Was sonst noch in -er Politik
Eine schallende Ohrfeige.
Die gemeingefährliche Empfehlung des „Pe
tit Parisien" für Errichtung eines völkerbund-
lichen Luftheeres mit dem Sitz in der Tsche
choslowakei, wofür wir die tieferen Gründe
hier bereits aufgezeigt haben, wird von dem
Prager Blatt „Narodni Politici" kurzerhand
mit der Bezeichnung „verrückte Einfälle" ab
getan. Das Blatt verweist auf die Gefahr einer
Meuterei des betreffenden Kontingentes im
Fall eines Angriffs seines Staates gegen einen
anderen und kommt zu dem Schluß, daß sich
logischerweise dann geradezu ein Krieg inner
halb dieser internationalen Luftmacht ent
wickeln werde, „und zwar in der Tschechoslo
wakei, auf unserem Rücken". Das Blatt nennt
schließlich den Gedanken jedes internationalen
Heeres schlechthin verrückt, auch dann, wenn
es sich etwa aus nichteuropäischen Söldnern
zusammensetzen würde. Kein Staat könne
einer solchen fremden Heeresmacht ertauben,
seinen Bestand direkt zu gefährden.
Wir haben dieser ebenso richtigen wie dra
stischen Widerlegung der westeuropäischen Mo
depolitik von der sogenannten kollektiven Frie
denssicherung nichts hinzuzufügen.
» * »
Greuelmärchen als System.
Gewisse Teile der ausländischen Presse schei
nen die üble Gerüchtemacherei gegen Deutsch
land noch weiter fortsetzen zu wollen, obwohl
der eine Anlaß, der Beeinflussungsversuch ge
genüber dem englischen Fragebogen, inzwischen
durch dessen Fertigstellung gegenstandslos ge
worden und verschiedene Klarstellungen auch
von deutscher Seite aus erfolgt sind. In Paris
beispielsweise trägt man in allzu betonter
Weise die „Besorgnis" um Oesterreich zur
Schau und bezieht sich dabei auf verschiedene
Anspielungen der letzten Reden des Bundes
kanzlers. Das ist also die überaus billige Me
thode, für die immer weiter um sich greifenden
Folgen der österreichischen Verfallspolitik kur
zerhand den — Nationalsozialismus verant
wortlich zu machen. Besremdenderweise hat
auch der Londoner Korrespondent des „Lavoro
Fascista" wilde Gerüchte über einen „unmit
telbar bevorstehenden Handstreich deutscher
Nationalsozialisten auf Wien" seinem Blatt
gekabelt, obwohl er begreiflicherweise von sei
nem Standort aus überhaupt keine begründete
Sachkenntnis für die Formulierung eines der
artigen Blödsinns haben konnte. Die italieni
schen Behörden haben das Blatt denn auch so
fort beschlagnahmen lassen.
Außerdem aber stellt man sich in Paris noch
besorgt über angebliche „Ratschläge", die
Austen Chamberlain in Wien hinterlassen ha
ben soll. Er selbst hat das bekanntlich gegen
über Pressevertretern kategorisch bestritten. In
Paris dagegen behauptet man, Chamberlain
habe in Wien empfohlen, irgendeinen modus
vivendi mit Deutschland zu finden oder eine
absolut strikte Neutralitätspolitik unter Aus
schaltung des italienischen Einflusses einzuhal
ten. Wir können diese Sorgen, an denen wir
völlig uninteressiert sind, ruhig den Herrschaf
ten in Paris überlassen.
* * *
Oie Beisetzung König Funds.
DNB. Kairo, 30. April. Am Donnerstagvor
mittag wurden die sterblichen Ueberreste Kö
nig Fuads I. unter großer Anteilnahme der
Bevölkerung der Hauptstadt Aegyptens zu
Grabe getragen. Um 10 Uhr wurde der Sarg,
der mit der ägyptischen Flagge geschmückt war,
aus dem Königspalast auf die Lafette getra
gen. Unter Vorantritt militärischer Formatio
nen setzte sich dann der Trauerzug in Bewe
gung. Zwei Stunden dauerte es, bis der Sarg
die Rifai-Moschce erreichte. Unter den vielen
Kranzspenden befand sich auch ein großer
Kranz des Führers und Reichskanzlers und
der Reichsregierung. Der Führer hatte den
deutschen Gesandten in Kairo, von Stohrer.
zum Sonderbotschafter und zu seinem Ver
treter bei den Beisetzungsfeierlichkciten er
nannt.
