und Stileinheit seiner Spielleiter- und Dar
stellerleistung zeigen konnte, auch heute noch
durchaus inne. Sie wird sich noch verstärken^»
wenn seine Künstler mit ihm im Herbst das
ihnen endlich gebotene eigene Haus, das bis
herige „Neue Theater", in Hamburg selbst be
ziehen können, nicht mehr auf Gastspiele im
Wandsbeker, Altonaer, Harburg-Wilhelms-
burger Stadttheater und andern Groß-Ham-
burger Spielstätten angewiesen sein werden.
Die Grütze der Niederdeutschen gelten zum
3. Mai aber ebenso sehr auch dem liebenswer
ten und tatfrohen Menschen Richard Ohnsorg,
der nun schon seit drei Jahrzehnten ein Ueber
maß von Leistungen neben dem eigentlichen
Berufe unter schwierigen Verhältnissen voll
bracht hat. Denn erst vor Jahresfrist erlaubte
ihm die Befreiung von der Leitung einer gro
ßen Hamburger Lesehalle ganz ausschließlich
der Kunst zu leben.
Der neue Lebensabschnitt Ohnsorgs wird
von weiterer hingebender Arbeit und hohen
Erfolgen erfüllt sein!
Wer ZermL VEstNMliche
PftarrZermamen?
Zum Wörterbuch
der deutschen Pflanzennameu.
Von der Preußischen Akademie der Wissen
schaften ist Prof. Dr. Marzell in Gunzenhau
sen beauftragt worden, ein Wörterbuch der
deutschen Pflanzennamen zu schaffen. Für
Schleswig-Holstein liegen bereits erhebliche
Vorarbeiten vor in dem von der „Arbeitsge
meinschaft für Floristik in Schleswig-Holstein,
Hamburg und Lübeck" erarbeiteten Archiv
volkstümlicher Pflanzennamen (Bearbeiter
Heinrich Röper, Hamburg). Aber noch ist längst
nicht jede Gegend und jede Art erfaßt worden.
Die NS-Kulturgemeinde, Abteilung Pflanzen
forschung, Kiel, Dänische Straße 43, bittet um
Mitteilung von Namen, die im Volke gebraucht
werden oder früher gebraucht worden sind
(nicht Namen aus Büchern).
Das Jahr 1777, ein AngWcksjahr für die
nordfriesischen WalfischfSnger
Von Dr. Jul. T e d f e n.
Die Zeitungen brachten neulich die Meldung,
daß feit Wochen jede Nachricht von 450 nor
wegischen Wal- und Robbenfüngern fehle und
man ernstlich um ihr Schicksal besorgt sei. Das
erinnert mich an das Jahr 1777, in dem Hun
derte von nordfriesischen Walfischfängern im
grönländischen Eis umkamen. Besonders hart
wurde Föhr betroffen, das immer bei weitem
die meisten Grönlandfahrer stellte.
Die Schiffe mußten in diesem Jahre weit
nach Norden vordringen, da sich im südlichen
Teil des Eismeeres kaum Walfische zeigten.
Schon im Frühherbst setzte der arktische Winter
mit großer Külte und furchtbaren Stürmen
ein. Nicht nur das Treibeis, sondern große
Eisberge gerieten in Bewegung. Die Walsisch-
fänger sahen sich plötzlich von unermeßlichen
Eismassen eingeschlossen. Es froren mehrere
hundert Schiffe ein, von denen nur ein Teil
durch später entstandene Oeffnungen im Eis
nach Süden entkamen. Von den eingefrorenen
Schiffen waren allein 24 mit Führern bemarrnt.
Und nun bedenke man, daß jedes Schiff je nach
seiner Größe 40—60 Mann Besatzung hatte, um
die 6—8 Schaluppen zu bemannen und den
Walfischspeck zu verarbeiten.
Ein von Nordost kommender Meeresstrom
schob diese Schiffe mit den Eismassen langsam
an der Ostküste Grönlands entlang. Im Spät
herbst wurde das Packeis unter dem Druck
schwerer Stürme ausgebrochen. Nun wurde ein
Schiff nach dem andern zerdrückt. Die Schiff
brüchigen retteten sich zum Teil auf das Eis
und erreichten die Nachüarschiffe, bis auch diese
dasselbe Geschick ereilte und die Zahl der
Schiffbrüchigen immer größer wurde. Schließ
lich ging auch das letzte Schiff, das die Btann
schaft mehrerer anderer aufgenommen hatte, in
der Nähe des Kaps Farvel auf dem 63. Grad
nördlicher Breite unter.
