Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Naturschönheit und in der Stille verantwor 
tungsvollsten Schaffens. 
Ein halbes Jahr nach der Machtergreifung 
(welch gewaltige Tat!) war die Forderung der 
nationalsozialistischen Führung nach würdigen 
Ausbildungsstätten des politischen Führer 
nachwuchses schon zu Bauplänen gläubiger, 
die Größe des Ziels verstehender Architekten 
geworden. Im Jahr nach dem Sieg der Bewe 
gung begannen die Arbeiten an den Bau 
plätzen, das Roden der Wälder, das Sprengen 
der Felsen, das Ausschachten des Bodens. Und 
zwei Jahre danach erheben sich dort, wo 1934 
noch Sturm über Eifeler Höhengestrüpp und 
Felsblöcke fegte, noch tiefer Schnee unberühr 
tes Allgäuer Land deckte und der Wind in 
pommerschen Kieferkronen sang, in Gehalt und 
Ausmaßen gewaltige Vauanlagen, für die es 
keinen Vergleich gibt, weil sie kein Vorbild ha 
ben, weil sie neuartig, einzigartig in Forde 
rung und Durchführung sind: Stätten verewig 
ten Glaubens, Burgen unseres Ordens, die 
man bereits auf einer Reise besichtigen und 
erleben kann. 
Diese Zahlen und Tatsachen möge jeder selbst 
vor sich sprechen lassen. 
Alle Vorstellungen sind falsch. 
Es ist das alte Lied von Theorie und Praxis: 
eine Reise von wenigen Tagen (aber in diesem 
Fall von vielen Hunderten von Kilometer) läßt 
uns mehr erkennen und begreifen, als lange 
Wochen und Monate eines Studiums, und 
mag es noch so intensiv und fleißig sein. Das 
Erlebnis steht eben über dem fordernden, er 
klärenden und beweisenden Wort, zumal beim 
Verstehen und Begreifen nationalsozialistischen 
Wollens und Handelns. 
So hat jeder von uns gehört und gelesen und, 
ist er wahrhaft Nationalsozialist, auch sofort 
verstanden, was Reichsorganisationsleiter Dr. 
Ley über den Sinn der Heranbildung des poli 
tischen Führernachwuchses und die Bedeutung 
der Ordensburgen, auf denen sie zu vollkom 
menen politischen Predigern und Soldaten 
werden sollen, gesprochen hat. Mag es gewesen 
sein, als er seine große Musterungsreise durch 
die Gaue machte und Auslese über die An 
wärter hielt, oder waren es Aeußerungen, die 
er auf dem Reichstreffen aller Kreisleiter der 
NSDAP, in der einzig bereits vollendeten 
und schon arbeitenden Ordensburg tat. Trotz 
dem: keiner, der nicht schon das Gesicht der 
Burgen erblickte, ihre Sprache vernahm und 
den Geist der Gemeinschaft und Kameradschaft 
als Gast und Bewohner erlebte, kann sich auch 
nur im entferntesten ein Bild von ihrer bau 
lichen Gestaltung, ihrer architektonischen Ei 
genart und innersten Ausdruckskraft machen. 
Der Vorstellungen, die von überlieferten Be 
griffen von Burgen und Bauten ausgehen und 
auf diese neuen baulichen Schöpfungen über 
tragen werden, mag es viele geben. Sie alle 
aber müssen falsch sein. Denn nichts Ueber- 
liefertes ist hier bei jeder der Ordensburgen 
gültig, wo im besten Sinne des Wortes die 
Weltanschauung des Dritten Reiches als Bau 
herr waltete. 
Frage deshalb nicht nach einem Baustil und 
glaube eine Antwort mit Begriffen aus be 
kannten Bauepochen zu erhalten, es sei denn, 
daß dir die Bezeichnung deutsches Bauen, 
nationalsozialistisches Bauen eine ahnungs 
volle Vorstellung vermittelt. Denke auch nicht, 
eine Ordensburg könnte endgültige Antwort 
geben. Sie sind in der Lösung der gestellten 
Aufgaben in der Bauausführung alle drei 
äußerlich sehr verschieden gestaltet, so wie die 
Eifel vom Allgäu und Pommern verschieden 
ist und sie nur das Deutsche als Gemeinsames 
und als gleichen Charakter haben. 
