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129. Jahrgang ' Nr. 79
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Donnerstag, den 2. April 1936
Die viel gewandert sein...
Hai>dwerSsS»Men - TeozrWe
im Lied
Von Hans Bumann -Alzey.
Es ziehen wieder Handwerksgesellen durch
die deutschen Gaue. Eine Auslese der Besten,
werden sie, die Gesellen des neuen Reiches,
in der Erinnerung aller das Bild des bettelnd
durch Deutschland streichenden Burschen zum
Verblassen bringen, der seine Fahrten oft un
ter das Motto stellte:
Wir sind unser zwanzig,
Reisen von Mainz nach Danzig.
Ach! seid so gut,
Und schmeißt uns was in den Hut!
Auf allen Straßen, wo die deutsche Zuucp
klingt, wanderten sie einst. Mancher trug sein
Felleisen weit nach Polen, Rußland, Frank
reich hinein. Man lungerte vielfach in Her
bergen herum, verbummelte kostbare Zeit mit
Nichtstun und Saufen und kehrte, jeder ein
„Hans im Glück", mit leeren Taschen, unbe
schwert vom Ballast vielen Könnens, ins
Vaterhaus zurück. Andere auch arbeiteten
was Rechtes und zierten das Handwerk, wo sie
haften blieben. Zumindest aber hatte das
lange Unterwegs den Blick geweitet.
Die Lieder der Handwerksburschen waren
der Niederschlag ursprünglichen Erlebens. In
ihnen summt die Landstraße, dünstet die Her
berge, rumort die Werkstatt. Es holpert in
knotigen, über morschen Rhythmus wackelnden
Versen dahin, es schwingt aber auch durch gut
gebaute Zeilen mit sprühenden Melodien. An
Wegrändern, in Herbergen keimen die Lieder
auf, geflügeltem Samen gleich treiben sie ins
Weite. Im wogenden Gefilde um Frankfurt
am Main scheinen sie am üppigsten zu spros
sen. Ja, diese Stadt, so glücklich auf der
Grenze zwischen deutschem Norden und Süden,
ihr Name hatte in den Werkstätten des Rei
ches, bei Meistern und Gesellen, einen Zauber
wie ein Märchen, in dem es aus allen Erd
spalten von Gold glitzert. Zu ihr strebten die
fahrenden Zunftgenossen mit frohen Herzen,
manches Lied einbringend, aus dem es wie
freundlicher Schein auf die stolze Reichsstadt
glitt:
Kommen wir nach Frankfurt hin,
Wo viele deutsche Brüder sind,
Da haben wir allezeit
Unsere größte Freud...
In der Herberge „Zum Mohren" schäumte
es über von Lebensfreude. Wohl konnte da
das eine oder andere kleine Nest, das an der
Wanderzeile gelegen, in des Bergessens Tiefe
versinken, aber nicht das ehrwürdige, große
urbehagliche Nürnberg, Frankfurts ebenbür
tige Rivalin. Noch klang's frisch in den Ohren:
Jetzt muß ich die Stadt verlassen,
Nürnberg, diesen schönen Platz.
Aber Gesellen zogen auch aus andern schö
nen Plätzen aus,' der Nürnberger Liedanfaug,
passend umgemodelt, kehrte überall wieder,
und so rauschte ein fast gleiches Abschiedslied
durch die Tore von Münster und Bremen, von
Straßburg und Berlin. Nach allen Windrich
tungen des Vaterlandes spannen die Wande
rungen der Handwerksburschen die Fäden.
Vor Müdigkeit und Hunger fast umsinkend,
steht einer vor der Schildwache in Hamburg.
„Guter Freund, will er mir sagen,
Wo kommt die Reise her?" —
„Von Linuefels (Liudenfels) kommt sie her."
Die „Perle des Oöeuwalöes" warf ihren Glanz
bis zur Wasserkante.
In einem Zuge werden die Hansestädte be
sucht und besungen:
In Lübeck hab ich's augefaugeu,
Nach Hamburg steht ja mein Verlangen,
Das Bremen möcht' ich gerne sehn...
Gesellen aus dem Osten wandern und wan
dern und schauen den Rhein:
Köln am Rhein, du schönes Städtchen,
Köln am Rhein, du schöne Stadt...
