Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Erloschene 
Dem Mimen flicht bekanntlich die Nachwelt 
keine Kränze — aber noch vergeßlicher ist die 
Mitwelt, wenn es sich um seinen Kollegen 
vom Film handelt. Ein amerikanischer Jour 
nalist hat sich die Mühe gemacht, dem Schick 
sal der noch vor wenigen Jahren weltbekann 
ten und berühmten Stars nachzugehen, von 
denen heute nicht mehr die Rede ist. Welche 
Beliebtheit genoß beispielsweise Constance 
Talmadge, eine der berühmten Filmschwe 
stern! Heute ist sie eine Mrs. Netcher und geht 
als Hausfrau in Heim und Wirtschaft auf. 
vshre Schwester Norma, ebenfalls verheiratet, 
findet gelegentlich zu ihrer ersten Liebe, der 
Sprechbühne, zurück. Die beiden Schwestern 
Lilian und Dorothy Gish sind ganz zum The 
ater zurückgekehrt und ständig am Boaadwrn 
Lu sehen. Einer der Lieblinge des Filmpubli 
kums, Corinne Griffith, die „göttliche Corin- 
ve", hat den Filmindustriellen Morosco ge 
heiratet und ist nebenbei eine überaus erfolg 
reiche Häuser- und Grundstücksspekulantin 
geworden, was nach ihrer von Backfischen bei 
derlei Geschlechts für romantisch gehaltenen 
Vergangenheit kein Mensch der schönen Frau 
Zugetraut hätte. Die männlichen Filmstars 
scheinen nicht so gut abzuschneiden. William 
Haines, in Europa weniger bekannt als drü 
ben, hat sich rechtzeitig zurückgezogen und be 
treibt in Hollywood eine gutgehende Möbel 
fabrik, die natürlich das Monopol in der Be 
lieferung der Bewohner von Beverly Hills 
hat. Ramon Novarro versucht, nach einer nicht 
sehr erfolgreichen Gastspielreise in Europa in 
England als Filmhersteller festen Fuß zu 
fassen. Antonio Moreno unternimmt das 
gleiche in Spanien. Harry Benham, als erster 
Partner der mittlerweile ebenfalls vergesse 
nen Marion Davies, verwaltet eine beschei 
dene Tankstelle. Ein schlimmes Ende haben die 
Moores genommen. Owen Moore, der sich 
»rühmen" konnte, die achtzehnjährige Mary 
Pickford entführt zu haben, und darauf seinen 
Hilmruhm gründen konnte, ist tot. Tom ist 
verschollen, und Matt Moore, noch vor weni 
gen Jahren ein sieggewöhnter Schauspieler, 
kebt in drückendster Armut. Die anderen fin 
den sich schlecht und recht mit ihrem Sturz ab, 
an dem der Tonfilm, die Unersättlichkeit des 
stets nach Neuem lüsternen amerikanischen 
mlmpublikums und wohl auch die eigene Un 
zulänglichkeit schuld sind,' sie sind zufrieden, 
gelegentlich eine kleine Nolle zu bekommen, 
Und träumen im übrigen davon, eines Tages 
wieder einen Namen zu haben. 
Seltsame Naturerscheinungen 
Wenn auch der kahle, mit gewaltigen Gra- 
vitblöcken übersäte Scheitel des Brockens etwas 
ganz Besonderes in der Bergwelt des Harzes 
Und der aus der norddeutschen Tiefebene über 
haupt hervorragenden Gebirgserhebungen 
darstellt, so würde ihn der deutsche Bolks- 
129. Jahrgang 31 r. 103 
5uv Unterhaltung 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Montag, den 4. Mai 1930 
Sein letztes Lied 
Erlebnis einer Birkhahnbalz. 
Bon Hermann Huttel. 
Wo es im Wietingmoor mit dem alten Hcide- 
^g zu Ende ist, habe ich mir einen kreisrun 
den Erdschirm gegraben, ihn mit Heidebulten 
vud Torfsoden umschichtet und frisches Birken- 
övün ringsum gesteckt, so daß mich sogar der 
habichtäugige Schäfer nicht sah, als er vorhin 
blit seinen wolligen Heidschnucken ganz dicht 
du mir vorüberzog. 
