Dev Tag in lVavt und Vilö
Die Hochseesegelsportkurse der KdF.
Zur »Jutta" und „Edith" der „Hanseat
NSK. Swinemünde, 2
April.
Zwischen einem fast nächtlichen Start in
Berlin, von dem aus die Gäste des Reichs
presseamtes der Deutschen Arbeitsfront mit
einem kleinen Omnibus nach Swinemünde ab
gelassen wurden, und dem Schreiben dieser
Zeilen liegen 36 Stunden konzentrierten Er
lebens, dargestellt durch die ersten kritischen
Gesichter, als bereits zwischen Prenzlau und
Pasewalk ein unangenehmer Sprühregen un
heilverheißend auf die Straßen niederging,
weiter dargestellt durch eine ausführliche Ha
fenbesichtigung des neuen Schiffes, eine un
ruhige Ausfahrt, die erste Seekrankheit, knap
pe Erholung und nächtliche Heimfahrt in
den schützenden Hafen. „Hanseat", der erste
Dreimastschoner der „KdF."-Hochseesegelflotte
und damit das größte der bereits in Dienst
gestellten Segelschiffe, hat seine Wassertaufe
bestanden und seine Bewährungsprüfung bes
ser abgelegt als die Mehrzahl der mitfahren
den Landratten.
Die erste Frage für den Laien lautet: Wor
um handelt es sich eigentlich'? Kurz beantwor
tet: es handelt sich-um laufende Hochseesegel
sportkurse, die einerseits der Erholung deut
scher arbeitender Menschen dienen und ande
rerseits die Freude am edlen Segelsport wel
ken sollen. Bei den im vorigen Jahre durch das
Sportamt „Kraft durch Freude" mit den Zwei
mastschonern „Jutta" und „Edith" bereits
durchgeführten Kursen wird von den Teil
nehmern etwas verlangt. Sie müssen in Wa
chen eingeteilt, unter Anleitung der auf jedem
Schiffe befindlichen Stammbesatzung anpacken,
Seemannsdienste leisten und sich die Grund
lagen des Hochseesegelsportes oft nicht leicht
erarbeiten. Das ist nicht Erholung schlechthin,
sondern Erholungssport.
Wer nach einem solchen acht- oder vierzehn
tägigen Kursus in die Heimat zurückkehrt, steht
zwar mit Poseidon und Aeolus noch nicht auf
dem Duzfuße, hat aber immerhin die Grund
begriffe des Segelns erlernen können, kann
Piekfall und Klaufall auseinanderhalten und
weiß, daß der Wind zu mehr da ist, als einem
auf der Straße mutwillig den Hut vom Kopfe
zu blasen. Und das ist für den Anfang schon
etwas wert. Der erste, mit zwei kleinen Schif
fen für je 20 Mann Besatzung tastend begon
nene Versuch des Vorjahres hat nunmehr die
Indienststellung eines dritten größeren Schif
fes notwendig gemacht. Der „Hanseat", den wir
auf seiner sportlichen Jungfernfahrt begleite
ten, ist zwar kein Neuling auf dem Wasser,
mußte aber, nachdem er in früheren Jahren
als Frachtschiff für Dänemark gefahren war
und später privaten Luxuszwecken diente, eine
völlige und gründliche Umarbeitung für die
Schulzwecke von „Kraft durch Freude" über
sich ergehen lassen. Auf seiner ersten kurzen
Reise mußte er mehrere Dinge beweisen: daß
er räumlich den an ihn gestellten Anforderun
gen genügt, daß er seetüchtig und ausreichend
navigationsfähig ist, daß er bei jedem mög
lichen Wetter mit einer kleinen Stamm
besatzung von sechs Mann und mit Hilfe un
geschulter Kräfte segeln kann.
Die erste Bedingung ist vorbildlich gelöst.
