Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Was sonst noch in -er Politik 
Eine schallende Ohrfeige. 
Die gemeingefährliche Empfehlung des „Pe 
tit Parisien" für Errichtung eines völkerbund- 
lichen Luftheeres mit dem Sitz in der Tsche 
choslowakei, wofür wir die tieferen Gründe 
hier bereits aufgezeigt haben, wird von dem 
Prager Blatt „Narodni Politici" kurzerhand 
mit der Bezeichnung „verrückte Einfälle" ab 
getan. Das Blatt verweist auf die Gefahr einer 
Meuterei des betreffenden Kontingentes im 
Fall eines Angriffs seines Staates gegen einen 
anderen und kommt zu dem Schluß, daß sich 
logischerweise dann geradezu ein Krieg inner 
halb dieser internationalen Luftmacht ent 
wickeln werde, „und zwar in der Tschechoslo 
wakei, auf unserem Rücken". Das Blatt nennt 
schließlich den Gedanken jedes internationalen 
Heeres schlechthin verrückt, auch dann, wenn 
es sich etwa aus nichteuropäischen Söldnern 
zusammensetzen würde. Kein Staat könne 
einer solchen fremden Heeresmacht ertauben, 
seinen Bestand direkt zu gefährden. 
Wir haben dieser ebenso richtigen wie dra 
stischen Widerlegung der westeuropäischen Mo 
depolitik von der sogenannten kollektiven Frie 
denssicherung nichts hinzuzufügen. 
» * » 
Greuelmärchen als System. 
Gewisse Teile der ausländischen Presse schei 
nen die üble Gerüchtemacherei gegen Deutsch 
land noch weiter fortsetzen zu wollen, obwohl 
der eine Anlaß, der Beeinflussungsversuch ge 
genüber dem englischen Fragebogen, inzwischen 
durch dessen Fertigstellung gegenstandslos ge 
worden und verschiedene Klarstellungen auch 
von deutscher Seite aus erfolgt sind. In Paris 
beispielsweise trägt man in allzu betonter 
Weise die „Besorgnis" um Oesterreich zur 
Schau und bezieht sich dabei auf verschiedene 
Anspielungen der letzten Reden des Bundes 
kanzlers. Das ist also die überaus billige Me 
thode, für die immer weiter um sich greifenden 
Folgen der österreichischen Verfallspolitik kur 
zerhand den — Nationalsozialismus verant 
wortlich zu machen. Besremdenderweise hat 
auch der Londoner Korrespondent des „Lavoro 
Fascista" wilde Gerüchte über einen „unmit 
telbar bevorstehenden Handstreich deutscher 
Nationalsozialisten auf Wien" seinem Blatt 
gekabelt, obwohl er begreiflicherweise von sei 
nem Standort aus überhaupt keine begründete 
Sachkenntnis für die Formulierung eines der 
artigen Blödsinns haben konnte. Die italieni 
schen Behörden haben das Blatt denn auch so 
fort beschlagnahmen lassen. 
Außerdem aber stellt man sich in Paris noch 
besorgt über angebliche „Ratschläge", die 
Austen Chamberlain in Wien hinterlassen ha 
ben soll. Er selbst hat das bekanntlich gegen 
über Pressevertretern kategorisch bestritten. In 
Paris dagegen behauptet man, Chamberlain 
habe in Wien empfohlen, irgendeinen modus 
vivendi mit Deutschland zu finden oder eine 
absolut strikte Neutralitätspolitik unter Aus 
schaltung des italienischen Einflusses einzuhal 
ten. Wir können diese Sorgen, an denen wir 
völlig uninteressiert sind, ruhig den Herrschaf 
ten in Paris überlassen. 
* * * 
Oie Beisetzung König Funds. 