^ Auf einem weichen, wulstigen Heidebulten 
utze ich, habe die Büchse gegen mein Knie ge 
ahnt und warte auf die Balz der schwarz- 
^eiß-roten Birkhähne, von denen mir heute 
stärkste seine Sichelfeder geben soll. Ueber 
leuchtet die lichtgrüne Laube des jungen 
^rkengrüns, blau lacht der wolkenlose Him- 
^al durch das grüne Gezweig herein. Ein 
Vaar Brachvögel streichen durch die glasblaue 
^uft, verwegene Kiebitze gaukeln über den 
^sdschirm hinweg, und drüben im grünweißen 
^lrkenbruch ruft der Kuckuck nach seinem 
'chernden Weibchen. Jenseits des alten Heide- 
wo im braunen Kraut das erste Grün 
regt, hoppeln zwei Hasen. 
Das alles sehe ich —und noch viel, viel 
Ehr: die drei Rehe, die quer durch die Heide 
Ķr Feldmark ziehen, und den Bussard, der 
?^uz nahe auf dem hohen Torfhaufen aufge- 
r, ockt ist und das Gewölle seines letzten Fra- 
^ würgend von sich gibt. Erleichtert breitet 
Beut schwingen und streicht nach neuer 
^Langsam neigt sich die Sonne den fernen 
x: ^gen zu. Seltsam, — noch kullert nirgends 
n Hahn . .. 
wach, halb träumend schaue ich einer 
Zurücke zu. Die Lerchen trillern ihr 
Filmsterne 
glaube doch wohl nicht zum Schauplatz von 
Hexentänzen und anderen spukhaften Erschei 
nungen gemacht haben, wenn dort nicht zu 
weilen eine Naturerscheinung zu beobachten 
wäre, die selbst für die Gelehrten lange Zeit 
ein Rätsel war, und in der die große Masse des 
Volkes etwas höchst Unnatürliches, auf böse 
Geister Zurückzuführendes erblickte. Unter 
dem Brockengespenst versteht der Physiker ein 
Nebelbild, das wohl geeignet ist, den Neuling 
im ersten Augenblick in Schrecken zu versetzen. 
Plötzlich taucht es vor dem Wanderer auf, 
wenn er auf hohem Bergesgipfel, bald nach 
Aufgang der Sonne, diese im Rücken und eine 
aus dem Tal aufgestiegene Nebelbank vor sich 
hat. Auf dieser tritt dann eine scharf umschnit- 
tene menschliche Figur von riesenhafter Größe 
als Schattenbild oder Silhouette seiner eige 
nen Person hervor. Sehr häufig ist es von 
einem einfachen oder doppelten Lichtring um 
geben. 
Bis in die neuere Zeit hinein glaubte man, 
daß diese seltsame Naturerscheinung auf den 
Brocken beschränkt sei. Der Astronom Flam- 
marion beobachtete sie jedoch vor etwa 50 Jah 
ren auch von einem iiber 1000 Meter hoch 
schwebenden Luftballon. Später erblickten sie 
auch der englische Forschungsreisende Forbes 
auf dem Gipfel des 2500 Meter hohen Vulkans 
Dempo im Süden von Sumatra und Holdish 
auf dem Berge Omi an der Grenze von China 
und Tibet. Dort wollte das Volk in dem selt 
samen Phänomen den großen Religionsstifter 
Buddha sehen, wie er im Nebel zu dem heili 
gen Berg wanderte. In hervorragend schöner 
Ausbildung sah Professor Fennemann ein 
derartiges Nebelbild auf dem Gipfel des 
Green Mountain im nordamerikanischen 
Staate Colorado,' von einem roten und einem 
blauweißen Ring umgeben hob es sich dort auf 
laveuöelblauem Hintergrund ab. Der Verfas 
ser selbst beobachtete einmal im Zuiöergebirge 
auf Java eine ähnliche physikalische Erschei 
nung. Kurz vor Aufgang der Sonne war zu 
sehen, wie sich der Gipfel des Vulkans Seiner», 
des höchsten Berges im ganzen Indischen Ar 
chipel, auf einer vom Meeresufer aufsteigen 
den Nebelwand in riesenhaften Ausmessungen 
mit allen Einzelheiten seines Umrisses wider 
spiegelte. 
Bunte Wett 
Der Schnelligkeitsrekord eines Elefanten. 
