Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Die Aufgabe der Dithmarscher Landesfchule 
Zeichen und Abbild der Schule: das Pftngeifen, das den Waden aufreißt, um Saat und Ernte Zu bringen 
Einmal wurde in unserem Nachbarland Dä 
nemark durch einen Mann ein Werk geschaf 
fen, das dem dänischen Staat und vor allem 
dem dänischen Volk neuen Auftrieb in innerer 
und äußerer Haltung, in nationaler Ehre und 
Selbstbehauptung gab: das war das Werk der 
dänischen Volkshochschule, geschaffen und ge 
weckt durch den Mann des dänischen Volkes 
Grundtvig. Eine ähnliche Aufgabe, Kraftquell 
zu sein des deutschen Volkes, hervorsprudelnd 
aus deutscher Landschaft und deutscher Heimat, 
stellte sich die schleswig-holsteinische Volkshoch 
schulbewegung, von der heute noch zwei Stät 
ten lebendiges Zeugnis ablegen, Tingleff im 
abgetrennten Gebiet Nordschleswig mit seiner 
seit 30 Jahren bestehenden Volkshochschule für 
junge Mädchen, Lunden im Dithmarscher Land 
mit seiner Volkshochschule für Schüler beider 
lei Geschlechts seit 1921. 
Der Name „Dithmarscher Landesschule" sagt 
schon, was diese Volkshochschule sein soll. Lun 
den gehört der Geschichte Dithmarschens an, 
seiner schweren, breiten Landschaft der Marsch, 
seiner kargen und doch so wundervollen Land 
schaft der Geest, seinem kernhaften Bauernvolk 
wit einer langen und stolzen und schicksals 
getragenen Geschichte, einem Vauernfreistaal 
Mit einer für die kleine Landschaft übergroßen 
und fast übermenschlichen Vergangenheit. 
Wenn irgendwo Heimat geprägt und erlebt 
werden kann, dann mag gerade die Dithmar 
scher Landschaft dafür beispielhaft sein. Und so 
hat sich die Dithmarscher Landesschule die Auf 
gabe gestellt, von.dieser Heimat aus das Er 
lebnis der Heimat weithin zu wecken und zu 
verlebendigen und so eine lebendige Grund 
lage zu geben für Wachstum und Kampf im 
ferneren Leben. Von Heimat geht der Mensch 
aus, zur Heimat wandert der Mensch zurück, 
und Heimat zu haben ist glückhaftes Schicksal 
gerade des deutschen Menschen. Darum will die 
Schule eine solche lebendige Heimatschule sein 
und zeigen am erlebten Beispiel Dithmar 
schens, wie wundervoll geschlossen Landschaft 
und Mensch einer solchen Heimat sein können. 
Darüber hinaus bietet das ganze meerum 
schlungene Land Schleswig-Holstein mit seiner 
wechselvollen Geschichte, mit seiner wechselvol 
len Landschaft, mit dem Grenzschicksal unge 
heure Möglichkeiten für das unterrichtliche Le 
ben einer Volkshochschule. In Holstein gele 
gen, nahe der geschichtlichen Eider, stellt doch 
die Volkshochschule in ihr Leben hinein das 
Wort „Up ewig ungcdeelt" als Lehre der Ver 
gangenheit und Symbol der Zukunft. Dadurch 
rückt die heutige Grenze nahe, dadurch tritt 
harter Grenzkampf auch in der Dithmarscher 
Landesfchule in Erscheinung,' dadurch fühlt die 
Dithmarscher Landesschule die Aufgabe, am 
Erenzkampf in der harten Erziehung jungen 
Grenzgeschlechtes nördlich und südlich der 
Grenze tätig mitzuwirken und Nordschleswig 
sn seiner kulturellen Lebensgestaltung zu 
chrem Teil in ihre Arbeit mit einzubeziehen. 
