Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Der Außenhandel im MNrz 
Die Einsuhr 
^ktrug im März 385 Mill. MJl. Gegenüber dem 
Vormonat ist sie damit um 21 Mill. MJl, d. h. 6,4 
Hundert, gestiegen. Dem Umfang nach war 
"le Zunahme noch etwas starker, da die Durch 
schnittswerte, insbesondere in der Einfuhr von 
Nahrungs- und Genußmitteln, etwas gesunken sind. 
Die Steigerung der Einfuhr im Mürz ist zum Teil 
wohl saisonmäßig zu erklären. Sie entfällt überwie 
gend auf die Ernährungswirtschaft. Innerhalb 
dieser Hauptgruppe ist die Einfuhr von Nahrungs-, 
Ģenuh- und Futtermitteln pflanzlichen Ursprungs 
um rund 10 Mill. MJl gestiegen. Zugenommen hat 
mer insbesondere der Bezug von Oclsrüchten und 
Delsaaten. Aber auch die Einfuhr von lebenden 
Vieren und Erzeugnissen tierischen Ursprungs hat 
bcgenüber dem Vormonat eine verhältnismäßig 
beträchtliche Steigerung erfahren. Im Bereich der 
gewerblichen Wirtschaft betrug die Zunahme 3 Mill. 
Reichsmark. Gestiegen ist der Bezug von Rohstoffen 
und von Fertigwaren, und zwar innerhalb der letzt 
genannten Gruppe sowohl der Bezug von Bor 
erzeugnissen als auch von Euderzeugnissen. Die 
Einfuhr von Halbwaren ist dagegen leicht gesunken. 
Ländermäßig betrachtet waren an der Erhöhung der 
Einfuhr im März vorwiegend überseeische Gebiete 
beteiligt. Besonders stark zugenommen hat die 
Einfuhr aus Argentinien, die im Mürz mehr als 
doppelt so hoch war als im Februar (Mais, Därme, 
Zolles. In geringerem Umfang sind Steigerungen 
°ber auch bei der Einfuhr aus Chile sHülsenfrüchte, 
Zolles, Kolumbien (Kaffee), Britisch-Jnüien (Ocl- 
si'iichte) und der Südafrikanischen Union (Wolle) 
àu verzeichnen. Rückgängig waren dagegen die Ein 
fuhr aus der Türkei (Baumwolle) und aus den 
Vereinigten Staaten von Amerika (Baumwolle), 
'innerhalb Europas stehen einer Erhöhung der 
Einfuhr aus Dänemark (lebende Tiere und Nah 
rungsmittel tierischen Ursprungs), Norwegen 
ş-iran), Spanien (Südfrüchte) und Großbritannien 
^Felle zu Pelzwerk), Rückgänge der Einfuhr aus 
Schweden (Eisenerz), Ungarn (Fleisch) und der 
lldSSR (Mineralöle) gegenliber. 
Die Ausfuhr 
bat von 374 Mill. MJl im Februar auf 379 MM zu- 
öenommen. Die Steigerung beruht im wesentlichen 
auf einer Zunahme der Ausfuhrmengen. Die Aus 
fuhrdurchschnittswerte waren gegenüber Februar 
kaum verändert. Die Zunahme, die ausschließlich 
jahreszeitlich bedingt ist, bleibt nicht unbeträchtlich 
hinter den Steigerungen in den vergangenen Jah 
ren zurück. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß 
der jahreszeitliche Rückschlag in den Monaten 
Januar und Februar, gemessen an der Entwicklung 
in früheren Jahren, gering war. Die Ausfuhr liegt 
sowohl mengen- als auch wertmäßig über dem 
Nîärzergebnis 1988. Von einer leichten Erhöhung 
in der Gruppe „Ernährungswirtschaft" abgesehen, 
entfällt die Steigerung im wesentlichen auf die 
Gruppe „Fertigwaren". An dieser Erhöhung waren 
sowohl Vorerzeugnisse als auch Enderzeugnisse be 
teiligt. Die Ausfuhr von Rohstoffen, die in den 
Vormonaten bereits rückgängig war, hat auch im 
März wieder leicht abgenommen. 
