Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Eemeinfchastswerblmg des Handwerks durch Leiftunasschau 
K-sMsrlrd — ņîcht Konkurreut 
Am Sonntag beginnt der „Tag des Handwerks". 
Eifrig sind die einzelnen Innungen bei den letzten 
Vorbereitungen für die Leistungsschau, die — wie 
mir scheint — im Mittelpunkt der ganzen, so löb 
lichen Veranstaltung steht. Gewiß, wer wollte sich 
nicht freuen über das reichhaltig angekündigte 
Programm bei der Eröffnungsfeier am Sonntag, 
bei den „Schöpferischen" am Dienstag oder am 
„Nordischen Tag" des Mittwochs? Aus den Er 
öffnungsreden und den Vorträgen wird man mehr 
und minder erfahren: Wie war es um das Hand 
werk bestellt? Was wurde erreicht? Was ist noch zu 
tun? Fragen, die bei weitem noch nicht genug Ge 
meingut aller mittelbar und unmittelbar beteilig 
ten Kreise sind und insbesondere hinsichtlich der 
zukünftigen Gestaltung immerwährende Beant 
wortung erfordern. Dieses Zugeständnis schwächt 
aber nichts am Tatbestand, daß die Leistungsschau 
der Kern ist, denn hier erhält man Antwort auf die 
Frage: „Was kann das Handwerk?" Mit welchen 
Anforderungen darf man heute dem Handwerker 
kommen? Was vermag er einem zu bieten? Natür 
lich wird man diese Fragen ausstellungsmäßig zu 
stellen haben, eingedenk dessen, daß ein beispielhaft 
angedeuteter Querschnitt aus dem handwerklichen 
Schassen eines Kreises in praktischer Folgerung 
des Geschauten Schwankungen nach mannigfachen 
Richtungen in sich schließt. Dieses nicht bedenken, 
hieße am Leben selbst vorbeigehen. 
Aber ist es nicht schon ein Vorzug, wenn ein ein 
zelner Berufsstand unter selbstloser Leitung in 
angestrebter Geschlossenheit die Hülle von den 
Werkstätten reißt und gleichsam wie in einer gro 
ßen gesamthandwerklichen Werkstatt exemplarische 
Kunde gibt vom augenblicklichen Leistungsmaß? Ich 
denke, wir alle, die wir zwar außerhalb des Hand 
werkertums stehen, uns aber tagtäglich vom Mei 
ster, seinem Gesellen oder Lehrling dann dieses, 
dann jenes zum Ge- oder Verbrauch vorsetzen 
lassen, sollten uns die Frage gerade in obigem 
Sinne vorlegen und daraufhin doppelt schnell zum 
Entschluß kommen: Dahin gehst auch Du! 
Mna höre dabei nicht aus den Einwand, es 
handle sich hier lediglich um werbemäßig zu wer 
tende Angelegenheiten eines sog. anderen Beruss- 
standes. Man gestehe sich vielmehr ein, daß diese 
Schau als kleinster Teilausdruck des Kampfes um 
den gebührenden Lebensplatz in lauterster Manier 
um den Kunden wirbt, indem ohne Namensnen 
nung des eigentlichen Herstellers das bloße Erzeug 
nis um seine Anerkennung ringt, wobei z. T. auch 
noch der Werdegang vom Rohstoff durch die ver 
edelnde Hand bis zum Enderzeugnis aufgedeckt 
wird. Bis zu einem gewissen Grade ist bereits die 
Seltenheit dieser Art kleinbezirklicher Leistungs 
schauen ein Beweis, daß wir den Anspruch auf 
überständische Wertung stellen dürfen. Wer weiß 
sich denn von jenen, die am Webstuhl der Zeit in 
diesem Ort und seiner näheren Umgebung geses 
sen haben, noch ähnlicher Veranstaltungen zu er 
innern? Man hört, daß in den ersten Jahren die 
ses Jahrhunderts eine Gewerbeschau stattfand, die 
in der breiten Oeffcntlichkeit sehr geschätzt wurde 
und auch für den Aussteller manchen sichtbaren 
Erfolg brachte. Es soll ferner 1825 auch in Flens 
burg wie an allen Handwerkskammerplätzen eine 
Jubiläumsausstellung vom Handwerk aufgebaut 
sein, die sehr ordentlich genannt wurde. Aber wann 
hat denn Rendsburg in den letzten Jahrzehnten 
größere handwerkliche Schauen erlebt? Man hatte 
zwar alljährlich zu Ostern in der Stadthalle die sog. 