Die Leute wanderten über die Eisfelder und
erreichten das Land. Aber da standen die vielen
Menschen nun, aller Mittel entblößt, hungernd
und frierend an einer unbewohnten, wüsten
Küste, und der arktische Winter stand vor der
Tür. Ein Teil der Leute versuchte, durch das
Innere Grönlands nach den bewohnten west
lichen Gegenden des Landes zu gelangen. Die
ser erste Versuch, das grönländische Inlandeis
zu durchqueren, mutzte mißlingen. Die andern
wanderten südwärts an der Küste entlang. Sie
nährten sich von dem rohen Fleisch ange
schwemmter Seetiere. Bei grimmigster Külte
marschierten sie in nassen, steif gefrorenen, zer
lumpten Kleidern an dem end- und weglosen
Ufer dahin. Wenn sie müde und kraftlos wa
ren oder die Schneestürme jedes Weiterkom
men unmöglich machten, lagen sie, eng anein
andergekauert, hinter Fels- und Eiswänden
oder in ausgehöhlten Schneewehen. Dann und
wann wurden sie von mitleidigen Eskimos
aufgenommen und bewirtet mit Tran und
Seehundsfleisch. Nach unerhörter Mühsal und
Entbehrungen kamen sie im März des folgen
den Jahres in der dänischen Kolonie Fried-
richshaab an, nachdem sie manchen toten Ka
meraden hatten liegen lassen müssen. Ende
April erschienen die holländischen und hanseati
schen Walfischslotten wieder und brachten die
Schiffbrüchigen mit nach Hause.
Die Angehörigen hatten sie schon ein ganzes
Jahr als tot betrauert. Auf Föhr waren nur
wenige Häuser, die nicht wenigstens ein Fa
milienglied unter jenen Unglücklichen hatten.
Nun lief die Kunde von ihrer Ankunft durch
die Insel. Aber die Freude wurde arg ge
dämpft, als sich herausstellte, daß nur die
Halste, und von diesen viele krank und fürs
Leben gebrochen, heimgekehrt waren. Trotzdem
nährte ihre unerwartete Rettung die Hoff
nung, daß auch die andern noch wiederkehren
könnten. Die Angehörigen schwebten noch ein
weiteres Jahr zwischen Furcht und Hoffnung.
Als dann aber im Herbst die Grönlandfahrer
ohne die Verschollenen nach Hause kamen, füg
ten sich die Frauen und Mütter in ihr Los.
Nach alter, froinmer Sitte einigten sich die
drei Führer Gemeinden auf einen Sonntag, an
dem in allen drei Kirchen der Insel Gedächt
nis- und Trauerfeiern abgehalten wurden für
die vielen, die irgendwo erstarrt, erfroren und
unbestattet in der öden Wildnis des grönländi
schen Inlandeises lagen. Not und Gefahr und
gemeinsames Leid banden jene ernsten, schwer
geprüften Menschen zu einer wahren Schick
salsgemeinschaft zusammen. Was die Nordsee
und das Eismeer gaben und nahmen, sie gaben
und nahmen es allen.
Von den vielen Eintragungen in die Führer
Totenregister, die das Jahr 1777 betreffen, mö
gen hier einige folgen: „Arfst Dressen aus
Boldixum, der Anno 1777 mit mehreren seiner
Landsleute von Holland nach Grönland aus
gefahren, hat nach mehrmals erlittenem Schiff-
bruch allen Vermutungen nach im Oktober be
sagten Jahres sein Leben jämmerlich beschlos
sen, 33 Jahre alt." — „Hans Knudten von
der Wyk fuhr Anno 1777 im Frühjahr mit
Kommandeur Volkert Jensen von Amsterdam
nach Grönland' das Schiff ward im Eise be
setzt, und mit mehreren andern verloren,' kam
darauf auf des Kommandeurs Kastricums
Schiff, worauf viele unglückliche Leute gebor
gen waren und mußte endlich nach vielem
Elend von dieser Welt scheiden." — „Volkert
Vögens aus Utersum mußte, 37 Jahre alt,
nebst vielen andern auf einer unbewohnten
Insel bei Stratenhoek sein Leben enden." —
„Paul Boyens aus Midlum, gestorben 1778 in
Grönland, wurde nebst vielen andern 1777 im
Eise besetzt und nach Stratenhoek zurückgetrie
ben. Das Schiff, vom Kommandeur Claas
Castram geführt, blieb zuletzt übrig, worauf
sich gegen 300 Seeleute gerettet. Den 10. Okto
ber ging auch dieses Schiff verloren. Auf den
Eisfeldern mußten sich die Leute Herumtreiben
