Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wort im- Vilö 
Zur Rettung des Gesandten v. Stohrer und seines Begleiters 
Die Signale vom Wüstenhügsl 
DNB. Kairo, 23. April. Der deutsche Ge 
sandte von Stohrer ist mit seinem Mechaniker 
Ernst Martstein durch die englischen Flieger, 
von denen sie gesichtet worden, am Donners 
tag um 11.30 Uhr wohlbehalten auf dem Mili 
tärflughafen Heliopolis gelandet. Er hatte am 
Sonnabend dicht vor Baharia im Sandsturm 
die Richtung verloren. Seinem Bemühen, 
wieder aus den richtigen Weg zu kommen, wo 
bei er mehrmals im Kreise fuhr, wurde durch 
das Ausgehen des Benzins ein Ende gesetzt. 
Daraufhin wurde der Wagen auf eine felsige 
Anhöhe gestellt und mit einem weißen Tuch 
bedeckt. Diese Maßnahme ermöglichte es dem 
Fliegeroffizier Richardson, 
das Auto bereits aus 30 Kilometer Entfer 
nung zu sichten. Stohrer erklärte bei seiner 
Auffindung, er und sein Begleiter Hütten sich 
nur dadurch am Leben erhalten können, daß 
sie das vorher sterilisierte Kühlerwasser ver 
braucht hätten. Am Donnerstag früh hätten 
sie die letzten Oelsardinen gegessen,' auch das 
Wasser sei nahezu verbraucht gewesen. 
Dem Kommando der britischen Luftstreit- 
krüfte gebührt, wie amtlich aus Berlin zum 
Ausdruck gebracht wird, höchste Anerkennung 
dafür, daß es ihm gelungen ist, den deutschen 
Diplomaten und seinen Begleiter lebend zu 
bergen. Sodann gebührt Dank der ägypti 
schen Regierung, dem englischen Oberkom 
missar, den ägyptischen Truppen sowie den 
zahlreichen deutschen und ausländischen Pri 
vatpersonen, die sich selbstlos an den Nachfor- 
schungen beteiligt haben. 
Ueber die 
Auffindung in der Wüste 
werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: 
Der Gesandte von Stohrer gab, als er das 
Bombengeschwader gesichtet, beim Nahen der 
Flugzeuge mit dem Rückwärtsspiegel seines 
Wagens Zeichen. Dieses Blinken wurde zu 
erst von dem Fliegeroffizier F. Richardson, 
der zu dem Bombengeschwader 216 unter dem 
Kommando des Geschwaderführers Mack 
worth gehörte, entdeckt. Bon der Maschine aus 
konnte gesehen werden, daß der Wagen des 
Gesandten, der mit dem weißen Staubmantel 
zugedeckt war, auf einem kleinen Hügel stand, 
mitten in der Sandwüste, etwa 80 Kilometer 
von Baharia entfernt. 
Wenige Minuten nach 9 Uhr landete der 
Geschwaderführer Mackworth seinen Bomber 
neben den Vermißten. Von Stohrer sagte: 
„Ich war sicher, daß Sie kommen würden!" 
Sein Chauffeur wurde von der Freude der 
Rettung so überwältigt, daß er den Rest des 
kostbaren Wassers über seinen Kopf goß, als 
er durch den glühenden Sand auf seine Net 
ter zuging. Er war infolge der Strapazen et 
was mitgenommen, gewann aber seine Gei 
steskräfte sehr bald wieder zurück, als man 
ihn mit heißem Kaffee und Kognak gestärkt 
hatte. 
Die Geretteten wurden an Bord des Flug 
zeuges genommen, das sie rn Heliopolis lan 
dete. Auf dem Wege dorthin sandte Gesandter 
von Stohrer ein Telegramm an seine Frau, 
in dem er seine Rettung mitteilte. Stohrer 
berichtete, der Unfall sei darauf zurückzufüh 
ren, daß die Steuerung am Sonnabend bei 
einem schweren Sandsturm brach. Er und der 
Chauffeur hätten eine provisorische Ausbesse 
rung vorgenommen und den Wagen auf den 
Gipfel des kleinen Hügels gebracht. Hier hät 
ten sie sich auf ein längeres Verbleiben ein 
gerichtet. Er habe den Wagen mit dem Staub 
mantel bedeckt und begonnen, Rauchsignale 
zu geben, indem mit Hilfe von Benzin und 
Kleidungsstücken 
Feuer entzündet 
wurden. Nachts versuchte er durch Abbrennen 
von Magnesiumlichtern Signale zu geben, 
ebenso mit Hilfe der Scheinwerfer in der 
Hoffnung, daß deren Lichtstrahlen die Auf 
merksamkeit der Suchmannschaften erregen 
würden. Die Lebensmittel wurden sorgfältig 
rationiert, jedoch hatte man zum letzten Male 
am Mittwochmorgen etwas zu essen, nämlich 
eine Büchse Sardinen, die den Durst ganz 
außerordentlich vermehrten und die Selbst 
beherrschung gegenüber dem letzten Rest Was 
ser auf eine harte Probe stellten. Man war 
sehr bald gezwungen, das Wasser aus dem 
Kühler zu trinken, das man vor dem Genuß 
abkochte. Als man gerettet wurde, hatte man 
noch etwa einen Liter fast ungenießbares 
Wasser. 
