9ïc. 16 / 17. Jahrgang
Alt-Rendsburger OrLgwale
Von Graf Adelbert Baudissin. *)
2tl§ ich noch im Flügelkleide einherging, war
Rendsburg mein Paradies und der Wohnsitz
freier alter Herren, die ich mit sehr verschie
denen Gefühlen betrachtete, wenn ich ihnen
zufällig auf der Straße begegnete. Diese
drei Herren waren: das Gespenst, ein Barbier
und der Prinz von Hessen.
Das Gespenst war ein kleines Männchen,
das abends nach Sonnenuntergang seine Woh
nung verließ, um mit dem Totengräber Sechs
undsechzig zu spielen. Ich sehe den kleinen,
drei Fuß hohen Mann noch an mir vorüber
schreiten,' er hat einen dunkelblauen Schnie-
pel mit gelben Knöpfen, eine Uhrbummelage,
die eine Hand breit unter der Weste herab
hängt und bei jedem Schrittchen hin und her
baumelt, einen alten, abgetragenen, aber
sorgfältig gebürsteten Hut und einen Spazier
stock, der für seinen Besitzer viel zu groß ist.
Weil er nur abends im Halbdunkel ausgeht
und hinter jedem Busch und Knick verschwin
det, steht der Kleine im Verdacht, plötzlich in
die Erde versinken und sich unsichtbar machen
zu können,' einige sind der Meinung, daß er
mit den Elfen und Alräunchen Hexengold
fabriziert,' den Renösburger Knaben ist er
aber, was eine Eule den Schwalben ist,' sowie
er sich zeigt, ist die ganze liebe Jugend auf
den Beinen. Gespenst! Gespenst! ertönt es von
einem Ende der Stadt zum andern, alles
lauft und rennt, — nur das kleine Männchen
nicht. Mit schnellen trippelnden Schrittchen
huscht es über den Exerzierplatz, bei der
Hauptwache vorbei, zum Holstentore hinaus
~7 und weg ist es,' Furcht und Angst ergreift
die jugendlichen Gemüter,' die beherzten Kna
ben wollen morgen beim hellen Sonnenschein
suchen, das Elfenloch zu entdecken, in dem das
Männchen kaum zwanzig Schritte von ihnen
verschwunden ist,' sie wollen Schaufel und
Spaten mitnehmen und das Hexengold aus
graben, kurz tausend Pläne werden entwor
fen, während der kleine Mann mit seinem
Freunde hinter einem Wachholderschnaps sitzt
und über die bösen Buben klagt, die ihm sein
bißchen Leben verbittern.
Ich sehe das Gespenst noch über den Rends-
burger Paradeplatz trippeln, obgleich er längst
an einem verschimmelten Pfannkuchen ge
storben und von seinem Freunde und Sechs-
undsechzigspieler in die Erde gescharrt wor
den ist. Nach seinem Tode entdeckte die Polizei,
daß das Männchen Jahre lang von Pfann
kuchen gelebt, die es selbst gebacken und, nach
dem ungeheuren Vorrat zu urteilen, den man
mit Schimmel bewachsen umherliegen fand, en
gros fabriziert haben muß. In einer Ecke
des armseligen Zimmers fand man die Leiche
des kleinen Mannes, den Hut aus dem Kopf,
*) Aus dem 1865 erschienenen, längst ver
griffenen Buche „Schleswig-Holstein meer
umschlungen", Kriegs- und Friedensbilder
aus dem Jahre 1864, von Graf Adelbert
Bandissin.
Offas Kamp?
auf der Gidemufel
Heimatliche Ballade von Robert Drasdo,
Büdelsöorf.
Als König Wermunö alt und blind,
Dacht' bangend er an Land und Kind.
Wer sollte nun das Reich der Jüten
Und Angeln schützen und behüten? —
Und qualvoll trug er bittre Scham:
«ein Sohn war schwach und krank und lahm
Und würde nie die Glieder rühren,
Für Volk und Land den Kampf zu führen.
Habgier den Holstenfürst betörte.
Als er von solcher Ohnmacht hörte,'
Es wuchs und schwoll ihm rasch der Mut,
3u fordern reichlichen Tribut.
Ex schickte seine Boten aus,
Die kamen in des Königs Haus,
Und hart erklang aus ihrem Munde
Der schlimmen Botschaft schlimme Kunde.
