Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang ' Nr. 101 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Donnerstag, den 30. April 1936 
Juv Unterhaltung 
Zrrm rratimmSen Feiertag 
des deutschen Bslkes 
Von HeinzMagka. 
Es dröhnt die Erde unter festem Tritt, 
ein stolzes Volk marschiert im gleichen Schritt! 
Komm Bruder, reiche mir die Hand, 
es gilt nur eins, das Vaterland! 
In heilster Arbeit, die da jubelnd braust, 
so woll'n wir Kämpfer sein, der Stirn u. Faust! 
Was einst zerrissen, in sich selbst zerbrach, 
es reckte sich aus Elend und aus Schmach, 
entfachte, wie des Feuers Glut, 
zu neuem Leben, Väter Blut, 
daß Bruder sich zu Bruder wieder fand, 
umschlungen von der Arbeit starkem Band! 
Es dröhnt die Erde — fest ist unser Schritt, 
auch du, mein Bruder, schreitest heute mit! 
Das ist ein herrlich Vaterland, 
indem sich Geist und Hand verband. 
Und jubelnd klingt in diese Harmonie 
der heil'gen Arbeit hohes Lied, wie nie! 
Tu Bruder heute keinen Hammerschlag! 
Gemeinsam feiern wir den Ehrentag, 
den Tag der Arbeit, der so heiß 
in Geistes Werk und Hände Fleiß, 
schon morgen wieder seine Glut entfacht, 
in tausendfült'ger, wunderbarer Macht. 
Deާ Maisttten 
Mainacht — Maibanm — Maileheu — 
Maifeld. 
Freut Euch des Lebens — das ist das Lo 
sungswort, das über dem 1. Mai, dem Natio 
nalfeiertag des deutschen Volkes, steht. Es hat 
zu aller Zeit in Deutschland gegolten,' nach 
dem langen düsteren Winter standen die Men 
schen überwältigt vor dem einen Wunder, dem 
ersten Erwachen des neuen Lebens in Feld und 
Wald, das sie stärker berührte als die nach 
folgende Fülle und Entfaltung. Dieser Wechsel 
der Jahreszeit hat sich auch in den Volksbräu- 
chen Ausdruck geschaffen. Einer richtigen Mai 
feier mußte daher als augenfälliger Gegensatz 
ein letzter Kampf mit widrigen Mächten vor 
ausgehen, dem strahlenden Tag die dunkle 
Nacht, in der die Geister des Bösen losgelassen 
waren, eine Rauhnacht voll unheilvoller Zau 
berkräfte, Mainacht — Freinacht — Walpur 
gisnacht. Dann versammelten sich die Hexen 
zu teuflischem Spiel, seit frühester Zeit vor 
nehmlich auf dem Brocken oder Blocksberg, der 
in diesem Zusammenhang bereits um 1300 ge- 
nannt wird. In dieser Walpurgisnacht sind die 
altgermanischen mit den christlichen Vorstellun 
gen zusammengestoßen, und ans dieser Ver 
bindung ist ein Aberglaube erwachsen, der sich 
ebensowenig mit den Frühlingsfeiern unserer 
Vorfahren vertrug, wie er etwas mit den 
Grundgedanken des Christentums gemeinsam 
haben konnte. Die Nacht zum 1. Mai war den 
heidnischen Germanen besonders teuer,' auf 
den Bergen wurden die Frühlingsfeuer ent- 
Mädchen in aller Form zugeschlagen, dann hat 
te er die Ehrenpflicht, sie für die Dauer des 
Kausjahrcs allen ihren Geschlechtsgenossinnen 
gegenüber gesellschaftlich zu bevorzugen, ihr 
einen Maienbaum vor das Haus zu setzen, 
Geschenke zu machen und sie wie eine Braut 
zum Tanz zu führen. Zwischen den Beiden 
entspann sich meist ein herzliches Verhältnis, 
das gewöhnlich durch die Ehe besiegelt wurde. 
Weniger beneidenswert waren aber die jungen 
Mädchen, auf die bei der Versteigerung kein 
Gebot gemacht wurde, was zuweilen ja wohl 
auch der Fall war. Waren diese nicht au den 
Mann zu bringen, so wurden sie als sog. 
