Sķ NàrhMuntz
J 29. Jahrgang Nr. 95
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsbucger Tageblatt)
Donnerstag, èei 23. April 1936
Der HochzeitSWg «f PrsSe
Die Geschichte einer eigenartigen Verlobung.
Ein Gipfelpunkt in der fröhlichen Ballsaison
des königlichen München bildete alljährlich der
Hofball. Das galt besonders zu der Zeit, da
Ludwig II. als blutjunger und bildschöner
Monarch den Thron der Wittelsbacher inne
hatte. Auf dem Hofball, der im Januar 1867
stattfand, gab es nun eine Sensation, die den
guten Münchenern fast für das ganze Jahr
hindurch Stoff zu Unterhaltung — und Klatsch
geben sollte. So sehr Ludwig II. wegen seiner
vornehmen und jugendlichen Schönheit von
den Frauen verehrt wurde, so bekannt war es
auch, daß er Frauen gegenüber eine große
Zurückhaltung an den Tag legte. Um so er
staunter war daher alles über die auffällige
Art, in der Ludwig auf dem Hofball seiner
Kusine, der Herzogin Sophie, die er von Kind
heit an kannte, den Hof machte. Die alten Hof
damen geruhten zu bemerken und zischten und
tuschelten hinter ihren Fächern: sollte der
junge König, dessen Herz anscheinend durch
eine Frau nicht zu erobern war, vielleicht doch
bei der hübschen verwandten Herzogin Feuer
gefangen haben? Wußte man doch, daß alle
Versuche, ihn mit einer spanischen, russischen,
hohenzollernschen Prinzessin zu verloben und
zu verheiraten, bisher gescheitert waren. War
schon das Verhalten Ludwigs seiner Kusine
gegenüber auf dem Hofball allgemein aufge
fallen, so folgte am nächsten Tage die große
Sensation: die Verlobung des jungen 22jähri-
gen Königs mit der Herzogin Sophie wurde
offiziell bekanntgegeben, und alsbald wußte
man sich in ganz München romantische Um
stände über das Zustandekommen dieser Ver
lobung zu erzählen: der König sei in den ersten
Morgenstunden von dem Ball zurückgekehrt,
habe sich erst gar nicht schlafen gelegt, sondern
die Königinmutter wecken lassen, ihr den Plan
einer Verlobung mit der Herzogin Sophie mit
geteilt und sie gebeten, sofort bei deren Vater
Um ihre Hand anzuhalten. Die Königin-Mut
ter sei dann schon in der Frühe um 7 Uhr bei
dem Herzog Maximilian erschienen und bereits
eine Stunde später habe der König als glück
licher Bräutigam seinen Besuch gemacht. Nun,
da die Tatsache der Verlobung bekannt war,
der junge König sich glückstrahlend überall mit
seiner reizenden Braut zeigte, versuchten die
Münchener naturgemäß auch hinter das Ge
heimnis dieser schnellen Verlobung zu kom
men. Die Braut war die Tochter des Herzogs
Maximilian, der mit der jüngsten Schwester
König Ludwigs I. verheiratet, also ein Onkel
des Königs war. Ludwig hatte in dem glän
zenden Haus des Herzogs, der einer der belieb
testen Wittelsbacher aller Zeiten gewesen ist,
der stets Gäste und Freunde um sich sah und in
dessen Haus ein für das klerikal-konservative
München freigeistiger Zug herrschte, oft und
gern verkehrt. Eine Schwester seiner Braut,
die Herzogin Elisabeth, die inzwischen Kaiserin
von Oesterreich geworden war, stand ihm
geistig nahe und blieb ihm zeitlebens eine ver
ständnisvolle Freundin. Politische und höfi
sche Gründe konnten also für eine Verbindung
nicht vorliegen. Man nahm also an, daß es sich
um eine Verbindung handelte, bei der allein
die Liebe entschieden hatte.
Die Münchener feierten dieses Ereignis und
Ludwig erschien mit seiner Braut auf allen
Bällen und Festen, die man zu Ehren der Ver
lobten veranstaltete. Aîsbald stürzte sich auch
Ludwig mit wahrem Eifer in die Vorbereitun
gen für die auf den 25. August angesetzte Hoch
zeit. Die Durchführung solcher Vorbereitun
gen entsprach so ganz seinen Neigungen, prunk
hafte Ausstattung zu schaffen, glänzende Ent
würfe zu machen und ohne Rücksicht auf ihre
Kosten, allein durch sein königliches Macht
wort der Verwirklichung zuzuführen. Sophie
wurde von ihrem Bräutigam mit Geschenken
überhäuft, in der Residenz die Räume für die
künftige Königin aufs prächtigste hergerichtet.
