaßt Bayern, Württemberg, Ba
den und Hessen, Mitteldeutschland Freistaat Sachsen
und Thüringen, Westdeutschland Westfalen, Rhein
land und Hessen-Nassau, Nordwestdeutschland end
lich .Schleswig-Halstein, Hannover und Oldenburg.
Diese grobe Aufteilung hat ihre Fehler, besonders,
was die Verhältnisse im Nord-Westen angeht. Von
der Provinz Hannover hat der Hildesheimer Neg.-
Bezirk vorwiegend mittel-, weniger nordwestdeut
schen Einschlag; demgegenüber tragen die westfäli
schen Kreise Balkum, Münster, Steinfurt, Tecklen
burg und Warendorf starken nordwestdeutschen Cha
rakter. Es sei noch bemerkt, daß die vielen kleinen
Zählbezirke (wie Lippe usw.) in den größeren Teil
bezirken nicht mit aufgerechnet wurden.
Das Ergebnis der Märzzählung ist in der neben
stehenden zweispaltigen Uebersicht festgehalten. Zum
Vergleich sind die Jahre 1934 und 1935 mit heran
gezogen. Der Vergleich mit 1934 (--- 100) gibt ge
wissen Aufschluß über die in den beiden Folgejah
ren festzustellenden Verschiebungen. Neben den
Teilbezirken wurden Schleswig-Holstein, Ostpreu
ßen und Bayern als typische Länder in dem nord
westlichen bzw. östlichen bzw. südlichen Teilbezirk
gesondert aufgeführt, um die große Linie im ein
zelnen schärfer zu markieren.
Man gestatte mir vor der eigentlichen Behand
lung der Märzzählung einen kurzen Hinweis auf
die vorjährige Gcsamteutwicklung in den Teilbezir
ken. Die Uebersicht III diene als Anhaltspunkt.
III. Die Wandlungen
im Gesamtbeftand der Teilbezirke
(in Millionen Stück und in °| 0 der Vorjahresziffer)
Teilbezirk
Dezbi
in Mill.
1934
in o/o
1033
Juni
in Mill.
1935
in o/o
1934
Septb
in Mill
r. 1935
in 0,0
1934
Ostdeutschld.
Nordwest ...
West
9.06
4.27
3.47
4.24
1 46
97
91
100
101
96
7.86
3.53
3.12
3.70
1.27
89
79
89
98
84
8.72
4.34
2.77
4.05
2.17
91
90
91
93
87
Süd
Mittel
Reich
23.14
97
20.03
90
22.61
91
Die Zählergebnisse bis Mitte vorigen Jahres
waren für den schleswig-holsteinischen Schwcinebe-
stand erschütternd. Unsere relativen Vestandsver-
minderungen lagen weit über denen des Reichs-
durchschnitts. Im Dezember 1934 hatten wir bereits
10 Proz. weniger Schweine als am Stichtag des
Vorjahres, die größten übrigen Teilbezirke hatten
ihre Bestände nahezu gehalten. In der Märzzäh
lung 1935 dasselbe Lied <s. Uebersicht V). Nach der
Junizählung 1935 war unser Bestand gegen das
Vorjahr um mehr als % (— 21 Proz.) zusammen
geschmolzen, während Süddeutschland nahezu un
verändert darstand und der Osten nur 11 Proz.
eingebüßt hatte.
Die Septemberzählung brachte die ersreuliche,
wenn auch selbstverständliche Wende. Norddeütsch-
land bewegte sich annähernd auf der Reichsdurch-
schnittszisfer, Die Entwicklung in den einzelnen Al
tersstufen ließ bereits für die Dezemberzählung
1935 weitere und beschleunigte Besserungstcndcn-
zen erhoffen. Wir machen sie in der Uebersicht IV
sichtbar.
IV. Die SchrvLine-Gssaurtbestände
der Dezemberzählung
lJn Millionen und in °/° des Reiches)
Gebiet
1929
1930
1931
1933
1934
1935
Reich
19 94
= 100
23.44
= 100
23 81
= 100
23.89
= 100
23.17
= 100
22.70
= 100
Schleswig-
Holstein ....