Von einer erstaunlichen Marschleistung, die 
ein Elefant vollbrachte, wissen die Londoner 
Blätter zu berichten. In Hazaribagh (In 
dien) war eine Frau von einer giftigen 
Schlange gebissen worden. Auf der ziemlich 
abgelegenen Siedlung fehlte es an geeigneten 
Mitteln, die Lebensgefahr für die Patientin 
abzuwenden,' die nächste Stadt lag 136 Km. 
weit entfernt. In dieser bedrängten Lage be 
stieg der Ehemann einen Elefanten, den er zu 
höchster Geschwindigkeit antrieb. In der Tat 
gelang es ihm, die Strecke in drei Stunden 
zurückzulegen,' der Elefant hat also eine 
Stundengeschwindigkeit von 45 Km. erreicht. 
In der Stadt angelangt, eilte der Mann so 
fort zum Krankenhaus, wo er sich ein geeigne 
tes Serum verabreichen ließ, mietete sich einen 
Kraftwagen und eilte zurück an das Kranken 
bett seiner Frau, die er noch im letzten Augen 
blick vom Tode retten konnte. 
Der erste vollständige Pharaonenpalast. 
Daß im Niltal auch heute noch archäologische 
Funde von größerer Bedeutung möglich sind, 
beweist das Ergebnis der Ausgrabungen, die 
das orientalische Institut von Chicago in 
Theben vornehmen ließ. Es gelang dabei, zum 
erstenmal den Palast eines Pharao vollständ- 
dig auszugraben. 
Krach um Jolanthe. 
Auf einem Pariser Telegraphenamt herrsch 
te neulich große Aufregung. Aus Lourdes war 
ein Telegramm an einen Pariser Arzt ein 
getroffen mit folgendem Inhalt: „Warum 
keine Nachricht? Soll Minister geschlachtet 
werden?" Man erwog schon Schritte gegen 
den Empfänger des Telegramms, erkundigte 
sich aber vorsichtshalber erst in Lourdes und 
erfuhr, daß die Depesche von der Mutter des 
Arztes aufgegeben war. Dabei stellte sich auch 
zur Beruhigung der Behörden heraus, daß 
die gute Hausfrau durchaus keine bösen Ab 
sichten hatte. „Minister" ist nämlich in dieser 
Gegend die übliche Bezeichnung für das . . . 
Schwein. Und die Mutter wollte ihren Sohn 
fragen, ob es nun an der Zeit sei, ihr 
Schwein zu schlachten. 
Schadenersatz wegen eines Justizmordes 
vor 200 Jahren. 
Vor 200 Jahren war ein Kaufmann aus 
Madrid, ein gewisser Gomez, des Kirchenrau 
bes angeklagt und, obwohl er während des 
Prozesses nicht müde wurde, seine Unschuld 
zu beteuern, nach dem geltenden Gesetz zum 
Tode verurteilt. In der Familie des Hinge 
richteten hat man sich nun darüber nicht be 
ruhigen können, und jetzt, nach 200 Jahren, 
scheint die Stunde zur Rehabilierung des 
Ahnherrn geschlagen zu haben. Ein Nachkom 
me des Gomez behauptet, Dokumente gefun 
den zu haben, aus denen hervorgeht, daß je 
nes Todesurteil ein Justizmord gewesen sei, 
und die Familie hat daraufhin den spanischen 
Staat auf Schadenersatz verklagt. 
In dem Prachtschiff Kaiser Caligulas, das 
nach etwa 1900 Jahren aus dem Nemisee ge 
hoben wurde, waren die Nägel aus reinem 
Kupfer und so gut erhalten, daß sie noch heute 
verwendbar sind. 
Schach i« Rendsburg 
Geleitet von C. Hinz, Rendsburg. 
Schachnachrichte«: Rendsburger Schachklub von 1895. 
Spiellokal: Haus des Arbeitervereins von 1848, Kanzlei 
straße. 
Spieltage: Dienstagabends 29.15 Uhr. Sonntagmorgens 
sab 9 Uhr freier Schachvcrkehr), Schachfreunde sind an 
beiden Spieltagen willkommen. 
Am letzten Sonntag wurden 2 Turnierpunkte von 
Riedel und Hinz in der ersten Gruppe erzielt. Groth 
führte gegen Hinz die weißen Figuren. Schon in der 
Eröffnung verließ Weiß die Pfade der Theorie. Dies 
kostete ihn im Mittelspiel drei Zentrumsbauern und 
später die Partie. Da Nölle zu seinem Kampfe nicht er 
schien, gewann Riedel seine Partie kampflos. In der 
zweiten Gruppe gewann Kock gegen Ratjen überlegen. 
