Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

und Stileinheit seiner Spielleiter- und Dar 
stellerleistung zeigen konnte, auch heute noch 
durchaus inne. Sie wird sich noch verstärken^» 
wenn seine Künstler mit ihm im Herbst das 
ihnen endlich gebotene eigene Haus, das bis 
herige „Neue Theater", in Hamburg selbst be 
ziehen können, nicht mehr auf Gastspiele im 
Wandsbeker, Altonaer, Harburg-Wilhelms- 
burger Stadttheater und andern Groß-Ham- 
burger Spielstätten angewiesen sein werden. 
Die Grütze der Niederdeutschen gelten zum 
3. Mai aber ebenso sehr auch dem liebenswer 
ten und tatfrohen Menschen Richard Ohnsorg, 
der nun schon seit drei Jahrzehnten ein Ueber 
maß von Leistungen neben dem eigentlichen 
Berufe unter schwierigen Verhältnissen voll 
bracht hat. Denn erst vor Jahresfrist erlaubte 
ihm die Befreiung von der Leitung einer gro 
ßen Hamburger Lesehalle ganz ausschließlich 
der Kunst zu leben. 
Der neue Lebensabschnitt Ohnsorgs wird 
von weiterer hingebender Arbeit und hohen 
Erfolgen erfüllt sein! 
Wer ZermL VEstNMliche 
PftarrZermamen? 
Zum Wörterbuch 
der deutschen Pflanzennameu. 
Von der Preußischen Akademie der Wissen 
schaften ist Prof. Dr. Marzell in Gunzenhau 
sen beauftragt worden, ein Wörterbuch der 
deutschen Pflanzennamen zu schaffen. Für 
Schleswig-Holstein liegen bereits erhebliche 
Vorarbeiten vor in dem von der „Arbeitsge 
meinschaft für Floristik in Schleswig-Holstein, 
Hamburg und Lübeck" erarbeiteten Archiv 
volkstümlicher Pflanzennamen (Bearbeiter 
Heinrich Röper, Hamburg). Aber noch ist längst 
nicht jede Gegend und jede Art erfaßt worden. 
Die NS-Kulturgemeinde, Abteilung Pflanzen 
forschung, Kiel, Dänische Straße 43, bittet um 
Mitteilung von Namen, die im Volke gebraucht 
werden oder früher gebraucht worden sind 
(nicht Namen aus Büchern). 
Das Jahr 1777, ein AngWcksjahr für die 
nordfriesischen WalfischfSnger 
Von Dr. Jul. T e d f e n. 
Die Zeitungen brachten neulich die Meldung, 
daß feit Wochen jede Nachricht von 450 nor 
wegischen Wal- und Robbenfüngern fehle und 
man ernstlich um ihr Schicksal besorgt sei. Das 
erinnert mich an das Jahr 1777, in dem Hun 
derte von nordfriesischen Walfischfängern im 
grönländischen Eis umkamen. Besonders hart 
wurde Föhr betroffen, das immer bei weitem 
die meisten Grönlandfahrer stellte. 
Die Schiffe mußten in diesem Jahre weit 
nach Norden vordringen, da sich im südlichen 
Teil des Eismeeres kaum Walfische zeigten. 
Schon im Frühherbst setzte der arktische Winter 
mit großer Külte und furchtbaren Stürmen 
ein. Nicht nur das Treibeis, sondern große 
Eisberge gerieten in Bewegung. Die Walsisch- 
fänger sahen sich plötzlich von unermeßlichen 
Eismassen eingeschlossen. Es froren mehrere 
hundert Schiffe ein, von denen nur ein Teil 
durch später entstandene Oeffnungen im Eis 
nach Süden entkamen. Von den eingefrorenen 
Schiffen waren allein 24 mit Führern bemarrnt. 
Und nun bedenke man, daß jedes Schiff je nach 
seiner Größe 40—60 Mann Besatzung hatte, um 
die 6—8 Schaluppen zu bemannen und den 
Walfischspeck zu verarbeiten. 
