Erloschene
Dem Mimen flicht bekanntlich die Nachwelt
keine Kränze — aber noch vergeßlicher ist die
Mitwelt, wenn es sich um seinen Kollegen
vom Film handelt. Ein amerikanischer Jour
nalist hat sich die Mühe gemacht, dem Schick
sal der noch vor wenigen Jahren weltbekann
ten und berühmten Stars nachzugehen, von
denen heute nicht mehr die Rede ist. Welche
Beliebtheit genoß beispielsweise Constance
Talmadge, eine der berühmten Filmschwe
stern! Heute ist sie eine Mrs. Netcher und geht
als Hausfrau in Heim und Wirtschaft auf.
vshre Schwester Norma, ebenfalls verheiratet,
findet gelegentlich zu ihrer ersten Liebe, der
Sprechbühne, zurück. Die beiden Schwestern
Lilian und Dorothy Gish sind ganz zum The
ater zurückgekehrt und ständig am Boaadwrn
Lu sehen. Einer der Lieblinge des Filmpubli
kums, Corinne Griffith, die „göttliche Corin-
ve", hat den Filmindustriellen Morosco ge
heiratet und ist nebenbei eine überaus erfolg
reiche Häuser- und Grundstücksspekulantin
geworden, was nach ihrer von Backfischen bei
derlei Geschlechts für romantisch gehaltenen
Vergangenheit kein Mensch der schönen Frau
Zugetraut hätte. Die männlichen Filmstars
scheinen nicht so gut abzuschneiden. William
Haines, in Europa weniger bekannt als drü
ben, hat sich rechtzeitig zurückgezogen und be
treibt in Hollywood eine gutgehende Möbel
fabrik, die natürlich das Monopol in der Be
lieferung der Bewohner von Beverly Hills
hat. Ramon Novarro versucht, nach einer nicht
sehr erfolgreichen Gastspielreise in Europa in
England als Filmhersteller festen Fuß zu
fassen. Antonio Moreno unternimmt das
gleiche in Spanien. Harry Benham, als erster
Partner der mittlerweile ebenfalls vergesse
nen Marion Davies, verwaltet eine beschei
dene Tankstelle. Ein schlimmes Ende haben die
Moores genommen. Owen Moore, der sich
»rühmen" konnte, die achtzehnjährige Mary
Pickford entführt zu haben, und darauf seinen
Hilmruhm gründen konnte, ist tot. Tom ist
verschollen, und Matt Moore, noch vor weni
gen Jahren ein sieggewöhnter Schauspieler,
kebt in drückendster Armut. Die anderen fin
den sich schlecht und recht mit ihrem Sturz ab,
an dem der Tonfilm, die Unersättlichkeit des
stets nach Neuem lüsternen amerikanischen
mlmpublikums und wohl auch die eigene Un
zulänglichkeit schuld sind,' sie sind zufrieden,
gelegentlich eine kleine Nolle zu bekommen,
Und träumen im übrigen davon, eines Tages
wieder einen Namen zu haben.
Seltsame Naturerscheinungen
Wenn auch der kahle, mit gewaltigen Gra-
vitblöcken übersäte Scheitel des Brockens etwas
ganz Besonderes in der Bergwelt des Harzes
Und der aus der norddeutschen Tiefebene über
haupt hervorragenden Gebirgserhebungen
darstellt, so würde ihn der deutsche Bolks-
129. Jahrgang 31 r. 103
5uv Unterhaltung
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Montag, den 4. Mai 1930
Sein letztes Lied
Erlebnis einer Birkhahnbalz.
Bon Hermann Huttel.
Wo es im Wietingmoor mit dem alten Hcide-
^g zu Ende ist, habe ich mir einen kreisrun
den Erdschirm gegraben, ihn mit Heidebulten
vud Torfsoden umschichtet und frisches Birken-
övün ringsum gesteckt, so daß mich sogar der
habichtäugige Schäfer nicht sah, als er vorhin
blit seinen wolligen Heidschnucken ganz dicht
du mir vorüberzog.