-Volk und volkliche Erziehung und das Erleb 
nis der stammhaften Gliederung des deutschen 
Kolkes ist weiteres Ziel der Dithmarscher 
landesfchule. So findet sich in ihren Kursen 
^us Norden und Süden, aus Osten und We 
iten junge Mannschaft der verschiedenen deut 
en Grenzländer oder germanisch-verwand- 
wr Lebensräume zusammen, lebt sich langsam 
Zusammen und bildet im Kleinen ein Abbild 
großdeutscher Volksgemeinschaft und germani 
scher Völkerverwandtschaft. Ob die jungen 
Menschen aus dem reichsdeutschen Kerngebiet 
stammen, ob sie von Nordschleswig kommen, 
ob sie Kampf und Not der deutschen Streu 
gebiete aus Jugoslawien, Rumänien oder dem 
Baltenlanü hereintragen in unser sonst geru 
higes Leben, ob der Vlame aus dem Staat 
Belgien bei uns die stammliche und kulturelle 
Berührung mit Deutschland glückhaft empfin 
det und immer mehr erlebt, ob sogar der 
Friese aus dem holländischen Staatsgebiet 
beim niederdeutschen und friesischen Menschen 
Anlehnung und Anregung erhalten will —, 
das eben macht die Arbeit der Dithmarscher 
Landesschule glutvoll. Da steigert sich stille 
Erziehungsarbeit zu großen Auseinander 
setzungen um die deutschen Lebensfragen, um 
den mitteleuropäischen und europäischen 
Raum, da kann sogar eine solche kleine und 
bescheidene Stelle in stiller Landschaft im 
bäuerlichen Umkreis fruchtbar werden und 
Segen tragen für manchen Kampf, den diese 
junge Mannschaft, einmal zu tätigem Mann 
und zu tätiger Frau geworden, in ihrem Um 
kreis zu bestehen haben wird, um den von 
ihren Vätern erkämpften Boden im fremden 
Land, um ihre Sprache, um ihre Sitte, um ihre 
deutsche Art. Die Dithmarscher Landesschule 
nimmt in dieser Arbeit für das Grenz- und 
Auslandsdeutschtum eine besondere Stellung 
ein und widmet sich ihr mit zäher Bereitschaft, 
um in ihrem Kreis Begriff und Erlebnis 
„Volk" zu weiten und zu vertiefen. 
Junge Menschen, meistens aus dem bäuer 
lichen Umkreis oder aus den kleinen Flecken 
und Städten unserer schleswig-holsteinischen 
Heimat, sind unsere Schüler und Schülerinnen. 
Bauerntum und Handwerk bilden die Grund 
lage unserer Arbeit. Auf diesen beiden Stän 
den, als festen Säulen, ruht auch die Dithmar 
scher Lanöesschule. Nicht die Erziehung zum 
technischen Können im Beruf, nicht das Ver 
mitteln praktisch-beruflicher Kenntnis, ist die 
Aufgabe hier. Es handelt sich vielmehr um die 
Erziehung zu charakterlich und sittlich gereif 
ten, weitschauenden Persönlichkeiten, die ein 
mal, auf sich gestellt, Entscheidungen aus Ver 
antwortung zu treffen wissen, Pflicht und Last 
als Aufgabe in sich tragen und die da wissen, 
daß nur aus Kampf und nur aus Ringen Se 
gensströme erwachsen können und daß der 
Mensch nicht geschaffen ist, nur zu ruhen und 
zu rasten, sondern zu spüren, wie mannigfal 
tig das deutsche Leben ist und wie schwer es 
ist, die Zusammenschau zu finden, und wie 
schön es ist, einen immer größeren Drang nach 
dem Erkennen der deutschen Dinge zu haben. 
Fünf Monate, fast ein halbes Jahr, währt der 
Volkshochschulkursus, im Sommer und im 
Winter junge Mädchen, im Winter dazu in 
einem zweiten Haus junge Leute, beide Heime 
erfüllt von einem jugendfrohen Gemeinschafts 
leben, erfüllt von der Unbeschwertheit und doch 
Pflichterfülltheit der jungen Generation, die 
hierher kam, nicht um Examen abzulegen, 
sondern um einmal in einem halben Jahr 
Grenzen abzuschreiten, Kräfte zu messen und 
an sich zu arbeiten. Der junge Mann soll spü 
ren, was es heißt, Bauer sein zu dürfen, schöp 
ferischer Handwerker werden zu können, deur- 
scher Mensch im politischen Leben der Gegen 
wart zu sein und in allem zu bestehen. Das 
junge Mädchen soll die Aufgabe spüren, Frau 
und Mutter zu werden, soll — und hier ist 
praktische Arbeit natürlicher — ausgehend von 
Hauswirtschaft und Küchenwirtschaft, vorwärts 
schreiten zu Heimgestaltung und Geschmacks 
bildung, zu Krankenpflege und Säuglings 
pflege, zu allem Schönen und Starken, zu allem 
Großen und Reinen, was der deutschen Frau 
Die Koloniale Frauen schule in Rendsburg. 
