Allerlei am aller Wett
Tausendjähriges Holz wird zum dritten
mal verwendet.
In dem Heidedorf Wahrenholz wurde das
letzte strohgedeckte Bauernhaus der Gemeinde
abgebrochen, an seiner Stelle soll ein moder
nes Einfamilienhaus errichtet werden. Man
'and beim Abbruch einen schweren Eichenbal
ken mit einer Inschrift, die darauf hinweist,
daß das Gebäude zu Luthers Zeiten erbaut
worden war. Außerdem ist die Jahreszahl 1000
aus diesem Balken eingehauen, woraus ge
schlossen werden kann, daß dieser Balken be
reits im Jahr 1000 und dann zu Luthers Zei
ten nochmals verwendet worden war. Auch In
schriften an anderen Höfen deuten auf das
Jahr 1000 hin und sind daher ebenso alt. Sämt
liches Eichenholz ist noch so gut erhalten, daß es
jetzt ohne weiteres zum drittenmal Verwen
dung finden kann. Die Farbe ist tiefbraun, und
es hat den Anschein, als ob das Holz noch viel
härter geworden wäre.
Die erste Pyramide von Guatemala.
Neue Funde aus der Maya-Zeit.
Drei ineinander geschachtelte Pyramiden
aus der Mayazeit sind in der Nähe der Stadt
Guatemala von der vom Carnegie-Institut
ausgerüsteten Expedition entdeckt worden. Das
jetzt aufgefundene Bauwerk, die erste Pyra
mide, die im Hochgebirge von Guatemala auf
gefunden wurde, war ursprünglich viel kleiner
und wurde erst nach und nach vergrößert, in
dem um den kleineren Bau ein größerer auf
geführt wurde. Bei den Ausgrabungen stieß
man auf das Innere der mörtelbedeckten
Stufenpyramide und fand gut erhaltene Wän
de und Treppengänge. Auf Veranlassung des
guatemalischen Ministers für Erziehung, Vil-
lacorta, der selbst Archäologe ist, wird die ganze
Maya-Anlage ausgegraben werden. Dr. Kid
der, der Leiter der Expedition, glaubt, daß die
Bergtäler dieser Gegend noch manche Spuren
einer Zeit enthalten, die vor der Blütezeit der
Maya-Kultur liegt, und die den Grundstein
für die herrlichen Bauten bildete.
Die Quadratur des Kreises gelöst?
Ein angesehener kubanischer Mathematiker,
Fiorentino de la Vaca in Havanna, behauptet,
das Problem der Quadratur des Kreises ge
löst zu haben, an dem sich die Wissenschaft von
jeher vergeblich versucht hat. Der Gelehrte hat
seine Formel einer Versammlung von Inge
nieuren und Mathematikern vorgetragen, die,
nach Zeitungsberichten, erklärt haben sollen,
von der Lösung überzeugt zu sein.
Kiuderpuppen leihweise.
Vor einiger Zeit starb in Philadelphia ein
Millionär, der in seinem Testament eine
eigenartige Stiftung ins Leben rief. Er hin
terließ nämlich eine Summe, um in allen An
lagen und öffentlichen Spielgürten der Stadt
Warum mailen Lie so leichtsinnig sein
uns Ihre Haut ungeschützt der Sonne aus-
setzen? Es gibt doch Nivea. Wenn
man sich vor jeder Sonnen-
bestrahlung gut mit Nivea-
Creme oder mit Nivea-Öl 4 “■"
einreibt, dann erhält man ganz
wunderbar schnell eine herr
lich natürliche Hautbräunung
sogenannte „Puppenbibliotheken" einzurichten,
wo kleine Mädchen für einen Cent täglich Pup
pen leihen können. Die Kinder, die die Pup
pen entleihen, geloben feierlich, sie heil und
sauber zurückzubringen, und das ist auch fast
immer der Fall. Ist doch einmal ein Unglück
geschehen, dann ist die kleine Puppenmutter
untröstlich und vergießt heiße Tränen. Drollig
ist, daß die meisten Kinder stets wieder die
selbe Puppe verlangen,' sie haben ihren beson
deren Liebling, und wenn der unglücklicher
weise verborgt ist, ist die Trauer groß.