Für die Hochzeit selbst aber gab Ludwig
sofort die Herstellung eines nicht nur prunk
haften, sondern geradezu prachtstrotzenden
goldenen Galawagens in Auftrag, von dem
man sich erzählte, daß er nicht weniger als eine
Million Gulden kosten sollte. Daneben ent
wickelte sich all das, was bei Fürstenhochzeiten
gemeiniglich aufzutreten pflegte: Plaketten mit
dem Doppelbildnis des „hohen Brautpaares"
wurden geprägt, ihre Bilder hingen in allen
Schaufenstern. Auf Veranlassung Ludwigs
wurde eine Kupferplntte mit dem Bildnis
Sophies gestochen und bereits mit der Unter
schrift versehen: „Sophie Charlotte, Königin
von Bayern". So sicher war mau der Tatsache
der Verheiratung, daß sogar das genealogische
Verzeichnis des Königshauses, das der Sulz
bacher Kalender 1868 herausgab, schon die Ver
heiratung als geschehen druckte.
Aber es kam anders, als man erwartet hatte.
Die auf den 26. August angesetzte Hochzeit
wurde auf den 12. Oktober und dann nochmals
auf den 29. November verschoben. Diese wieder
holte Verschiebung der angesetzten Hochzeit
machte die Münchener stutzig. Plötzlich gab es
viele Leute, die behaupteten, daß sie nie daran
geglaubt hätten, daß eine Heirat zustande käme.
und schließlich war das Gerede so stark, daß die
Hofleitung des Königs glaubte, in irgendeiner
Form etwas tun zu können, um ihm entgegen
zutreten. Und nun erlebte München eines
seiner originellsten Ereignisse. Mit der Be
kanntgabe der Verschiebung der Hochzeit vom
Oktober auf den November ließ man gleich
zeitig den von acht prachtvollen Rappen gezoge
nen goldenen Hochzeitswagen, von Lakaien und
Dienern flankiert, durch die Straßen Mün
chens fahren. Als Begründung gab man an,
daß es sich um eine Generalprobe für den
Hochzeitszug handelte!
Doch auch dieser Trick konnte die Münchener
nicht mehr überzeugen. Man bemerkte, daß
das Verhalten des Königs gegenüber der jun
gen Herzogin in den letzten Wochen ein ande
res geworden war. Die Vorbereitungen für
die Hochzeit erregten bei ihm keinerlei Inter
esse mehr, im Gegenteil, er unternahm eine
ganze Reihe von Reisen nach der Wartburg,
nach Paris, blieb München fern und zog sich
auf seine Schlösser in Oberbayern zurück.
Allerlei aus aller Welt
Kindcrballon fliegt von Frankreich nach
England.
Ein Pariser Schlächtermeister hatte auf
einer landwirtschaftlichen Ausstellung ein
prächtiges Schwein erworben, 'worauf er so
stolz war, daß er einem Landsmann davon
etwas zugute kommen lassen wollte. Zu diesem
Zweck band er einen Gutschein über ein Kilo
Schweinefleisch an einen Kinderluftballon und
ließ diesen in die Luft steigen. Er nahm an,
daß der Ballon in der nächsten Nachbarschaft
niedergehen würde. Wie erstaunt mutz er ge
wesen sein, als er einige Tage darauf eine
Postkarte aus England bekam mit dem In
halt: „Ihr kleiner Luftballon ist in meinem
Feld gelandet, in Ravensden bei Bredford. —
Henry Close." Bis jetzt hat Herr Close sein
Schweinefleisch allerdings noch nicht abgeholt.
Einem Polizisten 10 Psund in die Tasche
geschmuggelt.
Eine heitere Geschichte spielte unlängst vor
dem Polizeirichter Greenwichs, der einen
Autofahrer wegen Beamtenbestechung zwei
Monate ins Gefängnis brachte. Ein gewisser
Harris hatte nämlich die Unverfrorenheit be
sessen. dem ihn nach einem Zusammenstoß nach
dem Greenwicher Hospital begleitenden Poli
zisten mit unglaublicher Fingerfertigkeit zehn
Ein-Pfundnoten in die Tasche zu schmuggeln,
um eine für sich günstige Aussage über die
Fahrgeschwindigkeit im Augenblick des Zusam
menstoßes zu erreichen. Er kam an den Un
rechten und hat nunmehr ausreichend Gelegen
heit, über die Undankbarkeit der Menschen
nachzusinnen.
