Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Der Arbeitseinsatz 
lM Frühjahr 
Das 4. Mal trifft sich das werktägige deutsche 
Dolk am 1. Mai zur gemeinsamen Feier. Im vort 
un Jahr kamen wir noch zum „Tag der nationa- 
en Arbeit" zusammen; mit der diesjährigen Be 
nennung „Nationaler Feiertag des Deutschen Vol- 
ķks" dürften wir der endgültigen Formulierung, 
^ìe anzustreben sicherlich wünschenswert ist, erheb- 
näher gekommen sein. Wir bringen einen kur 
zen Rückblick über den bisherigen Werdegang des 
Arbeitseinsatzes. 
Die erste Frage, die sich einem aufdrängt, ist die 
ņ»ch der zahlenmäßigen Entwicklung der Arbeits- 
wsen bzw. Beschäftigtenzisfer, kurz des Arbeitscin- 
şatzes, wie man heutzutage symptomatisch sagt statt 
°es ivarenmäßigen Arbeitsmarktes. 
Der Arbeitseinsatz in den letzten Jahren 
1932 
1933 
1934 
1935 
1936 
Zahl der 
beschäftigten 
Februar 
Zahresdurch schnitt 
12.5 
13,1 
14,0 
14.7 
15,1 
14.7 
15.3 
16,0 
15,7 
Arbeitslose bei 
°en Arbeitsämtern 
Februar 
a . März 
Oahresdurchjchnitt 
6.13 
6,03 
5,60 
6,00 
5,60 
4,73 
3,37 
2,80 
2,66 
2,76 
2,40 
2,15 
2,52 
1,94 
Die Beschäftigtenzisfer ist von 12,3 Millionen im 
Jahresdurchschnitt 1932 auf 16,0 Millionen in 1935 
Lestiegen. Im März 1938 zählten wir nicht ganz 
~ Millionen Arbeitslose, soweit sie von den Arbeits 
ämtern ersaßt wurden, 8 660 000 Menschen sind so- 
init während der letzten 3 Jahre in Brot gekommen! 
ist selbstverständlich, daß mit schwindender Ar- 
^eitslosenziffer die Schwierigkeiten ihrer Beseiti 
gung wachsen, aber wir sind auch im letzten Jahr 
vorangekommen trotz des empfindlichen Rückschlags 
”« vergangenen Winter. Ja, berücksichtigt man, daß 
uvn Ende Januar bis Ende März 1935 die Ar 
beitslosigkeit von 2 973 000 auf 2 402 000. d. h. um 
b^lOOO, zurückgegangen ist, in derselben Zeit 1936 
bagegen von 2 520 000 auf 1937 000, d. h. um 683 000, 
îo kann man selbst bei gebührender Würdigung 
einiger Sonderumstände scinbezogenes Saargebiet, 
verstärkte Unterbringung bei Wehrmacht und Ar 
beitsamt) geradezu von einem Märzvorstoß gegen 
bie Arbeitslosigkeit reden. Die Gebote der Sachlich 
keit machen es unschicklich, an die weitere Wieder- 
^instellung von Arbeitskräften den in den letzten 
wahren gewohnten Maßstab anzulegen. Den Maß- 
Uahmen der Arbeitsbeschaffung sind naturhaste 
Grenzen gezogen, die Forderung „Arbeitsbeschaf 
fung um jeden Preis" mit Hilfe der Notenbank, 
"Und sei es Pyramidenbau", hat keinen Sinn, so 
mit werden wir um jedes 100 000 weniger in Zu 
kunft mühselig ringen müssen und an einer gewis 
sen Grenze zufrieden sein, wenn wir uns aus dem 
erreichten Stand vorerst überhaupt halten. 
