Der Arbeitseinsatz
lM Frühjahr
Das 4. Mal trifft sich das werktägige deutsche
Dolk am 1. Mai zur gemeinsamen Feier. Im vort
un Jahr kamen wir noch zum „Tag der nationa-
en Arbeit" zusammen; mit der diesjährigen Be
nennung „Nationaler Feiertag des Deutschen Vol-
ķks" dürften wir der endgültigen Formulierung,
^ìe anzustreben sicherlich wünschenswert ist, erheb-
näher gekommen sein. Wir bringen einen kur
zen Rückblick über den bisherigen Werdegang des
Arbeitseinsatzes.
Die erste Frage, die sich einem aufdrängt, ist die
ņ»ch der zahlenmäßigen Entwicklung der Arbeits-
wsen bzw. Beschäftigtenzisfer, kurz des Arbeitscin-
şatzes, wie man heutzutage symptomatisch sagt statt
°es ivarenmäßigen Arbeitsmarktes.
Der Arbeitseinsatz in den letzten Jahren
1932
1933
1934
1935
1936
Zahl der
beschäftigten
Februar
Zahresdurch schnitt
12.5
13,1
14,0
14.7
15,1
14.7
15.3
16,0
15,7
Arbeitslose bei
°en Arbeitsämtern
Februar
a . März
Oahresdurchjchnitt
6.13
6,03
5,60
6,00
5,60
4,73
3,37
2,80
2,66
2,76
2,40
2,15
2,52
1,94
Die Beschäftigtenzisfer ist von 12,3 Millionen im
Jahresdurchschnitt 1932 auf 16,0 Millionen in 1935
Lestiegen. Im März 1938 zählten wir nicht ganz
~ Millionen Arbeitslose, soweit sie von den Arbeits
ämtern ersaßt wurden, 8 660 000 Menschen sind so-
init während der letzten 3 Jahre in Brot gekommen!
ist selbstverständlich, daß mit schwindender Ar-
^eitslosenziffer die Schwierigkeiten ihrer Beseiti
gung wachsen, aber wir sind auch im letzten Jahr
vorangekommen trotz des empfindlichen Rückschlags
”« vergangenen Winter. Ja, berücksichtigt man, daß
uvn Ende Januar bis Ende März 1935 die Ar
beitslosigkeit von 2 973 000 auf 2 402 000. d. h. um
b^lOOO, zurückgegangen ist, in derselben Zeit 1936
bagegen von 2 520 000 auf 1937 000, d. h. um 683 000,
îo kann man selbst bei gebührender Würdigung
einiger Sonderumstände scinbezogenes Saargebiet,
verstärkte Unterbringung bei Wehrmacht und Ar
beitsamt) geradezu von einem Märzvorstoß gegen
bie Arbeitslosigkeit reden. Die Gebote der Sachlich
keit machen es unschicklich, an die weitere Wieder-
^instellung von Arbeitskräften den in den letzten
wahren gewohnten Maßstab anzulegen. Den Maß-
Uahmen der Arbeitsbeschaffung sind naturhaste
Grenzen gezogen, die Forderung „Arbeitsbeschaf
fung um jeden Preis" mit Hilfe der Notenbank,
"Und sei es Pyramidenbau", hat keinen Sinn, so
mit werden wir um jedes 100 000 weniger in Zu
kunft mühselig ringen müssen und an einer gewis
sen Grenze zufrieden sein, wenn wir uns aus dem
erreichten Stand vorerst überhaupt halten.
. Wir müssen an dieser Stelle auf Erscheinungen
’«nerhalb der Gesamtbewegung der Arbeitslosig
keit Hinweisen, von denen aus man zwar nicht auf
bie zukünftige Aufnahmefähigkeit der Wirtschaft an
Arbeitskräften allgemein schließen darf, die aber
boch ein treffliches Beispiel sind für die schwindende
"Tiefenwirkung" der Arbeitslosigkeit. Auf je 100
"nterstützungsempfünger im Jahresdurchschnitt ka
men 1933 in der Arbeitslosenversicherung an Zu
bangen 589, an Abgängen 630, 1934: 801 bzw. 806,
i035: 598 bzw. 767. Bon den Abgängen der Arbeits
losenversicherung wiederum wurden (nach 20 Wo-
Ģen Unterstützungszeit) in die Krisenfürsorge „aus-
Sesteuert" 1932: 44 Proz., 1933: 31 Proz., 1934:
^ Proz., 1935: 16 Proz. Die Zahlen geben ein
beredtes Zeugnis. Sie zeigen, baß 1932 fast jeder
Zweite Arbeitslose ausgesteuert werden muhte, also
”ach 20 Wochen keine Arbeit fand. 1935 dagegen
u»r jeder 6. Die Zu- und Abgänge ihrerseits sind
Mn Kennzeichen für die Beweglichkeit im Arbeits
platz, als Folgeerscheinung gestiegener Wirtschaft
ler Frische. Die Chancen, einen besseren Arbeits
platz zu erhalten, sind größer, das Risiko bei der
Aufgabe des alten demgemäß kleiner. Es kann er-
pulicherweise nicht ausbleiben, daß sich dieser
schnellere Wechsel im Arbeitseinsatz auch im Bereich
°er jetzigen Arbeitslosen auswirkt, zum weitaus
süßeren Teil aber dürfte der Wechsel unter den
bereits Arbeitenden stattfinden.
