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Eemeinfchastswerblmg des Handwerks durch Leiftunasschau
K-sMsrlrd — ņîcht Konkurreut
Am Sonntag beginnt der „Tag des Handwerks".
Eifrig sind die einzelnen Innungen bei den letzten
Vorbereitungen für die Leistungsschau, die — wie
mir scheint — im Mittelpunkt der ganzen, so löb
lichen Veranstaltung steht. Gewiß, wer wollte sich
nicht freuen über das reichhaltig angekündigte
Programm bei der Eröffnungsfeier am Sonntag,
bei den „Schöpferischen" am Dienstag oder am
„Nordischen Tag" des Mittwochs? Aus den Er
öffnungsreden und den Vorträgen wird man mehr
und minder erfahren: Wie war es um das Hand
werk bestellt? Was wurde erreicht? Was ist noch zu
tun? Fragen, die bei weitem noch nicht genug Ge
meingut aller mittelbar und unmittelbar beteilig
ten Kreise sind und insbesondere hinsichtlich der
zukünftigen Gestaltung immerwährende Beant
wortung erfordern. Dieses Zugeständnis schwächt
aber nichts am Tatbestand, daß die Leistungsschau
der Kern ist, denn hier erhält man Antwort auf die
Frage: „Was kann das Handwerk?" Mit welchen
Anforderungen darf man heute dem Handwerker
kommen? Was vermag er einem zu bieten? Natür
lich wird man diese Fragen ausstellungsmäßig zu
stellen haben, eingedenk dessen, daß ein beispielhaft
angedeuteter Querschnitt aus dem handwerklichen
Schassen eines Kreises in praktischer Folgerung
des Geschauten Schwankungen nach mannigfachen
Richtungen in sich schließt. Dieses nicht bedenken,
hieße am Leben selbst vorbeigehen.
Aber ist es nicht schon ein Vorzug, wenn ein ein
zelner Berufsstand unter selbstloser Leitung in
angestrebter Geschlossenheit die Hülle von den
Werkstätten reißt und gleichsam wie in einer gro
ßen gesamthandwerklichen Werkstatt exemplarische
Kunde gibt vom augenblicklichen Leistungsmaß? Ich
denke, wir alle, die wir zwar außerhalb des Hand
werkertums stehen, uns aber tagtäglich vom Mei
ster, seinem Gesellen oder Lehrling dann dieses,
dann jenes zum Ge- oder Verbrauch vorsetzen
lassen, sollten uns die Frage gerade in obigem
Sinne vorlegen und daraufhin doppelt schnell zum
Entschluß kommen: Dahin gehst auch Du!
Mna höre dabei nicht aus den Einwand, es
handle sich hier lediglich um werbemäßig zu wer
tende Angelegenheiten eines sog. anderen Beruss-
standes. Man gestehe sich vielmehr ein, daß diese
Schau als kleinster Teilausdruck des Kampfes um
den gebührenden Lebensplatz in lauterster Manier
um den Kunden wirbt, indem ohne Namensnen
nung des eigentlichen Herstellers das bloße Erzeug
nis um seine Anerkennung ringt, wobei z. T. auch
noch der Werdegang vom Rohstoff durch die ver
edelnde Hand bis zum Enderzeugnis aufgedeckt
wird. Bis zu einem gewissen Grade ist bereits die
Seltenheit dieser Art kleinbezirklicher Leistungs
schauen ein Beweis, daß wir den Anspruch auf
überständische Wertung stellen dürfen. Wer weiß
sich denn von jenen, die am Webstuhl der Zeit in
diesem Ort und seiner näheren Umgebung geses
sen haben, noch ähnlicher Veranstaltungen zu er
innern? Man hört, daß in den ersten Jahren die
ses Jahrhunderts eine Gewerbeschau stattfand, die
in der breiten Oeffcntlichkeit sehr geschätzt wurde
und auch für den Aussteller manchen sichtbaren
Erfolg brachte. Es soll ferner 1825 auch in Flens
burg wie an allen Handwerkskammerplätzen eine
Jubiläumsausstellung vom Handwerk aufgebaut
sein, die sehr ordentlich genannt wurde. Aber wann
hat denn Rendsburg in den letzten Jahrzehnten
größere handwerkliche Schauen erlebt? Man hatte
zwar alljährlich zu Ostern in der Stadthalle die sog.
