Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. / Nr. 96. / Zweites Blatt. 
Sckleswig-Koļsietnisihr 
Landeszoitung 
Rendsburg«: Tagebtatt 
Freitag, den 24. April 1936« 
Rendsburg, den 24. April 1936. 
Der Beamte im Dritten Reich 
Am gestrigen Vortragsabend in der Ratio 
nalpolitischen Vortragsreihe der Verwal 
tungs-Akademie sprach Gauredner R i n k - 
less-Berlin über „Stellung und Aufgabe 
des Beamten im nationalsozialistischen 
Staat". Der Vortragende führte neben an 
derem folgendes aus: Die Stellung des Be 
rufsbeamten im Dritten Reich hängt eng zu 
sammen mit der Auffassung, die wir heute 
über die Aufgaben des Staates haben. Wie 
er nicht mehr Selbstzweck, sondern nur Mit 
tel zum Zweck ist, so dient anch das Beamten 
tum nur dem Volke, nur der Aufgabe, die 
besten und edelsten Bestandteile unseres Blu 
tes zu fördern und uns den Platz an der 
Sonne zu erkämpfen, den wir verloren, weil 
wir die besten Tugenden unserer Vorfahren 
vergessen hatten. 
Das deutsche Berufsbeamtentum geht zu 
rück auf den Typ des königlichen Beamten, 
wie ihn Friedrich Wilhelm I. geschaffen hatte, 
hervorgegangen aus der Armee und verwur 
zelt in ihren Ehrbegriffen. Das Vorkriegs 
deutschland ruhte auf den beiden Ständen der 
Armee und des Beamtentums. So konnte das 
Reich Bismarcks, wenn es auch nicht auf den 
ewigen Fundamenten der Rasse errichtet war, 
40 lange Jahre bestehen. Wie der Staat sich 
damals nicht um die rassische Herkunft seiner 
Untertanen kümmerte, bestand auch für den 
Beamten lediglich die Bindung an das Gesetz 
und den Paragraphen, dem er treu und selbst 
los diente. In den Zeiten der Republik harrte 
der Beamte verantwortungsbewußt auf sei 
nem Posten aus. Das Ansehen seines Stan 
des sank, als sich immer mehr unberufene 
Elemente einzudrängen begannen. 
Das erste Gesetz des neuen Staates befaßte 
sich daher mit der Wiederherstellung des Be 
rufsbeamtentums. Fremdblütige Menschen 
konnten unsere Ehrbegriffe nicht verstehen, 
denn der Beamte dient jetzt nicht nur einer 
Form, sondern einem lebendigen Inhalt, dem 
Volke. Der Blick geht zurück in die Vergan 
genheit, zu Widukind und Hermann dem Che 
rusker, die gleich uns Formen zerbrachen und 
lebendiges Leben aus den Formen des Blutes 
gestalteten. Die Größe der Vergangenheit un 
seres Volkes, das aus der Ewigkeit kommt, be 
rechtigt es, Kulturträger Europas und viel 
leicht der Welt zu sein. Das Werk Bismarcks, 
nicht rassisch bedingt und darum nicht aus der 
Ewigkeit entsprungen, konnte deshalb _ auch 
nicht der Ewigkeit dienen. Erst Adolf Hitler 
hat den jüdischen Parasiten erkannt und be 
zwungen. Gerufen vom Führer wird auch der 
deutsche Beamte in straffster Zucht und Diszi 
plin ohne jeden Standesdünkel seine Arbeit 
im Weinberge des deutschen Volkes verrich 
ten. O 
chungen statt, die Ausschreibungen wurden 
astgelegt und werden in den nächsten Tagen 
veröffentlicht. Die Turnierleitung hat annä 
hernd die gleichen Konkurrenzen ausgeschrie 
ben wie im letzten Jahre und die Geldpreise 
weiterhin erhöht. Die Reiter der SA. werden 
m einigen Preisbewerbungen nur unter sich 
konkurrieren, andere Prüfungen wiederum 
'ind nur für Unteroffiziere und Mannschaften 
der Wehrmacht ausgeschrieben, der weitaus 
größte Teil ist jedoch für alle Reiter und Rei 
terinnen offen. 
Der Turnierplatz, der schon im vori 
gen Jahre allen Anforderungen genügte, ist 
weiterhin ausgebaut worden. Reue 
Sprünge sind angelegt und überall Tannen 
und Sträucher zur Belebung des Bildes an 
gepflanzt. Hoffentlich ist der Wettergott der 
Veranstaltung besser gesinnt als im vergan 
genen Jahre,' dann wird es der rührigen Tur 
nierleitung sicherlich gelingen, einer noch grö 
ßeren Zahl von Zuschauern einen genußrei 
chen Nachmittag zu verschaffen. 