.. Die Wucht, mit der die Belebungskräfte auf die
Übrige Wirtschaft wirkten, läßt sich deutlich am ge
legenen Einkommen ablesen. Bleiben wir zunächst
eim Gesamteinkommen, dem sog. Volkseinkommen,
as mit 55,5 Milliarden MM in 1935 bereits auf
2 93 Proz. des Höchststandes von 1928 srd. 60 Mil-
"arden) angestiegen ist (1932: 75 Proz.: 1933 : 79
ņoz.). Gegenüber 1934 ist das Volkseinkommen
938 um 6 Proz. gestiegen, gegen 1932 um 23 Proz.
pler Ausschaltung der Preissteigerung ermäßigen
ach diese Anteilsziffern auf 3 bzw. 20 Proz.
Innerhalb des Volkseinkommens ist das Arbeits-
Mnkommen, das ist die Summe aus Lohn und Ge-
şi von 26,8 Milld. MM in 1938 auf 29,6 Milld.
’« 1984 und 31,8 Milld. MM in 1985 gestiegen (ohne
Saarland 31,5 Milld.). An der Gesamteinkommens
algerung von 1932 bis 1935 (10,5 Milld.) ist das
Arbeitseinkommen (+ 6,5 Milld. MM) mit etwa
55
Proz. beteiligt, oder anders ausgedrückt, der
^«teil des Arbeitseinkommens am Bolkseinkom-
’r« beläuft sich 1935 wie in 1933 fast unverändert
"Uf 66 Prozent.
Es märe aber irrig, die obigen 5)4 Milld. Mm
^«wachs des Arbeitseinkommens als zusätzliche
pnskraft anzusehen. Um diese zu errechnen, sind
,°r allem vom Zuwachs die an die jeweilig Arbcits-
s. ' en gezahlten Unterstützungsbeiträge verschiedcn-
l Art abzusetzen, deren Gesamtbetrag sich 1935
h Silber 1932 um etwa 2 Milld. MM vermindert
a î» dürste, Somit wird das Arbeitseinkommen
des Jahres 1935 mit 3)4 Milld. MM Zuwachs an
zusätzlicher Kaufkraft um 12—15 Proz. über dem
Krisenbetrag von 1932 liegen, fraglos eine beacht
liche Größe!
Wie ist es nun um das Einkommen des einzelnen
Beschäftigte« bestellt? Aufschlußreich ist folgender
Ltu ndenlöhne
1933
1934
1935
März
1936
Gesamtdurchschnitt
1328 = 100,0
Männliche Facharbeiter...
in Rpf.
Männliche Hilfsarbeiter ..
in Rpf.
Eebenshaltungslrosten
1913/14 -- 100,0
83,7
78,6
62,3
118,0
83,4
78,3
62,1
121,1
83,5
78,3
62,2
123,0
83,5
78,3
62,2.
124,2
Vergleich: Die Zahl der beschäftigten Arbeiter und
Angestellten stieg von 12,7 Millionen in 1932 auf
16,0 Mill, in 1935, also um 20 Proz.; demgegenüber
stieg, wie oben errechnet, die zusätzliche Kaufkraft
ihres Einkommens um 12—13 Proz. Das Durch
schnittseinkommen der Beschäftigten siel demnach
von 2340 MM je Person in 1932 auf knapp 2000 MM
in 1935. Dieser Rückgang ist nicht erstaunlich, da
jede Neueinstellung zunächst einen Zuwachs der un
teren Lohn- bzw. Gehaltsstufen zur Folge hat.