Heitere Ecke
Die Kasernenhofblüte.
Bei Serenissimus ist ein ausländischer Prinz
zu Gast, der unter den anderen Sehenswürdig
keiten auch die Kasernen besichtigt. Als sie den
Hof durchschreiten, bemerkt der Prinz einen
herrlichen Fliederbusch, dessen Blüten ihn ent
zücken. Auf seine Frage, wie die Blüten auf
deutsch heißen, entgegnet der in Botanik etwas
schwächliche Serenissimus: „Das sind — ja —-
das sind — ja die bekannten „Kasernenhof
blüten"."
Der Ersolg.
Müllers Schängche, ein richtiger kölscher
Lausbub, spricht überhaupt kein Hochdeutsch.
Aber nun haben die Müllers geerbt und sind
„fein" geworden. Natürlich auch das Schäng-
che. Doch das stört sich wenig daran und bab
belt nach wie vor Kölsch.
Die Mama aber wünscht, daß das Schängche
Hochdeutsch lernt. Deshalb wird er in den Fe
rien in ein Dorf in der Nähe von Hannover
zu einer Tante geschickt. Da soll das Johänn-
chen Deutschlands reinstes Deutsch lernen!
Nach vier Wochen holt ihn der Vater wieder ab.
„Nun, Johännchen, hast du auch gut Hoch
deutsch gelernt?" erkundigt sich die Mama.
„Enä", strahlt das Schängche übers ganze
Lausbubengesicht, „ävver et ganze Dörp spricht
Kölsch!"
Die Ruine.
Ein altberühmtes Städtchen wird bewacht
von einer wunderbaren Ruine, die im Besitz
einer Großherzogin ist. Am Eingang prangt
eine Amtstafel mit folgender, nicht besonders
galanter Inschrift:
„Die Besichtigung der Ruine Ihrer König
lichen Hoheit der Frau Großherzogin ist dem
Publikum gestattet. Das Besteigen der Brü
stung ist bei Strafe verboten, und es wird
gebeten, dieses Verbot zu beachten.
Die Polizeiverwaltung."
Die Gleichung.
Der Professor gibt die Klassenarbeit zurück.
„Meier", sagt er, „Sie sollten die Gleichung
mit zwei Unbekannten ausrechnen. Mir scheint
aber, Sie haben sie mit zwei Bekannten aus
gerechnet."
Mit zwei Zentner« dnrch den Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
Von Karl Borromüus Gröber.
Copyright 1985 by Deutsche Berlagsanstalt Stuttgart.
(14. Fortsetzung.)
Am Doiransee war zur Abwechselung die
Anordnung der Truppen ganz anders als
sonst im Krieg. Oben auf den Bergen lagen
in ihren Gräben und Unterständen die Infan
terie und die Artillerie, die den Feind abweh
ren sollten. Drunten im Tal aber, vor der
Stellung, lagen in dem freundlichen Städtchen
Doiran die Bagagen und die höheren und nie
deren Stäbe. So trat der seltsame Fall ein,
daß die Herren vom Train zwischen der vor
dersten Stellung und dem Feinde sich befanden.
Der Feind aber war fern, und wenn sich trotz
dem eine feindliche Patrouille nahte, so sah
man sie schon von weitem kommen und konnte
sie leicht abwehren. Bei solchen Gelegenhei
ten aber war der Besuch in unseren hoch gele
genen Unterständen durch die Herren im Tale
lebhafter als sonst.
Das erste, was der Soldat in einer neuen
Stellung tut, ist, daß er sich eine Hütte baut.