Von den Schülerinnen, die die Schule absolviert haben, sind in der Zeit vom 1. April 
1933 bis zum 31. März 1936 insgesamt 47 ins Ausland gegangen. Sie verteilen sich 
wie folgt: Europa: Oesterreich 11, England 3, Holland 1, Tschechoslowakei 1, Grie 
chenland 1,' Asien: Palästina 1, Indien 1,'Südamerika: Chile 2, Argentinien 
1, Brasilien 1,' Afrika: Südwest 12, Ostafrika 9, Angola 1, Südafrika l/Mocam 
bique 1. Lichtbild: Archiv. 
aus ihrem Wesen besonders gegeben ist. Die 
jungen Mädchen lernen alles, was der Frau 
engeneration Deutschlands von heute gesetzt ist 
als Aufgabe. Und beide, junge Männer und 
junge Frauen, werden immer auf das eine 
hingewiesen, daß in der Gemeinschaft, in der 
erlebten Gemeinschaft ein Segen liegt für un 
ser Volk, und daß es gut tut, wenn über alle 
täglichen und menschlichen Scheidungen und 
Gegensätze hinweg Kameradschaft und Freund 
schaft wächst zu dem, was in der Krönung Volk 
und Volksgemeinschaft und schließlich Staat 
und Reich ist. 
Die Dithmarscher Lanöesschule stand und 
steht in der völkisch-staatlichen Bewegung von 
Vergangenheit und Gegenwart, die Dithmar 
scher Lanöesschule versteht und bekennt Schick 
sal und Aufgabe der Deutschen in der letzten 
Steigerung und Aufgeschlossenheit zum Drit 
ten Reich hin und kämpft um das Dritte Reich 
und seine innerste Formung und seine äußere 
Größe mit. Die Dithmarscher Landesschule er 
zieht zur Besinnung und zur Leidenschaft zu 
gleich, zur zuchtvollen Haltung und zum Kampf 
in gleicher Weise. Als Heimvolkshochschule 
steht sie fest in sich gegründet. Das Dithmar 
scher Land weist ihr die Aufgabe von Heimat 
hin zu Volk und Staat. Das Pflugeisen, das 
alte Bauernwappen eines Dithmarscher kampf- 
gewohnten Geschlechts, die Pflugschar, die den 
Boden aufreißt, um Saat und Ernte zu brin 
gen, ist Zeichen und Abbild unserer Schule, 
Pflug und Schwert, Pflug und Eisen: es ist 
der Weg aus der Geschichte zur Geschichte, es 
ist der Weg der Altvordern zur neuen deut 
schen Jungmannschaft, der im Rahmen des 
Staates und der Bewegung hier eine der Er 
ziehungsstätten in dieser Form gegeben ist, es 
ist der Weg von der Enge in die Weite und 
von der Weite in die Begrenztheit, den eine 
solche Volkshochschule, wie es die Dithmarscher 
Landesschule sein will und immer mehr sein 
möchte in nachbarlicher Verbundenheit zur 
Schwesterschule im abgetrennten Gebiet im 
Norden, beschreitet. 
Wilhelm Zietz, Volkshochschullehrer. 
lamm «M. to Segriinto to 
MltolMn WmnWs 
Zu seinem 6Ü. Geburtstag am 3. Mai. 
Von Dr. Klaus Witt. 
Eine so ehrenvolle Anerkennung wird kaum 
je einem Bühnenleiter zuteil geworden sein, 
wie sie 1932 in der Universitätsaula zu Rostock 
bei Verleihung des Brinckman-Preises ausge 
sprochen wurde: 
„Dr. Richard Ohnsorg ist der Begründer 
und ein hervorragender Schauspieler der 
Niederdeutschen Bühne in Hamburg und 
damit Anreger der niederdeutschen Büh 
nenbewegung überhaupt. Er hat den Wer 
ken Stavenhagens die allgemeine Aner 
kennung verschafft und niederdeutsche Dra 
matiker wie Boßdorf zum Schaffen ange 
regt. Er bildet junge Talente, indem er 
ihnen den Weg zur Bühne freigibt." 
Diese unumstrittene Führerstellung hat der 
Gefeierte, der erst im Januar dieses Jahres 
mit beispiellosem Erfolge auch der Reichs 
hauptstadt in einem viertägigen, vom Reichs 
propaganda-Ministerium vermittelten Gast 
spiel in der Volksbühne die Einzigartigkeit 
3«m 2vvjiihrigen Jubiläum von Hoyer 
Bon August Krieger. 
