Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Mit zwei Zentnern durch de« Weltkrieg 
(8. Fortsetzung.) 
Eine abenteuerliche Schar umringte mich u. 
ein wilder Gesell war meinem Pferd in die 
Zügel gefallen. Mehrere drohende Gewehr- 
iàufe, von denen sich einzelne malerisch trich 
terförmig an ihrem oberen Ende erweiterten, 
richteten sich auf mich. Ans der Schar der 
Wegelagerer hörte ich immer nur das Wort 
„Serbski", „Serbski". Es war mir sofort klar, 
öaß ich es mit Arnauten zu tun hatte, die mich 
wegen meiner Uniformmütze, die an die serbi 
schen Militärkappen erinnerte, für einen ver 
sprengten Serben hielten. Ich beeilte mich 
sehr, ihnen „nema Serbski, Germanski!" zuzu 
rufen, bevor eine der Flinten losging. Sofort 
ließen sie von mir ab, küßten mir den Steig 
bügel und brachten mich unter dem Gesang 
eigenartiger Lieder in mein Quartier. Mein 
Hausherr, dessen Trichterflinte ich schon am 
Vormittag bewundert hatte, befand sich auch 
unter ihnen. 
Der eigentliche serbische Feldzug war am 
Amselfelde für uns zu Ende. Die Serben hat 
ten sich — soweit sie nicht abgefangen worden 
waren — auf montenegrinisches Gebiet durch 
geschlagen. In nächster Zeit hatten wir in- 
folgeöessen keine Kümpfe mehr zu bestehen. 
Dieser Feldzug unterschied sich in vieler Be 
ziehung von der Kriegführung, die wir bis 
dahin kannten. Es war ein Bewegungskrieg, 
daß einem das Herz im Leibe lachen konnte. 
Solange man sich mit den Serben selbst schla 
gen mußte, ging es ganz kommentmäßig zu. 
Wer besiegt wurde, lief entweder eiligst da 
von oder ergab sich, wenn kein anderer Aus 
weg blieb. Bei dem unübersichtlichen serbischen 
Terrain waren oft größere Abteilungen von 
der zurückflutenden Truppe abgesprengt wor 
den. Wenn die Leute nun einsahen, daß sie 
ihre Truppe nicht mehr erreichen konnten, 
warfen sie entweder ihre Gewehre weg und 
begaben sich in die Heimat, um ihr bürgerliches 
Gewerbe wieder aufzunehmen, oder aber sie 
behielten ihre Waffen und ergaben sich dem 
nächsten ihnen begegnenden Deutschen. Bul 
garen und Oesterreichern gingen die Serben 
so weit als möglich aus dem Wege. Ich hatte 
als Meldereiter die schönste Gelegenheit, Bil 
der zu sehen, die ich nie erwartet hätte. Weit 
abseits von jeder deutschen oder österreichischen 
Truppe, in der Nähe von Brus, kam mir ein- 
wal ein Zug von über hundert noch schwer 
bewaffneten Serben entgegen, an deren Spitze 
ein nur mit einer Lanze bewehrter Dragoner 
Att, während den Schluß ein deutscher Infan 
terist bildete, dem ein Serbe Gewehr und Tor- 
bister nachtrug. Kurz darauf kam ein Zug von 
vielleicht achtzig noch völlig kriegsmäßig aus 
gerüsteten Serben, die weiter gar keine Be 
gleitung hatten, dafür aber einen Zettel vor- 
Ģrinnerungen eines Optimisten. 
Bon Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1938 by Deutsche Berlagsai,statt Stuttgart. 
zeigen konnten, auf dem kurz vermerkt war, 
man möchte die Leute an die nächste Gefan 
genensammelstelle verweisen. Sich ohne Ge 
wehr zu ergeben, galt als sehr unfein. Mit 
der Zivilbevölkerung stellten wir uns aus 
gezeichnet, und mir persönlich ist kein Fall 
bekannt, daß durch sie irgend jemand zu 
Schaden gekommen wäre. 