Hütten bauen ist nur dann leicht, wenn man
Holz oder sonstiges Baumaterial zur Verfü
gung hat. All dies gab es hier für den Solda
ten nicht. Nur stachliger Ilex oder Steineichen
bedeckten kaum einen Meter hoch die kahlen
Hänge. Drunten im Tale standen zwar Maul
beerbäume in Massen, aber sie gaben kein ge
eignetes Baumaterial ab. Not macht erfin
derisch! Aus dem stachligen Dornengestrüpp
wurde über einem großen viereckigen Loch,
das für sechs Leute genügend Raum bot, eine
Art Kuppel geflochten, die durch ein paar
knorrige Hölzer versteift wurde. Das Ganze
deckte man mit Nasen, den man in mehreren
Schichten übcreinanderlegte, gehörig ein, be
schwerte es noch mit Steinen, damit das' Dach
richtig zusammenhielt, und fertig war die
Hütte. Sie bot auch den Vorteil, von keinem
Flieger erkannt zu werden. Im Innern wur
den an den Seiten primitive Bänke, die nachts
zum Schlafen dienten, angebracht, und in der
Mitte prangte der aus einem Kistendeckel her
gestellte Tisch. Später kam zu dieser Ausstat
tung noch ein pompöser Kronleuchter, dessen
vier Enden von Ameisen präparierte, mächtig
behörnte Widderschüdel dekorierten. Für die
Unterkunft war so gesorgt, und man konnte
daran denken, in die einfache und wegen der
spärlichen Nachfuhr nicht gerade üppige Ver
pflegung etwas Abwechslung zu bringen. Die
glänzenden, klaren Fluten des Doiransees, den
unzählige Fischerkähne belebten, riefen mir
jene einsame, rote Krebsschere aus dem bul
garischen Unterstand ins Gedächtnis zurück.
Einem Kameraden, der mit seinem Tragtier
als erster in das Städtchen Doiran geschickt
wurde, gab ich drei Mark in einzelnen Zehn
pfennigstücken mit, um mir, wenn möglich, für
dieses Geld Krebse zu kaufen. Am Abend kam
er zurück und lud vor unserer Hütte einen
ungeheuren Sack, gefüllt mit Krebsen, ab. Für
solchen Segen reichte kein Kochgeschirr aus.
Unser gutmütiger Koch, der Krebse auch gern
aß, heizte nochmals die Feldküche an, und nach
einer Stunde ging ein Krebsschmausen los,
Sauerstoffapparaten bisher über lumpige
15 Klm. nicht hinweggekommen. Nichtsdestowe
niger trägt jeder Mensch, der auf Erden wan
delt, auf sich das Gewicht einer mindestens 200
Kilometer hohen Luftsäule, denn auch die
scheinbar so leichte Luft hat, wie du in der
Schule schon gelernt haben wirst, ein spezifi
sches Gewicht. Ungefähr 10 330 Kilogramm
Luftdruck lasten in Meereshöhe auf einem
Quadratmeter Erdoberfläche,' auf dem Mont
Blanc sind es nur noch 5750 Kilogramm. Neh
men wir die Oberfläche eines erwachsenen
Mannes mit 1,75 Mtr. an, so hat er in unseren
Gegenden einen Druck von beiläufig 17 500
Kilogramm auszuhalten, was etwa dem Ge
wicht eines vollbelaöenen Eisenbahnwaggons
entspricht. Aber er fühlt sich sehr wohl dabei,
weil der gleiche Druck auch von seinem Kör-
perinnern nach außen wirkt und unser Orga
nismus eben auf diesen Luftdruck geeicht ist.
