Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Dev Sonntaasfreunö 
^29. Jahrgang - Nr. 102 
Beilage der Schleswiq.Holsteinifchen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Sonnabend, den 2. Mai 1936 
ü)ollen wir uns nicht freuen des weiten 
Feldes, das sich vor uns auftut! Vollen 
wir uns nicht freuen, daß wir Kraft in 
uns fühlen und daß unsere Aufgabe un 
endlich ist? F>ch.-. 
Gedanken zum Sonntag 
Der Segen der Arbeit wird in seinem 
rechten Ausmaße erst klar, wenn eine Zeit den 
Fluch d e r A r b e i t s l o s i g k e i t bis in sei- 
ne letzten Folgerungen in seiner Gemeinschaft 
erfahren hat. Wir haben in den letzten Jahren 
vor der nationalsozialistischen Erhebung diese 
Erfahrung gründlich gemacht. Die Jugend 
verlotterte, Manneskraft verbitterte und 
liechte dahin, weil sie keinen rechten Einsatz in 
ertragreicher Arbeit fand. Das Familien- 
6 l ü ck wurde untergraben durch die Last der 
Erwerbslosigkeit, seelische und materielle Not 
taten ihr Werk an den zunächst Betroffenen. 
E'vn dort aus strahlte sie aber hinein in die 
Gemein schaftdesBolkes, soweit diese 
sie Last des Nächsten mitzufühlen bereit und 
m der Lage war. Wie ein Alp lag sie auf dem 
<mlke. Mit dem Siege der nationalen Erhe 
bung wurde dieser Alpdruck mehr und mehr 
von uns genommen. Der Weg für die Erfah 
rung, daß ArbeitSegen bedeutet, 
wurde freigelegt. Dieser freudigen Aus 
druck zu geben war der Sinn des ersten Mai. 
oen in wahrer Freude das deutsche Volk 
gestern in Gemeinschaft begangen hat. 
Es wird nun gelegentlich geltend gemacht, 
«aß das Christentum mit dem Gedanken des 
Ş e g e n s der Arbeit in Widerspruch 
stünde, für dieses Arbeit Fluch be 
deute. Die Bibel lehre, daß sie fluchbela 
den sei. Nur Oberflächenbetrachter können zu 
solchen Behauptungen kritischer Verneinung 
gelangen. Wie liegen die Dinge diesbezüglich 
bei eingehender und ernster Würdigung? Die 
Arbeit wurde nicht erst nach dem Einbruch der 
Sünde in das Menschengeschlecht sozusagen als 
Strafe erfunden. Vielmehr war an die 
Uebertragung der Herrschaft über die Erde von 
Gott an die Menschheit eine Fülle von 
Aufgaben gebunden. Sie stellte die Ar 
ve i t als solche also in den Mittelpunkt 
der e r st e n P f l i ch t e n der Menschen. Sie 
begannen nach den Heiligen Schriften mit 
der b i o l o g i s ch e n E i n o r d n u n g der un 
ter die Menschheit gestellten Erde mit allen 
ihren Gaben aus Fauna und Flora. Die 
Erfüllung dieser Pflichten war zugleich eine 
Mltteilnahme der Menschheit an der Schöp- 
sungsautorität Gottes, die ungebrochen und 
vollkommen nur solange erfüllt werden konnte, 
wie das V e r t r a u e n s v e r h ä l t n i s z w i - 
schen dem Schöpfergott und der 
M e n s ch h e i t nicht zerrüttet war. Der 
Einbruch der Sünde zerstörte dieses 
Celtsme Hochzeit ms Fort OliW». 
Von Ralph Urban. 
(Nachdruck verboten). 
Der Tag war heiß gewesen. Vom Morgen 
grauen bls zum späten Nachmittag liefen die 
Bolivianer gegen die Stellungen der Truppen 
von Paraguay vor dem Fort Olimpo, bis die 
Angreifer nach schweren Verlusten das Ge 
locht verloren geben mußten. 
Jetzt standen die Feldwachen ans der Steppe 
des Gran Chaco und starrten in die schwei 
gende Nacht. Am Himmel leuchtete das Kreuz 
^es Südens. 
Rückwärts in der befestigten Stadt feierten 
w Verteidiger den Sieg. Vier junge Offiziere 
vom dritten Regiment saßen im Quartier des 
Leutnants Deledda und tranken Sekt. Es 
lchanmten die Kelche, es brauste das Blut. Die 
Aacht war schwül. 
