129. Jahrgang.
129. Jahrgang.
Renösbuvger Tageblatt
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Stabschef Latze
den Kampf- und Sturmliedern der Bewegung,
die im Zusammenklang des SA.-Rufes mit
reißender Ausdruck des Kampfgeistes der SA.
und der nationalsozialistischen Bewegung
sind. Seinen Höhepunkt erreichte der SA.-Ruf
in dem machtvollen Chorgesang des Kampf
liedes „Volk ans Gewehr". Die Klänge des
Liedes vom „Guten Kameraden" ließen die Ge
danken zurückwenden zu den Blutopfern der
Bewegung im Kampf um ein einiges Volk
und ein wiedererstarktes Reich. Das Deutsch
land-Lied und die Klänge des Niederländischen
Dankgebetes leiten dann über zum Horst-Wes-
sel-Lied, das von der Menge begeistert mit
gesungen wird.
Aufmarsch mecklenburgischer SA.
DNV. Schwerin, 26. April. Stabschef Lutze
besuchte am Sonntag die mecklenburgische SA.,
deren elfte Brigade insgesamt 15 700 Mann
auf dem großen Exerzierplatz bei Schwerin an
getreten war. Der Stabschef schritt die Fron
ten der Formationen ab und wandte sich dann
in einer Ansprache an die SA.-Männer Meck
lenburgs, in der er auf die Aufgaben des SA.-
Mannes hinwies. Der SA.-Mann von heute
habe die Mission, im nationalsozialistischen
Reiche am Aufbau in gleicher Weise wie in der
Kampfzeit weiter unter Einsatz seiner ganzen
Kraft für den Führer zu wirken. Es gelte die
Erfassung des letzten Volksgenossen für die
Idee Adolf Hitlers. Die Erreichung dieses
Zieles sei auch die Erfüllung des Aufgabcu-
gebictes der SA.
^Stabschef Lutze stellt dem „Hamburger
Tageblatt", anläßlich seines Hamburger Be
suches einen Artikel zur Verfügung, in
welchem sich der Stabschef nach einem histori
schen Rückblick mit den Zukunftsaufgaben der
SA. beschäftigt. In diesem Artikel heißt es
u. a.:
Die völkische und staatliche Notwendigkeit
des politischen Soldaten kann augenfällig aus
geschichtlichen Beispielen bewiesen werden. Die
Staaten der Vergangenheit — das gilt im
übrigen auch für das November-Deutschland —
gingen nicht am Mangel eines machtpolitischen
Faktors zugrunde, sondern am Fehlen einer
weltanschaulichen Basis und des notwendiger
weise dazugehörigen weltanschaulichen Jn-
struments, das in positiver Einstellung zum
«taat auf einer soldatisch-kämpferischen
Grikndlage die Idee, aus der der Staat ge
formt war, im Volk vertrat. Sie gingen zu
grunde, das Preußen des Großen Friedrich,
das Bismarcksche Kaiserreich der Hohenzollern,
einfach am Fehlen der Erkenntnis, daß nicht
der Staat oder die Staatsform das Primäre
sind, sondern das weltanschauliche, vom Volk
getragene Fundament dieses Staates. Sinn
fälliger noch als diese beiden Beispiele aber ist
das Beispiel, das wir alle miterlebten, die
Nationalsozialistische Revolution des Jahres
die auch ohne jede Waffengewalt zum
Siege führen mußte, weil der Novemberstaat
eine weltanschauliche Basis einfach nicht mehr
besaß.
Die Waffe des politischen Soldaten allein
entschied den Kampf, die Waffe: Weltanschau
ung. Weltanschauungen aber ruhen bekannt
lich nicht auf Bajonetten und Handgranaten,
sondern auf der Kraft des Geistes und auf
einem nach dieser Geisteskraft bestimmten
einheitlichen politischen Willen und schließen
oamit, als die das Wesen des politischen Sol
daten bestimmende Funktion, auch eine waf
fentechnische Bewertung der SA. von vorn
herein aus. Daraus ergibt sich zwangsläufig
Und eindeutig, daß es zwischen den soldatisch-
politischen Organisationen und den soldatisch-
wilitärischen Organisationen keine Rivalität
geben kann. Beide, Partei und Wehrmacht,
sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum
Zweck, ihre Operationsflächen sind verschieden
gelagert, ihr Ziel ist dasselbe: Deutschland!
