Dem Gedächtnis des Begründers des Hebdelmnsenms
Von Dr. Ern st Kracht, Oberbürgermeister von Flensburg.
In den Blättern der Heimatgestaltung,
„Dithmarschen", die für die Abteilung Volks
tum und Heimat der NS.-Kulturgemeinde
von W. Zietz, Lunden, herausgegeben wer
den, finden wir die nachfolgenden Ausfüh
rungen zum Gedächtnis von Engelhard
Herwig, dem Begründer des Hebbel-
musenms in Wesselbureir.
Engelhard Herwig: Wer die Freude hatte,
ihm in gemeinsamer Arbeit näher zu treten,
wird ihn nie vergessen. Immer wird er un
sern Herzen nahe bleiben, eine ehrwürdige
Persönlichkeit, mit grundgütigem Herzen, un
erbittlich in wesentlichen Dingen, vor allem als
her alte Kämpfer der Bewegung, der er sich
als einer der ältesten SA.-Männer mit Leib
und Seele verschrieben hatte, ein stolzer Bür-
8er der Hebbelstadt, deren großem Toten er
ein gut Teil seiner Lebensarbeit gewidmet
hat, ein heimatliebender Dithmarscher und ein
Wannhafter Deutscher.
Engelhard Herwig wurde am 22. Januar
1865 als Sohn eines Schornsteinfegers in
Heide geboren. Sein Vater wurde bald Mei
ster in Wesselburen. So verlebte der Sohn
seine Jugendjahre in dieser Stadt. Er war
Äugendkamcrad von Adolf Bartels und blieb
st>m bis zu seinem Tode in Freundschaft ver
bunden. Nach dem Tode des Vaters übernahm
Engelhard Herwig dessen Bezirk als Nachfol
ger. Sein Unternehmungsgeist ließ ihn bald
M die freie Wirtschaft übergehen, wo er sich in
her Landwirtschaft und in industriellen Unter
nehmungen betätigt. Neben seinen Geschäften
widmet er sich früh den öffentlichen Angele
genheiten. Er wird ein treuer Mithelfer des
Bürgermeisters Dohrn, zumal nach seiner
Wahl zum Stadtverordneten. Er beschäftigt
sîch schon vor dem Kriege mit dem weitschau-
kAöen Plan einer Wasserversorgung der
Marsch, der nun durch die Initiative seines
Sohnes Wirklichkeit geworden ist. Der Mittel
schule gilt seine besondere Förderung. Für die
Turnhalle und die Schaffung eines Sport
platzes setzt er sich mit seiner ganzen Kraft
ein. Mit seinem Schwager Jacob Kern be
gründet er 1903 den Verein Dramatik, der
im Frühjahr 1906 mit Laienspielern die „Ma
ria Magdalena" auf der Bühne des Hebbel
hauses mit starkem Erfolg zur Darstellung
brachte. Die Nachkriegszeit mit ihren Sorgen
und Nöten ging auch an Herwigs Unterneh
men nicht spurlos vorüber. In den Kriegsjah
ren erfuhr er den wirtschaftlichen Zusammen
bruch des Volkes an seinem eigenen Vermö
gen in harter Weise. Aber auch die schwie
rigsten Verhältnisse konnten ihn nicht nieder
drücken, und seine ganze Liebe und Sorge galt
auch in bitteren Tagen der Gedenkstätte, die
er seinem Landsmann Friedrich Hebbel er
richtete.
Später gingen die Sammlungen Herwigs in
den Besitz der Stadt Wesselburen über. Am 18.
März 1911 wurde das Hebbelmuseum mit einem
Bestand von 550 Nummern eröffnet und damit
eines der besten Dichtermuseen überhaupt be
gründet. Nicht viele Museen dieser Art gibt es
in Deutschland, die so sehr in ihrer Anlage
persönliches Werk eines Mannes sind. Liebe
voll hatte er kostbare Schütze im Gedenken an
den Dichter zusammengetragen, bis ihnen eine
würdige Stätte im Hebbeluseum gegeben wer
den konnte, und in unermüdlicher Treue diente
er mit seiner Zeit und seinen Mitteln weiter
hin seiner Lebensaufgabe, das Hebbelmnseum
zu einer Gedenkstätte zu gestalten, die des
großen Sohnes seiner Heimatstadt immer wür
diger sein sollte. Das ist ihm gelungen. Er
wußte für seine Idee frühzeitig Männer zu
begeistern, die wie Jacob Kern, Pastor Francke,
Theobald Bieder und Emil Ausborn ihn nach
Kräften unterstützten. Aus einem Werk wurde
eine Stätte der Gemeinschaft. Hinter diesem
Museum stand und steht der stolze Bürgersinn
der Stadt Wesselburen. Freudigen Herzens
und aus innerster Anteilnahme haben viele
Bürger der Stadt nach ihrem Vermögen das
Hebbelmnseum gefördert.