Wir gehen einen Schritt weiter und fragen nach
dem relativen Arbeitseinkommen, oder praktisch
ausgedrückt: Was kann der einzelne Beschäftigte
mit seinem Einkommen ansangen. Wir vergleichen
die Stundenlöhne mit den Lebenshaltungskosten.
Die Lebenshaltungskosten sind also seit 1933 an
gestiegen, die Stundcnlöhne dagegen nahezu unver
ändert geblieben, die Kaufkraft hat sich mithin ver
ringert. (Die Qualitätsverschlcchterungen dieser und
jener Warengruppen innerhalb der Lebenshaltungs
kosten auf Grund der Verwendung schlechterer oder
anderer Rohstoffe ff., die praktisch einer Verminde
rung des Realeinkommens gleichkommen, sind da
bei nicht berücksichtigt.)
Es ist eine bittere Notwendigkeit, die Löhne
grundsätzlich aus ihrem Stand zu halten. Wäre eS
nicht geschehen, was bei einer weniger zentral und
straff geleiteten Wirtschaftspolitik kaum hätte ver
mieden werden können, eine allgemeine Preisstei
gerung mit inflationistischen Erscheinungen hätte
den größten Teil der Arbeitsbeschaffungsmaßnah-
men zunichte gemacht.
Diese für eine Unzahl von Familien traurige
Notwendigkeit bedarf an den schlimmsten Stellen
des unentbehrlichen Ausgleichs. Wir denken im
einzelnen an die gewaltigen sozialen Linderungs
mittel der Winterhilfe usf., an die Zuwendungen der
DAF., an die privatwirtschaftlichen sozialen Son
deraufwendungen in den einzelnen Betrieben. Wir
denken vor allem — generell an die Bestrebungen
der vielen damit beauftragten Stellen, mit allen
Mitteln einer weiteren Steigerung der Lebenshal
tungskosten entgegenzuarbeiten, die sich anfänglich
nicht überall vermeiden ließ, die auf einigen Gebie
ten (Landwirtschaft) sogar unumgänglich war, um
die Erzeugung überhaupt zu sichern.
Ungeachtet aller dieser Maßnahmen bleibt die
Problematik in der Lohnpolitik bestehen. Es sei
daran erinnert, daß bereits im vorigen Jahr die
Frage nach dem gerechten Lohn angeschnitten wurde.
Dr. Ley erklärte zum 1. Mai: „Wir sind uns be
wußt, daß wir an die Lösung der Frage „Wie fin
den wir einen gerechten Lohn?" herangehen müs
sen. Es ist mein unerschütterlicher Wille, das Sy
stem der Entlohnung, des Akkords und der Arbeits
methoden auf eine neue gerechte und allen Teilen
nützliche Basis zu stellen."
Um ein Sofort-Programm konnte cs sich hierbei
natürlich nicht handeln. Nur langsam lassen sich
diese Grundsätze im praktischen Rahmen verwirk
lichen. So sehen wir denn auch, daß die „Erhöhung
des Lebensstandards" als Hauptthema der kürzlich
in Berlin abgehaltenen dritten Tagung der Reichs
arbeitskammer zwar die Zielsetzung angibt, wes
wegen Man den gerechten Lohn erstrebt, daß aber
von Einzelheiten der einjährigen Forschungsarbeit
(die natürlich die vielen früheren Ergebnisse wird
verwenden können) nicht so sehr die Rede war.
Im Augenblick handelt es sich eben primär dar
um, neue Arbeitsstellen zu schaffen und nicht die
alten Löhne zu entgelten, was natürlich nicht aus
schließt, daß hier und da gewisse Korrekturen und
Verlagerung evtl, vorgenommen werden. Im Prin
zip aber wird genau so wie im Vorjahr die Aen
derung des niedrigen Lohnniveaus bis nach Been
digung der großen Arbeitsschlacht verschoben wer
den. Oder wie es in einem Jahresschlußbericht des
Reichsarbeitsministers über die „Sozialpolitik im
Dritten Reich" heißt: „Mit der vorläufigen Zurück
stellung der Lohnfrage wurde aus wohlerwogenen
Gründen auch auf eine Steigerung der Kaufkraft
durch Lohnaufbesserungen zunächst verzichtet." Die
Ausdrücke „vorläufig" und „zunächst" sind ein Be
weis für die Anerkennung der aufopfernden Bereit
willigkeit, mit der auch die niedrig entlohnten Ar
beiter und Angestellten ihr Los tragen, damit das
Ziel ereicht wird, „jedem Deutschen, der sich ehrlich
sein Brot verdienen will, die Möglichkeit dazu zu
geben", wie der Führer in seiner vorjährigen Rede
erklärte. Wenn dle Schwierigkeiten überwunden
überwunden sind, man wird den deutschen Arbeitern
zuerst für ihre Opfer zu danken haben. Dr. B.
