Die Aufgabe der Dithmarscher Landesfchule
Zeichen und Abbild der Schule: das Pftngeifen, das den Waden aufreißt, um Saat und Ernte Zu bringen
Einmal wurde in unserem Nachbarland Dä
nemark durch einen Mann ein Werk geschaf
fen, das dem dänischen Staat und vor allem
dem dänischen Volk neuen Auftrieb in innerer
und äußerer Haltung, in nationaler Ehre und
Selbstbehauptung gab: das war das Werk der
dänischen Volkshochschule, geschaffen und ge
weckt durch den Mann des dänischen Volkes
Grundtvig. Eine ähnliche Aufgabe, Kraftquell
zu sein des deutschen Volkes, hervorsprudelnd
aus deutscher Landschaft und deutscher Heimat,
stellte sich die schleswig-holsteinische Volkshoch
schulbewegung, von der heute noch zwei Stät
ten lebendiges Zeugnis ablegen, Tingleff im
abgetrennten Gebiet Nordschleswig mit seiner
seit 30 Jahren bestehenden Volkshochschule für
junge Mädchen, Lunden im Dithmarscher Land
mit seiner Volkshochschule für Schüler beider
lei Geschlechts seit 1921.
Der Name „Dithmarscher Landesschule" sagt
schon, was diese Volkshochschule sein soll. Lun
den gehört der Geschichte Dithmarschens an,
seiner schweren, breiten Landschaft der Marsch,
seiner kargen und doch so wundervollen Land
schaft der Geest, seinem kernhaften Bauernvolk
wit einer langen und stolzen und schicksals
getragenen Geschichte, einem Vauernfreistaal
Mit einer für die kleine Landschaft übergroßen
und fast übermenschlichen Vergangenheit.
Wenn irgendwo Heimat geprägt und erlebt
werden kann, dann mag gerade die Dithmar
scher Landschaft dafür beispielhaft sein. Und so
hat sich die Dithmarscher Landesschule die Auf
gabe gestellt, von.dieser Heimat aus das Er
lebnis der Heimat weithin zu wecken und zu
verlebendigen und so eine lebendige Grund
lage zu geben für Wachstum und Kampf im
ferneren Leben. Von Heimat geht der Mensch
aus, zur Heimat wandert der Mensch zurück,
und Heimat zu haben ist glückhaftes Schicksal
gerade des deutschen Menschen. Darum will die
Schule eine solche lebendige Heimatschule sein
und zeigen am erlebten Beispiel Dithmar
schens, wie wundervoll geschlossen Landschaft
und Mensch einer solchen Heimat sein können.
Darüber hinaus bietet das ganze meerum
schlungene Land Schleswig-Holstein mit seiner
wechselvollen Geschichte, mit seiner wechselvol
len Landschaft, mit dem Grenzschicksal unge
heure Möglichkeiten für das unterrichtliche Le
ben einer Volkshochschule. In Holstein gele
gen, nahe der geschichtlichen Eider, stellt doch
die Volkshochschule in ihr Leben hinein das
Wort „Up ewig ungcdeelt" als Lehre der Ver
gangenheit und Symbol der Zukunft. Dadurch
rückt die heutige Grenze nahe, dadurch tritt
harter Grenzkampf auch in der Dithmarscher
Landesfchule in Erscheinung,' dadurch fühlt die
Dithmarscher Landesschule die Aufgabe, am
Erenzkampf in der harten Erziehung jungen
Grenzgeschlechtes nördlich und südlich der
Grenze tätig mitzuwirken und Nordschleswig
sn seiner kulturellen Lebensgestaltung zu
chrem Teil in ihre Arbeit mit einzubeziehen.