Es war ein großer Tag für Engelhard Her
wig, als in Gegenwart eines Senatsvertreters
der Hansestadt Hamburg das Hamburger Zim
mer eingeweiht werden konnte. Er durfte diese
Hilfe Hamburgs als bedeutsames Zeichen der
Würdigung seines Werkes über die Mauern
Wesselburens hinaus werten. Noch glücklicher
leuchteten seine Augen, als es gelungen war,
mit Hilfe des Kreises Norderdithmarschen die
Briefe Elise Lensings aus dem Nachlaß Heb
bels zu erwerben, die nun einen besonders
schönen Platz in den erweiterten Räumen des
Museums fanden. Andachtsvoll haben wir ihn
oft vor diesen Briefen stehen sehen. Er wußte
aus den Erfahrungen eines reichen Lebens um
die ganze Tragik, die um diesen Briefwechsel
webt, und er fand aus seinem gütigen Herzen
die rechte Einstellung zu diesem Geschehen.
Als die wirtschaftlichen Verhältnisse ihn
zwangen, aus Wesselburen fortzuziehen und
sich seiner Ziegelei in Wolmersdorf zu wid
men, da war diese Trennung nicht nur von
der Stadt, sondern auch von seinem Museum
schmerzvoll für ihn, war doch in Wesselburen
keine Woche des Jahres vergangen, in der er
nicht mehrfach in den Räumen des Museums
geweilt hatte. Immer stand er bereit, um aus
wärtige Gäste zu führen. Von Melüorf aus
hat er jede Gelegenheit benutzt, um einmal
wieder in die Museumsarbeit Einblick zu neh
men. Auf allen Veranstaltungen der Hebbel
gemeinde war er ein treuer Gast und Mit
arbeiter.
In dieser Meldorfer Zeit kam er häufig zu
mir. Die geschäftlichen Anstrengungen lasteten
auf ihm. Er war ernster geworden, aber nie
kam ein Wort der Klage über seine Lippen.
„Wir kommen voran. Wir müssen nur Ge
duld haben". Er sagte es im zuversichtlichen
Glauben an Deutschlands Zukunft. Gern
sprach er dann von seinen familiengeschich^,
lichen Forschungen, von der Hebbelsache, von
den Dingen der Heimat überhaupt.
Im Hebbelhaus wurde die Hebbelgemeinde
gegründet,' ohne das Museum war sie von An
beginn an nicht denkbar. Hier findet ihre Ar
beit sichtbaren Ausdruck. Hier hat sie ihre
eigentliche Heimat. Ihre ersten Mitglieder
waren überwiegend Bürger Wesselburens,
aber gerade auch Engelhard Herwig hatte von
Anfang an Verständnis dafür, daß die Hebbel
gemeinde versuchen müsse, ihren Mitglieöer-
kreis weit über Deutschland hinzuziehen. Im
mer aber wird gerade das Werk Engelhard
Herwigs durch die Hebbelgemeinde die er
wünschte Förderung erfahren.
Die letzte Tagung der Hebbelgemeinde in
Wesselburen war uns Anlaß, die Verdienste
Engelhard Herwigs um die Hebbelsache durch
Ueberreichung der Chronik des Neocorus dank
bar zu ehren. Wir wissen, daß dieses beschei
dene äußere Zeichen des Dankes und der An
erkennung ihm Freude machte. Den letzten
Dank fand er in sich selbst in dem Gefühl der
Befriedigung darüber, daß er mit seiner Ar
beit einer Pflicht gegenüber dem Dichter sei
nes Landes hatte folgen dürfen.