Donnerstag morgen nun sah Stohrer die 
Flugzeuge kreuzen. Darauf gab er die Licht 
signale, die zur Auffindung führten. Mrm 
schätzt, daß die Suche nach de» Vermißte« 
Tausende Pfund gekostet hat, da mehrere Dut 
zend Flugzeuge und Kraftwagen seit Sonn 
abend nach den Vermißten geforscht haben. 
~ * * 
Vollstreckung eines Todesurteils. 
Am 23. April wurde in Stendal der 1897 
geborene Andreas Voge hingerichtet, der vom 
Schwurgericht wegen Mordes zum Tode ver 
urteilt worden war. Voge hatte am 3. Dezem 
ber 1935 seine schwangere Braut, die 33 Jahre 
alte Meta Appel, im Walde bei Stendal ge 
waltsam erstickt, um sich ihrer und des zu er 
wartenden Kindes zu entledigen und ihre er 
heblichen Ersparnisse zu erhalten. 
Die Verbundenheit zwischen Wehrmacht und SA. 
Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v. Blomberg empfing eine Abordnung 
der SA., um sich in die Sammelliste für das „Dankopfer der Station" einzutragen 
und um damit der Verbundenheit zwischen Wehrmacht und SA. Ausdruck zu geben. 
(Scherl Bilderdienst, K.) 
Selbstmordversuch im Gerichtssaal. 
„Ich Will büßm!" 
Ein aufregender Vorfall ereignete sich in ei 
ner Verhandlung vor dem Lüneburger 
Schwurgericht gegen einen wegen Meineids 
Angeklagten. Dieser Mann hatte in einem Ehe- 
scheidungsprozeß zu Beginn dieses Jahres 
wahrheitswidrig ehebrecherische Beziehungen 
zu einer Frau abgestritten. Er war dann ver 
eidigt worden. Die Ehe der Frau wurde ge 
schieden und der Zeuge wegen Meineids vor 
das Schwurgericht gestellt. Unter dem Druck 
der Beweisaufnahme legte er schließlich ein 
Geständnis ab, anläßlich einer Fahrt ins 
Blaue die Beziehungen zu jener Frau aufge 
nommen zu haben. 
Als der Staatsanwalt Zuchthausstrafe be 
antragt hatte, wurde der Angeklagte sehr er 
regt und stieß die Worte aus: „Ich bin ein 
Verbrecher, ich bin des Todes schuldig und 
will büßen." Im gleichen Augenblick versuchte 
er, sich mit einem Messer die Pulsader aufzu 
schneiden. Nur mit Gewalt konnte er von so 
fort zuspringenden Zeugen daran gehindert 
werden. 
Der Mann wurde, da er sich durch Bekun 
dung der Wahrheit strafbar gemacht hätte *), 
infolge der hierfür maßgebenden Milderungs 
bestimmung statt einer an sich verwirkten 
Zuchthausstrafe zu 1 Jahr drei Monaten Ge 
fängnis verurteilt. Der Verurteilte ist erst 22 
Zum 1. Mai 1936 
Am Nationalfeiertag des deutschen Volkes wird diesmal der Lustgarten als Auf 
marschgelände Verwendung finden. Nach dem Plan des Architekten Speer werden 
große Tribünen, die von eindrucksvollen Flaggenreihen umgeben sind, gebaut. Vor 
dem Monumentalgebäude des alten Museums befindet sich die Tribüne, von der aus 
der Führer das Wort ergreifen wird. In der Mitte des Lustgartens steht der ge 
schmückte Maibaum aus dem Saargebiet. (Scherl Bilderdienst, K.) 