. Wir müssen an dieser Stelle auf Erscheinungen 
’«nerhalb der Gesamtbewegung der Arbeitslosig 
keit Hinweisen, von denen aus man zwar nicht auf 
bie zukünftige Aufnahmefähigkeit der Wirtschaft an 
Arbeitskräften allgemein schließen darf, die aber 
boch ein treffliches Beispiel sind für die schwindende 
"Tiefenwirkung" der Arbeitslosigkeit. Auf je 100 
"nterstützungsempfünger im Jahresdurchschnitt ka 
men 1933 in der Arbeitslosenversicherung an Zu 
bangen 589, an Abgängen 630, 1934: 801 bzw. 806, 
i035: 598 bzw. 767. Bon den Abgängen der Arbeits 
losenversicherung wiederum wurden (nach 20 Wo- 
Ģen Unterstützungszeit) in die Krisenfürsorge „aus- 
Sesteuert" 1932: 44 Proz., 1933: 31 Proz., 1934: 
^ Proz., 1935: 16 Proz. Die Zahlen geben ein 
beredtes Zeugnis. Sie zeigen, baß 1932 fast jeder 
Zweite Arbeitslose ausgesteuert werden muhte, also 
”ach 20 Wochen keine Arbeit fand. 1935 dagegen 
u»r jeder 6. Die Zu- und Abgänge ihrerseits sind 
Mn Kennzeichen für die Beweglichkeit im Arbeits 
platz, als Folgeerscheinung gestiegener Wirtschaft 
ler Frische. Die Chancen, einen besseren Arbeits 
platz zu erhalten, sind größer, das Risiko bei der 
Aufgabe des alten demgemäß kleiner. Es kann er- 
pulicherweise nicht ausbleiben, daß sich dieser 
schnellere Wechsel im Arbeitseinsatz auch im Bereich 
°er jetzigen Arbeitslosen auswirkt, zum weitaus 
süßeren Teil aber dürfte der Wechsel unter den 
bereits Arbeitenden stattfinden. 
.. Die Wucht, mit der die Belebungskräfte auf die 
Übrige Wirtschaft wirkten, läßt sich deutlich am ge 
legenen Einkommen ablesen. Bleiben wir zunächst 
eim Gesamteinkommen, dem sog. Volkseinkommen, 
as mit 55,5 Milliarden MM in 1935 bereits auf 
2 93 Proz. des Höchststandes von 1928 srd. 60 Mil- 
"arden) angestiegen ist (1932: 75 Proz.: 1933 : 79 
ņoz.). Gegenüber 1934 ist das Volkseinkommen 
938 um 6 Proz. gestiegen, gegen 1932 um 23 Proz. 
pler Ausschaltung der Preissteigerung ermäßigen 
ach diese Anteilsziffern auf 3 bzw. 20 Proz. 
Innerhalb des Volkseinkommens ist das Arbeits- 
Mnkommen, das ist die Summe aus Lohn und Ge- 
şi von 26,8 Milld. MM in 1938 auf 29,6 Milld. 
’« 1984 und 31,8 Milld. MM in 1985 gestiegen (ohne 
Saarland 31,5 Milld.). An der Gesamteinkommens 
algerung von 1932 bis 1935 (10,5 Milld.) ist das 
Arbeitseinkommen (+ 6,5 Milld. MM) mit etwa 
55 
Proz. beteiligt, oder anders ausgedrückt, der 
^«teil des Arbeitseinkommens am Bolkseinkom- 
’r« beläuft sich 1935 wie in 1933 fast unverändert 
"Uf 66 Prozent. 
Es märe aber irrig, die obigen 5)4 Milld. Mm 
^«wachs des Arbeitseinkommens als zusätzliche 
pnskraft anzusehen. Um diese zu errechnen, sind 
,°r allem vom Zuwachs die an die jeweilig Arbcits- 
s. ' en gezahlten Unterstützungsbeiträge verschiedcn- 
l Art abzusetzen, deren Gesamtbetrag sich 1935 
h Silber 1932 um etwa 2 Milld. MM vermindert 
a î» dürste, Somit wird das Arbeitseinkommen 
des Jahres 1935 mit 3)4 Milld. MM Zuwachs an 
zusätzlicher Kaufkraft um 12—15 Proz. über dem 
Krisenbetrag von 1932 liegen, fraglos eine beacht 
liche Größe! 