Die Entwicklung der Ausfuhr nach Ländern war 
im März sehr unterschiedlich. Der Absatz nach euro 
päischen Ländern ist im ganzen gestiegen, und zwar 
waren an dieser Zunahme vor allem die Nieder 
lande, Frankreich, die Schweiz, Rumänien, Jugo 
slawien und Italien beteiligt. Nennensioert gesun 
ken sind die Lieferungen nach Großbritannien, Grie 
chenland, Dänemark und der UdSSR. Die Aus 
fuhr nach Aubereuropa hat im ganzen leicht abge 
nommen. Vermindert war in der Hauptsache die 
Ausfuhr nach Argentinien, Brasilien, den Bereinig 
ten Staaten und Japan. Höher war dagegen die 
Ausfuhr nach China und Britisch-Jnüien. 
Die Handelsbilanz 
schließt im Mürz mit einem Ausfuhrüberschuß von 
24 Mill. MM gegenüber 40 Mill. MJl im Februar 
ab. Für die ersten drei Monate dieses Jahres er 
gibt sich damit eine Aktivität von 82 Mill. MJl, 
während der Außenhandel im ersten Vierteljahr 
1938 noch mit einem Einfuhrüberschuß von 150 Mill. 
Reichsmark abschloß. 
Im einzelnen sind im Außenhandel des Monats 
März folgende Veränderungen hervorzuheben: 
Die Steigerung der Einfuhr von lebenden Tieren 
um insgesamt 2,2 Mill. MM entfällt vorwiegend auf 
Pferde (plus 1 Mill. MM) und Rindvieh (pluS 
1 Mill. MM). In der Gruppe Nahrungsmittel tie 
rischen Ursprungs hat in erster Linie die Einfuhr 
von Trau (plus 3,2) zugenommen. Ferner ist aber 
auch der Bezug von Därmen (plus 1,8), Schmalz 
(plus 1,8) und Butter (plus l) gestiegen. Die Ein 
fuhr von Fleisch (minus 2,6) und Fischen (minus 
1) ivar dagegen rückgängig. In der Gruppe Nah 
rungsmittel pflanzlichen Ursprungs, deren Einfuhr 
um 11 Mill. MJl höher war als im Vormonat, ha 
ben vor allem die Lieferungen von Oclsrüchten 
(plus 5,9) zugenommen. Steigerungen ergeben sich 
aber ferner auch bei Südfrüchten (plus 2,3), Kaffee 
(plus 2,2), Mais (plus 1,5) und Küchengewächsen 
(plus 1,4). Nennenswert vermindert ivar lediglich 
die Einfuhr von Rohtabak (minus 1,9). 
Im Bereich der gewerblichen Wirtschaft war die 
Einfuhr von Rohstoffen um 1,8 Mill. Mm höher als 
im Februar. Eine verhältnismäßig starke Zunahme 
ist bei Wolle (plus 5,6) zu verzeichnen. Dagegen hat 
die Einfuhr von Baumivolle um 6,5 Mill. MJl und 
Zrrr Pflichtkontrolle êņ MtêlmMt® 
Ueber den Aufbau der Pflichtmilchkontrolle im 
Nahmen der LandeSbauernschast Mecklenburg gibt 
Oberlandwirtschaftsrat Dosse im amtlichen Organ 
dieser Körperschaft folgendes Bild bekannt: „Die 
Durchführungsbestimmungen sehen für die Pflicht- 
kontrolle eine allgemein regelmäßige vierwöchige 
Prüfung vor. Damit entfallen auf einen Kontroll- 
Assistenten monatlich etwa 22 Kontroll-Arbeitstage, 
an denen er je nach der Größe der Bestände monat 
lich 22 Betriebe besuchen kann. Betriebe mit kleine 
ren Beständen werden zu einem Kontrollarbeitstag 
zusammengefaßt, so daß die monatlich regelmäßig zu 
prüfende Zahl der Betriebe sich nach den örtlichen 
Verhältnissen richtend vergrößern kann. Mehrere 
Kontrollvereine, etiva 12 bis 14, werden zu einem 
Oberkontrollbezirk zusammengefaßt, damit die 
Untersuchungen der Milchproben nach den Anord 
nungen des Beauftragten des Reichsnährstandes in 
einer geeignet gelegenen Molkerei erfolgen können. 