Bei Pristina begegneten uns auch viele zu 
rückgehende österreichische und bulgarische Ge 
fangene, die den Serben auf irgendeine Weise 
wieder entkommen waren. Diese armen Kerle 
sahen furchtbar elend aus. Die Serben, bei 
denen es selbst nichts mehr zu nagen und zu 
beißen gab, hatten sie halb verhungern lassen. 
Manchem der armen Teufel fehlten Mantel 
und Rock, mit alten Zeitungen und Packpapie 
ren, die sie mit Baststricken um den Leib ge 
bunden hatten, suchten sie sich gegen die grim 
mige Novemberkälte zu schützen. Es war ein 
sehr trauriger Zug. Die paar deutschen Gefan 
genen, die die Serben gemacht hatten, waren 
viel besser behandelt worden. Ein deutscher 
Major, der sich in der Nähe von Paracin mit 
seinem eroberten Landauer zu weit vorgewagt 
und den die Serben dabei geschnappt hatten, 
kam in demselben Gefährt, das sogar sauber 
geputzt war, mitsamt seinem Burschen wieder 
öahergefahren. Er erzählte, die Serben hätten 
ihn gut behandelt und zum Schluß sogar acht 
gegeben, daß er heil und unversehrt zu seinem 
deutschen Truppenteil zurückfände. 
Unsere Batterie war völlig abgekämpft und 
die Pferde und Esel in einem traurigen Zu 
stande. Bon Wäschewaschen war seit zwei Mo 
naten keine Rede mehr gewesen. Die knappen 
Rasttage waren zu kurz, um die Wäsche zu 
trocknen. So hatte sich allmählich ein schreck 
liches Ungeziefer bei uns eingenistet. Auch die 
Verpflegung war immer magerer geworden. 
Brot blieb der rarste Artikel, und Salz wurde 
sozusagen mit Gold ausgewogen. Ich persönlich 
war noch gut daran, denn ich hatte in meiner 
Packtasche einen großen Brocken natürliches 
Steinsalz in einem wasserdichten Gummibeu 
tel verborgen. Nur heimlich konnte ich ihn her 
ausholen und mit dem Taschenmesser die nöti 
ge Portion abhauen. Es langte gerade für mich 
und die paar Kameraden vom Battericstab, mit 
denen ich gemeinsame Küche hatte. Um zu 
Brot zu gelangen, scheute man vor keiner 
Missetat zurück. Wir Meldereiter hatten in 
Erfahrung gebracht, daß sich in der Nähe von 
Kursumlija ein österreichisches Brotdepot nie 
dergelassen habe und unbewacht wäre. Bei 
Nacht und Nebel holten wir uns unbemerkt 
drei Tragtierlasten Brot, damit jedem Mann 
sein Laib Brot zuteil werde. Am anderen 
Morgen sind wir aber doch ein paar Stunden 
früher weitergezogen, um aus der gefährlichen 
Nähe dieses Proviantamtes zu kommen. Als 
dann am Nachmittag die Herren Feldgendar 
men nachsahen, ob wir die Missetäter gewesen 
seien, fand sich kein Krümchen mehr vor, denn 
die meisten hatten schon zum Frühstück ihre 
zwei Kilo restlos verdrückt. 
Ein in Deutschland in besseren Kreisen we 
niger geschätztes Gewürz gab unseren Speisen 
in Serbien die rechte Weihe. Es war der all 
gemein beliebte Knoblauch, der von den mei 
sten Soldaten roh, wie er war, aus der Tasche 
Die Schneestürme über Süd- und Westdeutschland 
Die Folgen des Schneesturmes, der über ganz West- und Süd 
deutschland tobte und allerorts großen Schaden anrichtete: In der 
Nähe von Usingen bei Frankfurt, wo der Sturm besonders wütete, 
brachen selbst starke Telegraphenmasten unter der Last des Schnees. 
lScherl Bilderdienst, K.) 
gegessen wurde. An frische Zwiebeln und grüne 
Paprikaschoten hatte man sich auch bald ge 
wöhnt. Den Lagerplatz einer Batterie konnte 
man so, glaube ich, schon stundenweit am schar 
fen Knoblauchgeruch wittern. Das genierte uns 
aber in keiner Weise. Nur wer in die Heimat 
auf Urlaub fuhr, enthielt sich ein paar Tage 
vorher des Genusses und kaute Kaffeebohnen. 