Wie ist es nun um das Einkommen des einzelnen 
Beschäftigte« bestellt? Aufschlußreich ist folgender 
Ltu ndenlöhne 
1933 
1934 
1935 
März 
1936 
Gesamtdurchschnitt 
1328 = 100,0 
Männliche Facharbeiter... 
in Rpf. 
Männliche Hilfsarbeiter .. 
in Rpf. 
Eebenshaltungslrosten 
1913/14 -- 100,0 
83,7 
78,6 
62,3 
118,0 
83,4 
78,3 
62,1 
121,1 
83,5 
78,3 
62,2 
123,0 
83,5 
78,3 
62,2. 
124,2 
Vergleich: Die Zahl der beschäftigten Arbeiter und 
Angestellten stieg von 12,7 Millionen in 1932 auf 
16,0 Mill, in 1935, also um 20 Proz.; demgegenüber 
stieg, wie oben errechnet, die zusätzliche Kaufkraft 
ihres Einkommens um 12—13 Proz. Das Durch 
schnittseinkommen der Beschäftigten siel demnach 
von 2340 MM je Person in 1932 auf knapp 2000 MM 
in 1935. Dieser Rückgang ist nicht erstaunlich, da 
jede Neueinstellung zunächst einen Zuwachs der un 
teren Lohn- bzw. Gehaltsstufen zur Folge hat. 
Wir gehen einen Schritt weiter und fragen nach 
dem relativen Arbeitseinkommen, oder praktisch 
ausgedrückt: Was kann der einzelne Beschäftigte 
mit seinem Einkommen ansangen. Wir vergleichen 
die Stundenlöhne mit den Lebenshaltungskosten. 
Die Lebenshaltungskosten sind also seit 1933 an 
gestiegen, die Stundcnlöhne dagegen nahezu unver 
ändert geblieben, die Kaufkraft hat sich mithin ver 
ringert. (Die Qualitätsverschlcchterungen dieser und 
jener Warengruppen innerhalb der Lebenshaltungs 
kosten auf Grund der Verwendung schlechterer oder 
anderer Rohstoffe ff., die praktisch einer Verminde 
rung des Realeinkommens gleichkommen, sind da 
bei nicht berücksichtigt.) 
Es ist eine bittere Notwendigkeit, die Löhne 
grundsätzlich aus ihrem Stand zu halten. Wäre eS 
nicht geschehen, was bei einer weniger zentral und 
straff geleiteten Wirtschaftspolitik kaum hätte ver 
mieden werden können, eine allgemeine Preisstei 
gerung mit inflationistischen Erscheinungen hätte 
den größten Teil der Arbeitsbeschaffungsmaßnah- 
men zunichte gemacht. 
Diese für eine Unzahl von Familien traurige 
Notwendigkeit bedarf an den schlimmsten Stellen 
des unentbehrlichen Ausgleichs. Wir denken im 
einzelnen an die gewaltigen sozialen Linderungs 
mittel der Winterhilfe usf., an die Zuwendungen der 
DAF., an die privatwirtschaftlichen sozialen Son 
deraufwendungen in den einzelnen Betrieben. Wir 
denken vor allem — generell an die Bestrebungen 
der vielen damit beauftragten Stellen, mit allen 
Mitteln einer weiteren Steigerung der Lebenshal 
tungskosten entgegenzuarbeiten, die sich anfänglich 
nicht überall vermeiden ließ, die auf einigen Gebie 
ten (Landwirtschaft) sogar unumgänglich war, um 
die Erzeugung überhaupt zu sichern. 
Ungeachtet aller dieser Maßnahmen bleibt die 
Problematik in der Lohnpolitik bestehen. Es sei 
daran erinnert, daß bereits im vorigen Jahr die 
Frage nach dem gerechten Lohn angeschnitten wurde. 