Anders liegen die Verhältnisse im Caisson, in
den zur Verdrängung des Wassers Preßluft
von, sagen wir, zwei Atmosphären Druck ein
gepumpt wird. Daß man mit dem Wort „At
mosphäre" nicht nur die den Erdball um
gebende Lufthülle bezeichnet, sondern auch die
Maßeinheit des Druckes, unter dem sich eine
Flüssigkeit, Dampf oder Gas befindet, weißt
du wohl. Eine Atmosphäre Druck bedeutet so
viel wie den Druck, den eine 760 Millimeter
hohe Quecksilbersäule oder eine 10 Meter hohe
Wassersäule oder 1 Kilogramm auf 1 Quadrat-
zentimeter ausübt. Wenn du ein wenig zu
multiplizieren verstehst, kannst du dir ausrech
nen, wieviele Waggonladungen an Luftdruck
dem Körper eines Arbeiters im Caisson aus
gelastet werden, wenn der Druckmesser oder
Manometer auf 2 Atmosphären steht. Doch der
Mensch gewöhnt sich beinahe an alles. Um dies
zu ermöglichen, muß der Arbeiter vor dem
Einstieg in den Caisson eiüe Stunde bei lang
sam ansteigendem Luftdruck in der sogenannten
Schleuse verweilen, und nach dem Ausstieg
wieder eine Stunde, doch diesmal bei langsam
fallendem Luftdruck. Der plötzliche Uebergang
wäre in beiden Fällen lebensgefährlich. Des
senungeachtet, und obwohl man für die Cais
sonarbeit nur völlig gesunde Männer nicht
unter zwanzig und nicht über vierzig Jahre
auswählt, kommt es manchmal vor, daß die
Natur streikt und einer nach Feierabend von
einer rätselhaften Krankheit befallen wird, der
sogenannten Caissonkrankheit. Ta gibt es denn
nichts anderes, als ihn schleunigst wieder un
ter hohen Luftdruck zu setzen, soll er nicht elend
zugrundegehen."
Mit großen runden Augen hatte Thomas
diese erstaunlichen Dinge gehört. Nun fiel sein
Blick zufällig aus Herrn Knolls Weckeruhr.
Zehn Uhr fünfzehn. Wie von der Tarantel ge
stochen sprang er auf und stürzte hinaus. Nicht
einmal Zeit zum „Danke" sagen blieb ihm.
Knapp hinter Thomas kam auch der Vater
nach Hause, fröstelnd in seine große Decke ge
hüllt, müde, schweigsam, wie immer. Stumm
setzte er sich zu Tisch und löffelte die Suppe.
Doch heute schmeckte es ihm nicht wie sonst.
Bald legte er den Löffel weg und begann sich
auszukleiden. Thomas hätte seine neu errun
gene Wissenschaft natürlich gar zu gern aus
gekramt, aber er wußte, daß der Vater für die
technischen Interessen seines Sohnes nicht viel
übrig hatte. So schwieg auch er und begab sich
ebenfalls zu Bett.
Mitten in der Nacht wachte Thomas auf.
Sein Vater saß auf einem Stuhl vor dem Tisch,
stützte den Kopf in die Hände und stöhnte.
„Was ist dir, Vater?" fragte Thomas. Keine
Antwort. Taumelnd stand der Vater auf,
machte ein paar unsichere Schritte zur Stuben
tür und sank lautlos in sich zusammen. Mit
einem Satz war Thomas bei dem auf der Diele
Hingestreckten und rüttelte ihn. „Vater! Va
ter!" Tödlicher Schreck ließ das Herz des Kna
ben einen Augenblick stille stehen. Das mußte
die Caissonkrankheit sein. Deutlich klang ihm
die Stimme des Herrn Knoll in den Ohren:
„Da gibt es nichts anderes, als ihn schleunigst
wieder unter hohen Luftdruck zu setzen, soll er
nicht elend zugrundegehen!"
Niemals im Leben war Thomas so schnell
in den Kleidern gcivesen wie jetzt. Er sprang
zur Tür hinaus uud schrie laufend ein ums
andere Mal: „Herr Knoll! Hilfe! Hilfe! Herr
Knoll!" Ob der Wind schuld daran war oder
ob der Nachtwächter vielleicht gerade hinter
einem hohen Holzstoß stand — niemand weiß
es,' aber des Knaben Hilferufe verhallten un-
gehört. Atemlos erreichte er den Lagerplatz.