^ Auf einem weichen, wulstigen Heidebulten
utze ich, habe die Büchse gegen mein Knie ge
ahnt und warte auf die Balz der schwarz-
^eiß-roten Birkhähne, von denen mir heute
stärkste seine Sichelfeder geben soll. Ueber
leuchtet die lichtgrüne Laube des jungen
^rkengrüns, blau lacht der wolkenlose Him-
^al durch das grüne Gezweig herein. Ein
Vaar Brachvögel streichen durch die glasblaue
^uft, verwegene Kiebitze gaukeln über den
^sdschirm hinweg, und drüben im grünweißen
^lrkenbruch ruft der Kuckuck nach seinem
'chernden Weibchen. Jenseits des alten Heide-
wo im braunen Kraut das erste Grün
regt, hoppeln zwei Hasen.
Das alles sehe ich —und noch viel, viel
Ehr: die drei Rehe, die quer durch die Heide
Ķr Feldmark ziehen, und den Bussard, der
?^uz nahe auf dem hohen Torfhaufen aufge-
r, ockt ist und das Gewölle seines letzten Fra-
^ würgend von sich gibt. Erleichtert breitet
Beut schwingen und streicht nach neuer
^Langsam neigt sich die Sonne den fernen
x: ^gen zu. Seltsam, — noch kullert nirgends
n Hahn . ..
wach, halb träumend schaue ich einer
Zurücke zu. Die Lerchen trillern ihr
Filmsterne
glaube doch wohl nicht zum Schauplatz von
Hexentänzen und anderen spukhaften Erschei
nungen gemacht haben, wenn dort nicht zu
weilen eine Naturerscheinung zu beobachten
wäre, die selbst für die Gelehrten lange Zeit
ein Rätsel war, und in der die große Masse des
Volkes etwas höchst Unnatürliches, auf böse
Geister Zurückzuführendes erblickte. Unter
dem Brockengespenst versteht der Physiker ein
Nebelbild, das wohl geeignet ist, den Neuling
im ersten Augenblick in Schrecken zu versetzen.
Plötzlich taucht es vor dem Wanderer auf,
wenn er auf hohem Bergesgipfel, bald nach
Aufgang der Sonne, diese im Rücken und eine
aus dem Tal aufgestiegene Nebelbank vor sich
hat. Auf dieser tritt dann eine scharf umschnit-
tene menschliche Figur von riesenhafter Größe
als Schattenbild oder Silhouette seiner eige
nen Person hervor. Sehr häufig ist es von
einem einfachen oder doppelten Lichtring um
geben.
Bis in die neuere Zeit hinein glaubte man,
daß diese seltsame Naturerscheinung auf den
Brocken beschränkt sei. Der Astronom Flam-
marion beobachtete sie jedoch vor etwa 50 Jah
ren auch von einem iiber 1000 Meter hoch
schwebenden Luftballon. Später erblickten sie
auch der englische Forschungsreisende Forbes
auf dem Gipfel des 2500 Meter hohen Vulkans
Dempo im Süden von Sumatra und Holdish
auf dem Berge Omi an der Grenze von China
und Tibet. Dort wollte das Volk in dem selt
samen Phänomen den großen Religionsstifter
Buddha sehen, wie er im Nebel zu dem heili
gen Berg wanderte. In hervorragend schöner
Ausbildung sah Professor Fennemann ein
derartiges Nebelbild auf dem Gipfel des
Green Mountain im nordamerikanischen
Staate Colorado,' von einem roten und einem
blauweißen Ring umgeben hob es sich dort auf
laveuöelblauem Hintergrund ab. Der Verfas
ser selbst beobachtete einmal im Zuiöergebirge
auf Java eine ähnliche physikalische Erschei
nung. Kurz vor Aufgang der Sonne war zu
sehen, wie sich der Gipfel des Vulkans Seiner»,
des höchsten Berges im ganzen Indischen Ar
chipel, auf einer vom Meeresufer aufsteigen
den Nebelwand in riesenhaften Ausmessungen
mit allen Einzelheiten seines Umrisses wider
spiegelte.
Bunte Wett
Der Schnelligkeitsrekord eines Elefanten.
