Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

«tte Versammlung der Imker in Reimers 
Ģasthof in Koldenbüttel ab, auf dem der Leiter 
"er Landesfachgruppe Imker Schleswig- 
Holstein, Preim, Christiansholm, sprach. Nach 
Ctöffnungs- und Begrüßungsworten durch 
oen Vorsitzenden der Ortsfachgruppe hielt 
-preim, Christiansholm, einen sehr lehrreichen 
und interessanten Vortrag über „Die Wande 
rung in den Raps". Die Rapswandernng 
und die Wanderung überhaupt ist für den 
Müerstedter Imker durchweg neu, da die 
Cmker meist bisher nicht wanderten, wohl 
auch deshalb nicht, weil in Eiderstedt nur 
u>enig Rapsfelder vorhanden sind. So war es 
oenn für den Imker besonders lehrreich, einen 
Ķchmann über die Rapswanderung zu hören. 
Cine lange Aussprache über die Imkerei schloß 
sich dem Vortrage an. Der Kreis Eiderstedt ist 
şŗei von allen Bienenkrankheiten, was beson 
ders erfreulich ist. 
Aus HocdļdesSand 
Opfer -er Arbeit. 
mo. Insel Sylt, 27. April. Auf einem Bau 
gelände in List stürzte ein Arbeiter in einen 
orei Meter tiefen Keller und fiel so unglück- 
uch, daß er einen Schädelbruch erlitt. Ein 
Arbeitskamerad fand den Schwerverletzten, der 
lofort dem Westerländer Krankenhaus zu 
geführt wurde, wo er aber seiner schweren 
Kopfverletzung erlegen ist. 
Ihren 89. Geburtstag feiert heute, am 28. 
April, die Witwe Marie Jensen, Nordftrand, 
^îorderhafen, die Mutter des Schuhmacher- 
Meisters H. Fr. Jensen. Frau I. erfreut sich 
uls Zweitälteste Anwohnerin der Insel noch 
einer guten Rüstigkeit und besonderer geisti 
ger Frische. Sie führt täglich selbständig ihren 
Haushalt und verrichtet alle ihr obliegenden 
häuslichen Arbeiten. Zur Reichstagswahl am 
"9. März ging Frau I. noch mit an die Wahl 
urne. 
Ali-Hotdsddesmg. 
Urteil wegen großer Unterschlagungen 
beim Tonderner Kreiskrankenhaus. 
Tondern, 27. April. Das Gericht in Tondern 
sierurteilte den reichsdänischen Krankenhaus- 
Inspektor Bay, der ungefähr 20 000 Kronen 
Unterschlagen und dieses durch Bücherfälschun 
gen verschleiert hat, zu 1 Jahr Gefängnis und 
jährigem Ehrverlust. 
Wieder ein Hofbrand in Nordschleswig. 
. Sonnabend vormittag entstand durch Ueber- 
kvchen von Fett auf dem Hofe der Witwe 
Christine Lorentzen in Westerterp bei Norder- 
mgum ein Brand, der in kurzer Zeit das ganze 
Gehöft in Asche legte. Es gelang, das meiste 
"omh zu retten,' doch kamen eine Kuh und drei 
Sauen mit Ferkeln um. Das ganze Jngut 
verbrannte. 
Der dänische Grenzverei» soll seine Haupt 
tätigkeit aus deutschem Gebiet entfalten. 
Auf der Jahresversammlung des dänischen 
Grenzvereins für den Kreis Apenrade wurde 
berichtet, daß die Mitgliederzahl durch Wer 
bung von rund 1000 ans 1305 gebracht werden 
konnte. Der Verein hat 700 Kronen für die 
dänische Propaganda südlich der Grenze auf 
gebracht. Es wurde beschlossen, die Haupt- 
tätigkeit in Tönning zu entfalten und darauf 
zu dringen, daß auch der Hauptverein das 
Schwergewicht seines Wirkens auf das südliche 
Schleswig richten soll. Bemängelt wurde, daß 
die dänische Patenschaftsarbeit auf Anregung 
von dem früheren Minister H. P. Haussen fast 
ausschließlich den Gegenden nördlich der 
Grenze zugute kommt, und gefordert, daß ein 
Gürtel von Patenschaften beiderseits der 
Grenze von der Schlei bis zur Eidermündung, 
von der Flensburger Förde bis Hoher und 
Lügumkloster geschaffen werde. Zur Unter 
stützung der Propaganda in Tönning wurde 
beschlossen, für Kinder des dortigen dänischen 
Kindergartens in diesem Sommer Ferien- 
Aufenthalt in Apenraöe zu vermitteln. 