„Deledda," sagte der Leutnant Cortes und 
hvb sein Glas, „Deledda, es lebe, was wir 
lieben!" 
Deledda biß sich ans die Lippen, seine Hand 
ballte sich zur Faust. Dann aber griff er rasch 
'ach dem schlanken Kelch, leerte ihn auf einen 
Ģg und warf das Glas an die Wand, wo es 
flirrend zerstob. Das braune Gesicht des Leut 
nants schien seltsam verzerrt. Schweigend 
blickten die Offiziere einander an. 
„Deledda", entschuldigte sich Cortes, „ich 
wußte nicht, daß es so schlimm steht." 
î „Jst's nicht die eine, ift's die andere," philo 
sophierte einer der Offiziere, „wir sind Sol- 
baten, Kamerad!" 
,,„8um Donnerwetter!" schrie Deledda und 
web die Faust ans den Tisch, „es ist aber die 
'No. Und sie wird es sein!" 
Der Leutnant sprang auf. 
^„Und wenn ich nicht in dieser Nacht noch 
Patrice Almeida vor euch hier auf den Mund 
Gho, dann könnt ihr mich ins Gesicht schla- 
Paradiesverhältnis. Mißtrauen und 
Verneinung traten ait die Stelle von Ver 
trauen und froher Bejahung der Vorsätze 
Gottes. Die Knechtschaft unter die Sünde 
zerstörte von Grund auf die Freiheit 
des Handelns in Gott, dem Schöpfer. Die Fol 
gerungen zeigten sich alsbald, sie trafen auch 
den Segen der Arbeit in seiner 
bisherigen Totalität. Der Einbruch 
der Sünde folgerte, daß die Arbeit unter die 
L a st des Schweißes und des U n - 
segens der Dortren und Disteln 
geriet, die tiicht nur den natürlichen Acker bis 
heute, sondern darüber hinaus jede Arbeit 
unter das Gesetz der Zersetzung und des Todes 
stellte. Diese Folge hat bis heute noch alle 
Lcbensgebicte der Arbeit in gleicher Weise er 
faßt und ihr den Stempel der Vergänglich 
keit aufgedrückt. Diese Erfahrungstat 
sachen leugnen zu wollen, würde wider die 
Vernunft sein. 
„Freut euch des Lebens", diesen Frohgesang 
am nationalen Maifeiertage kann aber jede 
im echten Christentum wurzelnde Persönlich 
keit trotz der vorstehend aufgezeigten Bindun 
gen der irdischen Arbeit mit tiefer Freude und 
ohne Heuchelei miterleben. Warum? Die ge 
zeigten Folgerungen können de n C h r i st e n 
nicht verbittern, weil er den pädago 
gischen Wert in Gottes Planung mit der 
Menschheit nach ihrem Falle erkennt. Die Ar 
beit wird somit erneut zu einer Aufgabe, 
deren Erfüllung nicht L a st, sondern Freude 
ist. D i e s e A r b e i t steht unter einem neuen 
Segen Gottes, die Aufgabe selbst 
aber liegt auf dem Wege zur Vollkommenheit. 
Luftschiff contra Schnelldampfer 
Ein wenig Mathematik um „Hindenburg" 
und „Queen Mary". — Wettlauf auf und 
über dem Atlantik. — Das Ende der 
Ozeanriesen. 
Bon Gustav Kreischet. 
Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß gerade 
in jenen Wochen und Monaten, in denen das 
neue deutsche Zeppelin-Luftschiff „Hinden 
burg" fertiggestellt wurde, in England das 
größte Schiff der Welt, der 75 000 Tonnen 
große Schneelldampfer „Queen Mary" seiner 
Vollendung entgegenging. Merkwürdig des 
halb, weil hier zwei Wettbewerber fast gleich 
zeitig in ihr Element kamen, die sich, wie man 
init aller Sicherheit voraussagen kann, den 
Ueberseeverkehr zu einem nennenswerten 
Anteil streitig machen werden. 
Auf den ersten Blick mag das nur schwer 
glaubhaft erscheinen,- der Vergleich eines 
Ueberseeriesen, der 2'/- Tausend Fahrgäste mit 
führt mit einem Luftschiff, das nur 60 zah 
lende Fahrgäste zu befördern vermag, scheint 
allzusehr zuungunsten des letzteren auszufal 
len. Geht man den Dingen einmal näher auf 
den Grund, so ergibt sich ein ganz anderes 
Bild. 
