Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Herwegen, nordisches £and 
• Die Nordische Gesellschaft und die NS.- - 
Kulturgemeinde veranstalten in der Zeit 
vom 29. Juni bis 14. Juli mit dem Mo 
torschiff „Milwaukee" die Deutsche Nord 
landreise 1936, an der alle am Norden 
und der deutsch-nordischen Arbeit inter 
essierten Kreise teilnehmen können. Die 
Deutsche Nordlandrcise 1936 wird neben 
der Erholung in erster Linie dem Ken 
nenlernen nordischen Landes, seiner 
Menschen und seiner Kultur dienen. 
Einen kleinen Ausschnitt aus den kul 
turellen Problemen und der geschichtli 
chen Größe des Nordens mögen nach- 
- folgende Aufsätze geben. 
Norwegens Kampf 
um eine einheitliche Sprache 
Der norwegische Sprachenstreit, der nun 
schon ein Jahrhundert alt ist, steht wieder ein 
mal vor einem entscheidenden Abschnitt. In 
wenigen Wochen wird dem norwegischen 
Reichstag eine Vorlage zugehen, durch welche 
der norwegische Sprachenstreit wenn auch viel 
leicht noch nicht beigelegt, so doch seiner Be 
endung um ein großes Stück näher gerückt 
wird. 
Aus dem Altnordischen, der gemeinsamen 
Sprache der skandinavischen Völker, entwickel 
ten sich in der Wikingerzeit im Zusammenhang 
mit der Entstehung der skandinavischen Natio 
nalstaaten die drei Sprachenzweige des Norwe 
gischen, Schwedischen und Dänischen. Im Ge 
gensatz zum Schwedischen und Dänischen, die 
sich über das Altschwedische und Altdänische zu 
ihren heutigen Formen ungestört entwickeln 
konnten, erfuhr die norwegische Sprachentwick 
lung einen jähen Bruch. Die Union, die Ver 
einigung der skandinavischen Reiche unter dä 
nischer Herrschaft, wurde für Norwegen zum 
nationalen Verhängnis. Während Schweden 
am Anfang des 16. Jahrhunderts unter Füh 
rung Gustav Wasas seine Freiheit wiederge 
winnen und seine völkische Eigenart weiter 
ausbilden konnte, verlor Norwegen mit der 
politischen seine geistige und sogar sprachliche 
Selbständigkeit. Das Dänische, das im 16. 
Jahrhundert norwegische Amtssprache gewor 
den war, wurde mit der Einführung der Re 
formation auch die norwegische Kirchensprache 
und eroberte sich von hier aus die übrigen Ge 
biete des geistigen Lebens. Es wurde die 
Sprache der Literatur und schließlich die Spra 
che der gebildeten Klassen. Eine jahrhunderte 
lange Nacht — so wird diese Epoche von den 
Norwegern selbst bezeichnet — breitete sich 
nun über Norwegen aus, und erst das Zeit 
alter der nationalen Erhebungen gegen die 
napoleonische Fremdherrschaft gab auch Nor 
wegen seine Freiheit wieder. Wohl wurde es 
noch durch Personalunion mit Schweden ver 
knüpft, aber im übrigen wurde es durch die 
Verfassung vom 17. Mai 1814 — dem Tage, 
der noch heute als Nationalfeiertag gefeiert 
wird — politisch und kulturell unabhängig. 
Es war eine nationale Wiedergeburt. Kein 
Wunder, daß man bei der Selbstbesinnung, die 
nun auf allen Gebieten einsetzte, auch daran 
ging, den verschütteten Strom der norwegi 
schen Sprache freizulegen. 
Bahnbrechend auf diesem Gebiete wurde der 
geniale Bauernsohn Jvar Aasen. Er studierte 
die norwegischen Baucrndialekte, besonders die 
westnorwegischen, die dem Altnorwegischen 
noch am nächsten standen. Indem er sie gleich 
sam auf einen Generalnenner brachte, schuf er 
eine neue norwegische Schriftsprache, die er 
„Landsmaal" (Landessprache) nannte. Diese 
Sprache, der ihre Gegner den Vorwurf der 
Künstlichkeit machten, setzte sich nach jahrzehn 
telangen schweren Kämpfen auch öffentlich 
durch. In den Schulen wird sie neben dem 
„Riksmaal" (Reichssprache) gelehrt, und alle 
Abiturienten müssen einen Aufsatz in beiden 
Sprachen schreiben. Nachdem hervorragende 
Dichter wie Vinje, Garborg, Olaf Duun u. a. 