Aus DitUmocscUen 
Drei Lundener Einwohner wegen Ranbüber- 
fall verhaftet. 
fp. Lunden, 28. April. Im März v. I. wurde 
der Zeitschriftenausträger L. aus Heide, der 
s. Zt. in Lunden für die Zeitschriften die 
Gelder einkassiert hatte, auf der Rückfahrt mit 
seinem Fahrrad nach Heide, nicht weit hinter 
einer Wirtschaft, in der L. sich bis zur Polizei 
stunde aufgehalten hatte, von drei Personen 
vom Rad gerissen und des Geldes beraubt. 
Erst jetzt gelang es der Gendarmerie in Zu 
sammenarbeit mit der Gemeindepolizei, drei 
Einwohner, W. H., I. K. und C. Sp., sämtlich 
aus Lunden, festzunehmen, die dem Amts 
gerichtsgefängnis in Husum zugeführt wurden. 
Die Verhafteten sind geständig. 
Zwei Schwester« feiern am gleichen Tage 
goldene Hochzeit. 
fp. Heide, 28. April. Am 9. Mai können die 
Eheleute Rentner Hans Looft und Frau geb. 
Münster, Mühlenstraße 12, das Fest der gol 
denen Hochzeit begehen. Am gleichen Tage 
können Rentner Klaus Kühl und Frau geb. 
Münster in Timmaspe bei Nortorf das Fest 
der goldenen Hochzeit begehen. Die beiden 
Frauen sind Schwestern. Die Hochzeit wurde 
damals in Zennhusen gefeiert. Bei dem ersten 
Ehepaar ist der Mann 76 und die Frau 72 
Jahre alt, bei dem zweiten Ehepaar der 
Mann 78 und die Frau 75 Jahre. Beide Ehe 
paare sind noch verhältnismäßig rüstig. 
rg. Norddeich, 27. April. Schwerer Einbruch. 
Bei dem Gastwirt A. Pump, Hierselbst, wurde 
ein schwerer Einbruch verübt. Die Täter sind 
durch ein gewaltsam geöffnetes Saalfenster 
ins Innere des Hauses gelangt und haben 
dann mit einem Nachschlüssel die Tür nach der 
Gaststube geöffnet. Aus der Ladenkasse wurden 
5 JUt geraubt, außerdem nahmen die Diebe 
mit: 15 neue Schallplatten, für 36 JiJt Ziga 
retten, 4 Kisten Zigarren, 68 Flaschen Ge 
tränke, 6 Korbflaschen mit Rum, Kognak und 
Kümmel. Die Getränke haben einen Anschaf 
fungswert von 430 JtJt. Die Täter haben die 
gestohlenen Sachen nach dem geöffneten Saal- 
fenster geschafft und von da abtransportiert. 
Aus Holstein 
Die „Kieler Zeitung" stellt ihr Erscheinen ein. 
Kiel, 27. April. Die „Kieler Zeitung" teilt 
mit, daß sie mit dem 30. April ihr Erscheinen 
einstellt. 
Sein Wohnhaus angezündet 
und sich selbst erhängt. 