Es war ihr Wort voll Spott und Hohn:
^tell Offa, deinen tapfren Sohn,
Daß er uns zeige seinen Mut
ckm blutgen Kampf um Land und Gut." —
Der blinde König saß und schwieg —
«es Schmerzes wilde Woge stieg,
«s ward ums Herz ihm weh und bang
Db solcher Worte frechem Klang.
Ņls Offa diesen Spott vernahm,
)ihn jäh ein Wunder überkam,'
«r wußte selbst nicht, wie ihm war,
-á-ie Schwäche fiel, sein Blick ward klar!
Er sprang von seinem Sitz empor,
And dröhnend traf's der Spötter Ohr:
'Mun denn! Ich bin zum Kampf bereit
Und will bestehen diesen Streit!
den Stock in der Hand und die Uhrkette aus
der Tasche hängend,- wahrscheinlich hatte ihn
der Schlag in dem Augenblicke getroffen, wo
er im Begriff war, seinen einzigen Freund
auf Erden zu besuchen. Ihm ward der letzte
Pfannkuchen gebacken!
Der zweite Held ans meinem Renösburger
^ugendtheater war ein Barbier, der dermaßen
an Hühneraugen litt, daß er unter beständigen
Gestchtsverzerruugen über das Straßenpfla
ster weghumpelte und infolge der bösen Pein,
die ihm das Gehen verursachte, nicht im Stan
de war, seinen Ouälgeistern, den Straßenjun
gen, nachzulaufen und ihnen (wie er täglich
tausendmal gelobte) den Hals abzuschneiden.
Er trug einen weißen Filzhut, der ihm hinten
im Nacken saß, einen grünen, an den Aermcln
fettig glänzenden Frack, große Pelzhandschuhe
und Stiefel, die recht gut als Kanonenboote
hätten dienen können. Sobald er der lieben
Jugend ansichtig wurde, blieb er stehen wie
ein gehetzter Hirsch, der sich von der Flucht
nichts, von seinem Geweih aber die letzte Ret
tung verspricht, und sobald die Straßenjungen
seine Fahrte gewittert, umkreisten sie ihn und
riefen: „Rasieren Sie mich! Rasieren Sic
mich!" „Den Hals schneide ich euch ab, Sa
tansbrut!" antwortete der Barbier zähne
fletschend. Kam ihm ein Knabe so nahe, daß
er der Versuchung nicht widerstehen konnte,
einen Löwensprung nach seinem Feinde zu
machen, so sank er gleich darauf vor Schmerz
zusammen wie ein Taschenmesser und stieß
einen so kläglichen Jammerton aus, daß selbst
die Knaben einen A genblick Mitleid in ihrem
Herzen fühlten. In der nächsten Minute ging
die Verfolgung aber wieder vor sich.
Eines Tages, als der arme Barbier sich in
der größten Not befand, kam ein Metzger in
einem kleinen leichten Wagen des Wegs. „Wie
geht's, Bruder Barbier?" rief er dem Gefol
terten zu, indem er seine Pferde anhielt und
die rechte Hand ausstreute.
Voll Freude, einen Retter gefunden zu ha
ben, legt der Barbier seine knöcherne Hand in
die Eisenpfote seines Nachbars,' er will über
die bösen Buben klagen,' — aber der Metzger
treibt seine mutigen Pferde an: — sie fliegen
im Galopp davon, der Barbier muß mit,' —
fragt mich nur nicht wie? — und als er sich
endlich von der Hand seines falschen Freun
des losgemacht, schleudert er ihm Scherbeutel,
Bartbecken, Rasiermesser und Seifenkugel
nach. Drei Tage darauf starb der Aermste,' die
böse Jugend verfoglte ihn noch nach seinem
Tode und setzte ihm ein Epitaphium, auf dem
zu lesen stud: „Du hattest die schönsten
Augen!"