Ein von Nordost kommender Meeresstrom 
schob diese Schiffe mit den Eismassen langsam 
an der Ostküste Grönlands entlang. Im Spät 
herbst wurde das Packeis unter dem Druck 
schwerer Stürme ausgebrochen. Nun wurde ein 
Schiff nach dem andern zerdrückt. Die Schiff 
brüchigen retteten sich zum Teil auf das Eis 
und erreichten die Nachüarschiffe, bis auch diese 
dasselbe Geschick ereilte und die Zahl der 
Schiffbrüchigen immer größer wurde. Schließ 
lich ging auch das letzte Schiff, das die Btann 
schaft mehrerer anderer aufgenommen hatte, in 
der Nähe des Kaps Farvel auf dem 63. Grad 
nördlicher Breite unter. 
Die Leute wanderten über die Eisfelder und 
erreichten das Land. Aber da standen die vielen 
Menschen nun, aller Mittel entblößt, hungernd 
und frierend an einer unbewohnten, wüsten 
Küste, und der arktische Winter stand vor der 
Tür. Ein Teil der Leute versuchte, durch das 
Innere Grönlands nach den bewohnten west 
lichen Gegenden des Landes zu gelangen. Die 
ser erste Versuch, das grönländische Inlandeis 
zu durchqueren, mutzte mißlingen. Die andern 
wanderten südwärts an der Küste entlang. Sie 
nährten sich von dem rohen Fleisch ange 
schwemmter Seetiere. Bei grimmigster Külte 
marschierten sie in nassen, steif gefrorenen, zer 
lumpten Kleidern an dem end- und weglosen 
Ufer dahin. Wenn sie müde und kraftlos wa 
ren oder die Schneestürme jedes Weiterkom 
men unmöglich machten, lagen sie, eng anein 
andergekauert, hinter Fels- und Eiswänden 
oder in ausgehöhlten Schneewehen. Dann und 
wann wurden sie von mitleidigen Eskimos 
aufgenommen und bewirtet mit Tran und 
Seehundsfleisch. Nach unerhörter Mühsal und 
Entbehrungen kamen sie im März des folgen 
den Jahres in der dänischen Kolonie Fried- 
richshaab an, nachdem sie manchen toten Ka 
meraden hatten liegen lassen müssen. Ende 
April erschienen die holländischen und hanseati 
schen Walfischslotten wieder und brachten die 
Schiffbrüchigen mit nach Hause. 
Die Angehörigen hatten sie schon ein ganzes 
Jahr als tot betrauert. Auf Föhr waren nur 
wenige Häuser, die nicht wenigstens ein Fa 
milienglied unter jenen Unglücklichen hatten. 
Nun lief die Kunde von ihrer Ankunft durch 
die Insel. Aber die Freude wurde arg ge 
dämpft, als sich herausstellte, daß nur die 
Halste, und von diesen viele krank und fürs 
Leben gebrochen, heimgekehrt waren. Trotzdem 
nährte ihre unerwartete Rettung die Hoff 
nung, daß auch die andern noch wiederkehren 
könnten. Die Angehörigen schwebten noch ein 
weiteres Jahr zwischen Furcht und Hoffnung. 
Als dann aber im Herbst die Grönlandfahrer 
ohne die Verschollenen nach Hause kamen, füg 
ten sich die Frauen und Mütter in ihr Los. 
Nach alter, froinmer Sitte einigten sich die 
drei Führer Gemeinden auf einen Sonntag, an 
dem in allen drei Kirchen der Insel Gedächt 
nis- und Trauerfeiern abgehalten wurden für 
die vielen, die irgendwo erstarrt, erfroren und 
unbestattet in der öden Wildnis des grönländi 
schen Inlandeises lagen. Not und Gefahr und 
gemeinsames Leid banden jene ernsten, schwer 
geprüften Menschen zu einer wahren Schick 
salsgemeinschaft zusammen. Was die Nordsee 
und das Eismeer gaben und nahmen, sie gaben 
und nahmen es allen. 