Jahre alt und hat sich bisher untadelig ge 
führt. 
*) der Ehebruchspara'graph 172 des StGB, 
lautet: „Ehebruch wird, wenn wegen dessel 
ben die Ehe geschieden ist, an dem schuldigen 
Ehegatten sowie dessen Mitschuldigen mit Ge 
fängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Die Ver 
folgung tritt nur aus Antrag ein." 
? j. " 
Aachmmler im ZaymsAn Bifö. 
DNB. München, 23. April. Der Nachwinter 
ist nach dem Schneetreiben der letzten Tage 
nun auch im Bayrischen Wald eingekehrt. 
Wiesen, Wald, Feld, Täler und Höhen zeigen 
sich im weißen Kleid. Unterschiedlich ist die 
Schneehöhe. In Eisenstein betrug sie beispiels 
weise 30 Zentimeter, auf dem Brennes 46 und 
am Falkensteinhaus 65 Zentimeter. Auf der 
Reichsstraße von Zwiesel nach Eisenstein muß 
te der Schneepflug eingesetzt werden. Teilweise 
herrschte eine Temperatur von 3 Grad unter 
Null. 
Ties verschneites Erzgebirge. 
DNB. Kipsdorf. 23. April. Nachdem es im 
östlichen Erzgebirge seit Sonntag mit kurzen 
Unterbrechungen geschneit hatte, setzte in der 
Nacht zum Donnerstag erneut ein heftiges 
Schneetreiben ein, das den ganzen Tag über 
anhielt. In den Abendstunden trat ein kurzes 
Gewitter auf. Die Waldungen zwischen Zinn 
wald, Oberbärenburg und Nehefeld sowie an 
der böhmischen Grenze sind tief verschneit. Die 
Waldwege sind kaum passierbar, und die Ver 
kehrsstraßen sind nur mit Vorsicht befahrbar. 
In den Gärten haben N a ch t f r ö st e vielfach 
Schäden angerichtet. Die Landschaft hat einen 
völlig winterlichen Charakter angenommen. 
* * 
5am Unfall tun% hzi Wrà 
DNB. Berlin, 23. April. Von den vier im 
Anschluß an die Truppenparade vom 20. April 
in der Berliner Straße in Charlottenburg 
verunglückten Schülern ist der siebenjährige 
Wolfgang Nowack im Krankenhaus Westend 
seinen Verletzungen erlegen. Der Neichs- 
kriegsminister Generalfeldmarschall v. Blom 
berg hat durch einen Ofsizier des Reichskriegs 
ministeriums an der Bahre des ums Leben 
gekommenen Jungen einen Blumenstrauß 
niederlegen lassen. Ferner hat er den übrigen 
verunglückten Kindern, die sich nach Mittei 
lung der Stationsärzte alle auf dem Wege der 
Besserung befinden, Geschenke überreichen 
lassen. Wie bisher festgestellt wurde, ist der Un 
fall darauf zurückzuführen, daß die Kinder 
plötzlich durch die Hinteren Zuschauerreihen 
vom Gehweg heruntergedrückt und dabei seit 
lich von den ausweichenden Panzerwagen er 
faßt wurden. 
Die erste MöMM-RuMeise 
des Zeppelins ßtisuettoff. 
Wie man von der Hamburg-Amerika-Linie 
als Hauptvertretung der Deutschen Zeppelin- 
Reederei hört, ist die erste Rundreise des 
neuen deutschen Luftschiffes „Hindenburg" 
über den Nordatlantik, die am 6. Mai von 
dem neuen Luftschiffhafen Frankfurt a. M. 
ausgehen wird, ausverkauft. Auch für die 
nächsten Rundreisen, die am 17. Mai und 18. 
Juni in Frankfurt a. M. beginnen sollen, hat 
eine überraschend rege Nachfrage eingesetzt, so 
daß die auf dem Luftschiff „Hindenburg" zur 
Verfügung stehenden 50 Betten wahrscheinlich 
auch für diese beiden Fahrten in aller Kürze 
durch die Vertretungen der Hamburg-Ameri 
ka-Linie ausverkauft sein werden. 
„Graf Zeppelin" über dem Kanal. 
DNB. Hamburg, 24. April. (Eig. Funkmldg.j 
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat heute mor 
gen um 7.15 Uhr MEZ. Quessant am westlichen 
Kanaleingang passiert. Um 8 Uhr stand es zwi 
schen Quessant und den normannischen Inseln. 