Ein SA.-Grotzkonzert 
wird am morgigen Sonnabend im Schützen- 
hof von der SA.-Standarte 163, von der SA.- 
Marine-Stanöarte 53 und den SA.-Spiel- 
mannszügen 163 und 65 veranstaltet. Der 
erste Teil des abwechslungsreichen und mit 
aller Sorgfalt zusammengestellten Pro 
gramms bringt unter Leitung von M.-Z.- 
Führer Schubert u. a. die Militär-Ouver 
türe von Zwicker und das Potpourri „Rheini 
scher Sang" von Hannemann. Im zweiten 
Teil unter Leitung von M.-Z.-Führer Ru 
mohr erscheinen u. a. Fanfarenmärsche und 
das Charakterstück „Aufmarsch der Pimpfe" 
von Rumohr. Anschließend findet Deutscher 
Tanz statt. Die SA. der NSDAP, hofft, bei 
der engen Verbindung zur Bevölkerung 
Rendsburgs auf zahlreichen Besuch und ver 
spricht ihren Gästen eine Reihe von ange 
nehmen, unterhaltsamen Stunden in ihrer 
Mitte. 
* * * 
* Militärisches. Anläßlich einer größeren 
Uebung im Standort weilt der Kommandeur 
der 20. Division, Generalleutnant Schwandner, 
mit verschiedenen Offizieren einige Tage in 
Rendsburg. 
* Reif hat es in verflossener Nacht gegeben. 
Nachfrostgefahr um die jetzige Jahreszeit ist 
nichts Ungewöhnliches. Solange die Obst 
baumblüte nicht aufgebrochen ist, hat es keine 
Not. Der Blütenansatz ist im allgemeinen gut. 
Wenn wir die Eisheiligen in der ersten Hälfte 
des kommenden Monats (11., 12. und 13. Mai) 
hinter uns haben, sind wir über den Berg 
nachwinterlicher Gefährdung hinweg. 
* Eine Beiratssitzung des Ortsmännerver 
eins vom Roten Kreuz fand am Mittwoch 
abend unter dem Vorsitz von Propst Abraham 
cm Ev. Gemeindehaus statt. Vom Kassenfüh 
rer Traulsen wurde der Kassenbericht erstattet. 
Vom Vorsitzenden wurde mitgeteilt, daß der 
diesjährige Rotkreuztag für den 6. und 7. Juni 
in Aussicht genommen ist. Sobald die Richt 
linien vom Provinzialverein eingegangen sind, 
soll mit den Vorständen der hiesigen Frauen 
vereine eine gemeinsame Sitzung wegen der 
örtlichen Ausgestaltung des Rotkreuztages 
stattfinden. Eine rege Aussprache fand über 
Organisatronsfragen der Sanitätskolonne 
Rendsburg statt. Der Ortsmännerverein wird 
demnächst wieder an die Bevölkerung von 
Rendsburg und Büdelsdorf herantreten mit 
der Bitte, das öffentliche Rettungswesen da 
durch zu unterstützen, daß man die Mitglied 
schaft im Ortsmännerverein durch einen jähr 
lichen Beitrag erwirbt. 
* Der kirchliche Posaunenchor hatte seine 
Mitglieder mit ihren Angehörigen und einige 
Gäste zu einem Kameradschaftsabend im Ge 
meindehaus eingeladen. Nach Begrüßungs 
worten des Chorleiters Bergmann erfreuten 
dieser und seine Tochter durch einige Musik 
darbietungen (Klavier und Geige). Nach ge 
meinsamer Kaffeetafel hielt Kirchenbürovor 
steher von Essen einen Vortrag über Sinn und 
Ursprung des Hakenkreuzes. Geboren aus der 
Sehnsucht des nordischen Menschen nach dem 
Licht, schuf dieser sich das Hakenkreuz als Sinn 
bild des Sonnenkreislaufs. Die Ausführungen 
wiesen hin auf das Goethesche Wort: „Wir 
bekennen uns zu dem Geschlecht, das aus dem 
Dunklen in das Helle strebt." Die Ueberein 
stimmung nationalsozialistischer Weltanschau 
ung mit dem Christentum wurde den Zuhörern 
anschaulich gemacht. Kirchenültester Clement 
sprach dem Posaunenchor und seinem rührigen 
Dirigenten Dank dafür aus, daß sie sich un 
eigennützig in den Dienst der Kirche stellen. 
Bei Musik und Unterhaltung blieb man noch 
einige Zeit beisammen. Mit einem Siegheil 
auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler 
wurde der Kameradschaftsabend geschlossen. 
* Die Kameradschaft ehem. 85er von Rends 
burg und Umgegend im Deutschen Reichskrie 
gerbund „Kyffhäuser" hielt am Mittwoch im 
Vereinslokal Germaniahotel ihre Monatsver- 
'ammlung ab. Kameradschaftsführer Gosch ge 
dachte des verstorbenen Kameraden Birken 
meyer. Zum Kameradschaftsschießwart wurde 
Reinhold Haß ernannt. Der neue Schießwart 
bat, daß sich die am Schießsport interessieren 
den Kameraden am kommenden Sonntag um 
3 Uhr im „Schützenheim" einfinden mögen. 
Beschlossen wurde auf Anregung der 85er- 
Kameradschaft in Neumünster, am Himmel 
fahrtstage einen gemeinsamen Ausflug der 
beiden Kameradschaften mit Angehörigen nach 
Nortorf zu unternehmen. Zum Schluß hielt 
Kamerad Lehrer Schmidt, Rendsburg, einen 
packenden Vortrag über „Verdun". Der feind 
liche Angriff an der Somme zwang zum Ab 
bruch der Schlacht. Die Franzosen sprechen 
von der siegreichen Verteidigung von Verdun, 
die Deutschen von der Tragödie um Verdun. 