Am Dienstag wurden in der zweiten Gruppe 
3 Kämpfe ausgetragen. Möller hatte eine» leichten Ge 
winn gegen Kock. Brommann mußte gegen Gabriel die 
Waffen strecken. Kock konnte im 31. Zuge seinen Geg 
ner Bagge zur Aufgabe zwingen. 
Am Donnerstagabend wurden zwei Spiele der ersten 
Gruppe vcrabredungsgemäß im Cafe Albert absolviert. 
Nölle konnte nach einem sehr hartnäckigen Ringen sei 
nen spielstarken Gegner Joerges in die Knie zwingen. 
Während Groth, welcher scheinbar in diesem Turnier 
einen schlechten Start Hat, eine Packung von Zettler 
entgegennehmen mutzte. 
In dem Bericht vom Sonnabend, dem 25. April, ist 
mir durch verkehrte Zustellung der Ergebnisse ein Feh 
ler unterlaufen. Das Spiel Müller—Brommann ist 
nicht von Müller, sondern von Brommann gewonnen. 
Der erste Vortragsabend für Fortgeschrittene fand 
Dienstag statt. Es wurde die Erösfnungslehre behan 
delt. Anschließend spielte der Lehrer im Reihenspiel ge 
gen seine Schüler. Die Lehrweise löste bei den Teil 
nehmern großes Interesse und Freude aus. Da an je 
dem Nnterrichtsabend die Themen kurz wiederholt wer 
den, können während der Unterrichtsfolge neue Inter 
essenten zukommen. 
Sonntag, den 10. Mai, findet das Freunbschaftsrück- 
spiel gegen den Eckernförder Klub am Vor- und Nach 
mittag in unserm Spiellokal statt. Es ist mit einem 
Siege unserer Rendsburger Mannschaft zu rechnen. 
Für unsere Löser bringe ich heute einen Zweizüger 
von Greenaae. 
Problem v. H. Greenaae. 
Nr. 7. 
Weiß zieht und setzt in 2 Zügen matt. 
Zuschriften und Lösungen sind einzusenden an den 
Rendsburger Schachklub, Hatzs des Arbeitervereins, 
Kanzleistraße. Lösungsfrist 14 Tage. Lösungsbekannt 
gabe in 3 Wochen. 
Abendlied, die Enten in den Torflöchern 
werden munter, aus der struppigen Krone 
der einsamen Föhre läßt der Pirol seinen 
herrlichen Ruf erschallen. 
Aber ganz plötzlich ist dies alles um mich her 
vergessen und versunken. All mein Sinnen 
und Trachten gilt jetzt nur noch dem kullern 
den Hahn, dessen wilder Balzgesang irgend 
wo in der braunen Heide aufgeklungen ist. 
Und horch! ... ein zweiter Hahn mischt sich 
ein, ein dritter, ein vierter . . . bald ist die 
ganze Heide zu einem einzigen Liebeslied der 
schwarz-weiß-roten Minnesänger geworden. 
Aber noch ist keiner von ihnen zu erspähen. 
Noch hält sie die Heide in ihrer braunen Hut. 
Doch sieh! . . . drüben bei der großen Bulte 
blitzt es plötzlich schneeweiß auf! Die weißen 
Spielfedern eines rodelnden Hahns! . . . 
Wild faucht und zischt der schwarze Gesell, 
spreizt das bunte Gefieder, wirft sich keck in 
die Luft, schlägt ein lustiges Rad, rodelt und 
schleift, kullert und faucht, verhält dann ganz 
plötzlich . . . und rennt wie besessen auf den 
Nebenbuhler los, der jäh vor ihm eingefallen 
ist und dem Kampfe nicht ausweicht, sondern 
mit weit gefächertem Spiel und schräg ins 
Kraut gespreizten Schwingen sich dem Angriff 
stellt. 
Rot glühen die Rosen der beiden Hähne 
über den blitzenden Augen, blau schillern die 
schwarzen Federpanzer und weiß leuchten die 
Spiegelfedern am zornig gefächerten Stoß. 
