Dev Tag in Wovt nnö Vilö
Der Berliner BauunglücksproZetz
Schwierigkeiten mit Bohlen und U-Eisen
Am neunten Verhandlungstag wurde die
Verlesung des beschlagnahmten Briefwechsels
über die Bauausführung fortgesetzt. Dabei
wurden auch die Schwierigkeiten erörtert, die
Bauleiter Noth mit dem Holzeinkäufer seiner
Firma gehabt hat. Es feien zu schmale Boh
lenhölzer eingekauft worden,' der Holzeinkäu
fer habe sich darauf berufen, daß es kein an
deres Material gebe und das von ihm be
stellte Holz zudem je Kubikmeter drei bis
fünf RM. billiger sei. Noth will aber aus den
vorhandenen Vorräten Bohlen von der er
forderlichen Stärke ausgesucht und nur ein
wandfreie Stücke eingebaut haben. In der
oberen Steifenlage habe man sich damit ge
holfen, zwei Bohlen hintereinander einzu
ziehen. Hoffmann gibt zu, daß er Noth zur
Berechnung der erforderlichen Bohlenstärke
nicht hinzugezogen habe. Das sei, so meint
Hoffmann, keine»Sache der einzelnen Bau
stelle, sondern eine Angelegenheit des allge
meinen Einkaufs für das ganze Unternehmen
gewesen. Diesen Einwand hält der Staats
anwalt nicht für durchschlagend, da Noth ja
zur Kalkulation des Bauvorhabens mit her
angezogen worden sei.
Der Vorsitzende ging auf die Frage der
U-Eisen ein, die nach den Bauvorschriften an
den Rammträgern als Widerlager für die
Holzspanten angebracht werden müssen. Hat
Noth nicht gesagt, so fragte der Vorsitzende
den Angeklagten Hoffmann, er brauche 11-
Eisen? Diese kamen aber erst am 20. August,
dem Einfturztage, in Wagenlieferungen an.
— Hoffmann: Das waren Lieferungen, die
erst für einen späteren Zweck gebraucht wur
den. — Vorsitzender: Ist Ihnen bekannt, daß
man auch erst Rückfragen wegen der Profilie
rung angestellt hat, daß man weiter erörterte,
ob man sie beim Althändler beziehen kann,
und wo man sie am billigsten einkaufte? —
Hoffmann: Der zuständige Ingenieur unse
rer Firma hat selbstverständlich immer ver
sucht, wirtschaftlich einzukaufen. Ich habe
aber Anweisung gegeben, daß Noth mit sei
nen Forderungen bevorzugt behandelt wurde.
Von den Schwierigkeiten mit den Bohlen
will Hoffmann erst jetzt im Laufe des Straf
verfahrens erfahren haben. Noth meinte dem
gegenüber, Hoffmann sei durch seine in der
Zentrale eingehenden Bestellscheine über die
Schwierigkeiten der Materialbeschaffung un
terrichtet worden, auch habe er, Noth, des öf
teren mit Hoffmann über die Schwierigkei
ten ganz allgemein gesprochen.
Reichsauļobahn Halle-Leipzig.
Im Rahmen des Gautages der Technik in
Halle a. S. wird am Sonnabend der General
inspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr.
Ing. Todt, in Gegenwart des Reichsstatthal
ters Mutschmann und des Gauleiters Staats
rat Jordan die Reichsautobahn Halle-Leipzig
als ersten Abschnitt der Strecke Magdeburg-
Dresden dem Verkehr übergeben. Wenig mehr
als zwei Jahre waren nötig, um dieses Werk
zu vollenden. Auf der rund 27 Kilometer lan
gen Strecke mußten 21 Bauwerke zur Unter
oder Ueberführung von Eisenbahnlinien,
Straßen usw. geschaffen werden, außerdem die
nach dem „Kleeblattsystem" ausgeführte wich
tige Kreuzung mit der Reichsautobahn Berlin
München. Der Uebergang von der oberen
Schkeuditz. Hier überbrückt die Reichsautobahn
Halle-Leipzig auf einem.ruud 6% Meter hohen
Damm die künftige Autobahnstrecke Berlin-
Münsten. Der Uebergang von der oberen
Reichsautobahn zur unteren erfolgt durch be
sondere Bahnen. Bei den Arbeiten sind
ganzen 10 000 Personen beschäftigt.
rm
Ernst Übet 40 Jahre alt
Am 26. April vollendet Ernst Udet sein 40.
Lebensjahr. Er ist mit über 60 Abschüssen der
erfolgreichste überlebende Kampfflieger des
Weltkrieges. Heute gehört er als Oberst der
jungen deutschen Luftwaffe an.
(Scherl Bilderdienst, K.)
Ein lüg der Kraft durch Freude.
Am 30. April, am Vorabend des 1. Mai,
wird auf der Hamburger Werft der Howalöts-
werke der Kiel für das erste KdF.-Schifs ge
legt. Es wird ein Ereignis von geschichtlicher
Bedeutung sein: denn der KdF.-Dampfer ist
das erste Schiff, das von einem Volk für seine
Arbeiter gebaut wird. Reichsorganisations
leiter Dr. Ley wird die erste Niete einschlagen.