„Rummel" in Bausch und Bogen ausgeboten 
und von einem jungen Burschen käuflich er 
standen. Dieser war dann freilich verpflichtet, 
sich jeder einzelnen gegenüber als galanter 
Pseudobräutigam zu zeigen, wie er ja auch bei 
ihnen sozusagen Hahn im Korbe war. In vie 
len deutschen Gegenden haben sich die Mailehcn 
bis in die neuere Zeit erhalten, und in den 
Tälern der Ahr und der Isar sind sie sogar erst 
in der Kriegszeit aus der Uebung gekommen. 
Mit Sicherheit lassen sie sich schon im 12. Jahr 
hundert, zur Zeit der Minnesänger, nachwei 
sen. „Gestern war ich noch ledig und leer, heute 
führ ich mein Mailieb im Arme daher!" heißt 
es in einem Reim Müllers von Königswinter. 
Man darf annehmen, daß diese Mädchcuvcr- 
steigerungen aus dem zu noch früherer Zeit 
jeder Eheschließung vorausgehenden Kauf der 
Braut hervorgegangen sind. Im alten Deutsch 
land fanden sich alle Gaugenossen im Monat 
Mai auf dem Maifeld zusammen, um nach dem 
langen, harten Winter sich dem Frohsinn hin 
zugeben, zugleich aber auch private und öffent 
liche Dinge zu beraten. Bei dieser Gelegenheit 
werden auch die Eheschließungen eine nicht ge 
ringe Rolle gespielt haben, umsomehr, als ja 
in der ersten Mainacht, wie schon erwähnt, die 
Ehe Wotans mit der Liebesgöttin Freya voll 
zogen wurde. 
Wissenswertes Allerlei 
Dem Pariser Bürgermeister wurde kürzlich 
von dem Bürgermeister der kleinen Stadt Pa 
ris in Texas vorgeschlagen, daß Paris seinen 
ursprünglichen Namen Lutetia, den es vor dem 
5. Jahrhundert geführt hatte, wieder anneh 
men solle, da die Stadt Paris in den Vereinig 
ten Staaten darunter leide, daß dauernd dort 
hin Briefe gelangten, die nach dem französi 
schen Paris bestimmt seien. 
* 
Ein Filmstar unterscheidet sich von einem 
Filmschauspieler dadurch, daß, wenn ein Film 
angezeigt wird, in dem er mitwirkt, die An 
zeige seinen Namen vorans.ctzt und dann den 
Filmtitel folgen läßt,' um ein Beispiel zu nen 
nen: Greta Garbo in Anna Karenina besagt, 
daß Greta Garbo ein Filmstar ist. Würde es 
heißen: Anna Karenina mit Greta Garbo, so 
wäre sie nur eine Filmschauspielcrin. 
Die Männer im Kasten 
t Von Elisabeth Schmith. 
Thomas Müller saß ans der Kohlenkiste und 
0 schälte Kartoffeln. Das ist eine ziemlich eintö- 
0 nige Beschäftigung für einen dreizehnjährigen 
g Jungen, der sich lieber mit seinem Freund, dem 
a Nachtwächter, über die neuesten Errungenschaf- 
ņ ten der Technik unterhalten möchte. Aber der 
Vater verstand in solchen Dingen keinen 
Spaß,' wenn er aus der Arbeit nach Hause 
[j kam, mußte das Essen auf dem Tisch stehen, 
sonst setzte es etwas. Heute arbeitete er in der 
zweiten Schicht, die von zwei Uhr nachmittags 
0 bis zehn Uhr nachts währte, und Thomas 
p hatte es daher so einzurichten, daß er Punkt 
2 zehn Uhr zwanzig fertig war. Zwanzig Minn- 
s ten dauerte nämlich der Weg des Vaters von 
seiner Arbeitsstelle, dem großen Brückenbau 
stromaufwärts bis zu dem Schrebergarten- 
häuschen, worin er mit seinem Jungen wohnte. 
Nun wird man sich vielleicht schon gewundert 
haben, warum im Haushalt der Müllers keine 
Frau das Kochen besorgte. Die Erklärung ist 
jedoch sehr einfach: die Mutter lebte längst 
nicht mehr. So hatte Thomas nach und nach sich 
mit den Pflichten einer Hausfrau vertraut 
wachen müssen, obgleich er mit größerem Ver 
gnügen auch andere Dinge gelernt hätte, z. B. 