-Volk und volkliche Erziehung und das Erleb
nis der stammhaften Gliederung des deutschen
Kolkes ist weiteres Ziel der Dithmarscher
landesfchule. So findet sich in ihren Kursen
^us Norden und Süden, aus Osten und We
iten junge Mannschaft der verschiedenen deut
en Grenzländer oder germanisch-verwand-
wr Lebensräume zusammen, lebt sich langsam
Zusammen und bildet im Kleinen ein Abbild
großdeutscher Volksgemeinschaft und germani
scher Völkerverwandtschaft. Ob die jungen
Menschen aus dem reichsdeutschen Kerngebiet
stammen, ob sie von Nordschleswig kommen,
ob sie Kampf und Not der deutschen Streu
gebiete aus Jugoslawien, Rumänien oder dem
Baltenlanü hereintragen in unser sonst geru
higes Leben, ob der Vlame aus dem Staat
Belgien bei uns die stammliche und kulturelle
Berührung mit Deutschland glückhaft empfin
det und immer mehr erlebt, ob sogar der
Friese aus dem holländischen Staatsgebiet
beim niederdeutschen und friesischen Menschen
Anlehnung und Anregung erhalten will —,
das eben macht die Arbeit der Dithmarscher
Landesschule glutvoll. Da steigert sich stille
Erziehungsarbeit zu großen Auseinander
setzungen um die deutschen Lebensfragen, um
den mitteleuropäischen und europäischen
Raum, da kann sogar eine solche kleine und
bescheidene Stelle in stiller Landschaft im
bäuerlichen Umkreis fruchtbar werden und
Segen tragen für manchen Kampf, den diese
junge Mannschaft, einmal zu tätigem Mann
und zu tätiger Frau geworden, in ihrem Um
kreis zu bestehen haben wird, um den von
ihren Vätern erkämpften Boden im fremden
Land, um ihre Sprache, um ihre Sitte, um ihre
deutsche Art. Die Dithmarscher Landesschule
nimmt in dieser Arbeit für das Grenz- und
Auslandsdeutschtum eine besondere Stellung
ein und widmet sich ihr mit zäher Bereitschaft,
um in ihrem Kreis Begriff und Erlebnis
„Volk" zu weiten und zu vertiefen.
Junge Menschen, meistens aus dem bäuer
lichen Umkreis oder aus den kleinen Flecken
und Städten unserer schleswig-holsteinischen
Heimat, sind unsere Schüler und Schülerinnen.
Bauerntum und Handwerk bilden die Grund
lage unserer Arbeit. Auf diesen beiden Stän
den, als festen Säulen, ruht auch die Dithmar
scher Lanöesschule. Nicht die Erziehung zum
technischen Können im Beruf, nicht das Ver
mitteln praktisch-beruflicher Kenntnis, ist die
Aufgabe hier. Es handelt sich vielmehr um die
Erziehung zu charakterlich und sittlich gereif
ten, weitschauenden Persönlichkeiten, die ein
mal, auf sich gestellt, Entscheidungen aus Ver
antwortung zu treffen wissen, Pflicht und Last
als Aufgabe in sich tragen und die da wissen,
daß nur aus Kampf und nur aus Ringen Se
gensströme erwachsen können und daß der
Mensch nicht geschaffen ist, nur zu ruhen und
zu rasten, sondern zu spüren, wie mannigfal
tig das deutsche Leben ist und wie schwer es
ist, die Zusammenschau zu finden, und wie
schön es ist, einen immer größeren Drang nach
dem Erkennen der deutschen Dinge zu haben.
Fünf Monate, fast ein halbes Jahr, währt der
Volkshochschulkursus, im Sommer und im
Winter junge Mädchen, im Winter dazu in
einem zweiten Haus junge Leute, beide Heime
erfüllt von einem jugendfrohen Gemeinschafts
leben, erfüllt von der Unbeschwertheit und doch
Pflichterfülltheit der jungen Generation, die
hierher kam, nicht um Examen abzulegen,
sondern um einmal in einem halben Jahr
Grenzen abzuschreiten, Kräfte zu messen und
an sich zu arbeiten. Der junge Mann soll spü
ren, was es heißt, Bauer sein zu dürfen, schöp
ferischer Handwerker werden zu können, deur-
scher Mensch im politischen Leben der Gegen
wart zu sein und in allem zu bestehen. Das
junge Mädchen soll die Aufgabe spüren, Frau
und Mutter zu werden, soll — und hier ist
praktische Arbeit natürlicher — ausgehend von
Hauswirtschaft und Küchenwirtschaft, vorwärts
schreiten zu Heimgestaltung und Geschmacks
bildung, zu Krankenpflege und Säuglings
pflege, zu allem Schönen und Starken, zu allem
Großen und Reinen, was der deutschen Frau
Die Koloniale Frauen schule in Rendsburg.
