Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Aus dSM Arbeitsbereich des Hsudwsrks 
Am Freitag, dem 3. April, hatte der Landes- 
handmerksmcister Schramm die Handwerkskammern 
und die Kreishandwerkerschaften der Nordmark zu 
tiner Besprechung über Arbeitsbeschaffung einge 
laden. Diese Tagung fand statt in Zusammenarbeit 
urit den Leitern der gewerblichen Genossenschafts 
banken. Es handelte sich um die Finanzierung von 
privaten Wohnbauten, Siedlungen usw. mit Unter 
stützung der Treubau Aktiengesellschaft. Das Haupt- 
reserat hielt Herr.Dr. Schild, Berlin. Ueber die 
Auswirkung dieser Tagung wird demnächst in 
Referaten bei den einzelnen Kreishandwcrkerschaf- 
ten weiter berichtet werden. Am Mittwoch, dem 
8, April, hatte der Landeshandwerksmeister 
Schramm die Handwerkskammern und Kreishand 
werkerschaften der Nordmark nach Altona cingela- 
ben zu einer wichtigen und großen berufsständischen 
Arbeitstagung. Der Landeshanöwerksmeister wollte 
stch vor allem überzeugen über den Stand der 
organisatorischen Entwicklung in den einzelnen 
Kreishanöwerkerschaften und Kammerbezirkcn, über 
bie Auffassung der dort geleisteten Arbeit und über 
Re Durchsetzung der berufsständischcn Idee über 
haupt. Die Tagung nahm einen interessanten 
Verlauf. 
Am Donnerstag, dem 9. April, hielten drei In 
nungen ihre Hauptversammlungen ab, und zwar 
die Mechaniker-Innung im „Haus des Handwerks", 
die Maler-Innung im „Deutschen Haus" und die 
Schlosser-Innung im „Germania - Hotel". Im 
Mittelpunkt dieser Tagungen stand die Vertrauens- 
Irage der jeweiligen Obermeister: Grubert, Rends 
burg, Schmidt, Nortorf, und Steen, Büdelsdorf. 
Allen drei Obermeistern wurde das Vertrauen 
ausgesprochen. Aus der Fülle von Einzelarbeiten 
ist zu erwähnen die Ausschreibung der ausgelern 
ten und die Einschreibung der neuen in das Hand 
werk eintretenden Lehrlinge. 
Am Dienstag, dem 14. April, hielt die Schlachter- 
Innung eine Jnnungsversammtung im „Haus des 
Handwerks" ab. Hierüber ist schon Bericht erstattet. 
Die Bäcker-Innung hatte für den 18. 4. nach 
Rortorf, „Schützenhof", zu einer Versammlung ein 
geladen. 30 junge Lehrlinge wurden eingeschrieben 
und 28 zu Gesellen gesprochen. Sodann gab Ober- 
weister Thießen einen Rückblick über das verflossene 
Geschäftsjahr und erledigte eine Reihe von Ein 
gängen. — An demselben Tage hatten die Damcn- 
'chneider- und die Herrenschneider-Innung zn je 
einer Hauptversammlung im „Conventgarten" in 
Rendsburg eingeladen. Es fand die Einschreibung 
ber Lehrlinge statt. Frau Dendtler konnte bei den 
Damenschneiderinnen einige Meisterbriefe über 
reichen und einige ausgelernte Lehrlinge zu Jung 
gesellen schlagen. Obermeister Gloy händigte einem 
im Reichsberufswettkampf bes. tüchtigen Lehrling 
ein Diplom aus und nahm andere Ehrungen vor. 
In beiden Versammlungen wurde die Vertrauens 
frage gestellt und nach Feststellung durch den stell 
vertretenden Kreishandwerksmeister. Sattlerober 
meister Lohmeyer gelöst. Dr. Feddersen sprach in 
beiden Versammlungen über die Leistungsschau 
und die damit verbundenen Tagungen. 
Auch die Müller-Innung hatte im Beisein einer 
ganzen Reihe von Gästen für Donnerstag, den 
16. April, zur Jnnungsversammlung in das Haus 
des Handwerks eingeladen. Gerade bei dieser dem 
Reichsnährstand nahestehenden Innung gibt es 
immer eine Fülle wichtiger Vor- und Eingänge zu 
besprechen, zu deneu von verschiedenen Seiten Stel 
lung genommen wird. Obermeister Burmcister 
stellte die.Vertrauensfrage und konnte mit Genug 
tuung seststellcn, daß auch ihm seine Jnnungsmit- 
glieber die Treue halten. 
