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129. Jahrgang.
Schleswig-VolsteLnisthL
129. Jahrgang.
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Nr. 94
Mittwoch, den 22. April
1838
Der hölzerne Völkerbundssäbel zerHrschsn
Paris beim Ausbau einer neuen Stresa-Front
England legt einen Haushaltsplan der Aufrüstung vor - Italien will mit der Besetzung von Adhis-Abeba
eine militärpolitische NüÄendeckung sich verschaffen
Endgültig in Genf begraben.
2er Iser-Msschuß vertagt sich.
DNB. Genf, 21. April. Der Vorsitzende des
18er-Ausschusses, de Vasconcellos, hat an die
Mitglieder des Ausschusses ein Schreiben ge
richtet, in dem er folgendes mitteilt: --
Nach gründlicher Prüfung der gegenwärtigen
politischen Lage und nach Befragung der Mit
glieder des 18er-Ausschusses, die sich zur Zeit
in Genf aufhalten, bin ich zu dem Schluß ge
kommen, daß der gegenwärtige Augenblick
nicht den geeigneten Zeitpunkt für eine Zu
sammenkunft darstellt.
Genf ist in der Versenkung verschwunden.
Italien marschiert und wird demnächst in der
Hauptstadt Abessiniens einziehen. Damit hat
Italien eine vollendete Tatsache geschaffen. Es
geht nun nicht mehr um Afrika, sondern um
Europa. Englands Stellung ist gegenüber
Frankreich und Italien sehr geschwächt wor
den, Nach dem Abschluß der Wahlen in Frank
reich wird das Pariser Spiel um europäisches
Schicksal beginnen. Die Vorbereitungen dazu
werden schon jetzt getroffen, wie sich aus nach
folgenden Meldungen ergibt:
DNB. Paris, 22. April. (Eig. Funkmeld.)
Der Außenpolitiker des Excelsior "glaubt zu
wissen, daß man sich in der gestrigen Unter
redung zwischen dem aus Genf zurückgekehrten
Staatsminister Paul-Boncour, dem Minister
präsidenten und dem Außenminister in der
Hauptsache mit der Fortsetzung der Versöh-
nungsbemühungen mit Italien beschäftigt
habe. Es sei eine Tatsache, daß der italienische
Vertreter in Genf trotz der zuvorkommenden
Haltung Frankreichs keine Gelegenheit ge
nommen habe, um den französischen Vertreter
über die italienischen Friedensbedingungen
oder über die italienische Politik in Europa
zu unterrichten. Man werde deshalb die ver
hältnismäßige Ruhe, die während der Wahl-
propaganda herrsche, ausnutzen, um zu ver
suchen, auf diplomatischem Wege einige Auf
klärungen zu erhalten. In französischen Re
gierungskreisen wünsche man mit Recht, über
das Schicksal unterrichtet zu werden, das Abes
sinien nach der Besetzung von Addis Abeba
haben werde. Denn man vergesse nicht, daß es
sich um einen Französisch-Somaliland benach
barten Staat handele. Man wolle ferner über
die von Italien versprochene Mitarbeit (!) an
dem Wiederaufbau des europäischen Friedens
unterrichtet werden. Seit den letzten Be
sprechungen der Locarnomüchte in London habe
die italienische Regierung keinerlei Aufklä
rung mehr gegeben, und es sei zweifelhaft, ob
Man sich auch englischerseits mit einer voll
endeten Tatsache in Abessinien abfinde.
*
Ueber die Zusammenhänge geben wir nach
stehend einen zusammengefaßten Bericht:
In der Information" klagt Herriot beweg-
ļich darüber, daß der sogenannte Völkerbund
uur einen Holzsäbel habe und deshalb soeben
zweimal besiegt worden sei, einmal am Rhein
und einmal in Ostafrika. Es hat keinen Zweck,
mit Herrn Herriot darüber zu streiten, wie oft
der Völkerbund seit seiner Begründung schon
die schwersten Niederlagen hat verzeichnen
Müssen, ohne daß sie in den zuständigen Krei
sen der führenden Mächte als solche überhaupt
Mr Kenntnis genommen wurden. In jedem
Fall zeigt der Artikel Herriots ebenfalls die
von uns bereits wiederholt angedeutete Ten
denz der französischen Politik auf, von der lei
digen afrikanischen Affäre möglichst schnell zu
den Hauptaufgaben der gegenwärtigen franzö
sischen Regierung zurückzukehren, nämlich zur
-Neutralisierung des großen deutschen Frie-
^ensplanes, was gleichbedeutend ist mit der
Durchsetzung der Forderungen, des französi
schen Gegenplanes, und zweitens zur Rück
führung Italiens nach Stresa. Das letztere
wird in der französischen Dialektik als „Wie
dergewinnung Italiens für seine europäischen
/Pflichten" oder als „Mitarbeit Italiens an
der europäischen Sicherheit" dargestellt.