Von den vielen Eintragungen in die Führer 
Totenregister, die das Jahr 1777 betreffen, mö 
gen hier einige folgen: „Arfst Dressen aus 
Boldixum, der Anno 1777 mit mehreren seiner 
Landsleute von Holland nach Grönland aus 
gefahren, hat nach mehrmals erlittenem Schiff- 
bruch allen Vermutungen nach im Oktober be 
sagten Jahres sein Leben jämmerlich beschlos 
sen, 33 Jahre alt." — „Hans Knudten von 
der Wyk fuhr Anno 1777 im Frühjahr mit 
Kommandeur Volkert Jensen von Amsterdam 
nach Grönland' das Schiff ward im Eise be 
setzt, und mit mehreren andern verloren,' kam 
darauf auf des Kommandeurs Kastricums 
Schiff, worauf viele unglückliche Leute gebor 
gen waren und mußte endlich nach vielem 
Elend von dieser Welt scheiden." — „Volkert 
Vögens aus Utersum mußte, 37 Jahre alt, 
nebst vielen andern auf einer unbewohnten 
Insel bei Stratenhoek sein Leben enden." — 
„Paul Boyens aus Midlum, gestorben 1778 in 
Grönland, wurde nebst vielen andern 1777 im 
Eise besetzt und nach Stratenhoek zurückgetrie 
ben. Das Schiff, vom Kommandeur Claas 
Castram geführt, blieb zuletzt übrig, worauf 
sich gegen 300 Seeleute gerettet. Den 10. Okto 
ber ging auch dieses Schiff verloren. Auf den 
Eisfeldern mußten sich die Leute Herumtreiben 
lassen, bis sie endlich nach großer Not an Land 
kamen. Eine Menge davon, die sich an der 
Westküste an Strasse David hielten, sind am 
Leben geblieben. Die mehrsten sind landein 
wärts gezogen, haben sich verirrt,' keine Wilden 
angetroffen und werden von Hunger und Kälte 
aufgerieben sein. Darunter war auch Paul 
Boyens. Gott sorge für die Witwe und ihre 
drei Kinder!" — „Paul Hayen, gestorben 1778, 
kam mit anderen im vorigen Jahre im Eis 
Verunglückten endlich in Stratenhoek an und 
starb." ' , :■ 
Dieses Unglück des Jahres 1777 muß einen 
unauslöschlichen Eindruck auf die Menschen 
gemacht haben, und zwar weit über Nordfries 
land hinaus,' denn keiner der vielen erschüt 
ternden Unglücksfälle, welche die nordfriesi 
schen Seeleute traf, ist so oft und so ausführ 
lich von den Zeitgenossen geschildert worden 
wie dieser. In keinen andern Berichten spürt 
man so stark und eindringlich die innere Er 
griffenheit über das Jahr 1777. Selbst die Ein 
tragungen in die Totenregister, die sich sonst 
auf die notwendigsten Daten beschränken, sind 
hier viel ausführlicher abgefaßt. Man steht 
unter dem Eindruck, als hätten die Geistlichen 
unter der Wucht dieser erschütternden Tragik 
sich eine Last von der Seele schreiben und, statt 
einer kurzen amtlichen Notiz, den Toten und 
Hinterbliebenen ihr tiesempfundes Mitgefühl 
aussprechen wollen. 
Waren jene Unglücklichen in der Mehrzahl 
Führer, so hatten auch die Amrumer und Hal 
ligfriesen und vor allem die Sylter Handels 
fahrer schwerste Verluste zu beklagen. Jürgen 
Batjers blieb im Eismeer, Jens Groot und 
Peter Geiken verloren ihre Schiffe im Katte- 
gatt, Knut Knuten strandete vor der Elbe, 
Teide Bleiken verlor Schiff und Leben bei 
Ameland, Peter Prott starb in Marseille, Hans 
Möller erlitt Schiffbruch bei Island, Bleik 
Ercken ging mit Schiff und Btannschaft bei 
Fanö unter, Peter Andresen strandete auf 
Anholt, Jacob Jappen ging mit Schiff und 
allem Volk an der französischen Küste unter, 
Bunde Hansen strandete im englischen Kanal 
usw. usw. Die Trauerbotschaften wollten kein 
Ende nehmen. 