Schwarzbunt-Auktion i« Lübeck
Gestern fand in Lübeck die 96. Zucht- und Nutz
viehauktion des Verbandes „Schwarzbunte Schles
wig-Holsteiner" statt. 183 Tiere standen im Kata
log verzeichnet, von denen reichlich 160 Bullen
ihren Besitzer geivestsekt haben dürften zu einem
Preise von durchschnittlich 700—800 MM. Soweit
wir aus einem uns freundlicherweise übermittel
ten Katalog auszählen konten, lagen 19 Bullen
oberhalb der 1000-^7^-Grenze zu einem Durch
schnittssatz von reichlich 1400 MM. Den Höchstpreis
von 2320 MM erzielte Carl Lafrentz-Bisdors für
einen sehr guten „Teutona"-Sohn und „Sekun-
dant"-Enkel (Kat.-Nr. 96). Beide Großmütter hatten
im 7. Jahresdurchschnitt 181 Kg. Fett zu 4,16 Proz.
Die Mutter erzielte im zweijährigen Durchschnitt
134 Fett-Kg. zu 3,78 Proz. — Es folgte die Kat.-
Nr. 66, ein auf „Paredo" ingezüchtetcr Tonius-
Sohn, der von G. Rießen-Presen a. F. für 2300 MJl
verkauft werden konnte. Die beiden Großmütter
konnten im 2- bzw. 3jährigen Durchschnitt 154 bzw.
148 Fett-Kg. aufbringen mit einem Fettgehalt von
3,81 Proz. Die Mutter hatte als Starke in 282 Ta
gen 138 Fett-Kg. zu 3,68 Proz. Die Kat.-Nr. 130
ging für 2100 MM aus den Händen von C. Stol-
tenberg-Fiefbergcn (Kr. Plön) in den Besitz der
Stierhaltungsgenossenschaft Zarpen über. Es han
delt sich hier um einen „Rombach"-Sohn und „Se-
kundant"-Enķcl. Die Großmutter väterlicherseits
hatte im 7-Jahresdurchschnitt 203 Fett-Kg. zu 3,67
Proz. Fett, die Großmutter mütterlicherseits in 5
Jahren je 152 Fett-Kg. zu 3,38 Proz. Die Mutter
brachte in 5 Jahren je 174 Kg.-Fett zu 3,41 Proz.
Die Gutsverwaltung Johannisberg kaufte die Kat.-
Nr. 11, einen „Siegfried"-Sohn und Sekundant-
Enkel für 1760 MM von A. Sievert-Sartjendorf
(auf Fehm.). Dieser konnte noch einen weiteren
Sekundant-Enkel für 1540 MM absetzen. Ein Kai
ser-Enkel von C. Höpner-Mummendorf kostete 1560
MM., ein Tonius-Sohn von M. KühllStabersdorf
1500 MM (Kat.-Nr. 143), ein weiterer Tonius-Sohn
von G. Weichandt 1420 MM, ein dritter (Kat.-Nr,
176) von K. Rießen-Klausdorf 1280 MM (Käufer
Gutsvcrwaltung Ludwigsburg), ein vierter (Kat.-
Nr. 89) von M. Schacht-Puttgarden 1320 MM, ein
fünfter (Kat.-Nr. 44) 1200 MM (Käufer Bielfeldt-
Schönhagen).
Arbeitstagung der HA. III in Goslar
Futtenoirtschest im Mittelpunkt der Marktordnung
Mit den Berichten über die Marktordnungsarbeit
in der Eierwirtschaft von Bauer Arthur Roeder,
in der Kartofselwirtschast von Bauer Hecht, in der
Zuckerwirtschaft von Bauer Behrens und in der
Süßwarenwirtschaft von Kurt Fachmann. Vorsit
zender der Wirtschaftlichen Vereinigung der Deut
schen Süßwarenwirtschaft, wurde die Arbeitstagung
der Reichshauptabteilung III in Goslar, über deren
Eröffnung wir bereits berichtet haben, fortgesetzt.