Natürlich, die Ordensburgen künden alle von 
dem einen heißen Glauben und Willen, stehen 
für eine verschworene Gemeinschaft gleichsam 
bereit, haben auch dieselben baulichen Grund 
formen mit den Gemeinschaftshäusern, den 
Kameradschaftsbauten, den weihevollen Feier 
stätten, Sportplätzen und Ehrenhallen. Sie 
zeigen alle große, weite Jnnenhöfe und lang 
lausende packende Ausblicke durch die Hallen 
und Gänge in die Schönheit der Landschaft. 
Aber wenn man hört, daß die Burg Vogel 
fang ein Schieferdach trügt, Sonthofen mit 
Schindeln gedeckt ist und Crössinsee mit Schilf, 
dann wird man glauben, daß die Vauanlagen 
nicht gewaltsam über einen Leisten geschlagen 
wurden. 
Zwei brennende Gedanken. 
Das Gemeinsame, das Wesen der drei Bur 
gen, hat uns die Reise schnell vermittelt. Denn 
es ist ebenso schlicht und überzeugend faßlich 
für jeden, der sehen und empfinden kann, der 
den Glauben und den Geist der aus Kampf 
geborenen Idee des Führers sein eigen nennt. 
So erlebten wir es: zwei Gedanken brann 
ten immer in uns, wenn wir auf dieser Reise 
von der einen zur nächsten Burg fuhren, wenn 
wir die Fahrt fortsetzten, wenn wir zurück 
reisten durch den eisigen Regensturm der rau 
hen, herben, trotzigen Eifel, durch die (leider, 
leider) von dicken Schneedecken und Schnee 
wolken verhängte Bergwelt des Allgäus, und 
schließlich durch die sonnenglänzenden Feld 
fluren und die verschwiegene Seenpracht Pom 
merns. Zwei Gedanken, die aus der Unzahl der 
fast überwältigenden Vielheit des Erschauten 
hervordrängten und alles noch so Imposante 
und Eindrucksvolle beständig zurückwiesen, 
weil sie die Grundelemente des Geschaffenen 
darstellen: der Zukuuftswille und das Ringen 
um die Verewigung des nationalsozialistische« 
Reiches und die neue deutsche Baugestaltung, 
der politische und kulturelle Kern dieser Schöp 
fungen. Wer ohne innere Erhebung und ohne 
gebannt und gepackt zu sein diese klare Offen 
barung trotz der Einfachheit ihrer kraftvollen 
Sprache verkennt, der fühlt nicht deutsch. 
Dieses Sorgen und Ringen um die Siche 
rung der Zukunft und die Bewahrung und 
Vollendung unseres Glaubens und Seins 
durch die Schaffung solcher nie vorher in der 
Welt bestehenden Erlebnis- und Erziehungs 
stätten für kommende Verantwortliche des 
Volkes — muß man es nicht schon Verewigung 
des Glaubens nennen? 
Dieses Bauen aus neuer Kraft, neuem Geist 
und neuem Heimaterlebnis, das alles liebliche 
und Gewohnte und Gekünstelte meidet, das 
aus heißem Glauben und überragendem fach 
lichem Können die Landschaft und das sichere 
Empfinden für die neuerstandene Gegenwart 
und die Forderung der Zukunft als Gestal 
tungsmaterial benutzt — kann man das nicht 
schon als neugewordene deutsche Baukunst be 
zeichnen? 