DNB. Kairo, 30. April. Am Donnerstagvor 
mittag wurden die sterblichen Ueberreste Kö 
nig Fuads I. unter großer Anteilnahme der 
Bevölkerung der Hauptstadt Aegyptens zu 
Grabe getragen. Um 10 Uhr wurde der Sarg, 
der mit der ägyptischen Flagge geschmückt war, 
aus dem Königspalast auf die Lafette getra 
gen. Unter Vorantritt militärischer Formatio 
nen setzte sich dann der Trauerzug in Bewe 
gung. Zwei Stunden dauerte es, bis der Sarg 
die Rifai-Moschce erreichte. Unter den vielen 
Kranzspenden befand sich auch ein großer 
Kranz des Führers und Reichskanzlers und 
der Reichsregierung. Der Führer hatte den 
deutschen Gesandten in Kairo, von Stohrer. 
zum Sonderbotschafter und zu seinem Ver 
treter bei den Beisetzungsfeierlichkciten er 
nannt. 
«König Faruks Abreise ans England. 
DNB. London, 30. April. König Faruk ist 
am Donnerstag von London nach Aegypten 
abgereist. Als Vertreter des Königs von Eng 
land hatte sich auf dem Bahnhof der Herzog 
von Kent eingefunden. Auch der englische 
Außenminister war zugegen, um persönlich 
von dem jungen König Abschied zu nehmen. 
Bei der Ankunft in Dover bildete eine 
Ehrenwache des dort liegenden Hochländer- 
regimentes auf dem Bahnsteig Spalier. Der 
König begab sich dann an Bord des französi 
schen Dampfers „Cote d'Azur", der bis Calais 
von zwei englischen Zerstörern begleitet 
würde. 
Dr. Goebbels empfing am Donnerstagmit 
tag den Pressechef der chinesischen Nationalre 
gierung, den Gesandten Dr. Tang-Lcang-Li'. 
Glückwunsch des Führers an Botschafter 
von Ribbentrop. 
DNB. Berlin, 30. April. Der Führer und 
Reichskanzler hat an Botschafter von Nibben- 
trop zur Vollendung seines 43. Lebensjahres 
folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: 
„Lieber Herr von Ribbentrop. Zu Ihrem 
heutigen Geburtstag nehmen Sie meine auf 
richtigsten Glückwünsche entgegen. In herz 
licher Freundschaft 
Ihr Adolf Hitler." 
* - * 
Nur eine parteiamtliche Stelle für deutsche 
Vorgeschichte. 
NSK. Berlin, 30. April. Der Beauftragte 
des Führers für die Ueberwachung der gesam 
ten geistigen und weltanschaulichen Erziehung 
der NSDAP, gibt bekannt: 
Angesichts auftretender Fragen teile ich mit, 
daß es nur eine einzige parteiamtliche Stelle 
für deutsche Vorgeschichte gibt, und zwar die 
Abteilung Vorgeschichte in meiner Dienststelle, 
Leiter: Hauptstcllenleitcr Prof. Dr. Hans 
R e i n e r t h. 
gez.: Alfred Rosenberg. 
» » -i- 
Stabschef Lntze im Rundfunk. 
DNB. Berlin, 30. April. Der SÄ.-Stabschef 
des Führers, Victor Lutze, spricht am Montag, 
dem 4. Mai, in der Zeit von 19.40 bis 20 Uhr 
über alle deutschen Sender zum Dankopfer der 
Nation. 
(15. Fortsetzung.) 
Wie sie hießen, haben wir nur in 
den seltensten Fällen in Erfahrung bringen 
können. Es waren vor allem verschiedene Ar 
ten wilder Päonien, jener Blumen, von denen 
das Land im Altertum den Namen Päonien 
erhalten hat. Dazu gab es seltsame Orchideen 
arten und das gelbe Blümchen Asphodelos, die 
Totenblnme der Alten. Um unseren Garten 
noch mehr zu beleben, wurden die ersten aus 
ihrem Winterschlaf erwachten Schildkröten 
hineingesetzt. Die Schildkröten waren über 
haupt bald der gesuchteste Artikel für die deut 
schen Soldaten. Jede leere Feldpostschachtcl 
wanderte, gefüllt mit grünen Blättern und 
einigen Schildkröten, wieder heimwärts. Diese 
Sendungen nahmen allmählich einen solchen 
Umfang an, daß ganze Waggons zum Trans 
port nötig waren. Derartige Grütze aus dem 
Felde mußten bald verboten werden, da die 
Schildkröten unterwegs die Funktionen ihres 
Körpers absolut nicht zu beherrschen verstan 
den. Mit dem ersten warmen Regen im April 
wurde die Natur mit einem Schlag lebendig. 