Ludwigs XIV. und Marals Badewannen.
Im Park von Versailles wurde jetzt ein
riesiges, aus einem Marmorblock gehauenes
Wasserbassin aufgestellt, das von Ludwig XIV.
benutzt worden war. Das überaus kunstvoll
gearbeitete Bad hat viele Wanderfahrten hin
ter sich, bis es jetzt endlich wieder an seinem
Ausgangspunkt angelangt ist. Das Bassin war
ursprünglich für Ludwig XIV, hergestellt wor
den,- da es aber zu viel Platz einnahm, war es
den Nachfolgern des Königs im Wege und
wurde zunächst auf einer Besitzung der Ma
dame Pompadour untergebracht. Später ent
deckte man es im Besitz von Robert von Mon
tesquieu, und von dort kam es wieder nach
Versailles zurück. Paris besitzt übrigens noch
ein anderes Badebassin, das in seltsamem
Gegensatz zu diesem prächtigen Marmorbad
steht. Es ist eine eiserne, schuhförmige Wanne,
die von Marat benutzt wurde. In diesem Bad
las der „Volksfreund" gerade die Korrektur
seiner Zeitung, als er von Charlotte Corday
erstochen wurde.
Kurze Zeit nach den wiederholten Verschiebun
gen des angesetzten Hochzeitstages wurde dann
auch bekanntgegeben, daß die Verlobung, wie
es hieß, im gegenseitigen Einverständnis, auf
gehoben sei!
War man schon zu Beginn des Jahres
darauf aus gewesen, die etwas geheimnisvol
len Gründe für das Zustandekommen der
Verlobung zu entdecken, so mußte naturgemäß
die Aufhebung der Verlobung allen Familien
tanten und Klatschmäulern noch viel mehr
Anlaß zum Gerede geben. Die einen behaup
teten, daß die Herzogin Sophie etwas leichtes
Blut gehabt und dadurch die Eifersucht des
jungen Königs erregt habe. Fest steht, daß die
Aufhebung der Verlobung auf den König von
nachhaltigem Einfluß gewesen ist. Er verlieh
seinem Zorn gegen Sophie in der merkwürdig
sten Weise Ausdruck: ihre Büste warf er durch
das Fenster in den Schloßhof, die Kupferplatte,
die sie bereits als bayerische Königin darstellte,
übergoß er mit ätzender Säure, die Münzen
und Bilder mit dem Doppelbildnis mußten
auf seinen Befehl sofort eingezogen und ver
nichtet werden. Der Frauen gegenüber schon
immer zurückhaltende und schüchterne König
zog sich nunmehr vollkommen zurück. Ob ihn
das Auseinandergehen der Verlobung derar
tig in seinem Seelenleben erschüttert hat, wie
einige seiner Biographen behaupten, erscheint
nicht ganz unmöglich, mag aber dahingestellt
bleiben. Die junge Herzogin kam dagegen
leicht über das Ereignis hinweg. Schon ein
halbes Jahr später verlobte sie sich mit dem
Herzog von Alencon, den sie Ende September
1868 heiratete. Am Tage vor ihrer Hochzeit
erschien, unangemeldet und in Begleitung der
Kaiserin von Rußland, die bei ihm zu Besuch
weilte, der junge König in dem Schloß seiner
einstigen Braut zu einem kurzen Besuch. Nie
mand der bereits versammelten Gäste wußte,
wie er dieses Kommen des einstigen Bräuti
gams deuten sollte, und die allgemeine Verle
genheit mag Ludwig bestimmt haben, seinen
Aufenthalt nach kürzester Frist wieder abzu
brechen.