Ein giftiges Gezisch und Gefauche fährt über 
die Heide, die wild gesträubten Hälse senken 
sich — und jäh wie ein Märzsturm fahren die 
tollen Gesellen aufeinander los, schmettern 
sich die schwarz-weißen Schwingen um die 
struppigen Hälse, schlagen einander die Sporen 
ins stiebende Gefieder, lassen kraftsammelnd 
ab, ducken die Hälse ins Kraut, fauchen und 
zischen immer wilder und giftiger, sträuben 
immer zorniger die Kragen und prallen aber 
mals zusammen, daß die beiden Körper wie 
bunte Bälle in die Luft schnellen und die 
Federn fliegen, als fahre ein wüster Sturm 
wind durch buntes Laub . . . 
„Gruck! . . . klagt auf einmal der eine und 
hat genug. 
Hastig rennt er zwischen den krautigen 
Bülten nach dem Birkenbruch hinüber, wo 
das Riedgras und das Wollgras leuchten. 
Aber der alte ist hart hinter ihm. Die braun 
und golden schimmernden Hennen, die dicht 
am Birkenbruch die Köpfe recken, gehören nur 
ihm ganz allein und keinem andern! Mit 
einem halben Siege gibt er sich nicht zufrieden. 
Ganz und gar muß der andere den Balzplatz 
räumen, sonst setzt es neue Hiebe. Mächtig 
bringt er den flüchtigen Rivalen auf den 
Schwung. Schon will er sich zum dritten Male 
auf ihn stürzen, — da breitet der andere 
angstvoll die Schwingen und reitet ab. Im Nu 
ist er verstrichen. 
Der alte Platzhahn aber reckt stolz den blau 
schillernden Kragen und kullert über die Heide 
sein wildes Siegeslied! . . . 
Und dann balzt er sich näher an den alten 
Heideweg heran, — immer näher. Nun steht 
er mitten auf dem Moorweg und frohlockt der 
sinkenden Sonne seinen urigen Sang entge 
gen. Das glutrote Tagesgestirn aber schmückt 
das prächtige Wams des Siegers mit funkeln 
dem Gold und blitzenden Diamanten . . . 
Das Korn meines Drillings hat längst sein 
Ziel gefaßt, ... ein Fingerdruck — ein jä 
her Knall, und leblos kippt der alte Hahn ins 
Heidekraut. Das Blei ging mitten durch sein 
heißes Herz. Im Hochgefühl der Liebe und 
des Sieges leidlos umzukippen — welch schö 
neren Tod kann es geben? 
Wenig später schmückt eine schwarze Sichel 
feder meinen grünen Hut. 
Frauen-Anekdoten 
Das Schreckmittel. 
Die Gräfin Schwettau, Hofdame am Hofe 
Königs August des Starken, eine sehr reiche, 
aber ebenso geizige Dame, die sich nur sehr 
schwer von ihrem Gelde trennen konnte, hatte 
sich vom Dresdener Hofzahnarzt Schubert ein 
neues Gebiß machen lassen. Nachdem die Lie 
ferung prompt erfolgt war, sandte er die Rech 
nung, ohne prompte Zahlung zu erhalten. Spä 
ter ließ er sie noch mehrere Male präsentieren, 
aber immer zog sich die Zahlung aus den fa 
denscheinigsten Vorwänden hin. Da riß dem 
Zahnarzt endlich die Geduld und er sandte der 
zahlungsunlustigen Gräfin einen Brief. Sie 
öffnete ihn neugierig und heraus fiel ein Zei 
tungsausschnitt folgenden Inhalts: 
„Ein neues Gebiß ist billig zu verkaufen. 
Täglich zu sehen im Munde der Gräfin 
Schwettau." 
Noch in derselben Stunde hatte der Hofzahn 
arzt sein Geld. 
Das Nähzeug im Kirschkern. 
Im Jahre 1835 machte der Uhrmacher Löff 
ler in Wien der Kaiserin Karolina ein kleines 
Kunstwerk zum Geschenk, das die höchste Be 
wunderung aller, die es sahen, hervorrief. In 
einem natürlichen, mit Schloß und Haspen 
versehenen Kirschkern befand sich nämlich ein 
vollkommenes Damennähzeug: Eine Schere, 
ein Nadelbüchschen mit drei Nähnadeln, ein 
Taschenmesser mit goldenem Griff, ein Zwirn 
wickel und ein Fingerhut aus Gold. 
Der Kern wurde mittels eines goldenen 
Schlüssels, in dessen Bart der Name der Kai 
serin durchbrochen zu lesen war und welcher 
an dem Kerne durch die feinste zierlichste Ve- 
netianerkette befestigt war, geöffnet.
	        
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