SZâMiM
Ein Sang von Treue und Liebe
Roman von Leontine v. Winterfeld-Plate«
*8) Nachdruck verboten.
.In Sigruns junger reiner Frauenseele war
ein stilles Hofsen wachgeworden. Das half ihr
fort über alle Schwierigkeiten und gab ihr
Mut und Kraft.
Heimlich wollte sie mitfahren in das Land
dieser sonderbaren, grausamen Fürstin. Und
wollte sie anflehen auf den Knien um Olafs Le
ben. ,
War nicht Julia auch eine Frau wie sie und
wußte fühlen wie sie? Mußte sie nicht Mit-
ļwd haben mit ihrer großen Not und sich ihrer
srbarmen? Ach, es wohnt ja in jedem Men-
Ichenherzen ein Fünkchen Mitleid und Erbar
men, das wollte Sigrun anfachen mit aller
liegenden Kraft ihrer Liebe. Und wenn sie sich
selber demütigen mußte bis in den Staub vor
oieser fremden stolzen Frau!
Es war ja für Olaf!
Und um das bleiche Gesichtlein des Fischer-
knaben sprang ein stilles, gläubiges Lächeln,
nls sie die Hände über die Brust preßte und
über das weite Wasser sah.
Es war am Abend des ersten Reisetages ge
wesen. Da verspürte Sigrun heftigen Hunger
sn ihrem Versteck und sah sich nach ein wenig
Speise um. Da fand sie in ihrem dämmrigen
Eelaß eine Tonne mit gedorrten Fischen und
srisches Trinkwasser, das man mitgenommen
hatte für die Fahrt. Und sie nahm ein wenig
von beiden nnd stillte so Hunger und Durst.
Als es dunkelte und die Nacht kam, trug sie
bie Fischnetze zusammen und machte sich ein
Lager zurecht. Das war wohl hart und unge
wohnt, aber ihr deuchte es süß, denn es war
la in Olafs Nähe — ans Olafs Schiff. Und sie
schlief ruhig und fest, wie auf ihrem weißen
Linnen daheim in der Burg. Durch die kleine
Luke sah sic die Sterne ziehen am dunklen
Firmament und über sich auf den Holzplanken
des Verdecks hörte sie den ruhigen, gleichmäßi
gen Schritt der Wachen.
So ging es viele, viele Tage und Nächte, und
sie wußte nicht mehr, wieviel Zeit vergangen
war seit der Abfahrt. Aber die Stunden wur
den ihr nicht zu lang, da sie hier unten ver
borgen saß. Sie dachte an das, was sie tun
wollte und an das milde Verzeihen der frem
den Fürstin. An Olafs endliche Heimkehr
dachte sie, umbraust vom Jubel der Mannen.
Und sie spann sich so tief hinein in diese
Träume, daß sie meinte, es könnte gar nicht
wehr anders möglich sein.
Da geschah es nach einigen Wochen, daß einer
der Mannen hinabstieg in den düsteren Raum,
da ihr Vorrat an Deck aufgebraucht war. Sie
hatte das schon lange erwartet und sich für den
Fall ein Versteck unter dem alten Netzwerk
hergerichtet.
Aber nun geschah es so ganz früh am Mor
gen, als sie noch im tiefen Schlummer lag.
Es war Jllfert, der Alte, der sie schon auf sei
nen Armen getragen, als sic noch ein Kind
war. Wie erstarrt stand er vor ihrem Lager
Und schaute auf das blasse, schlafende Gesicht.
Und konnte es nicht fassen, daß das Königskind
so in Fischerlumpcn hier vor ihm lag.
Da schlug sie auch schon die Augen auf und
rieb sie sich erstaunt und verwirrt. Bis ihr
plötzlich alles klar wurde, daß sie verraten war.
Da hob sie flehend beide Hände und Tränen
schossen ihr in die blauen Augen.
„Sag' niemand, daß du mich hier gefunden
hast, alter Jllfert, hörst du? Niemand! Ich
mutz verborgen bleiben, bis wir am Ziel sind."
Er schüttelte den grauen Kopf und konnte es
nicht fassen.
„Und was wird Olaf sagen? Ich muß es ihm
kund tun, sonst wird er zornig auf mich, wenn
er es hernach erführt. Er würde es niemals
dulden, daß Ihr so jämmerlich hier Euer Da
sein fristet im dunklen Schiffsbauch."
Da sprang Sigrun auf. Mit beiden Händen
griff sie nach den Schultern des Alten in heißer
Angst.