Ahrensburg, 27. April. Am Sonnabend 
abend trug sich in Ahrensburg eine furchtbare 
Familientragödie zu. Ein hiesiger Schmied 
versuchte sein eigenes Wohnhaus in Brand zu 
stecken, indem er auf dem Boden einen Haufen 
Stroh anzündete. Danach begab er sich in den 
Keller des Hauses, wo er sich erhängte. Von 
der sofort alarmierten Feuerwehr konnte mit 
Hilfe der Nachbarn das Feuer erfolgreich be 
kämpft werden. Wie verlautet, sollen Fa- 
milienzwistigkeiten der Grund dieser un 
seligen Tat sein. Aus der Lebens- und Feuer 
versicherung war der Schmied vorher aus 
geschieden. 
Aus dem Qedddssaal 
Tagung des Sondergerichts Altona, 
x. Nenmünster, 28. April. Das schleswig 
holsteinische Sondergericht Altona tagte im 
hiesigen Amtsgericht und verhandelte gegen 
einen hiesigen Einwohner, der im Sommer v. 
I. auf einem Tanzvergnügen die SA. aus 
schwerste Art beleidigt hatte. Der dem An 
geklagten zur Last gelegte Tatbestand fand 
durch zahlreiche Zeugenaussagen seine Bestäti 
gung. Mit einer Gefängnisstrafe von sechs 
Monaten kam der Angeklagte noch gnädig da 
von. 
Mißglückter Ausbruchsversuch aus dem 
Schleswiger Gerichtsgefängniö. 
eg. Flensburg, 27. April. Kurz vor Weih 
nachten des Vorjahres faßten die beiden 22 
Jahre alten Untersuchungsgefangenen Wilh. 
Theuerkauf und Franz Nüsgen, die im Ge 
richtsgefängnis in Schleswig saßen, den Ent 
schluß, bei einer passenden Gelegenheit einen 
Ausbruchsversuch zu unternehmen. Am Neu 
jahrsmorgen machte der 64 Jahre alte Justiz 
oberwachtmeister Grundmann den Sonntags 
dienst während der Freistunde und diese 
Gelegenheit wurde als günstig angesehen, das 
Vorhaben auszuführen. Bei der Rückkehr in 
die Zellen versuchte Th. den Beamten unter 
irgend einem Vorwand in ein Gespräch zu 
verwickeln, während N. von hinten den Be 
amten in die Zelle schob und die Tür zuhielt. 
Th. warf den Beamten zu Boden und entriß 
ihm die Schlüssel, entfernte sich aus der Zelle 
und schloß den Wachtmeister ein. Durch die 
Hilferufe von G. kamen ein anderer Beamter 
und ein Kalfaktor hinzu, die die Flucht ver 
eitelten und den Wachtmeister aus der Zelle 
befreiten. Wegen Meuterei, Freiheitsberau 
bung und für Th. kam noch Körperverletzung 
hinzu, hatten sich Th. und N. vor der 1. Großen 
Strafkammer des Flensburger Landgerichts 
am Montag zu verantworten. In der Ver 
handlung versuchten die Angeklagten, sich 
gegenseitig zu beschuldigen, doch konnte fest 
gestellt werden, daß Th. der Anführer bei der 
Meuterei gewesen ist. Th. wurde, da er schon 
erheblich vorbestraft ist, zu einer Zuchthaus 
strafe von zwei Jahren und N. zu einer solchen 
von einem Jahr verurteilt. Außerdem wurde 
dem letzteren die Untersuchungshaft angerech 
net. Beide Angeklagte nahmen die Strafe so- 
Dìe 40. Auchtschweînefchan in 
Rendsburg 
veranstaltet der Verband der schleswig-holsteinischen 
Schweinezüchter am Freitag, dem 8. Mai. in der 
Viehmarkthalle. Bon den zahlreich cingeliufenen 
Anmeldungen sind etwa 70 Tiere zugelassen wor 
den, zur Hauptsache Eber der Edelschwein- und 
der veredelten Landschweinrasse, sowie einige Sauen 
dieser Rassen, ferner einige Bcrkshires. Die aus 
gestellten Tiere stammen aus den besten schleswig- 
holsteinischen Leistungszuchten. Die Prämiierung 
beginnt um 8 Uhr, die Versteigerung um 11 Uhr. 
