... daß der eigene Wagen ihnen das Le-
den erleichtert. Sie beneidenswert frei \
macht, das Wertvollste schenkt, was es lür I;
tätige Menschen überhaupt gibt, näm-
lieh Zeit,- kurz Ihr Leben von Grund aus
au! das Glücklichste beeinflußt - ist imllionen-
Mö lach praktisch bewiesen.
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129. Jahrgang. / Nr. 100. / Zweites Blatt.
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Landesreituns
RmLsdurg«: Tageblatt
Mittwoch, den 29. April 1938.
Rendsburg, den 29. April.
»Tag des Handwerks^
Selbftbefimmug wderFormgeftawmg
Präsident Hans Kummerfeldt über „Das schöpferisch tätige Handwerk"
Es sei dahingestellt, ob es vielen so ergangen
ist, aber die Frage mag doch hier und da gestellt
sein, ob der Beginn der im Rahmen „Tag des
Handwerks" stattfindenden Veranstaltungen
einer möglichst großen Zahl von Interessierten
den Besuch ermöglichte? Die Frage ist gestern
beantwortet. Bis auf den letzten Platz war
buchstäblich die S t a d t h a l l e besetzt. Das
Thema „Das schöpferisch tätige Handwerk hatte
offensichtlich seine Anziehungskraft nicht ver
fehlt. Die Trägerinnen der Gesamtveranstal
tung und die Leitung können mit ihrem Er
folg zufrieden sein, zumal der Besucherkreis
nicht nur der Stadt entstammte, sondern in
erheblichem Ausmaße auch ihrer näheren und
weiteren Umgebung. Man sieht, es ist eben
prächtig vorgearbeitet worden, ein Tatbestand,
der meistenteils als selbstverständlich hinge
nommen wird, aber keineswegs so selbstver
ständlich ist, wenn das Gegenteil der Fall
wäre und es nicht geklappt hätte.
Nennen wir zuvor die ehemalige Privat-
Wusik-Borschule, die unter Leitung von Musik
direktor H. Kruse ein reichhaltiges musikali
sches Programm vorführte. Vorweg seien des
weiteren genannt die Vertreter aus dem
handwerklichen Nachwuchs, die mit ihren ge
schickt vorgebrachten Schattenspielen einen
wenn auch kleinen, aber ansprechenden Quer
schnitt aus dem handwerklichen Leben gaben.
Als Programmänderung, besser als Anreiche
rung ist noch zu nennen, daß der hier bereits
bekannte Direktor der Handwerkerschule in
Flensburg, Jürgen Thöming, zu einem Vor
trag über Heimgestaltung erscheinen konnte.
Die Gauinspekteurin Frl. von Notz eröff
nete den Reigen der einführenden Ansprachen.
Sie hob hervor (was nicht genug geschehen
kann), daß der Gedanke des schöpferischen
Handwerks nichts Fertiges wäre, daß wir viel
mehr erst am Anfang dieser erbitterten Fehde
gegen fremdartige Nachahmung stünden. Die
Bedeutung der Frau in diesem Kampf sei eine
ungeheure. Verkenne sie ihre Aufgabe als ein
sichtsvolle Auftraggcberin zur Ausgestaltung
ihres Heimes, nie würde das Handwrek als
der ausführende Teil den unentbehrlichen
Partner finden. Beide Gruppen müßten aus
der Natur der Sache heraus zusammenarbei
ten, damit aufrechte Gesinnung den denkbar
besten Ausdruck finde in der Leistung.
Stellv. Kreisleiter der NSDAP, und Bür
germeister K r a b b e s mahnte zur rechten
Würdigung der Leistungsschau. Sie ist etwas
Neuartiges, so hieß es, deshalb ist abwarten
des Verhalten wohl erklärbar, aber nicht an
gebracht. Bemühen wir uns, auch jene Wer-
bungsmethodcn gutzuheißen und tatkräftig zu
unterstützen, die unter Verzicht auf persönliche
Reklame die Fähigkeiten des Gesamtstandcs
hervorheben wollen.
