Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

àŗ Tag in Woŗè nnö VŞ 
3^6» - 
In der Lüneburger Heide entsteht ein Dorf 
Im Beisein des Chefs des Verwaltungsam 
tes des Reichsluftfahrtministeriums, General 
leutnants Kesselring, fand am Flugplatz Feß- 
oerg rn der Lüneburger Heide das Richtfest 
von hundert Arbeitersiedlerstellen statt. Es 
handelt sich dabei um eine der ersten größeren 
geschlossenen Siedlungen für die bei der Luft 
waffe beschäftigten Arbeiter. In der kurzen 
Zeit von zwei Monaten ist eine mustergültige 
Anlage aus dem Boden gewachsen. 
Man hat größten Wert darauf gelegt, den 
Eindruck der Gleichmäßigkeit, der dem norma 
len Bild der Siedlung leicht anhaftet, nicht 
aufkommen zu lassen, und daher lange regel 
mäßige Straßenzüge vermieden. Eine breite 
Hauptstraße bildet den Mittelpunkt des klei 
nen Dorfes,- von ihr zweigen sich kleine Wohn- 
straßen ab, von öenen jede einen besonderen 
Charakter erhält. In der einen sind ein paar 
Kiefern von der ursprünglichen Heideland 
schaft stehengeblieben, eine andere bekommt, 
zumal sie hinten durch ein gnergesetztes Haus 
abgeriegelt ist, eine Art Hofcharakter, eine 
örrtte verbreitert sich auf ein Waldstück zu, 
erne vierte erhält in der Mitte einen kleinen 
Terch, der gleichzeitig die doppelte Aufgabe 
haben soll, als Feuerschutz und Kinderspiel 
platz zu dienen. Obgleich die 60 Doppelhäuser 
alle gleich gebaut sind, bietet die Siedlung so 
ein buntes, abwechslungsreiches Bild. Dazu 
kommt, daß sich die Anlagen mitten in Wald 
und Heide in idealer landschaftlicher Lage be 
findet. Die einzelnen Wohnungen bestehen aus 
eurer großen Diele, zwei Zimmern, einer 
Wohnküche und einer besonderen Wirtschafts- 
küche. Da eine Unterkellerung infolge des 
Grundwasserstanöes nicht ratsam erschien, 
wurden besondere Abstellräume eingebaut. 
Außerdem sind ein Stallraum und, was bei 
den meisten Siedlungshäusern vergessen wird, 
ein großer überdachter Schuppenraum vor 
handen. Die Möglichkeit, für die Kinder der 
Familien Bodenkammern einzubauen, ist bei 
allen Häusern gegeben. Praktisch ist es, daß 
man die Wohnrüume überall nach innen ge 
legt und dadurch die Nebenräume eingeschlos 
sen hat,- die Siedler werden so erheblich an 
Heizkosten sparen. Auch das Baumaterial — 
die Häuser sind aus rheinischem Schwemm 
stein erstellt — wird in dieser Richtung wir 
ken,- es hat zugleich den Vorteil, daß die Häu 
ser von vornherein trocken sind. 
Die Richtfeier war mit einem Schmaus nach 
dem Brauchtum des Bauhanöwerks verbun 
den, bei dem — da die Gefolgschaft, die in ei 
nem Lager untergebracht ist, aus Dorsten in 
Westfalen stammt — westfälischer Schinken die 
Hauptrolle spielte. Zum Schluß sprach Regie 
rungspräsident Mathaei (Lüneburg). Gefolg 
schaft und Gäste hielt die Fröhlichkeit der 
stunde, für die gemeinsame Lieder und hei 
tere Vorträge sorgten, während eine Flieger 
kapelle spielte, noch lange beisammen. Die 
Siedlung soll bereits am 1. Juli bezugsfertig 
werden. 
Mozartwoche in Berlin. 
Die Meàg des Berffnet MWreifes 
DRV. Berlin, 4. Mai. Tie Berliner Kunst 
wochen haben mit einer Mozartwoche einge 
setzt. Die Bedeutung, die die Reichshauptstadt 
dreser festlichen Reihe musikalischer Veranstal 
tungen als Abschluß des Konzertwinters und 
als Auftakt des Olympischen Sommers bei 
legt, kam in einem Empfang zum Ausdruck, 
den der Staatskommissar der Reichshauptstadt 
im Rathaus gab. Staatskommissar Dr. Lip- 
pert wies in seiner Ansprache darauf hin, daß 
Berlin alles daran setzen wolle, um den Eh 
rennamen einer Musikstadt mit Recht weiter 
zu tragen. Diesem Ziel dienten die Kunst 
wochen. Die besondere Verbundenheit der 
Reichshauptstadt mit den nachschaffenden 
Künstlern komme in der Stiftung eines Mu 
sikpreises von 6000 RM. zum Ausdruck. Der 
Musikpreis der Stadt Berlin für das Jahr 
1936 wurde verliehen: dem Geiger Siegfried 
Borries, Konzertmeister des Philharmonischen 
Orchesters in Berlin, dem Pianisten Richard 
Laugs aus Kassel, dem Zernick-Quartett in 
Berlin, dem Sänger Hans Eggert aus Kö 
nigsberg und der Sängerin Lore Fischer aus 
Stuttgart. 