Lehrlingsschauen süie letzte 1933), auf denen die 
Gesellenstücke zu sehen waren, aber etivas Um 
fassendes, ivas einem Zeugnis vom Gesamtkönnen 
gleichkam, war doch nicht vorhanden. Darum ziehe 
man als umworbenes „Publikum" die Folgerung 
und lasse sich werben, weder schüchtern und ver 
halten, noch hastig mit ausgebreiteten Armen, son 
dern offenen Auges, klaren Verstandes, fern jeder 
Voreingenommenheit, bestrebt, sich gegenseitig über 
die Leistung zu achten. 
Ich muß zurückgreifen und wiederhole, daß die 
Seltenheit der handwerklichen Schauen nur zum 
Teil ein Kennzeichen ihrer überständischen Bedeu 
tung ist. Das Gewicht des anderen Teils hier fest 
stellen zu wollen, trägt nicht zur Lösung bei, be 
gnügen wir uns vielmehr mit der Feststellung, daß 
die Schauen besondere Formen der Werbung sind, 
daß mithin unterlassene Schauen unterlassene Wer 
bung überhaupt bedeuten. Wir kommen damit zu 
einem Charakteristikum des Handwerks schlechthin, 
das in diesem Zusammenhang einiger Worte bedarf. 
Werbung — der helfende Weggefährte 
Die Abneigung des Handwerkers gegen die Wer 
bung kommt nicht von ungefähr, sie ist wesensge 
mäßer Bestandteil historischen Werdens. Was 
hatte ein Handwerker, der auf Bestellung sog. 
Kundenarbeit verrichtete, groß' Werbung nötig? 
Die Aufgabe schien ihm inmitten der Gesamiwirt- 
schaft ziemlich fest umrissen, eine Ausweitung 
deuchte ihm nur bedingt möglich. 
Es ist verständlich, daß dieses Erbteil ldas man 
in vollem Umfang selbst heute nicht missen möchte) 
in einer Zeit verschobener Grundsesten wirtschaft 
licher Betätigung nach der negativen Richtung hin 
ausschlagen mußte und zu noch größerer Verein 
samung beitrug. Gewiß, die Industrie hatte es 
leichter, die auf Vorrat herstellbare, weniger auf den 
Leib des Käufers zugeschnittene Ware — auf die 
irreführende Bezeichnung „anonyme" Ware im 
Gegensatz zur „individuellen" handwerklichen Ar 
beitsweise sei hier beivußt verzichtet — mit Hilfe 
rasch sich ausbreitender Reklamemethoden dem 
Publikum anzupreisen. Dieser Erfolg war der 
neuen Fabrikationsmethode ebenso weseiisgemäß 
wie die Abkehr des Handwerks von zeitbedingten 
Gegebenheiten. 
In der Führung des Handwerks ist dieses auch 
erkannt und es fehlt nicht an Bemühungen, die 
Mittel der Werbung in den Dienst der Aufbau 
arbeit einzuspannen. Es genügt eben nicht mehr, 
„daß ein Handwerk zwar uralt und technisch gut 
durchgebildet, aber nicht mehr zeitgemäß ist", um 
mit Reichskommissar Dr. Wienbeck zu sprechen. 
„Wir dürfen nicht vergessen, daß sich aus vielen 
handwerklichen Betrieben mit der Zeit ein sehr 
reger Industrie- und Fabrikstand entwickelt hat, 
und wir müssen immer wieder den Ausgleich zwi 
schen dem eigentlichen alten Handwerk und den 
neuen Formen, die die Produktion findet, suchen. 
Geschieht es nicht, wir würden nicht den jeweiligen 
Ueberraschungen und Forderungen der Zeit gerecht 
werden." 
Die Widerstände, die die Handwerkssührung hier 
in ihren eigenen Reihen zu überwinden hat, sollen 
bei Würdigung des bis jetzt erreichten Erfolges 
nicht unterschätzt werden, kämpft sie doch gegen 
Schwächen, die unliebsame Begleiterscheinungen 
sonst wünschenswerter Eigentümlichkeiten sind. 
Denn wie vermöchte ein Berufsstand wieder aus 
sich heraus in landgebundener Prägung schöpferisch 
zu werden, wenn er nicht gleichzeitig traditionsge 
bundene Kräfte in sich birgt? So gilt cs also, das 
Uebernommene mit dem jeweilig Zeitgemäßen der 
artig zu verschmelzen, daß man gegenwartsnah 
bleibt, ohne sich selbst aufgegeben zu haben. 
