Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Mattmaß befindet sich im Heimatmuseum zu 
Hohenwestedt. 
Die Aufhebung des Mühlenzmanges be 
stimmt das Gesetz vom 10. Mai 1854, nach wel 
chem die Auseinandersetzungen zwischen der 
Rader und der Hohenwestedter Mühle erfolgt 
nach: 
1. dem „Taxations-Instrument über Ent 
schädigungsansprüche des Müllers Maaß zu 
Rade vom 1. März 1859." 
2. dem „Gutachten und Taxation betreff. 
Entschädigung für aufgehobenes Zwangsrccht 
der Raader Mühle vom 26. Februar 1859." 
3. dem „Obmannsgutachten v. 2. resp. 6. April 
1859." 
4. der „Aufforderung des Königl. Kommissa 
riats zur Feststellung der Entschädigung für 
den aufgehobenen Mühlenzwang zu Bordes 
holm den 24. Juni 1854." 
Namen von Müllern auf der Rader Mühle: 
1677 Hans Hinrich, 1732 David Homfeld, 1737 
Margaretha Thode, 1741 Thomas Thodc, 1758 
Paul Kühl, 1768—81 Johann Maaß, 1781—92 
Martin Maaß, 1792—1806 Johann Kröger (2. 
Ehemanns, 1806—1838 Johann Maaß, 1838—49 
Martin Maaß, 1849—74 Johann Maaß (drei 
Brüder), 1874—1905 Marx Boß, 1905—Gegen 
wart 1932 Hermann Boß. 
Zu erwähnen ist noch eine „Concession" für 
den Besitzer der Raader Erbpacht-Wassermühle 
und der als Partinenz derselben anzusehenden 
Windmühle zu Hohenwestedt im Amte Rends 
burg, Johann Maaß, zur Beibehaltung und 
Benutzung der in der letztgedachten Mühle 
außer einem Graupengange und einem rhei 
nischen Mahlgange annoch vorhandenen beiden 
Gängen, als eines französischen Mahlganges 
und eines Schrotganges vom 20. Januar 1862. 
1846 am 29. April wurde eine neue Welle 
in die Windmühle gebracht. Am 3. Juli 1849, 
nachts 12 Uhr, wurde die Mühle nebst Wohn 
haus und Stall ein Raub der Flammen. 1867 
am 16. Juli, nachts 12K Uhr, wurde die Mühle 
durch Blitzschlag von neuem eingeäschert, uwd 
zum 3. Male, ebenfalls durch Blitzschlag, am 
4. Juni 1874, nachmittags 4% Uhr. 
Die Wassermühle in Meezen. 
Bon dieser haben wir die ältesten Nachrich 
ten. Schon 1474 wird sie genannt. Damals ver 
kaufte Otto Rantzau zu Krummendiek sie dem 
Eutiner Kapitel zugleich mit dem Dorf. In 
der Resormationszeit wird beides zum Amt 
Rendsburg gekommen sein. 1568 ist sie im Re 
gister der Mühlen des Amtes nicht genannt, 
1602 aber beim Amt. Sie brachte 20 Tonnen 
Pacht ein, 1667 waren es 36 Thlr. Am 21. Ok 
tober 1732 erhielt sie der bisherige Pächter 
Claus Breiholz für 55 Thlr. Court, in Erb 
pacht. Wohnhaus und Land waren Eigentum 
des Müllers, für das er 1 Thlr. 2 Schill. 
Grundhäuer, 13 Schill. Wiesen- und 24 Schill. 
Ackerhäuer zu entrichten hatte. Meezen hatte 
den kleinsten Mühlenbezirk, nur 19 Hufen und 
10 Katen in Jahrsdorf, Drauel, Olden- und 
Nienjahn, Bucken, Meezen und Poyenburg. 
Bon 1693 gehörte auf einige Jahre auch Sarl- 
husen dahin, bis es eine eigene Mühle errich 
tete. Um 1860 ist die Erbpacht aufgehoben und 
die Mühle Eigentum. Erbpächter sind die Fa 
milien Breiholz und Delfs gewesen. 
Ostermühlcn. 
Diese reizend gelegene Wassermühle war 
1683 neu gebaut. Sie hatte nur 2 Scheffel 
Kornland und 1 Fuder Heu, außerdem eine 
Wiese an der Spitze der Gieselau bei Bokel- 
holz und einige Beringstedter Wiesen. 1686. 