Flugzeuge und Automobile bauen. Aber davon 
wollte der Vater nichts wissen. „Du wirst wie 
der ein Bauer werden!" bestimmte er, weil er 
selbst einmal Bauer gewesen war, ehe er als 
junger Mann in die Stadt kam, um hier sein 
Vrot zu verdienen und sich ewig nach Aeckern, 
Wiesen und und Wäldern zurücksehnte. Diese 
Sehnsucht wurde mit den Jahren immer stär 
ker zur Triebfeder seines Denkens und Han 
delns. Sie war auch die Veranlassung, daß er 
sich zur schwersten Arbeit beim Brückenbau ge 
meldet hatte, weil sie am besten bezahlt wurde 
und ihn solcherart zu seinem Herzenswunsch, 
dereinst eine kleine Bauernwirtschaft zu er 
werben und das eigene Feld zu bestellen, wie 
der ein Stück näherbrachte. Doch über alle diese 
Dinge sprach Vater Müller eigentlich nie. — 
Während Thomas also mit geringem Eifer 
seiner häuslichen Tätigkeit oblag, arbeiteten im 
Caisson, zehn Meter unter dem Wasserspiegel 
des Flusses, zwanzig Männer. Sie hoben das 
Fundament für einen der mächtigen Endpfei 
ler der neuen Brücke aus, wozu man sich einer 
Art Taucherglocke bedient, einem riesigen,unten 
offenen Stahlkasten, der in die Tiefe gesenkt 
wird. Um das Eindringen des Wassers in den 
Caisson von unten her zu verhindern, wird 
mittels eines Zuleitungsrohres verdichtete 
Luft in den Caisson gepumpt, welche den Ar 
beitsraum frei hält und so die Bearbeitung des 
Flußbodens gestattet. Gleichzeitig wirkt sie 
aber auch denkbar ungünstig ans den Organis 
mus der Menschen, die unter solchen Bedin- 
dungen schaffen müssen. Die Leute im Cais 
son waren durchweg kräftige Gestalten, deren 
breite Schultern und muskulöse Arme in selt 
samem Gegensatz zu ihren bleichen, hohläugi 
gen Gesichtern standen. Die langsamen, schwer 
fälligen Bewegungen, mit denen sic Spitz 
hacken und Schaufeln handhabten, verrieten 
hochgradige Erschöpfung. Zuweilen ging einer 
in die Ecke, wo ein hölzernes Trinkwassergefüß 
stand, und nahm einen tüchtigen Schluck. Es 
herrschte unerträgliche Hitze hier unten, und 
von den nackten Oberkörpern der Männer rie 
selte der Schweiß ebenso in Bächlein herab wie 
der von ihnen ausgeatmete Wasserdampf von 
den Wänden des Senkkastens. 
„Noch immer Schwemmsand," sagte der Vor 
arbeiter, „bin bloß begierig, wann wir endlich 
auf festen Grund stoßen." Der Mann an der 
Fördermaschine, der das ausgehobenc Mate 
rial zutage baggerte, nickte. „Jeder Meter tie 
fer macht unseren Stnndeulohn höher," ver 
suchte er zu scherzen, aber niemand lachte mit. 
Nur der Arbeiter Müller verzog den Mund 
ein wenig und schaute zur Decke, wo ein paar 
elektrische Birnen trübselig leuchteten. Dann 
stieß er seinen Spaten mit einem gewissen In 
grimm neuerlich in den Grund. Niemand sprach 
mehr, nur noch das Geräusch der Arbeit war 
zu vernehmen. 
Eine elektrische Klingel gellte und verkün 
dete Schichtwechsel. Umständlich begannen die 
Männer ihre Blusen anzuziehen und ihre Hab 
seligkeiten aufzusammeln — jeder hatte auch 
eine Decke mit — und stiegen ebenso umständ 
lich die Leiter des Einstiegschachtes empor. Wer 
aber glaubt, daß sie nun schnurstracks nach 
Hause eilen durften, der irrt. Am oberen Ende 
des Schachtes befand sich ein mit Bänken aus 
gestatteter Raum, etwa so groß wie ein 
Straßenbahnwagen, die sogenannte Schleuse. 
