Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dem Gedächtnis des Begründers des Hebdelmnsenms 
Von Dr. Ern st Kracht, Oberbürgermeister von Flensburg. 
In den Blättern der Heimatgestaltung, 
„Dithmarschen", die für die Abteilung Volks 
tum und Heimat der NS.-Kulturgemeinde 
von W. Zietz, Lunden, herausgegeben wer 
den, finden wir die nachfolgenden Ausfüh 
rungen zum Gedächtnis von Engelhard 
Herwig, dem Begründer des Hebbel- 
musenms in Wesselbureir. 
Engelhard Herwig: Wer die Freude hatte, 
ihm in gemeinsamer Arbeit näher zu treten, 
wird ihn nie vergessen. Immer wird er un 
sern Herzen nahe bleiben, eine ehrwürdige 
Persönlichkeit, mit grundgütigem Herzen, un 
erbittlich in wesentlichen Dingen, vor allem als 
her alte Kämpfer der Bewegung, der er sich 
als einer der ältesten SA.-Männer mit Leib 
und Seele verschrieben hatte, ein stolzer Bür- 
8er der Hebbelstadt, deren großem Toten er 
ein gut Teil seiner Lebensarbeit gewidmet 
hat, ein heimatliebender Dithmarscher und ein 
Wannhafter Deutscher. 
Engelhard Herwig wurde am 22. Januar 
1865 als Sohn eines Schornsteinfegers in 
Heide geboren. Sein Vater wurde bald Mei 
ster in Wesselburen. So verlebte der Sohn 
seine Jugendjahre in dieser Stadt. Er war 
Äugendkamcrad von Adolf Bartels und blieb 
st>m bis zu seinem Tode in Freundschaft ver 
bunden. Nach dem Tode des Vaters übernahm 
Engelhard Herwig dessen Bezirk als Nachfol 
ger. Sein Unternehmungsgeist ließ ihn bald 
M die freie Wirtschaft übergehen, wo er sich in 
her Landwirtschaft und in industriellen Unter 
nehmungen betätigt. Neben seinen Geschäften 
widmet er sich früh den öffentlichen Angele 
genheiten. Er wird ein treuer Mithelfer des 
Bürgermeisters Dohrn, zumal nach seiner 
Wahl zum Stadtverordneten. Er beschäftigt 
sîch schon vor dem Kriege mit dem weitschau- 
kAöen Plan einer Wasserversorgung der 
Marsch, der nun durch die Initiative seines 
Sohnes Wirklichkeit geworden ist. Der Mittel 
schule gilt seine besondere Förderung. Für die 
Turnhalle und die Schaffung eines Sport 
platzes setzt er sich mit seiner ganzen Kraft 
ein. Mit seinem Schwager Jacob Kern be 
gründet er 1903 den Verein Dramatik, der 
im Frühjahr 1906 mit Laienspielern die „Ma 
ria Magdalena" auf der Bühne des Hebbel 
hauses mit starkem Erfolg zur Darstellung 
brachte. Die Nachkriegszeit mit ihren Sorgen 
und Nöten ging auch an Herwigs Unterneh 
men nicht spurlos vorüber. In den Kriegsjah 
ren erfuhr er den wirtschaftlichen Zusammen 
bruch des Volkes an seinem eigenen Vermö 
gen in harter Weise. Aber auch die schwie 
rigsten Verhältnisse konnten ihn nicht nieder 
drücken, und seine ganze Liebe und Sorge galt 
auch in bitteren Tagen der Gedenkstätte, die 
er seinem Landsmann Friedrich Hebbel er 
richtete. 
Später gingen die Sammlungen Herwigs in 
den Besitz der Stadt Wesselburen über. Am 18. 
März 1911 wurde das Hebbelmuseum mit einem 
Bestand von 550 Nummern eröffnet und damit 
eines der besten Dichtermuseen überhaupt be 
gründet. Nicht viele Museen dieser Art gibt es 
in Deutschland, die so sehr in ihrer Anlage 
persönliches Werk eines Mannes sind. Liebe 
voll hatte er kostbare Schütze im Gedenken an 
den Dichter zusammengetragen, bis ihnen eine 
würdige Stätte im Hebbeluseum gegeben wer 
den konnte, und in unermüdlicher Treue diente 
er mit seiner Zeit und seinen Mitteln weiter 
hin seiner Lebensaufgabe, das Hebbelmnseum 
zu einer Gedenkstätte zu gestalten, die des 
großen Sohnes seiner Heimatstadt immer wür 
diger sein sollte. Das ist ihm gelungen. Er 
wußte für seine Idee frühzeitig Männer zu 
begeistern, die wie Jacob Kern, Pastor Francke, 
Theobald Bieder und Emil Ausborn ihn nach 
Kräften unterstützten. Aus einem Werk wurde 
eine Stätte der Gemeinschaft. Hinter diesem 
Museum stand und steht der stolze Bürgersinn 
der Stadt Wesselburen. Freudigen Herzens 
und aus innerster Anteilnahme haben viele 
Bürger der Stadt nach ihrem Vermögen das 
Hebbelmnseum gefördert. 