Sieger bleibt der deutsche Soldat von 1916 in 
seinem unerhörten Kämpfen und Dulden. 
Mit einem Siegheil auf den Führer wurde die 
Versammlung beendet. 
* Unfall beim Spiel. Ein 6jähriger Knabe 
kam beim Spielen zu Fall und zog sich einen 
Bruch des linken Armes zu. 
* Sonntagsrückfahrkarten gibt es aus An 
laß des Nationalen Feiertages der Arbeit des 
deutschen Volkes. Sie gelten zur Hinfahrt von 
Donnerstag, dem 30. April, 12 Uhr, bis Sonn 
tag, dem 3. Mai,' zur Rückfahrt von Donners 
tag, dem 30. April, 12 Uhr, bis Montag, dem 
4. Mai, 12 Uhr (Antritt der Rückreise). 
Büdelsdorf, 23. April. Seinen 87. Geburts 
tag konnte gestern der Rentner Johann Sie 
vers, Meiereistraße 1, in körperlicher und gei 
stiger Frische begehen. Sievers diente beim 
Infanterieregiment 84 und nahm teil an der 
Erstürmung von Orleans. Er ist einer der 
wenigen Veteranen von 1870/71, die noch unter 
uns weilen. Zu seinem Ehrentage wurden 
dem Jubilar zahlreiche Glückwünsche zuteil. 
Seitens der Gemeinde wurde ihm ein Glück 
wunschschreiben mit einer kleinen Gabe über 
reicht. 
Aus dm%JhndsêMï^^Ģeddd$$atd 
Kleiner Mann, was nun? 
# Der aus der Untersuchungshaft vor 
geführte 49jährige Otto schaute, als er sich in 
der Anklagebank hinsetzte, so eben mit dem 
Kopf über die Brüstung. Denn er ist klein von 
Rendsburg, wie es früher aussah 
Rendsburger Reit- und Fahr 
turnier 
Am 20. und 21. Juni d. I. findet wieder das 
große Rendsburger Reit- und Fahrturnier auf 
dem Turnierplatz bei der Eiderkaserne statt. 
Die 2. Abteilung des Artl.-Regts. 20 und die 
SA.-Reiterstandarte 15 haben sich, wie im ver 
gangenen Jahre, zu diesem Zwecke zusammen 
getan und sind gemeinsam Träger der Veran 
staltung, deren Protektorat Land und Stadt 
übernehmen werden. 
Vor kurzem fanden die ersten Vorbespre- 
„Eisenbahnhalle" steht mit großen 
Buchstaben an dem Haus, das 
ivir in der Mitte unseres Bildes 
sehen. Wir befinden uns hier in 
der Eisenbahnstraße und haben 
das alte Rendsburger Schau 
spielhaus vor uns, in dem 
früher die RendSburgcrTheater- 
aufführungen stattfanden. In 
dem Anbau mit den sehr hohen 
Fenstern darf man wohl den 
Znschauerraum vermuten. Die 
ser Teil des Gebäudes hat dann 
später der katholischen Kirche 
Platz gemacht, während der vor 
dere Teil, in dem sich die Wirt 
schaft befand, später zu Wohnun 
gen gemacht wurde. # 
Gestalt. Angeklagt war er wegen Bettelns, 
und es drohte ihm das Arbeitshaus, der 
Schrecken aller, die den Frühling, das Wan 
dern und die Ungebundenheit lieben. Otto 
durfte sich also in seinem Busen fragen: 
Kleiner Mann, was nun? 
Er ist übrigens teilweise besser als sein Ruf. 
Immerhin gehören zu seinem „Ruf" an die 20 
Vorstrafen, wovon die meisten Haftstrafen sind 
wegen Bettelei und Landstreichens. Daneben 
laufen einige kräftigere Sächelchen: Diebstahl, 
Widerstand, Hausfriedensbruch, Beleidigung. 
Die letzte Strafe wurde 1935 in Bielefeld ver 
hängt, und zwar eine Woche Haft wegen Bet 
telns. Vielleicht hat Otto, der ans Tilsit 
stammt und seit 1922 Witwer ist, Pech gehabt 
im Leben. Jedenfalls aber hat er, im Gegen 
satz zu manchem anderen, der unter gleicher 
Anklage stand, seine Papiere in Schuß. Von 
jedem Arbeitgeber, bei dem er vorübergehend 
beschäftigt gewesen, ließ er sich eine Bescheini 
gung geben, und an jeder Wanöerarbcitsstätte 
sorgte er für Eintragung über Arbeitsleistung 
und Weitermarsch ins Arbeitsbuch. Ein Land 
mann aus dem Kreise Segeberg schrieb ihm 
nach der Erntearbeit in die Papiere, daß er 
fleißig und anständig sei. Der Wille zur Arbeit 
war ihm nicht zu widerlegen, und das schützte 
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