Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wovt und Bild 
Hitlers „Mein Kampf" für jedes neue Ehepaar 
Empfehlung ises Innenministers 
an die Slandesbeamlen. 
NDZ. Berlin, 22. April. (Gig. Funkmeld.» 
Durch Runderlatz an die Standesbeamten und 
ihre Aufsichtsbehörden bezeichnet es der 
Reichs- und preußische Innenminister als er 
wünscht, das; die Standesbeamten, soweit die 
finanzielle Lage der Gemeinden dies nicht aus- 
schlieht, bei der Eheschließung jedem Ehepaar 
das Buch des Führers „Mein Kampf", Volks 
ausgabe, aushändigen, Die Aushändigung 
kommt nur in Betracht, sofern keiner der Ehe 
gatten Jude ist und der Ehemann die deutsche 
Staatsangehörigkeit besitzt. Die Kosten für die 
Beschaffung des Werkes sind als sächliche Ko 
sten der Standesamtsführung anzusehen, die 
den Gemeinden zur Last fallen. Es wird emp 
fohlen, einheitlich zum 1. Mai 1936 mit der 
Aushändigung anzufangen. 
SeeLLs 7Ş. GàrtsLag 
Der hervorragende Heerführer und Schöpfer 
der Reichswehr, Generaloberst Hans von 
Seeckt, der im August vorigen Jahres sein 
öOjähriges Militärjnbilüum feiern konnte, 
vollendet hente, am 22. April, sein 70. Lebens 
jahr. Er wurde 1866 als Sohn des nachmaligen 
Generals der Infanterie von Seeckt in 
Schleswig geboren und trat 1885 als Fahnen 
junker in das preußische Heer. Seine weitere 
militärische Laufbahn führte ihn u. a. 1899 in 
den Großen Generalstab. 1913 wurde er Chef 
des Stabes des III. Armeekorps (Berlin» un 
ter gleichzeitiger Beförderung zum Oberstleut 
nant. Als solcher rückte er 1914 unter General 
von Lochow ins Feld, nahm teil an dem Vor 
marsch der Armee Kluck und an den Kämpfen 
bei Soissons im Januar 1915. Als Chef des 
Stabes der 11. Armee (von Mackensen» 
bereitete er die große Durchbruchsschlacht bei 
Gorlice vor und wurde zum Generalmajor 
befördert. Später wurde er der geistige Leiter 
des erfolgreichen Feldzuges gegen Serbien. 
Von 1917 bis Kriegsende war er Chef des 
Generalstabes des türkischen Heeres. 
Nach dem Zusammenbruch schloß sich an diese 
hervorragende Tätigkeit im Weltkrieg eine 
nicht minder bedeutsame Leistung an: der 
Wiederaufbau der deutschen Wehrmacht unter 
den Fesseln des Versailler Diktates. Im Juli 
1919 übernahm er die Leitung des General- 
stabes und wurde im März 1920 Chef der 
Heeresleitung. In dieser Stellung gelang es 
ihm, die jilnge Reichswehr Schritt für Schritt 
wieder zu einem brauchbaren militärischen 
Machtfaktor zu machen. Diese Aufbauarbeit 
unter ungeheuren Schwierigkeiten sichert ihm 
die bleibende Dankbarkeit von Heer und Volk. 
Im Oktober 1926 nahm Generaloberst von 
Seeckt seinen Abschied. Seine militärischen Er- 
fahrungen legte er in einer Reihe Bücher nie 
der, die (worauf schon in unserer Beilage 
„Deutsches Soldatentum" am Sonnabend hin 
gewiesen wurde» starke Beachtung fanden. 
Nach seinem Abschied war er mehrere Jahre 
in China tätig. Als Anerkennung verlieh ihm 
die chinesische Negierung einen ihrer höchsten 
Orden. 
heimfahrt der lolen englischen Schüler. 
Ein Kranz aus Şchwarzwaldtanneu. 