Jede Ordensburg, die wir sehen konnten, 
stärkt diese Gewißheit, das Gemeinsame der 
Bestimmung und Gestaltung richtig verstanden 
zu haben. Wir erkennen es aus der trotzigen, 
massiv-felsigen, kämpferisch-harten Burg Vo 
gelfang, die am ragenden Bergufer des Urst- 
sees in Terrassen als Festung eines Willens 
gebaut ist,' aus der leichteren, helleren, natur 
beschwingteren Atmosphäre der Ordensburg 
Sonthofen, die, alle Baulichkeiten unter einem 
Dach erfassend, mitten in der Weihe und Ruhe 
der Berggipfel entstanden ist und im Vorrang 
Holz als Baumaterial verwandte,' aus der ganz 
aufgeschlossenen, weiten und sofort anheimeln 
den Anlage der Burg Crössinsee, die einem so 
fort vertraut und verständlich, aber voll von 
Ueberraschungen des Ausdrucks und der Ge 
staltung in ihren einzelnen Bauteilen ist, an 
gefangen von ihrer Treppenlosigkeit bis zu 
den schweren Steinsäulen, die aus behauenen 
Findlingen gefügt wurden. 
Jeder gepackt — niemand befremdet. 
Bei den Besichtigungen der Ordensburgen, 
die sich eigentlich gar nicht in Stunden be 
schauen, sondern erst in Wochen völlig erfassen 
und erleben lassen, habe ich manchen Partei 
genossen gesehen, der versunken und ergriffen 
vor einem wuchtigen Bauteil, vor einem Sau- 
lengang oder einem Landschaftsausblick, stand. 
Andere, die in lauter Bewunderung durch die 
Anlagen streiften wie Entdecker. Jeder war zu 
tiefst beeindruckt von diesen Sehenswürdig 
keiten nationalsozialistischen Geistes, jeder er 
staunt von den Ausmaßen, von der selbstver 
ständlichen Schlichtheit und Vollkommenheit, 
von der Art der hygienischen und technischen 
Einrichtungen, von der Behaglichkeit der 
Schlafhäuser, der Eindringlichkeit der Gemein 
schaftsräume, der Großzügigkeit der modernen 
Heiz- oder Küchenanlagen, der Inbrunst der 
Feierstätten. 
Keiner von allen aber war irgendwie und im 
geringsten befremdet. Und das, herausgehört 
von Arbeitern und Handwerkern, Mädeln des 
Wirtschaftspersonals, zufällig anwesenden Be 
suchern oder in Crössinsee von Parteigenossen, 
die dort eine Schulung durchmachen, bevor der 
Bau seiner ureigenen Bestimmung übergeben 
wird, das sei besonders betont und als Merk 
mal herausgehoben. 
Noch eins empfand man nicht minder, was 
auch vor den einzelnen Burgschilderungen ge 
sagt sei. Es wird die größte Auszeichnung, aber 
auch die höchste Verpflichtung für einen Na 
tionalsozialisten bedeuten, als Auserwählter 
auf eine der NS.-Ordensburgen zu ziehen, in 
ihr zu glauben, in Gemeinschaft den Geist der 
Idee und die Kraft der Natur zu erleben und 
Charakter, Körper und Wissen zu stählen. 
Ein Vergleich zwingt sich auf: diese Menschen 
müssen aus einem Stoff sein, wie das von der 
Natur geschenkte Baumaterial, aus denen die 
Ordensburgen wurden. Durch und durch kraft 
voll, widerstandsfähig, naturgesund. Allem Ge 
künsteltem überlegen, wetterhart und echt. 
Aber wie der Stein und das Holz des deutschen 
Bodens auch fähig, willig, bereit und fügsam, 
sich von berufener Hand für die Pflichten der 
Zukunft formen zu lassen. 
* 
Heute bewundern wir die Ordensburgen, 
ihre Bauweise und ihren Geist, nehmen sie als 
wahre Zeugnisse unserer Weltanschauung und 
damit als Stätten neuer Kultur beglückt in 
Besitz. Jeder aber, der für oder in den Burgen 
verantwortlich handelt, weiß, daß sie ihren 
Zweck erst zu erfüllen beginnen, wenn wahre 
und berufene nationalsozialistische Führerper- 
sönlichkeitcn von ihnen als politische Prediger 
und Soldaten der Idee Adolf Hitlers im Voll 
besitz völkischer Kraft, durchglühten Geistes, ge 
festigten Charakters und gestählten Körpers 
bodeuverbnnden, aber himmelstürmend ins 
Volk ziehen. W. Ritgen. 