«König Faruks Abreise ans England.
DNB. London, 30. April. König Faruk ist
am Donnerstag von London nach Aegypten
abgereist. Als Vertreter des Königs von Eng
land hatte sich auf dem Bahnhof der Herzog
von Kent eingefunden. Auch der englische
Außenminister war zugegen, um persönlich
von dem jungen König Abschied zu nehmen.
Bei der Ankunft in Dover bildete eine
Ehrenwache des dort liegenden Hochländer-
regimentes auf dem Bahnsteig Spalier. Der
König begab sich dann an Bord des französi
schen Dampfers „Cote d'Azur", der bis Calais
von zwei englischen Zerstörern begleitet
würde.
Dr. Goebbels empfing am Donnerstagmit
tag den Pressechef der chinesischen Nationalre
gierung, den Gesandten Dr. Tang-Lcang-Li'.
Glückwunsch des Führers an Botschafter
von Ribbentrop.
DNB. Berlin, 30. April. Der Führer und
Reichskanzler hat an Botschafter von Nibben-
trop zur Vollendung seines 43. Lebensjahres
folgendes Glückwunschtelegramm gesandt:
„Lieber Herr von Ribbentrop. Zu Ihrem
heutigen Geburtstag nehmen Sie meine auf
richtigsten Glückwünsche entgegen. In herz
licher Freundschaft
Ihr Adolf Hitler."
* - *
Nur eine parteiamtliche Stelle für deutsche
Vorgeschichte.
NSK. Berlin, 30. April. Der Beauftragte
des Führers für die Ueberwachung der gesam
ten geistigen und weltanschaulichen Erziehung
der NSDAP, gibt bekannt:
Angesichts auftretender Fragen teile ich mit,
daß es nur eine einzige parteiamtliche Stelle
für deutsche Vorgeschichte gibt, und zwar die
Abteilung Vorgeschichte in meiner Dienststelle,
Leiter: Hauptstcllenleitcr Prof. Dr. Hans
R e i n e r t h.
gez.: Alfred Rosenberg.
» » -i-
Stabschef Lntze im Rundfunk.
DNB. Berlin, 30. April. Der SÄ.-Stabschef
des Führers, Victor Lutze, spricht am Montag,
dem 4. Mai, in der Zeit von 19.40 bis 20 Uhr
über alle deutschen Sender zum Dankopfer der
Nation.
(15. Fortsetzung.)
Wie sie hießen, haben wir nur in
den seltensten Fällen in Erfahrung bringen
können. Es waren vor allem verschiedene Ar
ten wilder Päonien, jener Blumen, von denen
das Land im Altertum den Namen Päonien
erhalten hat. Dazu gab es seltsame Orchideen
arten und das gelbe Blümchen Asphodelos, die
Totenblnme der Alten. Um unseren Garten
noch mehr zu beleben, wurden die ersten aus
ihrem Winterschlaf erwachten Schildkröten
hineingesetzt. Die Schildkröten waren über
haupt bald der gesuchteste Artikel für die deut
schen Soldaten. Jede leere Feldpostschachtcl
wanderte, gefüllt mit grünen Blättern und
einigen Schildkröten, wieder heimwärts. Diese
Sendungen nahmen allmählich einen solchen
Umfang an, daß ganze Waggons zum Trans
port nötig waren. Derartige Grütze aus dem
Felde mußten bald verboten werden, da die
Schildkröten unterwegs die Funktionen ihres
Körpers absolut nicht zu beherrschen verstan
den. Mit dem ersten warmen Regen im April
wurde die Natur mit einem Schlag lebendig.
Unser Dachgarten zeigte plötzlich eine uner
wartete Ueppigkeit und war bald so berühmt,
daß sich selbst der hohe Herr Divisionsgeneral
mit seinem Stabe zur Besichtigung auf den
Berg zu uns heraufbemühte. Außer der Pflan
zenwelt erwachte aber auch die Tierwelt aus
ihrem Winterschlaf. Wir waren sehr erstaunt,
als von der Decke unserer Erdhütte ungezählte
kleine Würmer herunterfielen, die uns lang
sam, aber energisch den Aufenthalt in unserem
Winterlager verleideten. Wir mußten darum
bald unsere Zelte anderswo aufschlagen. Auch
hier war es nicht mehr so ganz gemütlich, denn
schon nach kurzer Zeit gab es eine neue Plage.