Die letzte Genfer Komödie hat bei allen Be
teiligten eine ausgesprochene Katzenjammer-
stimmung hinterlassen, nicht zuletzt deshalb,
weil jeder Beteiligte außer mit dem Geschehe
nen auch mit jedem anderen Teilnehmer un
zufrieden ist. Man fühlt sich in einem höchst
kritischen Augenblick allzu stark vor aller Welt
bloßgestellt in dem Sinne, wie es der „Daily
Herald" kennzeichnet, wenn er feststellt, daß
der Völkerbund sich tm gleichen Augenblick
vertagt habe, wo fremde Truppen vor Addis
Abeba stünden. Es gilt also, die öffentliche
Aufmerksamkeit von dieser bisher stärksten
Belastung des Völkerbundes und seiner füh
renden Mächte abzulenken auf die sog. deutsche
Frage. Im Sinne der genannten beiden Ziele
der französischen Außenpolitik forciert man
also von Paris aus die Aufstellung und Ueber-
reichuug der angekündigte» englischen Rück
fragen in Berlin und versucht dabei, das eng
lische Außenministerium in der Richtung zu
bevormunden, daß man ihm nahelegt, nun auch
seinerseits in Berlin die Fragen zu unterbrei
ten, die der französische Außenminister Flan-
din bereits bei seiner Rede in Vezelay stellte
und die dann in dem Pariser Gegenplan wie
derkehrten. Und zweitens erwartet man von
Rom aus eine Gegenleistung für die von
Frankreich betriebene Verhinderung der Sank-
tionsverschärfung zu erhalten. Man hofft in
Paris, daß Italien entweder noch jetzt in Genf
durch Baron Aloisi oder dann wenigstens in
nächster Zeit irgendeine Erklärung abgibt, die
Frankreich zu der Hoffnung berechtigt, daß
Italien einmal die „Wacht am Brenner" wie
der in der früheren Form bezieht und zweitens
eine Art Kontrollfunktion im europäischen
Südosten übernimmt.
In diesem letzteren Zusammenhang ist es
zum mindesten eine Frage, ob nicht die zu Un
recht wenig beachtete Erkundungsreise Austen
Chamberlains in das Donaugebiet insofern
den französischen Plänen zuwiderläuft, als
England vielleicht im Hinblick auf eine durch
aus mögliche ernstere Komplikation im Mit
telmeergebiet seinerseits ein gewisses Gegen
gewicht gegen die kürzlich erfolgte Verstärkung
des römischen Dreierpaktes zu schaffen ver
sucht. Man darf annehmen, daß diese englische
Reise sich in sehr absehbarer Zeit, beispiels
weise im Frühsommer, also zu Beginn der
großen Regenzeit in Abessinien, praktisch be
merkbar machen und daun sehr aktuell werden
wird. v
Lord Cranborne
über de« italienisch-abesstnischen Krieg.
England tiM
um den heißen Brei herum.
DNB. London, 22. April. (Eig. Funkmeldg.)
Am Schluß der gestrigen Unterhaussitzung er
griff Lord Cranborne als Vertreter der Regie
rung das Wort, um auf die Bemerkungen eini
ger Abgeordneter zum italienisch-abesstnischen
Krieg zu antworten.
Lord Cranborne führte aus, es sei ebenso
unweise wie unwahr, wenn man behaupte, daß
ein Sieg Italiens, den man als eine Nieder
lage des Völkerbundes betrachten könne, auch
eine Niederlage Großbritanniens genannt
werden könne. England betrachte sich lediglich
als getreues Mitglied des Völkerbundes.
