^29. Jahrgang Jtr. 94
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsbucger Tageblatt)
Mittwoch, den 22. April 1936
KatsstrsphenWirbel Vb Aber Deutschland
Zu den ungewöhnlichen Wettcrereignissen der letzten Tage. — Polare Schneeftürme über
Westdeutschland. — Nordafrikanische Warmluft über Ostdeutschland. — Niederschläge auf zwei
Monate im voraus. — Noch weitere Wetterüberraschnngen dieses Jahr?
(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Ein Unwetter großen Ausmaßes hat in
Liesen Tagen Süd- und Westdeutschland
heimgesucht. Die Wetterkatastrophe stand
im unmittelbaren Zusammenhang mit der
eigenartigen Wetterlage, die seit einiger
Zeit in Europa herrscht und in den ver
gangenen Tagen eine besondere Zuspitzung
erfuhr. Wie diese plötzlichen „Revolutio
nen der Luft" entstanden, berichtet unser
meteorologischer Spezialmitarbeiter.
Keine Aprillaune des Wettergottes.
Es ist falsch, anzunehmen, daß das Unwetter
Ende voriger Woche, von dem besonders die
süd- und westdeutschen Teile Deutschlands be
troffen wurden, nur eine Wetterlaune im
Sinne des Aprils gewesen sei. Die kata
strophalen Ereignisse waren vielmehr der
Höhepunkt einer abnormen Wetterstruktur,
die bereits in den Ostertagen sich durch nach
winterliche Kalte mit Schneefällen bemerkbar
wachte. Es handelte sich um eine Uebersteige-
rung eines Kälteeinbruches, mit dem ein
Warmluftvorstoß aus subtropischen Breiten
parallel lief, so daß ein regelrechter Kampf um
die Herrschaft in der Atmosphäre zwischen zwei
grundverschiedenen Luftmassenfronten begann.
»»Achtung, es entsteht eine Katastrophen
wetterlage!"
Gewöhnlich verlaufen in Europa die Zug
richtungen der atmosphärischen Luftdruck
gebilde, also der sogenannten barometrischen
Hochs und Tiefs, westöstlich vom Atlantik nach
Nordosteuropa. Dadurch erfolgt eine sinnvolle
Vermischung gegensätzlicher Luftmassen, so daß
Keime für gefährliche Spannungen in der
Atmosphäre von vornherein abgeschwächt wer
den. In den letzten Wochen konnte man dage
gen eine auffallende Verschiebung in den Zug
richtungen der für das europäische Wetter maß
geblichen atmosphärischen Gebilde feststellen.
Eingeleitet durch einen radikalen Kältevorstoß
aus dem Nordpolargebiet, hatte sich zu Beginn
des Monats April über Nordwesteuropa zwi
schen Großbritannien und Grönland ein mäch
tiges Kaltluftloch gebildet. Durch seine Füh
lung mit der Polarzone blieb es lebenskräftig
und an Ort und Stelle liegen, so daß es gegen
über den vom Westatlautik auf der gewohnten
Zuglinie herankommenden Tiefs, unseren
Warmluftbrnrgern, wie eine Barriere wirkte.
So wurden die Tiefs gezwungen, ihren Kurs
Su ändern. Sie wanderten teilweise hoch im
Norden um das Kaltluftloch herum und kamen
bei Spitzbergen wieder in Sichtbereich, von wo
aus sie südöstlich über Skandinavien und die
Ostsee nach Südosteuropa wanderten. Andere
Mieder der atlantischen Tiefdruckfamilien
wählten dagegen einen südlichen Kurs um das
Kaltluftloch und erschienen auf dem Wege über
Spanien im Mittelmeergebiet, um von hier
aus norünordostwärts über die Alpen nach dem
östlichen Mitteleuropa zu ziehen. Mit dieser
Verschiebung der Luftdruckgebilde und der
Aenderung der Zugbahnen war der Keim für
ungewöhnliche Wetterereignisse vorhanden,
besonders durch die südliche Zugbahn der Tiefs
Spanien—Mittelmeer—Alpen—Mitteleuropa,
die in der meteorologischen Wissenschaft „Vb-
Zuglinie" genannt wird und als Katastrophen-
briuger gilt.
Gigantenkampf zwischen den Luftmassen.