Dr. Ley erklärte zum 1. Mai: „Wir sind uns be 
wußt, daß wir an die Lösung der Frage „Wie fin 
den wir einen gerechten Lohn?" herangehen müs 
sen. Es ist mein unerschütterlicher Wille, das Sy 
stem der Entlohnung, des Akkords und der Arbeits 
methoden auf eine neue gerechte und allen Teilen 
nützliche Basis zu stellen." 
Um ein Sofort-Programm konnte cs sich hierbei 
natürlich nicht handeln. Nur langsam lassen sich 
diese Grundsätze im praktischen Rahmen verwirk 
lichen. So sehen wir denn auch, daß die „Erhöhung 
des Lebensstandards" als Hauptthema der kürzlich 
in Berlin abgehaltenen dritten Tagung der Reichs 
arbeitskammer zwar die Zielsetzung angibt, wes 
wegen Man den gerechten Lohn erstrebt, daß aber 
von Einzelheiten der einjährigen Forschungsarbeit 
(die natürlich die vielen früheren Ergebnisse wird 
verwenden können) nicht so sehr die Rede war. 
Im Augenblick handelt es sich eben primär dar 
um, neue Arbeitsstellen zu schaffen und nicht die 
alten Löhne zu entgelten, was natürlich nicht aus 
schließt, daß hier und da gewisse Korrekturen und 
Verlagerung evtl, vorgenommen werden. Im Prin 
zip aber wird genau so wie im Vorjahr die Aen 
derung des niedrigen Lohnniveaus bis nach Been 
digung der großen Arbeitsschlacht verschoben wer 
den. Oder wie es in einem Jahresschlußbericht des 
Reichsarbeitsministers über die „Sozialpolitik im 
Dritten Reich" heißt: „Mit der vorläufigen Zurück 
stellung der Lohnfrage wurde aus wohlerwogenen 
Gründen auch auf eine Steigerung der Kaufkraft 
durch Lohnaufbesserungen zunächst verzichtet." Die 
Ausdrücke „vorläufig" und „zunächst" sind ein Be 
weis für die Anerkennung der aufopfernden Bereit 
willigkeit, mit der auch die niedrig entlohnten Ar 
beiter und Angestellten ihr Los tragen, damit das 
Ziel ereicht wird, „jedem Deutschen, der sich ehrlich 
sein Brot verdienen will, die Möglichkeit dazu zu 
geben", wie der Führer in seiner vorjährigen Rede 
erklärte. Wenn dle Schwierigkeiten überwunden 
überwunden sind, man wird den deutschen Arbeitern 
zuerst für ihre Opfer zu danken haben. Dr. B. 
Schwarzbunt-Auktion i« Lübeck 
Gestern fand in Lübeck die 96. Zucht- und Nutz 
viehauktion des Verbandes „Schwarzbunte Schles 
wig-Holsteiner" statt. 183 Tiere standen im Kata 
log verzeichnet, von denen reichlich 160 Bullen 
ihren Besitzer geivestsekt haben dürften zu einem 
Preise von durchschnittlich 700—800 MM. Soweit 
wir aus einem uns freundlicherweise übermittel 
ten Katalog auszählen konten, lagen 19 Bullen 
oberhalb der 1000-^7^-Grenze zu einem Durch 
schnittssatz von reichlich 1400 MM. Den Höchstpreis 
von 2320 MM erzielte Carl Lafrentz-Bisdors für 
einen sehr guten „Teutona"-Sohn und „Sekun- 
dant"-Enkel (Kat.-Nr. 96). Beide Großmütter hatten 
im 7. Jahresdurchschnitt 181 Kg. Fett zu 4,16 Proz. 
Die Mutter erzielte im zweijährigen Durchschnitt 
134 Fett-Kg. zu 3,78 Proz. — Es folgte die Kat.- 
Nr. 66, ein auf „Paredo" ingezüchtetcr Tonius- 
Sohn, der von G. Rießen-Presen a. F. für 2300 MJl 
verkauft werden konnte. Die beiden Großmütter 
konnten im 2- bzw. 3jährigen Durchschnitt 154 bzw. 