lassen, bis sie endlich nach großer Not an Land
kamen. Eine Menge davon, die sich an der
Westküste an Strasse David hielten, sind am
Leben geblieben. Die mehrsten sind landein
wärts gezogen, haben sich verirrt,' keine Wilden
angetroffen und werden von Hunger und Kälte
aufgerieben sein. Darunter war auch Paul
Boyens. Gott sorge für die Witwe und ihre
drei Kinder!" — „Paul Hayen, gestorben 1778,
kam mit anderen im vorigen Jahre im Eis
Verunglückten endlich in Stratenhoek an und
starb." ' , :■
Dieses Unglück des Jahres 1777 muß einen
unauslöschlichen Eindruck auf die Menschen
gemacht haben, und zwar weit über Nordfries
land hinaus,' denn keiner der vielen erschüt
ternden Unglücksfälle, welche die nordfriesi
schen Seeleute traf, ist so oft und so ausführ
lich von den Zeitgenossen geschildert worden
wie dieser. In keinen andern Berichten spürt
man so stark und eindringlich die innere Er
griffenheit über das Jahr 1777. Selbst die Ein
tragungen in die Totenregister, die sich sonst
auf die notwendigsten Daten beschränken, sind
hier viel ausführlicher abgefaßt. Man steht
unter dem Eindruck, als hätten die Geistlichen
unter der Wucht dieser erschütternden Tragik
sich eine Last von der Seele schreiben und, statt
einer kurzen amtlichen Notiz, den Toten und
Hinterbliebenen ihr tiesempfundes Mitgefühl
aussprechen wollen.
Waren jene Unglücklichen in der Mehrzahl
Führer, so hatten auch die Amrumer und Hal
ligfriesen und vor allem die Sylter Handels
fahrer schwerste Verluste zu beklagen. Jürgen
Batjers blieb im Eismeer, Jens Groot und
Peter Geiken verloren ihre Schiffe im Katte-
gatt, Knut Knuten strandete vor der Elbe,
Teide Bleiken verlor Schiff und Leben bei
Ameland, Peter Prott starb in Marseille, Hans
Möller erlitt Schiffbruch bei Island, Bleik
Ercken ging mit Schiff und Btannschaft bei
Fanö unter, Peter Andresen strandete auf
Anholt, Jacob Jappen ging mit Schiff und
allem Volk an der französischen Küste unter,
Bunde Hansen strandete im englischen Kanal
usw. usw. Die Trauerbotschaften wollten kein
Ende nehmen.
Auch an den heimatlichen Ufern hielt der
Tod reiche Ernte. Anhaltende Herbststürme
rasten über die friesischen Eilande,' Strand und
Sandbänke waren übersät mit Schiffstrüm
mern und Leichen. Es gab in den Uthlanden
kaum ein Haus, das der Tod verschonte. Es
war dies Jahr 1777 ein Jahr der Trauer und
der Tränen.
Und dennoch, mochten Vater und Großvater
den Seemannstoö gestorben sein, die Sühne
und Enkel gingen doch zur See, und ihre see
lenstarken Mütter ließen ihre Knaben unter
dem Zwang vererbter Landessitte im Alter
von 10—12 Jahren auf das wilde Meer hin
ausziehen. Jenen Menschen war die Seefahrt
geradezu ein gottgewicsener Beruf, der Erfolg
gottgeschenktes Glück, der Untergang schicksal
haft bestimmtes Los. In diesem Sinne setzte
ein Führer Grönlandfahrer auf seinen Grab
stein die Worte:
Zur Seefahrt ich gerufen bin,
Das dank ich Gott!
Doch er, wie all die andern friesischen See
leute, schöpften ihre Stärke und Seelenruhe
aus der zuversichtlichen Hoffnung: Nach sturm*
bewegter Lebensfahrt winkt dir des Hafens
Stille. Darum fährt er fort:
Doch steht mein Sinn
Stets nach des Himmels Hasen hin.
Tapfer leben und sieghaft sterben war diesen
hartgeprüften Männern und ihren leiögeadel-
ten Frauen, vor deren schlichter Seelengröße
wir, ihre Nachkommen, uns in Ehrfurcht beu
gen, des Lebens tiefster Sinn und aller Weis
heit letzter Schluß. Wer so das Leben durch den
vollen Einsatz des Lebens mutig bejahte, konnte
nach ruheloser Lebensfahrt in dem Gefühk
eines versöhnlichen Ausklangs auf seinen
Grabstein schreiben:
Im seligen Hafen des Himmels
Liegt nun gesichert mein Schiff,
Kein Sturm bedroht es mehr,
Kein' Sturzsee, kein brandendes Riff.