Es war ein großer Tag für Engelhard Her 
wig, als in Gegenwart eines Senatsvertreters 
der Hansestadt Hamburg das Hamburger Zim 
mer eingeweiht werden konnte. Er durfte diese 
Hilfe Hamburgs als bedeutsames Zeichen der 
Würdigung seines Werkes über die Mauern 
Wesselburens hinaus werten. Noch glücklicher 
leuchteten seine Augen, als es gelungen war, 
mit Hilfe des Kreises Norderdithmarschen die 
Briefe Elise Lensings aus dem Nachlaß Heb 
bels zu erwerben, die nun einen besonders 
schönen Platz in den erweiterten Räumen des 
Museums fanden. Andachtsvoll haben wir ihn 
oft vor diesen Briefen stehen sehen. Er wußte 
aus den Erfahrungen eines reichen Lebens um 
die ganze Tragik, die um diesen Briefwechsel 
webt, und er fand aus seinem gütigen Herzen 
die rechte Einstellung zu diesem Geschehen. 
Als die wirtschaftlichen Verhältnisse ihn 
zwangen, aus Wesselburen fortzuziehen und 
sich seiner Ziegelei in Wolmersdorf zu wid 
men, da war diese Trennung nicht nur von 
der Stadt, sondern auch von seinem Museum 
schmerzvoll für ihn, war doch in Wesselburen 
keine Woche des Jahres vergangen, in der er 
nicht mehrfach in den Räumen des Museums 
geweilt hatte. Immer stand er bereit, um aus 
wärtige Gäste zu führen. Von Melüorf aus 
hat er jede Gelegenheit benutzt, um einmal 
wieder in die Museumsarbeit Einblick zu neh 
men. Auf allen Veranstaltungen der Hebbel 
gemeinde war er ein treuer Gast und Mit 
arbeiter. 
In dieser Meldorfer Zeit kam er häufig zu 
mir. Die geschäftlichen Anstrengungen lasteten 
auf ihm. Er war ernster geworden, aber nie 
kam ein Wort der Klage über seine Lippen. 
„Wir kommen voran. Wir müssen nur Ge 
duld haben". Er sagte es im zuversichtlichen 
Glauben an Deutschlands Zukunft. Gern 
sprach er dann von seinen familiengeschich^, 
lichen Forschungen, von der Hebbelsache, von 
den Dingen der Heimat überhaupt. 
Im Hebbelhaus wurde die Hebbelgemeinde 
gegründet,' ohne das Museum war sie von An 
beginn an nicht denkbar. Hier findet ihre Ar 
beit sichtbaren Ausdruck. Hier hat sie ihre 
eigentliche Heimat. Ihre ersten Mitglieder 
waren überwiegend Bürger Wesselburens, 
aber gerade auch Engelhard Herwig hatte von 
Anfang an Verständnis dafür, daß die Hebbel 
gemeinde versuchen müsse, ihren Mitglieöer- 
kreis weit über Deutschland hinzuziehen. Im 
mer aber wird gerade das Werk Engelhard 
Herwigs durch die Hebbelgemeinde die er 
wünschte Förderung erfahren. 
Die letzte Tagung der Hebbelgemeinde in 
Wesselburen war uns Anlaß, die Verdienste 
Engelhard Herwigs um die Hebbelsache durch 
Ueberreichung der Chronik des Neocorus dank 
bar zu ehren. Wir wissen, daß dieses beschei 
dene äußere Zeichen des Dankes und der An 
erkennung ihm Freude machte. Den letzten 
Dank fand er in sich selbst in dem Gefühl der 
Befriedigung darüber, daß er mit seiner Ar 
beit einer Pflicht gegenüber dem Dichter sei 
nes Landes hatte folgen dürfen. 
