Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Mit zwei Zentnern dnrch den Weltkrieg 
(12. Fortsetzung.) 
Schnelles Wachwerdcn war man gewohnt, 
und so dauerte es kaum eine Minute, 
und Roß und Reiter waren im Freien. 
Der Kursaal wackelte wirklich, und nur 
der Geistesgegenwart zweier Kanoniere 
war es zu verdanken, daß kein Unglück ge 
schah. Beim ersten verdächtigen Knarren hat 
ten die Trefflichen die Pferde losgemacht und 
sogar außen den Bau mit zwei Balken abge 
stützt. Als dann alles draußen war, krachte 
doch der ganze Saal zusammen. Zuerst konn 
ten wir uns Das Unglück nicht erklären, 
schließlich aber merkten wir, daß unsere dreißig 
Rösser den Bau mit ihren Halteriemen um 
geschaukelt hatten. Aus dem wüsten Trüm 
merhaufen tauchte, nachdem sich der Staub 
verzogen hatte, der bis dahin nicht vermißte 
Doktor mit seinem treuen Roß am Zügel auf. 
Er hatte von unserem nicht gerade ruhigen 
Auszug nichts gemerkt und war auch durch den 
Lärm des Einsturzes noch kaum richtig wach 
geworden. Sein Schlaflager in einer geschütz 
ten Ecke der Empore hatte Manu und Roß vor 
dem Verderben gerettet. Da der Kursaal nun 
zu nichts anderem mehr zu verwenden und die 
Nacht kalt war, zündeten wir seine traurigen 
Reste an. Die übrige Batterie war am anderen 
Morgen sehr erstaunt, statt eines Kursaals 
ein gemütliches, wenn auch etwas großes 
Lagerfeuer zu entdecken. 
Durch allzu militärische Haltung kann ein 
Unglück passieren, ohne daß der Soldat etwas 
dafür kann. Gemütlich trottete ich mit meinem 
Roß am Zügel iiber eine schmale Brücke, die 
eine Schlucht überquerte. Ich war noch nicht 
am anderen Ende angelangt, als ein höherer 
Vorgesetzter von mir etwas Wichtiges wissen 
wollte. In strammster Haltung gab ich ihm in 
längerer Rede Aufschluß. Mein Pferd, dem 
dies zu langweilig wurde, fing hinter mir zu 
tänzeln an. Der höhere Vorgesetzte aber, der 
mich plötzlich mit lauter Stimme darauf auf 
merksam machte, ich solle mich so rasch als mög 
lich nach meinem Gaul umdrehen, kam mit 
seinem Befehl schon zu spät. Mein Gaul, das 
„Sofa", war über die Brücke hinausgetreten 
und hing nur noch mit den Vorderbeinen 
an den äußersten Balken. Mein Versuch, das 
Roß noch an den Ohren festzuhalten, glückte 
nicht, und bevor mir recht zum Bewußtsein 
kam, was eigentlich geschehen war, lag das 
arme Tier, ohne sich rühren zu können, unten 
in der Schlucht. Mein Abstieg zu ihm war gar 
nicht leicht, und ich wollte ihm schon den Gna- 
Erirrnerungen eines Optimisten. 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1935 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. 
denschuß mit meiner Pistole geben, als hinter 
mir ein verschmitzter serbischer Bauer auf 
tauchte, der gemütlich die brennende Zigarette 
aus dem Mund nahm und sie seelenruhig dem 
halb ohnmächtigen Gaul in die Nüstern steckte. 
Der Erfolg war spontan. Mit einem fast zwei 
Meter hohen Satz sprang mein sonst so phleg 
matisches „Sofa" in die Höhe und stand wie 
der gesund und weiter wie zuvor auf allen 
Vieren. Nur ein kräftiges Niesen erinnerte 
noch einige Tage an die Roßkur, die es mitge 
macht hatte. 