Auch an den heimatlichen Ufern hielt der 
Tod reiche Ernte. Anhaltende Herbststürme 
rasten über die friesischen Eilande,' Strand und 
Sandbänke waren übersät mit Schiffstrüm 
mern und Leichen. Es gab in den Uthlanden 
kaum ein Haus, das der Tod verschonte. Es 
war dies Jahr 1777 ein Jahr der Trauer und 
der Tränen. 
Und dennoch, mochten Vater und Großvater 
den Seemannstoö gestorben sein, die Sühne 
und Enkel gingen doch zur See, und ihre see 
lenstarken Mütter ließen ihre Knaben unter 
dem Zwang vererbter Landessitte im Alter 
von 10—12 Jahren auf das wilde Meer hin 
ausziehen. Jenen Menschen war die Seefahrt 
geradezu ein gottgewicsener Beruf, der Erfolg 
gottgeschenktes Glück, der Untergang schicksal 
haft bestimmtes Los. In diesem Sinne setzte 
ein Führer Grönlandfahrer auf seinen Grab 
stein die Worte: 
Zur Seefahrt ich gerufen bin, 
Das dank ich Gott! 
Doch er, wie all die andern friesischen See 
leute, schöpften ihre Stärke und Seelenruhe 
aus der zuversichtlichen Hoffnung: Nach sturm* 
bewegter Lebensfahrt winkt dir des Hafens 
Stille. Darum fährt er fort: 
Doch steht mein Sinn 
Stets nach des Himmels Hasen hin. 
Tapfer leben und sieghaft sterben war diesen 
hartgeprüften Männern und ihren leiögeadel- 
ten Frauen, vor deren schlichter Seelengröße 
wir, ihre Nachkommen, uns in Ehrfurcht beu 
gen, des Lebens tiefster Sinn und aller Weis 
heit letzter Schluß. Wer so das Leben durch den 
vollen Einsatz des Lebens mutig bejahte, konnte 
nach ruheloser Lebensfahrt in dem Gefühk 
eines versöhnlichen Ausklangs auf seinen 
Grabstein schreiben: 
Im seligen Hafen des Himmels 
Liegt nun gesichert mein Schiff, 
Kein Sturm bedroht es mehr, 
Kein' Sturzsee, kein brandendes Riff. 
Ein Sarrg mn Ztem rmd Liebe 
Roma» von Leontine v. Winterfeld-Platen 
19) 
Nachdruck verboten. 
Seine stählernen Augen sehen 
scharf und tief, und zwischen seinen Brauen 
ist eine feine Falte, die von Entsagung und 
stillem Schmerz weiß. Seine stolzen Nasen 
flügel beben leise wie in verächtlicher Erwar 
tung dessen, was da kommen soll. Sein herber 
Mund ist fest geschlossen, als bisse er die Zähne 
aufeinander in Zorn und Grimm. Der Nacht 
wind hat ihm sein blondes Haar zerwühlt, 
denn sein Haupt ist unbedeckt. So steht er steil 
und wartet wie ein finsterer Fels aus seiner 
Heimat nordischem Gestein. 
Da teilt sich langsam der Purpurvorhang, 
und Julia tritt auf die Marmorschwelle mit 
ihrem goldenen Schuh. In schwarzen Wellen 
fluten ihr die gelösten Haare über die blenden 
den Schultern. Perlen sind darein verflochten 
von seltener Größe und Schönheit. Schneeweiß 
fließt ihr das Gewand über die Hüften, mit 
purpurroten Säumen verbrämt. Und ihre 
dunklen Augen leuchten in tiefem, feuchtem 
Glanz. 
Schweigend steht sie und kann sich nicht satt 
sehen an ihm. 
In seinem Angesicht zuckt keine Muskel. Er 
sagt nur ruhig — selbstverständlich: 
„Da bin ich, Fürstin." 
Sie tut einige Schritte näher zu ihm und 
preßt die Hände ineinander. 
„Das — das hätte ich nie gedacht!" 
Und dann kommt sie ganz dicht und ganz 
leise zu ihm. 
„Nicht war, du spürtest es im kalten Norden, 
wie süß der Süden ist? Da kamst du wieder 
zu mir?" 
Er schüttelt ruhig den Kopf. 
„Nein, Fürstin, darum nicht. Ich gab mein 
Wort." 
