Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wovt nnö Vilö 
Der Berliner BauunglücksproZetz 
Schwierigkeiten mit Bohlen und U-Eisen 
Am neunten Verhandlungstag wurde die 
Verlesung des beschlagnahmten Briefwechsels 
über die Bauausführung fortgesetzt. Dabei 
wurden auch die Schwierigkeiten erörtert, die 
Bauleiter Noth mit dem Holzeinkäufer seiner 
Firma gehabt hat. Es feien zu schmale Boh 
lenhölzer eingekauft worden,' der Holzeinkäu 
fer habe sich darauf berufen, daß es kein an 
deres Material gebe und das von ihm be 
stellte Holz zudem je Kubikmeter drei bis 
fünf RM. billiger sei. Noth will aber aus den 
vorhandenen Vorräten Bohlen von der er 
forderlichen Stärke ausgesucht und nur ein 
wandfreie Stücke eingebaut haben. In der 
oberen Steifenlage habe man sich damit ge 
holfen, zwei Bohlen hintereinander einzu 
ziehen. Hoffmann gibt zu, daß er Noth zur 
Berechnung der erforderlichen Bohlenstärke 
nicht hinzugezogen habe. Das sei, so meint 
Hoffmann, keine»Sache der einzelnen Bau 
stelle, sondern eine Angelegenheit des allge 
meinen Einkaufs für das ganze Unternehmen 
gewesen. Diesen Einwand hält der Staats 
anwalt nicht für durchschlagend, da Noth ja 
zur Kalkulation des Bauvorhabens mit her 
angezogen worden sei. 
Der Vorsitzende ging auf die Frage der 
U-Eisen ein, die nach den Bauvorschriften an 
den Rammträgern als Widerlager für die 
Holzspanten angebracht werden müssen. Hat 
Noth nicht gesagt, so fragte der Vorsitzende 
den Angeklagten Hoffmann, er brauche 11- 
Eisen? Diese kamen aber erst am 20. August, 
dem Einfturztage, in Wagenlieferungen an. 
— Hoffmann: Das waren Lieferungen, die 
erst für einen späteren Zweck gebraucht wur 
den. — Vorsitzender: Ist Ihnen bekannt, daß 
man auch erst Rückfragen wegen der Profilie 
rung angestellt hat, daß man weiter erörterte, 
ob man sie beim Althändler beziehen kann, 
und wo man sie am billigsten einkaufte? — 
Hoffmann: Der zuständige Ingenieur unse 
rer Firma hat selbstverständlich immer ver 
sucht, wirtschaftlich einzukaufen. Ich habe 
aber Anweisung gegeben, daß Noth mit sei 
nen Forderungen bevorzugt behandelt wurde. 
Von den Schwierigkeiten mit den Bohlen 
will Hoffmann erst jetzt im Laufe des Straf 
verfahrens erfahren haben. Noth meinte dem 
gegenüber, Hoffmann sei durch seine in der 
Zentrale eingehenden Bestellscheine über die 
Schwierigkeiten der Materialbeschaffung un 
terrichtet worden, auch habe er, Noth, des öf 
teren mit Hoffmann über die Schwierigkei 
ten ganz allgemein gesprochen. 
Reichsauļobahn Halle-Leipzig. 
Im Rahmen des Gautages der Technik in 
Halle a. S. wird am Sonnabend der General 
inspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. 
Ing. Todt, in Gegenwart des Reichsstatthal 
ters Mutschmann und des Gauleiters Staats 
rat Jordan die Reichsautobahn Halle-Leipzig 
als ersten Abschnitt der Strecke Magdeburg- 
Dresden dem Verkehr übergeben. Wenig mehr 
als zwei Jahre waren nötig, um dieses Werk 
zu vollenden. Auf der rund 27 Kilometer lan 
gen Strecke mußten 21 Bauwerke zur Unter 
oder Ueberführung von Eisenbahnlinien, 
Straßen usw. geschaffen werden, außerdem die 
nach dem „Kleeblattsystem" ausgeführte wich 
tige Kreuzung mit der Reichsautobahn Berlin 
München. Der Uebergang von der oberen 
Schkeuditz. Hier überbrückt die Reichsautobahn 
Halle-Leipzig auf einem.ruud 6% Meter hohen 
Damm die künftige Autobahnstrecke Berlin- 
Münsten. Der Uebergang von der oberen 
Reichsautobahn zur unteren erfolgt durch be 
sondere Bahnen. Bei den Arbeiten sind 
ganzen 10 000 Personen beschäftigt. 