Bekanntlich ist die Windrichtung von dem
jeweiligen Verhältnis der Luftdruckgebilde
zueinander abhängig. In diesem Falle bedeu
tete die Verschiebung der Luftdruckgebilde und
ihrer Zugbahnen eine Ausschaltung des nor
mal temperierten Südwestwindes, für den eine
kalte Nordströmung eintrat. Diese Nordströ
mung blieb verhältnismäßig harmlos, solange
die Tiefdruckgebiete der oben erwähnten nörd
lichen Zugbahn das Wetter beherrschten. Sie
brachten lediglich unfreundlich kaltes Wetter
wie beispielsweise an den Ostertagen.
Bedrohlich wurde aber die Lage, als die Tief
druckgebiete der südlichen Zugbahn vom Mit
telmeer sich belebten, nachdem die polare Kalt
luft bis in afrikanische Breiten gelangt war.
In dieses Stadium geriet die Wetterlage in der
letzten Woche, als ein Sturmtief der gefähr
lichen „Vb-Linie" über die Alpen nordwärts
wanderte. Dieser Wirbel war entsprechend
seiner südlichen Herkunft mit Warmluft ge
füllt und saugte weiterhin mit südlichen Win
den weitere Warmluft nordwärts, so daß über
Ostdeutschland die Temperatur in der zweiten
Hälfte der vorigen Woche 15 bis 22 Grad er
reichte. Gleichzeitig aber verursachte der Wir
bel entsprechend den Windgesetzen über der
westlichen Reichshälfte eine Verstärkung der
Nordwinde, die zu vollem Sturm wurden und
die Temperaturen bis in die Nähe des Null
punktes sinken ließen.».
Eine Retorte mit gefährlicher Mischung.
Damit war eine Lage entstanden, wie sie z.
B. in Nordamerika typisch für Wirbelstürme
WAerlêî ans aAsr Welt
China trauert jetzt auch in Schwarz.
KK. Seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit
Jahrtausenden, ist in China weiß die Farbe
der Trauer. Jetzt hat aber die Nanking-Re
gierung in ihrem Bestreben, westliche Ge
bräuche einzuführen, bestimmt, daß in Zukunft
auch in China Schwarz die Farbe der Trauer
sein soll.
Lieber dick als berühmt.
„Nein, ich kann den Kontrakt nicht unter
schreiben", sagte die neunzehnjährige Tomasita
Bird, eine junge Newyorker Filmschau-
spielerin, zu dem erstaunten Filmagenten.
„Sie wissen ja selbst, alle Filmschauspielerin
nen müssen ganz schlank sein,' ich habe es aber
satt, dauernd so dünn herumzulaufen, ich
möchte wenigstens eine Zeitlang wieder richtig
essen und dicker werden dürfen."
Nach 20 Jahren den Vater wiedergefunden.
Eine ungewöhnliche Fügung des Schicksals
hat den französischen Boxer Angelmann nach
20 Jahren den totgeglaubten Vater wiederfin
den lassen. Angelmann wurde kurz vor Aus
bruch des Krieges in der damals noch deutschen
Stadt Kolmar im Elsaß geboren. Obwohl deut
scher Staatsbürger, trat Angelmanns Vater
1914 in das französische Heer ein. Im Verlaufe
des Krieges wurde Angelmann sen. vermißt.
Die Frau bemühte sich vergeblich, etwas über
das Schicksal ihres Mannes zu erfahren, und
sie setzte ihre Nachforschungen bis zu ihrem vor
drei Jahren erfolgten Tode fort. Angelmann
selbst, den alle Welt für gefallen hielt, hatte
ebenfalls seine Familie lange gesucht, aber es
war auch ihm nicht gelungen, seine bei Kriegs-
beginu aus Kolmar geflüchtete Frau und sei
nen Jungen ausfindig zu machen. Er nahm
dann später bei Verdun eine Stellung als
Gärtner an. Vor einiger Zeit zeigte ihm ein
Bekannter die in einer Zeitung veröffent
lichte Photographie des jungen Boxers, der
ebenfalls Angelmann hieß und dem Gärtner
auffallend ähnlich sah. Daraufhin schrieb
Angelmann an den französischen Boxverband,
der den zur Zeit seiner Militärpflicht genügen
den Sohn von dem Wiederauftauchen seines
Vaters benachrichtigte.