Am Sonnabend, dem 18. April, hatte Obermeister 
Trede die große Baugewerke-Jnnung nach Rends 
burg „Conventgarten" eingeladen. Es wurde zu 
nächst eine große Anzahl von Lehrlingen einge 
schrieben. Bei Anwesenheit des Kreishandwerks 
meisters Burmeister wurde die Vertrauensfrage 
gestellt, die für den Obermeister Trede erfolgreich 
ausfiel. Dr. Feddersen sprach über die Leistungs 
schau. Dr. Klaffke, Hamburg, hielt ein Referat fach- 
technischer Art. Dr. F. 
Nachwort zur Kölner Nsîchsmastoîeh- 
Ausstellung 
Zum Schlachtwettbewerb auf der Kölner Reichs- 
mastvieh-Ausstellung erklärt der Ausstellungsleiter 
Dr. Wilsdorf u. a.: „Wenn auch dem 1. Wett 
bewerb mit der Beurteilung aller Ausstellungstiere 
Warm Härtebeihilfe« für AiņsermStziguņg Md wo? 
Der Reichsfinanzminister hat in Rundschreiben 
und Anordnungen die Durchführung der Milde 
rung von Härten aus Anlast der Zinsermästigung 
erläutert. Ein solcher Härteauszleich war bei Zins 
ermäßigung der öffentlichen Anleihen vorgesehen 
für bedürftige Personen, die durch Annahme des 
Angebots auf Zinsherabsetznng betroffen wurden. 
Da der Zinsausfall allgemein durch die einmalige 
Kapitalentschädigung von 2 vH für 1K Jahr, also 
für die Zeit vom 1. April 1938 bis Ende Juli 1936 
ausgeglichen wird, treten die Bestimmungen über 
die Gewährung von Härtebeihilfen erst mit Wir 
kung vom 1. Juli 1936 in Kraft. Hieraus sind die 
Antragsteller, die sich an die Bezirksfürsorgcver- 
bände zu wenden haben, gegebenenfalls hinzuwei 
sen. Die Mittel des Härtefonds werden durch eine 
Umlage von den an der Herabsetzung beteiligten 
Kreditanstalten usw. aufgebracht. Der Härtesonds 
wird bei der Reichshauptkasse gebildet und von die 
ser verwaltet) er führt die Bezeichnung „Härtesonds 
aus Anlast der Zinsermästigung". 
Zu den Voraussetzungen für die Gewährung 
einer Härtebeihilfe gehört außer dem Eigentümer- 
Nachweis an den Papieren bis 31. Dezember zu 
rück, daß der Antragsteller seinen Lebensunterhalt 
im vorangegangenen Kalenderjahr „zu einem we 
sentlichen Teil" aus den Erträgnissen zinsgesenkter 
Wertpapiere bestritt. Der Minister will das je nach 
Lage des Einzclfalles für gegeben erachten, sobald 
die Einkünfte aus den der Zinssenkung unterwor 
fenen Wertpapieren mindestens 26 bis 40 vH der 
Gesamteinkünfte betragen haben. Die Auszahlung 
der Beihilfen wird den Finanzämtern übertragen, 
während die Entgegennahme der Anträge und die 
Festsetzung der Härtebeihilfen sowie Benachrichti 
gung der Antragsteller Ausgaben der Bezirksfür 
sorgeverbände sind. Die Hürtebeihilfen sind von den 
Wohnsitzfinanzämtern der Empfänger auszuzahlen. 
Deàngsstock / Sonderbeauftragter 
Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über 
die Beaufsichtigung der private» Versicherungs- 
Unternehmungen und Bausparkassen 
Vom Reichswirtschaftsminister wurde u. a. an 
geordnet: 
1. Zu den Beständen des Deckungsstockes gehören 
auch die Nutzungen (Zinsen, Miet- und Pachtzinsen 
usw.j, die die zum Deckungsstock gehörenden Ver- 
mögensgegenstände gewähren. Die Ansprüche auf 
solche Nutzungen brauchen in das DeckungSstockver- 
zeichnis nicht eingetragen zu werden. 
2. Der Vorschrift des 8 66 Abs. 1 Satz 1 des Ge 
setzes steht nicht entgegen, daß schon vor dem Schluß 
des Geschäftsjahres und vor Aufstellung der Be 
rechnung der Deckungsrücklage Beträge dem Dek- 
kungsstock zugeführt werden. Die Vorschriften über 
den Deckungsstock gelten für alle Vermögensgegen 
stände, die in das Verzeichnis der Bestände des 
Deckungsstockes eingetragen sind. 