Die SA. ist sich darüber im klaren, daß sie
lange, und im Auslande hier und da auch
heute noch, die breite öffentliche Meinung
gegen sich hatte. Das Neue, das Erstmalige —
sind sie SA. als Typ des politischen Soldaten
Ft erstmalig — wird in der breiten Masse als
Neues schon im Werden eine verneinende
Kritik finden. Das hindert die SA. nicht, sich
ssstch heute zu ihrem Kampf, den sie früher
führte, zu bekennen. Es ist richtig — und wir
SA.-Männer sind stolz darauf — daß wir den
^error, wenn es nicht anders ging, mit der
Faust gebrochen haben,' es ist richtig, daß wir
oie deutschen Straßen nicht mit philosophischen
Betrachtungen vom Schreibtisch her eroberten.
Nicht richtig aber ist, daß wir jene blutrünsti
gen Terroristen sind, wie uns die Emigranten
presse gern der Welt zeigen möchte. Wären
ll>ir das, dann wäre die Revolution bestimmt
üfcht ohne Blutvergießn geendet. Und nicht
richtig ist, daß wir den Kampf gegen unsere
Eigenen Blutbrüder gern geführt haben. Die
len Kampf hat der SA.-Mann immer nur mit
Natürlichem Widerwillen geführt, und er
konnte nur deshalb hart und entschlossen in
biesem Kampfe bleiben, weil er wußte, daß der
Kampf gegen seine verführten Volksgenossen
picht nur ein Kampf gegen sie, sondern auch
^n Kampf für sie, für das Volk und um das
-6olk war.
Die Wiederherstellung des völkischen Frie-
"ens ist sein, des SA.-Mannes unter schweren
Opfern errungenes Werk. Ueber die Erhal-
ung dieses Friedens zu wachen, ist eine seiner
Aufgaben für die Zukunft. Der SA.-Mann
ü heute wie einst der dienende Kämpfer, das
Urbild im Opfern und in der Härte gegen sich
selbst. Die SA. ist wieder wie früher der in
sich geschlossene willens- und glaubensstarke
Garant für die Unantastbarkeit der national
sozialistischen Weltanschauung. Wir haben
gegen den Weltfeind Kommunismus einen
Wall aufgerichtet, wir werden diesen Wall ver
breitern und damit Deutschland schützen gegen
jeden Feind des Staates. Und wir werden
diesen WM, wenn es sein muß, mit unseren
Leibern decken und mit unserem Blut zu
Granit härten, weil wir wissen, daß auf diesem
Wall der erste SA.-Mann Deutschlands steht:
unser Führer Adolf Hitler!
3« HsmSNrg rrnd Schwerin
eine neue Marschrichtung geben zu müssen.
Man glaubte, die Zeiten des Opfermutes und
treuen Pflichterfüllung seien vorüber. Es war
jedoch nur ein kurzer Traum dieser Kreise.
Heute steht die SA. wieder wie früher da.
Heute besteht keine Rivalität mehr mit ande
ren Organisationen. Die Marschrichtung ist
wieder die alte. Auch im Staate Adolf Hit
lers hat die SA. noch große Aufgaben zu er
füllen. Der SA.-Mann muß nach wie vor
Glaubensträger der nationalsozialistischen
Idee sein. Er soll wieder hinausziehen wie
früher, um auch den letzten deutschen Volks
genossen von der großen Idee des Führers zu
durchdringen. Nicht mit Kanonen und Maschi
nengewehren wird ein Staat aufgebaut, son
dern mit der Idee. Das hat das Jahr 1933 be
wiesen, als wir die Macht antraten.
Zum Schluß seiner Ausführungen gedachte
Stabschef Lutze der gefallenen SA.-Kamera-
den, der Standarte Horst Wessel, und ließ seine
Ansprache mit einem dreifachen Sieg-Heil auf
den Führer ausklingen, in das die SÄ.-Män-
ner begeistert einstimmten. Der gemeinsame
Gesang der Lieder der Nation beschloß die ein
drucksvolle Kundgebung.