„Gerade Olaf darf es nimmer wissen, Jll
fert, denn sonst wendet er das Schiff und bringt
mich erst wieder nach Nordland zurück in
Sicherheit. Das darf nimmer sein. Ach, Jllfert,
hab' Erbarmen und sieh nicht so finster drein.
Laß mich bei meinem Tun, wenn es dir auch
wunderlich scheint. Die Götter gaben es mir
ins Herz, daß ich also handeln muß."
Da ließ er sich erweichen und versprach, nichts
zu verraten. Aber weiche Decken brachte er ihr
heimlich herab, daß sie besser lüge, und Brot
und saftigen Bärenschinken. Und sah alle Tage
nach ihr, wenn die andern schliefen, und be
treute sie wie sein eigen Kind.
So kamen sie langsam gen Süden und die
Sonne brannte heißer vom wolkenlosen Him
mel.
*
In ihrem Palmengarten am Meeresufer
wandelt die Fürstin von Sizilien. Es ist in
später Abendstunde, und die Sterne kommen
groß und schweigend aus dem violetten Dun
kel. Eine weiße Marmorbank steht am
Strande, von Palmen und blühenden Orangen
überschattet. Müde läßt sich Julia nieder auf
dem Ruhesitz und faltet die Hände im Schoß.
Ueber die weiten Wasser irrt ihr sehnender
Blick, und ihre Lippen zittern.
„Vier Monde sind es jetzt, daß er ging! Ich
Närrin, die ich ihn gehen ließ! O, du Nord
landsgreif!"
Und sie legt die Hände vor das Gesicht und
stöhnt. Durch den Garten klingt ein leichter
Schritt, eine ihrer Sklavinnen steht vor ihr.
„Fürstin, die Sänfte wartet. Ihr wolltet an
den Hafen."
Müde sieht Julia auf aus halbgeschlosscnen
Lider«.
„Ich mag nicht mehr."
Die Sklavin steht unschlüssig.
„Der Abend ist schön, Fürstin, sollen wir
Euch zur Laute spielen im Garten?"
Wieder schüttelt Julia den Kopf.
„Geh, du langweilst mich."
„Herrin, es sind Händler vor der Tür mit
Waren aus Aethiopien.
Julia spielt mit ihrem Fächer und gähnt.
„Sie mögen warten."
„Meine Fürstin hat erst wenig gegessen
heute. Soll ich Früchte bringen und Wein?"
Wieder schüttelt Julia den dunklen Kopf.
„Ich mag nichts. Ich will allein sein."
Gehorsam entfernt sich die schwarze Sklavin.
Hinter den Palmenbüschen bleibt sie wartend
stehen neben ihren Gefährtinnen, eines plötz
lichen Rufes oder Winkes ihrer gestrengen
Herrin gewärtig.
Regungslos bleibt Julia sitzen.
Ueber dem Meere geht der Mond auf und
gießt sein weißes Licht über das schlafende
Wasser. Kaum merklich rührt ein Abendhauch
die feinen Wedel in den hohen Palmengipfeln.
Von der fernen Stadt blinken die Lichter her
über, irgendwo tönen Ruderschläge und schwer
mütiger Gesang aus dem Dunkel.
Und leise spricht Julia vor sich hin, abgeris
sen — wie im Fieber:
„Er kommt nicht wieder! O, daß ich seinem
stolzen Wort geglaubt! Bei Sigrun ist er
nun, und sie lachen über mich."
Minutenlang lauscht sie hinaus in die
tiefe Stille, als warte sie auf etwas — sehn
süchtig, inbrünstig. So tut sie schon seit Wochen
und wird täglich bleicher und matter. Aber
auch herrischer und grausamer, wie ihre Skla
ven zitternd spüren.
Jetzt greift sie mit beiden Händen an die
Stirn und stöhnt wieder.
„Und wenn er dennoch käme? O, dann will
ich ihn halten mit eisernen Banden und ihn
zwingen mit all meiner Schönheit und Liebe,
daß auch er mich lieben muß! Wie schal ist
mein Leben ohne ihn! Wie leer und schal. Mein
Gold und Silber — all meine Pracht — wie
ekelt mich davor! O, daß er mich verachtet
hat! Wie soll er's büßen! Aber er kommt ja
nie zurück. Ein Narr — ein Tor wäre er,
wenn er's täte.
Langsam steht sie auf. Langsam und müde
steigt sie den Palmenhügel empor, auf dessen
Höhe die weißen Säulen ihres Marmorhauses
zwischen Lorbeer- und Orangenbüschen winken.
Die Stufen steigt sie empor zur großen Halle,
die im matten Lichte der Ampel rosenrot schim
mert. Als sie den Vorhang zurückschlägt, stür
men von der anderen Seite jubelnd ihre
Mohrensklavcn herein.