3. Bestellt die Aufsichtsbehörde einen Sonder 
beauftragten zur Wahrung der Belange der Ver 
sicherten, so kann sie diesem alle Rechte und Befug 
nisse übertragen, die den Organen der Unterneh 
mung, bei ausländischen VersichernngSunterneh- 
mungen auch dem nach § 106 Abs. 2 Nr. 3 des Ge 
setzes bestellten Hauptbevollmächtigten nach Gesetz 
oder Satzung zustehen. Die durch die Bestellung des 
Sonderbeauftragten entstehenden Kosten einschließ 
lich der diesen zu gewährenden Vergütung, die die 
Aufsichtsbehörde festsetzt, fallen der Versicherungs- 
Unternehmung zur Last. 
im lebenden Zustand immer die Hauptbedeutung 
zukommt, so erhöhen sich doch mit jeder Ausstellung 
die Anmeldungen für den 2. Wettbewerb, der ja 
eine ausgesprochene Leistungsprüfung mit unfehl 
baren Ergebnissen darstellt. Es ist das die Folge 
nicht nur der Aussetzung sehr hoher Siegerpreise 
für die höchsten Qualitäten der ausgeschlachteten 
Ausstellungstiere, sondern die immerhin vorkom 
mende Unzulänglichkeit der Lebenöprämiierung ver 
anlassenden Aussteller und Käufer, den Masterfolg 
endgültig am ausgeschlachteten Tiere festzustellen. 
Ernsthafte Aussteller und zielbewußte Mäster wa 
gen immer häufiger mit ihren Tieren den 2. Wett 
bewerb trotz der erheblichen Unkosten und der 
schweren Bedingungen. Die staatlich anerkannten 
Versuchsanstalten, die für die Durchführung ihrer 
Versuche von der Reichsregierung eine Beihilfe 
erhalten, müssen die Versuchstiere auf der nächst 
folgenden Reichsmastvieh-Ausstellung ausstellen und 
die Hälfte aller Versuchstiere nach der Lebend 
prämiierung schlachten und an der Beurteilung 
teilnehmen lassen. Obwohl die Ausstellungsleitung 
die Schlachtanmeldungcn erheblich begrenzt hatte, 
weil es technisch unmöglich ist, eine zu große An 
zahl Tiere in wenigen Stunden zu beurteilen und 
zu prämiieren, so kamen doch zur Schlachtung: 16 
Stück Großvieh, 16 Stück Kälber, 42 Stück Mast 
lämmer und Masthammel, 138 Stück Schweine, also 
zusammen 206 Stück. Das gleich günstige Urteil, 
das die Preisrichtergruppen der Lebendklassen über 
den hohen Wert der ausgestellten Masttiere abge 
geben haben, konnten auch die Richter bei der 
Durchprüfung der ausgeschlachteten Tiere abgeben." 
Abnehmende Maul- und Klauenseuche 
Am 18. 4. 1936 waren verseucht gemeldet: 8 Kreise, 
21 Gemeinden und 21 Gehöfte gegenüber 10 Krei 
sen, 23 Gemeinden und 29 Gehöften Anfang April 
1036. Neuverseucht waren 7 Gemeinden und 7 Ge 
höfte gegenüber 14 Gemeinden und 20 Gehöften 
am 1. 4. 36. Von den 21 verseuchten Gehöften be 
fanden sich in dem Negbz. Schleswig 18, Münster 1, 
in Mecklenburg 2 und in Lübeck (Freistaat) 8. In 
Schleswig-Holstein waren verseucht 1 Gehöft im 
Kreise Pinneberg, 7 Gehöfte im Kreise Scgeberg 
und 3 Gehöfte im Kreise Stormarn und 4 Gehöfte 
im Kreise Steinburg. 
Bereinigter Darmhandel. Durch eine Anordnung 
der HB der Deutschen Viehwirtschaft wird bestimmt, 
daß der inländische Darmanfall in den Zentral 
schlachthäusern der größeren Städte sowie in den 
Seegrenzschlachthäusern, soweit die Ware nicht im 
eigenen Betriebe Verivendung findet, den Darm- 
schleimereien zur Bearbeitung zugeführt wird. 
Ein Sang von Treue «nd Liebe 
Roman von Leontîne 
12) Nachdruck verboten. 
„Küsse mich, Nordlandsgreif, dann bist du 
frei!" 