Auf dem Aöols-Hitler-Platz, wo sich eine
vielköpfige Menschenmenge eingefunden hatte,
fand im Anschluß an die Kundgebung ein Vor
beimarsch der Hamburger SA. vor ihrem
Stabschef Lutze statt.
Der SA.-Ruf.
Der Tag wurde abgeschlossen mit der feier
lichen Wiedergabe des SA.-Rufes auf dem
Adolf-Hitler-Platz. Fanfarenklang und dump
fer Trommelwirbel bildeten den Auftakt zu
AttsMärsche der SA.
vor Stabschef Lutze
Anläßlich des Besuches des Stabschefs Lutze
in Hamburg fand am Sonnabendnachmittag
auf der Moorweide ein Aufmarsch der Ham
burger SA. statt. Auf dem weiten Platz hatten
insgesamt 14 000 SA.-Männer Aufstellung ge
nommen. Auf der Tribüne, mit dem Hoheits
abzeichen und den Symbolen des Dritten
Reiches geschmückt, waren Reichsstatthalter
Kaufmann, Regierender Bürgermeister Krog-
mann und die Senatsmitglieder, soivie als
Vertreter der Wehrmacht der Kommandierende
General des 10. Armeekorps, General der Ka
vallerie Knochenhauer, und Admiral Lindau
sowie zahlreiche Vertreter der Bewegung und
ihrer Gliederungen erschienen.
Nach der Machtübernahme, so führte Stabs
chef Lutze aus, glaubten gewisse Kreise, der SA.
Anläßlich des 42. Geburtstages von Rudolf
Hetz sandte der Führer diesem seine herzlich
sten Glückwünsche. Weiterhin gratulierten Mi
nisterpräsident Siebert, Staatskommissar Lip-
pert und Stabschef Lutze.
Die Reichsminifter Rudolf Heß und Göring
sowie Dr. Ley zeichneten sich in die Ehrenlisten
für das Dankopfer der SA. ein.
Die französische Presse zum Ergebnis.
DNB. Paris, 27. April. (Eig. Funkm.j Die
Schlacht sei noch nicht beendet, schreibt das
„Echo de Paris", erst am kommenden Sonntag
,ei der entscheidende Tag.
Der „Ami du peuple" fordert restlose Diszi
plin der nationalgesinnten Kandidaten. Frank
reich befinde sich auf einem absteigenden Weg,
der zu den schlimmsten Abenteuern, zu jenen
spanischen Meutereien oder zur Moskauer
Diktatur führe. Die Volksfront stehe am Vor
abend eines eindrucksvollen Wahlsieges. Alle
Stichwahlen ständen günstig für sie, und die
besten Pariser Wahlbezirke seien verseucht.
Der „Matin" bezeichnet die Sozialisten als
die Besiegten des ersten Wahlganges.
Der „Petit Parisien" befaßt sich eingehend
mit der Wiederwahl des Außenministers
Flandin. Dieser Sieg sei für ihn der beste An
sporn, sein bisheriges Werk fortzusetzen. Es
gebe ihm außerdem eine erhöhte Autorität für
die Verteidigung der französischen Interessen.
Rechts- und Linksruck in der ersten Runde — Die Mitte verliert
Die Entscheidung füllt erst bei den Stichwahlen
DNB. Paris,
i, 27. April. Mg. Funkm.)
Gegen 4 Uhr liegen an amtlichen französischen
Stellen die Wahlergebnisse aus 605 von 618
Wahlbezirken vor. In 179 von ihnen ist die
Wahl endgültig, während in den anderen 426
Bezirken Stichwahlen notwendig sind. Nach
diesen Ergebnissen ergibt sich vorläufig nach
stehendes Bild:
Behauptete gewonnene verlorene
Sitze Sitze Sitze
Kommunisten 6 3 —
Sozialisten (SSJO.) 21 2 6
Sozialistisch-republ.
Vereinigung 4 1 —
Unabh. Sozialisten 1 — 3
Radikalsozialisten 22 2 6
Unabhäng. Radikale 10 2 3
Linksrepublikaner 32 5 5
Volksdemokraten 12—2
Republikan.-dcmokr.