>n Landsmaal geschrieben haben, ist ihr Be 
stehen für die Zukunft gesichert. 
Parallel mit dieser Entwicklung erfolgte 
eine Norwegisierung der, wie erwähnt, von 
den gebildeten Klassen gesprochenen dänischen 
Sprache, der Reichssprache. Wortführer dieser 
Richtung wurde in den dreißiger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts Henrik Wergeland, eine 
Natur, ebenso tief wie vielseitig, Dichter, 
Sprachschöpfer und Volkserzieher von tiefgrei 
fender Wirkung auf sein Volk. In seiner Ab 
handlung über die norwegische Sprachrefor- 
Mation prophezeit er eine selbständige norwe 
gische Schriftsprache, „ehe das Jahrhundert zur 
Neige geht". 
Mit dem Durchbruch der Nationalromantik 
in den vierziger Jahren des vorigen Jahr 
hunderts, besonders durch die Herausgabe der 
Norwegischen Volksmärchen von Asbjörnsen 
"nd Moe, eines Werkes, das Jakob Grimm die 
sieste existierende Märcheusammlung nannte, 
pachte diese Entwicklung bedeutende Fort 
schritte. Nicht allein, daß die Herausgeber in 
wese Märchensammlung noch mehr norwegi 
sche Ausdrücke aufgenommen hatten als Wer 
geland in seinen Werken, der norwegische 
Volksstil, dje .Sprache des täglichen Lebens, die 
hatte. Leif und seine Fahrtgenossen kamen nach 
diesem unerwarteten Ereignis wohlbehalten 
in Grönland an. Diese Fahrt trug Leif den 
Beinamen „der Glückliche" ein und den Ruhm, 
als erster Europäer das amerikanische Fest 
land betreten zu haben nach einer Fahrt quer 
über den Nordatlantik ohne Zwischenlandung. 
Der nächste Versuch, das Wiuland zu errei 
chen, schlug die Stürme trieben das Schiff 
Thorsteins (Bruder von Leif) ostwärts auf 
Irland zu. Im Jahre 1003 unternahm dann 
der Isländer Thorsinn Karlscfni einen neuen 
Versuch. Von vornherein richtete er sich auf 
eine mehrjährige Forschungsreise ein, die er 
daher sorgfältig vorbereitete. Vielleicht hatten 
er und seine Begleiter auch die Absicht, sich in 
Amerika anzusiedeln, wenn die Gelegenheit 
günstig sein sollte. 160 Mann, wovon einige 
ihre Frauen mithatten, machten auf drei Schif 
fen die Fahrt Karlsefnis mit. Das Glück war 
ihrer Tüchtigkeit und ihrem Mut günstig,' sie 
erreichten in glatter Fahrt die Küste des frem 
den Landes, die Halbinsel Labrador, und segel 
ten nun in Sicht der Küste südwärts. Drei 
mal überwinterten die nordischen Amerika- 
fahrer. Im zweiten Sommer sahen sie wieder 
die „Weizenfelder und die Weinstöcke" und 
stießen zum erstenmal auf die Eingeborenen, 
die sie „Skrälinge" (unansehnliche Menschen) 
nannten und mit denen sie in Tauschhandel 
kamen. Ob diese Skrälinge Eskimos oder In 
dianer oder eine Mischung von beiden waren, 
darüber ist sich die Forschung bis heute noch 
nicht im klaren. Dreieinhalb Jahre dauerte die 
Forschungsfahrt, auf der, auf amerikanischem 
Boden, von Gudrid, Karlsefnis Frau, ein 
Knabe geboren wurde, dessen Nachkommen 
noch heute leben und zu denen auch der be 
kannte dänische Bildhauer Thorwaldsen ge 
hört. Die geographischen Angaben über die 
Fahrt sind in den alten Berichten so genau, 
daß sich die Forschungsreise an Hand der Karte 
verfolgen läßt. Die Expedition fuhr au der 
Küste Labradors entlang, umschiffte dann 
Neufundland und erreichte die Halbinsel Neu 
schottland, also das heutige südliche Kanada. 
Der südlichste Punkt der Fahrt läßt sich auch 
bei dieser Fahrt nicht genau bestimmen, dürfte 
aber kaum über den nördlichen Teil des USA.- 
Staates Maine hinausliegen. 