Lieber stark als fett! 
Der Vortrag des Reichsbauernführers 
Darrè vor dem Führerkorps auf der Ordens 
burg Crössinsee brachte Feststellungen, die 
weit über den Rahmen eines solchen Vortrags 
hinausgreifen und jeden einzelnen von uns 
direkt, d. h. persönlich angehen. Wenn der 
Reichsbauernführer und Reichsernührungs- 
minister nach kaum Sy Jahren nationalsozia 
listischer Aufbauarbeit bereits feststellen kann, 
daß wir in Deutschland unter dem National 
sozialismus Ernährungskatastrophen nicht 
mehr erleben.werden, dann kennzeichnet dieser 
Satz nicht nur die noch immer kaum begreif 
liche Steilheit der Kurve unserer Ernährungs 
lage von einst bis heute, sondern sie gibt jedem 
einzelnen von uns zugleich eine amtliche Ver 
sicherung, daß die Lebensgemeinschaft des deut 
schen Volkes sich in Zukunft nicht mehr mit 
solchen zermürbenden Ernährungssorgen wird 
belasten müssen, wie sie in den vergangenen 
Jahren der Systemzeit so oft wertvolle Kräfte 
der Nation brachlegten. Außerdem aber weist 
der folgende Satz: „Deutschland wird durch 
Hunger nicht mehr in die Knie zu zwingen 
sein", in Erinnerung an die grauenvollen Er 
fahrungen von 1918-19 selbst auf äußerste 
Möglichkeiten hin, für die nunmehr nach der 
Feststellung der maßgeblichen Stellen ebenfalls 
Sicherheit geschaffen ist. Und wer die plan 
mäßige, sorglich durchkonstruierte Aufbau 
arbeit des Reichsnährstandes in diesen dreiein 
halb Jahren verfolgt hat, zieht daraus ohne 
weiteres die Schlußfolgerung, daß die Leitung 
die Sicherung der so erstaunlich schnell gewon 
nenen Nahrungsfreiheit genau so planmäßig 
weiter ausbauen wird. 
Ein besonderes treffsicheres Wort aber hat 
der Reichsbauernführer unter Hinweis auf die 
vorübergehenden Verknappungen der Butter 
im vergangenen Spätherbst gesprochen, ein 
Wort, das sich nicht nur die Miesmacher von 
damals hinter die Ohren schreiben sollten, son 
dern daß auch wir selbst uns für alle Zeiten 
merken wollen: „Es ist besser, Deutschland wird 
stark, als daß es fett wird." Der Satz ist in sei 
ner staatspolitischen Reichweite so klar und so 
unbedingt einleuchtend, daß er keines kom 
mentierenden Wortes bedarf. Aber wir, die 
wir mit 67 Millionen auf dem „Gutshof 
Deutschland" leben und vernünftig haushalten 
wollen, werden gut tun, uns diesen eindring 
lichen Satz auch in Zukunft immer wieder in 
seiner ganzen Bedeutung vor Augen zu halten. 
J. V 
„Lîàr Meer!" 
Ein »jähr. Mädchen spricht für die Landjugend. 
NDZ. Berlin, 24. April. (Eig. Funkmeld.). 
Unter den vielen Beweisen der Liebe und 
Verehrung, die dem Führer anläßlich seines 
Geburtstages dargeboten wurden, verdient 
besondere Erwägung auch der Besuch einer 
Schar junger Sendboten der deutschen Land 
jugend in der Reichskanzlei, die in ihren far 
bigen Trachten ein frohes Bild deutscher Kul 
tur boten. Ein kleines 6jähriges Mädel aus 
dem hannoverschen Land begrüßte und be 
glückwünschte im Namen aller den Führer mit 
folgenden Worten: „Lieber Führer! 