Mit hartem Schritt weicht Olaf zurück. 
„Vor deinen roten Lippen graut mir, Für 
stin." 
Aber regungslos bleiben sie jetzt beide se 
kundenlang. Denn die Nachtluft trägt einen 
Ton herüber. Einen Ton, so furchtbar, so mark 
erschütternd, so grauenvoll — daß ihnen das 
Rlut in den Adern gefriert. 
Es ist das nahe Brüllen eines hungrigen 
Raubtiers, wildgemacht durch die Nacht und 
Re Menschen. Schritte werden hörbar auf den 
Dtarmvrstufen, Sklaven erscheinen unter dem 
Purpurvorhang des Portals. 
„Fürstin, es ist alles bereit." 
Julia hebt sich zu voller Größe und wirft den 
Kopf in den Nacken. 
„So bindet ihn und werft ihn in den Zwin 
ger." 
Mohren mit Ketten in den Händen kommen 
geschlichen und wollen sich seiner bemächtigen. 
Olaf schleudert den ersten zurück. 
.,„Fort, Meerkatze, ich kann allein gehen. Wo 
ìsi der Zwinger?" 
Und er wendet sich langsam zum Ausgang. 
Da schreit Julia auf. 
„Geh nicht! Geh nicht! Ihr Götter, habt Er 
barmen!" 
Olaf wendet sich kurz um. 
„Was soll ich noch?" 
In Julias dunklen Augen irrt eine grenzen 
lose Angst und Not. Wild kämpfen Leidenschaft, 
Zorn und Liebe in ihrem ungezügelten Herzen. 
Eie preßt die Fäuste gegen die Stirn und 
stöhnt. 
„Ich will nicht schwach sein — will nicht 
schwach sein — und doch — und doch! — Nord 
tandsgreif — herrlicher Mann, wie ich noch nie 
^ìnen sah — noch eins gewähr ich dir, weil du 
5nm Tode gehst. Eine Bitte darfst du noch tun 
t'orm Tod, und ich schwöre dir bei allen Göt 
tern, daß sie dir erfüllt sei!" 
.Regungslos stehen die Sklaven und Skla 
vinnen. So etwas hörten sic noch nie aus dem 
stunde ihrer Fürstin. Und scheue Blicke werfen 
' le auf das hohe, stolze Paar in ihrer Mitte. 
Dlaf sieht sie fragend an — so — als habe er 
Rcht recht gehört. 
»Fürstin!" — 
Da stößt sie ruckweise hervor — so, als koste 
"lr jedes Wort ein Bröcklein Kraft: 
"Sprich schnell — schnell eh' ich mich anders 
öEsinne. Aber schnell, denn nicht lang mehr hab 
M Kraft." 
». Winterfeld-Platen 
Er sieht sie voll an aus seinen reinen, stäh 
lernen Augen. 
„So laß mich noch einmal die Heimat sehen." 
Julia starrt ihn an. 
„Die -?" 
„Die Heimat, Fürstin — und Sigrun!" 
Bon draußen, aus dem Dunkel der Nacht 
tönt wieder grollend und dumpf das hungrige 
Brüllen des Königstigers. Und die Sklaven 
ducken sich, als säße das Raubtier dicht hinter 
ihnen, zum Sprung bereit. Und in das grollen 
de Gebrüll mischt sich noch ein anderer Ton. 
Das ist das gellende, nicht enden wollende 
Lachen der Fürstin. 
„Zu Sigrun will er! Habt ihr es alle gehört? 
Fortlassen soll ich ihn, damit er mir nie wie 
derkehrt!" 
Olaf schüttelt den Kopf. 
„Ich kehre wieder, Fürstin!" 
Sie knirscht mit den Zähnen. 
„Du mußt es, denn ü-u gehörst mir. Aber 
wer bürgt mir dafür?" 
Wie ein Fels steht der Wiking. 
„Mein Wort." 
Sic zuckt d.ie Achseln. 
„Dein Wort? So schwöre mir bei dem, das 
dir am Heiligsten dünkt." 
Regungslos ist sein ernstes Gesicht. 
„Wir schwören nie. Ja und nein genügt bei 
uns Nordmünnern. Denn Worthaltcn ist uns 
notwendiger als Atemholen." 
Unverwandt hängen ihre dunklen Augen an 
seinen Lippen. Es geht eine Macht der Wahr 
heit aus von ihm, der sich selbst die leichtfertige 
Fürstin unterwerfen muß. 