Immer weiter ging es nach Süden, den 
Wardar entlang. Bei Veles, einem malerisch 
über dem Fluß gelegenen Städtchen, bogen wir 
nach Westen ab in der Richtung nach Jstip. Die 
Gegend muß schon im Frieden keine angeneh 
me gewesen sein, denn man konnte hier nur 
unter starker Deckung von Gendarmen reisen, 
die ihre Schützlinge manchmal sogar unver 
sehrt nach Jstip gebracht haben sollen. Vor dem 
Weltkrieg hatten dort jahrelang die Balkan 
kriege gewütet, und zwar gründlich. Ich wurde 
wieder einmal zum Quartiermachen ausge 
schickt. Nicht weniger als siebzehn Ortschaften 
waren uns als Unterkunft angewiesen. Alles 
freute sich, endlich wieder fiir sich hausen zu 
können, es gab aber eine Enttäuschung. Von 
den siebzehn Dörfern stand bloß noch eines 
und auch das nur halb, die anderen waren 
restlos vom Erdboden verschwunden. So war 
man schließlich froh, nach einem langen 
Marsch über Jstip wieder in stärker besiedelte 
Gegenden zu kommen. 
In Piepercvo kamen wir ins Quartier. Es 
war ein gänzlich verlaustes und verwanztes 
Nest, das zur Hälfte von Türken und zur 
Hälfte von Bulgaren bewohnt wurde. Das 
Quartier, das der Batteriestab bezog, war ein 
türkischer Bauernhof. Der Hausherr hatte sich 
mit seiner Familie in die große Stube im 
Erdgeschoß zurückgezogen. Im ersten Stock 
unter dem Dache aber hausten wir. Der Raum 
war überaus malerisch. Der Boden bestand aus 
eng aneinandergereihten Knüppeln, zwischen 
die Lehm gestampft war. Wer Lust hatte, konn 
te sich mit dem Finger ein Aussichtsloch in den 
Harem des Herrn Türken bohren. Die Decke 
und die Wände bedeckte uralter Dreck und Nuß. 
Von außen führte zu dieser Behausung nur 
eine hühnerleiterähnliche Treppe. Wir hatten 
uns auf einen Aufenthalt von wenigen Tagen 
gefaßt gemacht, es wurden aber mehrere Wo 
chen daraus. Rotz, Räude und Brustseuche such 
ten unsere Rösser heim, so daß wir in Quaran 
täne kamen. Ein regelrechter Spitaldienst 
wurde für die armen Tiere eingerichtet. Trotz 
dem mußten noch manches Pferd und mancher 
Reichsautobahnabschnitt Halle—Leipzig freigegeben. 
Immer weiter schreitet das Werk der Reichsautobahnen, das gewaltige Werk des 
Führers, fort. Eröffnung folgt auf Eröffnung. Jetzt ist auch die 27 Kilometer lange 
Strecke zwischen den beiden Großstädten Halle und Leipzig fertiggestellt. General- 
inspekteur Dr. Todt (im 1. Wagen am Steuer) nahm selbst die Freigabe der Straße 
vor. (Pressephoto, K.) 
Esel erschossen werden. Auch die Mannschaft 
hatte viel durch ortsübliche Krankheiten zu 
leiden. Das Wardarfieber, die Ruhr und an 
dere liebliche Gebrechen plagten uns sehr. Ich 
bekam die Gelbsucht und magerte langsam 
zum Skelett ab. Weil ich aber fieberfrei war, 
glaubte mir unser junger Doktor, der kaum 
erst sein Physikum hinter sich hatte, meine 
Krankheit nicht und behandelte mich als Si 
mulanten. Als mich dann der Herr Haupt 
mann nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub 
wieder sah, erschrak er so über mein Aussehen, 
daß er mich dem Abteilungsarzt übergab, dessen 
Mittel ebenfalls vollständig versagten. Ich war 
verzweifelt und sollte schon ins Lazarett nach 
Nisch überführt werden, als mir unerwartet 
Hilfe kam. Der deutschsprechende Mufti eines 
benachbarten Städtchens braute mir aus un 
reifen Zwetschgen, Essig und Honig einen ab 
scheulichen Trank zurecht. Er hat mir beinahe 
die Eingeweide zerrissen, aber nach einer 
Stunde funktionierte der drei Wochen verstopf 
te Darm schon zum ersten Male wieder, und in 
einigen Tagen war ich soweit hergestellt, daß 
ich wieder Dienst machen konnte. 