Sie lächelt. 
„Es ist ja auch ganz gleich, weshalb du 
kamst, o Nordlandsgreif. Wenn du nur wie 
der hier bist! Denn ich war krank vor Sehn 
sucht nach dir." 
Er sieht über sie sort. 
„Ich denke, du wolltest mich töten lassen?" 
Da greift sie nach seiner großen, herabhän 
genden Hand und legt sie schmeichelnd an ihre 
Wange. 
„O, sprich nicht so, du Wilder, Großer du! 
Du weißt wohl, was Julia fühlt für dich. O, 
sag mir ein weiches, liebes Wort, und du sollst 
es besser haben als der Fürst von Sizilien 
selber." 
Langsam zieht er seine Hand aus der ihrigen 
und tritt einen Schritt zurück. 
„Wir Nordmänner haben nicht gelernt, mit 
Frauen zu spielen wie mit jungen Katzen. Hei 
lig und unantastbar ist uns das Weib. Und 
hat unsere Seele die eine erkannt, der wir an 
gehören bis in den Tod, so hat keine andere 
mehr Raum daneben." — 
Julia wird blaß bis in die Lippen. Sie tau 
melt. Denn sie sieht, ihre Kunst ist hier am 
Ende. 
Aber sie will, sie darf nicht unterliegen. Das 
hat sie noch nie getan einem Mann gegen 
über. 
Steil richtet sie sich auf und tritt in die Mitte 
der Halle zurück. 
Und ruft mit einer Stimme, die wie Eis zu 
splittern scheint, nach ihren Sklaven. Und fragt 
kurz und rauh: 
„Wieviele Nordmünner kamen mit ihm?" 
Der erste Sklave kreuzt die Arme über der 
Brust. 
„Die vier, die mit ihm ausgefahren, Für 
stin. Der Finstere, der sich Helge nannte, und 
der grimmige Greis flohen ja damals." 
Der zweite Sklave schüttelt den Kopf. 
„Nein, Fürstin, noch einen sah mein Auge, 
der zuvor nicht mit dabei gewesen. Als soeben 
die Männer an Land gingen, glitt zwischen 
ihnen durch, aus dunklem Schiffsraum, noch 
ein feiner Knabe. Der kann nur mit ihnen ge 
kommen sein aus Nordland." 
Langsam wendet Olaf den Kopf. 
„Ein Knabe? Mit uns? Du träumst wohl, 
Meerkatze?" 
Mehrere Sklaven drängen sich vor und rufen 
durcheinander:. 
„Nein, Nordlandsgreif, es ist so, wie er sagt. 
Es stieg ein feiner Knabe heimlich und pfeil 
geschwind vorhin vom Bordrand, just, als -hr 
landetet. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, 
denn die Dunkelheit war groß am Hafen und 
das Gedränge." 
Olaf schüttelt sinnend den Kopf. 
„Das scheint mir rätselhaft, dieweil wir 
nirgends landeten auf unserer Fahrt." 
Julia rafft sich zusammen und versucht zu 
lachen. 
„Ein sonderbarer Knabe fürwahr! Den muß 
ich sehen. Wo ist er geblieben?" 
Die Sklaven zucken die Achseln. 
„Niemand weiß es, Fürstin, er ist uns ent 
glitten." 
Julia stampft mit dem goldbeschuhten Fuß. 
„So sucht nach ihm, bis ihr ihn findet. Habt 
ihr ihn in drei Stunden nicht gefunden, so 
lasse ich euch alle auspeitschen. Ihr könnt jetzt 
gehen." 
Olaf wendet sich um. 
„Und was soll ich, Fürstin?" 
Sie tritt dicht heran zu ihm und sieht ihm in 
die Augen. 
„Du gehst jetzt auch. Du bist mein Gefan 
gener, mit dem ich spielen will. Und wirst 
mein König, wenn du Julias Schönheit siehst." 
Da wendet er sich kurz ab und folgt den 
Sklaven aus der hohen Marmorhalle nach 
draußen. 
Ganz still steht Julia und sieht ihm nach, 
bis seine hohe Gestalt im Dämmer des Pal 
mengartens verschwindet. Dann preßt sie die 
Hände auf die wogende Brust und ballt sie 
langsam zu Fäusten. 