Unser Dachgarten zeigte plötzlich eine uner 
wartete Ueppigkeit und war bald so berühmt, 
daß sich selbst der hohe Herr Divisionsgeneral 
mit seinem Stabe zur Besichtigung auf den 
Berg zu uns heraufbemühte. Außer der Pflan 
zenwelt erwachte aber auch die Tierwelt aus 
ihrem Winterschlaf. Wir waren sehr erstaunt, 
als von der Decke unserer Erdhütte ungezählte 
kleine Würmer herunterfielen, die uns lang 
sam, aber energisch den Aufenthalt in unserem 
Winterlager verleideten. Wir mußten darum 
bald unsere Zelte anderswo aufschlagen. Auch 
hier war es nicht mehr so ganz gemütlich, denn 
schon nach kurzer Zeit gab es eine neue Plage. 
Der Berg wimmelte von Schlangen jeglicher 
Art, und dies war um so schlimmer, weil wir 
die giftigen von den harmlosen nicht unterschei 
den konnten. Man munkelte auch bereits vom 
Abmarsch, und es war höchste Zeit, den längst 
geplanten Ausflug nach Griechenland zu un- 
.ernehmen. Weit sind wir ja nicht, gekommen, 
denn schon nach einer halben Stunde wurden 
wir von den griechischen Vorposten höflich, aber 
entschieden wieder über die Grenze zurückge- 
'chvbcn. So war unser Aufenthalt auf dem 
classischen Boden Griechenlands von geradezu 
unwahrscheinlicher Kürze. 
* 
Reims und Berduu. 
Das böse Wardarfieber wirkte immer noch 
unangenehm nach, und darum wurde eines 
schönen Tages mein Gesuch um einen drei 
wöchigen Urlaub in Gnaden genehmigt. Ta 
sich mein Herz nach guter alter Kunst sehnte, 
war ich auf den etwas absonderlichen Gedan 
ken gekommen, meinen Urlaub in Antwerpen 
zu verbringen. Ueber Wien, wo ich am Bahn 
hof entlaust, im Prater aber als deutscher Held 
gefeiert wurde, ging es nach dem besetzten Ge 
biet. Hier erwartete mich ein alter Freund. In 
Antwerpen wurde ich wie ein Weltwunder an 
gestaunt, denn die Uniform eines Gebirgsar- 
Große Polizeiaktion im Freistaat Irland. 
DNB. Dublin, 30. April. Eine großangelegte 
Polizeiaktion, deren Hintergründe noch nicht 
klar sind, wurde in der vergangenen Nacht und 
in den frühen Morgenstunden des Donners 
tag in den Städten Cork und Waterford sowie 
in einer Reihe anderer Ortschaften des Frei- 
states Irland durchgeführt. 
Mehrere Kommandos schwerbewaffneter 
Polizisten nahmen eine Reihe von Haus 
suchungen vor, in deren Verlauf bis jetzt 60 
Personen verhaftet wurden. 
Der Führer und Reichskanzler empfing 
heute mittag die neuernannten Gesandten Bel 
giens und Nicaraguas zur Entgegennahme 
ihrer Beglaubigungsschreiben. Ferner empfing 
der Führer den Finanzminister von Uruguay, 
den italienischen Landwirtschaftsminister Ros 
sini und den Pressechef der chinesischen Natio 
nalregierung/den Gesandten Dr. Tang Leang- 
Li. 
Berlin. Der italienische Landwirtschafts 
minister Rossini stattete dem Reichswirtschafts 
minister Dr. Schacht, dem Reichsleiter Rosen 
berg und dem Ministerpräsidenten, General 
oberst Göring, Besuche ab. Anschließend legte 
Rossini am Reichsehrenmal einen Lorbeer- 
kranz nieder. 