Ein tragisches Geschick hat ihn bald nach
Vollendung des 70. Lebensjahres zu früh aus
unserer Mitte gerissen. Wenige Minuten vor
seinem Unglücksfall begegnete ich ihm, wie er
in seiner aufrechten Haltung langsam die
Straße in Meldorf herauffuhr, — war er doch
in seinen geschäftlichen Dingen trotz seines
Alters unermüdlich von morgens bis abends
tätig. — Er grüßte wie immer mit seinem
freundlichen und gütigen Lächeln. So steht er
fortan vor unfern Augen: ein aufrechter
Manu, ein gütiger Mensch.
Die Wassermühlen im frühere« Amt Rendsburg
Im Gebiet des Amtes Rendsburg gab es
Wassermühlen in Rendsburg, Bokel, Bünzen,
Rade, Ostermühlen, Meezen und Neumühlen.
Diese waren Königsmühlen, d. h. staatliches
Eigentum. Wann sie entstanden sind, ist nicht
bekannt. Amt Rendsburger Akten des Staats
archivs in Kiel reichen nicht über 1600 zurück.
Es hat aber früher mehr Wassermühlen im
Amte gegeben. Von einigen sind noch Nach
richten überliefert. Die Wassermühle in
T i m m a s p e lag 1602 wüst, das Dorf zahlte
trotzdem Steuern für sie. (Amtsrechnung
1602). Die Mühle in Stafstedt soll nach münd
lichen Ueberlieferungen 1627 durch Wallen-
steiner zerstört sein. Langheim berichtet 1809,
daß damals die Pfähle in der Mühlenwiese
noch zu sehen gewesen sind, und daß die Luhn-
stedter Weiber sie gelegentlich eines Streites
zwischen Luhnstedt und Stafstedt zerstört ha
ben. Von anderen Mühlen wissen wir nur
durch Dankwerths Landesbeschrcibung von
1652. Er nennt z. B. eine Mühle bei Bargstedt
und Großenvollsteöt. Von letzterer sind um
1890 in einer Wiese die Mühlensteine gefun
den. Das Vorhandensein anderer Mühlen ist
uns nur durch das Vorkommen des Flurna
mens Mühlenwiese und Mühlenbach bezeugt.
Dadurch können wir ehemalige Mühlen bei
Eisendorf, Homfeld, Gokels, Oldenborstel,
Osterstedt, Oersdorf, Westerrönfeld und Em-
bühren feststellen. Es sind alles kleine Mühlen
gewesen, die in älterer Zeit bei dem geringen
Bedarf an Mehl (für Tiere wurde wenig
Schrot gebraucht) ausreichend gewesen sind.
Im 16. Jahrhundert, als der Kornbau durch
Vorgang der Güter lebhaften Aufschwung
nahm, reichten sie sicher nicht mehr aus. Ich
möchte annehmen, daß in dieser Zeit die Re
gierung günstig gelegene Mühlen in ihren
Besitz brachte, sie durch Anlage von Mühlen
teichen, die oft durch Umleitung mehrerer
Bäche gespeist wurden, und Bau größerer
Mühlenwerke leistungsfähiger machte. Von
Bünzen z. B. wissen wir, daß das um 1760
stehende Mühlengebäude seit 1594 nicht er
neuert war. Es könnte dieses Jahr 1594 das
Jahr der Vergrößerung der alten Mühle und
die Zeit ihres Uebergangs in das Staatseigen
tum sein,' wir wissen es allerdings nicht be
stimmt.
Diese Mühlen wurden gegen eine Korn- und
Malzabgabe verpachtet. Damit diese gesichert
war, wurden den einzelnen Mühlen bestimmte
Dörfer zugelegt, die nur hier mahlen lassen
durften. Selbst die Handmühlen (Quern)
wurden um 1690 verboten. Die Zwangsgäste
der Mühle hatten zur Unterhaltung des Müh
lengebäudes und der Dämme am Mühlenteich
allerhand Hand- und Spanndienste zu leisten.
Den größten Kreis der Zwangsgäste hatte
die Königliche Zwangswassermühle
zu Rendsburg.