Von den Schülerinnen, die die Schule absolviert haben, sind in der Zeit vom 1. April
1933 bis zum 31. März 1936 insgesamt 47 ins Ausland gegangen. Sie verteilen sich
wie folgt: Europa: Oesterreich 11, England 3, Holland 1, Tschechoslowakei 1, Grie
chenland 1,' Asien: Palästina 1, Indien 1,'Südamerika: Chile 2, Argentinien
1, Brasilien 1,' Afrika: Südwest 12, Ostafrika 9, Angola 1, Südafrika l/Mocam
bique 1. Lichtbild: Archiv.
aus ihrem Wesen besonders gegeben ist. Die
jungen Mädchen lernen alles, was der Frau
engeneration Deutschlands von heute gesetzt ist
als Aufgabe. Und beide, junge Männer und
junge Frauen, werden immer auf das eine
hingewiesen, daß in der Gemeinschaft, in der
erlebten Gemeinschaft ein Segen liegt für un
ser Volk, und daß es gut tut, wenn über alle
täglichen und menschlichen Scheidungen und
Gegensätze hinweg Kameradschaft und Freund
schaft wächst zu dem, was in der Krönung Volk
und Volksgemeinschaft und schließlich Staat
und Reich ist.
Die Dithmarscher Lanöesschule stand und
steht in der völkisch-staatlichen Bewegung von
Vergangenheit und Gegenwart, die Dithmar
scher Lanöesschule versteht und bekennt Schick
sal und Aufgabe der Deutschen in der letzten
Steigerung und Aufgeschlossenheit zum Drit
ten Reich hin und kämpft um das Dritte Reich
und seine innerste Formung und seine äußere
Größe mit. Die Dithmarscher Landesschule er
zieht zur Besinnung und zur Leidenschaft zu
gleich, zur zuchtvollen Haltung und zum Kampf
in gleicher Weise. Als Heimvolkshochschule
steht sie fest in sich gegründet. Das Dithmar
scher Land weist ihr die Aufgabe von Heimat
hin zu Volk und Staat. Das Pflugeisen, das
alte Bauernwappen eines Dithmarscher kampf-
gewohnten Geschlechts, die Pflugschar, die den
Boden aufreißt, um Saat und Ernte zu brin
gen, ist Zeichen und Abbild unserer Schule,
Pflug und Schwert, Pflug und Eisen: es ist
der Weg aus der Geschichte zur Geschichte, es
ist der Weg der Altvordern zur neuen deut
schen Jungmannschaft, der im Rahmen des
Staates und der Bewegung hier eine der Er
ziehungsstätten in dieser Form gegeben ist, es
ist der Weg von der Enge in die Weite und
von der Weite in die Begrenztheit, den eine
solche Volkshochschule, wie es die Dithmarscher
Landesschule sein will und immer mehr sein
möchte in nachbarlicher Verbundenheit zur
Schwesterschule im abgetrennten Gebiet im
Norden, beschreitet.
Wilhelm Zietz, Volkshochschullehrer.
lamm «M. to Segriinto to
MltolMn WmnWs
Zu seinem 6Ü. Geburtstag am 3. Mai.
Von Dr. Klaus Witt.
Eine so ehrenvolle Anerkennung wird kaum
je einem Bühnenleiter zuteil geworden sein,
wie sie 1932 in der Universitätsaula zu Rostock
bei Verleihung des Brinckman-Preises ausge
sprochen wurde:
„Dr. Richard Ohnsorg ist der Begründer
und ein hervorragender Schauspieler der
Niederdeutschen Bühne in Hamburg und
damit Anreger der niederdeutschen Büh
nenbewegung überhaupt. Er hat den Wer
ken Stavenhagens die allgemeine Aner
kennung verschafft und niederdeutsche Dra
matiker wie Boßdorf zum Schaffen ange
regt. Er bildet junge Talente, indem er
ihnen den Weg zur Bühne freigibt."
Diese unumstrittene Führerstellung hat der
Gefeierte, der erst im Januar dieses Jahres
mit beispiellosem Erfolge auch der Reichs
hauptstadt in einem viertägigen, vom Reichs
propaganda-Ministerium vermittelten Gast
spiel in der Volksbühne die Einzigartigkeit
3«m 2vvjiihrigen Jubiläum von Hoyer
Bon August Krieger.