„Fürstin, Fürstin, das Schiff aus Nord
land!"
An der Säule muß sie sich halten, sonst wäre
sie umgefallen vor jähem Schreck.
Fassungslos starren ihre schwarzen Augen
auf die Boten, sie ringt nach Atem.
Dann greift sie mit den Händen in die Luft.
Wie ein Jauchzen kommt es vor ihren Lippen:
„Ihr Götter, er ist da!"
Der erste der Sklaven neigt sich tief zum
Marmorboden.
„Was soll mit dem Gefangenen werden,
Fürstin?"
Es ist, als erwache sie aus tiefem Traum.
Wirr sieht sie sich um. Und ihre Lippen stam
meln freudetrunken:
„Hierher, hierher! Den Nordlandsgreifen
führe mir hierher!"
Demütig neigt sich der Sklave.
„Und die andern?"
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llm ganzen erscheinen 15 „§ritz"-Anzelgen, Sie letzte
am 16. 3uli 1936. LinscnSungszcit vom 20. stuli bis 20.
August 1936. Preisverteilung ab 15. September 1936.
Oie Auslosung erfolgt unter Aufsicht eines Notars. Oie
Entscheidung ergeht enSgültig unter Ausschließung -es
Rechtsweges. Oie Gewinner werben Sirckt benachrichtigt.
Bitte ausschnànl
Sie fährt sich mit der Hand über die Stirn.
„Die mögen bleiben, wo sie wollen. Hörst du
nicht? Stehst du noch immer da? Den Nord-
lanösgreifen will ich!"
Stumm verschwindet der Sklave.
Aber Jlllia steht noch immer steil und re
gungslos in der Marmorhalle.
Ihre Augen leuchten, ihre Augen brennen
wie im Fieber.
Und in seligen, abgebrochenen Lauten stam
melt sie vor sich hin:
„Er kam doch! — Er kam doch! Ob ihm
Sigruns Schönheit nicht mehr schön genug
war nach dir? Ob er sich doch zurücksehnte nach
mir? Denn warum käme er sonst?"
Sie reckt die Hand zum Himmel und lacht
und lacht.
„O Welt, wie bist du so jäh verwandelt! O
traumreiche Nacht des Südens, wie bist du voll
Süße und voller balsamischer Düfte! Nun
sollen sic mich schmücken, daß ich schöner bin als
alle Frauen der Erde!"
Und sie klatscht in die Hände, daß die
Sklavinnen von allen Seiten herbeieilen.
Der Purpurvorhang schließt sich hinter den
Frauen, die ihre Herrin schmücken wie zum
größten Fest. s' '-■-
Während Julia in ihren Gemächern weilt,
führen Sklaven den jungen Olaf in die Halle.
Sonnen- und seegcbrüunt steht er da. Es ist
nicht mehr das Jünglingshafte in seinem Ge
sicht — ausgereift und männlich wurden seine
Züge in den letzten wilden Kampftagen seines
jungen Lebens.
(Fortsetzung folgt.)
Kreuzworträtsel.
21
77
23 I
26
77
73
31
Waagerecht:!. Flaschenteil, 5. Gegner Luthers, 8. sagen
hafte Königstochter, 9. Destillationsprodukt, 11. Vorbild, 12. Ge
sangsstück, 13. Gleichwort für „Aussehen", 14. weiblicher Kurz
name, 15. Tuchart, 17. bekannte Oper (Bizet), 20. Meerestier,
21. Gebirgsschlucht, 24. Stadt in Rußland, 26. niedersächsischer
Dichter, 23. waagerechte Stange z. Halten d. Segel, 29. bekannter
Weinort an der Mosel, 30. Spaß, Scherz, 31. männlicher Vor
name. — Senkrecht: 1. weiblicher Kurzname, 2. Blutgefäß,
3. biblischer Frauenname, 4. Salzwcrk, 5. griechischer Buchstabe,
6. römische Fruchtbarkeitsgöttin, 7. unbestimmtes Fürwort, 8.
Mädchenname, 10. sachlich, wirklich, 16. Eintritt(sgeld), 17. Teil
der Kirche, 18. Schweizer Stadt an der Aare, 19. Kulturgeschichts
forscher und Erzähler, 21. islamitischer Richter, 22. einer der
Lehrer Schillers, 23. Hirsch arktischer Gebiete, 25. Rheinarm, 27.
Körperteil.
Bilderrà
Silbenrätsel.
2 — bis — bo — bre — eher — dach — dan — del — den — e
ei — eis — est — i — ir — li — ine — ment — mer — ne — ne —
ne — no — po — re — re — rik — röh — ru — sa — se — spei
— sta — su — tan — te — te — then — tram — tri —
turn — ul.