Sie lag auf Schloßgrund. Seit 1805 gehörte zu
ihr eine Windmühle auf dem Neuwerker Wall
hinter der Prinzenftraße. Die Wassermühle
wurde bei Gelegenheit des Festungsbaues um
1690 verlegt. Der Festungsbaumeister Gene
ralmajor v. Rüßen war der Annehmer des
Umbaues. Er hatte dafür 4 Freijahre, sollte
dann 500 Thlr. Pacht bezahlen. Für den glei
chen Preis hatte sie 1686 der Amtmann Graf
Detlef Rantzau als Teil seines Gehaltes ge
habt. 1687 und 1698 brachte sie 800 Thlr. Pacht,
1706 waren es 1676 Thlr. dän. Kronen, 1742:
2460 Thlr., 1751: 3000 Thlr., 1798: 4005 Thlr.,
1802: 4400 Thlr., 1806: 6850 Thlr., 1818:
10120 rbthlr. — 1867: 13100 Jt. Die um 1809
stehenden Gebäude der Wassermühle waren
1729 neu erbaut. 1711 verschwand die bei der
alten Mühle stehende „Wasserkunst", eine
Wasserleitung mit hölzernen Röhren.
Zwangspflichtig wa-
ren Hennstedt, Embü-
Ifes VV 1 ren, Hamweddel, Staf-
D ] jähe, Wisbek, Oldcn-
' und Nienkattbek, Poll
horn, Schewcnbrügge,
s Jevenstcdt, Schwabe,
II Bramkamp, Brciholz,
m Hörsten, Schülp, We-
,.:) sterrönfeld, Schacht,
■ i Schülldorf, Höbet, Au-
tzj darf, Ostenfeld, Oster-
H rönfeld, Ohe, Rade,
Ş Bargstedt, Lchmbek,
Büdelsdorf, Stadt
Rendsburg und die
Das Wappen Garnison. 1803 betrug
an der früheren Rends- die Zahl der Zwangs
burger Wassermühle gäste aus dem Amt
Rendsburg 3238, aus der Stadt 3054, aus dem
städtischen Landgebiet 633. Die Zwangsgäste
aus dem Landgebiet des Amtes leisteten allein
die Spanndienste,' die Handdienste wurden zu
gleichen Teilen von Stadt und Land geleistet.
Diese Dienste wurden 1871 abgelöst. Sie wur
den dabei geschätzt für die Stadt auf 188 Thlr.
12 sgr.,' für die Kirchspiele Raumort und Je-
venstedt auf die gleiche Summe und für das
ehemalige Amt Rendsburg auf 761 Thlr.
8 sgr. 3 Pfg.
Der Mühlenpächter hatte das Recht, von
jeder Tonne Roggen V», von jeder Tonne
Malz V« und von jeder Tonne Schrot- oder
Schweinekorn '/«« zu matten, d. h. für sich ab
zunehmen. Das Mahlgeld von % Schill, je
Sack war außerdem zu zahlen, „königliches"
Korn, d. h. Korn aus staatlichen Beständen
wurde nicht gemattet, sondern mit 2^4 Schill.
Mattgeld und Schill. Mahlgeld bezahlt. Um
sonst mußte der Müller das Korn für den
Amtmann, den Oberkriegskommissar, den
Amtsverwalter, den Hausvogt und den Scharf
richter mahlen. Bis 1706 war auch der Schüt
zenkönig von Matte und Mahlgeld frei. Von
da ab gab der dänische König der Gilde eine
Summe Geld jährlich als Ablösung.
Die Mahlleistung der Mühle betrug 1818,
das kein außerordentliches Jahr war, 21000
Tonnen aus Stadt und Garnison und 5000
Tonnen aus den Dörfern, d. h. 70—80 Tonnen
täglich.
Die Wassermühle in Rade (Hohenwestedt)
war ursprünglich in Zeitpacht vergeben, wie
alle herrschaftlichen Mühlen im Amte. 1668
lieferte sie 40 Tonnen Roggen und 20 Tonnen
Malz ans Amt als Pacht. Bis 1686 wurde die
Pacht in Korn geleistet, seitdem in Geld. Am
20. Oktober 1732 wurde sie dem Pächter David
Homfeld in Erbpacht gegeben „für sich von
Erben zu Erben". Die Erbpacht betrug 206
Thlr. dänische Kronen. Zur Mühle gehörten
2 Tonnen Roggenland und Wiesen mit 15—16
Fuder Hen. Mühlenpflichtig waren Nindorf,
Rade, Glüsing, Remmels, Barlohe, Nienbor-
stel, Hütten, Dörpstedt, Heinkenborstel, Mörel,
Tappendorf, Baasbüttel, Hohenwestedt, Wa-
pelfeld und Papenau. Die Mühlengäste hatten
das Dach der Mühle, die Teiche und deren
Dämme zu unterhalten und 40 Tonnen Rog
gen auf 3 Meilen zu fahren.