Paris. Der neue deutsche Botschafter in 
Paris, Graf von Welczek, überreichte Don 
nerstagmittag dem französischen Staatspräsi 
denten sein Beglaubigungsschreiben. Der Bot 
schafter und der Staatspräsident hielten dabei 
Ansprachen. 
tilleristen war da oben an der Wasserkante noch 
nie gesehen worden. Sie war auch höchst son 
derbar! Dem persönlichen Geschmack des ein 
zelnen wurde damals in der Ausgestaltung 
seines Kriegsgewandes noch ein weiter Spiel 
raum gelassen. Ich hatte mich für diese Reise 
besonders schön gemacht. Meinen Waffenrock 
zierten aufgesetzte Taschen, wie sie vorerst nur 
Generäle trugen. Die kurzen Hosen zeigten 
den noch unbekannten Lederbesatz an Knie und 
Hinterteil. Zn den gelben Wickelgamaschen 
kamen gelbe Vergschuhe mit riesigen Nägeln 
und mächtigen Anschnallsporen, deren Riemen 
neckischerweise schwarz gehalten waren. Am 
Gurt hing nach Art der Fähnriche zur See an 
einer Nickelkette ein kleiner Schwedendolch, der 
unter der Windjacke herausbaumelte. Eigent 
lich hätten wir ja übcrgeschnallt tragen sollen, 
aber da, wo man unsere Waffe nicht kannte, 
erlaubten mir uns diese kleine Freiheit. Dienst 
gradabzeichen fehlten vollständig. Den Glanz 
punkt der Uniform bildete die Mütze, welche 
bis dahin in ihrer Form nur beim Skisport 
gebräuchlich gewesen war. Die bayerische und 
deutsche Kokarde waren seitlich unter den Auf 
schlägen verborgen, dafür aber trug man am 
rechten Aufschlag eine große, in gelber Seide 
gestickte, stilisierte platzende Granate. Der Er 
folg war durchschlagend. Schon ab Frankfurt 
grüßten mich alle Offiziere vom General ab 
wärts zuerst. In Antwerpen rettete mich diese 
fabelhafte Uniform ans einer höchst unange 
nehmen Situation. Ich war abends mit mei 
nem Freunde, einem höheren Zivilbeamten 
bei der deutschen Besatzung, in ein beliebtes 
Tanzlokal gegangen, natürlich ohne Nachtur 
laub, den ich als einfacher Unteroffizier unbe 
dingt hätte haben müssen. Um zwölf Uhr sollte 
das Lokal geschlossen werden, aber nur die 
ganz Soliden waren heimgegangen. Die Un 
entwegten, zu denen auch ich gehörte, amüsier 
ten sich weiter bis in den frühen Morgen. Um 
vier Uhr nahte das Verhängnis. Der Offizier 
der Ronde kam mit seinen Begleitern gänzlich 
unerwartet in das Lokal. In langen Reihen 
wurden die Nachtschwärmer aufgestellt und 
ihre Namen fein säuberlich aufgeschrieben. 
Mein Herz saß schon ziemlich tief in den Ho 
sen, als der gestrenge Offizier auf mich zutrat. 
Etwas unsicher und aufgeregt suchte ich nach 
meinem Soldbuch und nach meinem Urlaubs 
schein. Der Herr Hauptmann aber grüßte höf 
lich und zuvorkommend und meinte: „Aber be 
mühen Sie sich doch nicht, ausländische Kame 
raden . . ." Ich dankte ebenso höflich, und bei 
meiner Abreise von Antwerpen erfuhr ich noch 
am Bahnhof, daß man mich für einen Schwei 
zer Offizier gehalten hatte. 
Unterdessen war die Batterie aus Mazedo 
nien abgerückt und irgendwo im Westen einge 
setzt worden. Wo sie sich befand, sollten wir erst 
in Halle erfahren. Hier wurden acht Tage nach 
meinem Urlaubsschluß die übrigen Nachzügler 
eingesammelt und ihrer Truppe wieder zuge 
führt. Sehr erfreut waren wir gerade nicht, 
wieder mit dem Franzmann raufen zu müssen. 