Die Zwiespältigkeit dieses Existenzkampfes steht 
außer Zweifel. Umso zwingender ist es, daß der 
einzelne Handwerker nicht mehr fehlende Gelder 
oder Zwecklosigkeit überhaupt vorschützt, nm in 
seiner Abneigung jeglicher Art der Werbung gegen 
über zu verharren. Er vergibt sich mit dieser Hal 
tung nichts und wird noch lange nicht zum Markt 
schreier seiner Kenntnisse und Fähigkeiten, wenn 
er diese am richtigen Platz wirksam zu machen ver 
sucht. Und nicht nur, daß es geschieht, sondern daß 
es beharrlich geschieht! Eine großzügige, breit aus 
gezogene, aber kurz aufflackernde Werbung kann 
sehr leicht im Sande verlaufen. Der Erfolg der 
Werbung liegt in der Ausdauer. 
Mit der Notwendigkeit der Werbung ist über 
ihre Form noch nichts ausgesagt. Ob sie in der 
üblichen Art vor sich zu gehen hat, ob neue Wege 
beschrcitbar sind, ob individuell, ob vorteilhafter ge 
meinschaftlich gearbeitet wird uss., das ist von Fall 
zu Fall zu entscheiden. Wo aber gemeinschaftliche 
Der Wert der FtmchLsolge 
Sin praktisches Beispiel aus der Hohner Harde / Dr. Schade 
Das der Betrachtung zu Grunde liegende Bei 
spiel, das aus der Praxis herausgegriffen ist und 
weiter unten besprochen werden soll, zeigt uns, daß 
nicht allein Fragen, wie etwa die Auswahl richtiger 
Getreide- oder Kartoffelsorten, oder die Wahl und 
Menge des anzuwendenden Düngers zu lösen sind. 
Diesmal soll ein Fall wiedergegeben werden, der 
die Lösung nach der 
besten Frnchtsolge auf leichtem Boden 
behandelt. Zunächst sei vorbemerkt, daß gerade in 
Bezug auf die Fruchtfolge im Beratungsbezirk 
Hohner Harde noch manche ungelöste Frage besteht. 
Leider haben — so iveit ich feststellen konnte — nur 
wenige Bauern eine gutdurchdachte Folge ihrer 
Früchte. Viele Betriebe bauen dagegen ziemlich 
planlos mal diese, mal jene Frucht. So ist es sogar 
schon vorgekommen, daß kein Land mehr für 
Sommerkorn frei blieb, weil zuviel mit Winter 
korn bestellt lvurde, und ein wider Erwarten gut 
durch den Winter gekommener Südklecschlag nicht 
umgepflügt werden sollte. Eine solche wenig be 
dachte Ausdehnung des Wintergetreideanbaus ver 
schiebt die ganze Arbeit im Betrieb, verschlechtert 
aber auch die Ertragsfähigkeit und Gesundheit der 
Böden, bringt Ausfülle an Futterkvrn, kurz, macht 
den Betrieb unübersichtlich und teuer. Leider herrscht 
die Einsicht für die Haltung einer Buchführung, die 
den Nachteil von solchen Maßnahmen sehr deutlich 
machen würde, selten vor. Deshalb sei ganz allge 
mein und kurz auf den Wert einer Fruchtsolge ein 
gegangen. 
Ersparungen an Kunstdüngeraufwand und an 
Ausgaben für Gespann- und Handarbeit können 
durch eine geschickt gewählte Fruchtfolge am ehesten 
erzielt werden. Ein zweckmäßiger Feldbetrieb ist 
wohl mit das wirksamste Mittel, die Kosten für die 
Herstellung sämtlicher Erzeugnisse, des Viehs und 
des Feldbaus zu verbilligen. 
Ern fester Bestellungsplan verdient dem freien 
Wirtschaften gegenüber eigentlich immer den Vor 
zug. Innerhalb dieses festen Planes bestehen stets 
gewisse Bewegungsfreiheiten. Wer ohne festen Plan 
arbeitet, tappt gewöhnlich im Dunkeln. Eine gute 
Schlageinrichtung mit festliegender Fruchtfolge er 
leichtert die Uebersicht über den Betrieb, bahnt den 
Weg zur Ordnung im Betrieb und zum Gleich 
maß bei der Arbeit, im Futter- und Geldbedarf und 
im Futter- und Geldanfall. Ohne wohl durchdachte 
Schlageinteilung ist der Neigung zuviel Spielraum 
(Fortsetzung siehe nächste Seite.) 