1.26
6.4
1.18
50
1.08
4.5
0.96
4.1
0.84
3.6
0.83
3.7
Ostpreußen..
1.19
60
1.51
6.5
1.52
6 4
1.46
6.1
1.51
6.5
1.62
7.1
Bayern
210
10.6
2.55
10.9
2.56
10.7
2.56
10.7
2 61
11.2
2.45
10.7
Im Dezember 1929 war Schleswig-Holstein zu
6,4 vH. am Reichsschweinegesamtbestand beteiligt.
Im Dezember 1934 machten die in der Provinz ge
zählten 84 000 Tiere (50 Proz. weniger als 1929)
3,6 Proz. der Reichszifser aus. Der Rückgang des
Bestandes um 10 000 Stück von 1934 auf 1935 siel
gegenüber der Tatsache, daß wir unseren Anteil
am Reichsbestand gehalten hatten, nicht ins Gewicht.
Im Dezember 1935 wurde zur Gewißheit, daß der
Schrumpfungsprozeß nicht mehr groß genug war,
um unsere Reichsguote weiterhin Herunterzudrük-
ken, im Gegenteil, die Reichsguote verbesserte sich
von 3,6 auf 8,7 vH., während Bayern auf den Stand
der Jahre 1981-32 rutschte, Ostpreußen allerdings
seinen Vorsprung auf einen bis dahin unbekannten
Anteil (von 6,5 vH. auf 7,1 vH.) vergrößern konnte.
Durch diese Brille betrachtet, war zwar die künf
tige Entwicklung des Gesamtbestandes im Reich
ziemlich geklärt, d. h. seines besorgniserregenden
Beigeschmacks entkleidet. Aber wie würde der Ver
lauf in den Teilbezirken sein? Wird Ostpreußen
sich weiterhin in den Vordergrund drängen? Wird
Bayerns Bestand nochmals anteilsmäßig kleiner
werden? Wird Schleswig-Holstein endlich auch im
absoluten Bestand die entscheidende Umkehr auf
zeigen können? usw. Eine Fülle von Fragen war
für den Fachmann trotz allem vorhanden.
Was sagt nun die Märzzählnng 1936?
Im Gesamtergebnis konnte (s. Uebersicht V) von
Mürz 1935 auf 1936 die Hälfte des Verlustes seit
1934 wieder ausgeholt werden. In den Teilbezirken
liegt der Osten über dem Durchschnitt, der übrige
(bis auf Provinz Sachsen linkselbische) Reichsteil
unter dem Durchschnitt. Südbeutschland hat seinen
Bestand gehalten, Westdeutschland die seit 1934 ver
lorengegangene Ziffer wiedergewonnen, Mittel
deutschland (Freistaat Sachsen, Thüringen) dagegen
nicht. Der Nordwesten ist endlich — wir stellen es
mit Genugtuung fest — aus der fast chronisch ge
wordenen Einbuße herausgekommen, 7 Proz. des
1034-Bestandes sind zurückgekämpft; statt zu 18 Proz.
im März 1985 ist der Nordwesten jetzt mit 18,6 Pro
zent am Reichsschweinebestand beteiligt. Schleswig-
Holstein erreicht zwar die durchschnittliche Zunahme
des Nordwestens nicht, immerhin ruhen aber gut A
des 1934-Bestandes in den Buchten. Interessant ist
der Vergleich Bayern mit Ostpreußen. Ostpreußen
hat seinen Bestand enorm vorwärtstreiben können,
es nennt 7,2 Proz. der Reichszifser sein eigen (statt
6,9 Proz. im März 1934 und 6,0 Proz. in 1934);
Bayern hingegen hat einem weiteren Schrump-
üngsprozeß nicht vorbeugen können, im März 1935
hatte es 11,1 Proz. des Reichsbestandes, im März
1936 nur 10,3 Proz.
Ueberprüft man nun die Lage in den einzelne«
Altersstufen, dann verändert sich die oben aufge
zeigte Linie nur wenig, sofern man die unter
A Jahr alten Tiere, die Ferkel und Jungschweine,
zusammen betrachtet. Der Aufschwung Ostpreußens
tritt noch deutlicher zu Tage.