In der Champagne stießen rvir zu dem übri 
gen Hansen. Die Stellung war nicht schön und 
lag etwas südlich von Reims. Die Unterstände 
hatten wir in die schöne, weiße Champagne 
kreide eingegraben. Ich wurde sofort zur Be 
obachtung abkommandiert. Der Dienst war 
schwer und nicht ungefährlich,' um zur Beob 
achtungsstelle zu gelangen, mußte man durch 
einen kleinen Föhrenwald, in dem zu jeder 
Zeit die feindlichen Jnfanteriegeschosse pfiffen. 
Der richtige Artillerist macht sich nicht allzuviel 
aus Granaten und Schrappnells, dieweil er 
aus eigener Erfahrung weiß, daß gerade von 
ihnen nicht jede Kugel trifft. Von den kleinen 
Jnfanteriegeschossen dagegen glaubt er, daß je 
des einzelne ihm persönlich ans Leben will. 
Der Beobachtungsstand war eigenartig ange 
legt. Von einem Jnfanteriegraben aus bohrte 
sich ein Stollen schief nach abwärts in den Berg, 
der sich an seinem Ende zu einer kleinen Kam 
mer erweiterte. Von hier aus stieg ein mehrere 
Meter hoher, enger Schacht in die Höhe, um an 
dem dem Feind zugerichteten Hange ans Licht 
zu kommen. Jede Spur der weißen Kreide, die 
das Ausguckloch kenntlich gemacht hätte, wurde 
sorgfältig entfernt, und nur das mit täglich er 
neuerten frischen Gräsern und Kräutern ver 
deckte Ende des Scherenfernrohrs schaute her 
aus. Unsere Beobachtungsstelle hat der Feind 
nie entdeckt. Trotzdem war das oft vielstündige 
Auslugen nach den Bewegungen auf der an 
deren Seite sehr ermüdend. Eine ganz beson 
dere Plage bildete der feine Kreidestaub, der 
sich überall unter die Haut bohrte und einen 
unter dem Namen Kreidekrützc bekannten Aus 
schlag hervorrief. In der freien Zeit beschäf 
tigte man sich mit der Schnitzkunst, wozu die 
weiche Kreide, die sich wie Butter schneiden 
ließ, überaus geeignet war. 
Auf meiner Beobachtungsstelle bekamen wir 
eines schönen Tages einen unerwarteten Be 
such. Unser Divisionär, der gleich zu Beginn 
des Krieges sein rechtes Bein verloren hatte, 
tauchte plötzlich, getragen ans den Schultern 
seines hünenhaften Burschen, aus dem Schach 
te, der zum Beobachtungssitz führte, auf und 
blieb ziemlich lange oben. Der Besuch hatte für 
uns etwas sehr Gutes, denn bis dahin mußten 
wir manchmal acht Stunden hintereinander am 
Scherenfernrohr sitzen, was auf die Dauer 
kaum zu ertragen war. Auf Befehl des Gene 
rals wurde der Dienst so eingerichtet, daß wir 
nur noch zweimal je drei Stunden in unserem 
langweiligen Loche zu sitzen hatten. 
Vor Reims erlebten wir auch unseren ersten 
Gasangriff. Stundenlang lief die ganze Bat 
terie mit der Gasmaske vor dem Gesicht um 
her, bis man beinahe erstickt war. Zu allemhin 
stellte sich dann noch heraus, daß der Feind gar 
nicht mit Gas geschossen hatte. Trotzdem wurde 
wegen unseres tapferen Benehmens in dieser 
peinlichen Situation Freibier verteilt. 