Freiburg (Breisgau), 21. April. Die große 
Anteilnahme der Bevölkerung an dem schwe 
ren Unglück, das eine englische Schülergruvpe 
im Schauinsland-Gebiet betroffen, fand ihren 
Ausdruck in der zahlreichen Beteiligung bei 
der Ueberführung der ums Leben Gekomme- 
îren. Neben Einheiten der Hitler-Jugend, des 
Jungvolks und des BDM. hatten sich vor dem 
Freiburger Friedhof Tausende eingefnnden, 
um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. In 
der Friedhofskapelle hatten sich Trauergäste 
versammelt. An den Särgen hielten Hitlerjun 
gen die Ehrenwache. In einer kurzen Anspra 
che dankte ein englischer Pfarrer für die deut 
sche Anteilnahme an dem Unglück. Nach dem 
Gebet des Pfarrers wurde an der Bahre der 
Toten ein Kranz aus Schwarzwaldtannen 
niedergelegt. Auf dem Wege vom Friedhof 
zum Bahnhof bildeten die Einheiten der na 
tionalsozialistischen Jugendorganisationen 
sowie die Freiburger Schüler Spalier. Auf 
einem Nebengleis waren zwei Sonderwagen 
bereitgestellt, die die Särge und die Angehöri 
gen aufnahmen. Bis zur Abfahrt hielten zehn 
Hitlerjungen die Ehrenwache. 20 Angehörige 
der HI. gaben den toten englischen Schülern 
bis zur deutsch-holländischen Grenze das Ge 
leit. 
-î- # 
Zum Flugzeugunglück in Mexiko. 
Am Montag lief ein Dampfer im Hambur 
ger Hafen ein, der an Bord die Urnen der 
Frauen und Männer führte, die am 26. Mürz 
mit einem dreimotorigen Flugzeug zwischen 
den mexikanischen Vulkanen Popocatepetl und 
Jxtaccihuatl abstürzten. Während die Urne 
der Schriftstellerin Marie Margarethe Harder, 
einem Wunsch der Verunglückten folgend, 
während der Fahrt nach Deutschland ins 
Meer versenkt worden ist, wurden die Urnen 
der übrigen Verunglückten in die Heimatorte 
übergeführt. Es sind dies Adolf Fürst zu 
Schaumburg-Lippe, Fürstin Elrsabeth zu 
Schaumburg-Lippe, Siegmund Freiherr von 
Stieber, Frau Dora Thein, Fräulein Viktoria 
Thein, Fräulein Elisabeth Schroer und Fräu 
lein Lisbeth Pust. 
Uniform für Berliner Taxi-Chauffeure. 
Im Hinblick auf die O l y m p i a d e hat der 
Berliner Polizeipräsident angeordnet, daß 
Bestimmungen betr. die Dienstkleidung der 
Kraftdroschkenführer, die schon in den Jahren 
1929 und 1980 bekanntgemacht, mit Rücksicht 
auf die wirtschaftliche Lage des Kraftdroschken 
gewerbes bisher aber noch nicht durchgeführt 
sind, nunmehr durchgeführt werden sollen. Die 
Dienstkleidung, die aus Joppe, Hose und 
Mütze von schmarzgrauem Stoff besteht, ist 
ab 1. Juli dieses Jahres von sämtlichen Kraft 
droschkenführern ständig während des Fahr 
dienstes und auch beim Erscheinen auf dem 
Kraftverkehrsamt zu tragen. Kraftwagenfüh 
rer, die fremde Sprachen beherrschen, sind be 
sonders kenntlich gemacht. Sie tragen am rech 
ten Unterarm eine rote Binde, auf der die 
Sprache eingestickt ist, und ihre Mütze ist am 
unteren Rand mit einem Streifen der gleichen 
Farbe versehen. 
Der Raubmord in Hamburg. 
In der Raubmord-Sache Höhne ist jetzt fest 
gestellt, daß eine silberne Junghans-Taschen- 
uhr mit Doppeldeckel fehlt. An der Uhr war 
eine lange Dubleegoldkette. Die Polizei hat 
für die Ermittlung des Täters oder für den 
Nachweis von Tatsachen, die seine Ergreifung 
zur Folge haben, eine Belohnung von 1000 
RM. ausgesetzt. 
Schwerer Frost in Ober-Oesterreich. 
Ober-Oesterreich wurde in der Nacht zum 
Dienstag von schwerem Frost heimgesucht. Die 
Temperaturen fielen stellenweise auf fünf 
Grad unter Null. Die Bäume und Sträucher 
trugen fingerdicken Reif. Der Schaden an den 
Obstkulturen ist bedeutend. 
„Graf Zeppelin" auf der Heimreise. 
DNB. Hamburg, 22. April. Das Luftschiff 
„Graf Zeppelin" stand nach den bei der Deut 
schen Seemarte eingegangenen Meldungen um 
8 Uhr MEZ. 390 Klm. westlich der Kanarischen 
Inseln. 
Ģoeîhes „Faust" auf lürkifch. 