Wir Buben und Mädchen von deutschen Bau 
ernhöfen sind heute zu Dir gekommen. Vater 
und Mutter und alle Nachbarn des Dorfes 
lassen Dich durch uns schön grüßen. Sie haben 
Dich alle herzlich lieb und wünschen Dir mit 
uns alles, alles Gute zum Geburtstag. Vater 
sagte uns, Du hast einen großen Hof. Der ist 
so groß, wie die Höfe aller Bauern zusammen. 
Und der Hof, den Vater hat, ist nur ein ganz 
kleiner Teil von Deinem großen Hof. Der 
große Hof, sagt Vater, ist unser Deutschland. 
Und Du bist der Bauer in diesem großen Hof. 
Vater und Mutter und alle Nachbarn sind 
stolz auf Dich. Sie haben uns gesagt, wir 
müßten Dich recht, recht lieb haben, so lieb, wie 
wir Vater und Mutter haben. Und wenn wir 
einmal so groß sind wie Du bist, sollen wir 
unseren Hof ebenso schön führen, wie Du 
Deinen Hof — und Deutschland — führst". 
Der Führer und Reichskanzler empfing am 
Donnerstag den Inspekteur des Sanitäts 
wesens der faschistischen Miliz, Professor Dr. 
Attilio Catterina, Ordinarius für Chirurgie 
an der Universität Genua, der am Chirurgen- 
Kongreß in Berlin teilgenommen hat. 
Der Führer «nd Reichskanzler empfing am 
Donnerstag den deutschen Gesandten in Addis 
Abeba, Dr. Kirchholtes. 
Paris braucht eine „Gefahr 
♦ 
Schneller als wir annehmen konnten, hat 
uns die französische Presse die Bestätigung für 
unseren wiederholten Hinweis darauf gelie 
fert, daß Frankreich mit äußerstem Nachdruck 
die Diskussion über Europa im Sinne seines 
Gegenplans und Memorandums in den Vor 
dergrund zu schieben bemüht ist. Und zwar ist 
es niemand anders als das Organ des fran 
zösischen Außenministeriums selbst, dessen 
Ausführungen daher entsprechende Beachtung 
verdienen. Da wird nämlich in dem bekannten 
suggestiven Ton versichert, angesichts der um 
fassenden Größe des französischen Gegenplanes 
müsse man zunächst als erstes den Gedanken 
eines Völkerbundsheeres herausgreifen. Die 
ses Heer, versichert man uns dann weiter, wird 
der Zeitentwicklung entsprechend in erster 
Linie ein Luftheer sein, und zwar — „speziell 
zum Schutz der Tschechoslowakei und Oester 
reichs"! Niemand in der Welt kann sagen, wo 
durch oder von wem die Tschechoslowakei und 
Oesterreich bedroht sein sollten, wenn nicht durch 
den Pakt mit dem Bolschewismus auf der einen 
und durch den fortschreitenden Verlust der 
Selbständigkeit auf der anderen Seite. 
Aber es kommt noch viel erstaunlicher. Be 
sagtes Luftheer soll seinen Standpunkt aus 
gerechnet in der — Tschechoslowakei erhalten! 
Nachdem man gesehen hat, mit welcher „Be 
geisterung" sich sämtliche Völkerbundsstaaten 
auf die Beteiligung an den Sanktionen ge 
stürzt haben, kann man sich ungefähr vorstel 
len, wie dieses Völkerbunds-Luftheer aus 
„allen" Völkerbundsstaaten beschickt werden 
wird, wie der „Petit Parisien" treuherzig ver 
sichert. Mit anderen Worten, wenn es je zur 
Ausführung dieses höchst durchsichtigen Pla 
nes kommt, dann wird das Luftheer des Völ 
kerbundes eine so gut wie ausschließliche An 
gelegenheit der drei größten Luftmächte, also 
Frankreichs, Englands und Sowjetrußlands 
sein, welch letzterem die Tschechoslowakei be 
kanntlich im Zuge der Militärpakte bereits ihr 
Flugplätze zur Verfügung gestellt hat und von 
dem sie neuerdings Instruktoren für militäri 
sche Fallschirmspringer für die bekannten ag 
gressiven Zwecke erbeten hat. 