In der Erinnerung recken sich Dom und all
das andere Getürme'wieder auf:
Zu Köllen an dem Rhein,
Da so viel Kirchen und Klöster,
Als Tag im Jahre sein...
Fast jede größere Stadt paradiert im Lied''
mit einem Grundzug ihres Wesens, mit einer
besonderen Sehenswürdigkeit. Die „Geo
graphie des Handwerksburscheu" ist ein Saug
ohne Ende. Mannheim wird gepriesen als
„....die schöne Stadt,
die schöne gerade Straßen hat".
Heidelberg darf mit dem großen Faß aufwar
ten, Berlin führt sein berühmtes Reiterstand
bild vor:
Auf der laugen Bruck
Steht der Kurfürst mit Peruck',
Ist gar schön anzusehn...
Natürlich läßt der Geselle Sachsen nicht links
liegen, „wo die schönen Mädchen wachsen..."
Im Zickzackfluge reißt uns das Lied dahin,
über die deutschen Grenzen, durch ganz Eu-
DerSieg Wêŗ dêîr TsÄ / Erzählung von Willi Fehle
Als ein Bauer aus dem Altmärkischeu 1914
in den Krieg zog und Abschied nahm — der
Morgen graute kaum —, und auf dem Hof
wartete schon der Knecht mit dem Gefährt,
das ihn zum nächsten Bahnhof bringen sollte
— bat ihn seine Frau, einen Himmelsbrief
mitzunehmen und draußen im Felde bei sich
zu tragen.
Der Bauer wußte wohl, was es damit für
eine Bewandtnis hatte.
Es waren nämlich schon manche aus seiner
Freundschaft mit solchen Briefen hinausge
zogen. Sie enthielten ein geweihtes Bild, und
wer sie trug, wurde durch sie dem Schutze des
Himmels befohlen und gegen jede Gefahr
gefeit.
Nun hätte der Bauer den Brief am liebsten
sogleich zurückgewiesen, denn er glaubte, daß
es niemanden vergönnt sein könne, die Huld
des Schicksals über den Sternen so wohlfeil
zu erlangen. Dazu verachtete er allen Aber
glauben als einen Raub au dem Gut, das nie
mand ungestraft mißbraucht.
Indessen bedachte er sich kurz, nahm mit
einem Lächeln, in dem sich Wehmut und Spott
wunderbar mischten, den Himmelsbrief doch
an sich und führte seine Frau, den Arm um
ihre Schulter geschmiegt, au die Wiege zurück,
über die sich beide vorhin schon lauge Zeit
gebeugt hatten.
In dieser Wiege schlief der Sohn des Bau
ern. Auf seinen Wangen, gegen die er im
Schlaf mit lieblicher Gebärde beide Fäustchen
drückte, brannte ein zartes, fiebriges Rot. Er
war erst kürzlich von einer Krankheit genesen.
Der Tod hatte bereits zu seinen Häupten ge
standen. Aber die Frau des Bauern war da
mals nicht müde geworden, mit aller In
brunst um das Leben des Kindes zu kämpfen,
und die Sorge hatte ohne Ermatten über den
Knaben gewacht, bis das Fieber von ihm
wich.
Daran erinnerte sich jetzt der Bauer. Lieber,
so sagte er (und er liebte es, sich biblischer
Redeweisen zu bedienen,' denn er verband mit
der Frömmigkeit seines Herzens eine Regsam
keit des Geistes, die ihn wohl dazu befähigte),
lieber wolle er sich also in die Hut ihrer Sorge,
von der er erfahren habe, was sie über Todes
gefahren vermöge, begeben, als dem After
segen des Brieses vertrauen. Wenn aber diese
Sorge einmal ermatte oder sich nach Ersatz
sehne, fügte er ernst hinzu, und sah seiner
Frau mit einem Blick ins Gesicht, vor dem sie
die Augen niederschlug, so hätte der Tod vom
selben Augenblick für ihn keinen Stachel
mehr, weil ihn ein Leben ohne Liebe, die in
diese Sorge verschlungen sei, kein Leben dünke.