Da mit einem Durchschnittsbestand je Kontrollver 
ein von etwa 400 Kühen gerechnet wird, umfaßt ein 
Oberkontrollbezirk bis zu 6000 Kühe. Die Ober- 
kontroll-Assistenten des Oberkontroll-Bezirkes ha 
ben die eingesandten Proben ans ihren Fettgehalt 
zu untersuchen und die Kontroll-Assistenten in ihrer 
Tätigkeit zu überwachen und beratend in den Er 
zeugerbetrieben tätig zu sein. Durchschnittlich acht 
Oberkontrollbezirke werden einem Leistungsinspek 
tor, der seinen Sitz bei dem zuständigen Kreisticr- 
zuchtamt hat, unterstellt werden. Bei einem Gesamt 
kuhbestand von 250 000 Milchkühen entfallen durch 
schnittlich je Leistungslnspcktor bis zu 50 000 Milch 
kühe. Dem Leistungsinspektor obliegt die Beauf 
sichtigung der im Bezirk des Kreistierzuchtamtes 
tätigen Oberkontroll-Assistenten sowie die Bearbei 
tung aller mit der Leistungsprüfung verbundenen 
Fragen. Alle Kontrollvereine sind wiederum zum 
Landeskontrollverband ohne Ausnahme vereinigt." 
Elitesaatgut für gelbe und blaue 
Sätzķuptnen vergeben 
Wie der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes 
von zuständiger Stelle erfährt, ist das Elitesaatgut 
der gelben und blauen Süßlupine für den Ver- 
mehrungsanbau 1936 bereits restlos vergeben. Wei 
tere Bewerbungen uni einen derartigen Vertrags 
anbau müssen deshalb für 1986 abgelehnt werden. 
Schon jetzt wird darauf hingewiesen, daß Bewerber, 
die für das Jahr 1937 Elitesaatgut zum Vcrmeh- 
rungSanbau übernehmen wollen, sich möglichst zu 
Beginn des JahreS 1937 an die Saatguterzeu- 
gungS-Gefellschaft wenden. Gleichzeitig wird be 
kanntgegeben, daß jedoch für das Jahr 1936 aner 
kanntes Hochzuchtsaatgut der gelben Sützlnpine und 
der blauen Süßlupine für den Eigcnanbau noch be 
reitstellt. 
von Flachs, Hanf, Jute usw. um 0,9 Mill. 'MM ab* 
genommen, so daß die Einfuhr von Textilrohstoffen 
insgesamt gesunken ist. Im übrigen sind hervorzu 
heben Steigerungen in der Einfuhr von Oelfrüch- 
ten zu technischen Oelen (plus 1,7), Fellen zu Pelz- 
iverk (plus 1,2) und Papierholz (plus 1). 
In der Einfuhr von Halbwaren, die insgesamt 
um 0,8 Mill. MJl abgenommen hat, sind nennens 
werte Veränderungen nicht zu verzeichnen. 
Die Einfuhr von Fertigwaren war insgesamt um 
2,4 Mill. MJl höher als im Februar. Hiervon ent 
fallen 1,7 Mill. MJl auf die Vorerzeugnisse und 0,7 
Mill. MJl auf Enderzeugnisse. Im einzelnen hielten 
sich die Veränderungen in engen Grenzen. 