Auch die Grundsteinlegung zu dem großen
KdF.-Seebad auf der Insel Rügen, zwischen
Binz und Satznitz, findet am Donnerstag, d.
30. April, statt.
Mfm G§s!e
cmes schottischen Frontlämpsers.
In Gladbeck in Westfalen ist ein ehemaliger
Angehöriger der 4. Batterie des FAR. 58, Min
den, Hans Dethoff, ansässig, der 1918 in der
großen Tankabwehrschlacht bei Cambrai ge
fangengenommen wurde. Hierbei kam ihm
seine Brieftasche abhanden. Vor einigen Tagen
erhielt Dethoff von dem schottischen Front
kämpfer Andrew Milne aus Coatbridge ein
Päckchen zugestellt, das die vor 18 Jahren ver
lorengegangene Brieftasche nebst einem in
deutscher Sprache gehaltenen herzlichen Be
gleitschreiben enthielt. Die Brieftasche hatte sich
jahrelang im Gewahrsam des Schotten befun
den, der ihren Besitz vergessen hatte, bis sie
ihm jetzt durch einen Zufall wieder in die Hän
de fiel. Er forschte daraufhin nach Dethoff, um
ihm die Tasche zuzustellen.
„Mein Kamps" — handgeschrieben
Die deutsche Beamtenschaft überreichte dem Führer als Geburts
tagsgeschenk ein handgeschriebenes Exemplar seines berühmten Bu
ches „Mein Kampf". Das Buch wiegt 70 Pfund und enthält 975 Sei
ten, die auf Kalbspergament geschrieben sind.
(Scherl Bilderdienst, K.)
Der ZMschwmdelprozeß
in kMchMN.
DNB. Kopenhagen, 22. April. Hier begann
am Mittwoch ein Prozeß, in den etwa 30 Ex
portfirmen verwickelt sind. Der Schwindel be
stand darin, daß ausländische, und zwar in der
Hauptsache chinesische und amerikanische, Där
me als dänische ausgeführt wurden. Durch
diesen Schwindel, bei dem es sich um Millio
nengeschäfte handelt, ist der dänische Staat um
große Betrüge an Devisen geschädigt worden.
Die Schwindeleien waren ferner nur dadurch
möglich, daß die daran Beteiligten sich der
Stempelfälschung schuldig gemacht haben.
Zunächst hatten sich wegen dieser Vergehen
zwölf Schwindler zu verantworten, die zu
Geldstrafen von 500 bis 67 000 Kronen und
Zahlung der Kosten verurteilt wurden. Ferner
wurden die von ihnen aus den Schwindeleien
erzielten Gewinne beschlagnahmt. Insgesamt
wurden gegen die zwölf Angeklagten Geldstra
fen in Höhe von etwa 158 000 Kronen verhängt.
In hie Weser gefahren und erîrunken.
In den frühen Morgenstunden des Diens
tags ist während eines Schneegestöbers ein
schwerbeladener Lastkraftwagen mit Anhänger
aus Köln auf seiner Fahrt von Minden nach
Nienburg kurz vor der Nienburger Fähre in
die Weser gefahren. Schneeböen hatten den
Ausblick behindert. Der Besitzer des Lastzuges,
Kaspar Oplagen, saß am Steuer und konnte
sich aus seiner unglücklichen Lage nicht befrei
en, so daß er ertrank. Der Begleitfahrer konnte
sich retten und wurde im benachbarten Ritter
gut Schlüsselburg aufgenommen. Der Lastzug
liegt in der Weser.
Der ,.IàttM"-AŞr
AsKr-AMMmsler.
Der erfolgreiche Dichter der Bauernlustspiele
„Krach um Jolanthe" und „Wenn der Hahn
kräht", die einen ebenso großen Bühnen- wie
Filmerfolg hatten und noch haben, war be
kanntlich von Berufs wegen nicht Schriftstel
ler, sondern urkundlich geprüfter und an
erkannter Tischlermeister, dem die oldeuburgi-
sche Prüfungskommission die Note „Sehr gut"
erteilt hatte. Kürzlich hat nun die Tischler
innung ihr Mitglied, den oldenburgischen
Tischlermeister August Hinrichs, wegen seiner
Fähigkeiten eines echten Volksdichters beson
ders geehrt durch die Ernennung zum Tischler-
Ehrenmeister. An der Kundgebung nahmen
Minister Pauly, Oldenburg, Landeshand
werksmeister Bäckermeister Michel, Hannover,
und der oldenburgische Kammerpräsident Sa
vekost teil. August Hinrichs dankte in so humor
vollen Worten, daß der Beifall kein Ende neh
men wollte.
Verkehrshindernis Schnee.
Die %md hilft.
Die vom 17. bis 19. 4. über Ruhrgebiet,
Sauerland und Belgisches Land niedergegan
genen Schneemassen hatten so große Verkehrs
störungen und Schäden zur Folge, daß die
Technische Nothilfe durch den Reichssender
Köln alarmiert werden mußte. Viele Hundert
Nothelfer sind vorwiegend zum Freimachen
von Straßen, Wiederinfahrtbringen stecken
gebliebener Lastzüge, Freimachung von Wei
chen, zum Wiederaufrichten und Auswechseln
zerstörter Leitungsmasten der Ueberland-
leitungen und zur Wiederherstellung von Te
lephonverbindungen eingesetzt.