Der Flecken Hoyer in Noröschleswig, der
»m Rande der hohen Geest liegt, wo der gol-
kne Ring beginnt, der das reiche Marschland
sm Westen Schleswig-Holsteins bis zur Elbe
mn vor dem Meere schützt, kann in diesem
Ņhre sein zweihundertjühriges Jubiläum be
gehen.
. Hoyer ist nicht nur Vorposten vor dem blan-
^n Hans, der nun hunderte von Jahren das
lohe Ufer bestürmt, sondern der Ort steht auch
vlkisch gesehen auf Vorposten für deutsche Art
ttd Kultur. Bei der Abstimmung am 10. Fe-
ruar 1920 erreichte Hoyer eine Mehrheit von
ļ deutschen Stimmen gegen 291 dänische
nrninen, und die heimöeutschen Bewohner
Ķen auch später den Kampf für ihr Deutsch
em kräftig ausgenommen.
p wird behauptet, daß die Bewohner der
t-enöschaft nördlich von Tondern stark mit
seslschein Blute durchsetzt sind. Bis nach
Gen hinauf findet sich in der Bauart der
^eujer der friesische Giebel, und auch die
ļ>er Siedlungen deuten nach dem Sü-
şiņden wir bei dem Dorfe Ballum den
»men Husum, nördlich davon liegt in der
ì^rsch Kringelum, und ein Ort, der nach der
A^uarflut 1825 endlich verlassen wurde, heißt
hLthusum. Die acht Warften und Reste der
h şind noch heute erhalten. Die Bewohner
be! . arsch werden um 1400 als „De Hollän-
b ; tn öer Ballummarsch" bezeichnet, alles An-
Mungen, die eine Besiedlung vom Süden
er wahrscheinlich machen.
Hoyer, das schon um 1170 erwähnt wird, liegt
dip- eme Hochburg des Deutschtums im Süden
.Landschaft. Als die Wiedau versandete
^ oie Marsch sich gegen die Nordsee vorschob
und endlich eingedeicht wurde, übernahm Hoyer
die Rolle der alten Seehandelsstadt Tondern.
Fische und Austern wurden hier verfrachtet,
Vieh nach Holland und England ausgeführt.
Am stärksten aber wurde der Verkehr, als das
Seebad Westerland auf Sylt sich entwickelte
und die Besucherzahl von Jahr zu Jahr zu
nahm. Da ging der Verkehr der großen Welt
in den Sommermonaten über Hoyer. In den
letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts
fuhr von Tondern einige Stunden vor Ein
treffen der Flut ein langer Wagenzug auf der
Landstraße nach Hoyer, und von dort wurden
die Badegäste mit dem Dampfer nach Munk
marsch befördert. Die etwas beschwerliche Art
der Reise fand ihren Abschluß, als Ende der
achtziger Jahre die Bahn von Tondern nach
Hoyer gebaut wurde. Tausende von Badegästen
nahmen damals ihren Weg über den Ort, und
die Wirtschaft von Hoyerschleuse, auf dem ho
hen Deich gelegen, im Besitz der Familie Pörk-
sen, wurde weltbekannt. Nach dem Bau des
Hindenburgdamms ging der Verkehr einen
anderen Weg, und heute ist auch die Bahn von
Tondern nach Hoyer wieder stillgelegt. Die
Bewohner des Fleckens mutzten sich umstellen
und waren nur auf den Handel mit dem Um
land angewiesen.
Die Landschaft nördlich von Hoyer, weitab
vom Verkehr der Welt, hat ihre Ursprünglich
keit bis zum heutigen Tage bewahrt. Vor den
sauberen Backsteinhäusern der Dörfer mit
ihren moosbewachsenen Strohdächern ist häu
fig eine Reihe von Linden angepflanzt, und
bunte Bauernblumen bliihen im Sommer in
den Gärten. Die hohe Geest tritt hier an der
einzigen Stelle in Schleswig-Holstein in grö
ßerer Ausdehnung hart an die Nordsee. Am
Ufer erhebt sich das Emmerleff Kliff, heute ein
besuchter Badeort. In dem Dorfe ist der Kieler
Professor und deutsche Politiker Falck, der Ge
sinnungsgenosse Uwe Jens Lornsens, geboren.