Der dritte und letzte Held, wenn ich so sagen
darf, war der Prinz Friedrich von Hessen,
Kommandant von Rendsburg, kommandieren
der General der schleswig-holsteinischen Trup
pen und Neffe Königs Friedrich vi. von Dä
nemark. Dieser gutmütige, ehrenhafte und lie
benswürdige alte Herr, der in seiner Jugend
bei Sehestedt und Bornhöved gegen Russen
und Schweden gefochten hatte und sich bis an
sein Lebensende über den Sieg wunderte, den
seine Truppen erfochten, besaß ein weißgebo
renes Pferd, das bei besonderen Gelegenheiten
mit einer Scharlachschabracke belegt, vorge
führt, bestiegen und im langsamen Schritt
zur Revue geritten wurde. Das Pferd wußte
ganz genau Bescheid,' blieb stehen, um Rap
porte und Meldungen entgegenzunehmen,
galoppierte langsam längs der Front, hob
und senkte den Kopf während des Parademar
sches und eilte davon, sobald die Kavallerie
Attacken machte. Während der Schimmel die
Truppen inspizierte, saß der gute dicke Prinz
mit seinem guten dicken Gesicht im Sattel und
freute sich, weil er nie dabei sein durfte, uud
wenn die Adjutanten herbeiflogen und in
atemloser Hast meldeten, daß es dem olöen-
biirgischen Regiment soeben gelungen sei, die
Torfhaufen auf der Heide mit dem Bajonett
zu nehmen, schüttelte er den Kopf und sagte:
„Ich meinte, das Leibregiment sollte stür
men?" — „Ferßeihen Eure Durchtlaucht," ant
wortete der brave dänische Adjutant — „dem
Leibregiment soll in die Lehmkuhle halten, bis
die Kafallerie sein Attaque gemacken hat, aber
ihm will gleich kommen. Der Herr Oberst sein
die erste gewesen, sor ßu stürmen der Torf
haufen."
„Wird zum Orden eingegeben," brüstete der
Schimmel.
Eine Rakete, die in weiter Ferne aufstieg,
gab den Offizieren und Soldaten, die bisher
in der Heide geschlafen oder gefrühstückt hat
ten, ein Zeichen, daß ihre Zeit gekommen sei,'
das Leibregiment formierte in der Lehmkuhle
Karree, die Dragoner ritten Galopp, die Ar
tillerie feuerte, das holsteinische Regiment
deckte den Rückzug,' das schleswig'sche lief mit
den Kieler Jägern gerade aus, das Eckernför-
der Jägerkorps setzte Bajonett auf — und
wenn bei diesen Evolutionen ein halbes
Dutzend Hökerweiber umgerannt waren, zog
der Schimmel sich auf ein Hünengrab zurück,
von wo er den Gang der Schlacht am besten
übersehen konnte.
Nach gewonnenem Siege rückten die Trup
pen in ihren kurzen roten Fracks, kornblauen
Hosen, Schuhen und Gamaschen und ihren
löscheimerförmigen Tschakos in die Festung,
formierten auf dem Exerzierplätze einen Kreis
und vernahmen, daß sie sich musterhaft geschla
gen hatten. Wer sich selbst einen Daumen
oder einen halben Kinnbacken abgeschossen
hatte, wurde wegen Unvorsichtigkeit zum Pro-
sos geschickt,' die übrigen bekamen einen Tag
frei und konnten ans des Königs Gesundheit
trinken, soviel es ihnen beliebte.
Der gute Prinz hatte sich in Norwegen heim
lich mit einer hochherzigen und edlen Frau,
der Baronin Lilienkron vermählt,' weil er
aber als Neffe des Königs keine so himmel
schreiende Mesalliance eingehen durfte, wurde
die Ehe mit Stillschweigen übergangen, und
seine Gemahlin lebte bei ihm unter dem Na
men einer Freundin. Erst nach ihrem Tode
wurde sie von ihrem gebeugten Gemahl als
seine rechtmäßige Ehehälfte anerkannt.
Ein Prinz, ein weißgeborenes Pferd mit
rötlichen Augen, eine Scharlachschabracke mit
Goldtressen, eine heimliche Ehe in Norwegen
— das alles war des Guten zu viel für mich,
als ich noch im Flügelkleide einherging, und
heiliger Ehrfnchtsschauer überrieselte mich,
wenn ich von ferne den Kommandanten
Rendsburgs ankommen sah. Er trug den
Elefantenorden, sein Papagei flog täglich zum
Fenster hinaus und wurde vom Kammerdie
ner unter den lästerlichsten Schimpfworten
wieder aus den Lindenbäumen der Schlangen-
allec geholt — kurzum, ein Kosakenknabe hat
nichl mehr Respekt vor Kaiser Nikolaus ge
habt, als ich vor dem Prinzen von Hessen, —
wenn er zu Pferde war. Ging er zu Fuß um
her, dann war die Sache weniger schlimm, und
ich weiß mich ganz wohl zu erinnern, daß ich
mich höllisch über die hirschledernen Hand
schuhe wunderte, die er eines Tages in der
Zerstreuung statt des Tabaks in seine Meer
schaumpfeife stopfte.