Wenn der Völkerbund im Januar eine Oel-
sperre ohne Zusammenarbeit mit den Ver
einigten Staaten verhängt hätte, so würde das
nicht die gute Wirkung gehabt haben, auf die
einige Abgeordnete jetzt verwiesen. Die eng
lische Regierung habe keinen Grund gehabt,
anzunehmen, daß die Regierung der Vereinig
ten Staaten bereit gewesen wäre, mit den
Völkerbundsstaaten in der Oelfrage gemein
same Sache zu machen. Von einigen Seiten
sei der Vorschlag gemacht worden, daß Groß
britannien den Suezkanal sperren und von sich
aus eine Oelsperre durchführen solle. Eine
solche Politik wäre zwar heldenhaft, aber da sie
nicht kollektiv wäre, so würde sie auch nicht der
gegenwärtigen Krise gerecht werden. Die Re
gierung sei sich der ernsten Lage bewußt und
wünsche die Tatsachen in Abessinien weder zu
übersehen noch zu verkleinern. Das neue
Ideal eines internationalen Systems brauche
aber Unvermeidlichkeit, um es durchzuführen.
Zanksagimg des Führers.
DNB. Berlin, 21. April. Zu meinem gestri
gen Geburtstag sind mir voll meinen Volks
genossen aus dem Jnlande wie aus dem Aus
lande Glückwünsche und Zeichen treuen Ge
denkens in so überwältigender Fülle zugegan
gen, daß es mir leider unmöglich ist, jedem
einzelnen zu antworten. Ich mutz daher die
sen Weg wählen, um all denen zu danken,
die meiner mit Glückwünschen gedacht haben,'
ich verbinde hiermit auch meinen Dank an die
vielen Tausende, die gestern vor der Reichs
kanzlei und bei der Parade mir durch Zurufe
ihre Treue und Verbundenheit zum Ausdruck
brachten.
Was ist z« tun?
Unter dieser Ueberschrift schreibt „Das
Schwarze Korps", das Führerorgan der SS.,
Folge Nr. 16, folgende bemerkenswerte Zeilen:
Dem Volksentscheid des 29. März mit seinem
auch für uns alle überraschenden Ergebnis
folgte sofort der neue große und staatsmänni-
sche Schritt Adolf Hitlers zur weiteren Siche
rung des Reiches nach außen und des Friedens
in der Welt in London. Das deutsche Bekennt
nis der Volksabstimmung hat über seine Kraft
für kommende deutsche Schritte in Europa und
der Welt hinaus eine ganz besondere inner
politische Aufgabe gestellt, die gleich der Siche
rung nach außen den Weg zur inneren Siche
rung klar vorzeichnet.
Wir wollen daran denken, daß es sich am
29. März in erster Linie um einen persönlichen
Vertrauensbeweis unseres Volkes für den
Mann und das Werk Adolf Hitlers handelte.
Das restliche Prozent der Neinsager kommt bei
aller Betrachtung in der Zukunft nicht in
Frage, da es sich dabei um alle jene Elemente
handelt, die niemals zu einer positiven Hal-
tnng fähig sind, denn wäre beispielsweise der
Mörder Seefeld zur Zeit der Wahl noch in
Freiheit gewesen, auch er hätte naturgesetz-
mäßig gegen den Führer und sein Werk ge
stimmt.
Wir haben erlebt, daß jener kühnste Traum
vergangener Jahre zur faßbaren Wirklichkeit
geworden ist, das Wort nämlich: Adolf Hitler
ist Deutschland und Deutschland ist Adolf Hit
ler. In diesem Satz, der ein Programm zu
sammenfaßt, liegt die innerpolitische Ausgabe
der kommenden Zeit.
Adolf Hitler hat durch seine Person und sein
Werk das ganze millionenfache Herz seines
Volkes in Besitz genommen, hat ein Maß des
Vertrauens und damit der Kraft gewonnen,
wie niemals vorher Kaiser und Könige oder
Staatsmänner in der deutschen Geschichte oder
in der Geschichte irgendeiner anderen Nation.