Von einer erstaunlichen Marschleistung, die
ein Elefant vollbrachte, wissen die Londoner
Blätter zu berichten. In Hazaribagh (In
dien) war eine Frau von einer giftigen
Schlange gebissen worden. Auf der ziemlich
abgelegenen Siedlung fehlte es an geeigneten
Mitteln, die Lebensgefahr für die Patientin
abzuwenden,' die nächste Stadt lag 136 Km.
weit entfernt. In dieser bedrängten Lage be
stieg der Ehemann einen Elefanten, den er zu
höchster Geschwindigkeit antrieb. In der Tat
gelang es ihm, die Strecke in drei Stunden
zurückzulegen,' der Elefant hat also eine
Stundengeschwindigkeit von 45 Km. erreicht.
In der Stadt angelangt, eilte der Mann so
fort zum Krankenhaus, wo er sich ein geeigne
tes Serum verabreichen ließ, mietete sich einen
Kraftwagen und eilte zurück an das Kranken
bett seiner Frau, die er noch im letzten Augen
blick vom Tode retten konnte.
Der erste vollständige Pharaonenpalast.
Daß im Niltal auch heute noch archäologische
Funde von größerer Bedeutung möglich sind,
beweist das Ergebnis der Ausgrabungen, die
das orientalische Institut von Chicago in
Theben vornehmen ließ. Es gelang dabei, zum
erstenmal den Palast eines Pharao vollständ-
dig auszugraben.
Krach um Jolanthe.
Auf einem Pariser Telegraphenamt herrsch
te neulich große Aufregung. Aus Lourdes war
ein Telegramm an einen Pariser Arzt ein
getroffen mit folgendem Inhalt: „Warum
keine Nachricht? Soll Minister geschlachtet
werden?" Man erwog schon Schritte gegen
den Empfänger des Telegramms, erkundigte
sich aber vorsichtshalber erst in Lourdes und
erfuhr, daß die Depesche von der Mutter des
Arztes aufgegeben war. Dabei stellte sich auch
zur Beruhigung der Behörden heraus, daß
die gute Hausfrau durchaus keine bösen Ab
sichten hatte. „Minister" ist nämlich in dieser
Gegend die übliche Bezeichnung für das . . .
Schwein. Und die Mutter wollte ihren Sohn
fragen, ob es nun an der Zeit sei, ihr
Schwein zu schlachten.
Schadenersatz wegen eines Justizmordes
vor 200 Jahren.
Vor 200 Jahren war ein Kaufmann aus
Madrid, ein gewisser Gomez, des Kirchenrau
bes angeklagt und, obwohl er während des
Prozesses nicht müde wurde, seine Unschuld
zu beteuern, nach dem geltenden Gesetz zum
Tode verurteilt. In der Familie des Hinge
richteten hat man sich nun darüber nicht be
ruhigen können, und jetzt, nach 200 Jahren,
scheint die Stunde zur Rehabilierung des
Ahnherrn geschlagen zu haben. Ein Nachkom
me des Gomez behauptet, Dokumente gefun
den zu haben, aus denen hervorgeht, daß je
nes Todesurteil ein Justizmord gewesen sei,
und die Familie hat daraufhin den spanischen
Staat auf Schadenersatz verklagt.
In dem Prachtschiff Kaiser Caligulas, das
nach etwa 1900 Jahren aus dem Nemisee ge
hoben wurde, waren die Nägel aus reinem
Kupfer und so gut erhalten, daß sie noch heute
verwendbar sind.
Schach i« Rendsburg
Geleitet von C. Hinz, Rendsburg.
Schachnachrichte«: Rendsburger Schachklub von 1895.
Spiellokal: Haus des Arbeitervereins von 1848, Kanzlei
straße.
Spieltage: Dienstagabends 29.15 Uhr. Sonntagmorgens
sab 9 Uhr freier Schachvcrkehr), Schachfreunde sind an
beiden Spieltagen willkommen.
Am letzten Sonntag wurden 2 Turnierpunkte von
Riedel und Hinz in der ersten Gruppe erzielt. Groth
führte gegen Hinz die weißen Figuren. Schon in der
Eröffnung verließ Weiß die Pfade der Theorie. Dies
kostete ihn im Mittelspiel drei Zentrumsbauern und
später die Partie. Da Nölle zu seinem Kampfe nicht er
schien, gewann Riedel seine Partie kampflos. In der
zweiten Gruppe gewann Kock gegen Ratjen überlegen.