Während sich dort die für die neue Schicht be- 
stimmten Arbeiter von ihren Sitzen erhoben, 
um in die Tiefe zu klettern, ließen sich die so 
eben Heraufgekommenen müde auf die Bänke 
fallen. Warum beide Partien, die abgelöste und 
die ablösende, je eine Stunde in der Schleuse 
verbringen mußten, werden wir gleich hören. 
Inzwischen hatte Thomas seine Kochkünste 
beendet, den Tisch gedeckt und ein starkes Feuer 
im Ofeu angefacht, obwohl es draußen gar 
nicht kalt war. Nun bemerkte er, daß ihm fast 
noch eine Stunde Zeit bis zur Heimkehr des 
Vaters verblieb, und die wollte er weidlich 
ausnutzen. Brannten ihm doch einige Fragen 
auf der Zunge, die ihm der schon erwähnte 
Freund Nachtwächter beantworten sollte. 
Besagter Nachtwächter, Philipp Knoll mit 
Namen, war das, was man einen Werkstuden 
ten nennt. Damit er tagsüber in den Hörsälen 
der Technischen Hochschule den Worten der 
Professoren lauschen konnte, bewachte er des 
Nachts Holzstöße, Betonsäcke, Ladekrane und 
Werkzeugschuppen. Denn das Geld für sein 
Studium mußte er selbst verdienen. Wann er 
dabei eigentlich schlief, war ein Rätsel und 
seine Privatangelegenheit. Dem Jungen Tho 
mas erschien Herr Knoll als der Inbegriff aller 
Weisheit. Verstand er doch unter anderem, ein 
Motorrad in seine Bestandteile zu zerlegen 
und richtig wieder zusammenzusetzen, ja, 
manchmal erlaubte er sogar, daß man mit eben 
diesem Motorrad allein und völlig selbständig 
einmal um den Lagerplatz fuhr. Das war dann 
natürlich der Gipfel der Gefühle. 
Heute aber strebte Thomas' Sinn nach ande 
rem. „Wieviel ist eine Atmosphäre, Herr 
Knoll?" schrie er dem Nachtwächter schon von 
weitem entgegen. „Der Vater hat gestern zu 
einem Bekannten gesagt, daß sic schon bald 
zwei Atmosphären im Caisson haben!" Herr 
Knoll runzelte die Stirn und schüttelte den 
Kopf. Neugierig war dieser Knabe! Doch er 
ließ sich, wie immer, erweichen und führte 
Thomas in die bescheidene Kammer, wo bereits 
allerlei für den Laienverstand bestimmte Zeich 
nungen, darunter auch die eines Caissons, mit 
Reißnägeln an der Wand befestigt hingen. 
„O, Thomas," begann Herr Knoll seine Aus 
führungen, „wenn die Herren Professoren 
wüßten, wie ich die große Wissenschaft einem 
kleinen Jungen mundgerecht mache, ständen 
ihnen die restlichen Haare zu Berge. Also paß 
auf: Unsere Erdkugel ist bekanntlich von einer 
Lufthülle umgeben, deren Gesamthöhe man auf 
etwa 200 bis 300 Kilometer schützt. Ausgemes 
sen hat diese Höhe allerdings noch niemand, da 
schon die Besteigung des 8840 Meter hohen 
Mount Everest mangels atembarer Luft aus 
unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. Auch 
die Stratosphärenflieger sind mitsamt ihre» 
zündet, lodernde Hochzeitsfackeln für Wotan 
und Freya. Von Spuk und Grauen war ur 
sprünglich nicht die Rede, die Hexen sind erst 
in späterer Zeit erfunden morden, und mit der 
heiligen Walpurgis hat die nach ihr benannte 
Nacht überhaupt nichts zu tun. Diese, eine 
Tochter des englischen Königs Richard, war die 
erste Aebtissin im schwäbischen Kloster Heiden 
heim, die nach einer frühchristlichen Legende in 
der Nacht zum 1. Mai von dem Teufel und 
seiner Gefolgschaft überfallen wurde und in der 
Gestalt eines alten Weibes mit feurigen 
Schuhen, einer goldenen Krone und verschiede 
nen Gegenständen, darunter einer Spindel, die 
sich übrigens auch bei der germanischen Göttin 
des Ackerbaues, der Fruchtbarkeit, der Liebe 
und Ehe, Freya, findet, durch Felder und Wäl 
der fliehen mußte. An dieser äußeren Ueber 
einstimmung der Symbole wird die Ver 
mischung alter und neuer Vorstellungen be 
sonders deutlich. 