In der Ausfuhr ist bei Fertigwaren eine Steige 
rung um 6 Mill. MM eingetreten. Der Absatz von 
Vorerzeugnissen war dabei insgesamt um 1,7 Mill. 
Reichsmark höher als im Februar, und zwar ist 
hierbei insbesondere die Ausfuhr von chemischen 
Vorerzeugnissen gestiegen. Der Absatz von 'Ender 
zengnissen hat insgesamt um 4,3 Mill. MJl zuge 
nommen. An dieser Zunahme waren Textilerzeug 
nisse mit 8,4 Mill. MJl beteiligt. Abgesehen hiervon 
weist nur die Ausfuhr von Eisenwaren (plus 2) und 
Kraftfahrzeugen (plus 1,1) eine nennenswerte 
Steigerung auf. Eine Abnahme zeigt dagegen die 
Ausfuhr von Maschinen (minus 3,8) und von 
Wasserfahrzeugen (minus 2,2 Mill. MJl). 
Neue Anordnungen sür die Nußwirtschast 
Im Reichsanzeiger vom 20. April veröffentlicht 
die Ueberwachungsstelle für Ruß die Regelung des 
Einkaufs, des Verkaufs und der Verarbeitung von 
Ruß. Ruß im Sinne dieser Anordnung ist Gas- und 
Azetylen-Ruß. Der Kauf von Ruß ausländischer 
Herkunft im Jnlande oder Auslande ist nur mit 
vorheriger Zustimmung der Ueberwachungsstelle zu 
lässig. Die Lieferung von Ruß ausländischer Her 
kunft im Inland darf nur gegen Aushändigung 
einer Einkaufsbewilligung erfolgen. Die Ucber- 
wachuugsstelle kann weitergehende Ausnahmen zu 
lassen. Die Verarbeitungsmenge wird jeweils für 
ein Vierteljahr in Hundertsätzen derjenigen Menge 
festgesetzt, die der Verarbeiter vierteljährlich im 
Durchschnitt des Jahres 1935 in seinem Betrieb ver 
arbeitet hat. Die Anordnung tritt am 1. Mai in 
Kraft. 
Einer Aufhebung der Schweinekontingentierung 
könne, auch wenn wieder reichlich Schweine vorhan 
den sein werden, vorerst doch das Wort nicht geredet 
werden, damit der Markt nicht wieder in Unord 
nung gebracht werde, erklärte Bezirksobermeister 
Otto ans dem Obermeistertag des Bezirks. Die 60- 
prozentige Rinderkontingentierung müsse aus all 
gemein wirtschaftlichen Gründen unbedingt durchge 
führt werden, wofür jeder einzelne Obermeister 
für sein Bereich die Verantwortung trage. 
Ein Sang von Treue und Webe 
Roman von Leontine v. Winterfeld Platen 
Nachdruck verboten. 
„Ich habe noch nie gespielt mit einem Weib. 
Und werde es auch nicht tun um eines Man 
nes Leben." 
Helge zuckt die Schultern. 
„Es wäre nicht um eines Mannes Leben, 
wildern um vieler Männer Leben. Aber wenn 
vir dein alter Vater so wenig gilt —" 
Er hat nur halblaut gesprochen, aber Biörn 
Ģlutauge hat es doch gehört. 
Sein Adlerblick fliegt herüber zu seinem 
Sohn. Und dann zu Helge. 
„Spare dir deine Worte, Helge Harthand. 
Dias Biörnsohn kann nicht mit den Lippen 
schmeicheln und mit dem Herzen lügen. Denn 
et ist mein Kind. Gerade Wege müssen wir 
hehen, die wir von Nordland sind. Und wenn 
bns auch ein krummer Pfad das Leben retten 
wnnte. Die Götter führen uns nach ihrem 
Rat. Wir sollen nur rein bleiben und treu, 
dessen Blutes bist du, Helge Harthand, daß du 
»ns solches rätst?" 