Lehrlingsschauen süie letzte 1933), auf denen die
Gesellenstücke zu sehen waren, aber etivas Um
fassendes, ivas einem Zeugnis vom Gesamtkönnen
gleichkam, war doch nicht vorhanden. Darum ziehe
man als umworbenes „Publikum" die Folgerung
und lasse sich werben, weder schüchtern und ver
halten, noch hastig mit ausgebreiteten Armen, son
dern offenen Auges, klaren Verstandes, fern jeder
Voreingenommenheit, bestrebt, sich gegenseitig über
die Leistung zu achten.
Ich muß zurückgreifen und wiederhole, daß die
Seltenheit der handwerklichen Schauen nur zum
Teil ein Kennzeichen ihrer überständischen Bedeu
tung ist. Das Gewicht des anderen Teils hier fest
stellen zu wollen, trägt nicht zur Lösung bei, be
gnügen wir uns vielmehr mit der Feststellung, daß
die Schauen besondere Formen der Werbung sind,
daß mithin unterlassene Schauen unterlassene Wer
bung überhaupt bedeuten. Wir kommen damit zu
einem Charakteristikum des Handwerks schlechthin,
das in diesem Zusammenhang einiger Worte bedarf.
Werbung — der helfende Weggefährte
Die Abneigung des Handwerkers gegen die Wer
bung kommt nicht von ungefähr, sie ist wesensge
mäßer Bestandteil historischen Werdens. Was
hatte ein Handwerker, der auf Bestellung sog.
Kundenarbeit verrichtete, groß' Werbung nötig?
Die Aufgabe schien ihm inmitten der Gesamiwirt-
schaft ziemlich fest umrissen, eine Ausweitung
deuchte ihm nur bedingt möglich.
Es ist verständlich, daß dieses Erbteil ldas man
in vollem Umfang selbst heute nicht missen möchte)
in einer Zeit verschobener Grundsesten wirtschaft
licher Betätigung nach der negativen Richtung hin
ausschlagen mußte und zu noch größerer Verein
samung beitrug. Gewiß, die Industrie hatte es
leichter, die auf Vorrat herstellbare, weniger auf den
Leib des Käufers zugeschnittene Ware — auf die
irreführende Bezeichnung „anonyme" Ware im
Gegensatz zur „individuellen" handwerklichen Ar
beitsweise sei hier beivußt verzichtet — mit Hilfe
rasch sich ausbreitender Reklamemethoden dem
Publikum anzupreisen. Dieser Erfolg war der
neuen Fabrikationsmethode ebenso weseiisgemäß
wie die Abkehr des Handwerks von zeitbedingten
Gegebenheiten.
In der Führung des Handwerks ist dieses auch
erkannt und es fehlt nicht an Bemühungen, die
Mittel der Werbung in den Dienst der Aufbau
arbeit einzuspannen. Es genügt eben nicht mehr,
„daß ein Handwerk zwar uralt und technisch gut
durchgebildet, aber nicht mehr zeitgemäß ist", um
mit Reichskommissar Dr. Wienbeck zu sprechen.
„Wir dürfen nicht vergessen, daß sich aus vielen
handwerklichen Betrieben mit der Zeit ein sehr
reger Industrie- und Fabrikstand entwickelt hat,
und wir müssen immer wieder den Ausgleich zwi
schen dem eigentlichen alten Handwerk und den
neuen Formen, die die Produktion findet, suchen.
Geschieht es nicht, wir würden nicht den jeweiligen
Ueberraschungen und Forderungen der Zeit gerecht
werden."
Die Widerstände, die die Handwerkssührung hier
in ihren eigenen Reihen zu überwinden hat, sollen
bei Würdigung des bis jetzt erreichten Erfolges
nicht unterschätzt werden, kämpft sie doch gegen
Schwächen, die unliebsame Begleiterscheinungen
sonst wünschenswerter Eigentümlichkeiten sind.
Denn wie vermöchte ein Berufsstand wieder aus
sich heraus in landgebundener Prägung schöpferisch
zu werden, wenn er nicht gleichzeitig traditionsge
bundene Kräfte in sich birgt? So gilt cs also, das
Uebernommene mit dem jeweilig Zeitgemäßen der
artig zu verschmelzen, daß man gegenwartsnah
bleibt, ohne sich selbst aufgegeben zu haben.