Das andere Land bei Ostermühlen gehörte dem 
verschwundenen Dörfchen Stickcllohe. Mühlen 
pflichtig waren Puls, Seefeld, Ohrsee, Gokels, 
Lütjenwestcdt, Todenbüttcl, Maisborstel, 
Brinjahe, Haale. Gemattet wurden 3 'A Kan 
nen von der Tonne, das waren 3 Mattschalen 
voll. Pächter waren 1686 Claus Martens und 
nach ihm sein gleichnamiger Sohn, Pacht 65 
Thlr. dän. Kronen. Am 27. April 1741 bekam 
sie Claus Martens Schwiegersohn Claus Ha 
denfeld in Erbpacht für 77 Thlr. Kronen. Das 
Zubehör der Mühle löste er mit 160 Jt ein. 
1757 hatte sie Hans Hadenfeld, 1787 Timm 
Holm und Elisabeth Cath. Martens, 1788 Anna 
Holm, die Marx Boß heiratete, deren Nach 
kommen besitzen sie noch. 
Die Mühle in Bünzeu. 
Das 1789 stehende Mühlengebäude war 1594 
errichtet und sehr baufällig geworden. Die Er 
neuerung gab Anlaß zu Streitigkeiten über 
die Verpflichtungen der Zwangsgüste zur Un 
terhaltung der Mühle, die durch einen Ver 
trag geregelt wurden. Danach waren die 
Zwangsgäste verpflichtet, jährlich zusammen 3 
Fuhren mit 4 Pferden auf 3 Meilen zu leisten, 
bei Bauten war diese Zahl zu erhöhen. Eben 
so waren die Mühlensteine auf 3 Meilen zu 
holen, das Dach zu unterhalten (den Decker 
bezahlte aber der Müllers, die Dämme instand 
zu setzen. Das Wasser für die Mühle liefern 
die umgeleiteten Bäche: Kapellenbek, Tönsbek, 
Ellhornsbek und Glasbek. Es sammelte sich in 
3 Teichen: Mühlenteich, Moorteich und Nien- 
teich. Letzterer ging um 1800 in einem Prozeß 
mit den Bargfeldern verloren. Darauf legte 
der Erbpächter den großen oberen Mühlenteich 
an. Der Moorteich ist damals auch aufgegeben, 
so daß heute 2 Teiche vorhanden sind. 
Die Mühle war in Zeitpacht vergeben. Sie 
zahlte 1568 und 1602 eine Last (= 32 Tonnen» 
Roggen als Pacht, aber kein Malz. Mit der 
Mühle war eine Brauerei verbunden. 1660 
wurde die Mühle mit dem Kirchspiel Nortorf 
an den Statthalter Friedrich von Ahlefeldt 
verpfändet. Sie wurde auf 93 Nthlr. 16 Schill. 
Einkünfte geschätzt, was einem Kapitalwert 
von 2333 Nthlr. entsprach. 1686 sollte die Püch- 
terin 40 Thlr. Kronen Pacht zahlen. Am 21. 
Oktober 1732 wurde sie dem Pächter Homfeld 
in Erbpacht gegeben. 1765 ging sie durch Heirat 
an Hinrich Wichmann ans Bramstedt über. 
Ende des 18. Jahrhunderts starb der Erbpäch 
ter Hans Hinrich Wichmann ohne Kinder. Erbe 
war der deputierte Bürger Hans Hinrich Wich 
mann in Kiel. Er hatte die Mühle auf einige 
Jahre an Jochim Hudemann verpachtet. 1801 
kaufte sie der Staat für 8240 Rthlr. Courant. 
Bei der Mühle befanden sich 8 Tonnen Wiesen 
und 26 Tonnen Ackerland. Sie wurde nun in 
Zeitpacht vergeben. Pächter war von 1801 bis 
1828 Israel Plöhn, Sohn eines Nortorfer 
Kaufmannes, der vom Aukrug bei Rendsburg 
stammte. Die Pacht betrug 1815: 725 rbt. 32 Sch., 
1819: 100 Rbthlr. weniger. Um 1850 hatte Möl 
ler, 1860 Thebens sie in Pacht. Um I860 waren 
Mühle und Wohnhaus sehr baufällig. Da ent 
stand der Plan, die Mühle zu verkaufen. Man 
erwartete ein Gebot von 20—30 000 Rbthlr. 
Reichsmünze, da auch die Berechtigung zur 
Erbauung einer Windmühle erteilt wurde. 
Geboten wurden aber nur 13 020 Rthlr. Dafür 
und für 600 Rthlr. Kanon wurde sie zum 1. 