Das abendliche Meldereiten von unserem 
Quartier nach dem fast zwanzig Kilometer ent 
fernten Jstip, wo der Divisionsstab lag, be 
gann wieder. Daß diese Dauerritte auf den 
knietief aufgeweichten Straßen ein Genuß ge 
wesen wären, läßt sich nicht behaupten. Trotz 
dem aber ritt man gerne dorthin, denn Jstip 
war eben doch eine Stadt, wo man sich Genüsse 
verschaffen konnte, die es im Türkendorf nicht 
gab. Man konnte sich zum Beispiel in Hammel 
fett gebackene Kuchen kaufen, es gab Kartoffeln, 
die sonst in Serbien sehr rar waren, vor allem 
bekam man einen feingeschnittenen Tabak von 
unbeschreiblicher Güte. Ein besonderer Genuß 
war, wenn man einmal einen ganz freien Tag 
hatte, der Besuch eines kleinen türkischen Ba 
des vor der Stadt, das von heißen Quellen ge 
speist wurde. Hier traf sich hoch und nieder ohne 
Unterschied und ohne Badehose. Die Stimmung 
in dem überwölkten, durch ein blaues Fenster 
magisch erleuchteten Badebassin war immer 
überaus fröhlich. Aller erdenkliche Unfug wur 
de getrieben. Man bespritzte sich mit dem hei 
ßen Wasser und tauchte sich auch gelegentlich 
beim lustigen Raufen kräftig unter. Beson 
ders fröhlich war ein uralter Landsturmmann, 
der alle Ausgelassenheit über sich ergehen ließ,' 
man konnte ihn anspritzen und tauchen, soviel 
man wollte, er blieb trotzdem quietschvergnügt 
wie ein alter Seehund. Ich wäre gern mit ihm 
nach dem Bade in die Stadt zurückgegangen, 
es ging aber leider doch nicht, denn als er spä 
ter angekleidet aus der einzigen vorhandenen 
Kabine heraustrat, war es unser neuer Divi 
sionär. 
«Fortsetzung folgt.» 
Ein Sang non Treue und Liebe 
Roman von Leontine v. Winterfeld-Platen 
16) Nachdruck verboten. 
So schritt er wie ein Jäger, der reiche Beute 
fand, zur Burg hinab. In der Halle war noch 
immer lautes Lärmen und Becherklingen von 
den Zechenden. Davon wurde Sigrun endlich 
wach. 
Sie rieb sich erstaunt die Augen und wußte 
nicht, wo sie war. 
Er stellte sie behutsam nieder wie ein zer 
brechliches Werk, vor Helges Tür. Dann zog 
er eine Handvoll Kräuter aus seinem Wams. 
„Das gab mir der Alte vom Berge. Du sollst 
die Kräuter auspressen mit deiner Hand und 
den Saft träufeln lassen auf die Lippen des 
Wunden. Dann wird er genesen." 
Ein Leuchten ging über ihr Gesicht und sie 
griff mit beiden Händen nach dem Krautwerk. 
„Die Götter wollen es dir lohnen, Olaf, was 
du an mir getan! Ich will nun gleich hinein 
zu Helge und ihm geben davon." 
Und sie stieß leise die Tür zu Helges Kam 
mer auf und beugte sich über sein Lager. 
Ta preßte Olaf die Lippen zusammen, wandte 
sich kurz und ging der Halle zu. 
Ein wilder Jubel und ein lautes Fragen 
empfing ihn. 
Die Fackeln waren erloschen an den Wän 
den und die Morgensonne lachte golden durch 
die hohen Bogenfenster, durch die man weit 
hinaussah auf das blaue Meer. Metkrüge stan 
den und lagen in wüster Unordnung auf dem 
schweren Eichentisch. Aber aufrecht saßen noch 
alle Mannen in wilder Fröhlichkeit um Biörn 
Glutauge. 
Der sagte lächelnd zu seinem Sohn: 
„Wo weiltest du so lange? Und auch Sigrun 
haben wir nimmer gesehen unter uns." 
