Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Luftschiff und Dampfer grüßten sich 
des englisches Kriegsschiff. 
Der Engländer 
sandte uns Grüße und wünschte uns gute 
Fahrt. Unser Kurs ging auf Las Palmas, um 
von dort aus den günstigen Nordostpassat 
ausnützen zu können. 
ZernSeben regisļrierļ. 
DNB. Jena, 1. April. Die Instrumente der 
Reichsanstalt für Eröbebenforschung in Jena 
verzeichneten am 1. April, früh um 3.21 Uhr, 
ein starkes Fernbeben bei etwa 11400 Km. 
Herdentfernnng. Die Bodcnbewegungen in 
Jena, die ihren Höhepunkt um 4.10 Uhr mit 
2 /io Millimeter Ausschlag erreichten, hielten 
bis gegen 6 Uhr an. Genaue Angaben über 
die Herdlage lassen sich vorläufig aus den Auf 
zeichnungen einer einzelnen Station noch nicht 
machen. 
wie möglich zu machen. Die Küche fördert im 
mer wieder Auserlesenes zutage. Selbst 
abends gibt es zwei warme Gänge. Wir haben 
eine eigene Bäckerei an Bord, Konserven, Ku 
chen, Fleisch, Butter, Obst, Gemüse, Eier. Die 
Abfülle, auch Bierflaschen, werden den Haien 
reserviert, von denen wir heute einen deutlich 
ausmachen konnten. 
^Die einzigen Bedauernswerten auf dem 
Schiff sind die Funkoffiziere, die viele Tau 
sende von Presseworten in die ganze Welt 
funken müssen. Im übrigen herrscht an Bord 
zwischen den Vertretern der internationalen 
Presse bestes Einvernehmen. Das Sprachen 
gewirr tut der Gemütlichkeit im Rauchsalon 
und der Fröhlichkeit der Skatbrüder und Bar 
besucher keinen Abbruch. 
Wir werden noch heute abend über Las Pal 
mas sein. Am Donnerstag früh werden wir 
über Kap Verde, in der Nacht zum Freitag 
über St. Paul sein. Wenn wir den Aequator 
überfliegen, wird den Neulingen der Tauf 
schein und die silberne Zeppelinnadel feierlich 
überreicht werden. Am Freitagabend werden 
wir Pernambuco überfliegen und um Mitter 
nacht in Rio eintreffen. 
Dieser Funkmeldung von Bord gingen fol 
gende Nachrichten vorauf: 
In fast 26stündiger Fahrt hat das Luftschiff 
„Hindenburg" bis Cap Finisterre 1180 See 
meilen oder 2200 Kilometer zurückgelegt. Wir 
haben den Kurs von Süöwest nur nach der 
Küste auf Süden gedreht, um in schwächeren 
Wind zu kommen. Unsere Reisegeschwindig 
keit betrug vom Kanalausgang ab mindestens 
31 Knoten. Wir sind aber auch mit 46 Knoten 
oder rund 85 Kilometer in der Stunde gefah 
ren. Bis Mittwoch früh 8 Uhr hatten wir 
15 000 Kilo Brennstoff verbraucht. Wir haben 
noch immer etwas Gegenwind. Die Sicht ist 
diesig, und die Sonne ist nur selten zu sehen. 
Um 11 Uhr sichteten wir drei englische Zer 
störer auf der Höhe von Lissabon, die gute 
Fahrt liefen und die See mit mächtigen weißen 
Bugwellen zerteilten. Auch sie morsten uns 
herzliche Wünsche für gute Reise herauf. 
Wir fühlen uns an Bord wie zu Hause. Wir 
lesen, schlafen, schreiben, spielen Skat. Dazwi 
schen schauen wir nach den vielen Schiffen aus, 
die hier besonders stark unseren Kurs kreuzen. 
Die frische Seeluft macht hungrig, aber die 
Küche ist allen Ansprüchen gewachsen. Immer 
wieder freuen wir uns über das prächtige 
Schiff, über seine vollkommen ruhige Fahrt. 
Zur Einführung der allgemeinen Dienstpflicht 
in Oesterreich. 
Die österreichische Bundesregierung hat für 
die männliche Bevölkerung von 18 bis 42 Jah 
ren die allgemeine Dienstpflicht eingeführt. 