Zwei große Schlafrüume sind in der Lage, etwa
60 Mann aufzunehmen, ohne daß einer auf
den anderen tritt. Zwei Messen bieten genü
gend Raum, die Mahlzeiten zu verabfolgen
und in den Ruhepausen einen anständigen
Skat hinzulegen, wenn man es nicht vorzieht,
an Deck zu bleiben. Mit einer Länge von 40
und einer Breite von 8 Meter stellt das schnit
tige Schiff eine großartige Lösung für den
gedachten Zweck dar. Es ist möglich, unter Auf
sicht der zünftigen Seemänner die üblichen
Manöver durch ungeschulte Kräfte vornehmen
zu lassen. Wir alle bekamen einen kleinen Vor
geschmack von den Schwierigkeiten des See-
mannsüerufes, als wir bei recht unruhiger
See vor der Hafenausfahrt in Swinemünde
mit mißvergnügtem Magen aus Leibeskräften
Segel setzen halfen. Je vier bis fünf Mann
hingen, bei jeder Bewegung heftig schwankend,
an den dicken Falls (wie man seemännisch die
Stricke zum Hissen der Segel betitelt), um die
Segelfläche von 440 Quadratmeter vorschrifts
mäßig an den Wind zu bringen. Leicht geschun
dene Handflächen und heftig keuchender Atem
waren dabei keine besonderen Erscheinungen.
Der „Hanseat" hat zum ersten Male mit
Landratten an Bord der See „Guten Tag"
gesagt. Mehr wurde von ihm und von uns
nicht verlangt. In Kürze wird er deutsche Ar
beiter hinaustragen in die Ostsee und nach
Dänemark, wird Freude am seemäßigen Sport
erwecken und gerade durch die sportliche Kör
perbetätigung auf dem Wasser Kraft vermit
teln. Weitere Schiffe werden in Dienst gestellt,
um diese immer beliebter werdende Urlaubs
gestaltung vermitteln zu können. Das Sport
amt „Kraft durch Freude", der Veranstalter
dieser Fahrten, hat einen guten Griff getan.
Der kurze, eigentlich nur der Instruktion und
Prüfung dienende Besuch auf der Ostsee ist zur
vollen Befriedigung aller Beteiligten abge
laufen.
Furchtbare Gasexplosion am Alexanderplatz zu Berlin.
Ein Blick in den Hof des Hauses am Alexanderplatz zu Berlin, das
in der Nacht zum Sonntag der Schauplatz einer furchtbaren Gas
explosion war, die der Hausverwalter als Racheakt gegen die Besitzer
des Hauses herbeigeführt hatte. Es ist als ein Wunder zu bezeichnen,
daß das Haus nicht gänzlich einstürzte und die in ihm wohnenden
100 Menschen unter sich begrub. (Weltbild, K.)
Ein Lieferwagen in Flammen.
ZMi kUwh Mein.
Auf der Reichsstraße zwischen Wiedenbrück
sind Lippstadt im Münsterland kam es zu
einem furchtbaren Kraftwagenunglück. Ein
Fernlastzug aus Hannover wurde von einem
Halbtonner-Lieferwagen seitlich mit derartiger
Wucht angefahren, daß der Lieferwagen fast
senkrecht auf dem Kühler des Lastzuges stand.
Beim Zurückfallen geriet der Lieferwagen in
Flammen. Der Fahrer, der Händler Rum-
meni, sprang, einer lebendigen Fackel gleich,
auf die Straße. Sein Vater konnte nur unter
großen Schwierigkeiten aus dem brennenden
Wagen geborgen werden. Rummeni Vater
und Sohn wurden in nahezu hoffnungslosem
Zustand in ein Krankenhaus eingeliefert.
* * *
SMZMWe. — Gtirunfea.
Auf der Oberaller, in der Nähe der Lachte-
münöung, kenterte ein Paddelboot, das mit
zwei Unteroffizieren der Garnison Celle be
setzt war. Einer von ihnen ertrank, seine Lei
che konnte bislang nicht geborgen werden.
Am Sonntag ist ein Maschinenbauer aus
Finkenwärder in der Elbe ertrunken. Er hatte
mit seinem Freund von Finkenwärder aus
eine Bootsfahrt gemacht. Plötzlich kenterte das
Boot, wahrscheinlich infolge einer heftigen
Bö, und beide stürzten ins Wasser. Ein in der
Nähe mit seiner Segeljacht kreuzender Kauf
mann aus Stade konnte einen der Verun
glückten retten, während der andere im Was
ser versank und ertrank.
Nach der Rettung ans der Wüste.
Das erste Bild von der Errettung des deutschen Gesandten in
Kairo, v. Stohrer, der auf einer Autofahrt in die Wüste mehrere
Tage lang verschollen war, bis er schließlich von englischen Fliegern
in der Nähe der Oase Baharia aufgefunden und geborgen wurde:
v. Stohrer dankt seinen Rettern. Weltbild, K.)