Helge beißt sich auf die Lippen und antwor- 
wt nicht. Trotzig blickt er vor sich nieder in 
den Sand. 
So kommt der Abend herauf und mit ihm die 
Kühle und die Sterne. 
In ihrem kleinen Frauengemach, das von 
solumen und anderen Wohlgerüchen duftet, 
ntzt Julia vor ihrem Spiegel, indes die 
Sklavinnen sie schmücken. Eine lichtrote Am- 
Uvl schwebt an silberner Kette von der gemal- 
K'n Decke nieder, ein mildes, weiches Licht 
uerbreitend. In bronzenen Schalen duften 
Rosen und Orangenblüten auf kleinen Mar- 
Ulortischen. Von der Terrasse draußen tönt 
weiche Musik. Ein Chor von Sklavinnen singt 
schwermütige Weisen zum Saitenspiel. 
In gelber Seide fließt das gelbe Gewand 
Uber Julias schlanke Glieder. Sic greift hin 
über nach dem kleinen Metallspiegel. 
„Gib mir den Spiegel, Sylphe. Sagt, bin ich 
schön?" 
Sylphe lächelt sic an. 
„Wie Aphrodite selber, Fürstin." 
Aber Julia wirft den Spiegel zornig auf die 
„Warum lügt Ihr alle? Du und Du und 
Su? Auspeitschen lasse ich Euch, wenn Ihr 
Uvch einmal lügt. Wenn ich schön wäre, hätte 
wich angesehen. — Er sah mich nicht." 
Phöbe lacht. 
„Was macht das, Fürstin? Weiß denn dieser 
Rordlandsbär, was Sitte ist? Was schöne 
es, 
ihr 
Frauen sind? Aber unsere Römer missen 
Fürstin, die oft zu Euch zu Gaste kommen/ 
Julia zerreißt eine weiße Rose, die vor 
auf dem Putztischchen liegt. 
„Was nützt mir das? Ich will, daß er es 
weiß! Aber ich will nun in die Halle. Hier er 
sticke ich." 
Sie ziehen eilfertig die Purpurvorhänge zu 
rück und sie schreitet langsam und lässig durch 
ihre Reihen, dabei irrt ihr Blick unruhig um 
her. 
„Bringt noch Fackeln her, daß es hell, recht 
hell sei! Und die Musik soll süßer spielen — 
weicher — milder. Und dann sagt den Sklaven, 
daß sie den Nordlandsgreifen hereinführen zu 
mir. Und eine Kanne mit Zypernwein und 
zwei Becher stellt an mein Ruhebett. Und nun 
laßt mich allein!" 
Langsam geht Julia nach vorne bis an den 
großen Torbogen, von wo aus man weit hin- 
aüschauen kann über das Meer. Sie lehnt den 
heißen Kopf an eine der Marmorsäulen und 
blickt träumend hinaus. 
Wie die Sterne heraufkommen aus dem 
schlummernden Meer! Auf den Inseln wachen 
die Lichter auf. Und auch Julia wacht auf. Denn 
dies ist die erste Nacht in ihrem Leben, daß sie 
sich langweilt. 
Jetzt hebt sic lauschend den Kopf. 
„Wie Sirenensang tönt das Saitenspiel mei 
ner Frauen. Und dazwischen rauscht die Bran 
dung an die Klippen. Wo bleibt er nur, der 
stolze Nordlandsgreif?" 
Auf der Terrasse hinter dem Purpurvorhang 
hört man schwere Schritte. Dann wieder tiefe 
Stille. Julia zuckt zusammen. 
„Da kam doch wer? Ob er es war? Warum 
kommt er nicht herein?" 
Sie geht rasch zum Purpurvorhang hinüber 
und zieht ihn ein wenig auseinander. 
„Nordlandsgreif, bist du da?" 
Draußen antwortete Olafs Stimme: 
„Ja, Fürstin." 