rm 
Ernst Übet 40 Jahre alt 
Am 26. April vollendet Ernst Udet sein 40. 
Lebensjahr. Er ist mit über 60 Abschüssen der 
erfolgreichste überlebende Kampfflieger des 
Weltkrieges. Heute gehört er als Oberst der 
jungen deutschen Luftwaffe an. 
(Scherl Bilderdienst, K.) 
Ein lüg der Kraft durch Freude. 
Am 30. April, am Vorabend des 1. Mai, 
wird auf der Hamburger Werft der Howalöts- 
werke der Kiel für das erste KdF.-Schifs ge 
legt. Es wird ein Ereignis von geschichtlicher 
Bedeutung sein: denn der KdF.-Dampfer ist 
das erste Schiff, das von einem Volk für seine 
Arbeiter gebaut wird. Reichsorganisations 
leiter Dr. Ley wird die erste Niete einschlagen. 
Auch die Grundsteinlegung zu dem großen 
KdF.-Seebad auf der Insel Rügen, zwischen 
Binz und Satznitz, findet am Donnerstag, d. 
30. April, statt. 
Mfm G§s!e 
cmes schottischen Frontlämpsers. 
In Gladbeck in Westfalen ist ein ehemaliger 
Angehöriger der 4. Batterie des FAR. 58, Min 
den, Hans Dethoff, ansässig, der 1918 in der 
großen Tankabwehrschlacht bei Cambrai ge 
fangengenommen wurde. Hierbei kam ihm 
seine Brieftasche abhanden. Vor einigen Tagen 
erhielt Dethoff von dem schottischen Front 
kämpfer Andrew Milne aus Coatbridge ein 
Päckchen zugestellt, das die vor 18 Jahren ver 
lorengegangene Brieftasche nebst einem in 
deutscher Sprache gehaltenen herzlichen Be 
gleitschreiben enthielt. Die Brieftasche hatte sich 
jahrelang im Gewahrsam des Schotten befun 
den, der ihren Besitz vergessen hatte, bis sie 
ihm jetzt durch einen Zufall wieder in die Hän 
de fiel. Er forschte daraufhin nach Dethoff, um 
ihm die Tasche zuzustellen. 
„Mein Kamps" — handgeschrieben 
Die deutsche Beamtenschaft überreichte dem Führer als Geburts 
tagsgeschenk ein handgeschriebenes Exemplar seines berühmten Bu 
ches „Mein Kampf". Das Buch wiegt 70 Pfund und enthält 975 Sei 
ten, die auf Kalbspergament geschrieben sind. 
(Scherl Bilderdienst, K.) 
Der ZMschwmdelprozeß 
in kMchMN. 
DNB. Kopenhagen, 22. April. Hier begann 
am Mittwoch ein Prozeß, in den etwa 30 Ex 
portfirmen verwickelt sind. Der Schwindel be 
stand darin, daß ausländische, und zwar in der 
Hauptsache chinesische und amerikanische, Där 
me als dänische ausgeführt wurden. Durch 
diesen Schwindel, bei dem es sich um Millio 
nengeschäfte handelt, ist der dänische Staat um 
große Betrüge an Devisen geschädigt worden. 
Die Schwindeleien waren ferner nur dadurch 
möglich, daß die daran Beteiligten sich der 
Stempelfälschung schuldig gemacht haben. 