Bemerkenswerte Momente zeitigt allerdings der
gesonderte Vergleich der Ferkelzifscrn. Mähend die
übrigen Bezirke mehr oder weniger die anteils
mäßigen Veränderungen ihres Gesamtbestandes
auch im Ferkelbestand widerspiegeln, hat der Nord-
westen diesen von 83 Proz. in 1935 auf 95 Proz. im
März 1936 steigern können. Die anteilsmäßige Fer
kelzunahme ist also weit größer als die des Ge
samtbestandes. In Schleswig-Holstein liegen die
Verhältnisse ähnlich, wenn auch nicht ganz so
günstig.
Welche Entwicklung verheißen nun die trächtigen
Sauenziffern. Norbwest hat hier bezeichnenderweise
den 1934-Bestand erreicht, Schleswig-Holstein steht
noch etwas zurück, da die Einbußen zu groß waren.
In dem Zählbczirk Ostdeutschland führt Ostpreußen
in der bekannten Weise; auch Westö. hat gut aufge
holt, Süd- und des. Mitteldeutschland dagegen konn
ten die Märzziffer 1934 nicht erreichen, in Gruppe
„Süd" gilt dieses vornehmlich für Bayern.
Die trächtigen Jungsauenbestände als Teilgruppe
der trächtigen Sauen verstärken diese Linie. Im
Reichsdurchschnitt haben wir im März 1936 13 Proz.
mehr trächtige Jungsauen als 1934. Westd. liegt
mit 23 Proz. Zunahme weit über dem Reichsdurch
schnitt, desgleichen die zetzt in der anteilsmätzigcn
Zunahme ebenbürtigen Bezirke Ost- und Nordwest-
dcutschlands. In der Gruppe „Ost" hat Ostpreußen
etwas verhaltener Jungsauen decken lassen, Schles
wig-Holstein hält den Mittelwert seines Bezirks.
Mitteld. hat 5 Proz. weniger trächtige Jungsauen,
Südd. sogar 10 Prozent weniger (die Stellung
Bayerns verdient besondere Beachtung).
Folgerung
Die im Vorstehenden aufgezeigten Bestanbsver-
änderungen gestatten selbstverständlich keine präzi
sen Rückschlüsse für die kommende Entwicklung.
Dessen ungeachtet wird man, ohne dem Vorwurf
voreiliger Betrachtung zu unterliegen, mit Befrie
digung feststellen können, daß die sog. West-Ost-
Wanderung zur Ruhe gekommen ist. Die Gruppe
„Ost" hat ihre Lage in den letzten 2 Jahren zwar
noch erheblich verbessert, wird aber offenbar auf
Grund der Jungsauenbestände künftig mehr bestrebt
sein, den ausgeweiteten Bestand zu halten. Für
Westdeutschland wird man eine gewisse Bestands
erweiterung voraussagen können.
Hinsichtlich Südbeutschland scheint es fast so, als
ob künftig eine gewisse Rückwanderung statthaben
wird. Die trächtigen Sauenbestände haben sich nur
wenig erholt, der Reichsanteil der Jungsauen ist
von 15,6 Proz. im März 1934 auf 12,1 Proz. zurück
gegangen. Süd- und etwas abgeschwächt Mitteld.
stellen den Unsicherheitsfaktor in der nächsten Zeit
bar. Ist die Bestandsverminderung nur vorläufi
ger Natur (Dürre usw.), oder geschah sie bewußt in
Anpassung an wirtschaftseigene Gegebenheiten, das
ist die Frage?
Nordwestdentschland und mit ihm Schleswig-Hol
stein bergen alle Chancen einer Vestandsauswei-
tung, nachdem die Verlagerung beendet ist. Wir
stellen es mit Genugtuung fest und verbinden damit
den Wunsch, daß neben der Werbung für die Kar-
toffel- und Futterzuckerrübenmast auch die Schweb
nemastvertrüge weiterhin wirksam sein mögen, uu
für die nächste Zeit der unliebsamen rückläufiger
Bewegung bis ans angängige Maß die entgegen
gesetzte Bewegung der Bestandsausweitung folge»
zu lassen. Dr. B.