Kreuzer „Nürnberg" in Lissabon. 
Ein porļugiesischer Gegenbesuch. 
DNB. Lissabon, 4. Mai. Anläßlich des Be 
suches des deutschen Kreuzers „Nürnberg" in 
Lissabon fand in der deutschen Gesandtschaft 
ein Festessen statt, an dem von portugiesischer 
Seite u. a. der Marineminister sowie der 
Bürgermeister von Lissabon, von deutscher 
Seite der Befehlshaber der Aufklärungsstrei- 
kräfte, Admiral Böhm, und der mecklenburgi 
sche Reichsstatthalter Hildebrandt teilnahmen. 
Der Deutsche Gesandte, Freiherr von Hoy- 
ningen-Hüne, betonte in einer Rede die Be 
deutung der Kreuzerbesuche als Mittel zur 
Erhaltung des Friedens. Der portugiesische 
Marineminister Ortins Bettencourt unter 
strich diesen Gedanken und führte dann u. a. 
aus: „Die portugiesischen Seekadetten werden 
auf ihrer demnächst geplanten Deutschland 
reise die Begeisterung, die Vaterlandsliebe 
und die Disziplin des deutschen Volkes ken 
nenlernen, die die Garanten eines inneren 
Friedens sind. Deutschland verdankt seine Auf 
wärtsentwicklung dem Nationalsozialismus 
und seinem F ü h r e r, für den ich Verehrung 
und Bewunderung hege." 
Der Kreuzer „Nürnberg" verließ am Mon 
tag früh Lissabon. Er wird gemeinsam mit den 
Kreuzern „Köln" und „Leipzig" ,öie gleich 
zeitig aus dem portugiesischen Hafen Lagos 
ausliefen, die Heimreise antreten. 
DaMpfķŗzusaņrMeņstotz 
DNB. Prris, 3. Mar. (Erg. Funkmeld.) 
Die Funkstation Marseille hat einen Funk 
spruch des italienischen Dampfers 
„Asuncione" aufgefangen, in dem mitgeteilt 
wird, daß das Schiss mit dem griechischen 
Dampfer „Katingo" zusammengestoßen sei. In 
der Nähe befindliche Schiffe werden zur Hilfe 
leistung aufgefordert. Das Unglück ereignete 
sich auf 48,1Ü Grad nördlicher Breite und 6,8 
Grad westlicher Länge. 
Unglück in einem portugiesische» Hafen. 
DNB. Paris, 5. Mai. (Eig. Funkmeldung.) 
Im Hafen von Leixos bei Porto in Portugal 
ereignete sich beim Bergen des vor zwei Jah 
ren gestrandeten Dampfers „Orania" eine 
heftige Explosion. Ein englischer Ingenieur 
und ein portugiesischer Arbeiter wurden auf 
der Stelle getötet, drei andere Arbeiter ver 
letzt. 
Opf§r h§S BZekchrS 
Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich 
auf der Berlin—Hamburger Chaussee in der 
Nähe von Mechow. Der 77 Jahre alte Schnei 
dermeister Geserich aus Kyritz bog mit seinem 
Fahrrad plötzlich nach links ab. In diesem 
Augenblick kam ein Hamburger Personenkraft 
wagen in hoher Fahrt vorbei. Der Autofahrer 
versuchte noch, links vorbeizukommen, fuhr 
über den Sommerweg hinaus mit den Rädern 
in den Graben, kam zur Chaussee zurück und 
erfaßte dann den Radfahrer. Der alte Mann 
wurde aus die Straße geschleudert und auf der 
Stelle getötet. Der Kraftwagen wurde be 
schädigt. 