Das Gesicht der Frau belebte sich unter die
sen Worten. Sie war sich der Versuchung, die
ihrer Gabe heimlich iunewohnte, nicht bewußt
gewesen. Nun wurde sie ihr bewußt. Plötzlich
kamen ihr die Tränen. Sie fiel ihrem Mann
um den Hals, weinte an seiner Brust und
ruhte nicht, bis er ihr den Himmelsbrief wie
der überlassen hatte, den sie dann sogleich zer
riß.
Nicht lauge danach ist der Bauer mit seiner
Frau auf den Hof hinausgetreten und hat sich
auf den Wagen geschwungen. Er gebärdete sich
so froh und gelassen, daß sich der Knecht darü
ber verwunderte. Mit der heitersten Miene
lächelte er nochmals zu seiner Frau, die in der
Tür stand und ihren Schmerz nicht verbergen
konnte, hinüber. Ihre Sorge würde ihn nun
ohne Anfechtung und Ermatten unter die
rötlich erhellten Himmel der Schlachtfelder
begleiten,' er hatte sich ihrem Schutz empfohlen.
Darin fühlte er sich geborgen, und es schien ihm
hier nicht unmännlich, aus der Bedrängnis
ihres Herzens Kraft für den Kampf zu schöp
fen, in den er nun für sie, sein Kind, seinen
Hof und alles, was ihm teuer war, hinauszog.
Getrosten Sinnes winkte er zurück, bis das
Gehöft hinter den breiten Kronen der Apfel
bäume, die es umgaben, auch mit dem letzten
Schimmer seiner roten Dächer verschwunden
war.
Tatsächlich hat der Bauer den Krieg unver
sehrt überstanden, und obgleich er immer an
den gefährlichsten Stellen der Front lag und
es an Tapferkeit nicht mangeln ließ, ist ihm
doch nie das Geringste geschehen.
ropa. Sicher war es ein Schuhmacher, der aus
dem alten, noch fremdenfreundlichereu Ruß
land die Strophe beisteuerte:
Moskau in dem Rußland,
Mancherlei Leder sind mir bekannt
Juchten und Corduan...
In die Heimat zurückgekehrt oder sonst
irgendwo für sein Leben festgefahren, durfte
der tüchtige Handwerker in des „Wander
gesellen Lob und Preis" einstimmen und spä
ter als glücklicher Hausvater den Mädchen
raten:
Ihr Jungfern insgemein,
Freit euch nur Junggesellen,
Die viel gewandert sein...
Zwei schlichte Feldherren
Der alte Fritz und der Kritikaster.
Der Magistrat einer kleinen braudenburgi-
schen Stadt hatte von Friedrich dem Großen
die Bestrafung eines Mannes gefordert, der
in der Oeffentlichkeit Gott, den König und
einen wohledlen Rat gelästert hatte. Friedrich
beantwortete die Eingabe mit folgendem Ur
teil: „Wenn der Angeklagte Gott gelästert hat,
so ist das ein Beweis dafür, daß er ihn nicht
kennt, und Gott bedarf seiner nicht, um sich zu
verteidigen. Wenn er mich gelästert hat, so ver
zeihe ich ihm. Hat er aber einen wohlweisen
Magistrat gelästert, so verdient das des Bei
spiels wegen bestraft zu werden: ich verurteile
ihn daher zu einem halbstündigen Gefängnis
in Spandau."
Gute Kinderstube.
Der Marschall von Sachsen stand einst mit
seinem Freunde, dem Marschall von Noailles,
vor der Gartentüre des Schlosses zu Mont-
morenei und wurde von den vorübergehenden
Laudleuten sehr zutraulich gegrüßt. Freund
lich, ohne der unaufhörlichen Wiederholungen
müde zu werden, erwiderte er unverdrossen
und liebenswürdig mit gewinnender Herzlich
keit jeden Gruß.
„In der Tat", konnte sich schließlich Noailles
nicht enthalten ironisch zu bemerken, „Sie tun
des Guten doch etwas zu viel, daß Sie vor
allen diesen gewöhnlichen Leuten und Bauern
immer einzeln den Hut abnehmen."