Zunächst hatten sich wegen dieser Vergehen 
zwölf Schwindler zu verantworten, die zu 
Geldstrafen von 500 bis 67 000 Kronen und 
Zahlung der Kosten verurteilt wurden. Ferner 
wurden die von ihnen aus den Schwindeleien 
erzielten Gewinne beschlagnahmt. Insgesamt 
wurden gegen die zwölf Angeklagten Geldstra 
fen in Höhe von etwa 158 000 Kronen verhängt. 
In hie Weser gefahren und erîrunken. 
In den frühen Morgenstunden des Diens 
tags ist während eines Schneegestöbers ein 
schwerbeladener Lastkraftwagen mit Anhänger 
aus Köln auf seiner Fahrt von Minden nach 
Nienburg kurz vor der Nienburger Fähre in 
die Weser gefahren. Schneeböen hatten den 
Ausblick behindert. Der Besitzer des Lastzuges, 
Kaspar Oplagen, saß am Steuer und konnte 
sich aus seiner unglücklichen Lage nicht befrei 
en, so daß er ertrank. Der Begleitfahrer konnte 
sich retten und wurde im benachbarten Ritter 
gut Schlüsselburg aufgenommen. Der Lastzug 
liegt in der Weser. 
Der ,.IàttM"-AŞr 
AsKr-AMMmsler. 
Der erfolgreiche Dichter der Bauernlustspiele 
„Krach um Jolanthe" und „Wenn der Hahn 
kräht", die einen ebenso großen Bühnen- wie 
Filmerfolg hatten und noch haben, war be 
kanntlich von Berufs wegen nicht Schriftstel 
ler, sondern urkundlich geprüfter und an 
erkannter Tischlermeister, dem die oldeuburgi- 
sche Prüfungskommission die Note „Sehr gut" 
erteilt hatte. Kürzlich hat nun die Tischler 
innung ihr Mitglied, den oldenburgischen 
Tischlermeister August Hinrichs, wegen seiner 
Fähigkeiten eines echten Volksdichters beson 
ders geehrt durch die Ernennung zum Tischler- 
Ehrenmeister. An der Kundgebung nahmen 
Minister Pauly, Oldenburg, Landeshand 
werksmeister Bäckermeister Michel, Hannover, 
und der oldenburgische Kammerpräsident Sa 
vekost teil. August Hinrichs dankte in so humor 
vollen Worten, daß der Beifall kein Ende neh 
men wollte. 
Verkehrshindernis Schnee. 
Die %md hilft. 
Die vom 17. bis 19. 4. über Ruhrgebiet, 
Sauerland und Belgisches Land niedergegan 
genen Schneemassen hatten so große Verkehrs 
störungen und Schäden zur Folge, daß die 
Technische Nothilfe durch den Reichssender 
Köln alarmiert werden mußte. Viele Hundert 
Nothelfer sind vorwiegend zum Freimachen 
von Straßen, Wiederinfahrtbringen stecken 
gebliebener Lastzüge, Freimachung von Wei 
chen, zum Wiederaufrichten und Auswechseln 
zerstörter Leitungsmasten der Ueberland- 
leitungen und zur Wiederherstellung von Te 
lephonverbindungen eingesetzt. 
Die Suche mch Sichrer. 
DNB. Kairo, 22. April. Die Nachforschun 
gen nach dem in der Wüste verschollenen 
deutschen Gesandten von Stohrer wurden am 
vierten Morgen nach seiner Abfahrt auf 
Grund eines eingehend ausgearbeiteten Pla 
nes und nach genauer Einteilung aller Hilfs 
kräfte wieder aufgenommen. Englische sowie 
ägyptische Flieger durchsuchen systematisch die 
ganze Gegend an einem Umkreis von 250 Km. 
um den Schebel Hamid, an dem von Stvhrer 
zum letzte» Mal gesehen'worden sein soll. 
Außerdem wird das hügelige Gelände, in dem 
aus der Luft nur schwer Feststellungen zu ma 
chen sind, planmäßig von Kraftwagenexpedi 
tionen der Deutschen Kolonie und Kraftwa 
genabteilungen der Grenzverwaltung durch- 
chen Versuche aufgegeben haben, den im Sand 
festgefahrenen und vermutlich beschädigten 
Kraftwagen wieder flott zumachen. Wenn 
diese Annahme zutrifft, dürften sie sich zu Fuß 
aufgemacht haben, um eine der umliegenden 
Oasen zu erreichen. 