Mai 1862 als Eigentum verkauft. Die Hand- 
und Spanndienste wurden gleichzeitig mit 400 
Rthlr. abgelöst. Bei der Rentenablösung fiel 
ein Teil des Kanons weg, es blieben 900 Jt 
Rentenbankrente zu zahlen, deren Laufzeit 
1917 abgelaufen war. 
Mühlenpflichtig waren die Dörfer Bünzen, 
Bargseld, Homfeld, Jnnien, Boken und Gnutz. 
Die Wassermühle in Bokel 
lag früher am Oldmöhlenbach bei Thienbüttel, 
ist aber vor 1598 nach Bokel verlegt. 1568 
brachte sie 50 Tonnen Roggen und 8 Tonnen 
Malz als Pacht. Das Wohnhaus wurde 1617 
vom Müller erbaut. 1651 kam sie durch Heirat 
in Pachtbesitz der Familie Stubbe, die sie bis 
1883 hatte. 1666, bei der Verpfändung des 
Kirchspiels Nortorf brachte sie 157 Rthlr. 52 
Schill. Pacht. 1700 wurde sie dem Nortorfer 
Kirchspielvogt von Würtzen für 1200 Thlr. 
Kronen verpfändet. Die Pacht betrug 60 Rthlr. 
1760 erhielt der Müller die Konzession als Zu 
behör der Bokler Wassermühle eine Wind 
mühle in Bokel zu erbauen, die 1771 nach 
Thienbüttel auf dem Kapellenberg verlegt 
wurde. 1832 durfte er auch eine Windmühle in 
Bokel errichten. Diese ist 1869 nach Gnutz ver 
legt. Am 28. Mai 1727 wurde die Wassermühle 
dem bisherigen Pächter Caspar Stubbe „in auf- 
und niedersteigender Linie mit Ausschluß der 
Seitenlinien" in Erbpacht gegeben für 102 
Thlr. Court. Bei der Mühle befanden sich 
einige Wiesen und 2 Koppeln, die 1617 von 
dem Bauerlage Bokel dem Peter Norden aus 
der Gemeinheit verliehen waren. Amtmann 
Balthasar von Ahlefeldt hat diese Schenkung 
auf dem Ding und Recht in Nortorf bestätigt. 
Zwangspflichtig waren alle Dörfer des 
Kirchspiels Nortorf mit Ausnahme von Gnutz 
und den Aukrugdörfern. 
Die Zwangsmühle des Kirchspiels Kelling- 
husen lag in 
Mühlenbarbek. 
Es ist das heutige Neumühlen. Die Mühle 
wurde 1650 mit dem Dorf an Breitenburg 
verkauft. 
ĢŞ' Die Neue Mühle bei Schenefeld. 
ist die jüngste Wassermühle im Amte Rends 
burg. Der südliche Teil des Kirchspiels Sche 
nefeld ließ bis um 1700 auf den Mühlen zu 
Mehlbek und Hadenfeld mahlen. 1709 erbat 
Hans Waswo eine Konzession zur Erbauung 
der Mühle und des Hauses auf eigene Kosten. 
Am 25. April 1711 genehmigte die Rentekam 
mer den Antrag. Hans Waswo legte den Teich 
an, erbaute Mühle und Wohnhaus und mußte 
80 Nthlr. Kronen Pacht zahlen. Als Zwangs 
gäste, die bisher nirgends mühlenpflichtig wa 
ren, wurden der Mühle zugewiesen: Schene 
feld, Oldenborstel, Warringholz, Siezbüttel, 
Wacken, Nienbüttel, Gribbohm, Bokelrehm, 
Agethorst, Vaale, Holstenniendorf, Kohlenbek, 
Besdorf, Pöschendorf, Raisborstel, Nutteln. 
Diese hatten Hand- und Spanndienste zur Un 
terhaltung des Mühlendammes zu leisten. 
1733 ist Claus Thode Pächter. Am 20. Okt. 
1734 wurde die Mühle in Erbpacht gegeben für 
120 Rthlr. dän. Kronen. Nach dem Kontrakt 
mit Waswo hatte der König das Näherkaufs 
recht nach Taxation von 4 beeidigten Män 
nern, das wurde bei der Verpachtung an Thode 
aufgegeben. 1747 kaufte Johann Behrens die 
Mühle für 9000 Jl von Revenstorf. 1755 er 
hielt er die Berechtigung, neben der Wasser 
mühle eine Windmühle zu erbauen, 1782 Er 
laubnis, diese nach dem Bokelüerge in der 
Gribbohmer Gemeinheit zu verlegen. Zu die 
ser Windmühle wurden keine Zwangsgäste ge 
legt. 