Vereinigung
(Gruppe Marin) 40 10 2
Konservative 4 2 —
Ein Ueberblick über diese Ergebnisse und die
Stellung der einzelnen Kandidaten bei den
Stichwahlen ergibt mit unzweifelhafter Klar
heit die bedeutenden Fortschritte, die die Kom
munisten erzielt haben. Die Gesamtziffer der
erhaltenen Stimmen, die bei den letzten Wah
len im Jahre 1932 noch 790 000 betrug, hat sich
verdoppelt und ist auf etwa VA Millionen ge
stiegen.
Eine andere Feststellung, die man auf
Grund des bisherigen Wahlergebnisses machen
kann, ist der deutliche Ruck nach rechts, der sich
in den gemäßigten und Rechtskreisen zu
gunsten der republikanischen Bereinigung
vollzogen hat. Die Gruppe Marin ist bisher
überhaupt diejenige, die von allen Gruppen
die meisten neueroberten Sitze auszuweisen
hat.
Die Sozialisten, die sich auf Grund der bisher
vorliegenden Ergebnisse in einigen Bezirken
nicht bekaupten konnten, dürften im zweiten
Wahlgang zugunsten der Kommunisten noch
mehr Sitze einbüßen. Für die Radikalsoziali
sten ergibt sich im wesentlichen die gleiche Lage.
Eine stichhaltige Vorschau für das End
ergebnis läßt sich im Augenblick noch nicht
machen, da eine unerwartet hohe Zahl von
Kandidaten in die Stichwahl gekommen ist.
Kriegsmarineminister Piötri sowie der be
kannte rechtsgerichtete Abgeordnete Marne-
garen wurden im ersten Wahlgang gewählt.
Von den Mitgliedern des Kabinetts wurde der
größte Teil im ersten Wahlgang gewählt, die
anderen stehen in der Stichwahl in aussichts
reicher Stellung und dürften ebenfalls wieder
gewählt werden.
Mit den gestrigen Wahlen in Frankreich ist
nur ein Teil der 618 Kammermitglieder von
insgesamt 4815 Kandidaten gewählt worden.
Es ist in Pariser politischen Kreisen lebhaft
diskutiert worden, daß die Wahlen einer un
gewöhnlichen Gleichgültigkeit beim Publikum
begegneten. Mit um so größerem Eifer geden
ken nun die Parteien und auch die politischen
Verbände, die diesmal aktiv am Wahlkampf
teilnehmen, die Wahlberechtigten für die Stich
wahl des kommenden Sonntag während die
ser Woche mobil zu machen. Nach dem 3. Mai
wird dann in der üblichen Weise die Regie
rung zurücktreten, und es dürfte dann aller
Wahrscheinlichkeit nach ein ziemlich langwieri
ger politischer Handel um die Kabinettsbil
dung erfolgen, zumal man, ohne große Ver
schiebungen zu erwarten, im Endergebnis doch
mit einer Verstärkung der Volksfront rechnet.
Auch die neue Kammer, die die fünfte seit
dem Kriege ist, wird in jedem Fall ein Links
parlament sein und daher kaum imstande sein,
die notorische Krise aller Linksparlamente, die
finanzielle, zu lösen. Auch die letzte Kammer,
die mit dem gestrigen ersten Wahlgang endgül
tig zu Grabe getragen ist, hat ihre Unfähigkeit
zur Lösung der Finanzkrise Frankreichs, un
geachtet eines riesigen Goldhortes nicht be
gleichen können und mußte sich selbst unter
Laval bis zum Erlaß eines Monstrums von
über 4üü Notverordnungen versteigen. Im
übrigen hielt sie mit einem Verschleiß von fast
einem frommen Dutzend von Kabinetten in
der Zeit von 1932 bis 1936 einen selbst für
französische Verhältnisse bemerkenswerten Re
kord.
Es ist unerfindlich, auf welche Weise S a r -
raut zu dem „äußeren und inneren Frie
den" zu kommen gedenkt, von dem er in sei
ner letzten Rundfunkrede vor dem ersten
Wahlgang sprach, wenn für Frankreich der
äußere Friede unter das Vorzeichen des Pak
tes mit dem Bolschewismus sowie des fran
zösischen Gegenplanes gestellt wird, und wenn
der innere Friede durch das gleichmäßig fort
schreitende Anwachsen der radikalen Links
bewegung schon jetzt als fragwürdig erscheinen
muß.
• V* «vni