Der Berg wimmelte von Schlangen jeglicher
Art, und dies war um so schlimmer, weil wir
die giftigen von den harmlosen nicht unterschei
den konnten. Man munkelte auch bereits vom
Abmarsch, und es war höchste Zeit, den längst
geplanten Ausflug nach Griechenland zu un-
.ernehmen. Weit sind wir ja nicht, gekommen,
denn schon nach einer halben Stunde wurden
wir von den griechischen Vorposten höflich, aber
entschieden wieder über die Grenze zurückge-
'chvbcn. So war unser Aufenthalt auf dem
classischen Boden Griechenlands von geradezu
unwahrscheinlicher Kürze.
*
Reims und Berduu.
Das böse Wardarfieber wirkte immer noch
unangenehm nach, und darum wurde eines
schönen Tages mein Gesuch um einen drei
wöchigen Urlaub in Gnaden genehmigt. Ta
sich mein Herz nach guter alter Kunst sehnte,
war ich auf den etwas absonderlichen Gedan
ken gekommen, meinen Urlaub in Antwerpen
zu verbringen. Ueber Wien, wo ich am Bahn
hof entlaust, im Prater aber als deutscher Held
gefeiert wurde, ging es nach dem besetzten Ge
biet. Hier erwartete mich ein alter Freund. In
Antwerpen wurde ich wie ein Weltwunder an
gestaunt, denn die Uniform eines Gebirgsar-
Große Polizeiaktion im Freistaat Irland.
DNB. Dublin, 30. April. Eine großangelegte
Polizeiaktion, deren Hintergründe noch nicht
klar sind, wurde in der vergangenen Nacht und
in den frühen Morgenstunden des Donners
tag in den Städten Cork und Waterford sowie
in einer Reihe anderer Ortschaften des Frei-
states Irland durchgeführt.
Mehrere Kommandos schwerbewaffneter
Polizisten nahmen eine Reihe von Haus
suchungen vor, in deren Verlauf bis jetzt 60
Personen verhaftet wurden.
Der Führer und Reichskanzler empfing
heute mittag die neuernannten Gesandten Bel
giens und Nicaraguas zur Entgegennahme
ihrer Beglaubigungsschreiben. Ferner empfing
der Führer den Finanzminister von Uruguay,
den italienischen Landwirtschaftsminister Ros
sini und den Pressechef der chinesischen Natio
nalregierung/den Gesandten Dr. Tang Leang-
Li.
Berlin. Der italienische Landwirtschafts
minister Rossini stattete dem Reichswirtschafts
minister Dr. Schacht, dem Reichsleiter Rosen
berg und dem Ministerpräsidenten, General
oberst Göring, Besuche ab. Anschließend legte
Rossini am Reichsehrenmal einen Lorbeer-
kranz nieder.
Paris. Der neue deutsche Botschafter in
Paris, Graf von Welczek, überreichte Don
nerstagmittag dem französischen Staatspräsi
denten sein Beglaubigungsschreiben. Der Bot
schafter und der Staatspräsident hielten dabei
Ansprachen.