Ein tragisches Geschick hat ihn bald nach 
Vollendung des 70. Lebensjahres zu früh aus 
unserer Mitte gerissen. Wenige Minuten vor 
seinem Unglücksfall begegnete ich ihm, wie er 
in seiner aufrechten Haltung langsam die 
Straße in Meldorf herauffuhr, — war er doch 
in seinen geschäftlichen Dingen trotz seines 
Alters unermüdlich von morgens bis abends 
tätig. — Er grüßte wie immer mit seinem 
freundlichen und gütigen Lächeln. So steht er 
fortan vor unfern Augen: ein aufrechter 
Manu, ein gütiger Mensch. 
Die Wassermühlen im frühere« Amt Rendsburg 
Im Gebiet des Amtes Rendsburg gab es 
Wassermühlen in Rendsburg, Bokel, Bünzen, 
Rade, Ostermühlen, Meezen und Neumühlen. 
Diese waren Königsmühlen, d. h. staatliches 
Eigentum. Wann sie entstanden sind, ist nicht 
bekannt. Amt Rendsburger Akten des Staats 
archivs in Kiel reichen nicht über 1600 zurück. 
Es hat aber früher mehr Wassermühlen im 
Amte gegeben. Von einigen sind noch Nach 
richten überliefert. Die Wassermühle in 
T i m m a s p e lag 1602 wüst, das Dorf zahlte 
trotzdem Steuern für sie. (Amtsrechnung 
1602). Die Mühle in Stafstedt soll nach münd 
lichen Ueberlieferungen 1627 durch Wallen- 
steiner zerstört sein. Langheim berichtet 1809, 
daß damals die Pfähle in der Mühlenwiese 
noch zu sehen gewesen sind, und daß die Luhn- 
stedter Weiber sie gelegentlich eines Streites 
zwischen Luhnstedt und Stafstedt zerstört ha 
ben. Von anderen Mühlen wissen wir nur 
durch Dankwerths Landesbeschrcibung von 
1652. Er nennt z. B. eine Mühle bei Bargstedt 
und Großenvollsteöt. Von letzterer sind um 
1890 in einer Wiese die Mühlensteine gefun 
den. Das Vorhandensein anderer Mühlen ist 
uns nur durch das Vorkommen des Flurna 
mens Mühlenwiese und Mühlenbach bezeugt. 
Dadurch können wir ehemalige Mühlen bei 
Eisendorf, Homfeld, Gokels, Oldenborstel, 
Osterstedt, Oersdorf, Westerrönfeld und Em- 
bühren feststellen. Es sind alles kleine Mühlen 
gewesen, die in älterer Zeit bei dem geringen 
Bedarf an Mehl (für Tiere wurde wenig 
Schrot gebraucht) ausreichend gewesen sind. 
Im 16. Jahrhundert, als der Kornbau durch 
Vorgang der Güter lebhaften Aufschwung 
nahm, reichten sie sicher nicht mehr aus. Ich 
möchte annehmen, daß in dieser Zeit die Re 
gierung günstig gelegene Mühlen in ihren 
Besitz brachte, sie durch Anlage von Mühlen 
teichen, die oft durch Umleitung mehrerer 
Bäche gespeist wurden, und Bau größerer 
Mühlenwerke leistungsfähiger machte. Von 
Bünzen z. B. wissen wir, daß das um 1760 
stehende Mühlengebäude seit 1594 nicht er 
neuert war. Es könnte dieses Jahr 1594 das 
Jahr der Vergrößerung der alten Mühle und 
die Zeit ihres Uebergangs in das Staatseigen 
tum sein,' wir wissen es allerdings nicht be 
stimmt. 
Diese Mühlen wurden gegen eine Korn- und 
Malzabgabe verpachtet. Damit diese gesichert 
war, wurden den einzelnen Mühlen bestimmte 
Dörfer zugelegt, die nur hier mahlen lassen 
durften. Selbst die Handmühlen (Quern) 
wurden um 1690 verboten. Die Zwangsgäste 
der Mühle hatten zur Unterhaltung des Müh 
lengebäudes und der Dämme am Mühlenteich 
allerhand Hand- und Spanndienste zu leisten. 
Den größten Kreis der Zwangsgäste hatte 
die Königliche Zwangswassermühle 
zu Rendsburg. 