Kreishandwerksmeister Burmeister erklärte:
Der auf rüttelnde Kampf fürs Handwrek, der
hier in der Nordmark von Kammerpräsident
Hans Kummerfeldt so energisch geführt und
bis ins kleinste Dorf vorangetragen wird, ist
kein Kampf gegen andere Berufsstände. Das
Handwerk will sich nur den ihm gebührenden
Platz erstreiten, ein Ziel, das im letzten dem
ganzen Volk nütze, da handwerkliche Kräfte
in alle Lebensbcreiche einer völkischen Ge
meinschaft hineinstrahlten. Das sei früher so
gewesen, das müsse auch heute im alten Sinne
wieder werden!
„Handwerk und Heimgestaltung",
wer kennt nicht dieses Thema von Jürgen
Thöming, das bereits 130fach schleswig-holstei
nischen und außerprovinzlichen Hörern vorge
tragen wurde? Die lichtbebilderte Wanderung
durch unsere Landschaft war dieses Mal kür
zer. Es wurde überall nur angedeutet, worum
es geht. Wir sahen einige charakteristische Bil
der von der friesischen, schleswigschen und dith-
marscher Wohnkultur, erhielten einen treff
lichen Vergleich, wie sich in der zweiten Hälfte
des vorigen Jahrhunderts die Wandlung zum
Schlechten vollzog, daß ein sog. Stil den ande
ren ablöste, bis wir endlich in der Nachkriegs
zeit zu einer der Mode regelrecht unterworfe
nen „Heimgestaltung" kamen, die so wider
wärtig war in ihrer äußeren Form, daß der
Rückschlag nicht ausbleiben konnte. Wir wollen
diesen Wandel nicht überschätzen, aber seien
wir froh, daß er überhaupt da ist.
Diese ersten Anzeichen gilt es sorgsam und
richtig pflegen, damit wir endgültig aus den
ausgetretenen falschen Bahnen herauskom
men.
Jeder gestalte, das ist die Aufgabe der Zu
kunft, sich das Heim nach eigenen Ideen und
versuche dann mit Hilfe des Handwerks sie zu
verwirklichen,' wer darum z. B. keinen Schreib
tisch braucht, der schaffe sich auch keinen an,
sondern stelle dort ein Stück hin, das zu ihm
paßt und ihm nützt. Das ist dann auf diesem
Gebiet Besinnung auf den Geist unserer Tage,
auf die Einfachheit, auf die Schlichtheit, auf die
Bodenständigkeit. Denn Art läßt sich nun ein
mal nicht verleugnen und so verschieden wie
die Landschaft des Ostens unserer Provinz ist
von der im Westen, so verschieden sei auch das
Heim hier zu dem dort. Wesentlich ist dafür
nur, daß man endlich aktiv an diese Dinge her
angeht.
„Nicht an und für sich,
sondern an »nd für mich!"
Präsident Kummerfeldt sprach über
„Das schöpferisch tätige Handwerk" allgemein.
Die nationalsozialistische Revolution will, so
hieß es einleitend, daß das deutsche Volk end
lich wieder zu sich selbst kommt. Diese innere
Wende vollzieht sich auf den einzelnen Lebens
gebieten verschieden schnell. Mit dem politi
schen Erfolg können wir zufrieden sein, auf
dem Gebiet der Formgestaltung sieht es jedoch
noch recht trübe aus. Solange ein Nieder
sachse noch in ein Flachdachgebäude kriecht, so
lange dürfen wir von wahrhaftem Verständ
nis für den großen Sammelbegriff Heimat
noch nicht reden.
Machen wir uns die furchtbaren Folgewir
kungen dieses mangelnden Verständnisses
klar: Verkannte Heimat bedeutet wesenswid
riges Heim, dieses wiederum vergewaltigt die
im Kinde vorhandenen Anlagen und verschafft
ihm Eindrücke, die niemals zu beseitigen sind
und ausmünden im wurzellosen Menschen,
der, weil er kein zu Hause kennt, auch keins
mehr will.
Die Art der Entwicklung läßt uns die
Schwierigkeit, sie zu überwinden, nicht ver
wundern. Wir sind heute trotz allen technischen
Hilfsmitteln zu einer wahren und abgeschlosse
nen Schaffensart noch nicht imstande. Wir emp
finden zwar eine sich vertiefende Scheu vor
dem überkommenen Erbe unserer Väter, aber
die Ansätze für die Gestaltung der heutigen
seelischen Grundhaltung sind nur höchst küm
merlich. Diese Feststellung, die aufzudecken
wir uns nicht scheuen dürfen, ist ein Kenn
zeichen, welcher ungeheuren Anstrengungen es
noch bedarf, um zu einer Formgestaltung zu
kommen, die der letzten und einzig maßgeb
lichen Instanz, der des deutschen Volksempfin
dens, standhält.