Der Ausklang 
der nordgermanischcn Wandernngsgeschichte. 
Die Berichte über weitere Amerikafahrtcn 
der Nordländer.sind leider sehr, dürftig, im 
merhin verraten sic soviel, daß die Verbindung 
zwischen Grönland und Amerika nicht mehr 
abriß, solange die grönländische Siedlung be 
stand. Ein Versuch einer Verbindung mit dem 
neuen Erdteil scheint auch einmal von Nor 
wegen aus unternommen worden zu sein. Wie 
Adam von Bremen und die norwegischen Kö 
nigsgeschichten (Heimskringla) erzählen, hatte 
der Norwegerkönig Harald der Harte um die 
Mitte des 11. Jahrhunderts das große Land 
im Westen gesucht. Er scheint aber die Entfer 
nung unterschätzt zu haben, denn er mußte 
wegen Wasser- und Nahrungsmangel vor Er 
reichung seines Zieles umkehren. 1121 unter 
nahm der Bischof von Grönland eine Win- 
landfahrt, wohl mehr ans Wissensdurst und 
Tatendrang als aus Bekehrungseifer. Ueber 
das Schicksal seiner Fahrt verlautet nichts, je 
denfalls ist er nicht mehr zurückgekommen, 
denn die Grönländer fordern bald darnach 
einen neuen Bischof. Es besteht aber durchaus 
die Möglichkeit, daß der Bischof auf dem Fest 
land geblieben ist, weil inzwischen doch noch 
eine germanische Kolonie entstanden ist, was 
nach dem ersten Fehlschlag durchaus im Be 
reiche der Möglichkeit blieb. Um 1347 hören 
wir noch einmal von einem Winlandfahrer, 
dessen Schiff auf der Rückreise von Amerika 
von den Stürmen nach Island verschlagen 
wurde. Es scheint ein Holzschiff gewesen zu 
sein, mit Fracht aus dem damals noch sehr 
waldreichen Neufundland. 
Von diesem Zeitpunkt an senkt sich aber tie 
fes Schweigen über dieses abenteuerliche Stück 
Erd- und Menschengeschichte, Vielleicht ist der 
Ausklang dieser nordgermanischen Wande 
rungsgeschichte noch merkwürdiger als unsere 
Phantasie zu träumen wagt. Sagenhafte Ge 
rüchte von einem „Weißmännerland" im We 
sten gehen in alten nordischen Berichten um. 
Diese Tatsache sowie der Charakter der Sieö 
lungsreste auf Grönland haben den kühnen 
Rassedenker Gobineau veranlaßt, als nahezu 
sicher anzunehmen, daß die germanischen 
Grönländer vor einer Klimaverschlechterung 
von der Gletscherinsel nach „Winlaud dem 
guten" ausgewichen sind. Die letzten Spuren 
ihrer Wirksamkeit und ihres Einflusses will 
Gobineau in den Kulturstaaten der Azteken 
und Inkas gefunden haben. Wahrlich ein ver 
wegener Gedanke! Wie dem auch sei,' ob nun 
die letzten Wikinger in der Eiswüste Grön 
lands untergegangen sind oder im Kampf mit 
den Eingeborenen der neuen Welt, oder auch, 
ob ihr Blut noch nach einer letzten kulturellen 
Großleistung auf der Grundlage eines frem 
den Volkstums sich erschöpfte, ihr Ende wird 
gewesenen wie.ihr Leben: ruhmvoll. 
angewandt wurden, fanden von hier aus Ein 
gang in die Reichssprache. Als auch Björnson 
und Ibsen sich dieser Richtung anschlössen, war 
der Weg gewiesen. Die Rechtschreibung von 
1907 und 1917 sind die letzten amtlichen Weg 
weiser. 
Auch in Norwegen muß natürlich dieses 
Zweisprachensystem als eine schwere Belastung 
empfunden werden. Nachdem die Anhänger des 
Landsmaal und des Riksmaal sich Jahrzehnte 
lang aufs heftigste bekämpft haben, will der 
Staat von sich aus einen Ausgleich suchen. Die 
eingangs erwähnte Vorlage für den Reichstag 
soll wiederum eine neue Rechtschreibung brin 
gen, welche die beiden vorhandenen Sprachen 
zu vereinigen sucht, indem sie eine Reihe von 
altertümlichen Wörtern uno Formen des 
Landsmaal streicht und andererseits in das 
Riksmaal Wörter u. Formen des Landsmaal 
aufnimmt, so daß beide Sprachformen — 
wenn es auch jetzt noch nicht ganz erreicht 
werden kann — in absehbarer Zeit zu einer 
Sprache verschmelzen. 