Mit der Fahrgastzahl sei der Anfang ge 
macht. Sie ist in der Tat bei einem modernen 
Schnelldampfer unendlich viel größer als beim 
Luftschiff,' selbst wenn man berücksichtigt, daß 
man für die Baukosten der „Queen Mary" 
rund 17 Zeppelinschiffe von der Größe des 
„Hindenburg" bauen könnte, kommt man doch 
immer erst auf rund 850 Fahrgäste, die von 
diesen 17 Schiffen befördert werden könnten, 
gegen 2500 Fahrgäste, die der Ozeanriese 
transportiert. Aber dabei ist zweierlei zu be 
achten: einmal, daß die „Queen Mary" auch 
nur rund 750 Fahrgäste in ihrer Kajüten 
klasse aufzunehmen vermag, wobei es sich ge 
rade um die zahlungsfähigsten internationa 
len Reisenden handelt, denen auch aus ge 
schäftlichen Gründen am meisten an einer 
schnellen Beförderung gelegen ist, und zwei 
tens, daß der Meerriese naturgemäß viel sel 
tener eine Ueberfahrtgelcgenheit zu bieten 
vermag als 17 Luftschiffe, daß also die Luft 
schiffe viel eher mit einer vollen Besetzung 
ihrer Fahrkabinen rechnen können als der 
Schnelldampfer. 
Wie man sieht, sind schon allein wegen der 
häufigeren Verkehrsgelegenheit, die sic bie 
ten, die Aussichten für die 17 Luftschiffe we 
sentlich günstiger als für den einen Ozean 
dampfer. Hinzu kommt aber noch der riesige 
Geschwindigkeitsunterschied. Während das 
Luftschiff eine Höchstgeschwindigkeit von 135 
Kilometer in der Stunde zu erreichen vermag, 
bringt es der Ozeanriese auf höchstens 31 
Knoten — 57,5 Kilometer — in der Stunde. 
Das Luftschiff ist also dem Meerschiff um das 
Zweieinhalbfache überlegen. Dazu kommt, 
daß es infolge seiner Freizügigkeit Schlecht 
wetterzonen ausweichen und Gefahren um 
gehen kann, also von vornherein schon erheb 
lich mehr Vorbedingungen für eine ruhige, 
bequeme Fahrt bietet, als sie der Ozeandamp 
fer zu bieten vermag. Ganz abgesehen von dem 
Genuß und dem Erlebnis, das eine Luftfahrt 
hoch über den Ozean hinweg jedem Reisen 
den darstellt. 
Der Vergleich wird aber noch fesselnder, 
wenn man einmal die aufzuwendende Trieb 
kraft betrachtet. Von allen erögebunöenen 
Verkehrsmitteln wissen wir, daß die Kraft, die 
man zur Erzielung einer höheren Geschwin 
digkeit mehr aufwenden muß, im Quadrat 
der Geschwindigkeit wächst, daß also die dop 
pelte Geschwindigkeit eine vierfache, die drei 
fache Geschwindigkeit eine neunfache Vor 
triebsleistung erfordert. Man müßte, wollte 
man diese Verhältnisse auch bei unserem Bei 
spiel annehmen, dem Luftschiff eine minde 
stens sechsfache Triebkraft gegenüber dem 
Schnelldampfer zusprechen. Der' rein zahlen- 
Bevor seine Kameraden noch recht begrif- i 
sen, war Leutnant Deledda schon zur Tür! 
hinaus. 
Beatrice war die verwöhnte Tochter des 
Kaufmanns Almeida. Schön und unnahbar 
Man sagte, sie sei so kalt wie Marmor. Die 
anderen Offiziere hatten es schon lange auf 
gegeben, Donna Beatrice schöne Augen zu 
machen, nur Deledda blieb beharrlich. Wenn 
ihm sein Dienst Zeit ließ, dann strich er wie 
ein verliebter Kater um das Haus herum, bis 
Beatrice sich einmal auf dem Balkon zeigte. 
Dann schlug er die Hacken zusammen und 
salutierte. Aber die Senorita sah durch ihn 
hindurch, als wäre er ans Glas. Und eines 
Nachts stand Deledda unter dem Fenster der 
Angebeteten und sang in seinem angenehmen 
Bariton schwermütige Lieder. Aber nichts 
rührte sich. So sang er weiter. Endlich, endlich 
zeigte sich im mondhellen Fenster die lichte Ge 
stalt. „Madonna!" flüsterte er, „Madonna!" 
Der Leutnant breitete weit die Arme aus. 