Durch Jahrhunderte haben diese Mühlen 
ihren. Zweck erfüllt. Der neuen Zeit mit ihrem 
großen Bedarf an Mühlenerzeugnissen waren 
sie bei dem geringen Wasservorrat nicht ge 
wachsen. Großbetriebe mit Dampfkraft nahmen 
ihnen viele Kundschaft, aber noch sind diese 
ältesten Kraftbetriebe unseres Landes in Tä 
tigkeit, das Korn der umliegenden Dörfer zu 
Mehl, Schrot und Grütze zu verarbeiten. 
Nach Langhein von G. Reimer, Büken. 
Der Schlohgrnnd 
war der Platz, der zum alten Schlosse Rends 
burg gehört hatte. Um 1800 standen auf dem 
Schloßgrund die Schloßbaracken, die Wasser 
mühle,' ein Haus in der Torstraße, eins am 
Schloßplatz, Buchdrucker Wendels Haus, ein 
Haus des Kaufmanns Eichmann und des Post 
meisters Haus. In dem letzteren war um 1770 
eine Parchendfabrik gewesen, vorher hatte es 
dem Obersten v. Ahrenschiold gehört. 1803 
wurde es in Pferüestall, Wagenremise und 
Garten verwandelt, 1805 der Rest an die For 
tification für 6500 Rthlr. verkauft. Der Schloß 
grund gehörte nicht zur Stadt, sondern stand 
unter Gerichtsbarkeit des Amtsmanns und 
des Raumorter Dinggerichts. Die Bewohner 
waren von allen Abgaben frei außer einer Re- 
cognission von 1 Rthlr. Nur wenn sie bürger 
liche Nahrung trieben (d. h. Handwerk und 
Handels, mußten sie deswegen Abgaben an die 
Stadt geben. Bon Einquartierungslasten wa 
ren sie befreit. Sie standen unter Sachsenrecht. 
Bei der Befestigung Rendsburgs 1691 wurde 
die Schleußkuhle aufgefüllt und zum Schloß 
grund gelegt. Die 6 Amtskirchspiele mußten 
dazu 4500 Fuder Sand und Steine fahren. 
Nach Langheim: Nachrichten etc. R. 
Sin« und Bedeutung unserer FaMrliermsMeu 
Von Fr. Drews. 
(Aus einem Vortrag in der Arbeitsgemein 
schaft der Sippenforscher und Sippenpfleger.s 
Früher bestand allgemein die Einnamigkeit. 
Jetzt sind Vor- und Familienname nicht nur 
üblich, sondern amtlich vorgeschrieben. Die 
Einnamigkeit mochte genügen, solange wenige 
Menschen an gemeinsamen Wohnstätten bei 
sammen waren und jeder den andern persön 
lich kannte. Später erwies sich die Einführung 
von Familiennamen als notwendig. 
Die Familiennamen sind zur Hauptsache aus 
altgermanischen oder christlichen Tausnamen 
entstanden. Diese Taufnamen, die weit über 
die Zeit der Völkerwanderung zurückreichen, 
waren bei den altgermanischen Stämmen 
durchweg zweigliedrig. Die beiden Glieder oder 
Wortstämme entsprachen meistens zwei Sil 
ben, doch kommen auch nicht selten drei- und 
mehrsilbige Namen vor, ohne daß dadurch die 
Zahl der Wortstämme vermehrt wird. Jeder 
der beiden Wortstämme ist von tiefem Inhalt, 
z. B. Gerhard: Ger ---- Speer, Wurfwaffe,- 
hard — kühn. Adalbert: Ndal — Land, Adel,' 
bert = Glanz, Pracht. Friedrich: Fridu = 
Friede, Sicherheit, Schutz,- rich — Herr, Fürst. 
Wie in anderen Ländern, so bewegten sich 
auch bei den alten Germanen die Familien 
namen im Kreis der nationalen Lieblings 
anschauungen: Krieg, Kriegsruhm, Waffen 
tüchtigkeit, Siegerglück. Viele dieser inhalts 
reichen Namen der Urzeit sind, nicht bloß als 
Familiennamen, sondern auch als männliche 
und weibliche Tausnamen in die christliche Zeit 
hinübergenommen. 