Julia legte die Hände auf die wogende Brust. 
„Was bleibst du draußen in der kalten 
Nacht?" 
„Ich soll hier Wache stehen vor deiner Halle, 
sagten mir deine Meerkatzen, und gaben mir 
ein winziges Schwert." 
Julia muß die Hand auf den Mund pressen, 
um nicht laut zu lachen. 
„Du darfst hereinkommen, Nordlandsgreif!" 
„Wozu, Fürstin? Hier draußen ist es schö 
ner." 
Julia wird weiß wie die Rose, die sie vorhin 
Zum Schiilerunglück aus dem Schau insland 
Die Aufbahrung der fünf englischen Schüler in der Friedhofshalle von Freiburg 
im Breisgau, die auf so tragische Weise während des Schneesturms auf dem Schau- 
inslanü ums Leben gekommen sind. Hitlerjugend hält die Totenwache. An dem 
schweren Verlust, der die englischen Eltern betroffen hat, nimmt das deutsche Volk 
herzlichen Anteil. «Scherl Bilderdienst, K.) 
zerrissen. Sie stampft mit dem goldenen Schuh 
auf den persischen Teppich. 
„Narr, so befehle ich dir, hereinzukommen.* 
Langsam teilte sich der Purpurvorhang, 
langsam tritt Olaf in die Halle. 
„Bei Baldurs Schwert! Das blendet einem 
ja fast die Augen. Was befiehlst du, Fürstin?" 
Julia lächelnd: 
„Ich befehle nichts. Ich bin auch nicht 
Fürstin jetzt. Ich bin nur Julia — ein schwa 
ches Weib." 
In dem Augenblick kommt aufgeregt und 
schreiend ein Sklave herein. 
Streng herrscht Julia ihn an: 
„Wer hat dir erlaubt, mich jetzt zu stören?" 
Der Sklave sinkt in die Knie und kreuzt die 
Arme vor der Brust. 
„Vergebung, Fürstin, aber es sind zwei ge 
flohen von den Nordmännern, die Wächter 
wissen selbst nicht wie." 
Froh ruft Olaf: 
„Welche?" 
„Der Finstere, der sich Helge nannte, und der 
Alte mit den Glutaugen." 
Julia macht eine lässige Handbewegung. 
„Was gelten mir die andern gegen diesen? 
Laßt sie laufen! Doch ihre Wächter soll man 
auspeitschen. Und wer mich diese Nacht noch 
einmal stört, den lasse ich blenden. Und wenn 
ganz Sizilien brennt, ich will jetzt allein sein." 
Lautlos schließen sich die Purpurvorhänge 
hinter dem Sklaven. 
Julia legt sich auf ihr Ruhebett und spielt 
mit einem Pfauenwedel. 
„Laß sie doch laufen, deine Getreuen. Sprich 
du mir von anderen Dingen." 
Olaf lehnt sich an eine der Säulen und ver 
schränkt die Arme. 
„Wovon, Fürstin?" 
„Hast du schon einmal ein Weib geküßt?" 
„Ja, Fürstin, mit den Lippen habe ich ihre 
weiße Stirn gestreift, als es zum Abschied 
ging." 
„Die Stirn nur? Nicht auch den Mund?" 
„Nein, Fürstin." 
„Ach, Nordlandsgreif, das glaubt kein Rö 
mer dir." 
Olaf zuckt die Achseln. 
„Dann glaub' er's nicht, Olaf log noch nie. 
Was fragst du mich denn erst danach?" 
Julia sieht ihn zärtlich an, weich und voll 
Hingebung. 
„Hättest du denn nimmer Verlangen, einmal 
eines Weibes Mund zu küssen?" 
„Du fragst wunderlich, Fürstin." 
Julia atmet schwer. 
„Gib mir Antwort, du — wilder Nordlands 
greif. Könntest du wohl ein Weib lieben?" 
(Fortsetzung jvlgl.i
	        
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