Als Beweis für die künstlerische Höhe des 
jungen nationalen türkischen Theaters kann 
die in diesen Tagen in Istanbul, dem alten 
Konstantinopel, erfolgte Uraufführung des 
„Faust" in türkischer Sprache angesehen wer 
den. Die gewaltige Dichtung Goethes ist dem 
türkischen Leserkreis bereits in einer türki 
schen Uebersetzung bekannt gewesen. Diese 
Uebersetzung lieferte auch die Grundlage für 
die Erstaufführung als Bühnenwerk, aller 
dings mit einer Reihe von Kürzungen. Die 
Kürzungen wurden von der Spielleitung als 
notwendig erachtet, um keine zu großen An 
forderungen an die Zuhörer zu stellen, denen 
die deutsche Gedankenwelt, aus der Goethe 
sein Werk gestaltete, zum Teil fremd sein 
mußte. Zieht man in Betracht, daß die Ent 
wicklung des neuzeitlichen türkischen Theaters 
erst wenige Jahre zählt, so muß anerkannt 
werden, daß die Aufführung durchaus gelun 
gen war, und daß die darstellenden Kräfte sich 
gut in die ihnen verhältnismäßig wesens 
fremde deutsche Dichtung eingefühlt haben. 
Sie Tolen von „Sipping 5" 
sind jetzt alle geborgen. 
Bei Rechtenfleth ist die Leiche des Steuer 
manns Kreßscher von dem in der Nacht zum 
21. Februar nach einem Zusammenstoß gesun 
kenen holländischen Motorleichter „Dippin 5" 
in der Nähe der Unfallstelle geborgen worden. 
Sie wurde vom Schlepper „Siegfried" nach 
Brake gebracht. Durch die Sturmflut ist im 
Neuenlander Außendeichsland die Leiche des 
Kapitäns des „Dipping 6", Paul de 
Vries, angetrieben. Der Leichnam wurde nach 
Neuenlande geschafft, von wo aus die Ange 
hörigen des Kapitäns telegraphisch benachrich 
tigt wurden. Es sind jetzt die Leichen aller fünf 
bei der Katastrophe ums Leben gekommenen 
Personen geborgen. 
Mchl der 1., sondern der 75. 
Der Polizei in Randers (Dänemark) ist es 
gelungen, einen 22jährigen Burschen festzu 
nehmen, der in der letzten Zeit in Geschäften 
der Stadt 75 Einbrüche verübt hat. In der 
Nacht vor seiner Verhaftung wurde er in dem 
Augenblick überrascht, als er bei einem Juwe 
lier einbrechen wollte. Da er beteuerte, es sei 
sein erster Einbruch, sah man — merkwürdig- 
ger Weise — davon ab, ihn der Polizei zu 
übergeben. Nun hat ihn doch sein Schicksal er 
reicht. 
Ein Postaushelfer beim Postamt Munster- 
Lager, der mehrere Unterschlagungen im Be 
stelldienst begangen hatte, wurde zu 1 Jahr 
4 Monaten Zuchthaus verurteilt. 
Der Tag der deutschen Luftwaffe 
Zum zweitenmal feierte nach der wiedererrungenen Wehrfreiheit 
die junge deutsche Luftwaffe ihren Ehrentag, zu dem der Todestag 
des Kampffliegers Manfred Freiherr v. Richthofen bestimmt wurde. 
Dieses Mal erhielt der Tag seine besondere Weihe dadurch, daß den 
Truppenverbünden der Luftwaffe in allen Standorten des Reiches 
die Fahnen übergeben wurden. 
Auf dem Militärflugplatz von Gatow bei Berlin überreicht Ge 
neraloberst Göring der Luftwaşie 12 Fahnen. 
(Weltbild, K.» 
Senlsche Miffionarsfamilie in China 
verschleppt. 
DNB. Peipiuk, 21. April. (Ostasien-Dienst 
des DNB.» Aus Jünuanfu einlaufende Nach 
richten lassen befürchten, daß die deutsche Mis 
sionarsfamilie U h l m a n n am 15. April ge 
meinsam mit anderen Ausländern in die 
Hände chinesischer Kommunistenbanden gefal 
len ist. Die Gefangennahme soll sich in Tsuy- 
ung, halbwegs zwischen Tsinanfu und Talifu, 
zugetragen haben. Uhlmann war Mitglied der 
Vansburger Mission, die im Rahmen der 
Bethel-Mission in Mittel-China angeschlossen 
war. Die deutsche Botschaft hat Schritte zu sei 
ner Freilassung eingeleitet. 
Zwischenfall im Vauunglückprozeß. 
Ein Zettel im Saal gefunden. 