Der Flecken Hoyer in Noröschleswig, der 
»m Rande der hohen Geest liegt, wo der gol- 
kne Ring beginnt, der das reiche Marschland 
sm Westen Schleswig-Holsteins bis zur Elbe 
mn vor dem Meere schützt, kann in diesem 
Ņhre sein zweihundertjühriges Jubiläum be 
gehen. 
. Hoyer ist nicht nur Vorposten vor dem blan- 
^n Hans, der nun hunderte von Jahren das 
lohe Ufer bestürmt, sondern der Ort steht auch 
vlkisch gesehen auf Vorposten für deutsche Art 
ttd Kultur. Bei der Abstimmung am 10. Fe- 
ruar 1920 erreichte Hoyer eine Mehrheit von 
ļ deutschen Stimmen gegen 291 dänische 
nrninen, und die heimöeutschen Bewohner 
Ķen auch später den Kampf für ihr Deutsch 
em kräftig ausgenommen. 
p wird behauptet, daß die Bewohner der 
t-enöschaft nördlich von Tondern stark mit 
seslschein Blute durchsetzt sind. Bis nach 
Gen hinauf findet sich in der Bauart der 
^eujer der friesische Giebel, und auch die 
ļ>er Siedlungen deuten nach dem Sü- 
şiņden wir bei dem Dorfe Ballum den 
»men Husum, nördlich davon liegt in der 
ì^rsch Kringelum, und ein Ort, der nach der 
A^uarflut 1825 endlich verlassen wurde, heißt 
hLthusum. Die acht Warften und Reste der 
h şind noch heute erhalten. Die Bewohner 
be! . arsch werden um 1400 als „De Hollän- 
b ; tn öer Ballummarsch" bezeichnet, alles An- 
Mungen, die eine Besiedlung vom Süden 
er wahrscheinlich machen. 
Hoyer, das schon um 1170 erwähnt wird, liegt 
dip- eme Hochburg des Deutschtums im Süden 
.Landschaft. Als die Wiedau versandete 
^ oie Marsch sich gegen die Nordsee vorschob 
und endlich eingedeicht wurde, übernahm Hoyer 
die Rolle der alten Seehandelsstadt Tondern. 
Fische und Austern wurden hier verfrachtet, 
Vieh nach Holland und England ausgeführt. 
Am stärksten aber wurde der Verkehr, als das 
Seebad Westerland auf Sylt sich entwickelte 
und die Besucherzahl von Jahr zu Jahr zu 
nahm. Da ging der Verkehr der großen Welt 
in den Sommermonaten über Hoyer. In den 
letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts 
fuhr von Tondern einige Stunden vor Ein 
treffen der Flut ein langer Wagenzug auf der 
Landstraße nach Hoyer, und von dort wurden 
die Badegäste mit dem Dampfer nach Munk 
marsch befördert. Die etwas beschwerliche Art 
der Reise fand ihren Abschluß, als Ende der 
achtziger Jahre die Bahn von Tondern nach 
Hoyer gebaut wurde. Tausende von Badegästen 
nahmen damals ihren Weg über den Ort, und 
die Wirtschaft von Hoyerschleuse, auf dem ho 
hen Deich gelegen, im Besitz der Familie Pörk- 
sen, wurde weltbekannt. Nach dem Bau des 
Hindenburgdamms ging der Verkehr einen 
anderen Weg, und heute ist auch die Bahn von 
Tondern nach Hoyer wieder stillgelegt. Die 
Bewohner des Fleckens mutzten sich umstellen 
und waren nur auf den Handel mit dem Um 
land angewiesen. 
Die Landschaft nördlich von Hoyer, weitab 
vom Verkehr der Welt, hat ihre Ursprünglich 
keit bis zum heutigen Tage bewahrt. Vor den 
sauberen Backsteinhäusern der Dörfer mit 
ihren moosbewachsenen Strohdächern ist häu 
fig eine Reihe von Linden angepflanzt, und 
bunte Bauernblumen bliihen im Sommer in 
den Gärten. Die hohe Geest tritt hier an der 
einzigen Stelle in Schleswig-Holstein in grö 
ßerer Ausdehnung hart an die Nordsee. Am 
Ufer erhebt sich das Emmerleff Kliff, heute ein 
besuchter Badeort. In dem Dorfe ist der Kieler 
Professor und deutsche Politiker Falck, der Ge 
sinnungsgenosse Uwe Jens Lornsens, geboren. 