Und sie sagt langsam und schwer, als wären 
sie beide allein, und als hätte sic den Chor der 
Sklaven ringsum vergessen: 
„Wenn du so sprichst, dann zwingt mich 
etwas, dir zu glauben. So geh noch einmal zu 
Sigrun. Denn ich habe dir geschworen, deine 
letzte Bitte zu erfüllen. Und ich will nicht klei 
ner vor dir stehen, als du vor mir. 
„Du wirst zurückkommen, daß weiß ich. Oder 
nein — nein — ich weiß es nicht — denn wenn 
Sigrun so süß ist —" 
Olaf hebt die Hand. 
„Mein Leben gehört dir — meine Seele 
Sigrun. Du hast mein Wort. Ich kehre zurück." 
Da wendet sich Julia ab und legt die Hand 
über die Augen. 
„So geh! Fahre gen Norüland, wo deine 
Sehnsucht wohnt. Zwölf Stunden darfst du bei 
ihr sein. Dann wende dein Drachenschiff und 
kehre zurück." 
Und sie schüttelt das Haupt, wie in stillem 
Staunen über sich selbst. 
„So etwas habe ich noch nie getan! Zur När 
rin hat er mich gemacht." 
Und sie streift ihn noch einmal mit einem 
heißen, langen Blick. Dann verläßt sie hochauf- 
Die Uebersührung der toten englischen Schüler 
Die fünf auf dem Schauinsland im Schneesturm ums Leben ge 
kommenen Jungen wurden nunmehr nach dem Freiburger Haupt- 
bahnhof überführt, von wo sie ihre letzte Fahrt in die englische Hei 
mat antraten. (Weltbild, K.) 
gerichtet die Halle und die Purpurvorhänge 
schließen sich hinter ihr. 
Die Sklaven sehen sich an — stumm — er 
staunt. Aber sic sind Gehorsam gewöhnt. Und 
schweigend geleiten sie Olaf hinaus. 
Nur Phöbe und Sylphe sind noch zurückge 
blieben. Die schütteln die Köpfe und bücken sich 
nach den verlorenen Rosen. Und leise flüstert 
die eine: 
„Sie ist zur Närrin geworden, unsere Für 
stin." 
Und ebenso leise antwortet die andere: 
„Wahnsinnig wäre er, wenn er wiederkäme! 
Den blonden Riesen haben wir heute zum letz 
tenmal gesehen. Die arme Fürstin! Wie er sie 
betört hat!" 
Damit verschwinden auch sie lautlos auf 
ihren weichen Sandalen hinter den Purpur 
falten des Vorhanges. 
Durch das offene Portal weht ein Luftzug 
vom schlummernden Meer herauf. Der süße 
Duft sterbender Rosen zieht durch die Mar- 
morhalle. 
Noch einmal brüllt der Königstiger auş. 
Dann ist alles still. 
* 
Dunkel und schwer rollen die Wellen des 
Nordmeeres über Klippen und Felsgestein. 
Wie hohles Heulen klingt es in den Lüften, 
wo Wolkenballen sich unaufhörlich jagen. Wie 
ein roter Feuerball taucht die Sonne unter in 
den schwarzen Wolkenmassen. Und der grelle 
Feuerschein loht noch lange am Himmel wie 
blutiges Fackellicht. 
Der Wind wird zum Sturm und die See geht 
hoch, daß es fast scheinen könnte, als sei eine 
Herde wilder Rosse losgelassen, die mit flat 
ternden Mähnen und schneeweißen Schaum- 
flocken gegen die Ufer rasen. Immer näher 
grollt hallender Donner, ein Gewitter zieht 
herauf. Es wird ganz dunkel. Eine düster glim 
mende Fackel, die der Sturmwind nicht auf 
brennen läßt zu lodernder Flamme, irrt unten 
am Strande zwischen den Klippen hin und her. 
Wer hat in solch grauser Stacht draußen noch 
etwas zu suchen? Eine alte Frau ist es, mit 
wehenden, grauen Haaren, mit tastenden Hän 
den und gierigen Augen. 
Sie lauscht in die Stacht und reckt die hage 
ren Glieder. 
„Es ist ein Schiff in Not, durch den Sturm 
hör ich das Rufen!" 
Eines Mannes Stimme antwortet aus dem 
Dunkel: 
„An den Blutklippen ist es zerschellt. Kannst 
du es sehen, Inge?" 
Durch den Sturm zittert die dünne Stimm 
der Greisin: 
„Es ist so dunkel, ich kann nichts sehen." 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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