Von Tauf namen dürfen wir übrigens auch 
bei den heidnischen Vorfahren reden, denn die 
Namengebung war dort auch mit einer Tauf 
feierlichkeit verbunden. Die Kindtaufe wurde 
bei den Germanen gleich nach der Geburt vor 
genommen. Man legte das neugeborene Kind 
dem Vater vor. Dieser entschied, ob es aufge 
zogen werden sollte oder nicht. Erkannte er cs 
an, indem er es vom Boden aufhob, so wurde 
Wasser über das Kind gegossen, und man gab 
ihm den Namen. Durch die Taufe und Namen- 
gebung wurde das Kind Mitglied der mensch 
lichen Gesellschaft und durfte nun nicht mehr 
ausgesetzt werden. 
Im Namen waren gewöhnlich Wortstämme 
aus dem Namen beider Eltern vereinigt. Um 
die Zusammengehörigkeit der Familie, des 
Geschlechts, der Sippe durch die Namen zu 
kennzeichnen, bediente man sich der in der 
Dichtkunst üblichen Form des Gleichklangs im 
Anlaut. So nannte beispielsweise der Burgun 
derfürst Gibisch seine drei Söhne Gunther, Ger 
not und Gieselher. Oder man ließ den Wort 
stamm als Zeichen der Vererbung zu Beginn 
oder am Ende des Namens, gleichklingen 
lSiegmund, Sieglinde, Siegfrieds oder auch 
man benutzte beides: Heribrand, Hildebrand, 
Hadubrand. Durch Umstellung der Wortstümme 
war immer neue Namensbildung möglich. Ein 
weiteres Beispiel dafür, daß durch Namens 
klang die Stammesverwandtschaft bekundet 
wurde, haben wir in Gustav Freytags 
„Ahnen": Ingo,, Jngraban, Jmmo und Ivo. 
So wurde der Familienname in der Urstufe 
angebahnt, aber erst im 12. und 13. Jahrhun 
dert kam er ganz zum Durchbruch. Zunächst bei 
Personen von fürstlichem Geblüt, die sich nach 
ihrer Stammburg benannten (Konrad von Ho 
henstaufen, Otto von Wittelsbach, Rudolf von 
Habsburg usw.) Es folgten die hohen Würden 
träger, der hohe und der niedere Adel (Diet 
rich von Bern, Hagen von Tronje u. ä.s, die 
Minnesänger (Walter von der Vogelweide, 
Wolfram von Eschenbachs, dann die Patrizier 
und Bürger und endlich die Eingesessenen auf 
dem Lande. 
In unserer engeren Heimat sind die Fami 
liennamen eigentlich erst um 1780 herum fest 
stehend geworden. Bis dahin bildete man die 
Familiennamen noch vielfach durch Anhän 
gung der Silbe sen — Sohn an den Tauf 
namen des Vaters. (In Schweden und Eng 
land son.s Man nennt diese Form der Ab 
leitung vom Vaternamen Patronymikon. Das 
sen wird auch oft zu s verkürzt (Peters, Hin- 
richs, Detlefs usw.) Peter Hinrichs ist des Hin- 
richs Sohn Peter. In den nordischen Ländern 
wurde sogar der Familiennamen der Tochter 
durch Anhängen des Wortes „Datier" an den 
Taufnamen des Vaters gebildet. In Däne 
mark war das noch im vorigen Jahrhundert 
Sitte. Beispiel: Vater Sven Nielsen, Tochter- 
Karen Svensdatter. Da gerade wir Schleswig- 
Holsteiner bei unserer Familienforschung mit 
den Patronymika zu „kämpfen" haben — sie 
erschweren die Forschung — nenne ich ein Bei 
spiel: Der Stammvater heißt Carsten Nissen, 
dessen Sohn Peter C a r st e n sen, dessen Sohn 
Asmus Peter sen, dessen Sohn Carsten A s - 
müssen usf. 
Gewöhnlich gebrauchen wir die Namen, ohne 
uns etwas dabei zu denken. Und doch liegt in 
ihnen oft ein tiefer Sinn. Es ist erfreulich, daß 
mit dem fortschreitenden Interesse an der Sip 
penforschung auch das Interesse an der Deu 
tung des Namens lebendig wird. Da der Ur 
sprung des Namens in graue Vorzeit zurück 
reicht, ist freilich eine richtige und restlose Klä 
rung nicht immer möglich und verständlich, daß 
die verschiedenen „Namendeuter" auch verschie 
dene Deutungen der Namen haben. Es seien 
unverbindlich einige Deutungen hier an 
geführt: 
Zunächst aus der Gruppe, die auf altdeutsche 
Namensstämme zurückzuführen ist. Brühn: 
vom gotischen brunjo oder dem mittelhochd. 
brttnne — Brustharnisch. „Der int Brusthar 
nisch Kämpfende". Erichsen: vom althochd. 
era = Ehre, Gnade, Schutz,- rich = Herr, Fürst. 