Besonders einsam und weltenfern wirkt die 
Kirche von Jerpstedt. Mit ihrem weißen 
Treppenturm, von windverwehten Bäumen 
und der Kirchhofsmauer umgeben, liegt sie auf 
der Höhe vor der Nordsee. Der Farriswald, 
der einst Nordschleswig bedeckte, ist verschwun 
den, aber die Heide ist geblieben. Im Herbst, 
wenn die rote Erika blüht, erheben sich Häuser 
und Höfe aus dieser Ebene, und alte Bäume 
geben der Landschaft ein besonders eigenarti 
ges Gepräge. Dazu als Hintergrund das weite 
Nicer und die fernen Inseln. 
Hier ist altnordischer Boden. Das merkt man 
nicht nur an den Hünengräbern, die am Wege 
liegen, sondern auch an den Namen der Dör 
fer dieser Landschaft. Da liegt nördlich von 
Hoyer die kleine Siedlung „Aasgaarö", die 
heute noch den Namen der germanischen Göt 
terwohnung trägt, da sind die Dörfer Emmer 
leff und Seiersleff. Die Endung less, leiba 
oder leben, die Eigentum oder Erbe bedeutet, 
finden wir in Verbindung mit Ortsnamen von 
Jütland an bis in das Herz Deutschlands wie 
der. So gibt es in Thüringen eine ganze Reihe 
von Ortschaften, die diese Endung führen. Es 
ist die Wanderung der Warnen, eines Zwei 
ges der Heruler, die mit den Angeln zusam 
men nach dem Süden zogen, die heute noch auf 
diese Weise zum Ausdruck kommt. Die Reste 
dieses germanischen Stammes haben sich in 
ihren Ursitzen im Norden gehalten. 
Nordöstlich von Hoyer liegt das Dorf 
Wiesby, einst bedeutender als heute. In der 
Nähe dieses Ortes, der den gleichen Namen 
tragt wie einst die mächtige Seehanöelsstadt 
und Königin der Ostsee, liegt die.größte Ruine 
Schleswig-Holsteins, die Treuburg. Da der 
Name auch Troyburg geschrieben wird, glaubt 
man hier eine Wiederholung der Trojaburg 
zu finden. Eine ähnliche Burg gleichen Na 
mens lag auch auf der Insel Gotland. Hier 
wohnten die Limbecks, ein mächtiges und ge 
walttätiges Rittergeschlecht, einst die Herren 
Nordschleswigs. Sie wagten es, gegen den 
König von Dänemark aufzutreten, und schlos 
sen einen Bund mit der Hanse. Die Burg selbst, 
eine Wasserburg in der Ebene, wurde von dem 
Ritter Daniel Rantzau Ende des 17. Jahr 
hunderts erbaut. Es war ein Renaissancebau, 
an den vier Ecken mit starken Türmen, die 
mit Kupfer gedeckt waren, versehen und durch 
zwei Wassergräben geschützt. Heute liegt die 
Ruine von Büschen und Bäumen umgeben in 
dem Frieden eines alten Gartens. Eine Mauer 
des roten Backsteinbaus ist noch erhalten; die 
Keller sind verschüttet, und Bäume wachsen 
aus dem alten Gemäuer. Der Portalstein, ein 
Denkmal der Vergänglichkeit, ist vor der Ruine 
aufgestellt. Da sieht man zwei weibliche Figu 
ren, die sich ans eine Sanduhr stützen, und liest 
den Vers: „Du sammelst Schätze und bauest 
Burgen, als wärst du unsterblich? Morgen 
verstirbst du, und wer ist's, der das deine be 
sitzt?" Darunter die gereimte Chronik der 
Burg: „Treyburgk heiß ich von alters her, lis 
ferner wilstu wissen mehr . . . Nach Christi 
Gburt, merck ebn es war Tansendfünfhundert- 
achtzig Jahr". Der Adel verschwand, und der 
Bauer war sein Erbe. 
Südlich von Hoyer schaut man hinein in die 
Marsch, wo die Höfe alter Bauerngeschlechter, 
umbraust von ewigem Westwind und um 
rauscht von alten Bäumen, sich aus der Ebene 
erheben. Viele heimdeutsche Bauern darunter. 
Sturm geht über die Höfe, mögen sie im Kaurpf 
des Lebens stark sein und bestehen!.
	        
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