Da manche Mühlenpflichtige, so schreibt dazu
H. W. Sierck, Hohenwestedt, den Mühlenzwang
als recht drückend empfanden, suchte man dem
selben zu entgehen und das Korn auf einer
bequemer liegenden Mühle oder mit einem
sogen. „Quern" mahlen zu lassen. Dieses Vor
gehen veranlaßte dann die Erbpächter der Ra
der Mühle — gleich denen zu Bokel und Bün
zen — gegen die abtrünnigen Mahlgäste be
schwerdeführend vorzugehen.
Auf eine Beschwerde der Müller zu Bokel
(Johann Stubbe), Büntzen (Samuel Homfeld)
und Rade (Hans Hinrich) verfügt der Amt
mann Detlef Ranzau 1677 folgendes: „...daß
einer und der andere im Kirchspiel Nortorf hin
und wieder sich eigenhältlicher Weise unter
fangen, einige Queren zuzulegen und darauf
ihr Korn zu mahlen, wodurch ihnen (den Möl
lern) ihre Matten entzogen und deshalber
schaden leiden müssen. Wenn nun gedachte
Müller Jhro Königl. Maj. jährlich eine große
Häuer im Amtregister von ihren Mühlen ab
führen müssen und öannenhero auch nicht mehr
als billig, daß sie die Matten genießen und
allerdings geschähet werden. Als wird allen
und jeden, welche Queren haben, hiermit bei
60 Thlr. Strafe auferleget, sich des Mahlens
ferner gänzlich zu enthalten und die Matten
nachwie vor nach den Mühlen zu Bokel,
Büntzen und Rade zu liefern..."
1741 beschwert sich der Müller Thomas
Thoöe zu Rade beim Amtmann von Kleist
über seine „Mühlengäste", daß sie nicht nur ihr
Korn nach andern Mühlen bringen, sondern
auch Mehl anderswo kaufen. Der Amtmann
verfügt für Zuwiderhandelnde 10 Thlr. Geld
strafe oder Bestrafung mit „Stock-Haus".
Um 1740 verweigert Thomas Thoöe der
Kirche die zu leistenden Hand- und Spann
dienste. Die Sache zieht sich mehrere Jahre hin.
1744 heißt es dann im Kirchenbuch: „Der Streit
mit dem Müller zu Rade ist also geendigt wor
den, daß er nach Anweisung der Königl. Aller
höchsten Recripti de dato Glückstadt (Sitz des
Obergerichts) d. 23. November 1743 und der
darauf sich beziehenden Befehle der Herren
Visitatorii de dato Rendsburg, d. 12. Februar
44 die prestanda (pflichtmäßige Leistungen) der
übrigen Eingepfarrten des Kirchspiels leisten
soll, wannenhero er auch die Handdienste in
der treffenden Ordnung tun muß. Welches zu
Nachricht aufzeichnen wollen. Bluhme, Pastor."
1750 beklagt sich der Pächter der Königl.
Wassermühle zu Rade, Paul Kühl, daß die
Witwe des Michel Veers zu Hohenwestedt in
7 Wochen nicht mit ihrem Malz zur Mühle
gekommen sei, sondern dasselbe auf einer
Roßmühle zu Hohenwestedt habe mahlen
lassen. Anstatt des Geldes erhielt der Müller
damals einen Bruchteil des gemahlenen
Korns, Matte genannt. Für die Mühle zu
Rade betrug die Matte 1732 für Roggen und
Weizen Vis, für Malz V--. 1869 wird V«, als
Matte vom Roggen oder ihm „gleichkommen
des Mahlgeld" — für Weizen 40 Schilling —-
erhoben. Das in der Nader Mühle gebrauchte
Das Gebäude der frühere« Königlichen Zwangswassermühle in Rendsburg.
(Lichtb. (2): K. Müller.