Am Dienstag wurden in der zweiten Gruppe
3 Kämpfe ausgetragen. Möller hatte eine» leichten Ge
winn gegen Kock. Brommann mußte gegen Gabriel die
Waffen strecken. Kock konnte im 31. Zuge seinen Geg
ner Bagge zur Aufgabe zwingen.
Am Donnerstagabend wurden zwei Spiele der ersten
Gruppe vcrabredungsgemäß im Cafe Albert absolviert.
Nölle konnte nach einem sehr hartnäckigen Ringen sei
nen spielstarken Gegner Joerges in die Knie zwingen.
Während Groth, welcher scheinbar in diesem Turnier
einen schlechten Start Hat, eine Packung von Zettler
entgegennehmen mutzte.
In dem Bericht vom Sonnabend, dem 25. April, ist
mir durch verkehrte Zustellung der Ergebnisse ein Feh
ler unterlaufen. Das Spiel Müller—Brommann ist
nicht von Müller, sondern von Brommann gewonnen.
Der erste Vortragsabend für Fortgeschrittene fand
Dienstag statt. Es wurde die Erösfnungslehre behan
delt. Anschließend spielte der Lehrer im Reihenspiel ge
gen seine Schüler. Die Lehrweise löste bei den Teil
nehmern großes Interesse und Freude aus. Da an je
dem Nnterrichtsabend die Themen kurz wiederholt wer
den, können während der Unterrichtsfolge neue Inter
essenten zukommen.
Sonntag, den 10. Mai, findet das Freunbschaftsrück-
spiel gegen den Eckernförder Klub am Vor- und Nach
mittag in unserm Spiellokal statt. Es ist mit einem
Siege unserer Rendsburger Mannschaft zu rechnen.
Für unsere Löser bringe ich heute einen Zweizüger
von Greenaae.
Problem v. H. Greenaae.
Nr. 7.
Weiß zieht und setzt in 2 Zügen matt.
Zuschriften und Lösungen sind einzusenden an den
Rendsburger Schachklub, Hatzs des Arbeitervereins,
Kanzleistraße. Lösungsfrist 14 Tage. Lösungsbekannt
gabe in 3 Wochen.
Abendlied, die Enten in den Torflöchern
werden munter, aus der struppigen Krone
der einsamen Föhre läßt der Pirol seinen
herrlichen Ruf erschallen.
Aber ganz plötzlich ist dies alles um mich her
vergessen und versunken. All mein Sinnen
und Trachten gilt jetzt nur noch dem kullern
den Hahn, dessen wilder Balzgesang irgend
wo in der braunen Heide aufgeklungen ist.
Und horch! ... ein zweiter Hahn mischt sich
ein, ein dritter, ein vierter . . . bald ist die
ganze Heide zu einem einzigen Liebeslied der
schwarz-weiß-roten Minnesänger geworden.
Aber noch ist keiner von ihnen zu erspähen.
Noch hält sie die Heide in ihrer braunen Hut.
Doch sieh! . . . drüben bei der großen Bulte
blitzt es plötzlich schneeweiß auf! Die weißen
Spielfedern eines rodelnden Hahns! . . .
Wild faucht und zischt der schwarze Gesell,
spreizt das bunte Gefieder, wirft sich keck in
die Luft, schlägt ein lustiges Rad, rodelt und
schleift, kullert und faucht, verhält dann ganz
plötzlich . . . und rennt wie besessen auf den
Nebenbuhler los, der jäh vor ihm eingefallen
ist und dem Kampfe nicht ausweicht, sondern
mit weit gefächertem Spiel und schräg ins
Kraut gespreizten Schwingen sich dem Angriff
stellt.
Rot glühen die Rosen der beiden Hähne
über den blitzenden Augen, blau schillern die
schwarzen Federpanzer und weiß leuchten die
Spiegelfedern am zornig gefächerten Stoß.