Sie lag auf Schloßgrund. Seit 1805 gehörte zu 
ihr eine Windmühle auf dem Neuwerker Wall 
hinter der Prinzenftraße. Die Wassermühle 
wurde bei Gelegenheit des Festungsbaues um 
1690 verlegt. Der Festungsbaumeister Gene 
ralmajor v. Rüßen war der Annehmer des 
Umbaues. Er hatte dafür 4 Freijahre, sollte 
dann 500 Thlr. Pacht bezahlen. Für den glei 
chen Preis hatte sie 1686 der Amtmann Graf 
Detlef Rantzau als Teil seines Gehaltes ge 
habt. 1687 und 1698 brachte sie 800 Thlr. Pacht, 
1706 waren es 1676 Thlr. dän. Kronen, 1742: 
2460 Thlr., 1751: 3000 Thlr., 1798: 4005 Thlr., 
1802: 4400 Thlr., 1806: 6850 Thlr., 1818: 
10120 rbthlr. — 1867: 13100 Jt. Die um 1809 
stehenden Gebäude der Wassermühle waren 
1729 neu erbaut. 1711 verschwand die bei der 
alten Mühle stehende „Wasserkunst", eine 
Wasserleitung mit hölzernen Röhren. 
Zwangspflichtig wa- 
ren Hennstedt, Embü- 
Ifes VV 1 ren, Hamweddel, Staf- 
D ] jähe, Wisbek, Oldcn- 
' und Nienkattbek, Poll 
horn, Schewcnbrügge, 
s Jevenstcdt, Schwabe, 
II Bramkamp, Brciholz, 
m Hörsten, Schülp, We- 
,.:) sterrönfeld, Schacht, 
■ i Schülldorf, Höbet, Au- 
tzj darf, Ostenfeld, Oster- 
H rönfeld, Ohe, Rade, 
Ş Bargstedt, Lchmbek, 
Büdelsdorf, Stadt 
Rendsburg und die 
Das Wappen Garnison. 1803 betrug 
an der früheren Rends- die Zahl der Zwangs 
burger Wassermühle gäste aus dem Amt 
Rendsburg 3238, aus der Stadt 3054, aus dem 
städtischen Landgebiet 633. Die Zwangsgäste 
aus dem Landgebiet des Amtes leisteten allein 
die Spanndienste,' die Handdienste wurden zu 
gleichen Teilen von Stadt und Land geleistet. 
Diese Dienste wurden 1871 abgelöst. Sie wur 
den dabei geschätzt für die Stadt auf 188 Thlr. 
12 sgr.,' für die Kirchspiele Raumort und Je- 
venstedt auf die gleiche Summe und für das 
ehemalige Amt Rendsburg auf 761 Thlr. 
8 sgr. 3 Pfg. 
Der Mühlenpächter hatte das Recht, von 
jeder Tonne Roggen V», von jeder Tonne 
Malz V« und von jeder Tonne Schrot- oder 
Schweinekorn '/«« zu matten, d. h. für sich ab 
zunehmen. Das Mahlgeld von % Schill, je 
Sack war außerdem zu zahlen, „königliches" 
Korn, d. h. Korn aus staatlichen Beständen 
wurde nicht gemattet, sondern mit 2^4 Schill. 
Mattgeld und Schill. Mahlgeld bezahlt. Um 
sonst mußte der Müller das Korn für den 
Amtmann, den Oberkriegskommissar, den 
Amtsverwalter, den Hausvogt und den Scharf 
richter mahlen. Bis 1706 war auch der Schüt 
zenkönig von Matte und Mahlgeld frei. Von 
da ab gab der dänische König der Gilde eine 
Summe Geld jährlich als Ablösung. 
Die Mahlleistung der Mühle betrug 1818, 
das kein außerordentliches Jahr war, 21000 
Tonnen aus Stadt und Garnison und 5000 
Tonnen aus den Dörfern, d. h. 70—80 Tonnen 
täglich. 
Die Wassermühle in Rade (Hohenwestedt) 
war ursprünglich in Zeitpacht vergeben, wie 
alle herrschaftlichen Mühlen im Amte. 1668 
lieferte sie 40 Tonnen Roggen und 20 Tonnen 
Malz ans Amt als Pacht. Bis 1686 wurde die 
Pacht in Korn geleistet, seitdem in Geld. Am 
20. Oktober 1732 wurde sie dem Pächter David 
Homfeld in Erbpacht gegeben „für sich von 
Erben zu Erben". Die Erbpacht betrug 206 
Thlr. dänische Kronen. Zur Mühle gehörten 
2 Tonnen Roggenland und Wiesen mit 15—16 
Fuder Hen. Mühlenpflichtig waren Nindorf, 
Rade, Glüsing, Remmels, Barlohe, Nienbor- 
stel, Hütten, Dörpstedt, Heinkenborstel, Mörel, 
Tappendorf, Baasbüttel, Hohenwestedt, Wa- 
pelfeld und Papenau. Die Mühlengäste hatten 
das Dach der Mühle, die Teiche und deren 
Dämme zu unterhalten und 40 Tonnen Rog 
gen auf 3 Meilen zu fahren. 