„Nun", erwiderte darauf mit feinem Lächeln
der Marschall von Sachsen, „ich möchte diese
guten Leute nicht gerne auf den Gedanken
bringen, daß sie besser als ich erzogen wären/
Heitere Ecke
Theater-Humor.
In der Oper: Ein Herr im Parkett sagt
halblaut vor sich hin: „Was ist denn nur los?
Der Schwan muß doch kommen! Jetzt ist schon
der zweite Akt — und der Schwan kommt
nicht!" — Der Herr, der neben ihm sitzt: „Sie
scheinen nicht zu wissen, daß „Lohengrin" ab
gesagt ist, dafür ist „Carmen". — Der erste
Herr: „Ach du lieber Gott! — ausgerechnet
„Carmen", die Oper, von der ich jeden Ton
kenne!" — Sprichts und verläßt das Theater.
Ueberflüssig.
„Wozu willst Du denn einen Morgenrock,
Liebste? — Du stehst ja immer erst mittags
auf."
Quer durchs MMelmeer /
(1. Fortsetzung.)
Die ganze Stadt macht einen sauberen, ge
pflegten Eindruck. Ueüerall schön angelegte
öffentliche Parks geben den in den engen Gas
sen wohnenden Menschen die nötige Erholung.
Noch sind überall die Beete in den Anlagen,
die die Namen des englischen Köuigspaares
tragen, mit leuchtenden Blumen bepflanzt,
anläßlich der kürzlichen Feiern zum Silber
jubiläum des Königspaares. Unzählige Kir
chen fast aller Konfessionen legen Zeugnis ab
von der verschiedenartigen Bevölkerung. Wohl
die schönste und zugleich größte der katholischen
Kirchen ist die alte prunkvolle St. Johns Co.
Cathedral, die inmitten der Stadt liegt. Die
inneren Wände dieser Kirche sind mit wert
vollen gewebten Stoffen bis zur Decke empor
bekleidet. Die hohe gewölbte Decke ist bedeckt
Mit kostbaren Gemälden alter Meister. Den
steinernen Boden zieren wertvolle Mosaik
arbeiten.
Am Süöenöe der Stadt, au der Porta Reale,
genießt man von einem hochgelegenen Garten
eine wunderbare Aussicht auf das sauft hüge
lige Land. Die 300 Ouadratkilometer umfas
sende Insel beherbergt etwa 260 000 Menschen.
Hiervon lebt der größte Teil in Valetta und
ber im Innern der Insel liegenden „Citta
Veechia", d. h. die alte Stadt. Das fruchtbare
Ackerland dient zumeist dem Anbau von Kar
toffeln. Hierdurch ist Malta auf der ganzen
SSelt berühmt. Wie in Sizilien, findet mau
auch hier ausgedehnte Oliven- und Orangen-
Zaine. Gut gepflegte Straßen durchziehen die
ganze Insel und moderne Omnibusse verbin
den die kleineren Niederlassungen mit der
Hauptstadt Valetta.
Auf meinen weiteren Spaziergängen durch
die Stadt begleitet mich ein Malteser, der mir
in zuvorkommender Weise einmal eine andere,
nicht minder interessante Seite der Stadt zeigt.
Es sind die vielen Kaffeehäuser und Bars.
Auf den hier stationierten Kreuzern und in
den Kasernen liegen etwa 20 000 Matrosen.
Für diese mußte natürlich in Bezug auf Tauz-
uud Vergnügungslokale ausreichend Sorge
getragen werden. Und dies ist in großzügig
ster Weise geschehen. In den kleinen hübschen
Bars treffen wir oft deutsche und österreichi
sche Mädel, die sich auf der Bühne ihr karges
Brot verdienen. Abenteuerlust lockte die mei
sten in die Fremde. Jetzt möchten sie gern wie
der in die Heimat. Aber einmal in einem
Vertragshafen fest, ist es schwer, wieder fort
zukommen und sich das Geld von dem schlech
ten Verdienst für die Heimreise überzuspareu
ist nur wenigen möglich.