Ein giftiges Gezisch und Gefauche fährt über
die Heide, die wild gesträubten Hälse senken
sich — und jäh wie ein Märzsturm fahren die
tollen Gesellen aufeinander los, schmettern
sich die schwarz-weißen Schwingen um die
struppigen Hälse, schlagen einander die Sporen
ins stiebende Gefieder, lassen kraftsammelnd
ab, ducken die Hälse ins Kraut, fauchen und
zischen immer wilder und giftiger, sträuben
immer zorniger die Kragen und prallen aber
mals zusammen, daß die beiden Körper wie
bunte Bälle in die Luft schnellen und die
Federn fliegen, als fahre ein wüster Sturm
wind durch buntes Laub . . .
„Gruck! . . . klagt auf einmal der eine und
hat genug.
Hastig rennt er zwischen den krautigen
Bülten nach dem Birkenbruch hinüber, wo
das Riedgras und das Wollgras leuchten.
Aber der alte ist hart hinter ihm. Die braun
und golden schimmernden Hennen, die dicht
am Birkenbruch die Köpfe recken, gehören nur
ihm ganz allein und keinem andern! Mit
einem halben Siege gibt er sich nicht zufrieden.
Ganz und gar muß der andere den Balzplatz
räumen, sonst setzt es neue Hiebe. Mächtig
bringt er den flüchtigen Rivalen auf den
Schwung. Schon will er sich zum dritten Male
auf ihn stürzen, — da breitet der andere
angstvoll die Schwingen und reitet ab. Im Nu
ist er verstrichen.
Der alte Platzhahn aber reckt stolz den blau
schillernden Kragen und kullert über die Heide
sein wildes Siegeslied! . . .
Und dann balzt er sich näher an den alten
Heideweg heran, — immer näher. Nun steht
er mitten auf dem Moorweg und frohlockt der
sinkenden Sonne seinen urigen Sang entge
gen. Das glutrote Tagesgestirn aber schmückt
das prächtige Wams des Siegers mit funkeln
dem Gold und blitzenden Diamanten . . .
Das Korn meines Drillings hat längst sein
Ziel gefaßt, ... ein Fingerdruck — ein jä
her Knall, und leblos kippt der alte Hahn ins
Heidekraut. Das Blei ging mitten durch sein
heißes Herz. Im Hochgefühl der Liebe und
des Sieges leidlos umzukippen — welch schö
neren Tod kann es geben?
Wenig später schmückt eine schwarze Sichel
feder meinen grünen Hut.
Frauen-Anekdoten
Das Schreckmittel.
Die Gräfin Schwettau, Hofdame am Hofe
Königs August des Starken, eine sehr reiche,
aber ebenso geizige Dame, die sich nur sehr
schwer von ihrem Gelde trennen konnte, hatte
sich vom Dresdener Hofzahnarzt Schubert ein
neues Gebiß machen lassen. Nachdem die Lie
ferung prompt erfolgt war, sandte er die Rech
nung, ohne prompte Zahlung zu erhalten. Spä
ter ließ er sie noch mehrere Male präsentieren,
aber immer zog sich die Zahlung aus den fa
denscheinigsten Vorwänden hin. Da riß dem
Zahnarzt endlich die Geduld und er sandte der
zahlungsunlustigen Gräfin einen Brief. Sie
öffnete ihn neugierig und heraus fiel ein Zei
tungsausschnitt folgenden Inhalts:
„Ein neues Gebiß ist billig zu verkaufen.
Täglich zu sehen im Munde der Gräfin
Schwettau."
Noch in derselben Stunde hatte der Hofzahn
arzt sein Geld.
Das Nähzeug im Kirschkern.
Im Jahre 1835 machte der Uhrmacher Löff
ler in Wien der Kaiserin Karolina ein kleines
Kunstwerk zum Geschenk, das die höchste Be
wunderung aller, die es sahen, hervorrief. In
einem natürlichen, mit Schloß und Haspen
versehenen Kirschkern befand sich nämlich ein
vollkommenes Damennähzeug: Eine Schere,
ein Nadelbüchschen mit drei Nähnadeln, ein
Taschenmesser mit goldenem Griff, ein Zwirn
wickel und ein Fingerhut aus Gold.
Der Kern wurde mittels eines goldenen
Schlüssels, in dessen Bart der Name der Kai
serin durchbrochen zu lesen war und welcher
an dem Kerne durch die feinste zierlichste Ve-
netianerkette befestigt war, geöffnet.