Wie dieses erreichen? Auf lange Sicht gilt
es, die Anlagen im Kinde, in unserer Jugend
mit dem ganzen erzieherischen Ernst zu pfle
gen, damit wir sie nicht umbiegen, wie es
früher geschah. Das Spiel im Sandberg ist der
erste Beweis für das Formstreben des Kin
des. Verachten wir dieses nicht, lassen wir das
Kind in seine große, vom Leben vorgezeichnete
Aufgabe hineinwachsen, helfen wir ihm nur
anleitend, die vielen Lücken aufzufüllen, aber
pfropfen wir ihm kein Wissen auf, das mit dem
Nährstoffverlangen der Wurzel nicht das min
deste zu tun hat.
Mit dieser Aufgabe ist die Verpflichtung un
serer Generation nicht erfüllt. Auch wir selbst
müssen — soweit es noch möglich ist — zu an
deren Wertmaßstäben kommen und die eigenen
Bedürfnisse erst wieder zu erleben versuchen,
bevor wir an ihre Gestaltung herantreten.
Lassen wir uns dabei von dem Grundsatz lei
ten, daß nur in der Schlichtheit der wahre Mei
ster erkennbar ist. Aber hüten wir uns vor
einem bloßen Abklatsch von Erbstücken aus der
Vergangenheit, die zwar unsere Empfindungs
welt treffen, die aber unter anderen prakti
schen Gegebenheiten entstanden sind. Soweit
wir aber trotzdem eine Anlehnung für geboten
halten, möge man ehrlich genug sein, solches
zu bekennen. Sonst beginnen wir bereits im
ersten Anfang mit Lügen, aus denen nur wei
tere Lügen geboren werden.
Der Führer lebt uns das Leben der Schlicht
heit vor. Nehmen wir uns daran ein Beispiel!
Erst dann werden wir wieder Erbstücke schaf
fen, die zu der Nachwelt von unserem gewal
tigen Ringen sprechen.
Die Rede Hans Kummerfeldts war nicht nur
für diejeuigen, die ihn über dieses Thema noch
nicht sprechen hörten, ein Erlebnis. Es kommt
eben nicht immer darauf an, daß man von
einem Redner lauter Neues hört. Entscheidend
ist auch das Wie. In der Sprache des Schles
wig-Holsteiners wurde ein Gebiet durchge
kämpft, das zum Scheitern verurteilt ist, wenn
es in dem wirklichen Umfang seiner notwen
digen Neuwerdung verkannt wird. Man soll
sich über die Begleitumstände, um zum Erfolg
zu kommen, nicht täuschen, aber es ist bereits
viel gewonnen, wenn ein Führer ersteht, der
den rechten Ton in der Aufklärungsarbeit
findet. Die Nordmürker werden, sofern eine
wahre Umkehr in derFormgestaltung erreicht
wird, sich ihrer Leistungen nicht zu schämen
brauchen. Sie haben das Recht, sich dessen be
wußt zu sein, aber die Pflicht, die Leistungen
ihrer Führer entsprechend zu würdigen.
Im Gehege
Der Bund für Vogelschutz, Ortsgruppe
Rendsburg, machte am Sonntag, dem 26.
April, seinen ersten Ausflug. Um 7.30 Uhr
versammelten sich die Mitglieder an der klei
nen Schleuse, und auf dem Rad ging es nach
dem Elsdorser Gehege. Nachdem man sich in
Lurup der Fahrräder entledigt hatte, begab
man sich unter Führung des Mitglieds Delfs-
Fockbek in den Wald. Das Wetter war zufrie
denstellend, zum Teil sogar recht günstig. Die
Natur hält sich, der bisher rauhen Witterung
entsprechend, noch sehr zurück. Buchen, Erlen
und Haselnußstrauch wagten noch nicht, ihre
Blattknospen vollends zu öffnen. Nur die Ka
stanie und der Jelänger-Jelieber (Waldgeitz-
blatt) hatten ernst gemacht und zeigten schon
gefaltete Blätter. Buschwindröschen und
Scharbockskraut blühten. Das Milzkraut zeigte
seine goldgelben Blüten, und das Hundsveil
chen lugte bescheiden aus dem Versteck hervor.