Von altersher setzte man „Maien" vor die 
Häuser: den leichtfertigen Mädchen als Spott 
und Hohn dürre Bäume oder vertrocknete 
Büsche, die sogenannten „wüsten Maien" oder 
„Schandmaien", der Geliebten dagegen einen 
grünenden Baum, einen bunten Strauß, als 
„Schöne Maien". Aus diesem Brauch ist dann 
die Sitte des Maibaumes hervorgegangen, die 
heute in Deutschland zu neuem Leben erweckt 
worden ist. Auf dem schönsten Platz im Dorf 
wurde eine Birke oder Fichte aufgerichtet, was 
schon aus dem Jahr 1223 aus Aachen berichtet 
wird. Die Sitte hat sich weit über Deutschland 
hinaus auch auf romanische und westslawische 
Gebiete verbreitet. In Deutschland war der 
Maibaum ein hoher, kahler, meist nur mit 
einem grünen Wipfel versehener Baumstamm, 
der nun mit Kränzen und bunten Bändern, 
in einigen Gegenden auch mit den Abzeichen 
der verschiedenen Berufe wie allen möglichen 
Emblemen von der Hand der Dorfkünstler 
geschmückt wurde. Am Morgen des 1. Mai fand 
dann ein Wettrennen zum Maibaum statt, ein 
Wettklettern um die an der Spitze aufgehäng 
ten Preise schloß sich an, vom Maibaum aus er 
folgten die Grenzumgänge, später die feier 
lichen Umzüge, bei denen die Felder und Flu 
ren gesegnet wurden. Zu einer richtigen Mai 
feier gehörten natürlich auch ein Maitanz und 
Essen und Trinken, in Erinnerung an das alt 
germanisch e Fr ü h l i n gsmah l. 
Ein merkwürdiger alter deutscher Brauch ist 
das Mailehen, eine Sitte, deren Ursprung 
wahrscheinlich in die altgermanische Zeit zu 
rückreicht, und die in den verschiedensten Ge 
genden Deutschlands, von Schlesien bis nach 
Holland, von Nordwestdeutschland bis in die 
Schweiz, nachweisbar ist. Die ursprünglich am 
1. Mai abgehaltenen „Versteigerungen" der 
heiratsfähigen weiblichen Jugend — Mailehen 
genannt — erstreckten sich natürlich nicht auf 
den Besitz der ausgebotenen jungen Mädchen, 
sondern allein auf das Vorrecht einer Meistbe 
günstigung von ihrer Seite im gesellschaftlichen 
Verkehr, wie sie bei einer öffentlichen Verlo 
bung dem Bräutigam zuteil zu werden pflegt. 
Gewöhnlich handelte es sich um eine höchstens 
ans ein Jahr befristete Meistbegünstigung. Be 
schränkt war die Teilnahme auf das junge hei 
ratsfähige Volk derselben Gemeinschaft. Bie 
tende und Ausgebotene waren unter den da 
maligen Verhältnissen miteinander wohl be 
kannt, und die ersten zarten Bande waren 
wohl schon geknüpft. So bot die Versteigerung 
der ins heiratsfähige Alter eingetretenen Schö 
nen den jungen Männern oft eine höchst will 
kommene Gelegenheit, ihrer stillen Verehrung 
durch lebhaftes Aufbieten offenen Ausdruck zu 
geben. War dem Meistbietenden ein junges 
. Führer und Arbeiter. 
Adolf Hitler gibt einem Straßenbauarbeiter sein Autogramm. 
Aufgenommen vor einigen Tagen beim Besuch des Führers auf der 
Queralpenstraße. — Zum Nationalfeiertag des deutschen Volkes. 
(Heinrich Hoffmann, K.)
	        
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