Ein schweres Verkehrsunglück, das ein 
Todesopfer und zwei Verletzte forderte, hat 
sich am Sonntagabend an der Schillingsbrücke 
im Berliner Osten zugetragen. Als dort der 
28 Jahre alte Walter Braun mit seiner 38- 
jährigen Ehefrau Frieda den Fahröamm über 
schritt, wurden beide von einem Motorrad er 
faßt und zu Boden gerissen. Frau Braun er 
litt einen schweren Schüöelbruch sowie mehrere 
Beinbrüche und starb auf dem Transport nach 
dem Krankenhaus, während ihr Mann eine 
Gehirnerschütterung, einen Unterarm- und 
einen Oberschenkelbruch davontrug. Auch der 
Motorradfahrer ist zu Fall gekommen und hat 
sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. 
Die Tragödie auf dem Schauinsland. 
M. Kennêîh K§ast Hst fahrlässig 
gehMelt. 
Die Untersuchung des Unglücks vom 17. 4. 
d. I. auf dem Schauinsland bei Freiburg ist 
nun beendet. Oberstaatsanwalt Dr. Weiß hat 
das Ergebnis dem Reichsjustizministerium in 
Berlin übergeben mit der Bitte um Weiter 
gabe an die englischen Justizbehörden. Die 
Untersuchung ergab eindeutig, daß der engli 
sche Lehrer Mr. Kenneth Keast sich grobe Fahr 
lässigkeit hat zuschulden kommen lassen. Trotz 
mehrfacher, strengster Warnung hat er die 
dünn angezogenen Jungen in das Schneetrei 
ben geschickt. Ein auf dem Dienstweg befind 
licher Briefträger, der die erschöpften Schüler 
in 820 Meter Höhe auf dem Grat des Schau 
insland antraf, erbot sich, sie innerhalb einer 
Stunde in Sicherheit zu bringen. Unverant 
wortlich war die Handlung Mr. Keasts, der 
die Hilfeleistung des Briefträgers abschlug. Er 
wird sich in den nächsten Tagen in England 
zu verantworten haben. 
ZWpelleheK eines ŞZbjergêr Bürgers. 
Das Landgericht Viborg verurteilte den 
Kaufmann Helmer Hagedorn aus Esbjcrg zu 
drei Jahren Gefängnis und zehn Jahren Ehr 
verlust. Hinter der Maske eines ehrsamen Ge 
schäftsmannes trieb er sein Wesen als Häupt 
ling einer Räuberbande. Diese, zumeist aus 
jungen Leuten bestehend, unternahm nachts in 
Autos Fahrten nach jütischen Ortschaften und 
raubte und plünderte dort. Hagedorn machte 
das Raubgut zu Geld. Seine Mitschuldigen 
werden später abgeurteilt und zum Teil der 
Zwangserziehung überantwortet. 
Zwei Maigefchenke für den deutschen Arbeiter. 
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat aus Rügen die Grundsteinlegung des gewal 
tigen Kraft-öurch-Freude-Seebades für 20 000 Besucher und in Hamburg die Kiel 
legung des ersten Kraft-durch-Frende-Schifses von 23 000 To. Größe vorgenommen. 
Die Feierstunde am Rügenstrand. In der Luft eine Staffel von 9 Flugzeugen, die 
während der Grundsteinlegung die Grüße der Luftwaffe entbot. 
(Scherl Bilderdienst, K.) 
Die erste Niete für das erste Kraft - durch - Freude - Schiff. Dr. Ley 
treibt sie mit dem Preßlufthammer auf der Werft der Howaldts- 
Werke in Hamburg ein. (Scherl Bilderdienst, K.) 
Fortschritte 
der WolksgesŅdheit 
Die vom Preußischen Innenministerium 
herausgegebenen Berichte über das Gesund 
heitswesen zeigen mit unangreifbarem Sach- 
material auf, daß der Gesunöheits- und der 
Ernährungszustand der Bevölkerung bereits 
seit dem Jahre 1934 sich sehr erfreulich ver 
bessert hat. Besonders bemerkenswert ist an 
dieser Tatsache die Erscheinung, daß sie bei 
allen Lebensaltern auftritt. Es ist klar, daß 
die Entwicklung einerseits der systematischen 
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und anderer 
seits der zielbewußten Gesundheitspolitik der 
nationalsozialistischen Regierung zu danken 
ist. Beispielsweise ist die Sterblichkeit um 0,2 
auf 1000 gesunken, die Säuglingssterblichkeit 
sogar um das Dreifache. Gegen die Zeit von 
1930 ist ferner die Geburtenzahl von 15,3 auf 
19,0 gestiegen (bei 1000). Hier hat sich natur 
gemäß auch die Hergäbe der Ehestandsdarlehen 
förderlich ausgewirkt. Wenn gleichwohl nur 
die Hälfte der Kinder auf solche Ehen ent 
fallen, die mit Ehestandsdarlehen geschlossen 
wurden, so ist das ein erfreuliches Zeichen da 
für, daß die lebhafte Propaganda für Ver 
mehrung der Kinöerzahl in breitesten Volks 
schichten verständnisvoll aufgenommen wurde. 