Es ist an uns, diese Kraft zu bewahren und zu
erhalten für all die schweren und großen Ent
schlüsse, die der Führer ja immer nur mit die
ser ganzen Kraft fällen und erfüllen kann. Es
ist unser Anteil an dieser Aufgabe, die innere
Sicherung zu garantieren mit den Erfahrun
gen der Vergangenheit und mit der neuen
Lehre, wie sie uns der 29. März gewesen ist
und bleiben muß.
Wir haben dafür zu sorgen, daß durch nichts
Kleines und Halbes dieses vertrauende Herz
des ganzen Volkes verbittert, enttäuscht oder
gar zurückgestoßen wird. Es gibt in unserem
inneren Leben nichts zu vertuschen, zu ver
schweigen oder gar zu verschönern, denn ein
Volk, das diesen Beweis seiner Anständigkeit
erbringen konnte, wie wir ihn soeben erlebten,
wird cius jedem Fehler, wenn er eingesehen,
gesühnt und gebessert wird, nur jeweils neue
Beweise für die Richtigkeit seines vertrauen
den Glaubens erkennen.
Es gilt, darauf zu achten, daß es nichts Kost
bareres und Heiligeres geben kann, als im
Namen und Auftrag Adolf Hitlers zu handeln,
und jedem Mann und jeder Stelle ist nach
nationalsozialistischem Recht mit allen Mitteln
entgegenzutreten, menu mit diesem Namen
Mißbrauch getrieben wird. Wenn also, und
das bedeutet in einfacher Konsequenz ein sol
cher Mißbrauch, ein Spalt zwischen Volk und
Führer entstehen könnte, der Raum und Nähr
boden für Krankheitskeime aller Art wäre.
Es gilt daher, zu wachen aus Sauberkeit und
Anstand im Innern in allen, auch den kleinen
Dingen des Tages, denn jeder Hoheitsträger,
jeder Offizier oder Beamte, jeder hingesetzte
Betriebsführer und politische Beauftragte ist
ja an seinem Platz Statthalter Adolf Hitlers,
dessen Kraft er alles zu danken hat und dessen
Namen er in allem Handeln reinhalten und
bewahren muß vor jeder Möglichkeit des Un
willens, Mißtrauens oder Feindschaft, die aus
seinem Nichtvermögen, seiner Fehlerhaftigkeit
oder gar noch schlimmeren Ursachen entstehen
könnten.
Wir haben darüber zu wachen, daß dieses
Vertrauen, daß dieser tiefe Glaube niemals
durch Krämer und Bürointriganten, durch
engherzige Paragraphenreiter und Dumm
köpfe oder gar volksfremde Theoretiker ver
wirtschaftet wird.
Jedem dieser Burschen gleich bei passender
Gelegenheit auf die Pfoten geklopft, das bessert
schnell den Schaden, mehrt das Vertrauen zur
führenden Autorität und ist gleichzeitig ein
mahnendes Bespiel an anderem Ort für ähn
liche Möglichkeiten.
Wir kennen keine Unterscheidungen nach
Vorrechten in unserem Volk, der 29. März hat
den Beweis gebracht, wie falsch es gewesen
wäre, vom Parteibuch die Fähigkeit und Be
rechtigung im öffentlichen Leben allein ent
scheidend abhängig zu machen. Dieser Tag hat
auch den letzten Schein vom Recht einer solchen
Theorie zur Sinnlosigkeit verurteilt.
Deutschlands Volk denkt nationalsozialistisch,
wer wollte nach diesem Beweis anderen Glau
bens sein?
Uns, die wir in langen Jahren Adolf Hitler
begleiten durften durch Kampf und Sieg, uns,
den alten Soldaten der Bewegung, denen das
Schicksal besondere Pflichten gab, bleibt immer
und ewig die Aufgabe, zu arbeiten an der Er
haltung und weitergehenden Festigung dieses
Vertrauens, uns bleibt vor allem die Aufgabe
der nationalsozialistischen inneren Sicherung
des Reiches, die Voraussetzung für alles Leben
und Wachsen für Volk und Reich bedeutet.
Unser Recht wird gemessen an der Erfüllung
dieser Pflicht. Wir sind stolz in unseren
Reihen, wir haben keine Lorbeeren gesammelt,
um nun darauf alt und grau zu werden, denn
die Aufgabe dieser Zeit hält uns jung und
frisch, wir dienen dem Führer und damit
Deutschland.