Von ihnen ging das Gerücht, daß sie jeden 
Knoblauchgeruch in Bälde vernichteten. Leider 
konnten unsere Rocktaschen nicht auch Kaffee 
bohnen kauen, und so blieb alles beim alten. 
WissensMertes Allerlei 
Der West-Bonrne-Flutz fließt quer durch 
den Londoner Untergrund-Bahnhof Sloane 
Square. Er ist durch einige große Eisenröhren 
geleitet, die unter dem Dach des Warteraumes 
angebracht sind, dann über den Geleisen 
weitergehen und zum Meere führen. 
♦ 
Schlafwandler sind imstande, unbewußt 
ziemlich schwierige Dinge auf Geheiß des 
Unterbewußtseins auszuführen. Sie können 
zum Beispiel verschiedene Instrumente spie 
len, Briefe schreiben, zeichnen und Rechenauf 
gaben lösen. 
* 
In dem kleinen indischen Fürstentum 
Nepal im Himalaya haben die Astrologen es 
gut. Die Eingeborenen glauben nämlich so 
felsenfest an den Einfluß der Sterne auf ihr 
Geschick, daß es keinem einfällt, ein Haus zu 
bauen, eine Reise zu unternehmen oder irgend 
etwas zu kaufen, ohne vorher die Sterndeuter 
um Rat gefragt zu haben. 
* 
Auf der Flugroute durch die Sahara sollen 
jetzt eine Art Leuchttürme errichtet werden, 
weil die Flieger wegen der am Tage häufig 
und plötzlich eintretenden Sandstürme die 
Wüste meist bei Nacht überqueren. Man will 
durch die Leuchttürme die Gefahren der Nacht 
flüge vermindern. Jeder Leuchtturm soll einen 
bestimmten Vorrat an Brennstoff haben und 
soll zwei Jahre lang ohne Aufsicht brennen. 
* 
Wenn die Eingeborene» von Ober-Ramu in 
Neu-Gninea Kopfschmerzen haben, schießen sie 
mit winzigen Bogen und Pfeilen auf ihre 
Stirnen, bis Blut kommt. Dadurch soll der 
Kopfschmerz rasch beseitigt werden. Diese 
Eingeborenen verwenden als Geld Muscheln. 
Eine einzige solche Muschel, deren Wert mit 
etwa 1 Mark angenommen wird, genügt, um 
dafür eine Frau zu kaufen. 
* 
Ein erfinderischer Schuhmacher in Kurdistan 
hat entdeckt, daß man aus alten Autoreifen 
sehr bequeme und haltbare Schuhe machen 
kann. Diese Schuhe werden von den Bewoh 
nern jener Gegend mit Vorliebe getragen, da 
sie in der regnerischen Jahreszeit sehr praktisch 
zum Durchwaten der schlammigen Wege sind. 
Lchiffsttagödie« 
und Flaschenpost 
Von Steuermann Otto Letzner. 
Als der Mensch — gelockt von der geheim 
nisvollen Ferne — sich mit kleinem sclbstge- 
"autem Boot zum ersten Male aufs offene 
Meer hinauswagte, steckte die Menschheits- 
Eultur noch in ihren Kinderschuhen. 
Vom ausgehöhlten Baumstamm des Urmen 
schen zum Wikingerschiff, vom Wikingerschiff 
«um Fahrzeug der Antike, vom Fahrzeug der 
Antike zum modernen Ozeanriesen der Jetzt 
zeit — welch eine großartige Entwicklung be 
deutet das! Kühnes Wagen, heldischer Mut, 
üimmermüder Entdeckergeist all der Männer, 
die das Meer befuhren, haben in der Vergan 
genheit höchste Triumpfe gefeiert,' aber neben 
gch den Ruhmestaten ist auch manche Tragödie 
'» den Annalen der Schiffahrtsgeschichte aufge 
zeichnet. 