Maßnahmen geplant werden, die ausgesprochen 
Sprecher für das Gesamthandwerk und die Innung 
in ihnen sind, da ist es selbstverständlich, daß in 
diesem Falle der einzelne Aussteller namenlos 
wird dadurch, daß eri n der Gesamtheit aufgeht. Es 
soll unter obiger Voraussetzung doch nicht gezeigt 
werden, daß Meister £ dieses und Meister N jenes 
anfertigt, sondern daß das durch die Innung ver 
tretene Handwerk des X bzw. des Y zu einer ganz 
bestimmten Leistung heute noch fähig ist. Man 
wende nicht ein, das Publikum wüßte dieses alles 
schon. Selbst wenn dieses für einige wenige Hand 
merkszweige der Fall wäre, die mehr im Ver 
brauchsfaktor liegende Güter herstellen, so trifft 
diese Annahme für das Können des Gesamthand 
werks nicht zu. Es gibt manches ehrwürdige Hand 
werk, das nicht deshalb in Vergessenheit geriet, 
weil eine neue Zeit über sic hinwegraste, sondern 
weil das Verständnis für dessen Schaffensart ver 
lorenging. Wir heben dieses nachdrücklichst hervor, 
um den Begriff Leistungsschau zu verklären. Art 
und Umfang der Tätigkeiten in einem ganz be 
stimmten Bezirk sollen zum Verständnis gebracht 
werden. Je freudiger der einzelne Handwerker sich 
über seine Innung daran beteiligt, desto wuchtiger 
und nachhaltiger wird auch die Gesamtschan wirken. 
Das Gesamtharrdrverr ist am Platze! 
Das ist der Sinn der Leistungsschau. „Ihr Zu 
schauer seht Beispiele unseres Könnens auf vieler 
lei Gebiet. Und weil es Beispiele der Leistung an 
sich sind, nennen wir Euch auch keine verbindlichen 
Preise. 
Wir streben grundsätzlich nach dem angemessenen 
Preis, jenem, der unsere Kosten deckt und eine ge 
wisse Gewinnspanne einschließt. Diesen angemesse 
nen Preis zahlenmäßig für irgendein Erzeugnis 
ganz allgemein festzulegen, ist uns unmöglich. Das 
hängt ab von den Anforderungen, die Sie als 
Kunde an Güte und Gediegenheit stellen, das hängt 
auch ab von der Höhe und dem Verhältnis des 
veriablen und zwangsläufig gebundenen Kostcnge- 
süges, das hängt ab von dem Grad der Beschäfti 
gung und nicht zum wenigsten von der Fähigkeit 
jedes einzelnen Handwerksmeisters, diese Elemente 
unter denkbar geringem Berlustanteil zusammen 
zufügen." 
Dieser Erklärung wird der Zuschauer und etwaige 
Kunde, aufgeklärt über die Leistung, die Bitte hin 
zufügen: „Nachdem Sie auf Ihre Forderung des 
Mindestpreises verzichtet haben wie ich auf die des 
Höchstpreises — Ansinnen, die den Tod wirtschaft 
licher Entfaltung des einzelnen bedeutet hätten — 
bitte ich angemessen darum, nur Angebotspreise 
nennen zu wollen, die dem Wert der zu liefernden 
Leistungen entsprechen. Mit aus „dem Handgelenk" 
geschätzten Forderungen ist auf Sicht weder Ihnen 
noch mir gedient. Kommen Sie vielmehr auf Grund 
genauester Kalkulation zur Preisermittlung und 
Preisbildung." 
Der Weg, um dieses theoretisch abgesteckte Ziel 
praktisch «soweit möglich) zu erreichen, ist schwierig. 
Der Kunde wird den um seine Werkstatt ringenden 
Handwerker mehr begreifen müssen. Er wird dort, 
wo verständnisvolles Jndividuellschaffensvermögen 
auf Bestätigung wartet, für rechtes inneres und 
materielles Verständnis zu sorgen haben. Dieses 
Verständnis wiederum wird dem Handwerk den 
Rücken stärken zur ständigen Hebung der Durch 
schnittsleistung und — Ivo angebracht — zu Arbei 
ten mit stärkerem persönlichem Einschlag. 
Für die Beteiligten ist es wesentlich, daß die erste 
Leistungsschau des Handwerks einen denkbar guten 
Eindruck hinterläßt. Noch wesentlicher aber ist, baß 
man ungeachtet des Erfolges auch in Zukunft auf 
mannigfachste Art um den Kunden kämpft. Dr. B. 
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