Der Aufenthalt vor Reims dauerte nicht all 
zulange. Gerade als man sich eingelebt hatte, 
wurden wir wieder verladen und auf eigen 
artigen Umwegen in die Stellungen vor Ver 
dun gebracht, was uns nicht sehr erfreute. Für 
die Kameraden, die ständig im Westen gewesen 
waren, bildeten wir bei unserem Aufmarsch 
mit unseren Eseln, Maultieren und serbischen 
Ochsen eine Art Ersatz für einen Zoologischen 
Garten. Als mir vor Verdun angerückt kamen, 
wußte zuerst überhaupt kein Mensch, was für 
eine Art von Truppe wir darstellten. Auf dem 
Marsch in ebenem Gelände konnte unsere kleine 
Kanone statt getragen mit Hilfe einer Gabel 
deichsel auch gefahren werden. Damit bei län 
geren Märschen die Kanoniere durch das Tra 
gen von Gepäck nicht zu sehr ermüdeten, konn 
ten sie ihre Tornister an vorsorglich angebrach 
ten Haken an die Kanone hängen. Da unsere 
Kanone winzig klein, der Tornister aber viele 
waren, verschwand das Rohr so vollständig 
unter der umgehängten Last, daß mich ein 
fremder Offizier frug, ob alle österreichischen 
Truppen, denn für solche hielt er uns, der 
artige sonderbare Tornisterwagen hätten. 
In Serbien gab es manchmal recht feuchte 
Biwaks, der Dreck im Waldlager von Azannes 
übertraf aber alles bis dahin Erlebte. Unsere 
Geschützstellung, zu der man über drei Stun 
den marschieren mußte, lag gegenüber dem 
Fort.Vaux. Vorne war es noch zum Aushal 
ten, aber der Marsch in die Stellung, der nur 
nachts vor sich gehen konnte, war überaus un 
gemütlich. Der ganze Anmarschweg lag unter 
schwerem und schwerstem feindlichem Artillerie 
feuer, und wir waren immer heilfroh, wenn 
unsere weit vorgeschobene Stellung erreicht 
war. Es war auch vor Verdun, wie immer in 
diesem Weltkrieg, so, daß man seines Lebens 
um so sicherer war, je näher man dem Feinde 
lag. Bei einem dieser nächtlichen Märsche pas 
sierte mir ein seltsames Malheur. Ein kleiner 
Splitter einer platzenden Granate hatte mich 
leicht an der Ferse verwundet. Gefährlich war 
die Sache ja nicht, aber für ein paar Tage 
konnte ich am rechten Fuß nur einen weichen 
Filzpantoffel tragen. Man blieb vor Verdun 
nicht in Ruhestellung, wenn ein anderer Ka 
merad dann dafür den gefährlichen Weg nach 
vorne machen mußte. 
ZsmM- Geslögelhof 
Vom Relchsoer anö Deutscher Kleintierzüchter e. V anerkannt als Dermehrungszucht für weißes 
amerikanisches Leghorn. Kostenlose Preisliste für Eintags-Küken, Iunghennen und Lohnbrut. 
(Kennen puilorumşrei befunden und geqen Diphtherie geimpst.i 
«MeraenttieinM 
KARtSQIJELlE•ALBERTQUELLE • WlLhELMSQUEUE 
LLE - LEBER 
FETTSUCHT 
ZUCKER 
MAGEN - DARM 
V E R s't ORF U N G 
HOTEL, KURHAUS — KURANSTALT HOHENLOHE 
îm Besitz der Kurverwaltung. Inmitten des Kurpnrkes, nahe bei Quellen und Bädern gelegen 
Ganzjährige Pauschal- und Vergilnstigungakuren 
Zn Hanskuren: Mergenthelmer Karlsque le und Mergentheimer natürliches QuelUalz erhält 
lich in Minetalwasser-Großhandlungen, Apotheken und Drogerien, wo nicht, durch die Kurverwaltung Bad Mergentheim 
(Fortsetzung folgt. 
fü&tuns ca. 
Qualität 
Martaàbriķat 
eiserne Rundstab- 
200 cm ca. 215 cm 
RM 68.50 RM 72.— 
ab iöamburg ab Werk NM 8.— 
^rachtuerai'ito "eete K Şchrņîdt, 
Hamburg 22, Wagnerstrahe 10. 
Mit zwei Zentner« durch den Weltkrieg 
Erinnerungen eines Optimisten. 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1985 by Deutsch« Berlagsanstalt Stuttgart.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.