Die Suche mch Sichrer.
DNB. Kairo, 22. April. Die Nachforschun
gen nach dem in der Wüste verschollenen
deutschen Gesandten von Stohrer wurden am
vierten Morgen nach seiner Abfahrt auf
Grund eines eingehend ausgearbeiteten Pla
nes und nach genauer Einteilung aller Hilfs
kräfte wieder aufgenommen. Englische sowie
ägyptische Flieger durchsuchen systematisch die
ganze Gegend an einem Umkreis von 250 Km.
um den Schebel Hamid, an dem von Stvhrer
zum letzte» Mal gesehen'worden sein soll.
Außerdem wird das hügelige Gelände, in dem
aus der Luft nur schwer Feststellungen zu ma
chen sind, planmäßig von Kraftwagenexpedi
tionen der Deutschen Kolonie und Kraftwa
genabteilungen der Grenzverwaltung durch-
chen Versuche aufgegeben haben, den im Sand
festgefahrenen und vermutlich beschädigten
Kraftwagen wieder flott zumachen. Wenn
diese Annahme zutrifft, dürften sie sich zu Fuß
aufgemacht haben, um eine der umliegenden
Oasen zu erreichen.
Ein schwerer Sandsturm ließ am Mittwoch
die Suche nach dem verschollenen Gesandten
ins Stocken geraten. Seit Tagesanbruch sind
rund 60 Flieger, 60^Lastkraftwagen der
Grenzverwaltung, 30 Privatkraftwagen und
etwa 100 Kamelreiter unterwegs. Trotz dieses
ähnliche Vorfälle weit übertreffenden Aufge
bots konnte keine Spur Stohrers gefunden
werden. Da die nähere Umgebung Kairos im
Norden und die Baharias im Süden einge
hend abgesucht worden sind, konzentriert man
sich auf das riesige Mittelgebiet mit seinen
großen Dünen.
* * *
Die Leichen der englischen Schüler in London.
DNB. London, 22. April. Die Leichen der
fünf im S ch w a r z w a l ö ums Leben gekom
menen englischen Schüler trafen am Mitt
woch in London ein, wo sie von den schmerz
gebeugten Eltern sowie von Vertretern der
Stadt London und der Schulbehörde in Emp-
fang genommen wurden. Auch die Schulkame
raden der Verunglückten hatten sich eingefun
den.
Der 1000. Todestag Heinrichs I.
In einer Bürgerversammlung zu Qued
linburg wurden die Vorbereitungen für
große Feierlichkeiten anläßlich des 1000. To
destages König Heinrichs I. besprochen. Vor
gesehen sind für den 1. und 2. Juli u. a. ein
Staatsakt am Eingang zur Krypta, Reiter
mettkämpfe am „Eselstall", sowie allerlei
Festspiele, die auf die deutschen Rundfunk
sender übertragen werden. Es wird ein Ba
taillon der Leibstandarte des Führers anwe
send sein.
ĶrrrZe Post
Schwerer Unfall in einem Glasbläserbetrieb.
In dem Heimindustriebetrieb des Glasbläsers
Werner Fenn in Neustadt am Rennsteig ex
plodierte ein Gasolinbehälter, der das Gebläse
speiste. Der Besitzer Fenn und ein 15jähriger
Helmut Amm aus Neustadt, der der Arbeit
des Glasbläsers zusah, erlitten schwere Brand
wunden, an deren Folgen sie im Krankenhaus
gestorben sind.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erreichte
heute morgen um 8 Uhr Sevilla.
Schreckliches Brandunglück in Spanien. Jtt
der Stadt Arcos de la Frontera brach in
einer Wohnhütte infolge Unvorsichtigkeit
zweier durch ihre Eltern eingeschlossener Kin
der Feuer aus. Ein vierjähriger Knabe und
ein achtjähriges Mädchen kamen in den Flam
men um. Die Mutter erlitt bei dem Versuch,
ihre Kinder zu retten, lebensgefährliche
Brandwunden.
streift. Diese in Dreierkolonnen arbeitenden
Kraftwagengruppen werden von Beduinen
auf Kamelen unterstützt. Man vermutet und
hofft, daß der deutsche Gesandte und sein Me
chaniker, falls sie unverletzt geblieben sein
sollten, erst am Montagabend ihre vergeüli-
llm diese Straße geht der Kamps
Die Kaiserstraße zwischen Dessie und Addis Abeba, die zurzeit im Mittelpunkt der
Kampfhandlungen steht. Sie ist die verhältnismäßig beste Straße Abessiniens und
für Autos befahrbar. Wie es heißt, sollen die Abessinier die Straße an mehreren
Stellen gesprengt haben, worauf es zurückgeführt wird, daß die schon für den 21.
April erwartete Einnahme von Addis Abeba noch nicht erfolgt ist.
(Associated Preß, K.)
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