Auch in diesem Zusammenhang muß freilich 
wieder darauf hingewiesen werden, daß mit 
der Steigerung der Geburtenzahl das zur Er 
haltung der deutschen Volkskraft erforderliche 
Soll bei weitem noch nicht erreicht ist und daß 
dieses erst durch das 3. und 4. Kind zur Tat 
sache wird. 
„Justiz" aus MMkamscher Landstraße. 
DNB. Newyork, 4. Mai. Im Staate Georgia 
überfielen in der Nähe von Pavv etwa 200 
Männer auf der Landstraße einen Gefange 
nentransport. Sie entrissen dem Sheriff einen 
Neger, der unter Mordverdacht stand, lynchten 
ihn und warfen seine Leiche in den Hof einer 
Negerschule. Dies ist der dritte Fall von 
Lynchjustiz, der sich innerhalb einer Woche in 
den Vereinigten Staaten abgespielt hat. 
Wieder die yààmlMM. 
In Mähren-Schlesien wurden vor einem 
Jahrzehnt in einigen Bezirken bis achtzig 
Prozent der Gemeinden mit Millionenauf- 
wanö aus Staatsmitteln elektrifiziert. Der 
größte Teil dieser Gemeinden schuldet heute 
noch erhebliche Beträge dafür. Weil nun aber 
die Zahlungsfähigkeit der Gemeinden ständig 
sinkt, haben bereits viele die teuere elektrische 
Beleuchtung aufgegeben und sind zum Petro 
leum zurückgekehrt. Ebenso gibt es viele 
Haushalte, die keinen elektrischen Strom mehr 
verbrauchen,' denn auch sie haben die Petro 
leumlampen wieder in Gebrauch genommen. 
Neuerdings will man Schritte unternehmen, 
die Strompreise herabzusetzen, damit die All 
gemeinheit wieder zum elektrischen Licht zu 
rückkehren kann. 
§!MM§n!sd in der Wchàbe. 
Die Berliner Feuerwehr war in der Nacht 
zum Sonntag mit der Bekämpfung mehrerer 
Groß- und Kleinfeuer beschäftigt. Am ver 
hängnisvollsten wirkte sich ein Wohnlauben 
brand am Weißenseer Weg in Lichtenberg aus, 
wo eine 79jührige bettlägerige Frau hilflos in 
den Flammen umkam. Bei den Aufräumungs 
arbeiten konnte nur noch die Leiche der FraN 
geborgen werden. 
* * * 
Deutsche Kunstgerverbeausstellung in Ankara- 
In dem Ausstellungspalast in Ankara wur 
de durch den deutschen Botschafter von Keller 
eine deutsche Kunstgewerbeausstellung eröff 
net. Unter den geladenen Gästen sah matt 
mehrere türkische Minister, zahlreiche Vertre 
ter des Diplomatischen Korps, der Deutschen 
Kolonie und der türkischen Beamtenschaft. Die 
ausgestellten Kunstwerke finden das rege In 
teresse der vielen Besucher. 
Neye MMolM 
M ŅMàlMstàîWn. 
NDZ. Berlin, 4. Mai. (Eig. Funkmeldung)' 
Wie der Neichskriegsminister bekanntgibt, Hai 
der Stellvertreter des Führers die Marsch 
folge bei Parteiveranstaltungen neu geregeli- 
Danach marschieren Abordnungen der Wehr 
macht unter Waffe» an der Spitze des gesamten 
Zuges, also vor der SA. Der bisher vor 
gesehene Ehrensturm fällt fort. Abordnungen 
ohne Waffen marschieren an der Spitze der 
außerhalb der Partei, ihrer Gliederungen işş 
angeschlossenen Verbände stehenden Formati 
onen. Vor ihnen marschieren als letzte Grupps 
der Parteigliederungen die Walter und Warst 
der angeschlossenen Verbände, soweit sie in 
einheitlicher Kleidung auftreten und nicht Po 
litische Leiter sind. Den Vorbeimarsch der 
Wehrmachtsabordnungen nehmen der höchsst 
Hoheitsträger der Partei und der dienstültesst 
Offizier der Wehrmacht gemeinsam ab» 
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