Dann traf ihn ein kalter Strahl. Die Senorita 
hatte den Leutnant Deledda vom dritten Re 
giment mit Wasser begossen. Das war zuviel 
Schmach für den unglücklich verliebten Offi 
zier. 
Und dann kam der Tag, an dem er sich bei 
dem großen Gegenangriff die ersten Lorbee 
ren holte, und die Nacht, da er soviel Sekt 
trank, bis sich sein klarer Verstand umnebelte. 
Die im Quartier des Leutnants Deledda zu 
rückgebliebenen Offiziere zerbrachen sich nicht 
lange die Köpfe darüber, was ihr Kamerad 
ivohl vorhaben mochte. Sie sangen Soldaten 
lieder, tranken und tranken und wurden im 
mer glücklicher und glücklicher. 
Und dann ging die Tür ans. Zwei Soldaten 
mit aufgepflanzten Bajonetten schoben eine 
Frau ins Zimmer, zuletzt betrat Deledda den 
Raum. Die Offiziere waren aufgesprungen, 
als sie der Dame gewahr wurden, der Seno 
rita Almeida, deren Blicke ängstlich und fas 
sungslos umherirrten. 
„So," sagte der Leutnant Deledda, „und nun 
meinen Dank für die Blume, Madonna, die 
ihr neulich aus dem Fenster auf mich herab- 
warfet!" Damit riß er das bestürzte Mädchen 
an sich und küßte es auf den Mund. 
In diesem Augenblick wurde die Tür ge 
öffnet. Totenstille herrschte in dem Raum. So 
still war es, daß sogar der Leutnant Deledda 
zur Besinnung kam. Seine Lippen lösten sich 
von dem Mund des Mädchen, das hilflos in 
seinen Armen hing, und er sah zu seinen Ka 
meraden hin. Die aber standen kerzengrade 
und blickten regungslos zur Tür. Langsam 
wandte Deledda den Kopf, dann fuhr es eis 
kalt durch ihn hindurch, und er legte steif wie 
ein Rekrut die Hände an die Hosennaht. Auf 
der Schivelle stand der gefürchtetste Mann vom 
Fort, der General Montes. Hinter ihm zeigte 
sich das wütende Gesicht des Kaufmanns Al 
meida, dem Vater des Mädchens. 
„Herr Leutnant," dröhnte die Stimme des 
Generals, „geleiten Sie Ihre Braut nach 
Hause und melden Sie sich morgen um neun 
llhr ohne Säbel bei mir auf der Komman 
dantur!" 
Man muß wissen, daß in jenen Gegenden 
ein Mädchen entehrt ist, solange der Mann, 
der es geküßt hat, nicht der erklärte Bräutigam 
ist. Deledda wußte es, und er dachte viel dar 
über nach, als er nüchtern wie ein Fisch Bea 
trice und ihren Vater nach Hause begleitete. 
Er wußte aber auch, daß sein Leben nichts 
mehr wert war, denn auf Fort Olimpo gebot 
General Montes unumschränkt über Leben 
4tti> Tod. 
Schweigend ging der Lentnaitt neben dem 
Kaufmann und seiner Tochter, und schweigend 
legte er zum Abschied die Hand an die Kappe. 
Sein Gruß wurde nicht erwidert. 
Als er in sein Quartier zurückkehrte, erwar- 
mäßige Vergleich — das Luftschiff 4 400 PS., 
der Özeanriese 200 000 PS. — gibt kein rech 
tes Bild. Rechnet man aber die Triebkraft 
einmal auf die zahlenden Fahrgäste um, so 
ergebeu sich beim Luftschiff 88 PS. je Fahr 
gast, beim Ozeanschiff 80 PS. je Fahrgast! 
Das heißt: die für den einzelnen Fahrgast 
aufzuwendende Triebkraft ist in beiden Fäl 
len praktisch gleich, obwohl das Luftschiff 
zweieinhalbmal so schnell reist wie das Meer 
schiff. 
Stoch fesselnder wird ein Vergleich der je 
Fahrgast und Kilometer aufzuwendenden Bc- 
triebsstoffkosten. Eine Stunde Schnelldampfer- 
fahrt mit der „Queen Mary" kostet rund 3 200 
Mark für Heizöl, das heißt, da bei voller Be 
setzung 2 500 Fahrgäste während dieser Zeit 
rd. 57 Kilometer befördert werden (= 142 000 
Personenkilometer), kostet der Personcnkilo- 
meter an Treibstoff rd. 2,2 Pfennig. Eine 
Stunde Luftfahrt mit dem Zeppelinschiff kostet 
an Brennstoff etwa 48 Mark, das heißt, da bei 
voller Besetzung 60 Fahrgäste während dieser 
Zeit rd. 135 Kilometer befördert werden 
(= 6 750 Personenkilometer), kostet der Per- 
sonenkilometer an Brennstoff rd. 0,7 Pfennig. 