An sumpfigen Stellen stand das Bingelkraut
blühend in großen Mengen. Die Sporenträger
des Schachtelhalms schmückten die Ränder der
Waldschneisen. Dazwischen gewahrte man das
Moschuskraut. Da, wo man Kalkmergel gegra
ben hatte, nahm der Huflattich mit seinen gro
ßen Goldblüten den ganzen Boden ein. Die
Staubkätzchen der Weiden leuchteten weithin.
Die Vogelwelt bot schon manches Schöne.
Der Buchfink beherrschte mit seinem derben
Schlag das Feld. Der Fitis-Laubvogel machte
ihm einige Konkurrenz. Auch den Wciden-
Laubvogel mit seinem lauten „Zilp-zalp"
hörte man oft. Die Kohlmeise lärmte unauf
hörlich. Sehr schön kamen Nonnen- und Tan
nenmeise zu Gesicht. Die Eichelhäher zeterten
in einem fort, Ringeltauben flogen eilig aus
den schützenden Tannen davon. Ein Buntspecht
beklopfte die morschen Zweige, und der Grün
specht lachte aus weiter Ferne. Die Singdros
sel übte ihre Strophe. Hin und wieder ließ sich
der Kleiber hören. Am Himmel zog der Mäu
sebussard seine Kreise. Der Zaunkönig ließ sich
bewundern, ein Rotkehlchenpaar stellte sich
vor, und der Baumpieper zeigte seinen typi
schen Flug.
Die Waldwege verrieten den Wildrcichtum
durch Spuren und Fährten. Gangbare Reh
wechsel gingen kreuz und quer durch den Wald.
Fuchs und Hase ließen sich spüren. Zitronen
falter unternahmen ihren ersten Frühlings
flug nach der langen Wintcrruhe. Eine Blind
schleiche lag mitten im Weg und sog die spär
lichen Sonnenstrahlen ein. Auch der Frosch
war erwacht und suchte eiligst das schützende
Wasser.
In Lurup sind die ersten Schwalben gesichtet
worden. Die Luruper Bienen hatten Tracht,'
sie trugen emsig den Pollen der Weide heim.
Nach kurzer Ruhepause im Gasthaus kehrte
man befriedigt heim. I. M.
Zum Paul-Wegener-Gastspiel.
In der Komödie „Kollege Crampton" mor
gen abend wirken mit: Paul Wegener Pro
fessor Crampton), Elisabeth Wegener-Rohwer
(Gertrud Crampton), Sophie Nieber (Agnes
Strähler), M. Grothusen (Fabrikbesitzer
Strähler), Dr. R. Crodel (Professor Kircheisen),
Fr. Janssen (Architekt Milius), Kurt Conds
(Faktotum bei Crampton), H. Schlick (Pedell
Janctzki), G. Ehmann (Kunstschüler Poppe),
A. Dreyer (Restaurateur Feist), A. Spinti
(Malermeister Kunze), W. Ziegler (Kneipwirt
Kaßner), O. Höcker (Kellnerin Selma), H.
Thielmann, H. Nötzold und A. Schönfelö
(Malschüler).
Das Stück spielt im 1. und 2. Akt im
Atelier des Prof. Crampton in der Kunst
akademie, im 3. bei Strähler, im 4. in Kaßners
Kneipe, im 5. in einem Atelier. Die Spiel
leitung führt Intendant B. Schoenfeld.
Wie wir hören, wird der Gaukulturwart
und Gauobmann der NS.-Kulturgemeinde,
Parteigenosse Knolle, der Vorstellung in
der Stadthalle beiwohnen.
* * *
* Die ordentliche Generalversammlung des
Keglervereins für Rendsburg und Umgegend
fand am Montag im Keglerheim „Schweizer
halle" statt. Der Vereinsführer Wüstenberg er
öffnete die sehr gut besuchte Versammlung und
erstattete den allgemeinen Geschäftsbericht. Die
Mitgliederzahl ist seit der letzten GV. von 63
auf 68 gestiegen. Ein Klub ist ausgetreten, neu
OREL
Aķ -
Zuverlässige
ER KOSTET WENIG . ER VERBRAUCHT WENIG
Daß der OPEL »Typ Olympia« derWa»
gen ist, der Ihnen alle praktisch wert
vollen Vorteile eines Groß-Automobils
rum Kleinwagen-Preis zugänglich macht,
ist eine ebenso unbestrittene Tatsache.
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