Ein Sarrg mn Ztem rmd Liebe
Roma» von Leontine v. Winterfeld-Platen
19)
Nachdruck verboten.
Seine stählernen Augen sehen
scharf und tief, und zwischen seinen Brauen
ist eine feine Falte, die von Entsagung und
stillem Schmerz weiß. Seine stolzen Nasen
flügel beben leise wie in verächtlicher Erwar
tung dessen, was da kommen soll. Sein herber
Mund ist fest geschlossen, als bisse er die Zähne
aufeinander in Zorn und Grimm. Der Nacht
wind hat ihm sein blondes Haar zerwühlt,
denn sein Haupt ist unbedeckt. So steht er steil
und wartet wie ein finsterer Fels aus seiner
Heimat nordischem Gestein.
Da teilt sich langsam der Purpurvorhang,
und Julia tritt auf die Marmorschwelle mit
ihrem goldenen Schuh. In schwarzen Wellen
fluten ihr die gelösten Haare über die blenden
den Schultern. Perlen sind darein verflochten
von seltener Größe und Schönheit. Schneeweiß
fließt ihr das Gewand über die Hüften, mit
purpurroten Säumen verbrämt. Und ihre
dunklen Augen leuchten in tiefem, feuchtem
Glanz.
Schweigend steht sie und kann sich nicht satt
sehen an ihm.
In seinem Angesicht zuckt keine Muskel. Er
sagt nur ruhig — selbstverständlich:
„Da bin ich, Fürstin."
Sie tut einige Schritte näher zu ihm und
preßt die Hände ineinander.
„Das — das hätte ich nie gedacht!"
Und dann kommt sie ganz dicht und ganz
leise zu ihm.
„Nicht war, du spürtest es im kalten Norden,
wie süß der Süden ist? Da kamst du wieder
zu mir?"
Er schüttelt ruhig den Kopf.
„Nein, Fürstin, darum nicht. Ich gab mein
Wort."
Sie lächelt.
„Es ist ja auch ganz gleich, weshalb du
kamst, o Nordlandsgreif. Wenn du nur wie
der hier bist! Denn ich war krank vor Sehn
sucht nach dir."
Er sieht über sie sort.
„Ich denke, du wolltest mich töten lassen?"
Da greift sie nach seiner großen, herabhän
genden Hand und legt sie schmeichelnd an ihre
Wange.
„O, sprich nicht so, du Wilder, Großer du!
Du weißt wohl, was Julia fühlt für dich. O,
sag mir ein weiches, liebes Wort, und du sollst
es besser haben als der Fürst von Sizilien
selber."
Langsam zieht er seine Hand aus der ihrigen
und tritt einen Schritt zurück.
„Wir Nordmänner haben nicht gelernt, mit
Frauen zu spielen wie mit jungen Katzen. Hei
lig und unantastbar ist uns das Weib. Und
hat unsere Seele die eine erkannt, der wir an
gehören bis in den Tod, so hat keine andere
mehr Raum daneben." —
Julia wird blaß bis in die Lippen. Sie tau
melt. Denn sie sieht, ihre Kunst ist hier am
Ende.
Aber sie will, sie darf nicht unterliegen. Das
hat sie noch nie getan einem Mann gegen
über.
Steil richtet sie sich auf und tritt in die Mitte
der Halle zurück.
Und ruft mit einer Stimme, die wie Eis zu
splittern scheint, nach ihren Sklaven. Und fragt
kurz und rauh:
„Wieviele Nordmünner kamen mit ihm?"
Der erste Sklave kreuzt die Arme über der
Brust.
„Die vier, die mit ihm ausgefahren, Für
stin. Der Finstere, der sich Helge nannte, und
der grimmige Greis flohen ja damals."
Der zweite Sklave schüttelt den Kopf.
„Nein, Fürstin, noch einen sah mein Auge,
der zuvor nicht mit dabei gewesen. Als soeben
die Männer an Land gingen, glitt zwischen
ihnen durch, aus dunklem Schiffsraum, noch
ein feiner Knabe. Der kann nur mit ihnen ge
kommen sein aus Nordland."
Langsam wendet Olaf den Kopf.
„Ein Knabe? Mit uns? Du träumst wohl,
Meerkatze?"