Die Zwiespältigkeit dieses Existenzkampfes steht
außer Zweifel. Umso zwingender ist es, daß der
einzelne Handwerker nicht mehr fehlende Gelder
oder Zwecklosigkeit überhaupt vorschützt, nm in
seiner Abneigung jeglicher Art der Werbung gegen
über zu verharren. Er vergibt sich mit dieser Hal
tung nichts und wird noch lange nicht zum Markt
schreier seiner Kenntnisse und Fähigkeiten, wenn
er diese am richtigen Platz wirksam zu machen ver
sucht. Und nicht nur, daß es geschieht, sondern daß
es beharrlich geschieht! Eine großzügige, breit aus
gezogene, aber kurz aufflackernde Werbung kann
sehr leicht im Sande verlaufen. Der Erfolg der
Werbung liegt in der Ausdauer.
Mit der Notwendigkeit der Werbung ist über
ihre Form noch nichts ausgesagt. Ob sie in der
üblichen Art vor sich zu gehen hat, ob neue Wege
beschrcitbar sind, ob individuell, ob vorteilhafter ge
meinschaftlich gearbeitet wird uss., das ist von Fall
zu Fall zu entscheiden. Wo aber gemeinschaftliche
Der Wert der FtmchLsolge
Sin praktisches Beispiel aus der Hohner Harde / Dr. Schade
Das der Betrachtung zu Grunde liegende Bei
spiel, das aus der Praxis herausgegriffen ist und
weiter unten besprochen werden soll, zeigt uns, daß
nicht allein Fragen, wie etwa die Auswahl richtiger
Getreide- oder Kartoffelsorten, oder die Wahl und
Menge des anzuwendenden Düngers zu lösen sind.
Diesmal soll ein Fall wiedergegeben werden, der
die Lösung nach der
besten Frnchtsolge auf leichtem Boden
behandelt. Zunächst sei vorbemerkt, daß gerade in
Bezug auf die Fruchtfolge im Beratungsbezirk
Hohner Harde noch manche ungelöste Frage besteht.
Leider haben — so iveit ich feststellen konnte — nur
wenige Bauern eine gutdurchdachte Folge ihrer
Früchte. Viele Betriebe bauen dagegen ziemlich
planlos mal diese, mal jene Frucht. So ist es sogar
schon vorgekommen, daß kein Land mehr für
Sommerkorn frei blieb, weil zuviel mit Winter
korn bestellt lvurde, und ein wider Erwarten gut
durch den Winter gekommener Südklecschlag nicht
umgepflügt werden sollte. Eine solche wenig be
dachte Ausdehnung des Wintergetreideanbaus ver
schiebt die ganze Arbeit im Betrieb, verschlechtert
aber auch die Ertragsfähigkeit und Gesundheit der
Böden, bringt Ausfülle an Futterkvrn, kurz, macht
den Betrieb unübersichtlich und teuer. Leider herrscht
die Einsicht für die Haltung einer Buchführung, die
den Nachteil von solchen Maßnahmen sehr deutlich
machen würde, selten vor. Deshalb sei ganz allge
mein und kurz auf den Wert einer Fruchtsolge ein
gegangen.
Ersparungen an Kunstdüngeraufwand und an
Ausgaben für Gespann- und Handarbeit können
durch eine geschickt gewählte Fruchtfolge am ehesten
erzielt werden. Ein zweckmäßiger Feldbetrieb ist
wohl mit das wirksamste Mittel, die Kosten für die
Herstellung sämtlicher Erzeugnisse, des Viehs und
des Feldbaus zu verbilligen.
Ern fester Bestellungsplan verdient dem freien
Wirtschaften gegenüber eigentlich immer den Vor
zug. Innerhalb dieses festen Planes bestehen stets
gewisse Bewegungsfreiheiten. Wer ohne festen Plan
arbeitet, tappt gewöhnlich im Dunkeln. Eine gute
Schlageinrichtung mit festliegender Fruchtfolge er
leichtert die Uebersicht über den Betrieb, bahnt den
Weg zur Ordnung im Betrieb und zum Gleich
maß bei der Arbeit, im Futter- und Geldbedarf und
im Futter- und Geldanfall. Ohne wohl durchdachte
Schlageinteilung ist der Neigung zuviel Spielraum
(Fortsetzung siehe nächste Seite.)