Neben diesen drei Hauptpersonen spielten
die Offiziere der Renösburger Garnison die
hervorragenste Rolle. Sie hatten Scharlach
fracks mit schwarzen Sammetaufschlägen und
schwarzen Rabatten auf der Brust, kornblaue
Beinkleider mit silberner Borde und einen
Dreimaster mit rotweißer Feder ans dem Kopf.
Da die Besoldung des Militärs damals aber
eine schlechte war und die roten Uniformen
ins Geld gingen, kam es bisweilen vor, daß
zwei Leutnants von gleicher Größe einen ge
meinschaftlichen Frack besaßen,' wurden sie
beide zur selben Zeit zum Dienst komman
diert, so meldete der eine sich krank, während
der andere in Gala erschien,' bald wußten die
Unteroffiziere Bescheid, und wenn es im Be
fehl hieß: „Die Leutnants von Sörensen und
von Nielsen werden um elf Uhr bei dem Kom-
mandanten erscheinen," so sagten sie: „Herr
Leutnant von Sörensen ist heute unwohl,' wir
haben eben den Herrn Leutnant von Nielsen
ausgehen sehen". Die Herren hießen alle von,
weil ein Bürgerlicher bei dem dänischen Hofe
nicht zugelassen werden konnte, die Offiziere
aber doch bisweilen auf Bällen erscheinen
mußten. War der Secondeleutnant Graf und
der General nur Herr von, so ging der Jüng
ling dem Greise im Range vor!
Die meisten Offiziere waren geborene Dä
nen, die sich mit der deutschen Sprache nie
recht vertraut zu machen wußten. „Gott",
sagte ein Major eines Tages, „wie heißen
noch die Unteroffiziere mit das schwarze Bart?
Sie har so eine italienische Name! Richtig —
Weinrebe! Sagen Sie an Weinrebe, ihm soll
ßu mich kommen!"
Ein anderer klagte bei Tisch gegen eine
Dame, daß der Lachs so viele Beine habe.
„Sie müssen Gräten sagen," fiel die Dame be
richtigend ein. „Muß ich denn auch sagen, wenn
ich stoße mir unter die Knie, daß ich haben
gestoßen meine Schiengräte?" fragte der Tap-
pere mit seinem süßesten Lächeln. Von dem
selben erzählt man sich, daß er einem Herrn
von seinem Freundbusen sprach, und als die
ser ihm sagte, daß es wohl Meerbusen, aber
Busenfreund heiße, geantwortet haben soll:
„Ach, wie is ihm doch schwierig, die Sprache
ßu lernen,' bald haben ihm den Busen vorn,
bald haben sie ihm rückwärts."
Uns bleibe Schmach und Knechtschaft fern!
So eilt und meldet's eurem Herrn!" —
Dann lag ein Schweigen tief im Raum, —
Der König faßt' das Wunder kaum.
Sprach Offa wie ein Held und Mann?
Er ruft den Sohn zu sich heran,
Betastet zitternd Brust und Hände,
Daß er des Rätsels Lösung fände.
Doch wohl! Es bleibt kein Zweifel mehr! —
Alsbald steht Offa, stark in Wehr,
Im Panzerkleid mit Schwert und Schild,
Voll Mut den Blick, ein Heldenbild!
Das Schwert war stark, doch rostbefleckt.
Schon manchen hat es hingestreckt,
AIs es in ferner Jugendzeit
Der König selber schwang im Streit. —
So kam der Tag! Dicht Mann bei Mann
Das Volk am Ufer harrend stand!
So kam der Tag! Der Kampf begann,
Der Kampf ums freie Jütenland!
Der König saß ans schmaler Brücke,
Ganz seinem Sinnen hingegeben!
Er wollte nicht des Schicksals Tücke,
Des Reiches Untergang erleben!
Doch stolz und stark und froh zur Tat,
Prinz Offa zu den Gegnern trat.
Zwei gegen einen! In Kampf und Tod!
Wen grüßt das nächste Morgenrot? —
Und bald entspann sich das Gefecht —
Die Brüder schlugen sich nicht schlecht.
Doch Offa wehrte jedem Hieb,
Daß er am Schilde haften blieb.
Und immer wilder ward der Gang, —
Der alte König hoffte bang. —
Da sanfte Offas Schwert hernieder —
Es fiel der älteste der Brüder.
Der alte König hoffte froh:
Das war sein Schwert, so klang es, — so!
