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129. Jahrgang
129. Jahrgang
Renüsburger TagebloL
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Eden-Erklärung zum denļschen
Friedensplan.
DNB. London, 2. April. Wie Minister
präsident Baldwin im Nnterhans mitteilte,
hofft Außenminister Eden, am Freitag um 11
Uhr eine Erklärung über den deutschen Fric-
densplan abgeben zu können.
Jugend im neuen Staat
In den Führertagungen der einzelnen Ge
riete der Hitler-Jugend wurde vom Reichs-
tugenöführer Baldur von Schirach und
von seinem Stellvertreter Hartmann Lau
ter b a ch immer wieder auf die Neugruppie-
rung der Jugend im nationalsozialistischen
Staat hingewiesen. In seiner bekannten Neu
lahrsbotschaft hat der Reichsjugendführer das
-aahr iggg das „Jahr des Jungvolks" be
zeichnet. Damit ist die Linie der nächsten Ent
wicklung gegeben. Es kommt jetzt erst einmal
varans an, die gesamte deutsche Jugend zwi
schen 10 und 14 Jahren in der Organisation
hes Jungvolks zusammenzufassen, nicht etiva
ttls einer Zwangsorganisation, sondern wie
es bisher auch gewesen ist, in einem freiwilli
gen Bunde. Der Weg bis dahin sollte nicht
allzuweit sein, denn vielerorts ist die Jugend
dieser Altersklassen schon nahezu vollständig
erfaßt, sic ist freiwillig gekommen, wie sie
auch weiterhin freiwillig kommen soll. Für
alle die Jugendlichen wird es ohne Zweifel in
Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein, das
Kleid des Jungvolks zu tragen.
Der Weg geht aber noch weiter. Nach den
von der Reichsjugenüführung gefaßten Plänen
soll in Zukunft die Hitler-Jugend, die be
kanntlich die Organisation der Jugendlichen
zwischen 14 und 18 Jahren ist, zu einer be
sonderen Auslese der Jugendlichen ausgebaut
werden. Gedacht ist das so, daß diejenigen,
vie sich vier Jahre lang im Jungvolk bewährt
haben, in die Hitler-Jugend aufgenommen
werden können. Alle anderen sollen in der
ueuen Staatsjugenö zusammengefaßt werden,
^ie Hitler-Jugend stellt das Sammelbecken
Uir die Nachwuchs-Kräfte der Partei dar, denn
^n Zukunft werden voraussichtlich nur Mit
glieder der HI. in ihrem 18. Lebensjahr in die
Partei aufgenommen werden. Die Staats-
lugenü andererseits wird selbstverständlich
Wenfalls unter der Führung der Hitler-Ju-
«end stehen, so daß für die Zukunft eine ein
heitliche Erziehung der gesamten deutschen
äugend im nationalsozialistischen Geist ge
währleistet ist. Das ist in großen Umrissen der
heue Plan, dessen praktische Ausgestaltung
hach nicht festgelegt ist, da ja eine so wesent-
llche Umwälzung nicht von heute auf morgen
geschehen kann, soll sie Wert für die Zukunft
haben.
Bei der Betrachtung dessen, was sich ans der
angekündigten Neuregelung ergibt, muß man
r. W s? n Şatz des Reichsjugendführers voran
stellen, den er erst kürzlich auf der Berliner
Mihrertagung aussprach. Er lautet: „Die neue
Organisation sdie Staatsjugend) wird in ih-
ver Zusammensetzung nicht minder wertvoll
lern als die Hitler-Jugend, ö. h. der Junge,
ver nicht in die Hitler-Jugend berufen wird,
sst nicht einer, der als zweitklassig anzusehen
sitz sondern er wird auch an dieser Stelle in
wirrem späteren Lebensberuf seinen Btann
stellen und seine Pflicht erfüllen." Damit ist
grundsätzlich eine Frage geklärt, die viele Ge-
Nuiter heute schon beschäftigt, obwohl über die
praktische Auswirkung des neuen Planes ja
stichts bekannt ist. Er braucht Jahre, um
tatsächlich voll in Kraft zu treten, und bis
ahin werden noch viele Fragen geklärt wer-
legenheiten, bei denen sich die Geister von
selbst scheiden, ob das nun im Lager, auf der
Fahrt, ob das auf dem Heimabend oder bei
der Erfüllung sonstiger Aufgaben ist. Erfah
rungsgemäß bildete sich hier schon von selbst
eine Auslese aus,' hier zeigt sich, wer ein
Charakter ist und wer sich nicht beivährt,' hier
werden auch diejenigen, die noch nicht voll
aus sich herausgehen, erkannt und gegebenen
falls voll anerkannt. Die einen sind für die
Hitler-Jugend berufen, die anderen kommen
zur Staatsjugend. In beiden Organisationen
müssen sie sich weiter bewähren.