Um es noch deutlicher zu sagen: ein solches 
Luftheer, das unter der irreführenden Firma 
des sogenannten Völkerbundes segeln soll, 
wäre nichts anderes als die Fortsetzung der 
durch das französische Militärpaktsystem ge 
schaffenen antideutschen Ostfront nach Mittel 
europa hinein! Und um England für diesen 
plumpen Plan zu gewinnen, braucht man in 
Paris eine „bedenkliche Lage in Mitteleuropa", 
an deren Herstellung man bereits seit dem Be 
such Herrn Lavals in Moskau — freilich im 
anderen Sinne — ununterbrochen tätig ist. 
Nach dieser Kostprobe kann man sich vor 
stellen, wie die weiteren praktischen Kommen 
tare zu dem Pariser Plan aussehen werden. 
Antrittsbesuch des Botschafters Graf Welczek 
bei Flandin. 
DNB. Paris, 23. April. Der deutsche Bot 
schafter Graf Welczek hat am Donnerstag dem 
französischen Außenminister Flandin seinen 
Antrittsbesuch gemacht. Dem Präsidenten der 
Republik wird Graf Welczek sein Beglaubi 
gungsschreiben im Laufe der nächsten Woche 
überreichen. 
Das „Memeler Dampfboot" und die im 
gleichen Verlag in litauischer Sprache erschei 
nende „Lietuvischka Zeitunga" sind auf Befehl 
des Memeler Kriegskvmmandanten zu je 
5000 Lit Strafe oder bei Nichteintreibung Ver 
urteilung der verantwortlichen Redakteure zu 
entsprechender Gefängnishaft bestraft worden. 
Die Bestrafung wird damit begründet, daß 
die Blätter hetzerische Artikel verbreitet 
hätten. 
Die Sorgen uw das Mittelmeer 
(Eigener Bericht unserer Berliner Schriftleitung) 
Vor Alexandrien haben, wie schon gemeldet, 
die größten Manöver begonnen, die jemals die 
englische Flotte im Mittelmeer veranstalte! 
hat. Wie Pariser Blätter schreiben, nehmen 
114 englische Kriegsschiffe, einschließlich der 
Kriegseinheiten, an diesen Manövern teil. 
In Italien sieht man dieser neuen Macht- 
entfaltung Englands unmittelbar vor dem 
Eingang in den Suezkanal ohne Erregung und 
in der Erwartung der baldigen Einnahme Ad 
dis Abeba durch die italienischen Truppen zu. 
Die N. Baseler Ztg. schreibt: Niemand rechnet 
mehr mit der Möglichkeit eines kriegerischen 
Konfliktes der Weltmacht Großbritannien mit 
dem aufstrebenden Italien. 
Womit aber die weitesten und ernsthaften 
Kreise durchaus rechnen, ist, daß der jetzt über 
kurz oder lang bevorstehende Abschluß des 
Abessinienkonfliktes nur eine erste Waffen 
probe bedeutet. Was nach ihr kommen wird 
und kommen muß, ist nach dieser weitverbrei 
teten Auffassung die noch unausgetragene Ent 
scheidung um die wirkliche Vorherrschaft im 
Mittelmeer. 
Die Siegesmeldungen über den Vormarsch 
der italienischen Truppen nach Addis Abeba 
haben in der italienischen Presse wieder be 
gonnen. So zurückhaltend die amtlichen Heeres 
berichte sind, so wortreich lauten wieder die 
Sonderberichte der italienischen Zeitungen vom 
Kriegsschauplatz. Corriere della Sera meldet: 
„Mit der Einnahme von Magdala stehen wir 
knapp 65 Kilometer vor Addis Abeba. Die 
Hauptstadt ist in zehn Tagen unser. Nichts 
hemmt mehr unseren Siegeswillen, nichts 
mehr das Vorstürmen unserer heldenhaften 
Truppen, nichts mehr die restlose Auslöschung 
Abessiniens von der Landkarte." 
In den großen Londoner und Pariser Zei 
tungen mehren sich seit einigen Tagen die 
Meldungen, die davon sprechen, daß die arabi. 
Me Welt in Bewegung geraten sei.
	        
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