tilleristen war da oben an der Wasserkante noch
nie gesehen worden. Sie war auch höchst son
derbar! Dem persönlichen Geschmack des ein
zelnen wurde damals in der Ausgestaltung
seines Kriegsgewandes noch ein weiter Spiel
raum gelassen. Ich hatte mich für diese Reise
besonders schön gemacht. Meinen Waffenrock
zierten aufgesetzte Taschen, wie sie vorerst nur
Generäle trugen. Die kurzen Hosen zeigten
den noch unbekannten Lederbesatz an Knie und
Hinterteil. Zn den gelben Wickelgamaschen
kamen gelbe Vergschuhe mit riesigen Nägeln
und mächtigen Anschnallsporen, deren Riemen
neckischerweise schwarz gehalten waren. Am
Gurt hing nach Art der Fähnriche zur See an
einer Nickelkette ein kleiner Schwedendolch, der
unter der Windjacke herausbaumelte. Eigent
lich hätten wir ja übcrgeschnallt tragen sollen,
aber da, wo man unsere Waffe nicht kannte,
erlaubten mir uns diese kleine Freiheit. Dienst
gradabzeichen fehlten vollständig. Den Glanz
punkt der Uniform bildete die Mütze, welche
bis dahin in ihrer Form nur beim Skisport
gebräuchlich gewesen war. Die bayerische und
deutsche Kokarde waren seitlich unter den Auf
schlägen verborgen, dafür aber trug man am
rechten Aufschlag eine große, in gelber Seide
gestickte, stilisierte platzende Granate. Der Er
folg war durchschlagend. Schon ab Frankfurt
grüßten mich alle Offiziere vom General ab
wärts zuerst. In Antwerpen rettete mich diese
fabelhafte Uniform ans einer höchst unange
nehmen Situation. Ich war abends mit mei
nem Freunde, einem höheren Zivilbeamten
bei der deutschen Besatzung, in ein beliebtes
Tanzlokal gegangen, natürlich ohne Nachtur
laub, den ich als einfacher Unteroffizier unbe
dingt hätte haben müssen. Um zwölf Uhr sollte
das Lokal geschlossen werden, aber nur die
ganz Soliden waren heimgegangen. Die Un
entwegten, zu denen auch ich gehörte, amüsier
ten sich weiter bis in den frühen Morgen. Um
vier Uhr nahte das Verhängnis. Der Offizier
der Ronde kam mit seinen Begleitern gänzlich
unerwartet in das Lokal. In langen Reihen
wurden die Nachtschwärmer aufgestellt und
ihre Namen fein säuberlich aufgeschrieben.
Mein Herz saß schon ziemlich tief in den Ho
sen, als der gestrenge Offizier auf mich zutrat.
Etwas unsicher und aufgeregt suchte ich nach
meinem Soldbuch und nach meinem Urlaubs
schein. Der Herr Hauptmann aber grüßte höf
lich und zuvorkommend und meinte: „Aber be
mühen Sie sich doch nicht, ausländische Kame
raden . . ." Ich dankte ebenso höflich, und bei
meiner Abreise von Antwerpen erfuhr ich noch
am Bahnhof, daß man mich für einen Schwei
zer Offizier gehalten hatte.
Unterdessen war die Batterie aus Mazedo
nien abgerückt und irgendwo im Westen einge
setzt worden. Wo sie sich befand, sollten wir erst
in Halle erfahren. Hier wurden acht Tage nach
meinem Urlaubsschluß die übrigen Nachzügler
eingesammelt und ihrer Truppe wieder zuge
führt. Sehr erfreut waren wir gerade nicht,
wieder mit dem Franzmann raufen zu müssen.
In der Champagne stießen rvir zu dem übri
gen Hansen. Die Stellung war nicht schön und
lag etwas südlich von Reims. Die Unterstände
hatten wir in die schöne, weiße Champagne
kreide eingegraben. Ich wurde sofort zur Be
obachtung abkommandiert. Der Dienst war
schwer und nicht ungefährlich,' um zur Beob
achtungsstelle zu gelangen, mußte man durch
einen kleinen Föhrenwald, in dem zu jeder
Zeit die feindlichen Jnfanteriegeschosse pfiffen.
Der richtige Artillerist macht sich nicht allzuviel
aus Granaten und Schrappnells, dieweil er
aus eigener Erfahrung weiß, daß gerade von
ihnen nicht jede Kugel trifft. Von den kleinen
Jnfanteriegeschossen dagegen glaubt er, daß je
des einzelne ihm persönlich ans Leben will.
Der Beobachtungsstand war eigenartig ange
legt. Von einem Jnfanteriegraben aus bohrte
sich ein Stollen schief nach abwärts in den Berg,
der sich an seinem Ende zu einer kleinen Kam
mer erweiterte. Von hier aus stieg ein mehrere
Meter hoher, enger Schacht in die Höhe, um an
dem dem Feind zugerichteten Hange ans Licht
zu kommen. Jede Spur der weißen Kreide, die
das Ausguckloch kenntlich gemacht hätte, wurde
sorgfältig entfernt, und nur das mit täglich er
neuerten frischen Gräsern und Kräutern ver
deckte Ende des Scherenfernrohrs schaute her
aus. Unsere Beobachtungsstelle hat der Feind
nie entdeckt. Trotzdem war das oft vielstündige
Auslugen nach den Bewegungen auf der an
deren Seite sehr ermüdend. Eine ganz beson
dere Plage bildete der feine Kreidestaub, der
sich überall unter die Haut bohrte und einen
unter dem Namen Kreidekrützc bekannten Aus
schlag hervorrief. In der freien Zeit beschäf
tigte man sich mit der Schnitzkunst, wozu die
weiche Kreide, die sich wie Butter schneiden
ließ, überaus geeignet war.