148 Fett-Kg. aufbringen mit einem Fettgehalt von 
3,81 Proz. Die Mutter hatte als Starke in 282 Ta 
gen 138 Fett-Kg. zu 3,68 Proz. Die Kat.-Nr. 130 
ging für 2100 MM aus den Händen von C. Stol- 
tenberg-Fiefbergcn (Kr. Plön) in den Besitz der 
Stierhaltungsgenossenschaft Zarpen über. Es han 
delt sich hier um einen „Rombach"-Sohn und „Se- 
kundant"-Enķcl. Die Großmutter väterlicherseits 
hatte im 7-Jahresdurchschnitt 203 Fett-Kg. zu 3,67 
Proz. Fett, die Großmutter mütterlicherseits in 5 
Jahren je 152 Fett-Kg. zu 3,38 Proz. Die Mutter 
brachte in 5 Jahren je 174 Kg.-Fett zu 3,41 Proz. 
Die Gutsverwaltung Johannisberg kaufte die Kat.- 
Nr. 11, einen „Siegfried"-Sohn und Sekundant- 
Enkel für 1760 MM von A. Sievert-Sartjendorf 
(auf Fehm.). Dieser konnte noch einen weiteren 
Sekundant-Enkel für 1540 MM absetzen. Ein Kai 
ser-Enkel von C. Höpner-Mummendorf kostete 1560 
MM., ein Tonius-Sohn von M. KühllStabersdorf 
1500 MM (Kat.-Nr. 143), ein weiterer Tonius-Sohn 
von G. Weichandt 1420 MM, ein dritter (Kat.-Nr, 
176) von K. Rießen-Klausdorf 1280 MM (Käufer 
Gutsvcrwaltung Ludwigsburg), ein vierter (Kat.- 
Nr. 89) von M. Schacht-Puttgarden 1320 MM, ein 
fünfter (Kat.-Nr. 44) 1200 MM (Käufer Bielfeldt- 
Schönhagen). 
Arbeitstagung der HA. III in Goslar 
Futtenoirtschest im Mittelpunkt der Marktordnung 
Mit den Berichten über die Marktordnungsarbeit 
in der Eierwirtschaft von Bauer Arthur Roeder, 
in der Kartofselwirtschast von Bauer Hecht, in der 
Zuckerwirtschaft von Bauer Behrens und in der 
Süßwarenwirtschaft von Kurt Fachmann. Vorsit 
zender der Wirtschaftlichen Vereinigung der Deut 
schen Süßwarenwirtschaft, wurde die Arbeitstagung 
der Reichshauptabteilung III in Goslar, über deren 
Eröffnung wir bereits berichtet haben, fortgesetzt. 
Behrens schilderte die Möglichkeit einer weiteren 
Erhöhung der Zuckersnttermittelerzeugung. Bon be 
sonderem Interesse war seine Feststellung, daß der 
Anfall an zuckerhaltigen Futtermitteln vermutlich 
noch günstiger sich gestalten wird, als es das dies 
jährige Anbaukontingent erkennen läßt. 