Olaf setzte sich schwer neben seinen Vater 
und griff gierig nach dem vollen Metkrug, 
denn er war durstig geworden. 
„Sigrun ist bei dem kranken Helge und ich 
war oben in den Bergen und grüßte die Hei 
mat." 
Einer von den heimgebliebenen Mannen hob 
sich schwerfällig vom Stuhl und reckte den 
Humpen gegen Olaf. 
„Und ich grüße dich, Olaf Sonnenschein, der 
du so lange fern sein mußtest von uns!" 
Da sprangen sie alle von ihren Sitzen und 
hoben die schweren Humpen gegen ihn. 
Und die Morgensonue fiel golden durch die 
Fenster und rankte eine Königskrone um sein 
lockiges Haupt. 
Ein Kampf stand in seinem schmalen, festen 
Gesicht. Er blickte ringsumher und sah die 
Treue der Mannen aus ihren Augen leuchten. 
Und sah den alten Vater gebeugt auf dem 
Hochsitz, der voll Stolz und Freude emporsah 
zu seinem Sohn, dem endlich Heimgekehrten. 
Da griff ihm die Heimat ans Herz, daß der 
Humpen zitterte in seiner starken Hand. 
Aber er sah die Sonne steigen und wußte, 
wo sein Weg ging. Und hob sich langsam und 
steil von seinem Stuhl, daß ihn alle sehen konn 
ten. Als er die Hand reckte, ward ein großes 
Schweigen ringsum. 
„Nordmänner, euch allen bin ich die Wahr 
heit schuldig. Ihr frohlockt über Olaf Biörn- 
svhns Heimkehr. Aber der hier vor euch steht, 
ist kein freier Mann mehr. Ich und meine 
Mannen sind Gefangene der Fürstin Julia 
von Sizilien. Für zwölf Stunden Rückkehr in 
die Heimat hat sie uns freigegeben. Wir haben 
nicht lange mehr Frist. Dann müssen wir das 
Drachenschiff wenden und wieder gen Süden 
fahren." 
Es war eine große Stille, die seinen Worten 
folgte. Die andern, die daheim geblieben wa 
ren. schüttelten die Köpfe und konnten es nicht 
fassen. Bis Biörn Glutauge zornig an sein 
Schwert schlug und polterte: 
„Ich meinte, ihr wäret entflohen wie Helge 
und ich. Freiwillig ließ das Weib euch fahren? 
So soll sie ihre Torheit mit dem Nachsehen 
büßen!" 
Olaf sah still zu dem Alten hinüber. 
„Ich gab mein Wort, Vater." 
„Heute achte ich dein Leben mehr, mein Kind, 
und entbinde dich deines Wortes." 
„Du hast es mich sonst anders gelehrt, Vater. 
Das Wort soll noch höher stehen als unser 
Leben." 
Der Alte lachte hohl. 
„Ja, wenn du es einem Krieger gabst. Einem 
Schwertmann, so wie ich und du. Aber dies 
Weib ist es nicht wert. Dies Weib ist eine 
sittenlose Dirne, die in unserm reinen Nord 
land nicht sitzen dürfte an meinem Tisch. Die 
nimmer »veiß, was gut und böse ist." 
„So wollen wir es sie lehren, Vater." 
Die Augen des Alten glühten. 
„Aber nicht um den Preis. Dazu ist mir 
mein Kind zu schade." 
Olafs Mund preßte sich zusammen, fest und 
lvillensstark. 
„Mensch ist Mensch, Vater. Sie soll wissen, 
was Worthalten und Treue heißt bei uns. Ich 
fahre zurück." 
Da sprang Biörn Glutauge auf. 
„So befehle ich euch, daß ihr diesen meinen 
Sohn bindet, weil er wahnsinnig ward." 
Aber es rührte sich keiner von den Mannen. 
Und Olaf legte weich seine Hand auf des 
Vaters Schwertarm. 