Gestern hatte das Luftschiff in Sevilla eine 
Zwischenlandung vorgenommen. 
* * * 
Schweres Erdbeben in China. 
DNB. Schanghai, 23. April. Nach einer Mel 
dung aus Kanton wurden am Donnerstag bei 
einem Erdbeben im Südwesten der Provinz 
Kwantung mehrere Dörfer zerstört. Tausende 
Einwohner sind obdachlos, und es gab zahl 
reiche Tote. Einzelheiten über die Katastrophe 
fehlen bisher noch. 
* * * 
Der Berliner Bauunglücksprozeß. 
Mhs AnMsriedenWi mW dem Slate. 
Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung 
äußerte sich Bauleiter Noth über seine Zusam 
menarbeit mit der Direktion und bezeichnete 
sie als sehr schwierig. Vor allem ist Noth nicht 
mit dem Statiker zufrieden gewesen. Im Laufe 
des Prozesses will er sich davon überzeugt ha 
ben, daß dieser Statiker sehr schwere Unter 
lassungssünden begangen habe,' er rechnete 
ihm aber zugute, daß er überheblich und von 
seiner Unfehlbarkeit überzeugt gewesen sei. 
Noth meinte, bei richtiger Erkenntnis der 
Sachlage hätte ein Unglück solchen Umfanges 
verhindert werden können. Er erklärte weiter, 
auf Grund eines Schreibens der Reichsbahn 
sei er zu der Ueberzeugung gekommen, daß der 
Statiker bei der Projektänderung vollkommen 
neue Berechnungen über die Steifenlage Hütte 
anstellen müssen. Diese Berechnungen hätten 
jeweils nur für bestimmte Verhältnisse Gül 
tigkeit gehabt und seien nach den eingetretenen 
Veränderungen überholt gewesen. Zu Gunsten 
des Statikers müsse allerdings berücksichtigt 
werden, daß er mit Arbeit so überlastet ge 
wesen sei, daß er nicht einmal Zeit gesunden 
habe, persönlich auf der Baustelle zu erscheinen. 
Ueber sein Verhältnis zu dem Reichsbahn- 
rat Weyher befragt, sagte Noth, Weyher sei 
aalglatt und „in sachlicher Beziehung niemals 
zu packen". Die Sicherheit der Arbeit habe da 
durch gelitjen, daß Weyher seine Anordnungen 
häufig widerrufen habe. Der Mitangeklagte 
Bauwart Schmidt sei nur das Sprachrohr 
Weyhers gewesen und habe keinen eigenen 
Willen gehabt. Anschließend wurde die Siche 
rung des Baggers erörtert, dessen Entfernung 
aus der Einsturzstelle große Schwierigkeiten 
bereitet hatte. Noth meinte, dieser Bagger sei 
ausreichend gesichert gewesen,' auch verwahrte 
er sich gegen den Vorwurf, die Baggerführer 
hätten liederlich gearbeitet. 
Zum Schluß der Verhandlung wurden zahl 
reiche Lichtbilder besprochen, die die Berlinische 
Baugesellschaft wenige Tage vor dem Einsturz- 
unglück zu Werbezwecken hatte anfertigen 
lassen. 
àrzs ŅĢ 
Wie die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch 
Freude" mitteilt, werden die für den 30. April 
vorgesehenen Feiern der Grundsteinlegung 
des KDF.-Seebades auf Rügen und der Kiel 
legung der KDF.-Dampfer in Hamburg erst 
am 2. Mai stattfinden. 
Reichsminister Dr. Goebbels trug sich im 
Sturmlokal Horst Wessel in Berlin für das 
Daukvpfer der SA. ein. Es handelt sich um die 
Siedlung für den deutschen Arbeiter, deren 
Planung vom Stabschef Lutze dem Führer aus 
Anlaß seines Geburtstages vorgelegt wurde. 
Eine Offiziersabordnung von dem Kreuzer 
„Emden" stattete dem amerikanischen Marine 
minister in Washington sowie dem deutschen 
Botschafter einen Besuch ab. 
Der Direktor des Elektrizitätswerkes Hall 
in Tirol, Johann Wopfner, hat sich durch einen 
Schuß aus seinem Jagdgewehr getötet. Man 
hatte ihm Eigenmächtigkeiten rn der Finanz 
gebarung vorgeworfen. 
In München hat im Hofbräuhaus die Mai- 
bockprobe stattgefunden. Vor jetzt 500 Jahren 
wurde dies Starkbier am bayerischen Hof ein 
geführt.
	        
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