Weiter bewähren, das ist das Wesentliche,
denn auch hier geht die Auslese weiter. Nicht
jeder Hitlerjunge kann in die Partei aufge
nommen werden, denn die Anforderungen
werden hier erheblich größer. Andererseits
aber wird sich mancher in der Staatsjugend
bewähren und erst in den weiteren Jahren
den guten Kern zeigen, der in ihm steckt. Ei
nem solchen Jungen wird man aber nicht
den Weg zu größeren Aufgaben versperren,
wenn er seinen Mann steht.
So sollen unabhängig von Stand und Ge
burt überall die besten Menschen gewonnen
werden für die großen Aufgaben, die das Le
ben an den Btann stellt. Das wird der Sinn
des neuen Planes sein, der einen hoffnungs
vollen Ausblick auf die künftige Gestaltung
der Jugenderziehung im nationalsozialisti
schen Staat gibt.
Staatsjugenö die Hitlerjugend ihren Totali
tätsanspruch auf die ganze deutsche Jugend
aufgegeben habe. Hier ist lediglich die Form
anders vorgesehen. Denn, wie schon gesagt,
wird auch die Staatsjugenö, die ja alle Ju
gendlichen außerhalb der Hitler-Jugend er
faßt, von der HI. geführt. Uild man soll auch
keine Abstufungen zwischen HI. und Staats
jugend vornehmen. Beide haben ihre Ausga
ben und ihre Daseinsberechtigung. Nur wird
sich in Zukunft die Auslese schon früher und
schärfer vorbereiten, um damit der ursprüng
lichen Auslese der Kampfzeit wieder nahezu
kommen. Man muß bedenken, daß in wenigen
Jahren nach der Machtübernahme die Hitler-
Jugend zur größten Jugendorganisation der
Welt angewachen ist. Früher war es so, daß
diejenigen, die vor der Machtübernahme in
die Hitler-Jugend eintraten, schon von selbst
die Auslese darstellten,' denn man weiß ja,
was es damals bedeutete, das Hakenkreuz zu
tragen und sich zum Nationalsozialismus zu
bekennen. Heute gilt es, diese Auslese wieder
herzustellen, jetzt aber innerhalb der Jugend
selbst, und zwar nicht durch Examen, durch
Frage und Antwort, durch „gut" und „man
gelhaft", sondern durch langjährige Bewäh
rung.
Der Vorgang ist folgender: Vier Jähre
Jungvolk-Junge zu sein und vier Jahre das
Kleid des Jungvolks mit Ehren zu tragen, das
bedeutet für einen Jungen schon eine Auf
gabe. In diesem Zeitraum gibt es tausend Ge-
Reue Anļerràng Mbeàps rmļ Eden
DNB. London, 2. April. Botschafter von
Ribbentrop hatte am Donnerstagmittag eine
weitere Unterredung mit Außenminister Eden.
Tagung der Locarnomächte am 8. April
in Paris oder Brüssel?
DNB. Brüssel, 2. April. In der Unterre
dung zwischen Außenminister Flandin und
dem englischen Botschafter am Donnerstag
nachmittag ist grundsätzlich ins Auge gefaßt
worden, daß die Vertreter der vier Locarno-
müchte am Mittwoch, dem 8. April, in Paris
oder Brüssel zusammentreten.
Lord Londonderry begrüßt die deutschen
Friedcnsvorschläge.
Der frühere englische -Luftfahrtministcr Lord
Londonderry sprach am Donnerstag in einer
Rede vor einer Versammlung englischer Ge
schäftsleute über die deutschen Friedensvor
schläge. die nach seiner Ansicht zu großen Hoff,
nungen berechtigen. Er vertraue aufrichtig
darauf, daß die Vernunft die Oberhand gewin
nen werde, und daß es gelinge, in der gesam
ten Welt eine völlig neue Atmosphäre zu
schaffen.
Englische Kritik an Frankreichs Haltung
Meinungsverschiedenheiten keine Lösung ge
funden hätten.
In Sartrouville bei Paris und in Tarbes
in Südwestfrankreich, wo ebenfalls Versamm
lungen der Feuerkreuzler stattfangen, kam cs
zu heftigen Zusammenstößen mit linksgerichte
ten Elementen, wobei es auf beiden Seiten
Verletzte gab. In Sartrouville, einer marx
istisch verwalteten Stadt, hatten sich etwa 600
Feuerkreuzler versammelt, als plötzlich
Alarmsirenen zu heulen begannen. Dies war
für die Linkskreise das Zeichen, um zu versu
chen, in das Versammlungslokal einzudrin
gen und den Versammlungssaal im Sturm
zu nehmen. Der Ordnungsdienst der Polizei
war viel zu schwach, um dem wütenden Angriff
der Massen standhalten zu können, und erst
als Mobilgarde zur Verstärkung eintraf, ge
lang cs, die aufgehetzte Menge zurückzudrän-
drängen. Inzwischen war es jedoch bereits zu
Zusammenstößen gekommen, wobei es auf bei
den Seiten eine Reihe von Verletzten gab.