Im Berliner Bauunglücksprozeß kam es 
am Dienstag zu einem Zwischenfall. Unmittel 
bar nach Eröffnung der Verhandlung teilte 
der Staatsanwalt mit, daß unter den Bänken 
der Angeklagten und Verteidiger am Schluß 
der letzten Sitzung, am Freitag vergangener 
Woche, ein Zettel folgenden Inhalts gefun 
den worden sei: „Kellberg wird gegen Nord 
kopf Stellung nehmen. Soll ich ihm noch mals 
schwere Fehler vorhalten (falsche Zeichnun 
gen)?" Der Staatsanwalt bemerkte, das es 
ihm fernliege, die Verteidigung irgendwel 
chen Materials berauben zu wollen, nur müsse 
er wissen, wer den Zettel geschrieben habe. 
Der Vorsitzende ließ dann das Stück Papier 
bei den Verteidigern und Angeklagten her 
umreichen. Nun erklärte Weyher, daß er den 
Zettel geschrieben habe. Er sei für seinen Ver 
teidiger bestimmt gewesen. Der Vorsitzende 
macht ihn darauf aufmerksam, daß es in Moa 
bit nicht üblich sei, derartige Zettel zu schrei 
ben, die leicht den Schein unerlaubter Beein 
flussung erwecken u. der Verteidigung Schwie 
rigkeiten bereiten könnten. Weyher gab eine 
längere Erklärung darüber ab, was er durch 
den Zettel habe zum Ausdruck bringen wollen. 
Sein Verteidiger sagte, er habe seinen Man 
daten angeregt, sich während der Verhandlung 
Notizen über alle Zweifelsfragen zu machen, 
um nach der Verhandlung diese Tinge mit ihm 
zu besprechen. Es sei also weder eine Verlet 
zung der Wahrheitspflicht erfolgt noch eine 
solche vom Angeklagten Weyer gedacht gewe 
sen. 
jer Zettel greift mitten hinein in das 
schwierige Problem der Zustündigkeitsabgren- 
zung zwischen Weyher und seinem Vorgesetz 
ten, dem Reichsbahnoberrat Kellberg. Auf 
Befragen erklärte Kellberg, daß schon im 
Juni, wenn zunächst auch für einen andern 
Bauabschnitt als die Einsturzstelle, die Frage 
der mangelnde» Einbindetiefe der Rammträ 
ger zur Sprache gekommen sei. Weyher habe 
von einer Rammung aus Sicherheitsgründen 
abgeraten und stattdessen eine Sicherung der 
Rammträger durch Einbetonierung der Trä 
gertiefe vorgeschlagen. 
Ehrung deutscher Fliegerhelden. 
DNB. Berlin, 21. April. Auf dem Parade 
platz in Neu-Tempelhof wurde am Dienstag 
durch den Staatskommissar der Hauptstadt 
Berlin, Dr. Lippert, die feierliche Umbenen 
nung von 16 Straßen Nen-Tempelhofs auf die 
Namen gefallener deutscher Fliegerhelden 
vollzogen. Die Bedeutung des Festaktes wurde 
unterstrichen durch eine Ansprache des Gene 
rals der Flieger, Milch, der namens des Ober 
befehlshabers der Luftwaffe der Stadt Berlin 
den Dank für die Ehrung der gefallenen Ka 
meraden übermittelte. 
In der Anklagebank gestorben. 
Ein tragischer Vorfall ereignete sich vor der 
11. Großen Strafkammer des Berliner Land 
gerichts. Während der Vernehmung eines 
Zeugen sank plötzlich der Angeklagte, der 63- 
jtthrige Heinz H., lautlos zusammen. Ein 
Arzt stellte Tod durch Herzschlag fest. 
àrze Post 
Die ärztliche Leitung des Universitäts- 
krankenyauses in Hamburg-Eppendorf über 
nimmt vom 1. Mai ab Professor Dr. Georg 
Konjetzny, der Direktor der Hamburger Chi 
rurgischen Universitätsklinik. Er stammt aus 
Gleiwitz und erhielt seine chirurgische Aus- , 
bildung in Kiel. 
In Otterndorf an der Unterelbe erhielt ein 
vorbestrafter Fahrraddieb 1 Jahr Zuchthaus. 
Er hatte von dem gestohlenen Rad das Vor 
derrad abgenommen und die übrigen Teile in 
der Wettern versenkt. 
Ein gewisser Wolfgang Menzel wurde in 
Lüttich festgenommen. Er steht im Verdacht, 
den Raubmord in der Sparkassennebenstelle 
Wallenhorst, Vez. Osnabrück, begangen zu ha 
ben. M. war aus dem Osnabrücker Gefäng 
nis, wo er wegen Einbruches saß, ausgebro 
chen. Das Auslieferungsverfahren ist eingelei 
tet. Außerdem wird ein Mann gesucht, der an 
dem Mordtage in Wallenhorst Waschmittel 
zum Kauf anbot.
	        
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