KönigSsohn will Rundfunksprecher werden.
Man hat in den letzten Tagen viel davon ge
sprochen, daß der Graf Cavadonga, der älteste
Sohn des Königs Alfons XIII. von Spanien, im
Begriff stehe, sich mit seinem Vater zu ver
söhnen. Der Reporter in Havre habe jedoch
bis zur Stunde vergeblich auf die Ankunft
des Grafen gewartet. Man hört vielmehr aus
Newyork, daß er im Begriff stehe, bei einer
Radiogesellschaft den Posten eines Sprechers
zu übernehmen.
Immerhin weiß man, daß der Graf, der erst
vor wenigen Tagen durch 22 Blutübertragun
gen im Laufe eines Monats vom sicheren Tode
gerettet wurde, sehr unter der Entfremdung
mit seinem Vater leidet.
Andererseits will er aber an seiner Ehe mit
Edelmira San Pedro, der Tochter eines rei
chen kubanischen Kaufmanns, festhalten. Die
einzige Hoffnung des Grafen Cavadonga ist,
daß sich erst seine Mutter mit König Alfons
versöhnt und dann die „Friedensverhandlun
gen" zwischen ihm und dem Vater mit mütter
lichem Geschick in die Hand nimmt.
Trauung auf Skiern.
Auf einzigartige Weise ließ ein junges
schwedisches Brautpaar seine Trauung voll
ziehen. Es unternahm mit zwei Trauzeugen
und dem Geistlichen am Ostersonntag eine
Skitour bis auf einen 1500 Meter hohen Berg
gipfel. Dort oben holte der Geistliche seinen
Talar aus dem Rucksack, vollzog die Trauung,
und dann sauste die kleine Hochzeitsgesellschaft
auf Skiern hinab ins Tal.
und Blizzards ist: eiskalte Polarluft flankierte
sich in einer scharfen Grenzlinie, die quer durch
Deutschland südnördlich verlief, mit sehr war
mer Subtropikluft. Aus dieser Grenzlinie er
folgte die Weiterentwicklung des Tiefs der Vb-
Linie, das sich mit einer riesigen Retorte ver
gleichen ließ, in der polarkalte und subtropisch
warme Luft sich vermischte. Dadurch erzeugten
sie einen an Kraft ständig zunehmenden Wir
bel, in dessen Umkreis die Luftmassen in im
mer schneller rotierende Bewegung bis zu
Orkanstürke gelangten. So wehten über dem
westdeutschen Raum schwere Nordstürme, und
als Mischungsergebnis entstanden nach dem
physikalischen Gesetz die Niederschläge, die so
lange anhalten mußten, wie der Luftwirbel
Lebcnsenergie zeigte. Dadurch, daß dieser
Wirbel ziemlich ortsfest war, also nicht wie
gewöhnlich schnell weiterwanderte, blieb die
entstandene Niederschlagszone zwei Tage über
Süd- und Westdeutschland lagern, es trat also
eine Verkettung unglücklicher Umstände ein.
24 Stunden lang Windstärke 12.
Der Höhepunkt dieser Katastrophenlage wurde
der Ausbruch des Schneesturmes. Der Luft
wirbel der Vb-Linie hatte sich so vertieft
(730 Mm. Barometerstand) gegenüber den
westeuropäischen Gebieten, daß die Winde zu
vollem Orkan wurden, immer mehr nordwärts
an Raum gewannen und sogar skandinavische
und ostgrönländische Kaltluftmassen ansogen.
Infolgedessen sanken die Temperaturen noch
weiter, die Niederschlagsbildung wurde noch
stärker und führte zu unerhörten Schneever
wehungen in den süd- und westdeutschen
Gauen. Der Einbruch dieser Kaltluft mit den
Schneeböen erfolgte mit ungeheurer Wucht.
Die Bergobservatorien Westdeutschlands regi
strierten 24 Stunden laug Windstärke 12 und
starken Schneefall. Selbst die Täler des Tau
nus, der Rhein-Maingau und die klimatisch
begünstigte Bergstraße waren gegenüber der
Gewalt der Kaltluft, die böenartig aus der
Höhe herabstürzte, schutzlos.
,J» zwei Tagen die Niederschläge von
zwei Monaten.