Finster und verlassen lag alles da. Nur Herrn
Knolls Motorrad lehnte in dem unversperrten
Schuppen, und jäh durchzuckte ein Gedanke
Thomas' Hirn. Ehe er noch zu Ende gedacht
war, saß der Junge schon auf dem Rad und
trat auf den Anlasser.
Wie er es zuwege gebracht hatte, den schwe
ren Körper des Vaters auf den kleinen Hand
wagen zu laden, konnte sich Thomas später
nicht erklären. Aber wer einmal gleich ihm
wahre Todesangst erlebte, wird die Verdoppe
lung seiner Kräfte vielleicht begreiflich finden.
Denn in diesen Minuten wußte Thomas plötz
lich, daß es auf Erden für ihn nichts Kost
bareres gab, als das Leben dieses schweig
samen, mürrischen Mannes.
Den Handwagen mit dem Vater im Schlepp
tau des Motorrades, fuhr er in der finsteren
Nacht zur Baustelle.
Die Männer bei der Preßluftmaschine schau
ten nicht wenig, als sie des sonderbaren Fuhr
werkes ansichtig wurden. Mit hastigen Wor
ten erzählte ihnen Thomas von seinen Be
fürchtungen, und daun hielt man sich nicht
mehr mit langen Reden auf. Während einer
sich bemühte, am Fernsprecher einen Arzt aus
dem Schlaf zu klingeln, trugen zwei andere
Arbeiter den bewußtlosen Kameraden in die
Schleuse. Es hatte auf der Arbeitsstelle schon
einmal einen Fall von Caissonkrankheit ge
geben, so daß man bereits über einige Praxis
verfügte.
um das uns selbst der alte Gargantua beneidet
hätte. Jeder, der mithalten wollte, konnte sich
von Herzen gütlich tun. Als dann um Mitter
nacht das letzte Schalentier vertilgt war und
uns die Kinnbacken schmerzten, suchten wir
noch fein säuberlich die leuchtenden Schalen
zusammen und bauten damit ein kleines Denk
mal unseres Schmauses auf. Die Krebse stie
gen übrigens rasch im Preis, und man konnte
bald für drei Mark nur noch ein bescheidenes
Mahl für einen Mann bekommen. Von jenem
Krebsessen, das vom Abend bis zur Mitter
nacht währte, träume ich manchmal noch heute.
Mit den Schildkröten, die es später in Massen
gab, machten wir weniger gute Erfahrungen
als mit den Krebsen. Der Versuch, aus den
größtem und dicksten Exemplaren jene sonst so
beliebte Bouillon zu kochen, schlug vollständig
fehl, und das Fleisch war nur mit altem, nassem
Radiergummi zu vergleichen. Das Leben auf
unserem klassischen Beobachterstand war recht
ruhig. Nur einmal kam ein Fliegergeschwader
von beinahe dreißig feindlichen Flugzeugen
über unsere Stellung und warf heftig knallen
de, aber nicht allzu gefährliche Bomben aus so
geringer Höhe auf uns herab, daß einige Un
entwegte sogar mit Handgranaten nach ihm
werfen konnten. Erfolg hatten sie zwar keinen
zu verzeichnen, um so mehr aber der berühmte
Jmmelmann, der mit seinem roten Flugzeug
wie ein Teufel in die Schar der Feinde stieß.
Zwei von den feindlichen Flugzeugen stürzten
brennend in den Doiransee, die anderen mach
ten sich rasch aus dem Staube. Auch auf unsere
Hütte war eine kleine Bombe gefallen, sie harte
aber nur ein paar Steine weggerissen.