Da manche Mühlenpflichtige, so schreibt dazu 
H. W. Sierck, Hohenwestedt, den Mühlenzwang 
als recht drückend empfanden, suchte man dem 
selben zu entgehen und das Korn auf einer 
bequemer liegenden Mühle oder mit einem 
sogen. „Quern" mahlen zu lassen. Dieses Vor 
gehen veranlaßte dann die Erbpächter der Ra 
der Mühle — gleich denen zu Bokel und Bün 
zen — gegen die abtrünnigen Mahlgäste be 
schwerdeführend vorzugehen. 
Auf eine Beschwerde der Müller zu Bokel 
(Johann Stubbe), Büntzen (Samuel Homfeld) 
und Rade (Hans Hinrich) verfügt der Amt 
mann Detlef Ranzau 1677 folgendes: „...daß 
einer und der andere im Kirchspiel Nortorf hin 
und wieder sich eigenhältlicher Weise unter 
fangen, einige Queren zuzulegen und darauf 
ihr Korn zu mahlen, wodurch ihnen (den Möl 
lern) ihre Matten entzogen und deshalber 
schaden leiden müssen. Wenn nun gedachte 
Müller Jhro Königl. Maj. jährlich eine große 
Häuer im Amtregister von ihren Mühlen ab 
führen müssen und öannenhero auch nicht mehr 
als billig, daß sie die Matten genießen und 
allerdings geschähet werden. Als wird allen 
und jeden, welche Queren haben, hiermit bei 
60 Thlr. Strafe auferleget, sich des Mahlens 
ferner gänzlich zu enthalten und die Matten 
nachwie vor nach den Mühlen zu Bokel, 
Büntzen und Rade zu liefern..." 
1741 beschwert sich der Müller Thomas 
Thoöe zu Rade beim Amtmann von Kleist 
über seine „Mühlengäste", daß sie nicht nur ihr 
Korn nach andern Mühlen bringen, sondern 
auch Mehl anderswo kaufen. Der Amtmann 
verfügt für Zuwiderhandelnde 10 Thlr. Geld 
strafe oder Bestrafung mit „Stock-Haus". 
Um 1740 verweigert Thomas Thoöe der 
Kirche die zu leistenden Hand- und Spann 
dienste. Die Sache zieht sich mehrere Jahre hin. 
1744 heißt es dann im Kirchenbuch: „Der Streit 
mit dem Müller zu Rade ist also geendigt wor 
den, daß er nach Anweisung der Königl. Aller 
höchsten Recripti de dato Glückstadt (Sitz des 
Obergerichts) d. 23. November 1743 und der 
darauf sich beziehenden Befehle der Herren 
Visitatorii de dato Rendsburg, d. 12. Februar 
44 die prestanda (pflichtmäßige Leistungen) der 
übrigen Eingepfarrten des Kirchspiels leisten 
soll, wannenhero er auch die Handdienste in 
der treffenden Ordnung tun muß. Welches zu 
Nachricht aufzeichnen wollen. Bluhme, Pastor." 
1750 beklagt sich der Pächter der Königl. 
Wassermühle zu Rade, Paul Kühl, daß die 
Witwe des Michel Veers zu Hohenwestedt in 
7 Wochen nicht mit ihrem Malz zur Mühle 
gekommen sei, sondern dasselbe auf einer 
Roßmühle zu Hohenwestedt habe mahlen 
lassen. Anstatt des Geldes erhielt der Müller 
damals einen Bruchteil des gemahlenen 
Korns, Matte genannt. Für die Mühle zu 
Rade betrug die Matte 1732 für Roggen und 
Weizen Vis, für Malz V--. 1869 wird V«, als 
Matte vom Roggen oder ihm „gleichkommen 
des Mahlgeld" — für Weizen 40 Schilling —- 
erhoben. Das in der Nader Mühle gebrauchte 
Das Gebäude der frühere« Königlichen Zwangswassermühle in Rendsburg. 
(Lichtb. (2): K. Müller.
	        
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