Ein schwerer Sandsturm ließ am Mittwoch 
die Suche nach dem verschollenen Gesandten 
ins Stocken geraten. Seit Tagesanbruch sind 
rund 60 Flieger, 60^Lastkraftwagen der 
Grenzverwaltung, 30 Privatkraftwagen und 
etwa 100 Kamelreiter unterwegs. Trotz dieses 
ähnliche Vorfälle weit übertreffenden Aufge 
bots konnte keine Spur Stohrers gefunden 
werden. Da die nähere Umgebung Kairos im 
Norden und die Baharias im Süden einge 
hend abgesucht worden sind, konzentriert man 
sich auf das riesige Mittelgebiet mit seinen 
großen Dünen. 
* * * 
Die Leichen der englischen Schüler in London. 
DNB. London, 22. April. Die Leichen der 
fünf im S ch w a r z w a l ö ums Leben gekom 
menen englischen Schüler trafen am Mitt 
woch in London ein, wo sie von den schmerz 
gebeugten Eltern sowie von Vertretern der 
Stadt London und der Schulbehörde in Emp- 
fang genommen wurden. Auch die Schulkame 
raden der Verunglückten hatten sich eingefun 
den. 
Der 1000. Todestag Heinrichs I. 
In einer Bürgerversammlung zu Qued 
linburg wurden die Vorbereitungen für 
große Feierlichkeiten anläßlich des 1000. To 
destages König Heinrichs I. besprochen. Vor 
gesehen sind für den 1. und 2. Juli u. a. ein 
Staatsakt am Eingang zur Krypta, Reiter 
mettkämpfe am „Eselstall", sowie allerlei 
Festspiele, die auf die deutschen Rundfunk 
sender übertragen werden. Es wird ein Ba 
taillon der Leibstandarte des Führers anwe 
send sein. 
ĶrrrZe Post 
Schwerer Unfall in einem Glasbläserbetrieb. 
In dem Heimindustriebetrieb des Glasbläsers 
Werner Fenn in Neustadt am Rennsteig ex 
plodierte ein Gasolinbehälter, der das Gebläse 
speiste. Der Besitzer Fenn und ein 15jähriger 
Helmut Amm aus Neustadt, der der Arbeit 
des Glasbläsers zusah, erlitten schwere Brand 
wunden, an deren Folgen sie im Krankenhaus 
gestorben sind. 
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erreichte 
heute morgen um 8 Uhr Sevilla. 
Schreckliches Brandunglück in Spanien. Jtt 
der Stadt Arcos de la Frontera brach in 
einer Wohnhütte infolge Unvorsichtigkeit 
zweier durch ihre Eltern eingeschlossener Kin 
der Feuer aus. Ein vierjähriger Knabe und 
ein achtjähriges Mädchen kamen in den Flam 
men um. Die Mutter erlitt bei dem Versuch, 
ihre Kinder zu retten, lebensgefährliche 
Brandwunden. 
streift. Diese in Dreierkolonnen arbeitenden 
Kraftwagengruppen werden von Beduinen 
auf Kamelen unterstützt. Man vermutet und 
hofft, daß der deutsche Gesandte und sein Me 
chaniker, falls sie unverletzt geblieben sein 
sollten, erst am Montagabend ihre vergeüli- 
llm diese Straße geht der Kamps 
Die Kaiserstraße zwischen Dessie und Addis Abeba, die zurzeit im Mittelpunkt der 
Kampfhandlungen steht. Sie ist die verhältnismäßig beste Straße Abessiniens und 
für Autos befahrbar. Wie es heißt, sollen die Abessinier die Straße an mehreren 
Stellen gesprengt haben, worauf es zurückgeführt wird, daß die schon für den 21. 
April erwartete Einnahme von Addis Abeba noch nicht erfolgt ist. 
(Associated Preß, K.) 
.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.