Mehrere Sklaven drängen sich vor und rufen
durcheinander:.
„Nein, Nordlandsgreif, es ist so, wie er sagt.
Es stieg ein feiner Knabe heimlich und pfeil
geschwind vorhin vom Bordrand, just, als -hr
landetet. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen,
denn die Dunkelheit war groß am Hafen und
das Gedränge."
Olaf schüttelt sinnend den Kopf.
„Das scheint mir rätselhaft, dieweil wir
nirgends landeten auf unserer Fahrt."
Julia rafft sich zusammen und versucht zu
lachen.
„Ein sonderbarer Knabe fürwahr! Den muß
ich sehen. Wo ist er geblieben?"
Die Sklaven zucken die Achseln.
„Niemand weiß es, Fürstin, er ist uns ent
glitten."
Julia stampft mit dem goldbeschuhten Fuß.
„So sucht nach ihm, bis ihr ihn findet. Habt
ihr ihn in drei Stunden nicht gefunden, so
lasse ich euch alle auspeitschen. Ihr könnt jetzt
gehen."
Olaf wendet sich um.
„Und was soll ich, Fürstin?"
Sie tritt dicht heran zu ihm und sieht ihm in
die Augen.
„Du gehst jetzt auch. Du bist mein Gefan
gener, mit dem ich spielen will. Und wirst
mein König, wenn du Julias Schönheit siehst."
Da wendet er sich kurz ab und folgt den
Sklaven aus der hohen Marmorhalle nach
draußen.
Ganz still steht Julia und sieht ihm nach,
bis seine hohe Gestalt im Dämmer des Pal
mengartens verschwindet. Dann preßt sie die
Hände auf die wogende Brust und ballt sie
langsam zu Fäusten.
„Ach, wozu, ihr Götter, gebt ihr uns das
Leben? Es ist so schal und leer und freuden
los!"
Und sic setzt sich schwer und müde auf ihr
Ruhebett und schlägt die Hände vor das Gesicht.
Im matten Schein der Ampel glänzen die Per
len in ihrem Haar wie Tränen. Die breiten,
goldenen Ringe an ihren Armen klirren und
funkeln und der betäubende Duft der Oran
genblüten schwingt zwischen den Marmor
säulen.
Jetzt hebt sie jäh den Kopf. Einen leisen,
leichten Schritt hört sie die Marmorstufen
herauskommen vom Garten. Und sie ries doch
„Weil ich für Olafs Leben bitten wollte.
Oder sterben mit ihm."
Julia sieht scharf zu dem fremden Knabe»
herüber.
„Wer sagt dir, daß er sterben soll?"
Der andere lächelt traurig.
„Ob tot oder gefangen, es ist für ihn das
selbe."
Langsam steht Julia auf und kommt näher.
„Du bist ein feiner Knabe. Sind alle so treu
bei euch daheim?"
„Nordland ist der Treue Insel, Fürstin?"
„Und liebst du denn Aung-Olaf so?"
Da geht es wie Himmelslicht über das bleicht
verhärmte Angesicht des fremden Fisches
knaben.
niemand? Eine feine, weiße Hand schiebt sich
schüchtern durch den Purpurvorhang. Und eine
Gestalt im ärmlichen, grauen Fischergewand
tritt in die Halle.
Julia starrt den Fremdling an wie einen
Geist.
„Bist du der fremde Fischerknabe aus dem
Nordland? Was willst du hier?"
Aus bloßen, zarten Füßen gleitet der Fremde
über die Schwelle. In seinem weißen Gesicht
lein stehen wie zwei große, blaue Sterne die
fragenden, flehenden Augen. Eine grobe Kappe
deckt über und über das blonde Haar. Bittend
legt er die Hände ineinander und fragt mit
leiser, scheuer Stimme:
„Bist du die Herrin dieses Landes?"
Julia nickte. Es ist plötzlich eine seltsame
Unruhe in ihr, die sie sich nicht zu deuten
weiß.
Und herrisch fragte sie:
„Wer bist du? Und wo kommst du her?"
Der Knabe schlägt die Augen voll auf zu
ihr.
„Vom Nordland komme ich. Aus Prinz
Olafs Schiss."
Julias Finger spielen zitternd mit dew
Pfauenwedel, um ihre Unruhe zu verbergen.
„Ich dachte es mir schon. Man sieht es deinen
Augen an, daß du von Norden kommst. Warum
denn fuhrst du so heimlich mit? Der Nord
landsgreif hat nichts gewußt von dir."
In die blauen Augen steigen langsam große
Tränen.
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