Unsere Pferde und Tragtiere weideten in
großen Scharen, von wenigen Mann bewacht,
an den Abhängen der Berge. Es kam öfters
vor, daß sich einige Tiere verliefen, und daß
man sie in der Umgebung suchen mußte. Diese
Arbeit galt als Erholung und angenehme Ab
wechslung im Stellungskrieg. Es waren gemüt
liche Ausflüge zu Pferd, die man durch kleine
eingeschaltete Wettrennen noch besonders
würzte. Bei einem solchen Rennen fiel ich ziem
lich unsanft beim Ueberspringen eines Gra
bens vom Pferd. Diese bei mir an sich nicht
auffallende Tatsache wäre kaum der Erwäh
nung wert. Interessant aber war, wie die bul
garischen Kavalleristen, die in der Nähe lager
ten, mein zerschundenes und blutendes Gesicht
behandelten. Sie wuschen mich mit dem übrig
gebliebenen Wasser aus den Kübeln, aus de
nen sie kurz vorher ihre räudigen Pferde ge
tränkt hatten, und trockneten mich mit Hand
tüchern ab, die jeder Sauberkeit Hohn sprachen.
Durch diese Behandlung war ich schließlich
schmutzig wie ein kleiner Bube, der im Dreck
gespielt hat. In ziemlich raschem Tempo bin ich
dann in unser Quartier zurückgetrabt, um
mir möglichst bald eine Tetanuseinspritzung
geben zu lassen, denn in jener Gegend war
Wundstarrkrampf eine häufige Erscheinung.
Wir hatten geglaubt, daß das Frühjahr hier
viel früher käme als bei uns zu Hause, aber
erst gegen Ende März wurde es langsam grün.
Seltsame Pflanzen, die wir nie gesehen hatten,
blühten in den Felsschluchten. Um die Blüten
pracht aus allernächster Nähe zu genießen, leg
ten wir auf dem Dach unserer Erdhütte einen
regelrechten 'botanischen Garten an und ver
setzten hierher alle interessanten Pflanzen, die
wir fanden. (Fortsetzung folgt.)
In der Eile aber übersah man, daß auch
Thomas in die Schleuse mit hineingerutscht
war. Er kniete an der Seite des Vaters, hielt
dessen schwere Arbeitshände in seinen Kna-
benhündcn und schaute ihm angstvoll ins Ge
sicht. Doch merkwürdig, je mehr Farbe in dessen
Gesicht zurückkehrte, desto beklemmender fühlte
Thomas ein unbestimmtes Etwas auf sich zu
kommen. Der steigende Luftdruck, der den
Mann dem Leben wiedergab, war im Begriff,
das Leben des Knaben zu vernichten. Als der
Vater die Augen aufschlug, sank Thomas ohn
mächtig vornüber. Und nun war es der Vater,
der dem Sohn das Leben rettete.
Zwei Wochen später gingen ein Mann und
ein Knabe zur Baustelle der neuen Brücke.
Bloß ein wenig zusehen, denn beide waren erst
gestern aus dem Krankenhaus entlassen wor
den. Nun hatte man im Senkkasten längst
festen Grund erreicht, der Caisson war mit Be
ton ausgefüllt, und auf ihm erhob sich ein bald
vollendeter riesenhafter Pfeiler, von dem sich
die Eisenkonstruktion der Brücke kühn zuin
andern Ufer schwingen sollte.
Sie sprachen auch jetzt nicht viel, Thomas
und sein Vater, aber die Art, wie der Mann
zuweilen seine Hand auf die Schulter des Kna
ben legte, und wie der Knabe zu ihm aufsah,
zeigte, daß diese zwei Menschen für alle Zeiten
zusammen gehörten. Und nachdem sie wieder
eine Weile geschwiegen hatten, sagte der Vater
unvermittelt: „Du wirst aber sehr viel lernen
müssen, Thomas, wenn du wirklich ein Inge
nieur werden willst." Mit einem richtigen Jun
genschrei fiel ihm Thomas um den Hals, und
der Vater lächelte, als ob er nicht soeben sei
nen Traum von Wald und Wiese, freiem
Himmel und eigener Scholle für viele Jahre,
ja vielleicht für immer begraben hätte. Aber
so sind sie alle, die Väter und Mütter, und über
ihre Herzen hinweg schreiten die Kinder in ihr
eigenes Leben.