Vor der Versteigerung werden die über 6 Monate 
alten Eber amtlich gekört bzw. vorgekört, damit die 
Stationshaltcr einen Eber mit Deckerlaubnis er 
werben können. Für Eberstationen werden wieder 
um Ankaufsbeihilfen vergeben. Die Verbandslei 
tung steht zur Unterstützung beim Ankauf gern zur 
Verfügung. 
Prîîfident und Beirat 
der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg. 
Der Reichswirtschaftsminister hat die Amtsdauer 
des Präsidenten der Kammer, Direktor Kahle- 
Flcnsburg, und seiner Stellvertreter Ludwig Car 
stens-Flensburg und Ludwig Schmüser-Husum, für 
das Rechnungsjahr 1936 verlängert. Der Präsident 
hat für 1986 in den Beirat berufen: Direktor Fr. 
Schmidt, Johs. Rerup, Handelsvertreter Adolf 
Hansen, Max Lorenzen, Christoph Gregersen, Hein 
rich Höpner, Heinrich Beyer, sämtlich in Flens 
burg, Heinrich Sander-Kappeln, Banköirektor Hans 
Weser-Schleswig, Wilhelm Henningsen-Breöstebt, 
Matth. P. Jngwersen jr., Niebüll, Hinrich Schade- 
Garding. 
Ueber Ausnahmen von der Marktregelung 
für Rundholz 
veröffentlicht der Rcichsforstmeister im „Reichsan 
zeiger" Nr. 95 vom 24. April 1986 eine Bekannt 
machung, und zwar über die für die Folge während 
des Forstwirtschaftsjahres 1936 (bis 30. September 
1936) genehmigten Abweichungen von den einzu 
haltenden Preisen und Preisspannen. 
Der Verband 
schleswig-holsteinischer Shorthornzüchtervercine 
veranstaltet in Husum am 11. und 12. Mai eine 
Bullenschau, zu der 100 wertvolle Bullen im Alter 
von 9—24 Monaten angemeldet sind. Am Montag, 
dem 11. Mai, findet am Nachmittag die Körung 
statt, und am Dienstag, dem 12. Mai, folgt die 
Bullenschau, mit der eine Prämiierung der Bullen 
verbunden ist. 
Schlachterhaudwerk gegen Aeberpreise beim Einkans 
Tagung der Schlachter-Obermeister der Nordmark in Hamburg. 
Sonntag fand in Hamburg der Obermeistertag 
. e§ Bezirks Nordmark des Schlachterhandwerks 
î Reichsinnungsmeister Willy Schmidt erklärte 
<*.: Die Durchführung der Kontingentierung der 
Schichtungen habe das Fleischer-handwerk in letzter 
wohl am meisten bewegt. Aber im Hinblick 
"uf die schwierige Bersorgungslage und die damit 
"knüpfte erschwerte Lage der einzelnen Schlach- 
, er Mußten Maßnahmen zur Sicherstellung der 
Zutschen Ernährungslage erlassen iverden. Heute 
^ festzustellen, daß alles Gerede von einem Rück- 
^ng der Umsätze, im ganzen gesehen, der wahren 
Tatsache nicht nahekommt, und die ist die: In 11 
"onaten des Jahres 1935 hat sich der Gesanitumsatz 
>otz der Kontingentierung des Schlachtviehs um 
Und 14,6 Prozent erhöht. 
"Ich trage die Verantwortung für die Durchsüh- 
ņng der Kontingentierung, soweit die Innungen 
umit beauftragt sind, und ich werde streng gegen 
~ e boshaften und gleichgültigen Elemente vorzu- 
^hen wissen." Er wisse aber durchaus, daß das 
"sie Gebot im Rahmen der Entwicklung der 
mutigen Marktordnung lautet: Wir müssen zur 
^bedingten Prciswahrheit kommen! Das beginne 
^"eits beim Bauern, im Stall, und führe so hin- 
durch alle Stellen bis zum letzten Verkäufer. 