Die Niederschlagsmengen waren ganz unge
wöhnlich. Durchschnittlich fallen in West-
dentschland im April insgesamt 50 Mm. Nie
derschlag, das sind 50 Liter auf 1 qm Boden.
Bei dem Unwetter der letzten Woche sind in 48
Stunden vielfach die gesamten normal zu er
wartenden Niederschläge von April und Mai
gefallen. Diese gewaltigen Wassermengen ha
ben natürlich ein starkes Ansteigen der Flüsse
gebracht, und es besteht Hochwassergefahr,
wenn der durchweg ein Meter hohe Schnee in
den Berglagen plötzlich abschmelzen sollte.
Das Unwetter ist eines der ungewöhnlichsten
meteorologischen Ereignisse gewesen, die wir
in den letzten Jahrzehnten erlebten. Nicht
allein wegen der Tatsache eines schweren
Schneesturmes nach Mitte April, sondern auch
in der Eigenart der Luftdrucklage. Es läßt sich
nicht leugnen, daß die Wettersituation in die
sem Jahre in vielfacher Hinsicht vom Nor
malen abweicht und allerhand Ueberraschungen
für die Zukunft noch erwarten läßt. W. L.
Schiffstragödlen
Md Flaschenpost
Von Steuermann Otto Letzn er.
(Schluß.)
^Die zweite Flaschenpost fischten wir im
Jahre 1929 während der Heimreise von Balti
more — 300 Seemeilen von den Azoren ent
fernt auf. Sie trieb aufrecht im Wasser, und
ein rotes Fähnchen, das mit Draht am Hals
^er Flasche befestigt war, hatte von weitem
schon unsere Aufmerksamkeit erregt. Sie hatte,
mie wir feststellen konnten, nur zwölf Stun
den im Wasser getrieben und stammte von der
Norwegischen Bark „Skien". Hier fand durch
eine Verkettung von tragischen Umständen
eine ganze Schiffsbesatzung ihr Grab in den
Wellen.
Auch dieser Bericht war kurz. Der Kapitän
teilte mit, daß sein Schiff bei einer plötzlich
Aufkommenden schweren Böe mit darauffol
gendem Sturm alle drei Masten verloren hät-
ie und dabei von beiden Wachen, die sich noch
oeim Bergen der Marssegel befanden, der
größte Teil mit über Bord gegangen wäre. Er
şei mit den letzten fünf Mann in das zweite
Rettungsboot gegangen, habe aber wenig
Hoffnung auf Rettung. Letzte Grüße an die
Angehörigen und die Reederei waren zu be-
Aellen noch aufgetragen. Die Ortsbestimmung
ņ>ar angegeben. Unterzeichnet Olaf Laarsen.
^ Wir selbst hatten mit diesem Sturm schwer
au kämpfen gehabt und waren durch ihn vom
festgesetzten Kurs verdrängt worden. Bei
Einern Abflauen änderten wir sofort unsern
Kurs und dampften in der Richtung der be
zeichneten Stelle. Und tatsächlich sichteten wir
gegen Abend ein treibendes Wrack. — Wir
steuerten es an. Auf die Signale unserer
Dampfsirene folgte weder eine Antwort noch
ein Zeichen. Kein Zweifel, es mußte das ge-
suchte Schiff sein. Wie ein großer flügellahmer
Sturmvogel lag es auf dem Wasser. Alle drei
Masten mit der Takellage hingen über Bord.