Gleichzeitig wurde zum Generalstabschef der 
bewaffneten Macht der frühere Militärattachs 
in Berlin, Feldmarschall-Leutnant Jansa, er 
nannt, den unser Bild zeigt. (Selle-Eysler, K.) 
DNB. Heidelberg, 1. April. Die Königs 
stuhlwarte teilt mit: Der Seismograph der 
Königstuhl-Sternwarte verzeichnete am Mitt 
wochfrüh ein Fernbeben. Die erste Welle kam 
um 3.25, das Hauptbeben um 3.48,3 Uhr. Die 
Bewegung erlosch um 6 Uhr. Die Entfernung 
beträgt ungefähr 9000 bis 10 000 Kilometer. 
Nun auch die Straßenbahnen. 
DD. Berlin, 1. April. Mit dem 1. April 
müssen auch die Straßenbahnen im ganzen 
Reich jede Richtungsänderung durch ein 
Leuchtzeichen bekanntgeben. Gelblich-rote 
Glühbirnen sind an den Ecken der Triebwagen 
angebracht, die vor und während jeder Rich 
tungsänderung aufleuchten, sodaß jeder im 
Straßenverkehr, sei es Autofahrer oder Pas 
sant, rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht 
wird, daß die Bahn nach links oder nach rechts 
abbiegt. Mit dieser Einrichtung — die Ver 
wendung herausragender Winker, an die man 
zuerst gedacht hatte, ist bei den Triebwagen 
nicht möglich — ist ein weiterer Schritt zur 
Vermeidung von Verkehrsunfüllen, wie sic 
sich mitunter durch das Einbiegen der Wagen 
ergaben, erreicht. Mit der ersten Stunde des 
1. April gibt es also kein Fahrzeug mehr in 
Deutschland, dessen Führer nicht verpflichtet 
ist, rechrzeitig jede Richtungsänöcrung anzu 
zeigen. 
Gondar gefallen? 
Nach den jüngsten Meldungen vom abessinischen Kriegsschauplatz 
soll eine motorisierte italienische Abteilung unmittelbar vor Gon 
dar stehen, nach einer anderen soll sie auch die Stadt schon besetzt 
haben. Mit dem Fall von Gondar würden die Italiener einen der 
wichtigsten Straßenkreuzungspunkte und damit auch den Weg zum 
Tana-See in ihren Besitz gebracht haben. Wir zeigen die Südseite 
des Kaiser- und Kaiserinnenschlosses in Gondar. (Steinlehner, K.) 
Im Kaukasus abgestürzt. 
AOD. Moskau, 1. April. In den kaukasi 
schen Bergen hat sich ein schweres Bergsteiger- 
unglück ereignet. Acht Jungkommunisten un 
ternahmen, angestachelt durch den in Zusam 
menhang mit dem Stachanvwsystem angefach 
ten Rekordwahn, trotz ungünstiger Jahreszeit 
und schlechten Wetters eine Besteigung des 
höchsten Gipfels der kaukasischen Bergkette, 
des Elbrus. Alle acht stürzten ab. Dabei wa 
ren vier auf der Stelle tot, die restlichen vier 
wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen 
ins Krankenhaus eingeliefert. 
Tödlicher Unfall im Riesengebirge. 
Der 17 Jahre alte Jungturner Gottstein 
aus Hohenelbe erlitt bei einem Skiausflug 
ins Riesengebirge einen Unfall mit tödlichem 
Ausgang. Bei einer Schlußfahrt auf einem 
steilen Hang fuhr er mit voller Wucht gegen 
einen Baum, wobei er sich eine schwere Nie 
ren und Magenverletzung zuzog. Gottstein, 
der etwas kurzsichtig, aber ein guter Skifahrcr 
war, hatte das Hindercnis zu spät erkannt und 
konnte nicht mehr ausweichen. Den schweren 
Verletzungen erlag er im Krankenhause. 
Das Berlirrer BaugràN-AngWô vor Gericht 
Vor der 11. Großen Strafkammer des Land 
gerichts Berlin hat der Prozeß wegen des 
Bangrubenunglücks in der Hermann-Göring- 
Straße begonnen. Er soll Klarheit darüber 
bringen, ob unberechenbare Naturgewalten 
oder aber menschliche Fehler die Schuld an der 
Einsturzkatastrophe tragen, die in den Mit 
tagsstunden des 20. August v. I. neunzehn 
Arbeitskameraden das Leben gekostet hat. Die 
Anklage vertritt den Standpunkt, daß techni 
sche Mängel in der Bauausführung und 
Fehler in der Kontrolle vorgelegen haben. 