. Ehe zu Anfang des 20. Jahrhunderts die 
drahtlose Telegrafie aufkam, mit der heute fast 
jedes seefahrende Schiff ausgerüstet ist und 
rse es ermöglicht, im Falle der Gefahr für 
l-chiff und Leben der Besatzung und Passagiere 
schnelle Hilfe herbeizurufen, war vordem jedes 
schiff, das in Seenot geriet, hilflos sich selbst 
überlassen. 
Äm Altertum bediente man sich bei Schiffs- 
Anfällen schwimmender Hohlkörper, um eine 
^tzte Nachricht auszusenden,' mit der Erfin 
dung des Glases kam dann die Flaschenpost 
w Anwendung. 
Man bedenke, diese war vor der Erfindung 
^ ŗ drahtlosen Telegrafie die einzige Möglich 
keit, der Mitwelt Kunde zu geben von einer 
Katastrophe, die über ein Schiff hereingebro 
chen war! Wieviel Schrecknisse, grausiges Er- 
eben, Verzweiflung, aber auch letzte Hoffnung 
Zugleich mögen diese Dokumente, die in zer 
brechlichem Glase eingeschlossen waren, durch 
Wellen und Wogen getragen haben! Die mei 
sten wohl sind, nachdem sie viele tausend Mei 
len weit wanderten, an einer felsigen Küste 
irgendwo zuletzt noch zerschellt,' wenn aber 
eine gefunden wurde, so war es der blinde Zu 
fall meist, der dem grausamen Meere sein Ge 
heimnis wieder entriß. 
Als ich im Jahre 1904 mit meinem Schiff in 
Liverpool lag, war ganz England noch in Er 
regung über die Schreckenstaten von Meute 
rern auf hoher See,' sie waren wegen der 
Grausamkeit, mit der sie ihre Verbrechen be 
gingen, durch den Strang öffentlich hingerich 
tet worden, wenige Tage vor unserer Ankunft. 
Eine Flaschenpost war es, die zur Entlar 
vung und Dingfestmachung der Verbrecher ge 
führt hatte. 
Ich brachte darüber folgendes in Erfahrung: 
Auf dem englischen Dreimaster „Zoe" — auf 
der Reise von Cardiff nach Valparaiso — brach 
eine Meuterei aus. Der Bootsmann und fünf 
Matrosen brachten das Schiff in ihre Gewalt. 
Der Kapitän, der erste Steuermann sowie die 
übrigen Besatzungsmitglieder wurden nieder 
gemacht, nur der zweite Steuermann blieb am 
Leben,' durch Drohungen zwang man ihn, das 
Schiff in die Nähe der Küste zu navigieren: 
hier wollten die Banditen das sichere Land er 
reichen. 
In einem unbewachten Augenblick gelang es 
dem zweiten Steuermann, eine Flaschenpost 
fertig zu machen und sie durchs Bullauge zu 
werfen. Aber auch er wurde am vierten Tage 
nach der Meuterei ermordet, denn die schreck 
lichen Gesellen mißtrauten ihm. Sie steckten 
darauf das Schiff in Brand und gingen in ein 
Rettungsboot. Am nächsten Tage schon wurden 
sie von dem englischen Dampfer „Jnverneß" 
gesichtet und als Schiffbrüchige geborgen. Am 
gleichen Tage trieb das traurige Dokument, 
das der Todgeweihte mit heißem Gebete ins 
Meer geworfen hatte, an einem argentinischen 
Torpedoboot vorbei und wurde von diesem 
aufgefischt. Kabeltelegramme brachten die 
Nachricht bald in die Hafenstädte. Und während 
Polizei fieberhaft tätig war, um der Verbre 
cher habhaft zu werden, erzählten diese dem 
Kapitän der „Jnverneß" ein gut erfundenes 
Märchen von einem Schiffbruch der „Zoe" und 
ihrer wunderbaren Rettung. — Wie sich später 
in der Gerichtsverhandlung herausstellte, hat 
ten sie selbst zwei ihrer Kumpane noch ersto 
chen und aus dem Boot geworfen. — Der Ka 
pitän des Dampfers hatte ihnen Glauben ge 
schenkt: aber als die „Jnverneß" wieder in 
ihrem Heimathafen festmachte und er seiner 
Instruktion gemäß die vier Schiffbrüchigen 
der Hafenbehörde übergab, ward es offenbar, 
daß man anstatt vier armer Schiffbrüchiger 
Mörder und Meuterer gefangen hatte. — Die 
Flaschenpost hatte ein dunkles Verbrechen ans 
Tageslicht gebracht, das sonst ungesühnt und 
ein ewiges Geheimnis des Meeres geblieben 
wäre. 