Behrens schilderte die Möglichkeit einer weiteren
Erhöhung der Zuckersnttermittelerzeugung. Bon be
sonderem Interesse war seine Feststellung, daß der
Anfall an zuckerhaltigen Futtermitteln vermutlich
noch günstiger sich gestalten wird, als es das dies
jährige Anbaukontingent erkennen läßt.
Die Ausführungen von Hecht über die Markt
ordnung in der Kartoffelwirtschaft liefen darauf
hinaus, daß auch hier für die nächsten Regelungen
an den Grundzügen der bisherigen Ordnung sowohl
bei Frühkartoffeln wie bei späten Speisekartofseln
festgehalten werden wird. Allerdings stehen noch
wesentliche Verfeinerungen, vor allem hinsichtlich
der Preisgestaltung, in Aussicht. Es darf noch be
merkt werden, daß nach den Ausführungen von
Hecht die Frühkartoffelversorgung Deutschlands,
wie auch dank besonderer Maßnahmen und Neue
rungen in der Preisgestaltung, der reibyngslose
Ablauf des Frühkartofselgeschäftes nach mensch
licher Voraussicht gesichert erscheinen kann. — Der
Bortrag von Boettner, Vorsitzender der Hauptver
einigung der Deutschen Garten- und Weinbanwirt-
schast, über die Marktordnung auf diesem Gebiet
ließ die Tendenz erkennen, nach den nunmehr vor
liegenden Erfahrungen das System des Erfassungs
rechtes bzw. der Andienungspflicht auch in organi
satorischer Hinsicht weiter auszubauen, wie dies
übrigens Küper am Montag für die Vichwirtschaft,
als unentbehrliche Voraussetzung für eine geord
nete Warenbewegung und damit auch Preisord
nung dargestellt hatte. — Im Brennpunkt der ge
samten Marktordnung steht die Futterwirtschast,
die Fett- und Eiweißversorgung. Sie unterscheidet
sich insofern nicht unerheblich von anderen Markt
ordnungsaufgaben, als hier Erzeuger- und Ber-
braycherschutz fast immer identisch sind. Angelpunkt
aller Maßnahmen ist der Roggenpreis, der ja über
haupt die Achse der Marktordnung in der deutschen
Ernährungswirtschaft ist und von dem aus alle an
deren Preisfestsetzungen zu beurteilen sind. Wie sich
nun aus diesen Eigenarten der Futtermittelwirt
schaft auch besonders umfangreiche und schwierige
Aufgaben entwickeln und mit den vielfältigsten
Handhaben zu lösen sind, zeigte der Vortrag von
Friedrich Eichinger, dem Leiter der Futtermittel
stelle des Reichsnährstandes. — Ueber die Aufgaben
der Abteilung Marktitbersicht führte Dr. Wahl
etwa folgendes aus. Die Mängel der Statistik der
Ernährungswirtschaft in den zurückliegenden Jah
ren waren mit eine wesentliche Ursache für die Miß
erfolge der Ernährungswirtschaft. Marktordnung
ist nur möglich, wenn eine genaue Kenntnis der
Marktvorgänge vom Erzeuger bis zum Haushalt
des Verbrauchers besteht. Die Aufgabe der Markt
übersicht ist cs, dem Marktordner diese unentbehr
lichen Unterlagen für seine Maßnahmen zu be
schaffen. In dieser Beziehung ist noch eine große
Ausbauarbeit der ernährnngswirtschaftlichen Sta
tistik zu leisten. Das Ziel ist, für jede Markteinheit
eine Versorgungsbilanz aufzustellen. — Als die
wichtigsten Aufgaben der Abteilung Marktansgleich
bezeichnete Abteilungsleiter von Hasselbach für den
Verbinüungsdienst zwischen den einzelnen Markt
gebieten die Vorratswirtschaft, die Verkehrswirt
schaft und die Beobachtung der Preisrelationcn
zwischen den einzelnen Marktgebieten in ihrer Aus
wirkung auf Erzeugung und Bedarf. Sehr inter
essant waren die Ausführungen über die kosten-
wirtschaftliche Seite der Vorratswirtschaft.
Nordwestdeutfche ViehhsttkrKg und
MrtteUanb-Kaua!
Das Institut für Konjunkturforschung beschäftigt
sich auch mit den Aussichten der deutschen Wirtschaft.