Gegen Abend wird es Zeit, sich zum Schiff zu
begeben. Diesmal gibt es kein Gedränge, um
au Bord zu gelangen, aber dafür eine neue
Ueberraschung. Von Bord des Schiffes au
Land kostete „tarifmäßig" 1)4 Lira. Inzwi
schen war anscheinend der „Tarif" auf 8 Lira
erhöht worden, fiel jedoch merkwürdigerweise
sofort auf seinen alten Kurs, als ich mich nach
einem Hüter der Ordnung umsah. Nach einer
halben Stunde schon werden die Anker gelich
tet, und vorsichtig gleiten wir durch die Enge.
Im großen Bogen wird das Cap Dellamare
umfahren, und dann geht es mit südlichem
Kurs auf die afrikanische Küste. Beim Abend
essen, das die 3. Klasse zusammen mit der
Mannschaft im Vorderschiff einnimmt, macht
mich der Koch auf lange dunkle Schatten auf
merksam, die im Wasser unser Schiff begleiten.
Es sind Haie, die sich an den über Bord gewor
fenen Küchenabfällen gütlich tun. Ihre merk
würdigen dreieckigen Rückenflossen streifen die
Oberfläche des Wassers und ziehen einen
Schaumstreifen hinter sich her. Lange Zeit
begleiten sie uns, um dann in der Dunkelheit
rasch zu verschwinden.
In der Nacht erhebt sich ein ziemlich starker
Südost. Das Schiff säugt au zu stampfen, und
oft gehen von Backbord Brecher über Deck.
Auf dem ganzen Schiff wird eifrig dem Nep
tun geopfert. Meine Mitreisenden der 3. Kl.,
die sick) zum größten Teil aus Soldaten und
Handelsjudeu zusammensetzt, gehen nicht etwa
erst an Deck, sondern bringen ihr Opfer gleich
unten im Schlasraum dar. Für einen aben
teuernden Noröeuropäer bleibt nur eines:
Das Gepäck in Sicherheit zu bringen und die
Nacht au Deck verbringen.
Gegen Morgen legt sich der Sturm genau so
schnell wie er aufgekommen ist. Die afrikani
sche Küste kommt in Sicht, wir nähern uns
unserm Ziel: Tripolis.
Dem heutigen, zum Teil aus modernen
Häusern bestehenden Tripolis ist es kaum noch
anzusehen, daß es noch vor kurzer Zeit infolge
der durch Jahrhunderte hindurch dauernden
Wirren und Kämpfe eine alte verwahrloste
Hafenstadt gewesen ist. Heute ist Tripolis ein
beliebtes Reiseziel vieler Touristen. Die Stadt
bietet schon bei der Einfahrt in den Hafen
einen schönen, gepflegten Anblick. Die runden
Kuppeln der Moscheen, die schlanken Mina
retts und eine Unmenge hoher Palmen bilden
einen merkwürdigen Gegensatz zu den moder
nen Hafenanlagen und Militärgebäudeu. Die
Ankunft eines Dampfers ist immer ein klei
nes Ereignis. Am Ufer wartet eine ziemlich
große Menge. Auffallend ist eine große
Menge Kolonialtruppen, die zum größten Teil
auf ihre Weiterbeförderung zur ägyptischen
Grenze warten. Ein Heer schwarzer Gepäck
träger wartet darauf, dem Reisenden die Kof
fer aus der Hand zu reißen. Sie tun es mit
einer Selbstverständlichkeit, die schlechthin ver
blüffend wirkt. Mit meinem Rucksack wissen
sie jedoch nichts rechtes auzufaugeu. So gelange
ich ungehindert bis zur Paß- und Gepäckkon
trolle. Wie in Malta von den englischen Be
hörden, werde ich hier von den Italienern
aufs genaueste ausgefragt. Vor allem muß ich
angeben, wiel ange ich zu bleiben gedenke, wo
ich wohnen werde seine schwer zu beantwor
tende Frage, wenn mau zum ersten Male in
Tripolis ist!) und ob ich noch weiter ins In
nere des Landes zu reisen beabsichtige. Im
letzteren Falle genügt nicht mein Visum für
Tripolis, sondern es bedarf dann noch einer
besonderen Genehmigung des Gouverneurs.
Ernste Zeiten erfordern ernste Maßnahmen
(Fortsetzung folgt.)