Aus obigen 42 Silben sind 16 Wörter zu bilden, deren An
fangsbuchstaben und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten
gelesen, ein Sprichwort ergeben.
1. Teil des Hauses, 2. europäische Hauptstadt, 3. Planet, 4.
italienische Hasenstadt, 5. Gefäß, 6. Laubbaum, 7. Nadelbaum,
8. angeblicher Gründer des russisch. Staates, 9. inncrasrikanische
Landschaft, 10. Springbrett, 11. Spezialschiff, 12. Schnee
leopard, 13. Teil des Halses, 14. letztwillige Verfügung, 15.
Musikzeichcn, 16. Frauenname.
Achtung! — Ausflügler!
Sie wird geführt von heiligem Zeichen,
doch tut man gut, ihr auszuweichen,
denn wer ihr schutzlos preisgegeben,
riskiert vielleicht sogar sein Leben.
lumvnMs
Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Maul, 5. Berlin,
7. Kur, 8. Maas, 10. Legat, 12. Shaw, 14. Ei, 15. Nab,
17. Ehe, 18. Alp, 20 Gas, 22. As, 23. Reis, 25. Sport, 27. Rute,
29. Ida, 30. Saline, 32. Rind. — Senkrecht: 1. Meran,
2. Ar, 3. U(m, 4. Lias, 5. Bug, 6. Nahe, 7. Keiler, 9. Sahara,
10. Lear, 11. Tag, 13. West, ~16. Bas, 19. Pius, 21. Spind,
24. Star, 26. Ode, 28. Eli, 31. in.
Bilderrätsel: Wie die Saat, so die Ernte.
Silbenrätsel: 1. Wolkenkratzer, 2. Immortelle, 3. Eduard,
4. Erdbeben, 5. Imkerei, 6. Nautik, 7. Eule, 8. Roggen,
9. Schanghai, 10. Erde, 11. Iltis, 12. Negerin, 13. Elisabeth,
14. Esendi, 15. Luzern, 16. Tsetsefliege, 17. Eiger, 18. Rettich,
19. Nagelschere, 20. Eldorado, 21. Hokuspokus, 22. Regenbogen
haut. — Wie einer seine Eltern ehrt, so ehren
ihn seineKinder.
So und so: Ruhm — Rum.
Der Witz in der Geheimschrift: Schlüsselwörter:
1. Bindehaut, 2. Vormund, 3. Skrupel, 4. Gemach. — Der
Stoppelbart: „Du mußt dich rasieren, Vati. Du siehst nicht
gut aus mit deinem Kaktusgesicht."
Particaufgabc Nr. 57:
Weiß Schwarz
Ddl—all«) Lf6XDal **)
S£5Xg7+ Ke4—d4 *•*)
Sg7-e6#
*) Wohlberechnetes Damenopfer. — **) Schwarz muß mit
Läufer i6 nehmen, denn sonst geht der Springer t5 im nächsten
Zuge nach d6 mit Doppetschach und matt. — ***) Einzig mög
liches Feld.
Drei Landschaften.
Stromschnellen in Finnland,
Straußcnart,
Kurort im Schwarzwald,
spanische Insel,
Mittellosigkeit,
Beschädigung,
Mittagsruhe,
Stadt in Mecklenburg,
Sundainsel,
mittelamerikanischcr Freistaal,
Inselgruppen im Aegäischen Meer.
Die Silben:
alb — ar — den — die — du — e — gel — geld — her — hon
— i — ka — ka — lä — litz — ma — ma — man — mi —>
neu — nor — ra — ras — ren — rung — si — spo — sta — stre
— su — su — tra — tra
benutze man zur Bildung der gefragten Begriffe. Die Mittel
silben der dreisilbigen Wörter nennen, im Zusammenhang ge
lesen, drei Landschaften, und zwar: 1. Landschaft in Ostpreußen,
2. Landschaft in Frankreich, 3. Landschaft in Spanien.
Geleitet von W. Koppe.
Aufgabe Nr. 8.
Vorhand erhält das Spiel mit 40 und spielt Offenes Null.
Nach dem ersten Stich, bei dem 4 9, 4 8 und 4 As fallen, legt
Vorhand die Karten auf:
Hinterhand, der mit 4 As genommen hat, ist jetzt am Spiel
bei folgendem Blatt:
PP
Er spielt 4 Dame, Vorhand gibt 4 10, Mittelhand wirft
O König ab. Das Offene Null ist' zu legen, wenn Hinterhand
jetzt richtig Weiterspielt, Wie hat das zu geschehend