,c ? eit &er Prämien und Schmiergelder müsse 
^ gültig vorbei sein, wenn nicht letzten Endes 
die Umgehung der festgesetzten Höchstpreise 
d/ ^Staatsautorität leiden solle. Jegliche Erhöhung 
à r Cinkausspreise müsse auf jeden Fall unterbun- 
werden. „Schlachten Sie lieber nichts, als daß 
^'e^Ueberpreise bewilligen und Ihr Geld vcrlie- 
5 tt ' Der Schleudcrer in den eigenen Reihen sei 
à^ŗchaus den Wucherern gleichgestellt und zu ver- 
^ wmen. Hier und da könne man heute schon wie- 
ictzc Elemente am Werk sehen. Damit müsse 
unbedingt aufgeräumt werden! Dann wandte 
a>n Redner den Verknappungserscheinnngen 
^ sŅieh- und Fleischmarkt zu, die immer noch im 
stui ņienhang ständen mit der vorletzten Miß- 
Un& &en kegebenen wirtschaftspolitischen Be- 
6 c( . Utt 9 eit rum Auslande. Wir können nicht jedes 
Selt ^ Quantum an Tieren einführen, daher 
şolà^? seiten der Meistersfrauen und Ge- 
Ģaştsmitglieder, Aufklärungsarbeit zu leisten, 
9eirr. m r ^Eute gerade dieses Flersch und nicht das 
sich "'îşchte im Laden zum Verkauf stehe. Es handle 
ştänä"ņ einen eindrucksvollen Appell an das Ber- 
und die Einsicht des kaufenden Publi 
der a' ferner sollten wir nicht vergessen, daß 
Bauer ebenfalls Opfer bringe, da die 
^mittel zum Teil weit teurer als früher ge 
worden seien. Hätten wir nicht die Kontingentie 
rung und die Marktordnung, wir wären vielleicht 
gezwungen, aus Grund der Knappheit die doppelten 
Preise anzulegen. 
Bezirksinnungsmeister Sturm sagte zur Kon 
tingentierung: Wir müssen versuchen, die gröbsten 
Härten abzuwenden. Es würde aber bedeuten, den 
Sinn dieser Aufbauarbeit in das Gegenteil zu ver 
kehren, wollte man die dem einzelnen Schlachter 
zugemuteten Opfer zu groß werden lassen. In die 
ser Hinsicht ein Wort zur Prciswirtschast im 
Schlachterhandwerk. Es ist ein auf die Dauer un 
möglicher Zustand, bah das Schlachterhanöwerk 
heute noch zu Kleinhandelspreisen verkaufen muß, 
die vor \'A Jahr Geltung hatten, ivo man in der 
Zwischenzeit den Erzeugerkreisen nicht unerheblich 
bessere Preise zugebilligt hat. Die Tätigkeit der sür 
die Preisüberwachung zuständigen Organe kann sich 
nicht darin erschöpfen, nur die Uebertretungen zu 
ermitteln und zur Bestrafung zu bringen. Sie wer 
den ihrer Aufgabe nur dann gerecht, wenn sie den 
übergeordneten Stellen klar zum Ausdruck brin 
gen, daß unhaltbar gewordene Zustände einer Neu 
ordnung bedürfen. — Nachdem herzlicher Beifall 
dem neubestellten Bezirksinnungsmeister gedankt 
hatte, sprach noch Generalsekretär des Reichsstan- 
Die Hauptabteilungen III des Reichsnährstandes 
sowie die Hauptvereinigungen und Verbände sind 
in Goslar zu einer Arbeitstagung zusammenge 
treten. Dr. Körte wies in seiner Eröffnungsan 
sprache darauf hin, daß diese Arbeitstagung dem 
Erfahrungsaustausch dienen und damit die Ein 
heit der Marktordnung vertiefen soll. Sie dauert 
von Montag bis Donnerstag. Am Montagvormit 
tag referierten Bauer Nietfeld-Bcckmann über 
Milchwirtschaft, Bauer Zschirnt über die Getreide 
wirtschaft und Bauer Küper über die Bichwirt 
schaft. Dabei wurde die allen Marktordnungen ge- 
meinsame Idee herausgearbeitet: Schutz des Er 