Das Luftschiff vollbringt also trotz zweiein 
halbfacher Geschwindigkeit die gleiche Trans 
portleistung mit dem dritten Teil an Treib 
stoffaufwand! 
Wenn nun auch gerade die letzte Berechnung 
praktisch weniger von Bedeutung ist, weil der 
Brennstoffaufwanö nur einen sehr geringen 
Anteil an den Gesamtkosten einer Ozeanüber 
querung hat, so läßt er doch deutlich den 
wesentlich höheren technischen Wirkungsgrad 
des Luftschiffes erkennen. Jedenfalls wirft er, 
ebenso wie die übrigen Vergleiche, die Frage 
auf, ob nicht die Zeit der großen Ozeanriesen 
endgültig vorbei ist. Diese Frage muß man 
bereits heute bejahen, wenn auch erst die Zu 
kunft die endgültige Entscheidung bringen 
wird. 
Mai 
Du bist des Jahres allerschönste Zeit, 
Du gehst mit großer, schenkender Gebärde 
Ueber die karge, wintermüde Erde 
Und hüllst sie in ein lichtes Blütenkleiü. 
Du lockst aus welkem Laub und Moderduft 
Dem Licht entgegen neues, junges Leben, 
Läßt Silberwölkchen durch den Himmel 
schweben 
Und wirfst die Lerche jubelnd in die Luft. 
Du schmückst mit morgendlichem Perlentau 
So Halm um Halm der weitgedehnten Wiese, 
Wandelst die Oednis noch zum Paradiese 
Und machst sie bunt mit Blumen rot und blau. 
Du weckst das Fernweh in der Menschenbrust 
Der Sehnsucht Traumboot läßt du weltweit 
ziehen. 
Du läßt die Liebe märchenhold erglühen . ,. 
Du bist die hohe Zeit der Daseinslust! 
Axel Rasmussen. 
tete ihn der Adjutant des Generals. Der 
forderte seinen Degen. 
Donna Beatrice schlief in dieser Nacht nicht. 
Ruhelos wandelte sic in ihrem Gemach um 
her, jeder Nerv in ihr zitterte. Oh, wie sie ihn 
haßte, diesen frechen Lümmel. Gewiß, sie 
mußte ihn jetzt zum Gatten nehmen, und der 
General würde schon dafür sorgen, daß er in 
aller Form um ihre Hand anhielt. Aber der 
Leutnant wird es ihr büßen, die Rache ist süß. 
Wie dieser Kuß noch brannte auf ihren 
Lippen. — 
Als Deledda am Morgen sich in der Com- 
mandancia militate meldete, wurde er gleich 
in ein Zimmer geführt. An einem langen Tisch 
saßen der General, ein Stabsoffizier, ein 
Hauptmann und ein Korporal. Das war das 
Standgericht. 
„Leutnant Deledda," sagte der General, „Sie 
haben die Ehre einer achtbaren Dame geschän 
det und Sie haben die Ehre der Armee ver 
letzt. Sie haben Ihre Charge mißbraucht, um 
ein unschuldiges Mädchen mit Waffengewalt 
aus dem Bett zu holen. Die Ehre der'Dame 
werden Sie wieder herstellen, indem Sie noch 
heute mit ihr zum Altar schreiten. Ihr Ver 
gehen aber werden Sie als Soldat büßen. —" 
Der Leutnant hörte nur noch verworren die 
Stimmen, die sein Urteil sprachen, aber dann 
sah er genau, wie der Hauptmann sich erhob 
und den Stab zerbrach. 
Der Leutnant verließ die Kommandantur 
mit dem Degen an der Seite, doch sein Gesicht 
war fahl. Im Haus des Kaufmanns Almeida 
erwartete ihn schon ein eingeborener Diener 
an der Tür, der ihn zum Herrn führte. In 
aller Form brachte der Offizier seinen Antrag 
vor. Der Vater hörte ihn schweigend zu Ende 
und sprach dann die üblichen Worte. Aber es 
klang nicht mehr Empörung daraus, die ab 
geklärten Augen des alten Herrn verrieten 
eher Mitleid. Er wußte, was dem Leutnant 
bevorstand. Anders die Tochter. „Mein Offi-
	        
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