„Ach, wozu, ihr Götter, gebt ihr uns das 
Leben? Es ist so schal und leer und freuden 
los!" 
Und sic setzt sich schwer und müde auf ihr 
Ruhebett und schlägt die Hände vor das Gesicht. 
Im matten Schein der Ampel glänzen die Per 
len in ihrem Haar wie Tränen. Die breiten, 
goldenen Ringe an ihren Armen klirren und 
funkeln und der betäubende Duft der Oran 
genblüten schwingt zwischen den Marmor 
säulen. 
Jetzt hebt sie jäh den Kopf. Einen leisen, 
leichten Schritt hört sie die Marmorstufen 
herauskommen vom Garten. Und sie ries doch 
„Weil ich für Olafs Leben bitten wollte. 
Oder sterben mit ihm." 
Julia sieht scharf zu dem fremden Knabe» 
herüber. 
„Wer sagt dir, daß er sterben soll?" 
Der andere lächelt traurig. 
„Ob tot oder gefangen, es ist für ihn das 
selbe." 
Langsam steht Julia auf und kommt näher. 
„Du bist ein feiner Knabe. Sind alle so treu 
bei euch daheim?" 
„Nordland ist der Treue Insel, Fürstin?" 
„Und liebst du denn Aung-Olaf so?" 
Da geht es wie Himmelslicht über das bleicht 
verhärmte Angesicht des fremden Fisches 
knaben. 
niemand? Eine feine, weiße Hand schiebt sich 
schüchtern durch den Purpurvorhang. Und eine 
Gestalt im ärmlichen, grauen Fischergewand 
tritt in die Halle. 
Julia starrt den Fremdling an wie einen 
Geist. 
„Bist du der fremde Fischerknabe aus dem 
Nordland? Was willst du hier?" 
Aus bloßen, zarten Füßen gleitet der Fremde 
über die Schwelle. In seinem weißen Gesicht 
lein stehen wie zwei große, blaue Sterne die 
fragenden, flehenden Augen. Eine grobe Kappe 
deckt über und über das blonde Haar. Bittend 
legt er die Hände ineinander und fragt mit 
leiser, scheuer Stimme: 
„Bist du die Herrin dieses Landes?" 
Julia nickte. Es ist plötzlich eine seltsame 
Unruhe in ihr, die sie sich nicht zu deuten 
weiß. 
Und herrisch fragte sie: 
„Wer bist du? Und wo kommst du her?" 
Der Knabe schlägt die Augen voll auf zu 
ihr. 
„Vom Nordland komme ich. Aus Prinz 
Olafs Schiss." 
Julias Finger spielen zitternd mit dew 
Pfauenwedel, um ihre Unruhe zu verbergen. 
„Ich dachte es mir schon. Man sieht es deinen 
Augen an, daß du von Norden kommst. Warum 
denn fuhrst du so heimlich mit? Der Nord 
landsgreif hat nichts gewußt von dir." 
In die blauen Augen steigen langsam große 
Tränen. 
Nr. 
gest 
Uni 
ich 
GŞ 
auf 
die 
Dic 
Na. 
har 
ma 
Nei 
£ 
ter 
Leb 
3 
im 
der 
Gr 
des 
I 
gla 
ins 
3Li 
heb 
deg 
Ba 
den 
V 
vor 
Ha 
wa 
dev 
ein 
wa 
kör 
Eir 
schi 
Zei 
Bst 
ble 
Va 
übc 
Dl 
Gen 
Haa 
Nes 
in u 
Ntit 
der. 
liebt 
erste 
Unb> 
Tag 
Ncate 
»Die 
auf i 
ick. 
dar 
öiij 
de 
wa 
Mi 
5 
sän 
ol 
Ju 
Do 
Ne: 
un 
Tr 
Sck 
An 
Dy 
wy 
He 
Me 
sä: 
ger 
het 
ut. 
vc 
Hu 
Me 
(Fortsetzung solgt.s 
ho, 
en 
Ja 
tie 
kri 
rie 
de 
3B, 
an
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.