Ich erlebte während meiner mehr als drei 
ßigjährigen Seefahrtszeit zweimal das Auf 
finden einer Flaschenpost. Beide berichteten sie 
über Schiffstragödien. 
Wir schrieben das Jahr 1908. Ich befinde 
mich mit dem englischen Viermaster „Ceeder- 
bank" auf der Reise nach Chile. Der Segler 
kreuzt die warme Meeresströmung an der 
Ostküste Südamerikas, den Sargossostrom. 
Seegras und Algen — weite Flächen bildend 
— treiben, üppig wuchernd, mit der Strö 
mung: von Seespinnen und anderem Meeres 
getier wimmelt es darin nur so. 
Bei leichter Brise macht das Schiss langsame 
Fahrt, und so ergötzen wir uns damit, Außen 
bordswasser in Pützen aufzuschlagen, um in 
den Besitz von Seegras zu gelangen oder See- 
sterne zu erbeuten: denn selbst ein bescheide 
nes Andenken, wie es Seegras in Flaschen 
gefüllt ist, bereitet daheim immer große Freu 
de. Unser Bedarf ist fast gedeckt, da schlagen 
wir in der letzten Pütze eine Flasche mit auf. 
Sie ist mit gallertartiger Masse überzogen und 
mit den Seepflanzen wie verwachsen. Nach 
ihrer Reinigung sehen wir erstaunt, daß wir 
da unversehens eine Flaschenpost aufgefischt 
haben. Wie lange mochte sie wohl schon getrie 
ben, wie viele Schiffe daran vorbeigefahren 
sein! — Wir schlagen sie entzwei und ziehen 
aus den Splittern ein Schriftstück hervor, da 
tiert 12. August 1897 — Englisches Vollschiff 
„Mary Rose". Darunter stehen fast unleserlich 
einige Sätze. Erschüttert lesen wir,-was zittrige 
Hände hingekritzelt haben. 
„6. August. Das gelbe Fieber ist an Bord! 
Zwölf Mann der Besatzung sind schon gestor 
ben, auch die Frau-des Kapitäns ist erkrankt. 
8. August: Die Frau vom Kapitän ist heute 
früh gestorben. Wir mußten sie mit Gewalt 
anwendung über Bord setzen, denn der Ka 
pitän wollte sich nicht von ihr trennen. In 
einem Anfall von Geistesgestörtheit hat er 
daraus den ersten Steuermann und den 
Bootsmann erschossen und ist über Bord ge 
sprungen. 12. August: Der Koch, der Segelma 
cher und drei Matrosen sind heute gestorben, 
ich bin nur noch allein, und fühle mein Ende 
auch heranuahen.. Ich empfehle meine Seele 
Gott! John Williams, 
Erster Steuermann „Mary Rose"." 
Welch ein Bild des Jammers spricht aus 
diesen knappen Sätzen! Wir sehen eine ganze 
Schiffsbesatzung in Fluch und Gebet mit dem 
erbarmungslosen gelben Fieber ringen: Män 
nern, die in der Vollkraft ihrer Mannesjahre 
vielen Stürmen und Gefahren siegreich trotz 
ten, bereitet die tückische Würgehand ein bitte 
res Ende. Ein düsterer Schatten mehr schwebt 
das Schicksal der „Mary Rose" übers Meer, 
und volle elf Jahre mußten vergehen, che die 
Lieben daheim und die Mitwelt Kenntnis er 
hielten von dieser Tragödie — durch eine Fla 
schenpost, die der Zufall im Weltmeere fand. 
(Schluß folgl.j 
129. Jahrgang ' Nr. 93 
Beilage der Schleswig.Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Dienstag, den 21. April 1936
	        
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