Auf meiner Beobachtungsstelle bekamen wir
eines schönen Tages einen unerwarteten Be
such. Unser Divisionär, der gleich zu Beginn
des Krieges sein rechtes Bein verloren hatte,
tauchte plötzlich, getragen ans den Schultern
seines hünenhaften Burschen, aus dem Schach
te, der zum Beobachtungssitz führte, auf und
blieb ziemlich lange oben. Der Besuch hatte für
uns etwas sehr Gutes, denn bis dahin mußten
wir manchmal acht Stunden hintereinander am
Scherenfernrohr sitzen, was auf die Dauer
kaum zu ertragen war. Auf Befehl des Gene
rals wurde der Dienst so eingerichtet, daß wir
nur noch zweimal je drei Stunden in unserem
langweiligen Loche zu sitzen hatten.
Vor Reims erlebten wir auch unseren ersten
Gasangriff. Stundenlang lief die ganze Bat
terie mit der Gasmaske vor dem Gesicht um
her, bis man beinahe erstickt war. Zu allemhin
stellte sich dann noch heraus, daß der Feind gar
nicht mit Gas geschossen hatte. Trotzdem wurde
wegen unseres tapferen Benehmens in dieser
peinlichen Situation Freibier verteilt.
Der Aufenthalt vor Reims dauerte nicht all
zulange. Gerade als man sich eingelebt hatte,
wurden wir wieder verladen und auf eigen
artigen Umwegen in die Stellungen vor Ver
dun gebracht, was uns nicht sehr erfreute. Für
die Kameraden, die ständig im Westen gewesen
waren, bildeten wir bei unserem Aufmarsch
mit unseren Eseln, Maultieren und serbischen
Ochsen eine Art Ersatz für einen Zoologischen
Garten. Als mir vor Verdun angerückt kamen,
wußte zuerst überhaupt kein Mensch, was für
eine Art von Truppe wir darstellten. Auf dem
Marsch in ebenem Gelände konnte unsere kleine
Kanone statt getragen mit Hilfe einer Gabel
deichsel auch gefahren werden. Damit bei län
geren Märschen die Kanoniere durch das Tra
gen von Gepäck nicht zu sehr ermüdeten, konn
ten sie ihre Tornister an vorsorglich angebrach
ten Haken an die Kanone hängen. Da unsere
Kanone winzig klein, der Tornister aber viele
waren, verschwand das Rohr so vollständig
unter der umgehängten Last, daß mich ein
fremder Offizier frug, ob alle österreichischen
Truppen, denn für solche hielt er uns, der
artige sonderbare Tornisterwagen hätten.
In Serbien gab es manchmal recht feuchte
Biwaks, der Dreck im Waldlager von Azannes
übertraf aber alles bis dahin Erlebte. Unsere
Geschützstellung, zu der man über drei Stun
den marschieren mußte, lag gegenüber dem
Fort.Vaux. Vorne war es noch zum Aushal
ten, aber der Marsch in die Stellung, der nur
nachts vor sich gehen konnte, war überaus un
gemütlich. Der ganze Anmarschweg lag unter
schwerem und schwerstem feindlichem Artillerie
feuer, und wir waren immer heilfroh, wenn
unsere weit vorgeschobene Stellung erreicht
war. Es war auch vor Verdun, wie immer in
diesem Weltkrieg, so, daß man seines Lebens
um so sicherer war, je näher man dem Feinde
lag. Bei einem dieser nächtlichen Märsche pas
sierte mir ein seltsames Malheur. Ein kleiner
Splitter einer platzenden Granate hatte mich
leicht an der Ferse verwundet. Gefährlich war
die Sache ja nicht, aber für ein paar Tage
konnte ich am rechten Fuß nur einen weichen
Filzpantoffel tragen. Man blieb vor Verdun
nicht in Ruhestellung, wenn ein anderer Ka
merad dann dafür den gefährlichen Weg nach
vorne machen mußte.
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îm Besitz der Kurverwaltung. Inmitten des Kurpnrkes, nahe bei Quellen und Bädern gelegen
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(Fortsetzung folgt.
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Mit zwei Zentner« durch den Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
Von Karl Borromäus Gröber.
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