Erst nach 1 Uhr nachts gelang es der Polizei,
den Feuerkreuzlern einen ungehinderten Ab
zug zu sichern. In Tarbes hielten gleichzeitig
mit den Feuerkreuzlern antisemitische Ver
bände eine Versammlung ab, nach deren Ab
schluß die Marxisten sich vor das Versamm
lungslokal der Feuerkreuzler begaben und
eine Barrikade errichteten. Als die Teilneh
mer das Lokal verließen, wurden sie von den
Mitgliedern der Volksfront mit einem Hagel
von Steinen empfangen. Ferner schnitten die
Antifaschisten die Reifen sämtlicher Kraftwa
gen durch.
Ruhigere Leurleilung in Paris.
Nach der ersten, wahrscheinlich etwas ober
flächlichen Prüfung der deutschen Friedens-
vorschlüge, die am Donnerstag zu einer star
ken Nervosität und grundsätzlich ablehnenden
Haltung der Pariser Presse führte, kann man
heute eine wesentlich ruhigere Beurteilung der
Lage feststellen. Wenn sich auch nichts an der
Auffassung geändert hat, daß die deutschen Ge
genvorschläge in ihrer gegenwärtigen Form
unannehmbar (!!) seien, so muß doch festge
stellt werden, daß die Blätter wahrscheinlich
Die Spannung und Erwartung, die seit dem
deutschen Wahlausgang die europäischen
Hauptstädte beherrschte, ist gelöst. Der Frie
densplan des deutschen Führers und Kanzlers
liegt in seinen Einzelheiten der Welt vor. We
nige Stunden nach der Ueberreichung in Lon
don waren auch Paris, Brüssel und Rom im
Besitz der deutschen Vorschläge. Die Welt
geschichte wird den Mittwoch als einen nicht
minder historischen Tag in ihre Tafeln ein
tragen, als sie es mit dem 7. März d. I. getan
hat. Denn Adolf Hitler hat in seinem ausge
zeichneten Dokument den Völkern der Erde
klargelegt, woher die Wunden kommen, an
denen die Völker 18 Jahre nach dem großen
Kriege immer noch kranken, und wie diese
Wunden für jetzt und alle Zeit geschlossen
werden können.
Der Tag der Ueberreichung des deutschen
Friedensplans war der 1. April. Das ist der
Geburtstag eines anderen Großen unserer
vaterländischen Geschichte, des Fürsten Otto
von Bismarck, des Schöpfers des zweiten Rei
ches, das glorreich entstand, um dann in den
Novembertagen 1918 rühmlos unterzugehen.
Aber der Geist jenes Großen ist uns geblie
ben, und daß gerade an seinem Geburtstag
Deutschlands Friedensplan durch den Schöpfer
des dritten Reiches der Welt verkündigt wur
de, sei für uns Deutsche glückverheißender
Ausblick.
schlusses, keine Diskriminierung Deutschlands
mehr hinzunehmen, sondern auch eine klare
Linie des absoluten und nicht mißverständli
chen deutschen Friedenswillens.
Ein neutraler Diplomat nannte uns den
Friedensplan der deutschen Negierung die
„Vollendung und den Abschluß des Kellog-
paktes". Hitler gebe nicht Versprechungen und
wünsche nicht platonische Beschlüsse, sondern
er gebe Taten und wolle Taten.
Der Zeiger der Weltuhr rückt von Stunde
zu Stunde weiter. Das Dokument des deut
schen Führers verlangt keine vorschnelle Ant
wort der Mächte. Es erwartet aber Verständ
nis und Einsicht. Denn die deutsche Tat ist
eine einmalige Tat. Sie wird, wenn sie auf
Ablehnung oder Nichtverstündnis stößt, nicht
nochmals wiederholt werden.
Das Echo aus Paris.
Während wir aus London ein stetig wachsen
des Verständnis der öffentlichen Meinung für
den deutschen Standpunkt feststellen können,
kann man das gleiche nicht von Frankreich be-
paupten. Hier gehen die verschiedenen Mei
nungen und Aeußerungen noch stark ausein
ander. Wir bringen nachstehend die uns bis
her vorliegenden Stimmen aus Paris:
Die Feuerkreuzler für endgültige Vereini
gung aller deutsch-französischen Meinungs
verschiedenheiten.
In Paris fand am Donnerstag eine Ver
sammlung der Feuerkreuzler statt, auf der die
Haltung der französischen Regierung scharf
kritisiert und eine endgültige Bereinigung al
ler deutsch-französischen Meinungsverschieden
heiten gefordert wurde. Einer der maßgeben
den Führer der Bewegung erklärte unter
großem Beifall der Anwesenden, daß das
Schicksal Frankreichs immer noch in den Hän-
dàr derselben alten Mannschaft liege, die sich
gegen das Ausland auflehnen wolle, obgleich
sie bisher alles geduldet habe. Das französische
Volk wünsche den Frieden und die Ehre. ES
wurde keinen dauernden Frieden in Europa
geben, solange die ewig deutsch-französischen