Wenn es dazu kommt, wird eine Sprache 
entstehen, die sich ziemlich weit vom Dänischen 
entfernt hat, vielleicht so weit, wie das Schwe 
dische vom Dänischen entfernt ist. Vom deut 
schen Standpunkt haben wir für diese Entwick 
lung großes Verständnis, denn sie bedeutet 
für das norwegische Volk ein Zurück zu sich 
selbst, ein Wiedereinlenken in den Strom der 
eigenen Art. Und nur eine Zusammenarbeit 
von Völkern, die ihre eigene Art erkannt ha 
ben und pflegen, kann wirklich dauernde, 
fruchtbare Ergebnisse ausweisen. Dr. Chr. 
Die erste Entdeckung Amerikas 
Von Karl Rosenfelder. 
In der uordamerikanischen Hafenstadt Bo 
ston steht ein Denkmal zu Ehren des ersten 
Entdeckers der Neuen Welt. Fast 600 Jahre 
vor der Westfahrt der spanischen Flotte wurde 
Amerika von den nordischen „Meerkönigen", 
den Wikingern, aufgefunden, „als hätte die 
Vorsehung gewollt, daß keinerlei Ruhm der 
edelsten der Rassen entging" (Gobineau). Das 
Denkmal in Boston gilt dem Nordgermanen 
Leif, der als erster von einer ganzen Reihe 
um das Jahr 1000 mit seinen Fahrtgenossen 
die nordamerikanische Küste sichtete und betre 
ten hatte. 
Von diesen nordgermanischen Amerikafahr 
ten berichteten uns die altisländischen Fami 
lienchroniken, die unter dem Namen Saga in 
der Weltliteratur mit den ersten Rang ein 
nehmen. Unter diesem altgermanischen Schrift 
gut sind es wieder das „Jsländerbüchlein des 
Äri", die „Geschichte von Erich dem Roten" 
und die „Erzählung von den Grönländern", 
aus denen seit Jahrhunderten jedes isländische 
Kind sein Wissen um die Amerikafahrten sei 
ner Ahnen schöpft. Im übrigen Europa ist 
diese Entdeckertat unbekannt geblieben oder 
wieder in Vergessenheit geraten. Deutscherseits 
hatte Domschvlaster Adam von Bremen um 
1072 von den Dänen über diese fernsten Fahr 
ten der letzten Wikinger einiges gehört und 
darüber in seiner „Geschichte der Hamburg- 
schen Kirche" berichtet. Ohne die altisländi 
schen Sagas aber müßte uns diese Nachricht 
Adams von Bremen schleierhaft bleiben und 
eine der fesselndsten Entdcckergeschichtcn der 
germanischen Rasse wäre uns für immer ver 
borgen geblieben. Wie ist eS aber zu dieser 
Entdeckung gekommen? 
Die Besiedlung Islands und Grönlands. 
In der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts wan 
derten vor der Gewaltherrschaft des Norweger- 
königs Harald Schönhaar viele norwegische 
Bauern, meist sippschaftsweise, nach dem 6 bis 
7 Segeltage fernen Island aus, besiedelten 
das herrenlose Land und gründeten den letzten 
heidnisch-germanischen Freistaat, der den äuße 
ren Rahmen abgab für das, was der Isländer 
das „Heldenzeitalter" seines Volkes nennt. 
Das arktische Land konnte aber nur sehr dürf 
tiges'Bauholz liefern und war für den Acker- 
und Getreidebau wenig geeignet. So entstand 
schon aus diesen lebensnotwendigen Gründen 
bald ein lebhafter Handelsverkehr mit dem 
Mutterland, das das unentbehrliche Getreide 
und Bauholz zu liefern vermochte. Diese Ab 
hängigkeit ist allen arktisch-germanischen Sied 
lungen zum Verhängnis geworden und ist 
letzten Endes schuld daran, daß die erste Ent 
deckung des amerikanischen Festlandes nicht 
Geschichte machte, sondern nur Ereignis ge 
blieben ist. Denn ' die Norwegerkönige ver 
hängten über diese eigenwilligen Tochterstaa 
ten des Mutterlandes einfach die Handels 
sperre, als sie geistig und raumpolitisch die 
allgemeine Einstellung auf den Süden nicht 
mitmachten. Verelendung oder gar Untergang 
waren die natürlichen Folgen der Anwendung 
solcher wirtschaftlicher Druckmittel. 