zeugers und Verbrauchers, geordnete Warenbewe 
gung und -Verteilung: es wurde dargestellt, wie die 
einzelnen Handhaben der Marktordnung (Andie- 
nungspflicht, Kontingentierung, Preisschutz, Fest 
preise bzw. Höchstpreise, Abnahmegarantie, Ver- 
teilerspannen, Kundenstufen, Qualitätsgarantie, 
Vorratswirtschaft usw.) je nach Maßgabe der Ar 
beitsbedingungen auf den einzelnen Gebieten zur 
Anwendung kommen können. Wenn die Marktord 
nung, wie jede zentrale Regelung, notwendig uwt 
des des Deutschen Handwerks, Dr. Schüler. Es sei 
richtig, fuhr Dr. Schüler fort, daß das Fleischcr- 
handwerk ungewöhnlich schwer um seine Existenz 
zu kämpfen habe. Aber man dürfe doch nicht ver 
gessen, daß es auch noch andere Handwerkszweige 
gäbe, die unter der Ungunst.besonderer wirtschaft 
licher Verhältnisse zu leiden hätten. Ohne sich auf 
das schlüpfrige Parkett einer Debatte über die 
Preisgestaltung im Fleischerhandwerk zu begeben, 
könne doch auch von jedem Außenstehenden festge 
stellt werden, baß bei der Neuregelung der Markt- 
verhältnisse das Fleischerhandwerk etwas zu kurz 
gekommen sei. Die zweifellos vorhandene Ueber- 
setzung im Handwerk müsse durch eine planvolle 
und auf lange Sicht gestellte Arbeit gemildert wer 
den. Auch in den eigenen Reihen des Handwerks 
sei noch allerhand zu ordnen und zu erziehen. Einen 
Teil der Handwerkskollegen möchte er als ausge 
zeichnete Gesellen, aber als schlechte Meister be 
zeichnen. Hier gelte es, den Hebel anzusetzen, um 
jedem einzelnen Meister nicht nur das innere Ge 
fühl einer sicheren Führung, sondern auch das gei 
stige Rüstzeug zu verschaffen, das er im Kampf um 
seine Existenz benötigt. Das Gefühl der Verlassen 
heit dürfe bei keinem deutschen Fleischermeister 
aufkommen. Soweit es die Sicherstellung des 
Preisniveaus zuläßt, wird die Führung des Hand 
werks im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand 
versuchen, dem Fleischerhandwerk Erleichterungen 
zu verschaffen. 
Bürokratie und etivas Papierkrieg behaftet ist, so 
muß der sie dirigierende Geist bis hinunter zur 
Kreisbauernschaft doch soviel Beweglichkeit und 
Blick für die praktischen Erfordernisse besitzen, daß 
die in organisatorische oder verwaltungstechnische 
Form gebrachte Idee lebt und zum Erfolge führt. 
Die Voraussetzungen für den landn». 
Arbeitseinsatz 
Die Landesbauernschaft hat mit dem Landesar- 
keitsamt vereinbart, daß bei der großen Nachfrage 
nach Arbeitskräften nur solche Bauern und Land 
wirte zunächst berücksichtigt werden können, welche 
hierfür die nötigen Voraussetzungen geschaffen ha- 
ben. Diejenigen Betriebsführer, denen tm Nahmen 
ihrer betrieblichen und wirtschaftlichen Verhältnisse 
die Beschäftigung verheirateter Landarbeiter und 
Wohnungsbau für sie möglich ist, sich hierzu aber 
trotz aller Aufklärung durch das Arbeitsamt und 
den Reichsnährstand nicht bereit finden, können erst 
in letzter Linie mit Arbeitskräften versorgt werden. 
Zwischenbilanz der Marktordnung in Goslar 
Troß Bürokratie und Papierkrieg genügend Beweglichkeit für die Praxis.
	        
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