Und Offa rief den Jüngsten an:
„Zeig, wie ein Holste kämpfen kann!"
Der Holstenprinz drang auf ihn ein,
Doch Offa sollte stärker sein!
Den Jüngsten streckt des Schwertes Schlag,
In seinem Blut er sterbend lag.
Der alte König hört den Klang —
Sein Herz durchbraust ein Jubelsang:
So traf sein Schwert, erprobt im Krieg!
Das war des Sohnes Tat und Sieg!
Gerettet ist sein Land und frei!
Gewaltig braust des Volks Geschrei!
Des Helden Stirn umschlingt ein Kranz
Aus Sonnengolö und lichtem Glanz.
Anekdoten
1.
Vaddcr un Muddcr Heesch wccrn man
arme Daglöhnerslüd, awer betere Minschen
geef't nich licht up tein Milen inne Runn. Se
harrn en ganzen Hümpel nüdliche Görn, en
Reeg as de Orgelpipen, Jungs un Deerns.
Mudder Heesch höl se all rein un heel in Tüg,
wenn't ok veel flickt warrn müßt, un wenn de
Lütten man eben krupen kunn, denn würden
s' gliek to Arbeid anholn un öüchti toleert.
De Gröttern arbeiden inne Aarn mit up'n
Hoff, de Lütten in Gaarn un Hus, plöcken
Netteln für dat Swien un Krut für de Zeeg.
Dorbi güngen se flietig to School, un de Leh
rer harr sin Freid an de upgeweckten lütten
Heeschenkinner. Dor keem Hans Adbaar
malins wedöer to Besök bi Badder un Mudder
Heesch. Dat weer dat teinte, un dat Oellst weer
noch nich mal insegent. As nu Mudder Heesch
dat lütt Worm in Arm harr, dar keemen ehr
so allerhand snaaksche Gedanken, un up een-
mal füng se an to weenen un to suuckern. Mit
een Satz stunn Badder Heesch an ehr Bett,
saat se üm un säd: „Mein Gott, lütt Mudder,
wat fehlt di? Wat hest denn to weenen?" —
„Ach, Badder, ick mutt an all uns' lütten Kin-
ner denken! Wat schall enmal darut warrn?!
Tein Kinner! Du lewe Gott, wo schüllt wi de
all grot kriegen!" „Mudder, lütt söte Mudder,
wat fallt di in!" segg Vadder Heesch un gees
ehr'n Kuß, „du büst ja wull rein dwatsch! De
negen hefft wi doch all meist grot, un dat
Lüttst dat schall ok wull sinen Schick hebbn.
Süh, lütt Mudder, wi geeft bloot dat Swien
en bäten weniger, denn is dat licht darbi üwer!
Ne, lütt Deern, dar quäl di man jvnich üm!"
2.
Jan Budöelmann un Fiel Möhlenbrok
führt all über twintig Jaohr, jahrut, jahrin
mit'anner mit Appel un Bären na'n Mark un
hebbt sick ümmer goot verdragen. Nu is de
Pott mit'n mal twei, un dat kummt darvon,
dat Jan sick'n Frominsch naohmen yett. Dat
Minsch paßt Jan bannig upp de Finger un
mit de „gemeinsamen Einnahmen und Aus
gaben" is dat vörbi. Ja, Fiet dörf nich maol
bi Jan int Hus kamen, wiel Jan fielt Fro
glöwt, dat Fiet em dat Supen bibrocht hett.
As nu de Appel un Bäeren woller riep sind,
geiht denn ja woller na'n Mark, aber achtern-
annern an. As se ehren Kram nu upboot
hefft, stciht Jan sicn Fominsch achter de dre
groten Körw vull Appels. Jan hett mit Kried
np een Tafel schröben: „1a frische Aepfel." —
Bäten wieder hen steiht Fiet mit sien Körw:
He hett awer Zwetschen un Plummen in all
dre Körw. Vörn an sienen Paohl hangt aober
een Brett: „Frische Aepfel, Pund 40 Pfg." —
Dat durt nich langen, dor kriggt Jan dat to
sehn. „Dat schält doch toveel", denkt he, „hett
Zwetschgen in'n Korw un schricwt „Appeln"
up dat Brett." — He hen na Fiet. „Fiet, büst
du mall, hest Zwetschen to verköpen un
schriewst „Aepfel" up't Brett?" — „Tscha, tscha,"
bölkt Fiet, „kannst du Döskopp denn ok
Schwetschgen schrieben?"