Bier Kinder getötet.
Mailand, 27. April. Ein Kraftwagen, in
dem sich fünf Personen befanden, raste mit
voller Geschwindigkeit in den Ort Calnsco
d'Adda in der Nähe von Bergamo und über
fuhr ein Kind, das sofort getötet wurde. Durch
diesen Unfall verlor der Lenker des Wagens
die Herrschaft über das Fahrzeug, das gegen
ein Haus geschleudert wurde, vor dem eine
Gruppe Kinder spielte. Drei siebenjährige
Kinder waren auf der Stelle tot, die übrigen
Kinder und eine Frau kamen mit Verletzun
gen davon.
- * *
Stand im ßsüjetget HĢMmàngs-
grbäà
In dem großen Gebäude der Hafenverwal
tung in Esbjerg entstand am Sonntagnach
mittag ein Feuer, das erheblichen Schaden an
richtete und den größten Teil des mehrstöcki
gen Verwaltungsgebäudes zerstörte. Mehrere
Handwerker, Hie im ersten Stockwerk und auf
dem Boden beschäftigt waren, gerieten in
Lebensgefahr und konnten nur unter größten
Anstrengungen von der Feuerwehr in Sicher
heit gebracht werden. Der Brand war durch
eine explodierende Lötlampe im untersten
Stockwerk ausgebrochen.
• . *
LêàMM smhî den M in der yordsee.
DNB. Norddeich, 27. April. Am Sonntag
wurden an zwei verschiedenen Stellen des
Nordüeicher Strandes die Leichen eines etwa
30- bis 40jährigen Mannes und einer Frau
angetrieben, außerdem ein ertrunkener Hund,
der anscheinend zu den beiden Menschen gehört
hat. In der Nähe der Fundstelle wurde ein
neuer herrenloser Opelwagen gefunden. Er
mittlungen ergaben, daß es sich bei den Toten
um den Studienassessor Dr. Jonas aus Wup
pertal und eine Frau aus Aachen handelt.
Beide hatten sich ans Meeresufer gesetzt,
gemeinschaftlich Gift genommen und dann von
der aufkommenden Flut wegtreiben lassen.
Später sind sie durch die Meeresströmung
wieder an den Strand getrieben worden. Es
konnte festgestellt werden, daß das Paar vor
seinem Tode mehrere Tage lang in einem
Hotel in Norden gewohnt hatte, wo sich der
Mann als Kaufmann Müller ausgab. Da das
Paar nicht verheiratet war, ist es anscheinend
aus unglücklicher Liebe in den Tod gegangen.
Das ist auch aus gefundenen eigenen Gedich
ten zu entnehmen, in denen vom Scheiden aus
dem Leben die Rede ist.
« . *
Familientragödie in Hannover-Wülfel.
In Hannover-Wülfel hat sich am Sonntag-
vormittag eine furchtbare Bluttat zugetragen.
Der etwa 28jährige verheiratete Schmied Sille
verließ vormittags gegen 11 Uhr seine Woh
nung und kehrte bald darauf mit einem Messer
zurück. Mit diesem Messer schnitt er seiner
Mutter, einer Witwe, den Hals durch. Bei
seiner Frau versuchte er dasselbe, doch brachte
er ihr nur eine gefährliche Schnittwunde am
Hals bei. Sille selbst machte seinem Leben
ebenfalls durch einen Schnitt in den Hals ein
Ende. Die beiden Frauen wurden sofort in
das Henriettenstift eingeliefert, wo die Muttei
Silles bald starb. Der Grund zu dieser schreck
lichen Tat dürfte in Familienzwistigkeiten zu
suchen sein..
* K *
„Gms Zêppàs" 2. Ş'àMMschrļ.
DNB. Friedrichshafen, 27. April. Das Luft
schiff „Graf Zeppelin" ist am Montag um 19.25
Uhr zu seiner zweiten diesjährigen Südameri
kaführt bei regnerischem Wetter gestartet. Die
Führung hat sein Kommandant, Kapitän
von Schiller, übernommen. An Bord befinden
sich 20 Fahrgäste, außer Deutschen Engländer,
Australier, Brasilianer, Argentinier u. Fran
zosen. Das Luftschiff wird wiederum die nörd
liche Route über Holland einschlagen. An Bord
werden 400 Kilogramm Fracht befördert.