Das ist die damals so sensationelle Geschichte
der Verlobung des immer geheimnisvollen
jugendlichen Königs. Der Lebensausgang die
ser Menschen, die das Schicksal anscheinend
einmal füreinander bestimmt hatte, ist in glei
cher Weise tragisch: Ludwig II. verfiel in Gei
steskrankheit und kam auf eine bis heute un
geklärte Weise im Starnberger See um. Sophie
wurde in ihrer Ehe nicht glücklich und fand bei
dem furchtbaren Basarbrand des Jahres 1897
in Paris ein grauenvolles Ende. Ihre Schwe
ster Elisabeth, Kaiserin von Oesterreich, wurde
auf einer Reise in der Schweiz ermordet. Elisa
beths einziger Sohn Rudolf, Kronprinz von
Oesterreich, verübte in Gemeinschaft mit der
Baronetz Vetsera Selbstmord, und sein Nach
folger in der Thronfolge, Erzherzog Ferdi
nand, wurde im Juni 1914 das Opfer der serbi
schen Mordtat von Serajewo, die den unmittel
baren Anstoß zum Ausbruch des Weltkrieges
gab. Wie von einem düsteren Verhängnis
gezeichnet, erscheint das Lebensschicksal all die
ser Menschen.
Die Entführung
ans der Gradkapelle
Seltsamer Lebensweg einer Frau
von Hanna Lieske.
Bor 200 Jahren hatten sich die Pariser Ge
richte mit einem höchst seltsamen Fall zu be
lästigen. Ein gewisser Du Bourg, ein Mann
Rittlerer Jahre, klagte auf Nichtigerklärung
der Ehe eines Hauptmanns De Serres.
^Die Sachlage war so, daß Du Bourg eines
Tages bei einem Spaziergang einer Dame be
gegnet war, die seiner vor fünf Jahren verstor
benen Frau so verblüffend ähnlich sah, daß er
überrascht ihren Namen anrief. Die Dame
blickte, als sie ihren Vornamen hörte, auf,
schrak zusammen, sah den Mann furchtsam an
Und sprang rasch in einen Wagen, der mit ihr
davonfuhr. Du Bourg merkte, daß sie ihn
genau so erkannt hatte, wie er sic. Das bedeu
tete also, daß nicht eine Aehnlichkeit ihn ge
täuscht hatte, sondern daß sie wirklich seine
Frau war, die er begraben und betrauert
hatte. An dem Schlag des Wagens hatte er
bas Wappen der Familie De Serres gesehen,
und ihm fiel ein, daß De Serres der Name des
Mannes gewesen war, dessen Braut sie gewe
sen, ehe sie seine, Du Bourgs, Frau geworden
war. Hauptmann De Serres hatte mit seinem
Regiment ins Feld rücken müssen, der Vater
seiner Braut war gegen eine vorherige Ver-
wählung gewesen, seine Braut war also in
Paris geblieben, und als bald danach die Nach
sicht vom Tode des jungen Offiziers gekom-
wen war, hatte sie dem Drängen der Eltern
Nachgegeben und den reichen Du Bourg gehei
ratet. Aber de Serres war nicht tot, sondern
nur schwer verwundet. Als er genesen war,
kehrte er nach Paris zurück, kam aber zu spät.
Es war der Tag der Beisetzung seiner einstigen
Braut, der jetzigen Frau Du Bourg. Der
Hauptmann begab sich in die Grabkapelle, um
die Tote vor der Bestattung noch einmal zu
sehen, aber als er sich über den noch geöffneten
Sarg beugte, bemerkte er plötzlich in dem Ge
sicht der angeblich Toten ein leises Zucken, die
Lippen regten sich ein klein wenig, und er be
griff sofort, daß sie aus einem Betäubungs
zustande, den man für den Tod gehalten hatte,
zu sich zu kommen begann. In einem plötzlichen
Entschluß hob er die Geliebte aus dem Sarge
und eilte mit ihr zur Kapelle hinaus. Dem
Totengräber, der die Wache an der Kapelle
hielt, drückte er eine große Summe Geldes in
die Hand, so daß dieser, ohnehin völlig erstarrt
über den seltsamen Anblick, daß ein Mann
eine Tote auf seinen Armen davontrug,
regungslos blieb, bis der Hauptmann mit
seinem Raube in Sicherheit war. Dann ging
der Totengräber in die Kapelle und überlegte
angesichts des leeren Sarges, was zu tun sei.
Das richtigste war, den Sarg zü schließen und
damit die Entdeckung des Geschehenen zu ver
wischen. Wirklich erfuhr niemand, was sich zu
getragen hatte, bis die unheilvolle Begegnung
Du Bourgs mit seiner einstigen Frau statt
fand.