Sie macht dafür die Angeklagten verantwort 
lich, die jetzt vor dem Richter stehen. Es sind 
dies der Geschäftsführer der Berlinischen 
Ballgesellschaft, der 54 Jahre alte Hugo Hoff 
mann aus Friedenau, der Dipl.-Jngcnicur 
Fritz Noth aus Berlin, der 50jährige Reichs- 
bahnobcrrat Curt Kellberg, der 35 Jahre alte 
Reichsbahnrat Wilhelm Schmitt aus Tempel 
hof, die sich in Untersuchungshaft befinden. 
Nur Kellberg ist mit der Haft verschont, da er 
nach ärztlichem Gutachten haftunfähig ist. 
Allen wird fahrlässige Tötung der neunzehn 
Opfer des schweren Unglücks zur Last gelegt. 
Es wäre übrigens noch eine weit höhere Zahl 
von Todesopfern zu beklagen gewesen, wenn 
sich nicht die Katastrophe gerade in der Mit 
tagspause ereignet hätte,' denn in dem frag 
lichen Bauabschnitt waren regelmäßig 80 bis 
90 Arbeiter beschäftigt. 
Der Vorsitzende erklärte, daß er beabsichtige, 
zunächst über die innere Organisation der 
Reichsbahn, soweit sie mit dem Prozeßstand 
zusammenhänge, zu verhandeln, um die Ver 
antwortlichkeit der einzelnen Angeklagten zu 
klären. Anschließend werde das Ansschrei 
bungssystem erörtert, auf Grund dessen der 
Bauauftrag vergeben worden sei. Weiter 
würden dann die Verhältnisse bei der Ber 
linischen Ballgesellschaft besprochen. 
Als erster Angeklagter wurde Reichsbahn 
oberrat Kellberg vernommen. Er sagte, ihm 
habe innerhalb seines Geschäftsbereiches die 
Bearbeitung der technischen Entwürfe, Auf 
stellung der Kostenanschläge, Ausschreibung 
und Vergebung der Arbeiten, Abrechnung und 
Verkehr mit Privaten und Behörden für den 
Bauabschnitt Nord-Süd-8-Bahn zwischen 
Bahnhof Friedrichstraße und Dessauer Straße 
obgelegen. Verantwortung für praktische 
Mitüberwachung der Baustelle habe er nicht. 
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bündeln. Als sie gegen 17 Uhr entgegen ihrer 
Gewohnheit nicht zurückgekehrt war, gingen 
ihre Brüder in den nahen Wald, um sie zu 
suchen. Dort fanden sie bald darauf ihre 
Schwester mit durchschnittener Kehle tot auf, 
außerdem war dem Mädchen mit einem 
stumpfen Gegenstand ein Schlag auf den Kopf 
versetzt worden. Die Kasseler Mordkommission 
hat sich nach der Moröstelle begeben und die 
Untersuchung eingeleitet. 
Münzen aus der Reformationszeit. 
DD. Prag, 1. April. In Znaim wurden 
beim Abbruch eines Hauses in einer dicken 
Mauer sieben Beutel gefunden, in denen sich 
eine große Anzahl silberner und goldener 
Münzen aus der Reformationszeit befanden. 
Unter 1362 Münzen fand man auch einen so 
genannten Prädikantenring, wie ihn evange 
lische Prediger jener Zeit zu tragen pflegten, rischen Inseln. 
SÜD-V 
AMERIKA^ Pernambuco 
) /*kÌo de 3aneiro 
ģìî WiUy/ 
Aires 
Am Start znm polnischen Stratosphärenflug. 
Auf dem Warschauer Flughafen startete der 
polnische Ballon „Warszawa II" zu einem 
Stratosphärenflug unter Führung des Sie 
gers im Gordon-Bennet-Flug 1935, Kapitän 
Burszynski, der von dem Meteorologen 
Dr. Joöko-Narkiewicz begleitet wurde. Auf 
unserem Bild sieht man den Ballon, in dem 
Messungen der kosmischen Strahlungen durch 
geführt werden sollen, kurz nach dem Aufstieg. 
Der Ballon erreichte eine Höhe von 10 000 
Meter, wurde aber nach glücklicher Landung 
durch Feuer zertzört. IScherl-Bilderdienst, K.s
	        
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