Die nächst der mengenmäßigen Beschaffung der
Futtermittel wichtigste Frage der räumlichen Ver
teilung dürfte in absehbarer Zeit durch die Fertig
stellung des Mittellandkanals in ein neues Sta
dium treten. Die ehemals unbeschränkte Einfuhr
von Futtermitteln über Bremen und Hamburg nach
Nordwestdeutschland hatte zu einer starken Ilcber-
setzung der Viehhaltung in diesem Gebiete geführt.
In dem Maße, in dem nun die ausländischen Zu
fuhren etwa ab 1928 sanken, erfolgte eine Verschie
bung der Viehhaltung von West nach Ost, d. h. die
Viehbestände wanderten zu den (mit Getreide und
Kartoffeln) reichlich gefüllten Futtertrögen in Ost
deutschland. Am stärksten zeigten sich diese Bewe
gungen bei den besonders „reagiblen" Schweine-
und Hühnerbeständen. So erwünscht diese Umstel
lung auf wirtschaftseigcne Futtermittel volkswirt
schaftlich auch war, und so große Vorteile sie Ost
deutschland durch vermehrten Umsatz brachte, so un
gelegen mußte sie naturgemäß den bisher durch die
Einfuhr begünstigten Gebieten sein. Einmal hatte
die bisherige starke Viehhaltung den Kleinbauern
ermöglicht, wie Großbauern zu leben, mithin den
Lebensstandard zum Teil beträchtlich erhöht, und
zweitens blieb nach dem „Auszug" des Viehs das
Gebäudekapital und die große, inzwischen erworbene
Fähigkeit und Tüchtigkeit der Bauern, Vieh ratio
nell zu mästen, zum Teil ungenutzt. In dem Maße,
in dem es nun in Zukunft nach Fertigstellung des
Kanals gelingt, die ostdeutschen Futtermittel billig
nach dem Westen in die Verbrauchszentren für
Fleisch und tierische Erzeugnisse zu schaffen, um so
günstiger wird sich auch wieder die Lage vieler
Kleinbauern in Hannover, Oldenburg und Schles
wig-Holstein gestalten. Eine Benachieiligung Ost
deutschlands oder eine Rückwanderung des Viehes
braucht dadurch nicht einzutreten, da ja der gesamte
Verbrauch an tierischen Erzeugnissen noch bei wei
tem nicht im Inland gedeckt wird. Es ist mithin
noch Raum genug für eine Ausdehnung der Ver
edelungswirtschaft vorhanden.
Der Molkereirneifter
Im Reichsgesetzblatt ist die 6. Verordnung zur
Ausführung des Milchgesctzes erschienen. Sie re
gelt die Ausbildung des Molkereipersonals und
besagt, daß künftig nur Personen mit abgeschlossener
milchwirtschaftlicher Ausbildung die verantwort-
wortliche Leitung von Molkereien und ähnlichen
Betrieben übernehmen dürfen. Uebergangsbestim-
mungen dienen zur Vermeidung von Härten. Als
Rahmenregelung ermächtigt sie d'en ’ Reichsnähr
stand, die Einzelheiten des AuSbilÜungSganges zu
regeln. Die Gesamtdauer der Ausbildung muß ein
schließlich der Lehrgänge mindestens sieben Jahre
und sechs Monate betragen. Ihr Ziel ist der Er
werb des Molkereimeisterbriefes, der als Nachweis
abgeschlossener Fachausbildung gilt. Eine besondere
Ausbildung ist für die Emmenthaler Käserei vorge
sehen. Erleichterte Ausbildungsbedingungen sind
für Personen mit abgeschlossener Hochschulbildung
sowie für Bewerber mit besonders hervorragender
Befähigung in Aussicht genommen.
Einstellung weiblicher Lehrlinge
Der Rcichswirtschaftsminister hat auf einen Be
richt der Handwerkskammer Hannover eine Ent
scheidung getroffen, nach der die Einstellung von
schulentlassenen Mädchen als Lehrlinge im hanno
verschen Handwerk erst 1 Jahr nach der Schulent
lassung in Betracht kommt. Durch diese Regelung
soll den Mädchen Gelegenheit gegeben werden, sich
hauswirtschaftlich zu betätigen oder das Landjahr,
die Landhilfe, den Arbeitsdienst oder Hanshaltungs
schulen usw. zu absolvieren.
Die Wetteraussichten für Freitag, den 1. Mai
1988, in Nordwestdcntschland: Schwache Winde zwi
schen Nord und West, wolkig, morgens vielfach
diesig, vorwiegend trocken, verhältnismäßig kühl.