Vor Gericht leugnete Frau De Serres, je
mals die Frau Du Bourgs gewesen zu sein.
Sie gab an, daß sie in Südamerika geboren sei
und keine Verwandte mehr habe. Aber
Du Bourg begnügte sich mit diesen Angaben
nicht. Er nahm seine kleine Tochter mit vor
Gericht und erzählte dem Kinde, daß sie die
! Mutter setzen würde. Demgemäß eilte das
Kind sofort auf Frau De Serres zu und um
halste sie jubelnd. Aber auch die Frau um
armte das Kind, das sie so lange nicht gesehen,
zärtlich, gab jetzt jedes Leugnen auf und ge
stand, die Totgeglaubte zu sein.
Ihr Anwalt vertrat den Standpunkt, daß sie
damals offiziell gestorben und für tot erklärt,
damit also auch ihre Ehe mit Du Bourg auf
gehoben sei,' die Richter aber schlossen sich die
sem Standpunkt nicht an, sondern sprachen das
Urteil, daß sie zu ihrem ersten und rechtmäßi
gen Gatten zurückzukehren habe. Flehentlich
bat die junge Frau, ihr zu erlauben, in ein
Kloster einzutreten, aber die Richter waren
unerbittlich und gaben ihr ans, innerhalb zwei
Tagen zu ihrem Gatten zurückzukehren.
Frau De Serres mußte sich von ihrem ge
liebten Manne trennen. Verzweifelt nahmen
die beiden Abschied, denn sie wußten, daß es
jetzt keine Wiedervereinigung mehr für sie
geben würde. Dann kehrte Gabriele Du Bourg
in das Haus ihres ersten Gatten zurück, wo
alles für ihren Empfang festlich gerüstet war.
Du Bourg selbst stand in der Halle und erwar
tete seine Frau. Aber als sie eintrat, war ihr
Gesicht leichenblaß, sie machte nur noch einige
wankende Schritte und brach dann tot zu sei
nen Füßen zusammen. Sie hatte Gift gerwm-
men. Im gleichen Augenblick fanden De Ser
res Diener ihren Herrn tot auf,- auch er hatte
seinem Leben ein Ende gemacht.
Als die Niagarafälle vor einigen Wochen ge
froren waren, kamen Hunderte von Schau
lustigen aus dem ganzen Lande, um sich das
Schauspiel anzusehen. Ein Stück vom Rande
der Fälle stand ein Schutzmann, der die- Neu
gierigen davor bewahrte, sich zu nahe an den
Abgrund zu wagen.
Bunte Welt
Die Garbo ohne Nachfolgerin?
Seit geraumer Zeit sucht die amerikanische
Filmgesellschaft, bei der Greta Garbo arbei
tet, nach einer Nachfolgerin der großen Schau
spielerin. Agenten der Gesellschaft haben im
vorigen Jahr ganz Europa abgegrast und alle
möglichen Theater, von den größten bis zu den
allerkleinsten, besucht, um eine Frau zu fin
den, ans der eine zweite Greta Garbo zu
machen wäre. Sie sind jetzt unverrichteter
Dinge nach Amerika zurückgekehrt und haben
ihren Auftraggebern berichtet, daß es in ganz
Europa keine Frau gibt, die auch nur die ge
ringste Aussicht hätte, einmal die Stellung zu
erringen, die heute die Garbo einnimmt. Die
Garbo sei eine einmalige Erscheinung, für die
es niemals einen Ersatz geben werde. Das
Gleiche gelte übrigens auch für Marlene
Dietrich.
Die Tatsache, daß sich die Amerikaner so
eifrig nach einer Nachfolgerin für die Garbo
umsehen, läßt unter Umständen den Schluß zu,
daß die Garbo nach dreizehnjähriger Film-
tätigkeit die Absicht hat, sich bald von der Lein
wand zurückzuziehen.
Gotischer Flügelaltar aus Salzburg verkauft.
Infolge seiner schlechten wirtschaftlichen Lage
hat das Stift St. Peter in Salzburg mit Be
willigung des Bundesdenkmalamtes einen
gotischen Flügelaltar ins Ausland verkauft.
Der Altar besteht aus einem großen Mittel
bild von 168 Zentimeter Höhe und 75 Zenti
meter Breite und zwei Seitenflügeln, die aus
zwei beiderseits bemalten Tafeln zusammenge
setzt sind.
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