Maßnahmen geplant werden, die ausgesprochen
Sprecher für das Gesamthandwerk und die Innung
in ihnen sind, da ist es selbstverständlich, daß in
diesem Falle der einzelne Aussteller namenlos
wird dadurch, daß eri n der Gesamtheit aufgeht. Es
soll unter obiger Voraussetzung doch nicht gezeigt
werden, daß Meister £ dieses und Meister N jenes
anfertigt, sondern daß das durch die Innung ver
tretene Handwerk des X bzw. des Y zu einer ganz
bestimmten Leistung heute noch fähig ist. Man
wende nicht ein, das Publikum wüßte dieses alles
schon. Selbst wenn dieses für einige wenige Hand
merkszweige der Fall wäre, die mehr im Ver
brauchsfaktor liegende Güter herstellen, so trifft
diese Annahme für das Können des Gesamthand
werks nicht zu. Es gibt manches ehrwürdige Hand
werk, das nicht deshalb in Vergessenheit geriet,
weil eine neue Zeit über sic hinwegraste, sondern
weil das Verständnis für dessen Schaffensart ver
lorenging. Wir heben dieses nachdrücklichst hervor,
um den Begriff Leistungsschau zu verklären. Art
und Umfang der Tätigkeiten in einem ganz be
stimmten Bezirk sollen zum Verständnis gebracht
werden. Je freudiger der einzelne Handwerker sich
über seine Innung daran beteiligt, desto wuchtiger
und nachhaltiger wird auch die Gesamtschan wirken.
Das Gesamtharrdrverr ist am Platze!
Das ist der Sinn der Leistungsschau. „Ihr Zu
schauer seht Beispiele unseres Könnens auf vieler
lei Gebiet. Und weil es Beispiele der Leistung an
sich sind, nennen wir Euch auch keine verbindlichen
Preise.
Wir streben grundsätzlich nach dem angemessenen
Preis, jenem, der unsere Kosten deckt und eine ge
wisse Gewinnspanne einschließt. Diesen angemesse
nen Preis zahlenmäßig für irgendein Erzeugnis
ganz allgemein festzulegen, ist uns unmöglich. Das
hängt ab von den Anforderungen, die Sie als
Kunde an Güte und Gediegenheit stellen, das hängt
auch ab von der Höhe und dem Verhältnis des
veriablen und zwangsläufig gebundenen Kostcnge-
süges, das hängt ab von dem Grad der Beschäfti
gung und nicht zum wenigsten von der Fähigkeit
jedes einzelnen Handwerksmeisters, diese Elemente
unter denkbar geringem Berlustanteil zusammen
zufügen."
Dieser Erklärung wird der Zuschauer und etwaige
Kunde, aufgeklärt über die Leistung, die Bitte hin
zufügen: „Nachdem Sie auf Ihre Forderung des
Mindestpreises verzichtet haben wie ich auf die des
Höchstpreises — Ansinnen, die den Tod wirtschaft
licher Entfaltung des einzelnen bedeutet hätten —
bitte ich angemessen darum, nur Angebotspreise
nennen zu wollen, die dem Wert der zu liefernden
Leistungen entsprechen. Mit aus „dem Handgelenk"
geschätzten Forderungen ist auf Sicht weder Ihnen
noch mir gedient. Kommen Sie vielmehr auf Grund
genauester Kalkulation zur Preisermittlung und
Preisbildung."
Der Weg, um dieses theoretisch abgesteckte Ziel
praktisch «soweit möglich) zu erreichen, ist schwierig.
Der Kunde wird den um seine Werkstatt ringenden
Handwerker mehr begreifen müssen. Er wird dort,
wo verständnisvolles Jndividuellschaffensvermögen
auf Bestätigung wartet, für rechtes inneres und
materielles Verständnis zu sorgen haben. Dieses
Verständnis wiederum wird dem Handwerk den
Rücken stärken zur ständigen Hebung der Durch
schnittsleistung und — Ivo angebracht — zu Arbei
ten mit stärkerem persönlichem Einschlag.
Für die Beteiligten ist es wesentlich, daß die erste
Leistungsschau des Handwerks einen denkbar guten
Eindruck hinterläßt. Noch wesentlicher aber ist, baß
man ungeachtet des Erfolges auch in Zukunft auf
mannigfachste Art um den Kunden kämpft. Dr. B.
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