Die Ausführungen von Hecht über die Markt 
ordnung in der Kartoffelwirtschaft liefen darauf 
hinaus, daß auch hier für die nächsten Regelungen 
an den Grundzügen der bisherigen Ordnung sowohl 
bei Frühkartoffeln wie bei späten Speisekartofseln 
festgehalten werden wird. Allerdings stehen noch 
wesentliche Verfeinerungen, vor allem hinsichtlich 
der Preisgestaltung, in Aussicht. Es darf noch be 
merkt werden, daß nach den Ausführungen von 
Hecht die Frühkartoffelversorgung Deutschlands, 
wie auch dank besonderer Maßnahmen und Neue 
rungen in der Preisgestaltung, der reibyngslose 
Ablauf des Frühkartofselgeschäftes nach mensch 
licher Voraussicht gesichert erscheinen kann. — Der 
Bortrag von Boettner, Vorsitzender der Hauptver 
einigung der Deutschen Garten- und Weinbanwirt- 
schast, über die Marktordnung auf diesem Gebiet 
ließ die Tendenz erkennen, nach den nunmehr vor 
liegenden Erfahrungen das System des Erfassungs 
rechtes bzw. der Andienungspflicht auch in organi 
satorischer Hinsicht weiter auszubauen, wie dies 
übrigens Küper am Montag für die Vichwirtschaft, 
als unentbehrliche Voraussetzung für eine geord 
nete Warenbewegung und damit auch Preisord 
nung dargestellt hatte. — Im Brennpunkt der ge 
samten Marktordnung steht die Futterwirtschast, 
die Fett- und Eiweißversorgung. Sie unterscheidet 
sich insofern nicht unerheblich von anderen Markt 
ordnungsaufgaben, als hier Erzeuger- und Ber- 
braycherschutz fast immer identisch sind. Angelpunkt 
aller Maßnahmen ist der Roggenpreis, der ja über 
haupt die Achse der Marktordnung in der deutschen 
Ernährungswirtschaft ist und von dem aus alle an 
deren Preisfestsetzungen zu beurteilen sind. Wie sich 
nun aus diesen Eigenarten der Futtermittelwirt 
schaft auch besonders umfangreiche und schwierige 
Aufgaben entwickeln und mit den vielfältigsten 
Handhaben zu lösen sind, zeigte der Vortrag von 
Friedrich Eichinger, dem Leiter der Futtermittel 
stelle des Reichsnährstandes. — Ueber die Aufgaben 
der Abteilung Marktitbersicht führte Dr. Wahl 
etwa folgendes aus. Die Mängel der Statistik der 
Ernährungswirtschaft in den zurückliegenden Jah 
ren waren mit eine wesentliche Ursache für die Miß 
erfolge der Ernährungswirtschaft. Marktordnung 
ist nur möglich, wenn eine genaue Kenntnis der 
Marktvorgänge vom Erzeuger bis zum Haushalt 
des Verbrauchers besteht. Die Aufgabe der Markt 
übersicht ist cs, dem Marktordner diese unentbehr 
lichen Unterlagen für seine Maßnahmen zu be 
schaffen. In dieser Beziehung ist noch eine große 
Ausbauarbeit der ernährnngswirtschaftlichen Sta 
tistik zu leisten. Das Ziel ist, für jede Markteinheit 
eine Versorgungsbilanz aufzustellen. — Als die 
wichtigsten Aufgaben der Abteilung Marktansgleich 
bezeichnete Abteilungsleiter von Hasselbach für den 
Verbinüungsdienst zwischen den einzelnen Markt 
gebieten die Vorratswirtschaft, die Verkehrswirt 
schaft und die Beobachtung der Preisrelationcn 
zwischen den einzelnen Marktgebieten in ihrer Aus 
wirkung auf Erzeugung und Bedarf. Sehr inter 
essant waren die Ausführungen über die kosten- 
wirtschaftliche Seite der Vorratswirtschaft. 
Nordwestdeutfche ViehhsttkrKg und 
MrtteUanb-Kaua! 
Das Institut für Konjunkturforschung beschäftigt 
sich auch mit den Aussichten der deutschen Wirtschaft. 
Die nächst der mengenmäßigen Beschaffung der 
Futtermittel wichtigste Frage der räumlichen Ver 
teilung dürfte in absehbarer Zeit durch die Fertig 
stellung des Mittellandkanals in ein neues Sta 
dium treten. Die ehemals unbeschränkte Einfuhr 
von Futtermitteln über Bremen und Hamburg nach 
Nordwestdeutschland hatte zu einer starken Ilcber- 
setzung der Viehhaltung in diesem Gebiete geführt. 