* * *
Sie große HuàMsMîung in
Die dritte Reichs sieger-Ausstellung des
Reichsverbandes für das deutsche Hundewesen,
die eine große Zahl Hundezüchter und -freunde
aus allen Teilen des Reiches und zahlreichen
europäischen Staaten nach Köln brachte, hatte
einen außerordentlich großen Erfolg. 32 000
Ausstellungsbesucher gingen an den beiden
Tagen durch die Sperre. Im letzten Ausschei
dungskampf wurde der Bernhardiner Cham
pion Banjo v. d. Baerenau zum besten Hund
der Ausstellung erklärt. Er gewinn den gro
ßen Preis des Führers und Reichskanzlers
Adolf Hitler. Als zweitbester Hund der Aus
stellung erhielt der Chow-Chow Champion
Hussar of Chungking den Ehrenpreis des Re
gierungspräsidenten von Köln.
* * *
Die Strandung der „Herzogin Cäcilie".
Ericsöns poch.
Zur Strandung des größten Segelschiffes der
Welt, der „Herzogin Cäcilie", an der Südküste
Englands wird noch mitgeteilt, daß die in
Deutschland erbaute und zuletzt unter finni
scher Flagge fahrende Bark am Donnerstag als
Siegerin des Rennens der großen Weizenscg-
ler von Australien in Falmouth angekommen
war. Sie war mit einer Reise von 86 Tagen
nahe an den Rekord der deutschen Bark
„Parma" herangekommen und hätte ihn viel
leicht unterboten, wenn sie nicht bei den Azoren
und am Eingang des Kanals schlechtes Wetter
angetroffen hätte.
Die Bark hat im ganzen achtmal das Weizen
rennen von Australien gewonnen, einmal mit
einer Zeit von 79 Tagen. Sie gehörte dem
Finnen Ericson, dem Vater ihres Kapitäns,
dessen letzte Reise mit ihr gleichzeitig seine
Hochzeitsreise war. Da sie nicht versichert ist,
verliert Ericson sein wertvollstes Besitztum-
Zur Zeit des Unglücks lief sie mit vollen Se
geln vor dem Winde. Der Mann am Ruder
hatte gerade darauf aufmerksam gemacht, daß
der Kompaß nicht in Ordnung sei, als sie auf
den Felsen auflief. Die Mannschaft versuchte
sofort die Segel einzuziehen, aber der starke
Wind trieb das Schiff auf die felsige Küste auf-
ĶWTAS Moşi
Der englische Frachtdampfer „St. Quentin
befindet sich in der Nähe der Neufundland-
bänke in Seenot. Die deutsche „Bremen" unter
brach ihre Heimreise und eilt dem Engländer
zu Hilfe. Auch der norwegische Dampfer
„Jvanhoe" ist in Seenot. Schwere Stürme
herrschten in den letzten Tagen bei den Neu
fundlandbänken.
Der Magdeburger Domchor hat in Kopew
Hagen eine zehntägige Konzertreise durch
Dänemark erfolgreich abgeschlossen. Die Reist
führte von Tondern über Hoyer, Lügumkloster,
Sonderburg, Apenrade und Hadersleben nach
Dänemarks Hauptstadt.
Das Schwarzwalddorf Tunau bei Schönall
wurde von einem Grotzfener heimgesucht. Drei
zehn etwa 150 bis 200 Jahre alte Häuser, Mst
Stroh und Holzschindeln gedeckt, sowie das
Schulhaus wurden im Verlauf einer Viertel
stunde ein Raub der Flammen. Der Wirst
trug das in einer Scheune inmitten des Dor
fes entstandene Feuer mit unheimlicher Ge
schwindigkeit weiter. Der Schaden wird am
260 000 Mark geschätzt. Vor 10 Jahren sind ill
Schönau 26 Gebäude abgebrannt.
In Newyork trafen 169 Offiziere und Kadet
ten von der Besatzung des Kreuzers „Erudell
zu zweitägigem Besuch ein.
In Dungarvan in Irland wurde ein junlstr-
von einem Ball heimkehrender Mann von dell
Insassen eines Kraftwagens angehalten şş
erschossen.
Die argentinische Stadt Mendoza und şş'
gegend wurde von schweren Wolkenbrüchr»
heimgesucht. Die Weinberge sind völlig ver
wüstet. Ein kleines Mädchen ertrank.