„Mache es mir nicht so schwer, Vater. Hast du 
mir nicht schon in der Wiege das Wort vorge 
sprochen: Worthalten ist nötiger als Atem 
holen? Sollen die da unten im Südland mit 
Fingern auf uns zeigen? Sollen wir auch 
schwach und feige sein, »veil jene Südländer 
es sind? Treue bis zum Tode, Vater. Treue 
gegen sich selbst. Und ich scheue den Tod nicht. 
Denn er komint von den Göttern." 
Groß und ruhig hatte es Olaf gesagt. Und 
sie alle mußten ihm recht geben. 
Da wurde jäh die Tür aufgestoßen und 
Sigrun kam herein. 
Sie ging leichten frohen Ganges und ihre 
Augen lachten wie Sonne im Sommer. 
„Helge lebt! Helge wird besser! Es ist das 
Blut zurückgekehrt in seine bleichen Wangen. 
Und seine Lippen baten uns um Speise." 
Ehrfürchtig wichen die Mannen vor ihr zu 
rück und machten ihr Platz. Denn sie ivollte zu 
Olaf. 
Und in grenzenlosem Glück griff sie nach sei 
nen Händen und legte sie an ihre Wange. 
TßlUfCOUMglMl AmssttşH 
MAGGIS Würze und achten Sie genau darauf, daß Ihr Fläschchen 
aus der großen MAGGl-Originalflasche gefüllt wird. In dieser 
darf nach dem Gesetz nichts anderes feilgehalten werden als 
MAGGI 5 WURZi 
„MAGGI" iss nicht eine allgemeine Bezeichnung für Suppen 
würze, sondern die gesetzlich mehrfach geschützte Fabrik 
marke für alle MAGGl-Produkte. — Achten Sie auch auf die 
typische Form der Flasche und auf die gelb-roten Etiketten. 
„Das danke ich dir, Olaf Sonnenschein." 
Er riß seine Hand zurück wie in jähem 
Schreck. Und über sein Gesicht sprang eine 
tiefe Röte. 
„Ich tat nur, »vas ich konnte, Sigrun. Es 
freut mich — ja — daß du so glücklich bist." 
Er sagte es stockend, ruckweise — so, als 
mache ihm das Sprechen Schmerzen. Aber fester 
faßte Sigrun seine Hand und rief hallend zu 
rück in den Saal: 
„Ach, Mutter Inge, komm eilends herbei und 
gib mir mein Wort frei! Daß ich es allen 
künde, wer Helge Harthand sei!" 
In der offenen Hallentür erschien die weiß 
haarige Alte, der die Tränen der Freude über 
die runzligen Wangen liefen. 
„Wir geben dir dein Wort frei, Sigrun 
Goldhaar! Die Götter wollen es so. Wir zeu 
gen die Wahrheit." 
Da trat Sigrun an den Tisch, mitten unter 
die rauhen und wilden Nordmänner, die voll 
Ehrfurcht emporsahen zu ihr. Und wie Silber 
klang ihre klare Stimme durch den Saal. 
„Männer von Nordland, Helge Harthand ist 
kein Fischerkind! Knut und Inge fanden ihn 
als Strandgut. Ein Königskind ist Helge Hart- 
hand. Von Biörn Glutauge gefordert als 
Geisel vom Jrenkönig, den Biörn besiegt." 
Sie hält inne im Sprechen, ihre Wangen 
glühen. 
Erstaunt sieht Olaf sie an. 
„Vom Jrenkönig? Von deinem Vater?" 
„Ja, Olaf. Helge Harthand ist mein Bru 
der." 
Brausender Jubel der Mannen wogt durch 
die Halle. 
Und Sigrun sagt weich, die Hände auf Olafê 
Arm gelegt: 
„Sieh, Olaf, darum war er mir so lieb, daß 
ich dich um sein Leben bat. Denn ich wußte es 
schon lange, daß er mein Bruder ist. Aber 
Inge hatte es mir verboten, zu sagen, weil sie 
Angst hatte, den Sohn zu verlieren. Aber ich, 
Olaf, ach, ich war so glücklich, daß ich einen 
Bruder haben sollte. Und heiß sprach in mir 
die Stimme des Blutes, die mich hinzog zu 
ihm." 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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