V. Die Schrveinebestandszisfern in den Teilbezirken Deutschlands
nach der MKrzzLhlnng in Millionen und in Prozent von 1934
Altersgruppe
Jahr
Reic
in Mill.
h
%
Ost
beutst
in Mill.
std.
%
Nordn
beutst
in Mill.
jest-
hid.
%
We
in Mill
t
%
Mitte?
in Mill ş °/o
Sitt
in Mill.
I Schlei
Holst
% ļin 1000
;w.-I Ost
ein preist
% |in 1000
;en
°/o
Baye
in 1000
rn
%
Ferkel
bis 2 Monate
1934
35
36
5.72
4.92
5.50
100
86
96
2.07
1.76
2.01
100
85
97
1.36
1.13
1.29
100
83
95
0.84
0.75
0.83
100
89
98
0.36
0.29
0.33
100
88
93
0.95
0.89
0.98
100 293
93 217
103> 256
100 330
74 345
88| 383
1CK
105
116
581
556
562
100
96
97
Iungschweine
2-6 Monate
34
35
36
10.02
9.57
9.59
100
96
95
3.93
3.81
3.85
100
97
98
> .Hl
1.57
1.61
la
84
86
1.42
1.43
1.44
100
101
101
0.67
0.60
0.61
100
90
91
1.85
1.88
1.81
1001 413
102 317
98| 339
1001 546
77 591
82| 637
100
110
119
1122
1131
1068
100
100
95
Unter 1/2 Jahr
34
35
36
15.74
14.49
15.09
100
92
96
6.00
5.57
5.86
100
93
98
3.23
2.70
2.91
100
83
90
2.25
2.18
2.26
100
97
101
1.02
0.89
0-94
100
87
92
2.79
2.77
2.79
1001 706
99 534
lOOļ 595
100 866
76 936
841 1020
100
108
118
1703
1687
1630
100
99
96
Ueber '/2 Jahr
34
35
36
6.27
5.73
6.05
100
91
96
2.70
2.43
2.61
100
90
97
1.10
0.89
1.00
100
81
91
0.90
0.81
0.87
100
90
97
0.45
0.41
0.43
100
91
94
0.93
0.96
0.92
100 215
102 162
98| 188
100 461
75 454
87| 497
100
98
108
552
547
552
100
99
100
Schweine
insgesamt
34
35
36
22.01
20.22
21.14
100
92
96
8.70
8.00
8.47
100
92
97
4.33
3.59
3.90
100
83
90
3.15
2.99
3.13
100
95
99
1.48
1.30
1.36
100
87
92
3.73
3.73
3.70
100
100
100
921
696
783
1001 1327
76 1390
85 ļ 1517
100
104
114
! 2225
1 2234
2182
100
88
86
Tracht. Sauen
34
35
36
1.17
1.05
1.21
100
90
103
0.44
0.39
0.47
100
89
105
0.29
0.25
0.29
100
88
103
0.16
0.15
0.17
100
94
108
0.33
0.30
0.31
100
89
93
0.187
0.170
0.184
100
91
98
60
49
58
100 82
82 83
97| 94
100
101
115
I 122
107
1 112
100
88
92
Dav. Zungsauen
bis 1 Jahr
34
35
36
0.32
0.33
0.37
100
103
113
0.12
0.13
0.15
100
110
119
0.080
0.076
0,095
100
95
119
0.048
0.054
0.059
100
113
123
0.022
0.018
0.021
100
82
95
0.050
0.043
0.045
100
86
90
16
15
19
100 24
94 32
119| 30
100
133
115
34
j 28
[ 25
100
82
75
Wie steht es «m die Weft-Ost-Wandermig der Schweine?
Vergleichende Untersuchung über den Verlauf der Standortsverlagerungen in den einzelnen Wirtschaftsbezirken auf Grnnd der Schweine-Märzzählungen 1934-36