Besonders einsam und weltenfern wirkt die
Kirche von Jerpstedt. Mit ihrem weißen
Treppenturm, von windverwehten Bäumen
und der Kirchhofsmauer umgeben, liegt sie auf
der Höhe vor der Nordsee. Der Farriswald,
der einst Nordschleswig bedeckte, ist verschwun
den, aber die Heide ist geblieben. Im Herbst,
wenn die rote Erika blüht, erheben sich Häuser
und Höfe aus dieser Ebene, und alte Bäume
geben der Landschaft ein besonders eigenarti
ges Gepräge. Dazu als Hintergrund das weite
Nicer und die fernen Inseln.
Hier ist altnordischer Boden. Das merkt man
nicht nur an den Hünengräbern, die am Wege
liegen, sondern auch an den Namen der Dör
fer dieser Landschaft. Da liegt nördlich von
Hoyer die kleine Siedlung „Aasgaarö", die
heute noch den Namen der germanischen Göt
terwohnung trägt, da sind die Dörfer Emmer
leff und Seiersleff. Die Endung less, leiba
oder leben, die Eigentum oder Erbe bedeutet,
finden wir in Verbindung mit Ortsnamen von
Jütland an bis in das Herz Deutschlands wie
der. So gibt es in Thüringen eine ganze Reihe
von Ortschaften, die diese Endung führen. Es
ist die Wanderung der Warnen, eines Zwei
ges der Heruler, die mit den Angeln zusam
men nach dem Süden zogen, die heute noch auf
diese Weise zum Ausdruck kommt. Die Reste
dieses germanischen Stammes haben sich in
ihren Ursitzen im Norden gehalten.
Nordöstlich von Hoyer liegt das Dorf
Wiesby, einst bedeutender als heute. In der
Nähe dieses Ortes, der den gleichen Namen
tragt wie einst die mächtige Seehanöelsstadt
und Königin der Ostsee, liegt die.größte Ruine
Schleswig-Holsteins, die Treuburg. Da der
Name auch Troyburg geschrieben wird, glaubt
man hier eine Wiederholung der Trojaburg
zu finden. Eine ähnliche Burg gleichen Na
mens lag auch auf der Insel Gotland. Hier
wohnten die Limbecks, ein mächtiges und ge
walttätiges Rittergeschlecht, einst die Herren
Nordschleswigs. Sie wagten es, gegen den
König von Dänemark aufzutreten, und schlos
sen einen Bund mit der Hanse. Die Burg selbst,
eine Wasserburg in der Ebene, wurde von dem
Ritter Daniel Rantzau Ende des 17. Jahr
hunderts erbaut. Es war ein Renaissancebau,
an den vier Ecken mit starken Türmen, die
mit Kupfer gedeckt waren, versehen und durch
zwei Wassergräben geschützt. Heute liegt die
Ruine von Büschen und Bäumen umgeben in
dem Frieden eines alten Gartens. Eine Mauer
des roten Backsteinbaus ist noch erhalten; die
Keller sind verschüttet, und Bäume wachsen
aus dem alten Gemäuer. Der Portalstein, ein
Denkmal der Vergänglichkeit, ist vor der Ruine
aufgestellt. Da sieht man zwei weibliche Figu
ren, die sich ans eine Sanduhr stützen, und liest
den Vers: „Du sammelst Schätze und bauest
Burgen, als wärst du unsterblich? Morgen
verstirbst du, und wer ist's, der das deine be
sitzt?" Darunter die gereimte Chronik der
Burg: „Treyburgk heiß ich von alters her, lis
ferner wilstu wissen mehr . . . Nach Christi
Gburt, merck ebn es war Tansendfünfhundert-
achtzig Jahr". Der Adel verschwand, und der
Bauer war sein Erbe.
Südlich von Hoyer schaut man hinein in die
Marsch, wo die Höfe alter Bauerngeschlechter,
umbraust von ewigem Westwind und um
rauscht von alten Bäumen, sich aus der Ebene
erheben. Viele heimdeutsche Bauern darunter.
Sturm geht über die Höfe, mögen sie im Kaurpf
des Lebens stark sein und bestehen!.