Erich — Ehrenfürst. 
Rohweöder, Rohwer: v. Hrodoward 
bzw. hruod — Ruhm» ward — Wächter. Der 
Ruhmeswächter. 
H i n r i ch s : v. althochd. Hagen — Hag, um 
hegter Wohnsitz, Herr (Fürst) des umhegten 
Wohnplatzes. 
Eine zweite Gruppe Familiennamen stammt 
von christlichen Taufnamen. Sie gehen auf 
Namen der Apostel, Märtyrer und sonstigen 
Heiligen der ersten christlichen Zeit zurück. Ich 
nenne einige Beispiele: A nd re sen und 
Drews: von dem Apostel und Märtyrer An 
dreas (d. h. der Mannhaftes. Namenstag der 
30. November. Brix: von Briccius (Brixi- 
uss, dem Schüler und Nachfolger des heiligen 
Martinus, besonders in NO.-Frankreich und 
SW.-Deulschland verehrt. Stammeltern ver 
mutlich von dort eingewandert. Namenstag 
der 13. November. Iochimsen: v. Joachim 
(hebr. „Gott richtet auf"). Petersen: von 
Apostel Petrus (— Fels). 
Eine weitere Gruppe bilden die „Herkunfts 
namen", gewählt nach Orten, Städten, Wvhn- 
plätzen. In Rendsburg und Umgegend haben 
wir eine große Anzahl solcher Namen: Glück 
stadt, Lüneburg, Rothenburg, von Cappeln 
usw. Bei einem kurzen Streifzug durch unser 
Adreßbuch stellte ich folgende Namen fest, die 
mit Ortsnamen aus der Umgegend Rends 
burgs übereinstimmen: Rickert, Andorf, 
Schacht, Schülldorf, Rade, Brammer, Rönn- 
feldt, Hamdorf, Holtorf, Hohn, Schwabe, Volk 
stedt. Dabei soll keineswegs behauptet werden, 
daß z. B. sämtliche Einwohner namens Bram 
mer aus Brammer stammen. Aber zwischen 
vielen Orts- und Familiennamen in den Bei 
spielen besteht sicherlich ein Zusammenhang. 
Zu den Herkunftsnamen gehören auch die ad 
ligen Namen mit dem „von". 
Die nächste Gruppe — Familiennamen nach 
Berufen — erkennt man meistens an der 
Endung er, da bekanntlich die meisten Berufe 
mit „er" enden. Hierher gehören: Becker, Bött 
cher, Koch, Schmidt, Wagner, Wegner usw. 
Schließlich gibt es noch eine Reihe von Na 
men, die wir unter der Bezeichnung „Ueber- 
namen" zusammenfassen, Necknamen, Spitz 
namen, Eigenschaftsbezeichnungen, im Volks 
munde vielfach Oekelnamen genannt. Ueber- 
namen nennt man sie wohl deshalb, weil sie 
ursprünglich bei Abfassung von Niederschriften 
u. dgl. zur Unterscheidung von gleichnamigen 
Personen über den Namen geschrieben wur 
den. Teils sind diese Namen gutwillig über 
nommen, teils werden sie mit Widerwillen ge 
tragen. Namen dieser Art sind: Weiß, Schwarz 
(Smarts, Alt, Jung, Biermann (— Bieder 
manns, Butenschön, Todt, Engel, Fröhlich, 
Fromm, Kraushaar, Fürchtenicht, Sorgenfrei, 
Brüdigam, Ohnesorg, Fretwurst, Habenichts. 
Im allgemeinen liegt den Familiennamen 
ein tiefer Sinn zugrunde. Wenn airch öeM 
Namensträger beim Empfang des Namens 
von seiner Bedeutung nichts zum Bewußtsein 
gekommen ist, so ist es doch unsere Pflicht, die 
in den Namen durch die Namengeber wunsch 
gemäß verankerten Tugenden zu üben und 
dem Inhalt der Namen immer mehr gerecht zu 
werden.
	        
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