Es lag fast 45 Grad nach Backbord über. Hef
tige Brechseen hatten die Decksladung über
Bord gcspiilt und mit ihr das Mannschafts-
lvgis. — Wir setzten ein Boot aus und enter
ten aus das Unglücksschiff über. Am Bug stand
der Name „Skien". — An Bord war ein
wüstes Durcheinander,' aber nirgends konn
ten wir weder einen Lebenden noch einen To
ten entdecken. Beim Betreten der Kapitäns
kajüte fanden wir ein Lebewesen,' es war die
schwarze Katze des Kapitäns, die uns wütend
anfauchte. Und als Begleitmusik dazu drang
aus dem Schiffsraum das dumpfe Glucksen des
Wassers, das durch die eingeschlagene Ladeluke
eingedrungen war. Das Loggbuch und alle son
stigen Papiere fehlten,' der Kapitän hatte wohl
alles mit ins Boot genommen. Wir wurden
traurig bei dem Gedanken, daß diese Unglück
lichen im Boot nicht noch einen halben Tag
länger an Bord geblieben waren,' aber bei
der Schnelligkeit, mit der das Verderben oft
mals hereinbricht, mögen sie wohl in panischer
Angst das Schiff verlassen haben in der An
nahme, es werde absinken. Nirgends aber war
ein Leck geschlagen. So beschlossen wir, das
Wrack, da es noch schwimmfühig war, abzu
schleppen. Durch das Kappen der noch über
Bord hängenden Takellage kam es wieder in
waagerechte Lage. Wir brachten eine starke
Schleppvorrichtung an, einige Mann blieben
zwecks Steuerung auf dem Wrack zurück und
es gelang, das schwer havarierte Schiff in den
Hafen von Fayal einzuschleppen. —
Heutzutage kommt es nur noch vereinzelt
vor, daß ein Schiff, das keine drahtlose Station
an Bord hat, sich bei einem Unfall einer Fla
schenpost bedient. Oesters aber geschieht es, daß
Passagiere von Dampfern ans Scherz eine
Flaschenpost ins Meer werfen.
So erzählte mir ein Schiffskollege, er hätte
nach dem Kriege im Mittelländischen Meer
einmal eine Flaschenpost aufgefischt. Er fand
darin zwar keine Mitteilung über den Unter
gang eines Schiffes und seiner Besatzung, son
dern die Visitenkarte eines Weinbergbesitzers
aus der Wiener Umgebung, der ein Tausend-
Kronenschein angeheftet war. Der Finder, so
stand darauf, möge einmal nach Wien zum
Heurigen fahren und ein paar Flascherl Wein
airs das Wohl des Absenders trinken. Mein
Schiffskollege ist dieser Aufforderung nicht ge
folgt — nicht etwa, weil er ein Verächter des
guten Tropfens wäre, — sondern das Kärtchen
trug als Datum den 15. September 1913 und
der Tausendkronenschein hatte leider nur noch
Sammlerwert. Zu diesem Reinfall hatte er
obendrein noch eine ärgerliche Auseinander
setzung mit dem Kapitän, weil durch das Stop
pen des Schiffes immer kostbare Zeit verloren
geht.
Mehr Glück hatte ein brctonischer Fischer.
Der fand zwischen den Fischen, die er mit sei
nem Netz aus dem Meere zog, eine Flaschen
post, die ein Amerikaner — wohl in einer
Sektlaune — über Bord eines Luxusdampfers
geworfen hatte. Wie erstaunt war unser
armer Fischer, der sieben Kinder mit harter
Händearbeit ernährte, als er nach Oeffnen der
Flasche ein Schriftstück in Händen hielt, das
ihn in den Besitz eines Legates in Höhe von
zehntausend Dollar setzte. — Seit dem Tage,
da diese Begebenheit in den Zeitungen stand,
mag mancher Janmaat, wenn er sich sonst auch
nur für volle Flaschen interessiert, mit Lux
augen nach jeder leeren von Bord eines
Schiffes weggeworfenen und nun im Meere
treibenden Flasche spähen,' es ist aber bis
heute noch nicht gemeldet worden, daß ein
spleeniger Jaukee von seinen Dollarmillionen
mit Hilfe der Flaschenpost wieder etwas unter
die Leute brachte.
Flaschenposten, wo immer sie heute noch ge
funden werden, sind letzte Zeugen des roman
tischen Zeitalters der Segelschiffahrt, das durch
die Epoche der modernen Schiffbautechnik mit
Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten,
ihrer drahtlosen Telegrafie abgelöst wurde.
Wissenswertes Allerlei
Die Frauen in Großbritannien geben jähr
lich etwa 60 Millionen Pfund Sterling für
Schönheitsmittel und Schönheitspflege aus.
*
Unter je 5 Personen, die bei einem Verkehrs
unfall getötet werden, befindet sich eine Person
unter 15 Jahren.
*
In England heirateten im vergangenen
Jahre 342 307 Personen,' von ihnen waren
427 Bräute und 463 Bräutigame nicht imstande,
ihren Namen zu schreiben.
*
Jeder Londoner macht durchschnittlich in je
dem Jahre 435 Fahrten mit Untergrundbahn,
Autobus oder Eisenbahn.
—.
Juv Unterhaltung