Der stürmereiche Nordatlantik hatte den Js- 
landschiffer auf mancher Irrfahrt bald belehrt, 
daß es im Westen noch mehr Land geben muß, 
daß Island noch lange nicht am Ende der 
Welt liegt. Das bewog Erich, der „der Rote" 
genannt wurde, dieses jungfräuliche Land an 
zusegeln und auf seine Besiedlungsmöglichkeit 
hin zu untersuchen, als er wegen eines Tot 
schlages (Blutrache) außer Landes gehen 
mußte. Mit 35 Schiffen segelte er los und 
traf zunächst auf eine völlig vergletscherte 
Küste, an der er solange südwärts fuhr, bis 
sie sich wieder nordwärts wandte und nun ein 
schmaler Streifen grünenden Landes eine 
Möglichkeit der Niederlassung bot. Erich nann 
te das gefundene Land „Grönland", „grünes 
Land", aus Reklamegründen, denn er wollte 
von seinen ewig siedlungshungrigen Stam 
mesgenossen noch mehr veranlassen, sich auf 
Grönland anzusiedeln. So entstanden nach 
und nach auf dem kargen Boden der Insel 
etwa 300 germanische Bauernhöfe und jahr 
hundertelang bestand dieser nordgermanische 
Grönlandstaat. Ueber seinem Ende und Unter 
gang aber liegt tiefes Schweigen. Spärliche 
Reste ihrer zerfallenen Kirchen und Höfe ver 
raten uns nichts über den Verlauf der Tra 
gödie, nur von der Tatsache und der Oertlich- 
keit der Siedlungen geben sie uns Kunde. 
Leif der Glückliche erreicht Weinland. 
Die Entdeckung Grönlands führte folgerich 
tig zur Auffindung Amerikas. Erichs Sohn 
Leif war nach Norwegen gefahren, um dort 
als Gefolgsmann des Königs einen Winter 
im Stammlaud zu verbringen. Im darauffol 
genden Frühjahr schickte ihn der Bekehrerkönig 
Olaf Trygvason mit einem ganz bestimmten 
Auftrag wieder nach Grönland zurück: er sollte 
die noch heidnischen Germanen auf Grönland 
zum Christentum bekehren. Mit 35 Mann 
stach Leif von Drontheim aus westwärts in 
See und gedachte ohne Zwischenlandung Grön 
land direkt anzusegeln. Eine Fahrt, die schon 
für sich allein für die außerordentliche See 
tüchtigkeit der Wikingerschiffe zeugt wie für die 
großen nautischen Kenntnisse ihrer Führer. 
An der Südspitze Grönlands wurde aber Leifs 
Schiff von den gefährlichen Stürmen der Ark 
tis gepackt und ins Meer Hinausgetrieben. 
Nach langer Irrfahrt sahen sie unbekanntes 
Land. Der isländische Bericht meldet kurz und 
bündig: „er (Leif) stieß unerwartet auf Län 
der, von denen er sich nichts hatte träumen 
lassen. Da wuchsen Weizenfelder, die sich selbst 
gesät hatten (eine Art mildes Korn), und 
Weinbäume,' ferner eine Holzart, die Maser 
holz heißt. Von alledem nahmen sie einige 
Proben mit,..." Leif und seine Fahrtgenossen 
hatten Amerika entdeckt. Das Festland betrat 
er wahrscheinlich in der Gegend von Boston, 
vielleicht aber auch noch südlicher. Es ist be 
merkenswert, daß damals schon die Nordger 
manen auf die Stelle des neuen Erdteils 
trafen, die von den angelsächsischen Auswan 
derern nach einem halben Jahrtausend be 
siedelt wurde und weltpolitisch die größte 
Bedeutung erlangen sollte. Das neue Land 
tauften die glücklichen Entdecker „Weinland" 
(Winlaud) wegen der gefundenen wilden Re 
ben, vielleicht auf Anregung des deutschen 
Priesters Türk, den Leif für seinen Bekch- 
rnngsauftrag mitgenommen und der zuerst die 
Weiustöcke gefunden und als solche festgestellt 
pflügender Bauer.
	        
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