In dem Maße, in dem nun die ausländischen Zu 
fuhren etwa ab 1928 sanken, erfolgte eine Verschie 
bung der Viehhaltung von West nach Ost, d. h. die 
Viehbestände wanderten zu den (mit Getreide und 
Kartoffeln) reichlich gefüllten Futtertrögen in Ost 
deutschland. Am stärksten zeigten sich diese Bewe 
gungen bei den besonders „reagiblen" Schweine- 
und Hühnerbeständen. So erwünscht diese Umstel 
lung auf wirtschaftseigcne Futtermittel volkswirt 
schaftlich auch war, und so große Vorteile sie Ost 
deutschland durch vermehrten Umsatz brachte, so un 
gelegen mußte sie naturgemäß den bisher durch die 
Einfuhr begünstigten Gebieten sein. Einmal hatte 
die bisherige starke Viehhaltung den Kleinbauern 
ermöglicht, wie Großbauern zu leben, mithin den 
Lebensstandard zum Teil beträchtlich erhöht, und 
zweitens blieb nach dem „Auszug" des Viehs das 
Gebäudekapital und die große, inzwischen erworbene 
Fähigkeit und Tüchtigkeit der Bauern, Vieh ratio 
nell zu mästen, zum Teil ungenutzt. In dem Maße, 
in dem es nun in Zukunft nach Fertigstellung des 
Kanals gelingt, die ostdeutschen Futtermittel billig 
nach dem Westen in die Verbrauchszentren für 
Fleisch und tierische Erzeugnisse zu schaffen, um so 
günstiger wird sich auch wieder die Lage vieler 
Kleinbauern in Hannover, Oldenburg und Schles 
wig-Holstein gestalten. Eine Benachieiligung Ost 
deutschlands oder eine Rückwanderung des Viehes 
braucht dadurch nicht einzutreten, da ja der gesamte 
Verbrauch an tierischen Erzeugnissen noch bei wei 
tem nicht im Inland gedeckt wird. Es ist mithin 
noch Raum genug für eine Ausdehnung der Ver 
edelungswirtschaft vorhanden. 
Der Molkereirneifter 
Im Reichsgesetzblatt ist die 6. Verordnung zur 
Ausführung des Milchgesctzes erschienen. Sie re 
gelt die Ausbildung des Molkereipersonals und 
besagt, daß künftig nur Personen mit abgeschlossener 
milchwirtschaftlicher Ausbildung die verantwort- 
wortliche Leitung von Molkereien und ähnlichen 
Betrieben übernehmen dürfen. Uebergangsbestim- 
mungen dienen zur Vermeidung von Härten. Als 
Rahmenregelung ermächtigt sie d'en ’ Reichsnähr 
stand, die Einzelheiten des AuSbilÜungSganges zu 
regeln. Die Gesamtdauer der Ausbildung muß ein 
schließlich der Lehrgänge mindestens sieben Jahre 
und sechs Monate betragen. Ihr Ziel ist der Er 
werb des Molkereimeisterbriefes, der als Nachweis 
abgeschlossener Fachausbildung gilt. Eine besondere 
Ausbildung ist für die Emmenthaler Käserei vorge 
sehen. Erleichterte Ausbildungsbedingungen sind 
für Personen mit abgeschlossener Hochschulbildung 
sowie für Bewerber mit besonders hervorragender 
Befähigung in Aussicht genommen. 
Einstellung weiblicher Lehrlinge 
Der Rcichswirtschaftsminister hat auf einen Be 
richt der Handwerkskammer Hannover eine Ent 
scheidung getroffen, nach der die Einstellung von 
schulentlassenen Mädchen als Lehrlinge im hanno 
verschen Handwerk erst 1 Jahr nach der Schulent 
lassung in Betracht kommt. Durch diese Regelung 
soll den Mädchen Gelegenheit gegeben werden, sich 
hauswirtschaftlich zu betätigen oder das Landjahr, 
die Landhilfe, den Arbeitsdienst oder Hanshaltungs 
schulen usw. zu absolvieren. 
Die Wetteraussichten für Freitag, den 1. Mai 
1988, in Nordwestdcntschland: Schwache Winde zwi 
schen Nord und West, wolkig, morgens vielfach 
diesig, vorwiegend trocken, verhältnismäßig kühl.
	        
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